Verzögerung bei Auslieferung MG5: Es war der Falltest

MG5_MG3_jpw

Nachdem am (gestrigen) Sonntag das Thema Lieferverzögerungen beim neuen Maschinengewehr MG5 für ein klein wenig Aufregung gesorgt hat, die Details am Wochenende aber nicht vorlagen, gibt’s nun ein bisschen mehr Klarheit. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums vom (heutigen) Montag bestand das Maschinengewehr bei der Typ- und Abnahmeprüfung (die laut offiziellen Angaben beim ersten Serienlos einer neuen Waffe besonders streng ausfällt) den so genannten Falltest nicht.

Deswegen seien konstruktive Änderungen nötig geworden – und weil dabei sicherheitsrelevante Bauteile verändert worden seien, wurden über den Falltest hinaus weitere Prüfungen erneut fällig. Diese Veränderungen zusammen mit der neuen Testreihe führe zu der monatelangen Verzögerung.

Das erste Los, handelt sich um rund 1.200 MG5, soll nun im kommenden Jahr ausgeliefert werden.

Übrigens soll der Hinweis auf die verspätete Auslieferung Mitte August in der Antwort auf eine schriftliche Frage der Opposition schon genannt worden sein. Ich suche noch danach (wg. der Sommerpause sind die entsprechenden Antworten noch nicht als Bundestagsdrucksache veröffentlicht.

(Foto: Oben das alte MG3, darunter das MG5 – @Jan-P. Weisswange)

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35 Gedanken zu „Verzögerung bei Auslieferung MG5: Es war der Falltest

  1. Alte UZI-Nachwehen ;-) Danke @ T.W. für das Dranbleiben, damit ist ja auch die Kaffeesatzleserei beendet.

  2. „Falltest nicht bestanden“, das ist ein weiteres extrem peinliches Armutszeugnis nach dem „G36-Skandälchen“ für das BMVg bzw. das BAAINBw sowie für H&K. Den Prototyp des HK121 (MG 5) präsentierte H&K bereits auf dem 14. Tag der Infanterie im Juli 2010 in Hammelburg. Ein simpler Falltest dürfte doch wohl der allererste Punkt werksinterner Tests und auch einer ersten Marktsichtung sein, bevor man überhaupt „auf den Schießstand in Meppen“ geht und alsdann in Koblenz ein „maßgeschneidertes Leistungsverzeichnis für den Wunschkanditaten des Wunschlieferanten nach Gutsherrenart“ verfaßt?

    Insofern darf man die Antwort vom 16.07.2015 des StS M. Grübel auf Frage 85 des MdB Dr. Tobias Lindner in der BT-Drucksache18/5596 zur Truppenverwendbarkeit bzw. Nichttruppenverwendbarkeit des MG 5, „Die Feststellung der Eignung des Maschinengewehrs MG5 ist abgeschlossen und erfolgte im Rahmen der Integrierten Nachweisführung. … Die WTD 91 hat mit der auf Basis der Ergebnisse der amtlichen Qualifikation erstellten Sicherheitserklärung die Funktionsbereitschaft und Betriebssicherheit des MG5 erklärt und die sehr gute Zuverlässigkeit und Lebensdauer des MG 5 hervorgehoben. … Im Rahmen der Auswertung der Ergebnisse der Einsatzprüfung gab es Anpassungsbedarf. Die erforderlichen Änderungen sind umgesetzt …, “ als weiteren „BMVg-Blindgänger“ im Frage- und Antwortspiel „Parlament – BMVg – Parlament“ werten (vgl. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/055/1805596.pdf, Seiten 65 – 66).

    Ganz bestimmt nicht, ist erst am vergangen Sonntag das geladene MG 5 vom Tisch gefallen!?

  3. Weil das MG3 nicht mehr hergestellt wird. Zumindest nicht unter deutscher Lizenz und von den ollen Dingern eins nach dem anderen durch die TMP fliegt. Somit gibt es auch keine Ersatzteile mehr und man schustert nun aus alten Beständen neue alte zusammen. Das ist kein Zustand. Das MG3 ist super, keine Frage aber es ist auch alt, seeehr alt. Und ich denke mit dem MG5 ist eine gute Alternative gefunden worden.

  4. @Terra8

    Warum ersetzt man ein Handy welches hervorragend geeignet ist zum Telefonieren durch ein neues?

    :-)

  5. @TPz1A8
    Ist ein Austausch überhaupt vorgesehen? Nun ja, die Antwort ‚kann eingestuft sein.

