Gesucht wird… G36-Vergleichswaffe A – von Heckler&Koch?

G36_VergleichswaffeA

Der Bericht zu den Problemen beim Sturmgewehr G36, das wurde hier in den Kommentaren schon angesprochen, lässt eine Frage offen: Was war(en) denn nun die Vergleichswaffe(n), die zusammen mit dem G36 beschossen wurden und besser abgeschnitten haben sollen?

Leider werden in dem Bericht außer den verschiedenen G36-Varianten keine anderen Fabrikate/Modellbezeichnungen aufgeführt. Aber es gibt ein Foto von der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen in diesem Bericht – wenn auch nur von den Waffenrohren (siehe oben und noch mal etwas größer hier).

Diese Vergleichswaffe, immer nur Fabrikat A genannt, hat in den Tests insgesamt am besten abgeschnitten. Aber was ist es?

Zum einen weiß vielleicht die community hier Rat.

Zum anderen habe ich natürlich schon mal zwei Kenner gefragt, die unabhängig voneinander zu der übereinstimmenden Vermutung, wenn auch nicht 100prozentigen Aussage kamen: Das ist das Rohr eines HK416 – von Heckler und Koch. Wofür Indizien wie Rohrdicke, das Klappkorn mit Verriegelungsmechanismus und auch die Bajonettwarze (das heißt wohl wirklich so) sprechen.

Eure Meinungen?

Dass es sich um das HK416 handelt, hatte auch Heckler&Koch schon vermutet –  Aussagen  aus der Heckler&Koch-Pressemitteilung vom 10. April:

Aus verschiedenen Medienberichten, u. a. aufgrund von Aussagen im Rahmen der Bundespressekonferenz vom 01.04.2015, kann abgeleitet werden, dass in den neuerlichen Vergleichsuntersuchungen nicht mehrere, sondern lediglich eine Waffe besser abgeschnitten haben soll als das G36.
So war den Aussagen im Rahmen der Bundespressekonferenz vom 01.04.2015 zu entnehmen, dass die Waffen, welche besser als das G36 abgeschnitten haben, ebenfalls von Heckler & Koch stammen sollen. Da Heckler & Koch jedoch im Kaliber 5.56mm NATO nur eine weitere moderne Gewehrplattform anbietet und sich der Vergleich mit Gewehren in anderen Kalibern schon aus physikalischen Gründen verbietet, erschließt sich nicht, wie das G36 gleich gegen mehrere andere HK- Produkte schlechter abgeschnitten haben soll. Tatsächlich ist aufgrund des Kalibers 5.56mm NATO nur die HK-Waffenplattform HK416 in der Sturmgewehrversion mit dem Gewehr G36 vergleichbar. Somit kann mit dem HK416 faktisch nur eine einzige HK-Waffe in den jüngsten Tests gemäß der Heckler & Koch im Detail unbekannten „neuen“ Laborszenarien besser abgeschnitten haben als das G36.
Hierzu ergeben sich aus unserer Sicht folgende weitere Feststellungen und Erwägungen:
Die Bundeswehr hatte im Rahmen der gegenständlichen Untersuchungen für Vergleichsbeschüsse im Zeitraum ca. Ende 2014/Anfang 2015 bei Heckler & Koch Testwaffen des Typs HK416 angefragt. Aufgrund des amtsseitigen faktischen Ausschlusses von Heckler & Koch von den neu angesetzten Untersuchungen und aufgrund des verwaltungsrechtlichen sogenannten „bösen Scheins“ bzgl. der durchführenden Personen und Institutionen, sah sich Heckler & Koch bereits Ende 2014 dazu veranlasst, diese Untersuchungen nicht zu unterstützen und somit auch keine Testwaffen des Typs HK416 zu liefern.
Aus diesen Fakten kann abgeleitet werden, dass der Bundeswehr für ihre jüngsten Tests keine HK416-Testwaffen der neuesten Modellreihe (HK416A5 und HK416A6) zur Verfügung standen. Ebenfalls ist anzunehmen, dass zur Durchführung dieser Tests auf alte Modelle des Typs HK416 aus dem Bestand der WTD91 zurückgegriffen wurde, welche Heckler & Koch im Jahre 2011 im Zuge der Bundeswehr-Ausschreibung „G26“ unter der Typenbezeichnung „HK416Bw“ geliefert hatte.
Beim Gewehr „HK416Bw“ handelt es sich um eine Sonderwaffe in Form eines leichten Maschinengewehres, nicht – wie beim G36 – um ein Standard- Sturmgewehr,4 das nach speziellen Anforderungen konzipiert wurde. Daher wurde die Waffe insbesondere mit einem Rohr ausgestattet, welches in seinen Außenabmessungen nahezu identisch ist mit denen des Bundeswehr- Maschinengewehres MG4, wie unten stehende Vergleichsgrafiken verdeutlichen.

