Lesestoff: Deutschlands neue ‚Militärische Luftfahrtstrategie‘ (Nachtrag: Ohne Nukleare Teilhabe)

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Das ist gewichtiger und sehr grundlegender Lesestoff: Das Verteidigungsministerium hat am (heutigen) Dienstag die neue Militärische Luftfahrtstrategie 2016 vorgelegt – mit der Definition der Fähigkeiten, die in Zukunft von deutschen Luftstreitkräften (neben der Luftwaffe auch die fliegenden Einheiten/Komponenten in Heer und Marine) verlangt werden.

Einen wesentlichen Punkt hatte die Reuters-Kollegin Sabine Siebold bereits beim Blick auf einen Entwurf im Dezember vergangenen Jahres entdeckt: Die geplante multinationale Entwicklung eines neuen, möglicherweise auch unbemannten Kampfjets. Das findet sich in dem Papier so wieder:

Ein NextGenWS [Waffensystem der nächsten Generation], als zukünftiges komplementäres System zum Waffensystem EUROFIGHTER im Systemverbund FCAS [Future Combat Air System] und in Teilbereichen als möglicher Nachfolger des Waffensystems TORNADO, ist auf die zukünftigen Anforderungen luftgestützter Waffensysteme auszurichten. Dabei sind im Schwerpunkt auch mögliche Optionen zur Abstützung auf Fähigkeiten im Bündnis zu berücksichtigen. Die daraus abzuleitenden Fähigkeitsforderungen sind in einem komplementären Ansatz unter Berücksichtigung des Fähigkeitsaufwuchses für das Waffensystem EUROFIGHTER, der Fähigkeiten der MALE UAS Ziellösung sowie technologischer Entwicklungen, Trends und der Entwicklung des Bedrohungspotenzials zu definieren.
Das NextGenWS könnte dabei unbemannt, bemannt, aber auch optional bemannt sein. Eine Festlegung hierzu ist im Rahmen weiterer Analysen und im Kontext einer europäischen Lösung zu treffen.
Zum bruchfreien Erhalt der derzeitigen Fähigkeiten durch die Bundeswehr wäre das Erreichen der Initial Operational Capability eines NextGenWS spätestens zum Nutzungs- dauerende des Waffensystems TORNADO erforderlich. Der strategischen Linie folgend soll dies multinational erfolgen. Mit der Definition der konzeptionellen Vorstellungen wie auch operationellen Anforderungen für ein FCAS im Schwerpunkt im Jahr 2016 werden die Grundlagen für konkrete europäische Kooperationen geschaffen.

Aber das ist ja nur ein Teil; in dem ganzen Papier stecken viele Details, die die Kenner interessieren werden (zum Beispiel als Teil der Aufgaben-Definition: Kampf gegen Kräfte am Boden (Air Interdiction (AI), Close Air Support (CAS), Joint Time Sensitive Targeting (JTST), und Überwasserseekrieg aus der Luft (Anti Surface Warfare (ASuW)).

Ich bin gespannt, was die Fachleute in dieser Broschüre noch an Einzelheiten entdecken, die den Nicht-Fachleuten vermutlich verborgen bleiben… Hinweise dazu gerne in den Kommentaren.

Die Militärische Luftfahrtstrategie 2016 gibt’s auf der Webseite des Verteidigungsministeriums hier zum Herunterladen*; einen Erklärtext dazu gibt es hier.

Nachtrag: Angeregt durch den Hinweis in den Kommentaren, dass in diesem Papier die Nukleare Teilhabe nicht auftaucht, habe ich mal gesucht. Und zwar in einem früheren – leider undatierten – Entwurf.

Aus dem Entwurf (Hervorhebung von mir):

Die durch deutsche Streitkräfte vorzuhaltenden erforderlichen Fähigkeiten werden wie folgt kategorisiert:
MUSS:
• Rechtliche oder politische Vorgaben, Fähigkeiten, die national abzubilden sind
(z.B. Dauereinsatzaufgabe Überwachung und Gewährleistung der Sicherheit des deutschen Luft- und Seeraums, Nukleare Teilhabe (NT), Rettung, Evakuierung und Befreiung von deutschen Bürgern und Schutzbefohlenen im Ausland (Personnel Recovery, MilEvakOp), Beiträge zur Unterstützung von Spezialkräften);

(…)

Mit dem Systemverbund des Future Combat Air System (FCAS) sind folgende Aufgaben/Operationsformen auch unter Berücksichtigung multinationaler Fähigkeitsbeiträge abzudecken:
• Stellen der Alarmrotte (Quick Reaction Alert (Intercept) QRA(I)) im Rahmen der Dauereinsatzaufgabe Überwachung und Gewährleistung der Sicherheit des deutschen Luftraums;
Nukleare Teilhabe (NT);
• Kampf gegen das gegnerische Luftkriegspotenzial in der Luft und am Boden
(Defensive Counter Air (DCA), Offensive Counter Air (OCA) einschließlich der
Unterdrückung der gegnerischen Bodengebundenen Luftverteidigung (SEAD);
• Kampf gegen Kräfte am Boden (Air Interdiction (AI), Close Air Support (CAS), Joint Time Sensitive Targeting (JTST), und Überwasserseekrieg aus der Luft (Anti
Surface Warfare (ASuW));
• Aufklärung und Überwachung (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance (ISR);
siehe auch Aufklärungsverbund).

Dagegen die jetzt veröffentlichte Fassung:

Die durch deutsche Streitkräfte vorzuhaltenden erforderlichen Fähigkeiten werden wie folgt kategorisiert:
MUSS:
• Rechtliche oder politische Vorgaben, Fähigkeiten, die national abzubilden sind (z.B. Dauereinsatzauf- gabe Überwachung und Gewährleistung der Sicher- heit des deutschen Luft- und Seeraums, Rettung, Evakuierung und Befreiung von deutschen Bürgern und Schutzbefohlenen im Ausland (Personnel Reco- very, MilEvakOp)), Beiträge zur Unterstützung von Spezialkräften, Fähigkeiten für Aufgaben im Rahmen innerstaatlicher und internationaler Verträge zum Such- und Rettungsdienst über See und Land;
• Beiträge gegenüber NATO und EU auf Basis politischer Vorgaben – wo immer möglich in multinationalen Kooperationen;
• Sicherstellung der Grundvoraussetzungen für den Einsatz (z.B. Schutz vor Bedrohungen aus der Luft; Sicherstellung Lufttransport unter Bedrohung inklu- sive taktischer Luftbeweglichkeit von Landstreitkräften, strategischer und taktischer Verwundetenluft- transport (AirMedEvac));
• Schutz und Unterstützung eingesetzter Truppen, Protect & Support, u.a. im Rahmen von Streitkräftegemeinsamer Taktischer Feuerunterstützung (STF) bzw. der Air Surface Integration (ASI);
• Bereitstellung von Lageinformationen durch Aufklärung.

