Zwischenruf: Vergesst Afghanistan.

Um den schmählichen Auftritt der Bundesregierung beim Thema Afghanistan am (heutigen) Montag zu würdigen, muss man sich mal kurz die Fakten des Bundeswehreinsatzes am Hindukusch vor Augen führen. Mit 862 Soldaten (Stand 21. September) ist es nach wie vor der größte Auslandseinsatz der deutschen Streitkräfte. 725 deutsche Soldatinnen und Soldaten sind in Mazar-e Sharif im Norden stationiert, um die afghanischen Streitkräfte zu unterstützen und zu beraten. Drei Heron-Drohnen können – noch ist ja nicht Winter – die interessanten Gebiete rund um die Uhr im Auge behalten. Und im Hauptquartier der Mission Resolute Support in Kabul sitzt der deutsche Generalleutnant Frank Leidenberger als Chef des Stabes.

Als das reicht aber offensichtlich nicht aus, um rechtzeitig Informationen über eine der vermutlich erfolgreichsten Taliban-Operationen seit Monaten, wenn nicht seit Jahren nach Deutschland gelangen zu lassen. Am frühen Montagmorgen begannen die Aufständischen eine koordinierte Attacke auf die Provinzhauptstadt Kundus und nahmen sie fast ein (die Lage ist wechselhaft, ob Kundus an die Taliban gefallen ist, bleibt zur Stunde unklar). Das ist nicht nur der weitreichendste Angriff auf eine afghanische Provinzhauptstadt, das ist auch ein Angriff auf eine Stadt, die wie kein anderer afghanischer Ort für das deutsche Engagement am Hindukusch steht – auch wenn die Bundeswehr schon lange abgezogen ist.

Die Bundesregierung jedoch weiß von alledem nichts. Von dem Großangriff der Taliban, erklärten der Sprecher des Verteidigungsministeriums und die stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes fast wortgleich, hätten sie keine eigenen (Er)Kenntnisse. Nur in den Medien war halt was dazu zu lesen.

Nun kenne ich Leidenberger lange genug persönlich und weiß aus zahlreichen Besuchen um die Professionalität der Truppe, um recht sicher zu sein, dass die Bundeswehrsoldaten den Angriff auf Kundus nicht verpennt haben. Sondern vermutlich ziemlich genau im Bilde sind und das auch nach Potsdam ans Einsatzführungskommando und/oder ans Ministerium in Berlin gemeldet haben.

Wenn aber Verteidigungsministerium wie Auswärtiges Amt bestreiten, aus eigenen Quellen etwas über die Lage in Kundus zu wissen, kann das nur eines bedeuten – die klare Haltung: Geh‘ mir weg mit Afghanistan. Ein Einsatz, der keinen mehr interessiert; ein Einsatz, bei dem allen Beteuerungen der gesamten Bundesregierung zum Trotz kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Schließlich gibt es wichtigere Probleme – von der Lage in Syrien (und den dadurch befeuerten Flüchtlingsströmen) bis zum Streit über die Doktorarbeit einer Ministerin.

Falls sich noch jemand erinnert: Im Kosovo stehen noch immer knapp 700 Bundeswehrsoldaten, das weiß auch kaum jemand. Jetzt wird der nächste Einsatz mental entsorgt. Vergesst Afghanistan.

Nachtrag: Da jetzt die Abschrift der Bundespressekonferenz vorliegt (das Audio dazu gibt es hier), die entsprechende Passage mit keinen Erkenntnissen von BMVg-Sprecher Jens Flosdorff und der stellvertretenden AA-Sprecherin Sawsan Chebli sowie Regierungssprecher Steffen Seibert:

FRAGE: Es gibt heute Berichte über massive Angriffe der Taliban auf Kundus. Welche Erkenntnisse haben Sie darüber? Diese Frage richtet sich an den Vertreter des BMVg.
Wie muss man das bewerten? Denn das war ja der Kern des deutschen Engagements in Afghanistan. Das Ziel war Stabilisierung. Muss man es im Nachhinein so sehen, dass genau dieses Ziel überhaupt nicht erreicht wurde und die Opfer im Grunde umsonst gewesen sind?

FLOSDORFF: Ich habe keine Erkenntnisse, die ich Ihnen dazu mitteilen könnte.

ZUSATZFRAGE: Die Frage nach der Bewertung richtet sich dann an das AA oder Herrn Seibert. Hat eine Stabilisierung der Region stattgefunden? Hat sich der Einsatz dort gelohnt?

