Der Feind meines Feindes ist … – Lagebeobachtung Türkei

Ob die Entwicklung in der Türkei auch dem Wiegold-Effekt zuzurechnen ist, vermag ich nicht zu sagen. Dennoch scheint mir, dass der Kampf gegen Daesh/ISIS damit eine neue Qualität bekommen hat. Deshalb eröffne ich hier mal einen Sammler zu diesem Thema. Was ich mir wünsche: Sorgen wir dafür, dass auch hier etwas Qualität entsteht. Sprich: Lassen Sie uns Fakten und qualifizierte Stellungnahmen sammeln und gerne auch bewerten. Sobald es in einen Stellvertreterkrieg zwischen türkischen und kurdischen Positionen ausartet, beende ich das Experiment im Sinne des urlaubenden Hausherren. Da die Kommentare ohnehin auf moderiert sind und ich den Vormittag über abwesend, sollten Ton und Tempo sich fast wie von selbst mäßigen – hoffe ich. In diesem Sinne, vielen Dank vorab an die Mitlesenden und -diskutierenden. Der OvWa.

126 Gedanken zu „Der Feind meines Feindes ist … – Lagebeobachtung Türkei

  1. Georg | 30. Juli 2015 – 23:49:
    „@ Hans Schommer
    Na, wenn Ihnen die Korruptionsvorwürfe in dem Sektor wo das türkische Bataillon stationiert war unbekannt sind, als Leiter der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit im MNTF Süd, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen. …“
    Ich verstehe nun, worauf Sie hinaus wollen. Ich konnte und kann nur mit Ihrer „Donnerstag – Legende“ nichts anfangen. Wenn Sie die Aktivitäten der Türken auf dem Balkan vordergründig unter dem Aspektwinkel „Korruption“ beleuchten und beklagen wollen, erscheint mir das schlichtweg naiv und zu kurz gegriffen . Die Türken verfolgen eine klare Strategie der Eweiterung Ihrer Einflussphäre auf dem Balkan. Dass dies Mitte 2005 unter dem Deckmäntelchen des „Kümmerns“ um die türkisch sprechende Minderheit im Kosovo forciert wurde, ist mir durchaus bewusst. Und m.E. überhaupt nichts Besonderes oder gar Verwerfliches. Der Umstand, dass die maßgeblichen Politiker der BR Deutschland – im Gegensatz zu den Italienern und Amerikanern – dazu zu blöde sind, rückt die türkischen Aktivitäten sicher nicht ins moralische Abseits.
    Und zu Ihrer letzten Frage: Nein, ich habe da nichts gesehen. Jedenfalls nichts, was ich bei unseren deutschen Soldaten nicht auch gesehen und als notwendig oder tolerabel im Rahmen der CIMIC beurteilt hätte.

  2. Thomas melber schrieb: „Der Irak ist meines Wissens nach föderal organisiert. D.h. es gibt im Norden eine Kurdenregion mit beschränkter Autonomie, d.h. aber nicht, daß die Zentralregierung per se auf ihre Hoheitsrechte verzichtet oder dort keine irakischen Gesetze gelten.“

    Die offizielle Anerkennung der kurdischen Authonomie war das Akzeptieren der Realität am Boden, es wurde ein damals nicht unwichtiger Schein gewahrt, der jetzt durch ISIL nicht mehr nützlich ist, dei Kurden sind das geringere Übel.

    Ob die Zentralregierung auf Hoheitsrechte verzichtet oder nicht ist in dem Moment irrelevant, wenn die Zentralregierung diese Rechte nicht mehr durchsetzen kann, da ihr zuverlässige Truppen fehlen.

  3. wait&C schrieb:“Die USA hat einige endemische indigene und religöse (z.B. Quäker) endemische Gruppen die ebenfalls weniger als 1% der Bevölkerung ausmachen. Ansonsten gleiche Situation wie in Deutschland, die Zuwanderer bilden praktisch keine territorial und gesellschaftlich isolierte Gemeinschaften, mit Ausnahme sehr kleiner Ausnahmen wie China Town.“

    Ich würde mich nicht auf die indigenen Gruppen versteifen, viel intereessanter ist der tatsächliche Einfluss der verschiedenen Einwanderergruppen auf die Tagespolitik. Hier bestehen gewaltige Unterschiede zwischen Deutschland un den USA:

    Türken habe in Deutschland praktische keine politische Macht, in den USA bestimmen Latinos in südlichen Bundesstaaten sehr wohl die Politik mit und der Einfluss jüdischer Einwanderer ist in Neuenglandstaaten hoch.

  4. @Uhlenspiegel kurz OT:

    Zitat aus einem Randgespräch mit Omid Nouripour bei einer Veranstaltung in Frankfurt (Main) letzten Herbst auf die Frage nach deutschen Interessen in Bezug auf die Kurden:

    „[…] gefühlt jeder im Auswärtigen Ausschuss hat einen kurdischen Freund, oder warum glauben Sie das wir Waffen in den Nordirak liefern[…]“

    Das war die Antwort auf die Frage nach deutschen Sicherheitsinteressen in Bezug auf Waffenlieferungen an die Kurden. Deutsche Innenpolitik IST deutsche Außenpolitik.
    OT Ende

  5. @ Klaus Peter Kaikowski

    „Sollte sich dies bestätigen, wie reagiert die Huthi-Schutzmacht Iran?“

    wer die dyfunktionalität arabischer streitkräfte im allgemeinen und die der saudischen im speziellen kennt weiß: eine nenenswerte oppsition seitens etwaiger iranischer proxys ist eigentlich unnötig.

    Die saudis scheitern vermutlich an sich selbst.

    (mal abgesehen davon das die houthis keineswegs ein beliebig einsetzbare marionette des irans sind. allenfalls ist der iran ein ally of convenience für die houthis)

  6. @ klabautermann

    mir fehtl da mittlerweile auch der rote faden.

    vermutlich mal wieder ein klassisches resultat interinstitutioneller mangelkoordination.

    kennt man ja auch von den afghanistan debatten (pro-surge vs. anti surge)

    weißes haus gegen pentagon. pentagon gegen CIA. CIA gegen state departement.

    am ende macht dann jeder sein ding und laboriert mehr oder weniger unabgestimmt vor sich hin.

    führung aus einer hand mit klar definierten absichten sieht jedenfalls anders aus.