(…)

Mit dem Systemverbund des Future Combat Air System (FCAS) sind u.a folgende Aufgaben/Operationsformen auch unter Berücksichtigung multinationaler Fähigkeits- beiträge abzudecken:
• Stellen der Alarmrotte (Quick Reaction Alert (Intercept) QRA(I)) im Rahmen der Dauereinsatzaufgabe Überwachung und Gewährleistung der Sicherheit des deutschen Luftraums;
• Kampf gegen das gegnerische Luftkriegspotenzial in der Luft und am Boden (Defensive Counter Air (DCA), Offensive Counter Air (OCA) einschließlich der Unterdrückung der gegnerischen Bodengebun- denen Luftverteidigung (SEAD);
• Kampf gegen Kräfte am Boden (Air Interdiction (AI), Close Air Support (CAS), Joint Time Sensitive Targeting (JTST), und Überwasserseekrieg aus der Luft (Anti Surface Warfare (ASuW));
Aufklärung und Überwachung (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance (ISR); siehe auch Aufklärungsverbund).

Und in der Tat führt die Suche nach dem Begriff Nukleare Teilhabe, ja schon nach dem Wort nuklear in der veröffentlichten Luftfahrtstrategie zu keinem Ergebnis. Es mag sein, dass das unter die Beiträge gegenüber NATO und EU auf Basis politischer Vorgaben gefasst wird – aber es wäre schon interessant zu erfahren, wann, warum auf welcher Stufe der ministeriellen Entscheidungsleiter der Begriff Nukleare Teilhabe aus diesem Dokument getilgt wurde. Und welche Bedeutung das hat.

*Vorsorglich die Militärische Luftfahrtstrategie hier noch mal als pdf, man weiß ja nie, wie lange der Link funktioniert:

Militaerische Luftfahrtstrategie Januar 2016

45 Gedanken zu „Lesestoff: Deutschlands neue ‚Militärische Luftfahrtstrategie‘ (Nachtrag: Ohne Nukleare Teilhabe)

  1. Ich würde das so deuten: Man weiß, dass man in der europäischen Luftfahrtindustrie dringend Entwicklungsprogramme wie J-UCAS starten muss, um Basisfähigkeiten für modernere UAVs aufzubauen. Da man misstrauisch ist, was die EU-Industrie so auf die Kette bekommen wird, formuliert man ambitioniert mit vielen Schlupflöchern. Man will ja nicht das Gesicht verlieren oder gar hinterher als Schuldiger dastehen.

    In der Sache lange überfällig. Man wird nur aufpassen müssen, dass das nicht nur Industriesubvention ist. Bekanntermaßen hat die europäische Luftfahrtindustrie gute Juristen, die in die Verträge reinschreiben, dass man eigentlich ja nur forschen muss, von Ergebnissen, Fähigkeiten oder gar guten Luftfahrzeugen war ja nicht die Rede…

  2. Aus dem verlinkten Dokument: „Die Notwendigkeit zur Beschaffung eines weiteren Transportflugzeugs wird derzeit nicht gesehen“.
    Der Parteilinie ist also unter Ausschluß der Realität weiter zu folgen, falls nötig bis zum absehbaren, bitteren Ende

  3. ein paar wesentliche Punkte die ich entnommen habe:
    „Die Notwendigkeit zur Beschaffung eines weiteren Transportflugzeugs wird derzeit nicht gesehen“.
    dh es wir an einer reinen A400M Lösung festgehalten und Übergangslösungen mit C130J oder C295 sind nicht gepalnt

    interessant ist weiterhin (wobei vieles auch schon bekannt):

    der Ersatz des SeaLynx ab 2025 (die Fähigkeiten sollen wohl weitestgehend auch durch das neue Muster erhalten bleiben)

    der Nachfolger CH53 mit Zulauf des ersten Musters ab 2022 und Auswahlentscheidung Ende 2016! Sehr sportliches Zeitplan aber auch begrüßenswert….lässt aber den Schluss zu dass ein bestehendes Muster ausgewählt wird und nicht auf den CH53K gewartet wird… also Tendenz CH47F (evtl Block2)

    Tornado soll bis Mitte 2035 fliegen und weitere Upgrades erhalten

    Eurofighter ein MLU erhalten und weitere AG FK erhalten (hört sich nach Brimstone an)
    von Beschaffung einer Tranche 3B steht leider nichts drin…Tranche 1 wird wohl zeitnahe ausgemustert oder nur noch für Ausbildung verwendet… Tranche 2 und 3A sollen alle Upgrades erhalten (AESA + Avionik usw.)

    Die Marinedrohne wird bis Ende 2018 zulaufen

    der A310 soll durch A330MRTT in multinationalem Verband abgelöst werden

  4. Zum vorangegangenen Kommentar der Hinweis, dass sich zum Thema CH53-Nachfolger was im Drehflügler-Thread aktuell findet.

  5. Wieder ein schönes Schriftstück aus dem Hause UvdL mit der Handschrift von Fr.Suder mit wenig konkreten Aussagen.

    Kompetenz sieht z.B: zum Thema Ergänzungstransportflugzeug anders aus.

    Beim Besuch des 1.Korvettengeschwaders in Warnemünde hatte doch Fr. UvdL auf die Frage nach der Verfügbarkeit der Marinedrohne gesagt:Die kommt so schnell wie möglich.
    Wenn ich mich recht erinnere kam diese Äußerung 2015 mit Hinweis auf das laufende Jahr.
    Aber jetzt 2018?
    An diesem Gerät wird doch nun bestimmt auch schon 10 Jahre herumgebastelt!

    In Berlin sollte sich jeder die Frage stellen: Warum schaffen andere Nationen eine zeitnahe Beschaffung ohne schöne Worte vorab, und das doch so reiche Deutschland glänzt mit Hochglanzstrategiepapieren.

    Insgesamt auch ein Aufruf an die Industie durchzuhalten, bis z.B. eine Eurodrohne mit der Lead-Nation Germany in nähere Ferne rückt.

    Substanziell nichts greifbar echtes „Neues“, außer die Ankündigung eines Tornado-Nachfolgers whenever? Vor allem auch mit wem?

    Bis auf Frankreich setzen fast alle auf F35.Wir sind wieder mal zu spät dran, und ob FR seine Mirage 2000 mit uns zusammen ablösen wollen?
    Das geht eher wieder in die Hose.

  6. Scheinbar hat man aus den vergangenen multinationalen Rüstungsprojekten gelernt und plant keinen unsinnigen workshare entsprechend dem jeweiligen Auftragsvolumen sondern gleicht den workshare rüstungsprojektübergreifend aus.