CHEBLI: Natürlich haben auch wir das, was Sie erwähnten, gehört. Wir beobachten die Lage in Afghanistan sehr aufmerksam. Die Sicherheitslage ist seit einigen Wochen angespannt. Es hat immer einmal wieder Anschläge seitens der Taliban gegeben. Aber wir müssen auch sehen, dass es den afghanischen Sicherheitskräften in der Vergangenheit doch immer wieder gelungen ist, zu verhindern, dass weite Landesteile von den Taliban eingenommen werden. Die afghanischen Sicherheitskräfte sind weiterhin grundsätzlich in der Lage, den Aufständischen entgegenzutreten und Großstädte sowie die wichtigsten Verkehrswege, die die Taliban immer wieder zu blockieren versuchen, unter Kontrolle zu halten.
Über die Frage, wie wir jetzt unser Engagement bewerten, hat der Kollege Schäfer, so meine ich, vor einigen Wochen hier bereits ausgeführt. Wir sind mit den Amerikanern im Gespräch. Wir beobachten die Entwicklung gemeinsam mit den Amerikanern und den NATO-Alliierten und werden uns beim Außenministertreffen im Dezember zum weiteren Vorgehen in Afghanistan beraten. Ich kann Ihnen deshalb hier auch keine abschließende Bewertung dazu geben, was passiert, nachdem das Mandat endet. Aber wir sind in sehr intensiven Gesprächen mit den Amerikanern, um gemeinsam zu schauen, wie wir unser Engagement dort weiterhin vollziehen können.

FRAGE: Herr Seibert, Frau Chebli, sind die 14 Jahre in Afghanistan für die Bundeswehr eigentlich ein Erfolg?

STS SEIBERT: Ich empfehle Ihnen vielleicht als Einstieg in das Thema die Lektüre des Fortschrittsberichts Afghanistan, der Ende des vergangenen Jahres von der Bundesregierung vorgelegt wurde. Er zieht eine Bilanz unseres gesamten Engagements, das immer mehr als ein rein militärisches Engagement gewesen ist. Das ist ein sehr interessanter Bericht, der natürlich Licht und Schatten aufweist. Wir wissen, wie Frau Chebli es gerade gesagt hat, dass in einigen Situationen noch erhebliche Herausforderungen bestehen, gerade was die Sicherheitslage betrifft. Das betrifft aber auch nicht das ganze Land Afghanistan.
Insofern ist das nicht ganz leicht zu sagen. Aber wer sich mit den Details dessen befasst, was politisch, zivilgesellschaftlich, auf dem Bildungssektor und in einigen Landesteilen auch bei der Herstellung von Sicherheit erreicht worden ist, der wird sicherlich auch Licht sehen.

ZUSATZFRAGE: Ist es geplant, dass die Bundeswehr erst dann abzieht, wenn Sicherheit in allen Landesteilen gegeben ist?

STS SEIBERT: Wir folgen zunächst einmal den Beschlüssen des NATO-Gipfels, der die Dauer der Folgemission Resolute Support mit Ende 2016 festgelegt hat. Wir wissen auch, dass bis dahin noch zahlreiche unterstützende Maßnahmen notwendig sind. Wie weit dann noch über diesen Zeitpunkt hinaus ein Einsatz oder Maßnahmen erforderlich sein werden, müssen wir dann zu gegebener Zeit mit unseren internationalen Partnern besprechen. Deutschland wird dabei keinen Alleingang unternehmen, sondern wir werden die Lage mit den Partnern zusammen sehr genau analysieren und zu gemeinsamen Beschlüssen kommen.

FRAGE: Frau Chebli, Sie haben gerade gesagt, die ANSF sind in der Lage, die Großstädte unter Kontrolle zu halten. Die heutigen Meldungen aus Kundus deuten auf das exakte Gegenteil hin. Insofern kann ich Ihre Aussage nicht ganz nachvollziehen.
Noch die Frage an Herrn Seibert: Was ist mit dem Fortschrittsbericht 2015?