Und zur Ergänzung, weil das hier noch nicht stand, die Aussagen in der Bundespressekonferenz vom 1. April – die Äußerung von BMVg-Sprecher Jens Flosdorff, dass ein anderes H&K-Modell als Vergleichswaffe diente, habe ich hervorgehoben:

Frage: Herr Flosdorff, entspricht das G36 Stand heute noch den Anforderungen des Bestellers?

Ist die Bundesverteidigungsministerin bereit, sämtliche Unterlagen im Zuge der 20-jährigen Geschichte des G36 transparent und öffentlich zu machen, um damit letzten Endes auch mögliche Schadenersatzforderungen beurteilen zu können? Ist die Bundesministerin zur völligen Transparenz bereit, oder ist ein Teil der Untersuchungen zwangsläufig geheim oder als vertraulich zu erwarten?

Flosdorff: Es ist ja schon ein Ausdruck von Transparenzwillen, dass im Sommer letzten Jahres überhaupt diese umfassende Untersuchung in Auftrag gegeben worden ist, nachdem es bereits in den Jahren unmittelbar davor häufig Meldungen oder unterschiedliche Expertenmeinungen oder Zweifel an der Zuverlässigkeit dieses Gewehres gegeben hat. Da sie teils widersprüchlich, widerstreitend waren und wir auch immer nur bestimmte Teilaspekte untersucht haben, wurde ja diese Gesamtuntersuchung beauftragt.

Ich möchte auch noch einmal sagen, wie breit sie angelegt war. Es war der gesamte wehrtechnische Sachverstand der Bundeswehr, die Wehrtechnische Dienststelle 91 und das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe, dabei; das unabhängige Ernst-Mach-Institut der Fraunhofer-Gesellschaft in Freiburg, der Bundesrechnungshof und auch Expertinnen und Experten der Teilstreitkräfte waren damit befasst. Das ist eine sehr umfassende Untersuchung. Sie hat mehrere Monate stattgefunden. Die abschließenden Tagungen dazu haben gestern und vorgestern stattgefunden.

Der Untersuchungsbericht wird jetzt redaktionell endbearbeitet und soll noch im April vorgelegt werden. Das ist sicherlich ein umfangreiches Werk. Die Tendenzen, die darin vorgestellt worden sind, gingen sehr eindeutig in die Richtung, dass das G36 bei bestimmten klimatischen Bedingungen offenbar Probleme hat, große Hitze, Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum, aber auch im heißgeschossenen Zustand.

Diese Befunde haben nicht nur die Bundesverteidigungsministerin, sondern auch den Generalinspekteur dazu veranlasst, unmittelbar die Truppe über den Sachstand zu unterrichten, sodass die Soldatinnen und Soldaten, die heute unter diesen bestimmten Umständen operieren, ihren Einsatz leisten, darüber in Kenntnis gesetzt sind. Es wird auch im Laufe der Woche noch eine Weisung des Generalinspekteurs ergehen, wie die Soldaten durch die Art der Nutzung dieses Gewehres oder einen bestimmten Waffenmix, den sie bei sich führen, das Risiko minimieren können.

Alle weiteren Konsequenzen, die sich aus diesen Untersuchungen ergeben, werden wir ziehen und auch bekannt geben, wenn der Untersuchungsbericht, dessen Abschluss noch aussteht, vorliegt und ausgewertet worden ist.