  7. Jetzt wird es aber völlig „unübersichtlich“: falls die USA „ihre“ FSA auch gegen Angiffe der syrischen Streitkräfte schützt, dann geht jede „Freund/Feind“-Differenzierung über den Deister.

    Versteh ich jetzt nicht.
    Assad war jetzt noch nie ein „Freund“ oder Partner der USA im Syrienkrieg. Mittlerweile ist er in Syrien immer weiter marginalisiert: Militärisch verliert er kontinuierlich an Einfluss, politisch ist er so verhasst dass ein Bündnis jede Syrienstrategie untergraben würde. Dass die USA Assad bisher in Ruhe gelassen haben liegt wohl zum einen an dem Wunsch sich aus dem Syrien-Konflikt weitmöglichst rauszuhalten, zum anderen wohl daran dass ihnen er bisher die damit einhergehende völkerrechtliche Debatte wohl nicht wert war.

    Letztlich sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass die Situation der Regime-Kämpfer in Aleppo ziemlich prekär ist. Ohne die ISIS-Präsenz nördlich von Aleppo, die nicht unbeträchtlich Kämpfer der Opposition bindet, würde das Regime wohl vollständig aus Aleppo verdrängt.

    Von daher ist eine Anti-ISIS-Schutzzone eben auch ein strategischer Anti-Assad-Zug. Ich glaub, da machen sich USA, Türkei und Assad keinerlei Illusionen.

    Nicht zuzulassen, dass die Regime-Luftwaffe ISIS aus der Luft unterstützt, ist dann nur folgerichtig.
    Und wenn es für die Türkei ein Ziel ist, dass syrische Flüchtlinge in Flüchtlingslagern in Syrien bleiben, dann macht es ebenfalls keinen Sinn die Bombardierung durch die Regime-Luftwaffe zuzulassen.

  8. Wann waren sich die Araber je einig?
    Von Lawrence bis Nasser nur Fehlschläge. Sykes-Picot haben unveränderliche Tatsachen geschaffen, da Staaten etabliert wurden, deren jeweilige Machthaber zwar den arabischen Widerstreit beklagen, aber ihre Macht nicht lassen wollen.
    Der äußere Druck seitens „IS“ (der eher ein innerer ist) der zur Einigkeit zwingt, führt offenbar zu Ergebnissen wie Al Sisis suche nach Partnerschaft dokumentiert, wird aber keine politisch nachhaltige Lageänderung bewirken. Die nationale Interessenlage selbst, der kolonial bedingten Staaten, ist manifest geworden und hat sich verselbständigt. Was hat ein saudisches Königreich mit den syrischen oder libyschen Habenichtsen gemein? Die Sprache, sofern es das Hocharabische betrifft und die sunnitische Konfession. Das revidiert keine nationalen SiPo-Interessen mit dem Ziel Panarabismus.

  9. Laut Spiegel.
    Gruppe Neues Syrien“ – das sind Rebellen, die den Islamischen Staat und seine Verbündeten in Syrien bekämpfen. Sie werden vom US-Militär ausgebildet und stehen unter seinem Schutz. Als Islamisten die neue Einheit angreifen, antworten die USA mit Luftangriffen.

    Die USA haben nach eigenen Angaben erstmals eine von ihnen ausgebildete Rebellengruppe in Syrien mit einem Luftangriff unterstützt. Der Luftangriff vom Freitag letzter Woche sei zum Schutz der Gruppe Neues Syrien erfolgt, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.
    Gleichzeitig warnten die USA Assad gegen „Neues Syrien“ vorzugehen.

    Insgesamt ein schwieriges Vorhaben: Niederhalten Assad, Ausschalten des „IS“ und Unterstützung solcher Kurden, die contra-„IS‘ taktieren, das Eine vom Anderen zu unterscheiden und obendrein die Türken bei Laune halten.
    Da haben State Departement und Pentagon viel zu koordinieren

  10. @KPK
    Wie schon erwähnt wurden bisher nur 60 Kämpfer ausgebildet, deren Führer auch schon gefangen genommen wurde.

    Zuverlässiges Personal zu bekommen ist wohl schwierig. Zudem möchte Jordanien nicht weiter mit in den Konflikt hineingezogen werden und macht nur gute Miene zum bösen Spiel.

  11. Sehr geehrter Herr Kaikowsky,

    mit ihrem Beitrag vom 04. August 2015 – 8:01 öffnen sie die Büchse der Pandora! Erlauben sie mir frei auf einige Zitate einzugehen:

    I. „Wann waren sich die Araber je einig?“

    M.E beschränkt sich der ethnische Begriff Araber auf das Gebiet, das wir Heute unter GCC/GKR kennen mit einer nördlichen Grenze von Gaza nach Amman (röm. Philadelphia) über Irbid, Damaskus, Mosul, Baghdad, Persischer/Arabischer Golf. Nordwestlich beobachten wir einen Flickenteppich der gerne als Levante bezeichnet wird (müßig hier alle endemischen, konfessionellen und ethnischen Gruppen aufzuzählen, gefährlich weil schnell Gefühle verletzt sind). Nördlich ist Kurdistan und nordöstlich beginnt die Persische Welt. D.H nördlich eines streng arabischen Gebietes verwischen die kolonialen Grenzen aufgrund des Legitimationsverlustes der Regime.

    Daher auch mein frecher Wallensteinvergleich. Oben genannte Grenze würde man auch als Kain-Abel Linie bezeichnen, da der theologisch anmutende Vergleich passend auf die unterschiedlichen Lebensweisen hinweist.

    –> Sicher: Pan-Arabismus ist ähnlich des proklamierten Pan-Islamismus ein propagandistischer Narrativ der Potenz vorgaukelt und sich in national-religiöser Kraftmeierei auflöst. [s. https://bw2.link/Fij6V ]. Aber wie nachhaltig ist die koloniale Ordnung wirklich?