CHEBLI: Ich habe Ihnen ja gesagt, dass die Sicherheitslage angespannt ist. Bisher ist es den afghanischen Sicherheitskräften jedenfalls gelungen, Großstädte unter Kontrolle zu halten.
Ich habe das, was Sie erwähnt haben, heute Morgen ebenfalls in den Medien gelesen. Ich habe dazu keine eigenen Erkenntnisse. Wir wissen es nicht im Detail. Wir haben gelesen, dass die Lage sehr angespannt ist und die Taliban versuchen, verschiedene Großstädte einzunehmen. Ich kann das nicht bestätigen.
Aber in der Vergangenheit – deshalb ist es richtig, was ich gesagt habe – ist es den afghanischen Sicherheitskräften immer wieder gelungen, die Taliban zurückzuschlagen. Was jetzt passiert, wie weit die Taliban gehen und wie sich die Lage gegenwärtig ganz aktuell darstellt, weiß ich nicht. Wir beobachten die Lage aber aufmerksam. Unsere Leute sind sehr nah daran.

STS SEIBERT: Herr Wiegold, ich kann Ihnen jetzt aus dem Stand nicht genau sagen, wann der Fortschrittsbericht vorgelegt werden wird. Das ist ja üblicherweise immer gegen Ende des Jahres passiert. Wir haben den ersten im Dezember 2010 und die anderen dann eben in den entsprechenden Abständen vorgelegt, sodass ich annehme, dass es auch erst einmal wieder Ende des Jahres werden muss; aber ich weiß es, ehrlich gesagt, im Moment nicht.

CHEBLI: Ich weiß es auch nicht. Das können wir aber nachliefern, wenn es dazu ein Datum geben sollte.

ZUSATZ: Dann würde ich um die Nachlieferung an alle bitten.

CHEBLI: Gut. Wenn es geht, dann ja.

STS SEIBERT: Wir tun immer das Mögliche.

FRAGE: Frau Chebli, verhandelt man gerade noch mit den Taliban?

CHEBLI: Deutschland verhandelt nicht mit den Taliban.

ZUSATZFRAGE: Aber gibt es westliche Gespräche?

CHEBLI: Es gab jedenfalls Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, die, glaube ich, gerade etwas ins Stocken geraten sind. Die Bundesregierung ist jedenfalls der Meinung, dass es wichtig ist, dass diese Gespräche stattfinden.

ZUSATZFRAGE: Obwohl Taliban-Kämpfer …

CHEBLI: Ich habe dem, was ich gesagt habe, nichts hinzuzufügen.

76 Gedanken zu „Zwischenruf: Vergesst Afghanistan.

  1. Ziemlich erbärmlich, aber so ist es wohl. In Potsdam wissen sie seit Monaten, dass AFG kippt. Es war alles umsonst. Besten Dank auch an den Herrn US-Präsidenten, der mit seinem voreiligen Abzug das Desaster eingeleitet hat.

  2. @LTC007

    Sie wollten sicher schreiben „… der mit seinem voreiligen Einmarsch das Desaster eingeleitet hat.“

    Gern geschehen.

  3. Harte, aber wahre Worte … den Politikern geht es letztendlich nur um eines … um (Wieder)Wahl und Posten … und ein im (kommenden) Ergebnis letztendlich sinnloser Einsatz, der zahlreichen Soldaten das Leben und den Steuerzahlern Milliarden gekostet hat, kann das Erreichen der persönlichen Ziele des ein oder anderen Politikers schon mal vereiteln … und das will man wohl anscheinend irgendwie vermeiden.

  4. Und dabei nicht zu vergessen die 35 deutschen Kameraden die im Rahmen ISAF gefallen sind, sowie die unzähligen an Leib und Seele geschädigten Soldaten.
    Ein beschämendes Bild unserer Regierung und ein Zeichen wie unsere Politiker das ultimative Opfers eines Soldaten für sein Land wertschätzen (und selbst in der Leitungsebene des BMVg scheint dieses vergessen zu sein).
    Da komm mir nochmal einer mit Veteranentag, soviel Falschheit und Ignoranz ist manchmal nicht zum Aushalten!

  5. Danke für den klaren Kommentar.

    Man will eben nicht wissen was nicht ins Berliner Narativ passt.

    Das ist aber keine neue Entwicklung sondern das Grundproblem der gesamten deutschen Afghanistanoperation seit Beginn.

    Durch die rhetorische und fachliche Hilf- und Kompetenzlosigkeit (Madame Chebli zeihnet sich dabei immer wider besonders aus) wird die Ignoranz der BuReg nur noch weiter verdeutlicht.

    man ist offenbar nicht mal mehr in der Lage politisches versagen qualifiziert zu verschleiern.

  6. Ist ja nun nix neues, frei nach dem Motto „Es kann (und wird) nichts sein, was nicht sein darf“ das berühmte Vogel Strauss Prinzip. Siehe hier:

    https://bw2.link/CfKrl

    Nun ja, zumindest politisch opportun, so wirds auch was mit der Karriere…. weiter kein Kommentar !!!!