Es gibt überhaupt gar kein Vertun, dass wir selbst ein hohes Eigeninteresse daran haben, alle Vorgänge rund um die Diskussion um diese Waffe aufzuklären. Unter anderem hat die Ministerin heute schon – es war ja auch zu lesen – bekannt gegeben, dass wir beabsichtigen, eine Kommission einzusetzen, die in der Rückschau die Punkte, die Defizite, die jetzt bei dieser Waffe festgestellt worden sind, prüft: Haben sie vielleicht bei früheren Einsätzen irgendwo mal eine Rolle gespielt? Da schaut man sich die ganzen alten Unterlagen noch einmal im Lichte dieser neuen Erkenntnisse an. Man wird auch noch einmal die Kommandeure befragen, ob noch darüber hinausgehend bestimmte Sachverhalte heute irgendwie berichtenswert erscheinen, die vielleicht damals nicht Einzug in die Aktenlage gefunden haben.

Wir werden auch intern – das ist davon zu trennen – noch einmal aufrollen, wie man mit diesen ganzen Hinweisen über die Jahre umgegangen ist. Man wird fragen: Sind vielleicht irgendwelche Meldungen nicht so ernst genommen worden, wie man sie hätte ernst nehmen müssen? Hätte man im Zuge einer internen Revision vielleicht schon früher die Weichen anders stellen müssen? Wir werden also noch einmal in die Historie gehen, und selbstverständlich kann ich mir vorstellen, dass es auch auf Interesse im parlamentarischen Raum stößt. Alle relevanten Informationen werden wir zur Verfügung stellen. Da gibt es gar kein Problem.

Zusatzfrage: Wie beurteilt das Verteidigungsministerium die Frage möglicher Schadenersatzforderungen, nachdem von Vorgängern von Frau von der Leyen selbst das Anforderungsprofil für das G36 reduziert wurde?

Wieso wurde Heckler & Koch an den letzten Untersuchungen nicht beteiligt? Lässt das darauf schließen, dass die Verteidigungsministerin die Aufklärung gegen die Rüstungsindustrie vorantreiben will?

Flosdorff: Was mögliche Schadenersatzforderungen angeht, das gehört in den Bereich einer intensiven Analyse, die erst möglich ist, wenn der Abschlussbericht vorliegt, der ausgewertet werden muss.

Man muss aber wissen, dass wir hier über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren sprechen, von der ersten Beauftragung der Spezifikation – was muss eine Waffe leisten? – bis hin zu konkreten Bestellungen. Was hat dem ursprünglich mal zugrunde gelegen? Das sind viele Akten und viele Tatbestände, die erst einmal gesichtet und aufbereitet werden müssen. So etwas kann man sicherlich nicht in wenigen Tagen feststellen.

Man muss in diesem Zusammenhang auch mal vorsichtig sein und die Kirche im Dorf lassen. Dass die Tauglichkeit dieses Gewehrs jetzt infrage gestellt wurde, betrifft ein bestimmtes Szenario, also besondere klimatische Bedingungen und eine hohe Kadenz von Schüssen in kurzer Zeitfolge, was bei Einsätzen nicht die Regel ist, was also auch wirklich sehr selten vorkommt. Das G36 ist ein Sturmgewehr; das ist kein Maschinengewehr, das für einen Dauerbeschuss ausgelegt ist.

Trotzdem sehen wir hier, gemessen an den Szenarien, mit denen wir auch heute umgehen, eine Fähigkeitslücke – das sagen uns die Militärs – an den festgestellten Eigenschaften, und wir müssen uns diesem Problem stellen. Wir müssen schauen, wie wir damit verantwortlich umgehen.

Die weitere Frage war: Warum gehören Heckler & Koch nicht in die Reihe der Institutionen, die ich Ihnen eben genannt habe, die mit dieser Gesamtuntersuchung beauftragt worden sind? Das hat auch etwas mit den Vorwürfen und der Art der Diskussion zu tun, die bis zum Sommer letzten Jahres rund um dieses Gewehr geführt worden ist. Da gab es ja immer gegenseitige Unterstellungen, was Interessen angeht, die in die Bewertung hineinspielen.

Deswegen haben wir sehr großen Wert darauf gelegt, dass es hier eine unabhängige Bewertung gibt, frei von sonstigen Interessen. Deswegen sind der Bundesrechnungshof und das Fraunhofer-Institut einbezogen. Der Hersteller, der ganz natürlich und legitim ein Eigeninteresse an diesen Untersuchungen hat, ist bewusst nicht direkt in die Untersuchungen einbezogen, aber ist selbstverständlich mit den Ergebnissen dann konfrontiert.