  6. Zitat:
    „Die WTD 91 hat mit der auf Basis der Ergebnisse der amtlichen Qualifikation erstellten Sicherheitserklärung die Funktionsbereitschaft und Betriebssicherheit des MG5 erklärt und die sehr gute Zuverlässigkeit und Lebensdauer des MG 5 hervorgehoben.“

    Hat das WTD91 bzw. das BAAINBw jetzt die Erklärung „Funktions- und Betriebssicherheit“ (FuBeSi) abgegeben, bzw. ausgestellt für das MG 5 oder hat sie nicht ?

  7. @ klabautermann | 07. September 2015 – 12:03:
    „Na, man testet ob sich beim Fallenlassen der Waffe ein Schuß löst oder nicht.
    http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1589723/Stiftung-Waffentest/
    Das kann bei einem MG schon ganz schön beinlich sein ;-)“
    Seemann, bleib bei Deinem Leisten! Falltest ist nicht gleich Falltest. Derart tieffliegende Website-Verweise wie der von Ihnen verlinkte führen nur auf den Holzweg.
    Hans Schommer

  8. @ Hans Schommer

    Sind sie so nett und übersetzen sie das für einen Fla Mann, den Gepard haben wir nie fallen lassen ;-) und dafür hatten wir ja das AusbZentr HFlaT Ich danke Ihnen im voraus.

    Die Qualifikation bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und
    Munition (WTD 91) beinhaltet bei neuen Waffen standardmäßig die Prüfungen
    gemäß der Leistungsbeschreibung und dem Standard NATO-AC225 (Panel III)
    D/14. Dies umfasst Lebensdauerbeschuss, Präzisionsbeschuss, Hochtemperaturbeschuss, Tieftemperaturbeschuss, Stationären Sand-/Staub-Test, Geschossvorlage, Elevation, Depression, Klimawechseltest, Cook-Off und Falltest.

  9. Keine Aufregung, Leute.

    Die WTD91 prüft Musterwaffen, die als Einzelstücke (!) in der Versuchswerkstatt gefertigt sind, weil das Modell ja noch gar nicht in Serienfertigung ist. Handarbeit spielt eine erhebliche Rolle. Diese Waffen können nicht absolut identisch mit der Serienfertigung sein, weil das unbezahlbar wäre.

    Wenn die Serienfertigung beginnt, tritt der Güteprüfdienst in Aktion (sogenannte Abnahme), um sicherzustellen, das die in Serie auf den dafür geeigneten Maschinen gefertigten Waffen den Lieferbedingungen entsprechen. Hierbei gab es anscheinend einen nicht bestandenen Falltest, über den wir aber nichts Näheres wissen.

    Grundsätzlich sind Probleme beim Anlaufen der Serie nichts Ungewöhnliches, egal um welches technische Erzeugnis es sich handelt. Ob es Versäumnisse bei HK oder seitens der Bundeswehr gab (oder beiden), kann man beim jetzigen Kenntnisstand nicht sagen.

  10. re: Georg

    Zitat: „Hat das WTD91 bzw. das BAAINBw jetzt die Erklärung „Funktions- und Betriebssicherheit“ (FuBeSi) abgegeben, bzw. ausgestellt für das MG 5 oder hat sie nicht?“

    Ein excellente Frage!- Die übrigens „alle Varianten“ des MG5, unter Einbezug „aller möglichen Anbauteile“, unter Berücksichtigung „aller für das MG5 vorgesehenen Munitionstypen“ und die Nutzung „mit den vorgesehenen Lafetten und Waffenstationen“ einschließt!- Ich bin auf die (verbindliche) Antwort gespannt …

  11. @ Axel_F | 07. September 2015 – 21:48
    Zu Ihrer Frage, soweit nicht selbsterklärend:
    Geschossvorlage – Verhalten der Waffe, wenn sich bei Abgabe eines Schusses noch ein Geschoss (statisch oder angetrieben) im Rohr befindet.
    Elevation – Verhalten der Waffe beim Schießen in allen möglichen Feuerarten bis zur maximalen teschnisch möglichen / taktisch geforderten Rohrerhöhung.
    Depression – Gegenteil von Elevation.
    Cook-Off – durch thermische Einwirkung bedingte Selbstentzündung einer im Patronenlager des Rohres befindlichen Patrone. Kommt m.W. nur bei geschlossen schießenden Waffen vor. (Ich kenn das noch gut von unserem alten M42 [Bofors-System]).
    Falltest – Auswirkungen der beim Aufschlag der Waffe nach Fall aus defiinierter Höhe (real oder simuliert durch Beschleunigung), definierter Lage und definiertem Ladezustand auf Sicherheit und Funktionsfähigkeit .
    MkG
    Hans Schommer