  7. Na ja, die hiesige ‚Politik‘ hat halt wichtigere Probleme als „Kundus“. Die Verteidigungsministerin ist gefragt, ob ihr Erwerb eines akademischen Grades als Tochter des niedersächsischen Ministerpräsidenten Albrecht an einer Hochschule in Hannover so durchgeht, oder nicht. Und die Bundesregierung guckt nicht auf Kundus, sondern späht schon Standorte für afghanische Massenwanderer hierzulande aus. – Klio ist halt ein großer Spaßvogel: am Ende bleibt von der Bundeswehr kaum etwas übrig, und in ihren ehemaligen Standorten patrouillieren afghanische Wanderer.

  8. Hier auch unschön zu beobachten warum die weigerung am kill part von capture or kill teilzunehmen so irrational war

    Gefangenenbefreiung im Kundus Gefängnis durch Taliban.
    https://www.facebook.com/TOLOnews/videos/vb.187202271320522/1058636714177069/?type=3&theater

    Da dürften wohl auch einige unseren Soldaten wohlbekannte dabei sein die jetzt wieder auf freiem Fuß statt in den ewigen Jagdgründen sind.

    auf die argumentative akrobatik des diesjährigen „Fortschrittsberichts“ darf man da ja gespannt sein.

    Vermutlich ähnlich realitätsbezogen wie Führerlage 45

  9. @H.Wilker: Ich bin, glaube ich, alt genug, um den Unterschied zwischen Einmarsch und Abzug zu kennen. Und der US-Präsident, der zu früh rausgegangen ist, ist ein anderer als der, der angefangen hat.

  10. @TW

    Bitte auf der nächsten Bundespressekonferenz wieder nachfragen. So eine Entwicklung MUSS doch zu einer Stellungnahme führen – vielleicht findet sich ja auch ein Presseoffizier oder Kommandeur im Einsatz, der die Lage in Kunduz kommentiert ;)

    pi

  11. Ich kann nur jeden auffordern @bundeswehrinfo @DieReserve @DBwV mit deutlichen Tweeds/Mails zu beglücken und Presse in Cc zu nehmen.
    So.Geht’s.Nicht.

  12. Ich frage mich, wie sich General Leidernberger und seine Soldaten fühlen müssen, wenn die permanent die Lage nach oben melden und dann sowas dabei rauskommt.

    @ TW
    Schön, dass es Journalisten gibt, die sowas nicht vergessen und bei Gelegenheit auch mal kritisch nachfragen!

  13. Stellt sich die Frage, welche Möglichkeit das deutsche Kontingent in Mazar gehabt hätte, die aktuelle Lage in Kunduz zu verhindern.

  14. @ LTC007, @ all

    Der Fehler war, das die Amerikaner und die Nato überhaupt mit großen Kontingenten in AFG einmarschiert sind.

    2001 im Oktober hätten die Amerikaner mit Luftschlägen, Spezialtruppen am Boden und durch die Bodentruppen der Nordallianz die Chance gehabt Al Kaida aus AFG zu vertreiben oder zu vernichten. Die Taliban, die Beschützer von Al Kaida, hatten sie selbst 10 Jahr zuvor groß unterstützt. Der ganze Aufbau, state building von AFG und die speziellen deutschen Themen wie Mädchenschulen, Entwicklung usw. hätte man sich alle schenken können und den Afghanen überlassen können.
    Ein Land, deren Bevölkerung nicht von innen heraus zur Verständigung und Ausgleich nach einem Krieg bereit ist, wird dies auch unter fremden Truppen nicht tun.
    Dies war die Erkenntnis in den 90er Jahren, nach dem Abzug der Sowjets und dies ist die Erkenntnis die uns jetzt bevorsteht, nach unserem Abzug.
    Nebenbei bemerkt haben uns russische Generäle, Veteranen der sowjetischen Besetzung von AFG, dieses Ergebnis schon vor Jahren vorausgesagt.

    Ein sinnloser deutscher Kriegseinsatz, verschleuderte Mrd Euro und der Blutzoll von über 50 gefallenen Soldaten. Es erhebt sich wie nach jedem Krieg die Frage, Warum ?, war das Ziel die Opfer wert ?

