Bundeswehr bildet im Irak Jeziden-Bataillon aus

Peshmerga_G36_campbell_kl

Die Bundeswehr-Ausbildungsmission im Nordirak trainiert jetzt auch Angehörige der Minderheit der Jesiden, die gemeinsam mit den kurdischen Peshmerga-Kämpfern gegen die islamistischen ISIS-Milizen eingesetzt werden. Diese Minderheit war in jüngster Vergangenheit besonders von ISIS-Angriffen betroffen.

Ein Jesiden-Bataillon sei den Peshmerga unterstellt, in deren Struktur eingegliedert und werde seit dem (gestrigen) Sonntag von deutschen Soldaten ausgebildet, sagte Oberst Ingo Gerhartz, stellvertretender Sprecher des Verteidigungsministeriums. Da diese Kämpfer vom Peshmerga-Ministerium geführt würden, könnten sie auch von Deutschland gelieferte Waffen bekommen, unter anderem Sturmgewehre der Typen G3 und G36.

Gerhartz‘ Statement vor der Bundespressekonferenz:

 

BPK_Irak_22jun2015     

 

Nachtrag: Unterdessen wurde den Peshmerga eine weitere Tranche von Waffen und Gerät geliefert, wie die Bundeswehr mitteilte:

• 2 Fahrzeuge LKW 2 Tonnen KrKw (Sanitäts-Unimog)
• 2 Allschutz-Transport-Fahrzeuge „Dingo 1“
• Sanitätsmaterial (2 x Ausstattung für Sanitäts-Unimog)
• 50 Abschusseinrichtungen für Panzerfaust 3
• 4.000 Sturmgewehre G3
• 7 Maschinengewehre MG 3

(Foto: Peshmerga-Kämpfer mit deutschen G36 – mit freundlicher Genehmigung von Campbell Macdiarmid)

10 Gedanken zu „Bundeswehr bildet im Irak Jeziden-Bataillon aus

  1. In Deutschland leben inzwischen schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Jesiden, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die größte innerdeutsche jesidische Gemeinde existiert in Celle und Umgebung mit etwa 5.000 Personen. Außerhalb des Nahen Ostens leben insgesamt betrachtet, die meisten Jesiden in Deutschland.
    Dass Deutschland jetzt ein Jesiden-Bataillon ausbildet, mit deutschen Waffen versorgt in die Anti-IS-Koalition eingliedert, ist überfällig. An Kämpfernachwuchs herrscht nach dem, was der IS den Jesiden im Sindschar-Gebirge zugefügt hat, kein Mangel. Auch aus Deutschland sind bereits verschiedentlich ganze Sippen in die Kampfgebiete gezogen. Der IS stellt DAS Trauma für das jesidische Kernland dar.
    Die Argumentation zur Waffenausstattung mit dem Hinweis der Eingliederung in kurdische Verbände ist elegant gelöst; erfreulich, dass dies derart geräuschlos verläuft.
    Zu beachten ist aber auch, dass
    – es – zumindest in Celle – erhebliche Ausschreitungen zwischen Muslimen und Jesiden in 2014 gab.
    – das Gemeinsame zwischen Jesiden und Kurden der Gegensatz zur Türkei erdoganscher Prägung ist
    – die Rückkehr erfahrener Kämpfer nach Deutschland nicht unbedingt gewollt sein kann, obwohl Jesiden hier grundsätzlich vollständig integriert leben.
    Unterm Strich bedeutet die offizielle Unterstützung der Jesiden aber auch eine Stärkung für deren Integrationsanstrengungen.

  2. Klaus-Peter Kaikowsky | 22. Juni 2015 – 18:01

    Zu beachten ist aber auch, dass […] die Rückkehr erfahrener Kämpfer nach Deutschland nicht unbedingt gewollt sein kann, obwohl Jesiden hier grundsätzlich vollständig integriert leben.

    Nein, sie sind vermutlich eine der am schlechtesten integrierten Minderheiten, fallen aber aufgrund ihrer geringen Anzahl nicht auf – von Blutrache und Ehrenmord mal abgesehen. Allein schon die Heiratsvorschriften verhindern jede erfolgreiche Integration: https://de.wikipedia.org/wiki/Jesiden#Deutschland

  3. @boots in the ground
    Ehevorschriften etc sind mir auch fremd. Habe aber im Norden reichlich Kontakt zu Jesiden und sie als integriert kennengelernt.

  4. Und der IS?
    Lt. ZDF-Text stellt Europol derzeit eine Cyberpolizei zusammen, die ab Juli im Netz gegen Anwerbeversuche des IS auf Twitter, Facebook etc vorgehen wird.
    Absicht ist, Rekrutierungen durch das Netz zu unterbinden. Angeblich sind 50.000 Twitteraccounts mit der Terrorbande verbunden.

  5. @Klaus-Peter Kaikowsky | 22. Juni 2015 – 23:50

    Ref. EUROPOL Konzept Note 7366/15 (Dok.Nr. ST 7266 2015 INT) „EU Internet Referral Unit at Europol“. Büro soll zum 1. Juli beim Scotland Yard die Arbeit aufnehmen. Desweiteren wird das U.S. State Departement das Center for Strategic Counterterrorism Communications unter ähnlichen Anforderungen erweitern. Ref. NYTimes vom 12.06.2015 „ISIS Is Winning the Social Media War, U.S. Concludes“.

  6. Übrigens wen die Arbeit des CSCC (Bureau of Counterterrorism) interessiert. Im Juni 2015 wurde der Report „Country Reports on Terrorism 2014“ auf der state.gov Website veröffentlicht. Beinhaltet auch das Who-is-Who des Terrors.

  7. Handelt es sich bei der Aktuellen Lieferung von militärischen Gütern um die offizielle 3. Tranche? Oder ist man da schon drüber hinaus?

    Wird das Fallschirmjäger Kontingent für die Ausbildung der Jeziden aufgestockt, oder reichen die 100 Mann auch noch für diesen zusätzliche Ausbildungsaufwand?

  8. Moin,

    laut aktueller LOYAL werden Kinder in der Region Milan genannt. Das dürfte bei der RGW 90 zwar schwieriger werden, würde der Sache aber sehr weiterhelfen, zumal sich das Problem möglicher Weitergabe nach dem Schuss von alleine erledigen würde. Vielleicht finden sich ja doch noch Geldgeber im AA oder anderswo….

    https://de.wikipedia.org/wiki/MATADOR

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