Die deutsche NATO-Speerspitze: With a little help from my friends

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Westen, Schutzklasse 4? Kommen noch diesen Monat. Maschinenpistolen MP7, wie vorgesehen, für Kraftfahrer und MG-Schützen? Sind im Zulauf. Die nötigen 30 Marder-Schützenpanzer? Sollen Ende März da sein, alle im neuesten Rüststand. Zum 7. April, so hat es Oberstleutnant Stephan Behrenz dem Heeresinspekteur Bruno Kasdorf versprochen, steht der Deutsche Gefechtsverband NRF, der Beitrag des Deutschen Heeres zur geplanten superschnellen Eingreiftruppe der NATO. Mit einer Truppe, die innerhalb von fünf Tagen abmarschbereit und verlegefähig ist.

Die neue Feuerwehrtruppe hatten die Staats- und Regierungschefs der NATO im September vergangenen Jahres auf ihrem Gipfel in Wales beschlossen: Als Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) will das Bündnis eine (rotierende) Einheit schaffen, die mit schneller Präsenz vor allem an den Grenzen des Bündnisgebiets Abschreckungskraft demonstrieren kann. Die Deutschen boten an, zusammen mit den Niederländern und den Norwegern aus ihren ohnehin für die NATO Response Force (NRF) gemeldeten Verbänden eine Probe-Einheit für eine vorläufige VJTF zu schmieden. Und so stellt Oberstleutnant Behrenz‘ Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg in Sachsen, die Marienberger Jäger, plötzlich zusammen mit Spezialisten aus anderen Einheiten die NATO-Speerspitze.

Das Erschreckende: Um einen solchen Verband von noch nicht einmal eintausend Männern und Frauen fit zu machen für einen solchen Feuerwehreinsatz, muss Material im ganzen Heer zusammengekratzt werden. Denn wie fast alle anderen Einheiten hatten auch die Marienberger Jäger bei weitem nicht das komplette Material, das sie allein für Übungen brauchten; geschweige denn für einen Einsatz. Bundesweit und international Schlagzeilen machte das Bataillon, weil bei einer Übung in Norwegen im vergangenen Jahr ein fehlendes Waffenrohr kurzerhand durch einen schwarzgestrichenen Besenstiel ersetzt wurde.

Es gibt zwar unterschiedliche Einschätzungen, ob der so ausgerüstete Boxer-Radpanzer als Gefechtsstandfahrzeug überhaupt eine Waffe gebraucht hätte. Und so plakativ der Besenstiel war, andere Defizite waren weit gravierender: Ein Viertel der benötigen Nachtsichtgeräte vorhanden, zu wenig Waffen, fehlende persönliche Ausrüstung bis hin zur Strickmütze.

296 Nachtsichtbrillen vom Typ Lucie brauchen allein die Panzergrenadiere des Deutschen Gefechtsverbandes NRF. 71 waren vorhanden, inzwischen, sagt der Bataillonskommandeur, seien 284 angekommen. Bis zum 7. April sollen alle fehlenden Ausrüstungsteile vorhanden sein, auch die noch fehlenden Marder-Schützenpanzer sollen bis zu dem Stichtag auf den Hof der Erzgebirgskaserne rollen.

Bei seinem Besuch mit Pressebegleitung am Dienstag sprach Heeresinspekteur Bruno Kasdorf die Probleme des verwalteten Mangels offen an – verschweigen hätte er sie ja ohnehin nicht können. Zumal die Journalisten ebenso wie der Generalleutnant mitbekamen, wo es hakte. Und schließlich wissen die Soldaten sehr genau, was sie brauchen. Nicht, weil sich der Soldat immer das Beste wünscht… na ja, das vielleicht auch. Vor allem aber, weil die einsatzerfahrene Truppe in Afghanistan gesehen hat, was an Material möglich ist, wenn es wirklich gebraucht wird.

Eigentlich müsste man in den nächsten Wochen ganz andere Besuche machen. Nicht bei dem NRF-Gefechtsverband, der sich bundesweit das Material zusammensucht. Sondern bei all den anderen Einheiten, die ebenfalls nur einen Teil des für ihre Arbeit nötigen Materials haben oder besser hatten – und davon abgeben mussten, um einem verstärkten Bataillon (!) die Vollausstattung zu ermöglichen.

Das Statement (mit paar Fragen und Antworten; die Fragen sind teilweise nur schwer verständlich) des Heeresinspekteurs in Marienberg zum Nachhören:

(Die Links zum Besenstiel und zur fehlenden Wollmütze müsst ihr diesmal selber googeln, sorry. Daten zur OrBat etc. des Verbandes reiche ich ebenfalls nach.)