    Gottseidank hat BK Schröder den Amerikanern 2002 signalisiert am Irakkrieg nicht teilzunehmen (das sah die damalige Oppostionsführerin Frau Merkel durchaus anders). Somit trägt Deutschland wenigstens keine Mitschuld an der Entstehung der IS-Milizen, nach der Abschaffung der sunnitischen, irakischen Armee.

  15. @T.W.:
    „Wenn aber Verteidigungsministerium wie Auswärtiges Amt bestreiten, aus eigenen Quellen etwas über die Lage in Kundus zu wissen“

    Da fragt man sich dann auch endgültig was das groß angekündigte sicherheitspolitische Informationszentrum (SIZ) in der Abteilung Pol macht.

    Das sollte ja genau tagesaktuelle Entwicklungen zusammenfassen. Es hätte ja morgen schon genügt Deutschlandfunk zu hören und die Abt. SE um eine Zusammenfassung zu bitten.

    Aus meiner Sicht ist zudem von Interesse:
    Was macht man nun?
    Unterstützen wir vor Ort mit Beratern?

    Die Antwort darauf läßt sicher auch tief blicken.

    Oder brauchen die das nicht, da die das ja alle schon so schön können?

  16. „Aus meiner Sicht ist zudem von Interesse:
    Was macht man nun?
    Unterstützen wir vor Ort mit Beratern?

    Die Antwort darauf läßt sicher auch tief blicken.

    Oder brauchen die das nicht, da die das ja alle schon so schön können?“

    estmal prüfen…..

    bis januar wird dann eine interministerielle Arbeitsgruppe im multistakeholder Prozess Konzepte zur Deeskalation unter Besonderer Berücksichtigung geschlechterspezifischer Benachteiligung für den Raum Kundus erarbeiten.

    Die Ergebnisse werden dann im Fortschrittsbereicht 2016 evaluiert

  17. Dann holt doch wenigstens die 862 Soldaten zurück! Die stehen doch völlig auf verlorenem Posten. Oder will man die en passant einfach opfern? Das Ganze ist doch einfach so sinnlos…

  18. Ich weiß, dass jetzt womöglich viele widersprechen werden aber: Der Afghanistaneinsatz (und ich war selbst 6 Monate dabei) hat unsere Streitkäfte dermaßen professionalisert, ich wüsste nicht wo wir heute stünden, wenn dieser Einsatz mit all seinen Herausforderung und leider auch Gefallenen und an Körper und Seele Verwundete nicht gewesen wäre! Wie weit hätte uns die „Friedensdividende“ gebracht?
    Wenn also übergaupt was positives aus dem Einsatz ziehen, dann vielleicht das.

  19. Uli Gack, ZDF-heute: Fall Kundus nicht überraschend, kündigte sich seit Monaten an.
    BMVg / AA bestreiten Lageinformationen/Erkenntnisse aus eigenen Quellen zu besitzen? Haben unsere Tr/Dienste nichts gemeldet? Haben alliierte Dienste auch nichts gemeldet? Für wie dumm verkauft BMVg uns. Laut Gack sollen letzte „Westler“ am Flughafen konzentriert sein und auf EvakOp warten/hoffen(!).

  20. @Georg: Hätte, hätte, fahrradkette. ich war beruflich an 11/9 ziemlich nah dran. man hätte viele dinge machen und ebenso viele unterlassen müssen. ist jetzt müßig. fakt ist, dass mit dem voreiligen abzug von obama der zug aufs falsche gleis gefahren ist. wir baden das jetzt aus. mit 53 gefallenen, hunderten verwundeten/traumatisierten, zig milliarden steuergeldern und zigtausenden flüchtlingen.

  21. @Ritter
    Will Ihr Statement zu Professionalisierung im Grundsatz nicht bestreiten, aber fragen, bis zu welcher Führungsebene stellen Sie das fest, für welche TrTl?
    Sind die PzKp, das PzBtl, die nicht im Einsatz waren, in ihrem Kerngeschäft besser geworden? Sind sie nicht! Sie müssen erst reprofessionalisiert werden, da einzelne Betroffene alles Mögliche geleistet haben, nur keine Panzerei.

  22. Nicht dass nachher jemand eine historische deutsche Schuld am afghanischen Exodus ins Spiel bringt und deswegen auf immer und ewig hier Tür und Tor offen stehen müssen.

  23. Danke und großes Lob an den Hausherren.

    Wer bei der Hochphase an Trauerzeremoniellen vor Ort teilgenommen hat und die pathetischen Durchhalteparolen „….sein Tod war nicht umsonst…. jetzt erst Recht…das sind wir ihm schuldig…..usw.“ noch im Gedächtnis hat, der verliert jede Achtung vor den Verantwortlichen.