    II. „Sykes-Picot haben unveränderliche Tatsachen geschaffen“ Ich möchte ihnen hier drei Karten in die Hand geben, die auf strategische SoPo, PoÖek abzielen:

    Zuerst:
    Blood borders – How a better Middle East would look like https://bw2.link/4M5QZ
    Aktuell: https://bw2.link/zdJKc
    Prognose: https://bw2.link/axcTz

    M.E liegt der besondere Wert der Prognose im eingearbeiteten Kompromiss aus „deren jeweilige[n] Machthaber[n] [die] […] ihre Macht nicht lassen wollen“ wie auch die geoökonomische Kraft der Großstädte und deren Klientel, sowie den soziologischen Gegebenheiten [s. https://bw2.link/D6Yn2 ]

    Eröffnet man hier eine Betrachtung des Widerstreites zwischen Militär/Regime und weiterer sozialer und kultureller Eliten, wie auch Institutionen der einzelnen Staaten, wären Analysen auf innerstaatlicher, regionaler wie internationaler Ebene zu subsumieren: Wer hat Interesse an wem? Quo bono? Quit pro Quo? Ich kürze hier ab, da es uns vom Thema zu weit abweichen lässt.

    –> These: Sykez – Pikot wird sich in den sozialen Gegebenheiten der Region auflösen. Warum?

    IIV: „Der äußere Druck seitens „IS“ (der eher ein innerer ist) der zur Einigkeit zwingt“.

    Richtig! Die ISIS in Mesopotamien, Al-Qaida/Wahabiten in arabischen Raum, die Muslimbrüder in Ägypten und z.T Syrien/Jordanien wie auch die AKP haben grundlegende revisionistische Tendenzen [s. https://bw2.link/q6EbW zur Muslimbruderschaft]. Hinzu kommen die linksradikalen und gemäßigt linken Organisationen welche ebenfalls revisionistisch/anti-Westlich auftreten. (z.B die PKK, YPG etc). Der Ordnung halber seine Traditionalisten wie die PYD genannt (Agas- ehem. Großgrundbesitzer)

    Exkurs: Man konnte schon vor dem Arabischen Frühling die Verbindungen zwischen den o.g Phänomenen erkennen. Daher schimpfe ich die Moslembrüder gerne „Müslibrüder“.
    Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens, wie sich die ägyptischen Moslembrüder nach dem Sturz Mubaraks dann auf das Militär stützten, um dann die säkularen Kräfte fallen lassen zu können, was wiederum deren politische Reichweite auf unter 50% drückte und den Weg für einen Militärputsch freimache. Zwischenzeitlich hatte Saudi Arabien die Salafisten daran erinnert, wer die Rechnungen begleicht. Macht Erdogan gerade einen ähnlichen Fehler? Oder will er eben diesen vermeiden?

    Was deutlich wird, ist dass wir hier so etwas wie „dreidimensionalem Schach“ beiwohnen:

    → Wir müssen uns bei einer Betrachtung MENA verabschieden von unserer „westfälisch orientierten“ Inter-Staatenbetrachtung. Wir betrachten bei jeder MENA Analyse die Regime einzeln im Spannungsfeld mit interstaatlichen Supranetzen. Also kommt es zukünftig zum einen, wie George Friedman [ https://bw2.link/nsQBP ] es richtig erkannt hat, kurzfristigen Ententeebildung auf Interstaatenebene, aber auch gleichzeitig zu einer Ententebildung auf der zugrundeliegenden Karte der Supranetze, deren Spieler wiederum in Entente-Verhältnissen zu den staatlichen Akteuren stehen.

    DER FEIND MEINES FEINDES IST … ;)

    P.S: Die Hoffnung stirbt zuletzt … würden die Supranetze links, konservativ, rechts erkennen dass man eine gemeinsame politische Basis braucht … nennen wir sie vorsichtig FDGO … wäre alles so viel friedlicher… Next Step: Max Weber ins arabische, türkische und persische übersetzen.

  12. @Klaus-Peter Kaikowsky

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ozymandias
    My name is Ozymandias,
    king of kings:
    Look on my works,
    ye Mighty, and despair!‘
    Nothing beside remains.
    Round the decay

    Es gibt kein immer und ewig vor den Gezeiten der Geschichte,
    vielleicht geht Sykes – Picot gerade Richtung Müllhalde derselben.

  13. Unter dem Titel „The Return of the Kurdish Question – On the Situation of the Kurds in Iraq, Syria and Turkey“ befasst sich „SWP“ (Günther Seufert, SWP Comments 2015/C 38, August 2015, 7 Pages) in nachdenklicher Weise mit der (neuen) Rolle der Kurden. Zusammenbrechende Staaten (Syrien, Irak) unter dem Druck inner-islamischen Terrorismus lassen Rolle, Einfluss und Zukunft von nahezu 29 Millionen Kurden in geänderter Funktion erscheinen. Ein mögliches Kurdistan in staatlicher Organisation entwickelt sich von einer Chimäre, die für die Türken mehrheitlich als Menetekel erkannt ist, hin zu einem am Horizont auftretenden realen Gebilde. https://bw2.link/axcTz (von Samir Awwad, 04. August 2015 – 15:01 eingestellt) liefert eine Idee künftiger kurdischer Staatlichkeit, „Free Kurdistan“.
    Das Sykes-Picot – Abkommen aus 1916 mit dem Versprechen eines Groß-Syrischen Staates wäre revidiert, die kolonial abgesprochenen Grenzen ergäben sich ethnisch revidiert: eine „kritische Masse“ in den Augen aller gegenwärtigen Machthaber im Nahen – und Mittleren Osten, mit Ausnahme Israels.