    Also kein blödsinniges SPA baut linken Flügel, ITA den rechten Flügel, DEU setzt beides zusammen, sondern Nat X baut Drohne, Nat Y baut Kampfflugzeug, Nat Z baut Panzer.

    Ich lese jedoch nichts über nukleare Teilhabe und damit über die Strike Fähigkeit eines TORNADO Nachfolgers.
    Im Rahmen der Fähigkeitsbeiträge hätte ich hier ein MUSS erwartet. Das könnte sich jedoch auch unter „politische Vorgaben“ verstecken.

  7. @ Kater K

    Der Ansatz dürfte nicht funktionieren, da es vermutlich schon beim Einigungsprozess bezüglich der „Kernkompetenzen“ der einzelnen Länder knallt. Wurde hier schon des Öfteren durchdekliniert.

  8. @Jens Schneider

    Bei allem Debakel, fehlt uns gerade noch die F-35.

    Außerdem entfällt sowiso die Beschaffung von single engine Strahlflugzeugen bei der Bundeswehr.

    Jetzt ein Projekt starten Anforderung definieren und dann in 3-4 Jahren Designefreez und Füße stillhalten, dann bekommt man auch hinten mal was funktionierendes raus…….

  9. @Max Chavez

    Damit wir uns richtig verstehen : Auch ich bin absolut kein Fan der Krücke F35 ( habe ich auch schon mehrfach hier zum Ausdruck gebracht)

    Es wird nur sehr schwer werden Partner für die Ablösung des Tornados zu finden, da fast alle anderen Länder auf F35 setzen.

    Persönlich glaube ich, dass ein modernisierter und voll funktionsfähiger Tornado noch viele Jahre eine F35 in fast allen Bereichen abhängt.

  10. Seite 19:
    Unbemannte Luftfahrt
    Ziel im Bereich der unbemannten Luftfahrt ist der Betrieb im allgemeinen europäischen Luftraum zur Gewährleistung des Ausbildungs- und Einsatzflugbetriebs. Im Rahmen eines Risikomanagements müssen die Umsetzung ziviler Ausstattungs- und Zulassungsvorgaben mit denen für den Einsatz abgewogen werden.

    Auch mit nochmaliger Betonung auf Seite 21 vorletzter Abschnitt, allerdings nur für Systeme über 150kg.
    Das UAS Trition (als Sigint-Platform) oder alternativ bemannter Global 5000 scheint das große Projekt zu sein. Wie allgemein Male-UAS und ein neues Kampfflugzeug.

    An diesem Thema scheint man immer noch festzuhalten?! War ja hier schon öfter Thema in den Kommentaren

    Beim ersten Überfliegen sehe ich da keine bahnbrechende Neuerungen sondern nur die klassischen Worthülsen:

    Einsatzbereit ist die Bundeswehr erst dann, wenn neben einsatzreifem Material und Personal auch weitere Faktoren wie Logistik, Informationstechnik, Infrastruktur, Ausbildung und Übungen aufeinander abgestimmt sind. Diese Abstimmung und die Optimierung der dazugehörigen Abläufe ist ein zentrales Ziel der Neuausrichtung der Bundeswehr und der Agenda Rüstung.

  11. Ein wesentlicher Aspekt der großen „Luftfahrtstrategie“ wird hier nicht berücksichtigt. Auch wenn es nur auf zweitem Blick mit (militärischer) Luftfahrt etwas zu tun hat. Meiner Meinung nach sollte die LV wieder an die realistischen Bedrohungen angepasst werden. Eine bodengebundene LV gegen die relativ günstige und risikoarm einsetzbaren Drohnen ist in DEU (und wohl auch im großteil der übrigen NATO/EU) nicht mehr vorhanden. Es sei denn, man möchte mit Patriots auf Drohen schießen.

  12. Ich habe einen Hinweis aus den Kommentaren (vielen Dank!) mal aufgegriffen und oben nachgetragen, wie die Nukleare Teilhabe in einem früheren Entwurf enthalten war… Jetzt ist sie weg. Aus dem Dokument jedenfalls.

  13. Mit Sicherheit wird die Nukleare Teilhabe jetzt hinter Nato-Beiträgen versteckt, um zu verschleiern, daß das neue Kampfflugzeug vor allem auch für die Nukleare Teilhabe gebraucht wird und deshalb von der Opposition als „Atombomber“ verächtlich gemacht werden könnte.

    Eine Aufgabe der Nuklearen Teilhabe wäre mit der Union sicher nicht zu machen und hat höchsten bei SPD und Grünen Freunde.

    Allerdings wird es nie eine parlamentarische Zustimmung zu einem unbemannten Kampfflugzeug für Atombomben geben, so daß Nukleare Teilhabe und unbemanntes Kampfflugzeug sich ausschließen!

  14. Machen die Niederländer, Italiener und Türken denn nukleare Teilhabe mit ihren F35?

  15. Die neue „Luftfahrtstrategie“ sollte sein, dass was wir haben einsatztauglich zu machen, zu halen, auszubauen und wenn noch Luft ist weiter zu entwickeln.

    ……wenn dann noch immer Luft ist, kann man mal was verrücktes machen.

    Im Moment brauchen wir Munition, Flugstunden, Personal, Ersatzteile, Nachtsichtgeräte ;-) Flugabwehr, störsicheres Material und alles was den Russen abschreckt (damit meine ich nicht SASPF).

    Der Tornado macht es noch locker bis 2030 ….. wenn man will.

  16. @ Jens Schneider

    Außer Deutschland sind alle Länder mit nuklearer Teilhabe im F-35 programm drin. Zufall?

  17. Bezüglich der nuklearen Teilhabe heißt es im Koalitionsvertrag 2013, S. 118:

    Neue Dynamik für Abrüstung und Rüstungskontrolle

    Abrüstungs- und Rüstungskontrollpolitik sind ein be- deutsames Element deutscher Außen- und Sicherheits- politik. Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbrei- tung tragen wesentlich zum Frieden sowie zu unserer Sicherheit und Stabilität bei. Wir treten für allgemeine und weltweite Abrüstung und Rüstungskontrolle sowohl von konventionellen als auch von Massenvernichtungs- waffen ein.

    Gemeinsam mit unseren NATO-Partnern haben wir uns auf dem Gipfel von Chicago zum Ziel gesetzt, die Be- dingungen für eine Welt ohne Kernwaffen zu schaffen und bis dahin die Rolle von Nuklearwaffen zu reduzie- ren. Solange Kernwaffen als Instrument der Abschre- ckung im strategischen Konzept der NATO eine Rolle spielen, hat Deutschland ein Interesse daran, an den strategischen Diskussionen und Planungsprozessen teilzuhaben.