Zusatzfrage: Heißt das eine Aufklärung gegen die Rüstungsindustrie oder mit der Rüstungsindustrie? Heckler & Koch beklagt sich, dass sie erst aus der Presse erfahren müssen, dass das Verteidigungsministerium jetzt zu einem anderen Ergebnis als frühere Untersuchungen kommt.

Flosdorff: Ich weiß jetzt, ehrlich gesagt, nicht genau, woraus sich dieses Recht ableitet. Es gibt einen Lieferanten eines wehrtechnischen Produktes – das ist Heckler & Koch -, und es gibt einen Kunden, der in den letzten 20 Jahren 176.000 G36-Gewehre gekauft hat. Ich denke, es gibt auch das Recht dieses Kunden, dass er sein eigenes Gewehr überprüfen kann. Das ist geschehen.

Ich möchte auch jedem Eindruck entgegentreten, dass sich diese Überprüfungen in irgendeiner Form gegen diese Firma richten. Das sieht man schon an dem Untersuchungsaufbau, dass das G36 in einigen Rubriken schlecht abgeschnitten hat, aber signifikant schlecht abgeschnitten hat gegen andere Produkte desselben Herstellers. Die Botschaft dieser Untersuchung, wenn der Bericht dann vorliegt, wird auch sein: Die Firma ist durchaus in der Lage, sehr gute Gewehre herzustellen, auch für diese speziellen Einsatzszenarien. Aber dieses Gewehr, das das Standardgewehr der Bundeswehr ist, hat halt in diesem Bereich Defizite, und wir müssen jetzt schauen, wie wir damit umgehen.

Frage: Soweit ich weiß, wird dies Waffe seit vielen Jahren auch in den Streitkräften anderer Staaten eingesetzt. Ist Ihnen bekannt, ob es dort auch solche Probleme gab, die identifiziert wurden und vielleicht auch dort in irgendwelchen Berichten untersucht worden sind? Greifen Sie darauf denn zurück?

Flosdorff: Ich kann Ihnen hier nicht über die Fehlerstatistiken von anderen Staaten berichten, tut mir leid.

Frage: Herr Flosdorff, wie kann es sein, dass unter dem Vorgänger von Frau von der Leyen das Gegenteil an Qualitätsergebnis über das G36 mitgeteilt wird wie bei Frau von der Leyen? Schießt man bei von der Leyen anders als bei de Maizière, oder ist die Hitze anders? Oder wie erklären Sie sich das?

Flosdorff: Es war gerade Auslöser für diese Gesamtuntersuchung, diese Gesamtschau im letzten Jahr, dass es im Vorfeld widersprüchliche Expertenuntersuchungen und Expertenmeinungen gegeben hat. Wir werden jetzt im Zuge dieser Gesamtuntersuchung, dieser Revision, die wir jetzt vornehmen, auch schauen: Wie passen diese ganzen einzelnen Gutachten zueinander? Wie verhalten sie sich logisch zueinander?

Es kann sich herausstellen, dass diese ganzen Teilgutachten durchaus auch berechtigt und zu fundierten Ergebnissen gekommen sind. Man hat zum Beispiel untersucht, um es mal plastisch zu sagen: Hat die Munition einen Einfluss? Man hat herausgefunden: Mit unterschiedlichen Munitionssorten und unterschiedlichen Chargen hat man ein unterschiedliches Trefferbild. Da hat man gedacht, wir haben den Fehler gefunden; es war die Munition.

Es zeigte sich aber jetzt im Laufe dieser Gesamtuntersuchung, dass sowohl die Munition als auch Faktoren, die dem Gewehr zuzuordnen sind, und klimatische Bedingungen irgendwie eine Rolle spielen und einen Einfluss auf das Trefferbild haben. Es kann sich also am Ende auch herausstellen, dass die Teilaspekte früher alle valide waren. Das müssen wir jetzt alles abgleichen. Vielleicht hat man einfach einen falschen Schluss oder einen nicht abschließenden Schluss daraus gezogen, weil das Gesamtbild nicht vorhanden war.