  14. @Samir Awwad
    Herzlichen dank für Ihre ausführliche Darstellung.
    Der Einordnung des Begriffs „Araber“ auf den beschriebenen Rahmen kann ich folgen.
    Das ursprüngliche Arabien versteht sich als ein geografisch und ethnisch eingegrenzter Raum bis zum Tod MOHAMMEDS im Jahre 632 n. Chr. Ab 639 begonnene arabische Kriegszüge fegten zunächst das byzantinische Christentum in Nordafrika dahin und eroberten binnen sieben (!) Jahrzehnten den gesamten Raum bis Gibraltar. Lediglich in Ägypten/Abessinien überlebten die Kopten.
    Das bedeutet nun keinesfalls, ab ca. 709 n.Chr., Abschluss der nordafrikanischen Feldzüge, hätten wir es mit einer muslimisch bekehrten Gesellschaft zu tun.
    Es verhält sich wie bei allen kolonialen Eroberungen, der Sieger bestimmt die Gesellschaftsform, die Sprache, die Religion und somit letztendlich die Kultur. Wer, wenn nicht wir Deutsche müssen die basierenden Regeln der Macht verstehen. Nach Luthers Reformation, wechselte die Konfession oftmals mehrfach, je nach Willen des Landesherrn.
    Der – sunnitische – Islam hatte sich erst gegen Mitte des 12. Jahrhunderts als alles bestimmende Macht unter den Regeln der Scharia und des Kalifats durchsetzen können.
    Doch leben deshalb von des Westküste Marokkos bis nach Mesopotamien „Die Araber“?. Nein! Vom Magreb bis hin zum Maschrek lebten/leben unterschiedlichste weiße nordafrikanische Stämme. Berber, Kabylen, Sinussi, Tuareg und Beduinen sprachen und sprechen ihre Dialekte, des Hocharabischen eher nicht mächtig.

    Der hier dargestellte Link https://bw2.link/axcTz wirft ein erhellendes Licht auf Vergangenheit und prognostizierte Zukunft des arabischen Halbinsel. Der „Islamic Sacred State“ entspricht auffallend dem Gebiet der Hedschahs, das zu Zeiten MOHAMMEDS erstes Eroberungsziel war und vor 100 Jahren politische Bedeutung erlangte.
    Ursprünglich waren die Hedschahs lediglich eine unbedeutende Landschaft angrenzend an das Rote Meer. Nach den Eroberungen der Mekkaner ab 622 n.Chr. wurde es „Heiliges Land“, dessen Betreten den Nicht-Gläubigen (Kafir = Gegner des Propheten) verboten war.
    1915/16 erlangte der „Sherif des Hedschahs“, Hussein ibn Ali, nachhaltig Berühmtheit. In Geheimverhandlungen mit dem britischen Hochkommissar in Ägypten, Sir Arthur McMahon, erreichte der Sherif die Zusicherung der arabischen Unabhängigkeit, sofern die Briten Waffenbruderschaft gegen die Osmanen erhielten. Die Araber hielten ihr Wort, Briten, zusammen mit Franzosen folgten dem Sykes-Picot-Abkommen. Details dazu sind, lebhaft beschrieben, bei Lawrence of Arabia und seinem „Aufstand in der Wüste“, nachzulesen. Die Desavouierung des Sherifen wurde/wird als nachhaltig empfunden, da sein Stamm sich auf den Propheten zurückführt.
    Nota bene, die Araber der arabischen Halbinsel und auch ihre damaligen europäischen „Partner“ begriffen Arabien als das Gebiet gleichnamiger Halbinsel.

    Ihre Wallenstein-Analogie, mit Verlaub, erschließt sich mir nicht. Der Herzog von Friedland stellt sich mir als erster Warlord der jüngeren Neuzeit, als Protagonist der Ökonomie des Krieges auf Seiten der katholischen Liga dar, weil der Kaiser besser honorierte. Letztlich überschätze er sich und zahlte mit dem Leben.
    Wo ist der „Wallenstein“ in der Nahöstlichen Szene?

    Was ist Arabien/sind die Araber derzeit. In loser Abfolge, ohne Wertung und Erörterung sehen wir das Königreich Marokko, das haschemitische Königreich in Jordanien, die Dynastie der Sauds mit wahabitischer Interpretation des Korans als absolute Monarchie, die „failing states“ in Libyen, dem Irak, in Syrien und im Jemen. Als einzige funktionierende Demokratie ist „Erez Israel“ zu nennen, immerhin rein geografisch Teil der Halbinsel und Ergebnis der Balfour-Deklaration. Und nicht zu vergessen, die Kurden, ausgebreitet über vier Staaten mit ihrem immerwährenden Traum von Unabhängigkeit. Ein Tagtraum der sich stets aufs Neue als Chimäre entpuppt, für die Türken gar als Menetekel.
    Was ist also Arabien. Keine VAE eines Nasser, Gaddafi oder Assad d.Ä. Das Arabien von heute stellt dar, was Sykes-Picot vereinbarten. Es wird so bleiben, da sich Dynastien, Herrschaftsformen ausgebildet haben, die ihre Macht nicht zurückgeben, an wen sollte sie es auch tun? Da ist niemand. Und obendrein, der Westen, in symbiotischer Abhängigkeit mit/von der AOPEC (Organization of Petroleum Exporting Countries) hat keinerlei Interesse an jedweder Revision.
    Und dann ist da noch die „Arabische Revolution“. Ich vermeide diesen verlogenen Begriff, der glauben machen will, vom Schlechten der Diktatoren hin zu …, ja wohin eigentlich, nach Möglichkeit. Besonders bedauernswert die oftmals bedenkenlose Anwendung in unterschiedlichsten Medien. Haben wir nicht eher eine arabische Götterdämmerung erleben müssen, von Tunesien weitgehend abgesehen?
    Was bleibt? Niederkämpfen des „IS“ in bewaffneter Gemeinsamkeit von Türken und Amerikanern in wenig freiwilliger Waffenbrüderschaft mit GCC/GKR unter marginaler Beteiligung weiterer NATO- und der pazifischen ABCA-Staaten.
    Und wir, wir erbitten unser noli me tangere.