    Die Bundesregierung wird sich dafür einsetzen, dass zwischen den USA und Russland Verhandlungen zur verifizierbaren, vollständigen Abrüstung im substrategi- schen Bereich beginnen, und entsprechende Schritte beider Partner engagiert unterstützen. Erfolgreiche Ab- rüstungsgespräche schaffen die Voraussetzung für ei- nen Abzug der in Deutschland und Europa stationierten taktischen Atomwaffen.

    Interessant also, ob man das Strategiepapier als Vorab-Version nach dem Weißbuch dahingehend noch einmal anpassen wird, oder ob das Streichen dieser Fähigkeit in dieser Konsequenz tatsächlich so beabsichtigt ist.

    Ich bin noch nicht ganz durch, aber soweit ich das Dokument bereits ausführlich gelesen habe, klingt es weniger nach einem sicherheitspolitischen Konzept, als vielmehr nach einer rüstungspolitischen Agenda (vgl. auch Zweck des Papiers). Suder lässt grüßen.

    PS: Die Realisierung der Absichten aus dem Koalitionsvertrag zu evaluieren, wird sich ohnehin demnächst anbieten. Man kann rückblickend daraus wirklich hehre Ziele heraus lesen.

  18. Ein neues „Märchenbuch“ aus dem Hause BMVg, wirklich schön bebildert;- zweifelsfrei inhaltlich abgestimmt auf das Niveau unserer PolitikerInnen, die sich möglicherweise mit dem Thema befassen könnten!

    Offensichtlich wird aber die Realität völlig ausgeblendet und man/frau ergeht sich in dieser „Imagebroschüre“ wieder mal in Träumereien! (Vor dem Hintergrund der derzeitigen Problemlagen bei den Dreh- und Starrflüglern der BW kann man/frau die „Militärische Luftfahrtstrategie 2016“ eigentlich nur als anekdotisch bezeichnen!)

    Und dieses ist dann wieder das Niveau, auf dem sich unsere PolitikerInnen gerne intellektuell mit den Themen (besser: den Problemlagen!) befassen: „Alles wird gut ….“

    Oder wie der Wehrbeauftragte Bartels es im Interview in der Augsburger Allgemeine am 19.01.2016 („Bundeswehr Ärger mit dem Tornado“) zum Ausdruck brachte, Zitat: „Der Wehrbeauftragte Bartels ist zuversichtlich, dass das Parlament und die Regierung die Probleme erkannt haben. „Jetzt müssen Ausrüstung, Personal, Finanzen und Auftrag in Übereinstimmung gebracht werden.“

    Na dann ist ja alles klar ….

  19. re: der_andere (Zitat: „Einsatzbereit ist die Bundeswehr erst dann, wenn neben einsatzreifem Material und Personal auch weitere Faktoren wie Logistik, Informationstechnik, Infrastruktur, Ausbildung und Übungen aufeinander abgestimmt sind. Diese Abstimmung und die Optimierung der dazugehörigen Abläufe ist ein zentrales Ziel der Neuausrichtung der Bundeswehr und der Agenda Rüstung.“)

    Und genau in der Umsetzung dieses elementaren Ziels („Einsatzfähigkeit der Waffensysteme herstellen!“) versagt die Bundeswehr seit mehr als einem Jahrzehnt!

    Wenn man/frau es noch nicht einmal schafft „die Strategien der Vergangenheit“ umzusetzen, dann braucht man sich über eine „Neuausrichtung“ keine Gedanken zu machen!

    Die „Neuausrichtung“ hält dann wieder nur als Entschuldigung dafür her, dass man/frau bestehende Problemlagen nicht gelöst hat! (Man/frau „deckelt“ nur das eigene Versagen!)

    Oder auf den Punkt gebracht: „Man/frau schreibt ungelöste Problemlagen nur immer wieder weiter fort!“

  20. @SchmidtM
    Belgien ist nicht im F-35 Programm und sucht derzeit einen Nachfolger für ihre F-16MLU.

  21. @ Anubiswaechter | 20. Januar 2016 – 5:44

    Das geschriebene und gesagte Wort entspricht nicht immer der Realität !

    Die Vorbereitungen für die Stationierung neuer amerikanischer Atombomben auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz laufen bereits. Vermutlich sind schon die ersten neuen Nuklearwaffen vom Typ B61-12 angekommen. („System 1“)

    http://www.zdf.de/frontal-21/stationierung-neuer-us-atomwaffen-in-deutschland-russland-beklagt-verletzung-des-atomwaffensperrvertrages-40197860.html

    Ferner wünschen wir uns einen neuen umfassenden modernisieren Sprengkopf der in den Taurus Flugkörper Platz findet kann. („System 2“) Dieses System ist auch für die F-35 Kunden vorgesehen, aber auf eine andere Plattformen wie JASSM, SOM….

  22. @Wolfsmond und @Obibiber:

    Korrekt zitiert heißt es in dem Papier auf S. 28 im Abschnitt f) zum Thema A400M:

    „Die Notwendigkeit zur Beschaffung eines weiteren Transportflugzeugs dieser Klasse wird derzeit nicht gesehen.“

    Der positiv und optimistisch eingestellte Leser kann dort sehr wohl noch Spielraum für ein kleineres Muster ala C295 o.ä. entdecken ;-)

  23. Fux: Ich fürchte leider, die wollen tatsächlich kein zweites Transportflugzeug beschaffen. Allerdings behauptet die BW weiterhin(wider besserem Wissen?) in dem Papier, daß die Betankung von Hubschraubern durch den A 400 M noch geprüft werde.

    Tatsächlich wissen wir ja längst, daß der A 400 M keine Hubschrauber wird betanken können. Nur die Ursache ist umstritten, die einen Quellen sagen es liegt an den Triebwerken, die anderen Quellen behaupten, es liegt an den Tragflächen.

    Während Frankreich Hercules-Transportflugzeuge beschafft, weil der A 400 M eine Luftbetankung von Hubschraubern wahrscheinlich nie können wird, lebt die BW in einer Traumwelt und hält an dem falschen Kurs von nur einem Transportflugzeug fest, obwohl dieser nie Hubschrauber wird betanken können. Schon allein deshalb kann man die neue Luftfahrtstrategie nicht ernst nehmen.

    Auch ansonsten kann ich keine Strategie erkennen. Der Sea Lynx fliegt kaum noch, ebenso schlecht steht es um den Sea King, statt sofort Ersatz zu beschaffen, was man von einer neuen Luftfahrtstrategien erwarten müsste, will man diese „Schrotthubschrauber“ noch jahrelang weiter betreiben.

    Weil die Torpedos für die U-Bootbekämpfung ihr Nutzungsende erreichen, sollen stattdessen Wasserbomben beschafft werden! Wir sind doch nicht mehr im 2. Weltkrieg….dies ist doch ein waffentechnischer Rückschritt!