  24. @Roland_09:
    35 bezieht sich auf die durch Feindeinwirkung Gefallenen, die Gesamtzahl an toten deutschen Soldaten während ISAF liegt bei 55 (ohne die Kameraden des KSK, bis auf einen der Gefallenen).

    Quelle:
    http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pPKUVL301JTUvOzUPL2S_JTU4rTE1Jyc1PjM3PjUzLzixJIq_YJsR0UAEK3m7A!!/

    Aber das nur zur Vollständigkeit, auch bei „nur“ einem deutschen Gefallenen wäre die heutige Vorstellung der BR beschämend!

  25. @ LTC007

    Es ist eben nicht hätte, hätte, Fahrradkette, sondern Verantwortung für die eigenen, nationalen und internationalen Entscheidungen zu übernehmen.

    Wie lang hätte denn Obama noch die amerikanischen Truppen in AFG lassen sollen ?
    Hätten ein, zwei, drei Jahr mehr etwas geändert, wenn die Taliban vom ISI aus Pakistan geführt und unterstützt werden ? Hätten wir mit dem Wegezoll am Kyber-Pass an die Stammesangehörigen mit jeder LKW-Ladung nicht weiter die Taliban finanziert ? Und warum wurde das einzige, nennenwerte Wirtschaftsgut in AFG, der Drogenanbau und handel, als Finanzierungsquelle der Taliban nicht energischer von Westen bekämpft ?
    Viele Fragen, wenige Antworten, der event. voreilige Abzug des Westens aus AFG ist auf jeden Fall nicht der Auslöser für die jetzige Misere.
    Soldaten der ANSF, die nicht wissen warum sie einer Zentralregierung dienen sollen, werden nicht gegen die Taliban = lokale Machthaber in paschtunischen Gebieten wie Kunduz, effektiv kämpfen, sondern bei Bedarf die Seiten wechseln.
    Dies alles war so etwas von absehbar, dass ich nicht verstehe, warum man jetzt glaubt, mit der einen oder anderen Maßnahme hätte man den sich jetzt abzeichnenden lokalen Zusammenbruch verhindern können.
    Also bitte keine Dolchstoßlegenden bilden, sondern nüchterne Analyse der Fakten.
    Die fängt bei dem Spruch der Afghanen am Anfang des letzten Jahrzehnts an, wonach der Westen die Uhr besitzt, die Afghanen aber die Zeit haben, die Ereignisse abzuwarten.

    Für mich q.e.d.

  26. @KPK:
    MilEvakOp wäre ja der in extremis support.
    Mal sehen wie das bis morgen abend alles weitergeht.

  27. Bin mal gespannt, ob diese Ignoranz auch an den Tag gelegt wird, wenn erste deutsche Stadtteile an den IS fallen. Aktuell tut man ja alles, ums solche Szenarien in naher Zukunft herbeizuführen. Als funktionierende Integration kann man die aktuelle Lage in vielen Erstaufnahmeeinrichtungen ja nicht gerade bezeichnen. Winning hearts and minds geht meiner Meinung irgendwie anders.

  28. @ Georg

    Einfache strategische Regel: Wenn du keinen Seezugang zu einem Land hast, belasse es bei Bekämpfung von Feinden. Für Nation-Building braucht man Logistik, dafür braucht es den zuverlässigen Hochseehafen.

  29. @ADSF

    Solche Einwürfe wie „wenn erste deutsche Stadtteile an den IS fallen“ sind weder sachlich noch zielführend und nicht der Ton hier. Und den Versuch, die Grundsatzdebatte über das Thema Flüchtlinge auf diesem Weg hier reinzuschleusen, nehme ich auch nicht erfreut auf.

  30. @ ASDF

    Für die Versorgung einer über 100 000 Mann und Frau starken Expeditionsarmee, wäre der Seezugang auch notwendig, ansonsten ist man auf die Unterstützung der Nachbarstaaten angewiesen.