  15. Nachdem nun endlich Inçirlik für die Airforce operational ist, stellt sich sofort die neue Qualität der Einsatzmöglichkeiten dar. Dass die Basen in den Emiraten und die Träger-Lfz von 5. Flotte längere Wege und somit mehr Kosten bedeuteten, war zuvor deutlich. Jetzt tritt auch die neue taktische Variabilität klar zu Tage.
    http://www.defensenews.com/story/defense/air-space/strike/2015/08/05/us-launches-1st-strike-into-syria-turkey/31164647/
    Der Sprecher des Pentagon stellte heraus, „… unmanned systems for intelligence, surveillance and reconnaissance (ISR) located within Turkey, turning them into strike vehicles is a simple matter of attaching weaponry. …“
    Dies kann nur bedeuten, die ersten aus Inçirlik gestarteten Luftangriffe sind der Wahrscheinlichkeit nach von MQ-1 Predator oder MQ-9 Reaper ausgeführt worden. Es bleibt also anzunehmen, das neue Waziristan liegt im Kalifat.

  16. 1938, oder nach dem Islamismus ist vor dem Islamismus

    Günter Seufert vom SWP trifft den Nagel in „The Return of the Kurdish Question On the Situation of the Kurds in Iraq, Syria and Turkey“ ( https://bw2.link/fNTq4 ) auf den Kopf. Man kommt nicht umhin zu sehen, dass Herr Erdogan die Demokratie in der Türkei auf dem Altar der kurzfristigen Machtinteressen seiner Partei opfert und zudem die Interessen und Hoffnungen der Bewohner, Freunde und Nachbarn billigend in Kauf nimmt und aufs herbste enttäuscht. Die Folgen sind fatal!

    Die AKP hätte in Koalition mit der MHP kurzfristig eine Mehrheit, und im Falle eines Grundrechtsentzugs gegen die Kurden und Linken nach Neuwahlen wieder ihre absolute Mehrheit, das steht fest. Nur das resultierende politische Klima in der Türkei wäre unwiederbringlich vergiftet.
    Die Linken und Aleviten um die CHP wurde im Zuge der Gezi Proteste der absolute Machtanspruch der AKP eingeprügelt, nun bekommen selbiges die Kurden zu spüren. Die gemäßigte linksliberale Politiker Salahettin Demirtas hat alle oppositionellen Kräfte der Türkei gebündelt und marschiert auf die Zwei Pforten am Bosporus. Soll ein Grundrechtsentzug gegen die Opposition und die sie vertretende Parlamentarier diesen Vormarsch liberaldemokratischer Emanzipation und Aufmüpfigkeit stoppen?

    Meschugge Herr Erdogan? Das resultierende politische Klima wäre gekennzeichnet von der Erkenntnis der kurdischen Seite, dass mit den bärtigen selbsternannten Demokraten am Bosporus nicht zu verhandeln ist. Tränenüberströmte Aleviten, Grassrootaktivisten und Linke jammern schon „I told u so“.
    Um die Demokraten zu trösten, wollen wir hier einem der ganz großen Demokraten, Thomas Jefferson, gedenken, der das Damoklesschwert der „Diktatur der 51 Prozent“ beschrieb. Denn nichts anderes ist das, was Erdogan anstrebt, um die Diktatur der 66% wieder zu erlangen. Wenn nicht mit den Stimmen der konservativen Kurden dann eben ganz ohne Kurden? Wir wissen, letztendlich lassen Minderheitenrechte, Autonomie und Subsidiarität das Licht der Demokratie erstrahlen.

    Um es kurz zu fassen, ist es eben der Mangel an diesen wichtigen Aspekten des politischen Zusammenlebens, die eine Liberal Democracy ausmachen. Francis Fukuyma ( https://bw2.link/fWTZp ) stuft daher die Türkei als Electoral Democracy ein, deren Tendenz zur „Diktatur der 51%“ den Fallstrick zum Competitive Authorian Regime beschreibt. Und genau diesen Weg droht Erdogan zu gehen. Der Grundstein des Competitive Authorian Regime würde hier zum Grabstein der Anbindung an Europa und des EU-Beitritts. Denn da wo Faschisten und religiöse Autokraten konkurrieren und paktieren, haben echte Demokraten bestenfalls Partikularinteressen.

    Am Rande sei erwähnt, dass dieses Szenario an die blutige Ära der Militärputsche in der Türkei erinnert. Aber dies auch nur insofern, als dass heute keine GUS mehr die westliche Welt davon abhalten würde, mit den Linken und Kurden in der Türkei zu reden. War die Einstufung als Terroristische Organisation der einen Seite und gleichzeitiges Lancieren von Institutionen, welche mit ähnlichen Methoden vor Ort hausierten, der gesamtpolitischen Lage der Zeit geschuldet? Die Alimentierung der PASOK in Griechenland?

    Aber soviel sei vorweggenommen, die Islamofaschisten der sich anbahnenden Koalition würden sich besser warm anziehen. Denn eine Entente zwischen Iran und den Kurden wäre bestenfalls verfrüht. Auch wenn man heute schon eine mögliche Proklamationsansprache der Koalition AKP-MHP im Schatten eines Zitates von Oscar Wild sehen möchte: „Patriotismus ist die Tugend des Bösen“. Partikularinteressen eben.

    Apopros: Wer heute argumentiert, die USA würden die Kurden auf dem Altar ihrer geopolitischen Interessen Opfern, der irrt in meinen Augen gewaltig. Denn auch wenn die USA, die „jans weeeit drausen“ sind, den Eindruck kurzfristig verkraften könnten, wäre kurdische Eigenstaatlichkeit „too sweet to be true“.
    Es wäre nicht nur der Spuk eines wiedererwachenden Osmanischen Reiches vom Tisch, nein, die Kurden würden erkennen, dass Eigenstaatlichkeit der einzig realistische Weg ist. Und was die wholesale Bombardierung der kurdischen Anti-IS Allianz angeht konnte es – auch hier – Thomas Jefferson nicht besser treffen: „Manchmal muss der Baum der Freiheit mit dem Blut von Patrioten gegossen werden!“

    Herr Erdogan, beenden sie den Koalitionspoker in Sinne des Friedens, der Demokratie und den Grundwerten der abrahamischen Gemeinschaft, und da gehört auch der ISLAM dazu! Denn Ali sprach:

    „Jene, die bei sich Hadith-Seiten haben, zerstört sie.
    Denn was unter den Leuten Chaos verursacht ist ihr Verlassen des Korans,
    und die Befolgung der Vorschriften der Gelehrten.“
    Ibn Abdul Berr

    Oder wollen sie die Kurden daran erinnert wissen, dass selbige in Vorislamischer Zeit gerade noch mit den Sassaniden (Perser) gegen Byzanz paktiert hatten?

    gez.