    Und in diesem Jahr sich für einen Nachfolger des CH 53 Hubschraubers zu entscheiden, aber dann zwei Jahre mit dem Lieferanten über die Lieferung verhandeln zu wollen, versteht doch kein Mensch! Richtigerweise würde man gleich mit beiden Lieferanten verhandeln, um den Preis zu drücken und erst dann entscheiden, welchen neuen Hubschrauber man bestellt und dies alles dieses Jahr erledigen und nicht Jahrelang über eine Bestellung verhandeln zu wollen.

  24. @Fux:
    Das „dieser Klasse“ bezieht sich m.M.n. aber auf die Transall. Auf den A400 bezogen würde es wenig Sinn machen. Natürlich gibt es in dessen Klasse keinen Bedarf für ein weiteres Muster. Daher denke ich dass hier direkt auf die Spekulationen über ein kleineres Ergänzungsmuster Bezug genommen wird.

  25. @Milliway:
    „Ferner wünschen wir uns einen neuen umfassenden modernisieren Sprengkopf der in den Taurus Flugkörper Platz findet kann. („System 2“).“

    Wie kommen Sie darauf, insbesondere bezüglich Integration in Taurus?

    Als einzige Quelle habe ich einen Spiegel-Artikel gefunden. Und da steht drin, dass der Tornado die modernisierte B61-12 ohne Steuerung nutzt (System 1) – quasi als traditionelle Freifallbombe. Insofern wären die Bedenken gegen eine „Aufrüstung“ in Büchel gegenstandslos.
    Das System 2 (mit auf JDAM-basierender Steuerung laut Wiki) ist laut Artikel für F-35 vorgesehen. Ich habe keine dezidierten Infos gefunden, welche Muster die Bombe sonst mit oder ohne Steuerung nutzen können sollen.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/b61-atombombe-modernisierung-umfangreicher-als-bekannt-a-931642.html

  26. @mwk: Nein, leider keine Ironie, daß mit den Wasserbomben(einer Erfindung aus dem 1. Weltkrieg) findet sich auf Seite 28 unserer neuen Luftfahrtstrategie, dies soll sogar multinational!!! realisiert werden:
    „Das Wirkspektrum des Waffensystems P-3C ORION
    gegen Ziele unter Wasser ist nach dem absehbaren
    Nutzungsende des Torpedos MK46 ebenfalls zu erhalten.
    In diesem Zusammenhang ist die Fähigkeit zum
    Wirken gegen Unterwasserziele im Flachwasserbereich
    mittels Wasserbomben – ggf. auch multinational – zu
    realisieren.“

  27. @ K.B. | 20. Januar 2016 – 16:34

    Eine JDAM als Kernwaffenträger macht wenig Sinn und ist meines Wissens auch nicht vorgesehen.

    Ich schrieb JASSM !

    http://www.lockheedmartin.com/us/products/jassm.html

    Zitat aus Ihren Link
    „Als „System 2“ wird sie dagegen zur modernen, digitalisierten Lenkwaffe, zur atomaren Präzisionsbombe für moderne digitalisierte Flugzeuge wie die F-35…“

    Erklärt eigentlich Ihre Frage.

    Wenn wir nur die einfachen Bomben haben und die übrigen Nationen die an der Nukleare Teilhabe beteiligt sind, einen völlig andern Typ von Kernwaffen besitzen, machen Übungen wie „Steadfast Noon“ für Deutschland keinen Sinn. Als so dumm sind unsere Leute doch nicht. Schließlich haben sie mitbekommen, das die übrigen Nationen der Nukleare Teilhabe einen anderen Atomsprengkopf bekommen der in Modularen Abstandswaffen eingesetzt werden soll.
    PS.: Kernwaffen ist in Deutschland ein Tabu Thema und Infos gibt’s meist nur „unter der Hand“ !

  28. @Closius

    Tatsächlich wissen wir ja längst, daß der A 400 M keine Hubschrauber wird betanken können. …
    Während Frankreich Hercules-Transportflugzeuge beschafft, weil der A 400 M eine Luftbetankung von Hubschraubern wahrscheinlich nie können wird, lebt die BW in einer Traumwelt …

    Da wissen „wir“ also mal wieder mehr als die Verantwortlichen. Airbus hat die Fähigkeit nämlich noch nicht aufgegeben, nimmt aber längere Zeit dafür in Anspruch:
    http://www.defensenews.com/story/defense/air-space/support/2015/11/02/airbus-targets-helo-refueling-paratrooper-airdrops-a400m/74843730/

    Frankreich kauft C-130, weil es sofort Hubschrauber betanken möchte und nicht erst in ein paar Jahren. Das deutsche Strategiepapier bezieht sich dagegen auf Hubschrauber, die noch nicht einmal bestellt sind.

  29. dazu heute in der BPK https://youtu.be/PA6tFSq3jQQ?t=54m53s

    FRAGE JUNG: An das Verteidigungsministerium und gegebenenfalls auch an Herrn Schäfer : Sie haben ja gestern die Militärische Luftfahrtstrategie 2016 vorgestellt. Im Entwurf vom Dezember war noch die nukleare Teilhabe als vorzuhaltende erforderliche Fähigkeit aufgelistet; jetzt ist sie es nicht mehr. Warum?

    FLOSDORFF: Die Militärische Luftfahrtstrategie ist ein wichtiger Teil des Modernisierungsprozesses der Bundeswehr. Sie enthält klar und transparent, welche Fähigkeiten wir in der Dimension Luft haben, was wir künftig brauchen, welche Anforderungen wir haben. Das ist ein Erklärstück, das für die interessierte Öffentlichkeit gedacht ist, soll aber auch als Orientierungspunkt für die Industrie weit in die Zukunft hinein dienen.

    Dass der von Ihnen angesprochene Punkt darin nicht aufgeführt ist, heißt nicht, dass das keine Rolle spielt, sondern hat einfach damit zu tun, dass das ein öffentlich zugängliches Dokument ist und wir es hier mit Informationen zu tun haben, bei denen wir sehr schnell in einen Bereich hineinkommen, der der Geheimhaltung unterliegt.

    ZUSATZFRAGE JUNG: Das heißt, das ist nicht so zu verstehen, dass es eine Abkehr von der nuklearen Teilhabe ist oder dass das irgendwelche Auswirkungen auf die amerikanischen Atombomben in Deutschland hat?

    Ist in dieser Militärischen Luftfahrtstrategie auch enthalten, dass die deutschen Tornados nachts fliegen können?