  12. Zum Thema Fertigungstoleranzen: zu eng tolerierte Bauteile sind aber auch nicht optimal. So war das (Vorkriegs-) MG 34 sehr eng toleriert mit der Folge, daß es bei (sehr) niedrigen Temperaturen Störungen gab.

    Sicher gibt es heute Werkstoffe, die über einen großen Temperaturbereich einen niedrigen Ausdehnungskoeffiziienten haben, aber die Werkstoffpaarung muß eben auch passen (s. G36).

  13. @Hans Schommer | 08. September 2015 – 11:32
    Danke, ist doch mal eine verständliche Beschreibung des Falltests.
    Um die MG-5 Entscheidung nachzuvollziehen, wie sahen die „definierte“ Höhe, Lage und Ladezustand aus?
    Sofern dazu etwas veröffentlicht wurde, prima, und danke vorab.
    Egal was im Einzelnen getestet wurde, es ist doch wohl nicht so, dass H&K erwartbare Prüfungen bei der Abnahme, inkl Falltest, überrascht haben?

  14. @Hans Schommer

    Auch von mir vielen Dank, ich denke damit haben sie vielen Lesern geholfen.

  15. Wenn es nur „der Falltest“ war, warum wurde dann in der Berichterstattung der Medien von „Auffälligkeiten bei der Typ- und Ablieferungsprüfung der Waffe“ und von „Unregelmäßigkeiten“ gesprochen, „die vor einer Freigabe die erneute Durchführung bestimmter Prüfanteile erforderlich machen“!?

    Sorry, aber der (alleinige) Grund für die Lieferverzögerungen scheint dann doch nicht nur „der Falltest“ gewesen zu sein?– Was soll diese „Nebelkerze“ verbergen …

    Zitat aus „Neue Probleme mit Heckler&Koch-Waffen: MG5 kommt später (Update)“ vom 6. September 2015: „Grund für die Verzögerung sind nach Angaben des Sprechers Auffälligkeiten bei der Typ- und Ablieferungsprüfung der Waffe durch das Bundesamt für Ausrüstung, Infrastruktur und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw). Deshalb seien erneute Prüfungen angesetzt worden. Um welche Probleme es sich im Detail handelt, war am Sonntag nicht zu erfahren. Allerdings hatte das Heer bei der Eignungsfeststellung (siehe dazu weiter unten) bemängelt, dass das Schießen mit Übungsmunition bislang nicht möglich sei.

    Die Bild am Sonntag hatte einen Ministeriumssprecher mit den Worten zitiert, es sei zu Unregelmäßigkeiten gekommen, die vor einer Freigabe die erneute Durchführung bestimmter Prüfanteile erforderlich machen.“

  16. Jetzt ist es also raus: Es war nicht nur der „Falltest“!- Siehe SPON vom 12.09.2015 „Bundeswehr: Neues Maschinengewehr MG5 passt nicht auf Panzer“, Zitat: „Nach Informationen des SPIEGEL kann die neue Waffe bei Panzern und Geländefahrzeugen offenbar nicht ohne weiteres auf die vorhandenen MG-Lafetten montiert werden, die bislang mit dem Vorgängermodell MG3 bestückt waren.“ und „Weitere Nachbesserungen müssen noch erfolgen. Allein die Änderungen an der Schulterstütze des Gewehrs kosten 140 Euro pro Stück.“

  17. Im Abgleich zu der Antwort des BMVg auf eine Anfrage des Abgeordneten Lindner aus dem Juli 2015, scheint man zum damaligen Zeitpunkt das Lafetten-Problem irgendwie „vergessen zu haben“!? (siehe unter: http://www.tobias-lindner.de/fileadmin/media/MdB/lindner-suedpfalz.de/Dokumente/2015/150716_Antwort_Schriftliche_Frage_MG5.pdf ) Lt. Zeit-Online geht es bei den „dafür nötigen Änderungen“ übrigens um „rund 50 Millionen Euro zusätzlich“!- Tja, wer wird diese wohl bezahlen müssen …