    Sem ben Hiob

    Deutschland (MHP~Boschkurt, AKP~Erbakan Stiftung s. https://bw2.link/q6EbW )? Mit Artikel 16(1)GG in Verbindung Artikel 26(1) …

    [Pardon, war im Spamfilter gelandet. Davon unabhängig: Der Ton dieser politischen Stellungnahme ist nicht der hier übliche. Dennoch schalte ich das mal frei… T.W.]

  17. Günter Seufert vom SWP trifft den Nagel in „The Return of the Kurdish Question On the Situation of the Kurds in Iraq, Syria and Turkey“ ( https://bw2.link/fNTq4 ) auf den Kopf. Man kommt nicht umhin zu sehen, dass Herr Erdogan die Demokratie in der Türkei auf dem Altar der kurzfristigen Machtinteressen seiner Partei opfert und zudem die Interessen und Hoffnungen der Bewohner, Freunde und Nachbarn billigend in Kauf nimmt und aufs herbste enttäuscht. Die Folgen sind fatal, die Gewinner stehen fest.

    Die AKP hätte in Koalition mit der MHP kurzfristig eine Mehrheit, und im Falle eines Grundrechtsentzugs gegen die Kurden und Linken nach Neuwahlen wieder ihre absolute Mehrheit, das steht fest. Nur das resultierende politische Klima in der Türkei wäre unwiederbringlich vergiftet.
    Die Linken und Aleviten um die CHP wurde im Zuge der Gezi Proteste der absolute Machtanspruch der AKP eingeprügelt, nun bekommen selbiges die Kurden zu spüren. Die gemäßigte linksliberale Politiker Salahettin Demirtas hat alle oppositionellen Kräfte der Türkei gebündelt und marschiert auf die Zwei Pforten am Bosporus. Soll ein Grundrechtsentzug gegen die Opposition und die sie vertretende Parlamentarier diesen Vormarsch liberaldemokratischer Emanzipation und Aufmüpfigkeit stoppen?

    Das resultierende politische Klima wäre gekennzeichnet von der Erkenntnis der kurdischen Seite, dass mit den bärtigen selbsternannten Demokraten am Bosporus nicht zu verhandeln ist. Tränenüberströmte Aleviten, Grassrootaktivisten und Linke jammern schon „I told u so“.
    Um die Demokraten zu trösten, wollen wir hier einem der ganz großen Demokraten, Thomas Jefferson, gedenken, der das Damoklesschwert der „Diktatur der 51 Prozent“ beschrieb. Denn nichts anderes ist das, was Erdogan anstrebt, um die Diktatur der 66% wieder zu erlangen. Wenn nicht mit den Stimmen der konservativen Kurden dann eben ganz ohne Kurden? Wir wissen, letztendlich lassen Minderheitenrechte, Autonomie und Subsidiarität das Licht der Demokratie erstrahlen.

    Um es kurz zu fassen, ist es eben der Mangel an diesen wichtigen Aspekten des politischen Zusammenlebens, die eine Liberal Democracy ausmachen. Francis Fukuyma ( https://bw2.link/fWTZp ) stuft daher die Türkei als Electoral Democracy ein, deren Tendenz zur „Diktatur der 51%“ den Fallstrick zum Competitive Authorian Regime beschreibt. Und genau diesen Weg droht Erdogan zu gehen. Der Grundstein des Competitive Authorian Regime würde hier zum Grabstein der Anbindung an Europa und des EU-Beitritts. Denn da wo Faschisten und religiöse Autokraten konkurrieren und paktieren, haben echte Demokraten bestenfalls Partikularinteressen.

    Am Rande sei erwähnt, dass dieses Szenario an die blutige Ära der Militärputsche in der Türkei erinnert. Aber dies auch nur insofern, als dass heute keine GUS mehr die westliche Welt davon abhalten würde, mit den Linken und Kurden in der Türkei zu reden. War die Einstufung als Terroristische Organisation der einen Seite und gleichzeitiges Lancieren von Institutionen, welche mit ähnlichen Methoden vor Ort hausierten, der gesamtpolitischen Lage der Zeit geschuldet? Die Alimentierung der PASOK in Griechenland?

    Aber soviel sei vorweggenommen, die Islamofaschisten der sich anbahnenden Koalition würden sich besser warm anziehen. Denn eine Entente zwischen Iran und den Kurden wäre bestenfalls verfrüht. Auch wenn man heute schon eine mögliche Proklamationsansprache der Koalition AKP-MHP im Schatten eines Zitates von Oscar Wild sehen möchte: „Patriotismus ist die Tugend des Bösen“. Partikularinteressen eben.

    Apopros: Wer heute argumentiert, die USA würden die Kurden auf dem Altar ihrer geopolitischen Interessen Opfern, der irrt in meinen Augen gewaltig. Denn auch wenn die USA, die „jans weeeit drausen“ sind, den Eindruck kurzfristig verkraften könnten, wäre kurdische Eigenstaatlichkeit „too sweet to be true“.
    Es wäre nicht nur der Spuk eines wiedererwachenden Osmanischen Reiches vom Tisch, nein, die Kurden würden erkennen, dass Eigenstaatlichkeit der einzig realistische Weg ist. Und was die wholesale Bombardierung der kurdischen Anti-IS Allianz angeht konnte es – auch hier – Thomas Jefferson nicht besser treffen: „Manchmal muss der Baum der Freiheit mit dem Blut von Patrioten gegossen werden!“

    Deutschland (MHP~Boschkurt, AKP~Erbakan Stiftung s. https://bw2.link/q6EbW )? Mit Artikel 16(1)GG in Verbindung Artikel 26(1)

    @Klaus-Peter Kaikowsky : Antwort morgen zu erwarten. Danke :)

  18. @ T.W: Nun es ist immer die Frage ob und in wie fern man zum einen literarische Stilmittel verwendet? Einerseits anonyme fiktive Autoren wie z.B es Göthe vorexerziert, um eine Vermischung spirituell-kultureller und rationaler Argumentation zu erreichen. Zum Anderen um schlicht seine legale/ wirkliche Identität zu verbergen.