    FLOSDORFF: Zum ersten Teil: Aus der bloßen Erwähnung, dem bloßen Vorhandensein oder Nichtvorhandensein dieses Tatbestandes in diesem Dokument auf irgendwelche Strategieänderungen zu schließen, wäre sicherlich sehr weit gegriffen. Das ist nicht der Fall.

    Zum zweiten Teil: Sie spielen auf die Meldungen an, die es gestern und heute in der Presse gab. Ich nehme das, weil die Interpretationen teilweise wild durcheinander gehen, gern zum Anlass, um Ihnen noch einmal ein paar Fakten darzulegen. Es ist ja praktisch unterstellt worden, deutsche Tornados könnten nachts nicht fliegen. Das ist nicht richtig. In İncirlik haben wir Tornados stationiert das wissen alle , mit denen Aufklärungsflüge im Kampf gegen den IS durchgeführt werden. Die Bundeswehr verfügt grob gesagt über zwei Sorten von Tornados: Das eine ist die Version A 1, die auf Nachtsichtfähigkeit spezialisiert ist; das andere ist die Version A 3, die auf einen „Link 16“-Datenlink spezialisiert ist. Der „Link 16“-Datenlink ist ein Asset, das man hat, um Sicherheit, Schutz und Kommunikationsfähigkeit für die Soldaten zu erhöhen.

    Als wir vor der Frage standen, welche Tornados wir in den Einsatz schicken bzw. welche Tornados in İncirlik stationiert werden sollen, haben wir uns erstens an den Bedarfsanforderungen der Koalition orientiert es besteht ein sehr großer Bedarf nach gestochen scharfen Bildern, die nur am Tag zu erfliegen sind und zweitens an der notwendigen Einbindung in das Führungs- und Informationssystem der Koalition. Das heißt, mit „Link 16“ können die Piloten im Rundumblick sehen: Wer ist alles neben ihnen in der Luft, Freund oder Feind? Wenn dieses „Link 16“-Tool nicht zur Verfügung steht, dann haben Sie nur einen sehr kleinen Ausschnitt. Das ist gefährlicher für die Piloten, und der Schutz der Piloten geht hier vor.

    Ja, es gibt derzeit noch ein Defizit bei den „Link 16“-Tornados, nämlich dass sie keine Nachtsichtfähigkeit haben; das wird aber voraussichtlich im Februar behoben sein. Hat das irgendwelche Auswirkungen auf den Einsatz oder auf die Aufklärungsarbeit der Tornados in İncirlik? Nein. Es hat bisher unter den rund 30 Flügen seit dem 8. Januar keinen einzigen gegeben, in dem irgendwie ein Auftrag gekommen wäre: „Bringt uns Infrarotergebnisse in der Nacht“. Auch in der ganzen langen Liste an Aufklärungswünschen aus der Koalition an die deutschen Tornados, die wir vorausschauen können, ist kein einziger solcher Auftrag ersichtlich. Das heißt, die erfüllen dort zu hundert Prozent ihre Aufträge, und es gibt einen sehr großen Bedarf an den Bildern. Auch im Afghanistan-Einsatz dort haben die Tornados drei Jahre lang Aufklärungsflüge gemacht hat es keinen einzigen Auftrag gegeben, in der Nacht Bilder zu erfliegen. Im Februar werden die Tornados in der Lage sein, auch in der Nacht Bilder zu erfliegen; aber auch dann wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Auftrag kommt, minimal sein, weil dafür in der Koalition offensichtlich nicht in dem Maße ein Bedarf vorhanden ist wie an Tagaufklärungsbildern. An dieser Stelle mache ich einen Punkt.

    VORS. LEIFERT: Herr Jung, Sie hatten jetzt in einer Wortmeldung einen fliegenden Themenwechsel gehabt. Ich wollte Herrn Schäfer noch Gelegenheit geben, etwas zur nuklearen Teilhabe zu ergänzen, weil er auch angesprochen war.

    DR. SCHÄFER: Das ist lieb, aber nicht nötig.

    VORS. LEIFERT: Dann aber Herr Steiner noch einmal zu den Tornados.

    FRAGE STEINER: Herr Flosdorff, ich möchte es an dieser Stelle einfach gerne verstehen: Das heißt, es gab in der Vergangenheit nicht die Anforderung, aber Sie rüsten das jetzt trotzdem nach?

    FLOSDORFF: Es wird nachgerüstet es war generell geplant, dass das nachgerüstet wird. Dass es diese beiden Rüstzustände gibt, reicht schon viele Jahre zurück und kam jetzt auch nicht überraschend, wie stellenweise in der Zeitung geschrieben war; vielmehr war die Entscheidung, ob wir die Tornados mit dem „Link 16“ schicken oder ob wir die nachtflugfähigen Tornados schicken die hier in Deutschland auch einsatzfähig zur Verfügung stehen , eine Entscheidung, die der Sicherheit der Piloten dient. Die „Link 16“-Tornados passen in das dortige Szenario hinein. Wir rüsten sie nach; im Februar wird das zumindest behelfsmäßig so gelöst sein, dass sie auch in der Nacht aufsteigen könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher Auftrag ergibt, ist nicht ersichtlich.

    FRAGE JUNG: Warum gehört das Fliegen mit Nachtsichtbrille nicht zum Standardprogramm bei der Luftwaffe? Meines Wissens gehört das bei allen anderen Nationen zum Standard.

    Sie hatten gerade auch gesagt, dass es Feinde in der Luft gebe. Welche Feinde sind denn das?

    FLOSDORFF: Sie haben Recht, das gehört heutzutage zum Standard. Die meisten auch die „Eurofighter“ der Bundeswehr nutzen Nachtsichtbrillen; das wird jetzt demnächst irgendwann auf ein Helmsystem umgestellt, das eingeführt wird. Wir haben auch nachtsichtfähige Tornados; es gibt 36, davon 18, die jederzeit Stand Januar einsatzbereit wären. Das ist ein Standard, und wir sind auch dabei, das bei denjenigen, die das jetzt noch nicht haben, hochzurüsten bzw. nachzurüsten.

    VORS. LEIFERT: Und die Feinde?

    FLOSDORFF: Bei Piloten so habe ich mir das erklären lassen ist das Standard: Sie haben entweder praktisch nur ein Radar nach vorne dann sehen sie normalerweise nur in einem sehr kleinen Ausschnitt, was sich vor ihnen befindet, oder sie bekommen die Informationen über eine Luftlageaufklärung vom Boden oder sie haben das „Link 16“-System, in dem alle mit ihnen alliierten Flugfahrzeuge verbunden sind und sich in einem Rundumblick sehen. Wenn dann irgendwelche Luftfahrzeuge auftauchen, die nicht dazugehören, dann wissen sie, dass das keine aus der Koalition sind. Dort werden die Luftfahrzeuge also angezeigt, und das können dann auch welche sein, die nicht zur Koalition gehören.