  31. Wenn man die Nachrichten aus Berlin hört, kann man nur hoffen, daß die Kameraden in Mazar-e-sharif genug Sprit und Fahrzeuge für einen 60-Kilometer-Sprint nordwärts haben, für den Fall, daß Berlin mal keine Erkenntnisse von einem nahenden Fall Mazar-e-sharifs haben sollte…

  32. @ Georg

    „Dies alles war so etwas von absehbar, dass ich nicht verstehe, warum man jetzt glaubt, mit der einen oder anderen Maßnahme hätte man den sich jetzt abzeichnenden lokalen Zusammenbruch verhindern können.“

    das propagiert ja auch niemand. trotzdem muss man angesichts der fehler der vergangenheit nicht in passivem defätismus versinken sondern die Lage analysieren und Maßnahmen ergreifen die angesichts der Lage in situ und nicht der in Berlin erfolgversprechend sind,

    vemutlich also eine kombination aus kinetischer domestizierung und verhandlungsangeboten zwecks spaltung des gegners. mit dem auftreten von IS formationen in Afhghanistan ergeben sich da interessante optionen.

    die fehler der vergangenheit als legitimation für zuküntige passivität zu nutzen ist der lage vor ort jdenfalls nicht zuträglich.

    wenn man den norden fallen lässt kann man sich aosnst schon mal mit dem Ferghana Tal und ähnlichen „bunten“ Regionen beschäftigen

  33. Was macht eigentlich unserem Bundesnachrichtendienst?? Schlafen die alle oder trockenen die Ihren Neubau in Berlin mit allen Kräften?
    Sowas nennt man dann wohl kapitales Versagen der Nachrichtendienste…
    @TW
    Man kann sich einfach nur bei Ihnen bedanken! Guter Artikel ich hoffe Sie bleiben da dran, weil das ist wirklich ein respektlose Haltung des BmVg gegenüber den Gefallenen und allen Soldaten die in Afghanistan gedient und ihr Leben riskiert haben, das macht einen echt wütend..

  34. @ T.Wiegold

    Wir werden hier bald viele afghanische Flüchtlinge aufnehmen müssen, weil wir diesen Menschen in Afghanistan Versprechungen gemacht haben, diese nicht eingehalten haben und nun sagen: Vergesst Afghanistan. Das sagen dann auch unsere ehemaligen Verbündeten vor Ort: Vergesst Afghanistan, auf nach Europa!

    Diese Menschen kommen aus einer anderen Lebenswelt und landen dann bei uns in Turnhallen, haben Langeweile und sind leichte Beute für Menschenfischer und werden so innenpolitisch zum Problem, weil wir selbst in Inland den Job nicht richtig machen. Die Themen hängen leider sehr wohl zusammen. Unsere Sicherheitspolitiker machen aktuell Fehler, die genau zu solchen Szenarien führen. Dabei ist es fast egal, ob man das Scheitern bei der Verhinderung von Fluchtgründen betrachtet oder das sich anbahnende Scheitern bei der Integration.

  35. @ Georg

    Für die reine Bestrafung/Vernichtung von Leuten, die zwei Hochhäuser zerlegt haben, braucht man aber keine 100.000 Mann, siehe Operation Enduring Freedom.

  36. @Memoria
    Uli Gack sprach – live – von Evakuierung und von andauernden Kämpfen in benachbarten Stadtteilen. Wie soll ich das anders interpretieren als MilEvakOp? Wir sollten hier, bei AG, die Dinge beim Namen nennen, zumal wir ausgebildet/informiert sind und wissen, was dahintersteckt. Wer klare Begriffe hat …!
    Für morgen hoffe ich auf substanzielles Statement auf BPK, da sitzt doch stets ein Oberst i.G!

  37. @Georg:

    nicht 1,2 Jahre hätte man länger bleiben müssen. Eher 20-30 Jahre. Mindestens 1 Generation hätte wegsterben müssen und den jetzigen Kindern Afghanistans hätte man eine echte Chance geben müssen.

    Das hätte allerdings auch einen weit aus robusteren Einsatz erfordert bei dem es nicht bei 35 Gefallenen geblieben wäre.

    Krieg gewinnt man mit Krieg.

  38. Wäre interessant, ob die wirklich keinen Plan haben oder einfach nur so tun. Beides wäre natürlich gleich schlimm.
    Hätte einer was mit Attraktivität und Frauen bei der Bundeswehr gefragt, wäre die Ministerin wahrscheinlich persönlich zum Statement erschienen.

  39. @ ASDF 20:20 Uhr

    Da sind wir uns einig, siehe meinen Kommentar von 18:56 Uhr.