    Ich habe deutsch-türkische Freunde unter den Gezi Aktivisten. Sie können sich kaum vorstellen was die gerade für Ängste durchleben. Auch im Zusammenhang mit einschlägigen Netzwerken anderer Schlagkraft.

    Für den Ton entschuldige ich mich daher aufrichtig, den SWP Beitrag habe ich schockiert zur Kenntnis genommen.

    Ich stimme der Löschung des o.g Artikels ausdrücklich zu… Sonst muss ich mir einen neuen Alias suchen :)

    Ich habe mich nach der Fehlermeldung von Gestern entschieden eine Bewertung unter echter Identität kund zu tun. V.A nach dem ich den White House Newsletter von Congressman John Lewis gelesen hatte, in welchem er seine Memoiren zum Alabama Aufstand vom März 1965 schildert.

    [Pardon, ich habe den Artikel/Kommentar doch gar nicht gelöscht, sondern aus dem Spam geholt und freigegeben?? T.W.]

  19. @ T.W: Ja eben… und nun ist für jeden ersichtlich wie sehr mir die Situation in der Türkei mitspielt :) Zwei Artikel, einer unter Alias und der Andere mit Signatur Realis. Auch ok… bin Zivilist und darf auch mal unkontrolliert Emotional reagieren.

    Aber jetzt erst mal back to Business und dann die Antwort auf den Artikel vom Kollegen antworten.

  20. • @ Klaus-Peter Kaikowsky

    Ja, wir Deutschen. Wo kommen wir her, wo stehen wir und wo wollen-können wir hin. Ich kann rein intellektuell und darf auch nicht für die Deutschen sprechen, das steht mir nicht zu. Ob es jemand kann vermag ich nicht zu beantworten. Ich kann nur für mich als Deutschen sprechen. Mein Geburtsjahr ist eben das, welches das Ende aller Deutschen hätte werden können – 1983. Aber dem war nicht so, denn die Vernunft, der Glaube und die Hoffnung obsiegten. Wirklich wichtig wurde es für und Deutschen dann mit den 2+4 Verträgen, in welchen unsere Aufnahme in die Welt der freien Völker Manifest wurde. Ich kenne uns Deutschen als ein freies Volk Seite an Seite mit denen Europas und den Demokraten. Ich bin Erwachsen geworden während die TInte des 2-4 Vertrages trocknete. Nur kann ich mich nicht erinnern, dass irgendwer unsere Sprache, Kultur und Konfession festgelegt hätte. Die die es versucht haben sind in Waterloo, im Schwarzwald, oder sonst wo gescheitert, und die die es nicht versucht haben, das sind unsere Freunde. Also Danke nochmal für die Sache mit Hitler … denn alleine hätten wir den nicht gepackt. Ich denke wir wissen eigentlich nie wer wir sind, sondern eher wer wir nicht sind.

    Und gerade da erschließt sich die Wallensteinanalogie mit Abu Bakr Al Baghdadi. Mir sind viele Philosophen und Vordenker des modernen Humanismus bekannt, und jeder darunter ist im Geiste in irgendeiner Form über die Schlachtfelder des 30 Jährigen Krieges (Deutschland) gewandert und sagte sich „nie wieder“. Der Schrecken, der durch die IS im Namen Gottes – und für nichts anderes steht das Symbol Wallenstein, neben seinen Rollen im Rahmen einer ökonomischen und geopolitischen Betrachtung – wird Urteil über den zugrundeliegenden Auslegungen des Koran bringen, ohne sich in hoch philosophischen Argumentationen üben zu müssen.
    Ein Dämon im Namen selbsternannter Vertreter Gottes auf Erden. Ich habe heute einige Institutionen angesprochen zu den Fragen eine Wechselwirkung religiöser Narrative mit Realpolitik. Die Richtung RP->RN ist bekannt, nur welchen Einfluss hat RN auf RP? Es existiert sicherlich ein psychologischer Zusammenhang. Ein einfache Erklärung wäre, dass Religionen mit Symbolen arbeiten die der Manifestation von Emotionen und Hoffnungen „geladen“ werden? Wir werden im Rahmen zukünftiger Ereignisse in der Region sicherlich darauf zurückkommen.
    Einen anderen Ansatz biete ich ihnen bei einer geografischen Betrachtung bei Abbildung der innerislamischen Rechtsschulen. ( https://bw2.link/6f8PL ) Betrachten wir diese Madhab ( https://bw2.link/qI8cd ) genauer, so stellt sich ein, dass der – schon sehr lange – praktizierte Islam in der MENA Region von der Hedschaz ausgehend abnehmend Dogmatisch gelehrt wird. Nun stellt sich also in der heutigen Türkei ein vergleichsweise liberaler Islam dar als in Saudi Arabien. Kürzen wir ab … ohne wertend sein zu wollen … die ISIS steht für eine Rechtslehre die in Wirklichkeit der Doktrin der Wahabiten gleich kommt. Ohne werten zu wollen, was hatte der Einfluss der Römischen Inquisition und ihrem brennenden Richtschwert in Mitteldeutschland zu suchen?

    Den Pan- Arab -ismus Götzen haben wir bereits erfolgreich in seine Einzelteile zerlegt, nun folgte der Pan – Islam – ismus. Bleibt nur noch des Pudels Kern. Die Wortsilbe „Pan“ soll immer das Allumfassende und Allmächtige mit sich bringen und stellt so eine Manie nach bester psychiatrischer Lesart dar. Die Propaganda verleitet den Zuhörer, indem sie das Manische Element anspricht, das Mächtige und Überlegen sein. „Ismus“ steht für Dogma und sortiert die Welt in Scharz-Weiß, Gut-Böse und fixiert eine Weltsicht die absolut ist. Wahn und Dogma sind die Götzen der orientalischen Götterdämmerung: „Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt sind, fällt der Vorhang“. Es handelt sich um eine Arabische und eine Islamische Revolution zugleich, und mir werden niemals die Sprechchöre vom Tahrir Platz vergessen sein „Hurryiah, Hurryiah, Hurryiah“ – „Würde, Würde, Würde“, da rief keiner „Islam, Islam, Islam“ oder „Arab, Arab, Arab“. Denn in Würde leben wir Deutschen, nachdem wir erst Dogma und dann Wahn, erst die 30 Jährigen Krieger, dann die nationalsozialistischen Gewaltherrscher, in seine Schranken gewiesen haben.