  30. @ Milliway | 20. Januar 2016 – 14:11

    @ Anubiswaechter | 20. Januar 2016 – 5:44
    Das geschriebene und gesagte Wort entspricht nicht immer der Realität !

    So ist es. Da sind wir im Konsens. Ich nehme an, Sie beziehen sich auf die Bedeutung des Koalitionsvertrages. Nun, der Koalitionsvertrag 2013 ist nicht mehr und nicht weniger, als ein Koalitionsvertrag, also ein Vertrag ohne Rechtsfolgen, wohl aber mit potenziell politischen Folgen. Das aber auch nur dann, wenn und soweit es keinen Konsens mehr zwischen den Koalitionsfraktionen gibt.

    Soll heißen: Im Koalitionsvertrag 2013 stehen die damaligen Absichten der Koalition, formuliert im besten Politiker-Sprech, aber die (für die Koalition) bedeutenden Programmpunkte sind erkennbar. Der von mir übersetzte Passus heißt in etwa so viel wie: „Eigentlich wollen wir eine Welt ohne Massenvernichtungswaffen, aber da es das nicht in den nächsten *hundert* Jahren geben wird, wollen wir mitbestimmen und mitmachen“. Die Verteidigungspolitischen Richtlinien sind älter als dieser Koalitionsvertrag, also diese Absichtsbekundungen, das alte Weißbuch ist noch älter. Somit gilt: Der Koalitionsvertrag ist mit eines der aktuellsten Grundsatzdokumente der Regierung zur sicherheitspolitischen Strategie inkl. dem Ob der Nuklearen Teilhabe (NT).

    Dass dieser Passus nun gestrichen wurde, hat zwei denkbare Ursachen:

    1. Er wurde gestrichen.
    Wenn es gestrichen wurde, so muss das eine bewusste Entscheidung sein; ein Praktikant wird nicht an die Endfassung eines solchen Dokuments gesetzt. Wenn es aber bewusst gestrichen wurde, so muss das in Anbetracht der Bedeutung der NT von politisch höherer/höchster Stelle angewiesen worden sein. Falls es so sein sollte, muss spätestens seit dem Koalitionsvertrag ein Umdenken diesbezüglich stattgefunden haben.
    (Ich nehme an, wir sind uns alle einig, dass Variante 1 hinreichend unwahrscheinlich ist.)

    2. Er wurde gar nicht gestrichen.
    Es wurde stattdessen nur nicht aufgeschrieben. Darauf deutet auch die Antwort von Flosdorff auf die Frage von Tilo hin, s.o. (da die NT im vorherigen, öffentlichen Papier stand, nun aber aus Geheimhaltungsgründen rausgenommen wurde, wirft das die Frage auf, wie „zweckmäßig“ diese Geheimhaltung sein kann … bzw. ohne Geschwurbel: *was für eine offenkundig irrsinnige Begründung*). Somit gilt auf Basis der derzeit bekannten Sachlage: Die NT wurde nicht gestrichen, sondern ist nun „“““geheim““““ und wird nicht mehr (in diesem Dokument, zurzeit) kommuniziert. Folge dessen ist, dass die wesentlichen und sicherheitspolitisch besonders bedeutsamen Grundsatzentscheidungen im Zweifel nicht in diesem öffentlichen Dokument stehen.

    Was also bleibt an Wert in diesem Papier übrig? Tolle Bilder.

  31. @Milliway:

    Tut mir leid, aber „unter der Hand“ ist für mich keine belastbare Argumentationsgrundlage. Da lohnt sich keine Diskussion.

    Ich bleibe lieber bei Wiki und den frei zugänglichen B61-12-Videos, die deutlich nahelegen, dass das Lenksystem der neuen Bombe auf der JDAM-Steuerung basiert.

  32. re: Closius (Zitat: „Und in diesem Jahr sich für einen Nachfolger des CH 53 Hubschraubers zu entscheiden, aber dann zwei Jahre mit dem Lieferanten über die Lieferung verhandeln zu wollen, versteht doch kein Mensch! Richtigerweise würde man gleich mit beiden Lieferanten verhandeln, um den Preis zu drücken und erst dann entscheiden, welchen neuen Hubschrauber man bestellt und dies alles dieses Jahr erledigen und nicht Jahrelang über eine Bestellung verhandeln zu wollen.„)

    Man könnte sagen: „Das ist (tradierte) BMVg Logik, die sich (wieder mal) jeder schlüssigen Erklärung entzieht!“

    Ich denke aber, dass diese Aussage einen konkreten Hintergrund hat: Meiner Meinung nach ist der CH53- Nachfolger längst ausgeguckt!

    Es geht vermutlich nur noch um die Abwicklung der Beauftragung!- Und wenn es keinen „Wettbewerb“ zwischen verschiedenen Rüstungsprodukten gibt, dann werden halt die Konditionen erst im Nachhinein ausgehandelt! (Was natürlich unwahrscheinlich vorteilhaft für den Käufer des Rüstungsprodukts ist! Eine geradezu grandiose Strategie den Kaufpreis für sich zu optimieren!- Vermutlich ein Überbleibsel aus der Kaiserzeit …)

    Wobei ich mir vorstellen könnte, dass der „ausgeguckte Hersteller des CH53-Nachfolgers“ gemeinsam mit einem europäischen Kooperationspartner anbieten wird! (Jetzt können wir mal überlegen wer das sein könnte?)

    Und um alle Interessen zusammenzubringen (und ich folge der Annahme, dass vermutlich die Endmontage oder auch eine Lizenzproduktion „politisch“ im Raum stehen könnte!- Frei nach dem Motto: „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht!), braucht man/frau halt eine Menge Zeit!

    Im Übrigen gehe ich davon, dass das BMVg bei der Ausschreibung (oder Vergabe ohne Ausschreibung), wieder so viele exclusive Schleifchen am CH53- Nachfolger anbringen möchte, dass sich allein durch die Erarbeitung der Specs für den Vertrag ein ungeheuerlicher Zeitbedarf ergibt!

    Und so nimmt absehbar das nächste „Rüstungsprojekt-Desaster“ seinen Lauf!– Die Fehler werden immer am Anfang gemacht!

    Aber diese Organisation im BMVg erscheint mir unbelehrbar!- Und (wie immer!) gucken alle tatenlos zu ….

  33. Wenn wir auf diese unsägliche nukleare Teilhabe verzichten könnten und die Fähigkeiten des Eurofighters mit unseren Partnern entwickeln würden könnten wir den Tornado schon längst einmotten – Bis auf Strike ließen sich alle Aufgaben des Tornados mit dem Eurofighter erfüllen.
    Zumal sich diese auch kaum mit einem europäischen Nachfolgesystem, erst recht nicht einem UAV erfüllen lassen wird, da für die Integration die Amerikaner Einsicht in die Bauunterlagen benötigen.