Zusatzfrage: Also de Maizière fehlte der Überblick, den Frau von der Leyen jetzt hat?

Flosdorff: Es hat vorher keine Untersuchungen in diesem Umfang gegeben. Man muss dazu auch sagen: Dieses Gewehr ist seit 20 Jahren im Einsatz. Es wurde angeschafft, kurz nachdem der Kalte Krieg beendet war. Da gab es noch keine Auslandseinsätze in klimatisch exponierten Gebieten. Es war ein anderes Szenario.

Um das noch einmal zu sagen: Dieses Gewehr ist kein Maschinengewehr, sondern das ist ein Sturmgewehr, womit man in der Regel nicht mehrere Magazine in kurzer Zeit hintereinander befeuert.

Wenn wir uns die Aktenlage ansehen, ist es nicht so, dass es in all diesen Jahren eine Fülle von Beschwerden gegeben hat. Es waren wenige Beschwerden, aber wir haben jetzt am Ende gesehen, dass durchaus auch ernst zu nehmende Beschwerden darunter gewesen sind.

54 Kommentare zu „Gesucht wird… G36-Vergleichswaffe A – von Heckler&Koch?“

  • Bill   |   22. April 2015 - 10:26

    Ich habe zwar nicht viel Ahnung von Waffen, aber zumindest ein bißchen von Konstruktion.

    Da das G36 auch bei nicht schußinduzierter Temperaturänderung, z. B. bei Erwärmung von 15° auf 45° C, dürfte an dem Mix aus Metall (Stahl) und Kunststoff liegen, denn Kunststoff hat eine viel höhere Wärmeausdehnung und zwar etwa 8 bis 10 x so hoch bei ungefüllten Kunststoffen und etwa 4 bis 5 mal so hoch bei gefüllte Kunststoffen mit z. B. 30 Glasfaseranteil. Im Vergleich zu Stahl hat Aluminium nur die etwa doppelte Wärmeausdehnung. D. h., wenn Zieleinrichtung, Handauflage oder sonstige Auflage über einen Kunststoff mit dem Lauf verbunden sind, kann es durch Temperaturänderung grundsätzlich zu Veränderungen im Haltepunkt kommen und auch zu Spannungen zwischen Metall- und Kunststoffteilen. Hinzu kommt noch, dass z. B. bei Sonnenbestrahlung die Kunststoffteile unterschiedlich aufgeheizt werden können, was zu den unterschiedlichsten Treffbildern führen kann.

    Hinzu kommt noch die schußinduzierte Erwärmung, die das Ganze überlagert. Hier kann auch durch die Erwärmung der Laufes eine Treffungenauigkeit eintreten, die aber als wesentlich geringer einzuschätzen ist. Wird dann aber die Wärme vom Lauf auf verschiedene Kunststoffteile übertragen, wird auch das Problem mit der unterschiedlichen Wärmeausdehnung zwischen Metall und Kunststoff hinzukommen. Wärme steigt grundsätzlich eher nach oben, also ist auch hier von unterschiedlicher Wärmeausdehnung der Kunststoffteile bzw. Bereiche auszugehen. Ein Kunststoffteil soll ja den Lauf umschließen und das wird natürlich auch heiß, aber erst zeitverzögert. Zuerst wird sich also bei schußinduzierter Erwärmung eine prinzipielle Ungenauigkeit durch Erwärmung des Laufes einstellen und zeitverzögert, z. B. nach einer kurzen Schußpause, wenn die Erwärmung auch die Kunststoffteile erfasst eine weitere Treffungenauigkeit, die Erstere überlagert.

    Die Konstruktion selbst spielt natürlich auch eine Rolle und zwar wo Metall- und Kunststoffteile miteinander verschraubt sind und wie steif die Teile ausgestaltet sind. Auf einen dünnen Lauf ist der Einfluß der Kunststoffteile bei Erwärmung als größer anzunehmen, denn es werden sich aufgrund der unterschiedlichen Wärmeausdehnungen der Materielen auch Spannungen zwischen Metall- und Kunststoffteilen einstellen. Bestimmte Munition kann aus meiner Sicht allenfalls die Lauftemperatur und damit den Wärmeeinfluß etwas verringern, aber nicht das grundsätzliche Problem mit der unterschiedlichen Wärmeausdehnung zwischen Metall und Kunststoff..