  18. Schön, dass der Hersteller auf seiner Website noch immer mit der Lafettenschnittstelle MG3 wirbt:

    Unter anderem verfügt das MG5 in Serie über eine Schnittstelle zur Nutzung bereits eingeführter MG3-Lafetten.
    (Quelle: HK)

    Dabei lägen die Kosten der Behebung des Problems doch eigentlich beim Hersteller – wenn die Verträge stimmen würden… ;-)

  19. Wenn das denn alles stimmt!!?? So unbedarft, ein Nachfolgemodell ohne Berücksichtigung von Adaptionsmöglichkeiten an allen infrage kommenden Für auf den Markt zu bringen, – doch eigentlich nur in Schilda?
    Und Lafettenproblem „vergessen“? Gibt es nicht, wohl aber Vorsatz, aus vertraglich-finanziellen Erwägungen heraus.
    Insofern glaub ich kein Wort der SPON-Begründung und Herrn T. Lindner ebensowenig.
    Riecht alles nach dem landesweiten, billigen BMVg/UvDL-bashing!

  20. @audio001, @Voodoo: Kurz mal 50 Mio.? Was soll es, wo kein Kläger, da kein Richter. Oder anders gesagt, die Vertragslage dürfte mal wieder sehr diffus sein. Das G36 und auch dessen Nachfolger-Marktsichtung“ laßen grüßen.

  21. @ Amtmann

    Zur Marktsichtung hatte ich etwas ergänzt, siehe mein Beitrag dort von 10:17 – das Heer scheint ständig zu sichten, ohne dass sich anscheinend später jemand daran erinnern kann…

  22. @Voodoo: Apropos Marktsichtung; da gibt es doch den üblen Witz mit dem Blinden, der über seinem Kopf seinen Hund an der Leine im Kreis herum schleudert, um alles wahrzunehmen.

  23. Also mal grundsaetzlich war es verpeilt wieder ein eierlegendes Wolfsmilch MG zu beschaffen. Auf Fahrzeuglafetten kann man ja das Gewicht weitbehend vernachlaessigen und auch taktisch muss ein Fahrzeugmaschinengewehr anderen Anspruechen genuegen. Unter diesen Gesichtspunkten waere eine Gatling oder gekuehllte Variante der bessere Weg gewesen. Aber aussen gruen und innen hohl…

  24. Was ein Schwachsinn, das MG5 passt meines Wissens nach wunderbar auf die Erdziellafetten und Konsorten. Laut eines Kameraden passt das MG5 nicht in die Aufnahme für das Koaxial-MG beim Leo2, dafür wurde das MG5 aber auch nicht konstruiert. Des weiteren weiß das die Panzertruppe schon lange und dort wird das MG3 auch noch lange in Nutzung bleiben. Also würde ich mal gerne wissen auf welche Lafetten das MG5 denn nicht passt ?!

  25. Es sollte der deutschen Rüstungsindustrie allerdings möglich sein, Ersatzteile für das MG3 in ausreichender Zahl zu liefern – wenn nicht sogar ganz neue MG3.

    Dennoch hat das MG3 für die heutige Zeit ein erhebliches Problem: wo soll man da ein Zielfernrohr bzw. Nachtsichtgerät anbringen? Das gibt es beides nur in Verbindung mit der Feldlafette…
    Zur Erinnerung: Voller Gurt kommt von links, Hülsen fallen unten heraus, leerer Gurt kommt rechts raus und der Zuführer wird nach oben aufgeklappt… Wohin also die Optik?
    Rechts oder links oben neben der Waffe, so dass der Zuführer noch aufgeht (schon mal bei russischen Waffen gesehen…)? Nicht die beste Körperhaltung zum Schießen.

    Für alle Anwendungszwecke, wo weder Nachsichtgerät noch Zielfernrohr benötigt werden, könnte das MG3 noch ewig verwendet werden.

    Jedoch sollte die Infanterie für den abgesessenen Einsatz nur EINE Waffe haben (= Universal-Maschinengewehr, entspricht einer Forderung des Heereswaffenamtes von 1919), dass sowohl vom Zweibein, vom (Flieger-) Dreiben – die Zwillingssockel-Lafette nicht zu vergessen – und von der Feldlaffette genutzt werden kann. Das gleiche gilt auch für verschiedene Laffettierungen (z.B. auf Lkw, TPz Fuchs, etc.) von denen man das MG abnehmen und als Infanteriewaffe einsetzen können sollte.

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