    „Ich vermeide diesen verlogenen Begriff, der glauben machen will, vom Schlechten der Diktatoren hin zu …, ja wohin eigentlich, nach Möglichkeit.“ Das soll übrigens der letzte französische Sonnenkönig so, oder so ähnlich gesagt haben. Und da erbitten wir Deutschen uns unser noli me tangere.
    Offen gesagt, mit Verlaub, gebührte es einem spirituellen Anführer Namens Jesus von Nazareth, auch seine Mutter anzuweisen, ihn nicht zu berühren. Zwei Dinge sind dennoch klar, die Türkei und die islamische Welt sind nicht unsere Mutter und wir Deutschen sind weit davon entfernt das Zeitliche zu segnen oder gar in den Himmel aufzusteigen. Apopro im Zeitalter der Globalisierung berührt sich so ziemlich alles – Isolationism ist 80er :)

  21. @Samir Awwad | 08. August 2015 – 0:56
    Herzlichen Dank, ich melde mich – heute nicht mehr.

  22. @Samir Assad
    Wir kamen von der „Lagebeurteilung Türkei“, eingedenk des türkischen Sinneswandels von stillheimlicher Freude über den „IS“ hin zu seiner propagandistisch überhöhten Bekämpfung. Die Welt hat lernen müssen, der „IS“ war nur vorgeschobenes Objekt, um die Duldung Obamas in der ewig neuen-alten Aggression gegen Kurden zu rechtfertigen. In dieser Aggression geht es einzig und allein um Macht und Territorium, keinesfalls um, welche auch immer, Exegese. Ich komme darauf zurück.
    Über Wallenstein und in Analogie zu Abu Bakr al Bagdadi ergab sich die Frage, „wer sind wir Deutschen“. Um es kurz zu machen, darauf gehe ich nicht ein. Weil
    – es m.E. vom Kernthema wegführt
    – das Interesse der Masse der mitlesenden Kameraden (in DIESEM thread) nicht findet
    – die Geduld von @T.W überstrapaziert.
    AG ist ein SiPo-blog in streitkräfteübergreifender Ausrichtung, der aber gleichzeitig jointness und combinedness im Auge behält.

    Wie arbeitet Religion mit Symbolen, wie ist eine geografische Betrachtung einzuordnen?
    Ein weites Feld, man vergleiche nur eine protestantische Pastorin im Lutherrock aus DEU mit einem südamerikanischen Priester in überbordendem Messgewand.
    Religion ist nicht, wie gemeinhin angenommen, Ausfluss einer sogenannten göttlichen Eingebung. Religion ist von Anbeginn territorial begründet, es geht um Besitz, Macht, Einfluss über ein Gebiet und die innewohnende Bevölkerung. Sie entstand im Wunsch der Sicherung des Territoriums (Hütte, Haus, Hof, Land, Gebiet, Territorium etc., etc.). Der örtliche Schutzgeist, Gott, Prophet wird zum Schutz aufgeboten. Er legitimiert sich in seiner Beschützerfunktion in Abgrenzung zu anderen Gebieten – und somit anderen Gottheiten. Er wird so zum Heiligen, denn er schützt mich, bis schließlich sein Territorium „heilig“ genannt wird. So der Hedschahs, der Tempelbezirk, der Petersdom.
    Die Gläubigen geben sich parallel als Kämpfer im Schutzgedanken ihres Heiligtums. Das fatale daran ist, es offenbart sich das Gewaltpotenzial von Religionen schlechthin, besonders das der abrahamitischen.
    [ Ist also der Atheist der bessere Mensch? Er glaubt an nichts, verteidigt und bedroht nichts und niemanden!]
    So doch wohl in den Kreuzzügen. Beginnend mit Urban II. war Ziel die Rückeroberung Palästinas, Besitz der Hlg. Stätten, von Zion mit Resten des Salomonischen Tempels. (Ironie der Geschichte – jetzt die Al Aqsa-Moschee -.)
    So bei den Konquistadoren. Ziel war, Kolonien und Reichtümer (Gold) für die spanische Krone zu erobern. Und die Religion, die lief mit. Schließlich „beschützte“ die heilige Mutter Kirche die Kämpfer.
    So im selbst ernannten Kalifat. Ausweitung des Territoriums, also Vertreibung der Jesiden aus dem Sindschar usw …
    Und dann gibt es da noch ein Zweites, im Ursprung von Religionen, wie derzeit beim Fundamentalismus des „IS“ und sonstiger religiös verbrämter, dschihadistischer Verhaltensweisen: Das Begriff der Dichotomie, also der „Zweiteilung“ der eigenen Lehre. Beispiele
    – Juden, wir wurden seit jeher verfolgt
    – Muslime, früher die Kolonialmächte – heute Israel und die USA
    – Christen, früher haben die Juden den Messias getötet (obwohl es die Römer waren) – heute köpfen uns die Muslime.
    Also, jeder findet seine Opferrolle in seinem Territorium, in seinem Glauben.
    Vielleicht passt an diese Stelle Ihr „Hurryiah, Hurryiah, Hurryiah“ – „Würde, Würde, Würde“. Die Gläubigen suchen Würde, die Machthaber (Wieder)herstellung ihrer -territorialen – Macht.
    Der „Kalif“ leitet die Seinigen an, „Muslime gegen den Rest der Welt“.
    Der Kalif suggeriert „ich beschütze Euch und den Glauben“.
    Er setzt mithin Machtanspruch und Territorialanspruch auf dieselbe Ebene, sein Vehikel ist die – sunnitische – Konfession.

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