  34. @ K.B. | 20. Januar 2016 – 23:52

    Richtig, es gibt keine belastbare Argumentationsgrundlage.

    Siehe Beitrag @ Tilo | 20. Januar 2016 – 22:59

    In der Bundes Presse Konferenz wurden erklärt: Das sämtliche Infos über unsere Nukleare Teilhabe Quasi als Geheim eingestuft wurden. Das ist der Grund dafür das es zu keiner Erwähnung in Deutschlands neuen Militärische Luftfahrtstrategie gibt.

    PS.: Es ist schon Bekannt das JDAM nur ein Nachrüstsatz für Freifallbomben ist. Bei einen Einsatz müssen unsere Tornados das Ziel anfliegen und sind dabei der Gegnerischen Flugabwehr ausgesetzt. Ferner besitzen alle neueren russischen Kampfflugzeuge eine Look-down/shoot-down Fähigkeit. Ein Unterfliegen des Radars in extremen Tiefflug bringt heute also nichts mehr, deswegen setzt man heute auf Stealth Technologie und Deutschland träumt weiter !

  35. @closius
    Danke für die Info – ich dachte, dass die MK46 durch MU-90 ersetzt werden sollen …
    Wasserbomben und Fähnchen passen auch besser zu unserer modernen Bundeswehr, als richtige Wirkmittel

  36. @Milliway
    Ihnen ist aber schon bekannt, dass ich mit einer JDAM das Ziel nicht mehr direkt an und überfliegen muss?

  37. „Ein Unterfliegen des Radars in extremen Tiefflug bringt heute also nichts mehr“

    Uralter Hut. Deshalb sind die Tornados heute auch nicht mehr grün sondern grau. Und u.a. deshalb gibt’s auch Goose Bay nicht mehr.

  38. Abwurfversuche mit MU90 hat es mindestens mit Sea Lynx gegeben. Für Flachwasser sind Wasserbomben als Ergänzung aber durchaus sinnvoll, in anderen Szenarien ggf. auch. Uboote sind nun einmal nicht so wahnsinnig exakt zu orten…

  39. @ Schorsch | 21. Januar 2016 – 16:56

    Ja, es ist schon richtig, hängt von der Flughöhe und Wind ab und war mir bekannt.

    Es ging eigentlich darum den Unterschied zwischen System-1 und System-2 aufzuzeigen.

    Das entschiedene ist aber wenn ein Marschflugkörper z.B.Taurus (System-2) eingesetzt wird besteht ein geringes Gefährdungspotential für die Besatzung und es besteht eine Chance das ein paar Flugkörper es bis zum Ziel schaffen. Also greift hier die „nukleare Abschreckung “

    Wenn Hingegen JDAM (System-1) zum Einsatz gebracht werden, ist es ein Himmelfahrtskommando, da man das Sperrfeuer von S-300/400 überwinden muß und am Ziel wartet noch Objektschutz Flak wie ЗРК OCA auf einen. So ist die genaue Entfernung zum Ziel eigentlich Irrelevant weil man in jeden Fall beschossen wird.

    Ferner gibt es noch die fliegende Luftverteidigung, die einen in großer Höhe fliegenden Tornado schon auf bis zu 400 km Entfernung bekämpfen kann. Das die Überlebenschancen eines Tornados in Luftkampf mit einer Cy-35 sich gegen 0 bewegen, braucht eigentlich nicht erwähnt werden. Also macht es kein Sinn weiter in einen zum scheitern verurteiltes Unterfangen zu investieren.

    Die airstrikes bei denen die Cy-34 GLONASS gesteuerte Bomben ( JDAM ) abwerfen, zeigt deutlich das man das Ziel nicht überfliegen braucht aber in seine nähe Fliegen muß.

    https://www.youtube.com/watch?v=gLaev02friU

    Ein Tarnkappenbomber wie die B-2 kann hingegen, aus ca. 15.000m Höhe außerhalb der primären Verteidigungslinien ihre JDAM Bomben abwerfen, wir nicht !

  40. noch ein interessanter Aspekt aus diesem Papier

    „Zum Jahreswechsel 2015/2016 werden die ersten Light
    Utility Helicopter Special Operations Forces – Leichter
    Mehrzweckhubschrauber SOF (LUH SOF) der Truppe
    übergeben. Dieser Hubschrauber wird zur direkten taktischen
    Unterstützung von Spezialkräften (SOF-Air) eingesetzt
    werden. Zukünftig könnten weitere Handlungsfelder
    im Fähigkeitsspektrum Hubschrauber durch einen
    LUH erschlossen werden, um die Fähigkeiten größerer
    Hubschraubersysteme nach unten zu ergänzen sowie
    das Gesamtfähigkeitsspektrum von Hubschraubern wirkungsvoll
    zu erweitern. Dabei sind bereits eingeführte
    bzw. in Einführung befindliche Waffensysteme besonders
    zu berücksichtigen, da hier eine Abstützung auf
    vorhandene logistische und ausbildungsseitige Systeme
    erfolgen kann.“

    dies bedeutet für mich dass mittelfristig noch weitere H145M Hubschrauber zulaufen könnten… das hatte ich ja auch schonmal angedacht, dass eine Ergänzung des Tigers in Form eines leichten Kampfhelis, eine Ergänzung des NH90TTH in Form eines leichten Transporthelis, als leichter Medevac oder als leichter CSAR Heli, als leichter Aufklärungsheli oder ein Ersatz als Schulungshubschrauber weitere H145M sehr sinnvoll wären.
    Eine Gesamtzahl von 60 Stück wäre hier auf jeden Fall vertretbar…. zumal diese Modell auch sehr günstig zu beschaffen und sehr zuverlässig ist.

  41. @obibiber: Zu Ihren letzten beiden Absätzen vielleicht mal in den LUH-SOF- und DF-Threads bitte zurückblättern und nachlesen, speziell zu „Ersatz als Schulungshubschrauber“, zu den „60 Stück“ und „sehr günstig zu beschaffen“. Danke.-)

  42. Trotz Bedenken muss ich Obibiber zustimmen.

    Da wir kaum Tiger haben und mit dem NH90 ja in den weniger sinnvollen Bereich der heavy Utility Hc eingestiegen sind braucht man eigentlich noch was. Der H145M ist nun mal schon in der Truppe ob man das jetzt gut findet oder nicht also die einzige realistische Lösung (auch wenn eine solche Lösung in der Bw eher unrealistisch ist mangels Problembewusstseins). Dazu kann man damit ja auch den zivilen Rettungsspaß machen der ja wohl wichtiger Teil der Bw Hc Fliegerei ist.

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