    @ 803er

    Ein Einsatz der nochmals 20 – 30 Jahre gedauert hätte, ist absolut illusorisch. Die 14 Jahre von 2001 bis 2015 waren schon viel zu lange. Ein Volk befriedet man nicht von außen sondern von innen. Genauer gesagt müssen sich die verschiedenen Ethnien in AFG selber arrangieren und friedliche Koexistens erlernen. Dies können nicht wir mit militärischer Macht ersetzen. Diese innere Aussöhnung der verschiedenen Stämme in AFG sehe ich bis heute nicht. Durch die Unterstützung der Paschtunen durch Pakistan und die nicht paschtunischen Völker durch Indien und z.T. auch Iran (Herat) haben wir es hier mit einem soliden Stellvertreterkrieg zu tun. Solange das so bleibt, ist eine Aussöhnung der Ethnien unwahrscheinlich.

    Ihr „Krieg gewinnt man durch Krieg“ ist eben nur die halbe Wahrheit und Frieden gewinnt man durch die Aussöhnung der Konfliktparteien. Genau dies ist der westlichen Koalition in den vergangenen 14 Jahren nicht gelungen.

  40. PS: Und es waren 53 gefallene deutsche Soldaten ! Soviel Zeit muss sein, um ihrer Opfer korrekt zu gedenken.

  41. 803er | 28. September 2015 – 20:21
    „Krieg gewinnt man mit Krieg“
    Nein, Krieg gewinnt man durch einen Sieg!
    Danach bedarf es allerdings der Okkupation, verbunden mit einem langen Atem; so 60 Jahre … siehe die jüngere deutsche Geschichte.
    „Win a battle, declare Peace and go home“ verursacht die heutigen Verhältnisse in Kundus.

  42. Ein Blick in die Glaskugel:
    Di 29.9.15: UvdL gründet eine Task Force zur Einsetzung einer unabhängigen externen Kommission zur Lagefeststellung in Kundus am 28.9.15.
    Mo 12.10.15: Herr BM a.d. Jung übernimmt die Leitung der Kommission Kundus, da er sich bestens politisch mit Kundus auskennt.
    Mo 26.10.15: Die Kommission nimmt die Arbeit auf. Sie besteht aus 25 Beratern der Firmen KPMG und McKinsey.
    Mo 14.12.15: Der 750-seitige Bericht zur Lage in Kundus am 28.9.15 wird der IBUK bei einer Pressekonferenz überreicht. (Falls sie bis dahin nicht den Guttenberg oder die Schavan gemacht hat)

    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen.

  43. Der junge neue | 28. September 2015 – 20:11
    Ich würde jetzt nicht pauschal die BND-Mitarbeiter kritisieren. Viel mehr glaube ich, dass die Residenten vorort sicherlich entsprechende Meldungen, die der Lage entsprechen, gefertigt und a.d.D. versandt haben. Allerdings wurden diese Berichte wohl, in den Zwischenebenen geschöhnt, damit sie in die Lage für die Bundesregierung einfließen konnten.

  44. @Georg

    Es wäre schön, wenn manche die vorangegangenen Kommentare in diesem oder einem anderen themenbezogenen Thread auch lesen würden, dann bräuchten wir nicht alle Faktendebatten doppelt und dreifach zu führen. Es waren nicht 53 gefallene Soldaten; 53 war die Zahl aller im Einsatz ums Leben gekommenen incl. Unfälle etc. Und ohnehin ist es für dieses Thema nicht wirklich relevant.

  45. Vorher muß man erstmal ein Ziel definieren, das der Sieg ist.

    Außer Spesen nichts gewesen. Da hatten die Sowjets ja weiland ein besseres Ergebnis hinbekommen: Nach deren Abzug hat die afghanische Zentralregierung auf sich alleingestellt noch ein ganzes Jahr die Stellung(en) gehalten, ehe sie auseinanderfiel.
    Dagegen bricht heute bereits alles zusammen, während die westlichen Truppen noch im Lande sind.

  46. @ T.W.

    Entschuldigung, manchmal geht auch mir ein Kommentar durch die Lappen. Ich lese im Normalfall die Kommentare von A – Z und nicht selektiv.

  47. @Verteidigungsbeamter
    Super, erst bei „Jung“ stutzte ich während raschen Lesens.
    Bei Twitter kommentierte soeben @gaborhalasz1 /ARD Südasien: Es wird nicht einfach sein, die Stadt zurückzuerobern, auch weil es schwer ist, Taliban von Zivilisten zu unterscheiden.
    Habe geantwortet, freundlich, sage hier aber nicht was. Waren auch zwei Tweeds.

Kommentare sind geschlossen.