    All diese Einflüße ergeben dann ein nahezu undurchsichtiges Streubild. Wenn man die Konstruktion samt Materialen genau sehen könnte, dürfte es eigentlich für Fachleute kein großes Problem sein, die Schwachstellen zu identifizieren und erst dann kann eine Konstruktionsänderung bzw. Änderungen überlegt werden. Es kann durchaus sein, dass ohne Mehrkosten oder quasi ohne Mehrkosten eine wesentliche Verbessung zu erzielen ist.

  • Till   |   22. April 2015 - 23:44

    Hier sind zwei gute Artikel mit Meinungen von Soldaten.

    Die sind fast einstimmig absolut zufrieden mit dem G36 was die ganze Diskussion noch merkwürdiger erscheinen lässt.

    Ich denke man will HK in die Pleite treiben um von dem Waffenexport-Problem wegzukommen.

    http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEKBN0ND11S20150422

    und

    [Also, gerne auch noch mal für Sie: Links zu deutschen Verlagswebseiten finden hier i.d.R. nicht statt (siehe FAQ), deshalb den FAZ-Link gelöscht. Der Reuters-Link kann stehen bleiben. Aber wenn Sie auch mal die anderen Kommentare gelesen hätten, hätten Sie gesehen, dass die Reuters-Geschichte hier schon verlinkt wurde und die FAZ-Geschichte mehrfach erwähnt. So zu kommentieren bringt hier keinen weiter. Danke. T.W.]

  • Christian KISS   |   23. April 2015 - 21:15

    Die BW sollte die Mannstoppwirkung nicht unterschaetzen und die Chance nutzen zur verbesserung.

    Rueckschritt auf 762×51. das schwere kaliber erfordert aber bullpup

    das beste Gewehr ist somit das

    TAVOR 762×51

    Die amis stellen (wohl) auch auf 6.8mm um aber das wird die bw nicht wagen und schon gar nicht VOR den amis.

    die hk417 zeigt dass das manstop power problem bekannt war aber nicht-bullpup bei grosser munition ist ein nachteil.
    hk417 moeglich aber unwahrscheinlich.

    -rueckschritt auf 762×51 (stoppwirkungs problem als chance)
    -erfordert bullpup (besonders fuer anfaenger und lange missionen/ haeuserkampf)
    -tavor 762×51 (aber chancelos vermutlich wg. ruestungskluengel – oder ein uboot fuer 1 lizenz.)

    Christian KISS

    [Ich habe mal den Link entfernt… T.W.]

  • califax   |   23. April 2015 - 21:48

    Es geht bei dem ganzen Affentheater darum, ein neues Sturmgewehr durchzusetzen, da das G36 am Ende seiner Laufzeit ist.
    Derzeit setzt die Union alle Zeichen auf schwarzgrüne Koalitionsmöglichkeiten. Die SPD muß sowieso für die Grünen bündnisfähig bleiben.
    Das kann man aber nicht schaffen, wenn man sich die Zielscheibe als Aufrüster und „Militarisierer“ an die Stirn pappen läßt. Läßt man dagegen die Ausrüstungsprobleme der BW in aller Öffentlichkeit eskalieren, sieht es danach aus als habe man die tatsächlich überfällige Auf- und Umrüstung der BW eher zu zögerlich als zu forsch und in jedem Fall nur aus allergrößter Not heraus angestoßen.
    Das ist der Stil Merkel. Selbst keine klare Linie bekennen und erst auf öffentlichen Druck in der Presse reagieren.
    So hat man immer den unausweichlichen Nöten folgen müssen und nie etwas aus eigenem Antrieb getan, wofür man angegriffen werden könnte.

    Anders gesagt: Die Bundesregierung hat erkannt, daß die 10-jährige Vorwarnphase läuft und spielt den Pilatus.

    Derselbe Trick läuft bei der schleichenden Wiedereinführung einer gepanzerten Truppe: Startschuß der Entwicklung von Leo III – erst nach öffentlichem Skandal. Anderungen bei gepanzerten Fahrzeugen – Erst nach Monaten mit kritischen Zeitungsartikeln.

    Man könnte es die Energiewendestrategie nennen.