Nachtrag: Meine Fotos vom NRF-Gefechtsverband in Marienberg sind hier online. Außerdem gibt’s online die Sammlung des Kollegen Sean Gallup von Getty Images  (danke für den Leserhinweis).

86 Gedanken zu „Die deutsche NATO-Speerspitze: With a little help from my friends

  1. „Eigentlich müsste man in den nächsten Wochen ganz andere Besuche machen. Nicht bei dem NRF-Gefechtsverband, der sich bundesweit das Material zusammensucht. Sondern bei all den anderen Einheiten, die ebenfalls nur einen Teil des für ihre Arbeit nötigen Materials haben oder besser hatten“

    Ganz genau!

    Vielleicht können mitlesende Kameraden aus den kannibalisierten Bataillonen ja Herrn Wiegold mal mit Sach- und Lachgeschichten aus den Aderlasseinheiten versorgen.

    Sonst liegt die Deutungshoheit wieder beim BundesMinisteriumVürGrünmeldung

  2. Herr Wiegold, Sie haben es erfasst:

    Nicht staunen, was alles gerade möglich gemacht wird, sondern nachbohren, wie es in den anderen Verbänden aussieht.
    Die anderen PzGrenadierbataillone haben doch auch einen (nebenamtlichen) Presseoffizier und so viele Verbände gibts ja nicht mehr.
    Das wäre doch jetzt nicht nur für mich interessant zu sehen, wie es bei den angesprochenen Gegenständen Stichtag „Ende März“ oder 1.4. aussieht….

  3. Wenn das Btl dann zu 100% aufgefüllt ist (296/296 Lucies…) , dann soll bloß kein Journalist auf die Idee kommen nach der Reserve zu fragen. Oder wie war das noch gleich im deutschen Heer? km weiter nordöstlich (Dresden) wurde da doch so etwas immer gebetsmühlenartig gepredigt.

  4. @O. Punkt:

    Sie sprechen doch wohl nicht etwa von der so oft gepredigten Aufforderung: Der militärische Führer bildet stets und ständig Reserven.

  5. Zum O-Ton des InspH:
    Und eine NRF braucht gar nicht wirklich Material (auch für deren NTM)? Train as you fight?
    Und der BtlKdr läßt sich dafür noch einspannen?

    Nur mediale Aufregung wegen Besenstielen?
    Die Boxer hatten ihre Waffen nicht, dass ist das Thema, nicht der Besenstiel.
    Und die FLW 200 können wir dann einsparen, oder?

    Aber seine Einlassungen gerade bei der Ausbildung und künftigen Beschaffung sind ja schon überraschend ehrlich.

    Warum überhaupt der GI (!) die Zusammenfassung des Materials anweisen mußte, habe ich immernoch nicht verstanden – wenn das doch alles so schön im Zeitplan war.

    Zum KPz: Es gibt den A7+ für Katar…

    Insgesamt hat man sich elegant aus der Affäre gezogen und auch die Auswirkungen auf die Ausbildung in anderen Verbänden offen dargestellt. Daher aus meiner Sicht durchaus positiv.

    @T.W.:
    Leider wurde der O-Ton gerade da abgeschnitten, wo es um Nachholbedarf geht.
    Was waren denn da die Beispiele?

  6. @Memoria

    Der O-Ton sollte komplett sein… falls nicht, muss ich ihn später erneut hochladen (aus dem Zug etwas schwierig).

  7. Kann mich jemand über die Zahl von 30 benötigten SPz aufklären? Ein PzGrenBtl mit 3 PzGrenKp sollte doch normalerweise 44 SPz haben oder wurde mir das falsch beigebracht?

    Wo kommt die Zahl 30 her? Ich gehe nicht davon aus, dass das die Anzahl der derzeit fehlenden Fahrzeuge ist, das wäre dann doch zu krass.

  8. Sind die Lucie Brillen nicht schon mittlerweile ca. 15 Jahre alt und damit technisch „ein wenig“ überholt?

  9. Wie sagt Murphy so schön:
    No combat ready unit has ever passed inspection.

    Möchte mal sehen, welche ausländische Einheit alles zu 100% hat. Wahrscheinlich nicht mal US SOF…

    Muss gerade an die Szene in „Generation Kill“ denken, als die Marines keine Batterien für die NVGs hatten. Und das bei einem Kampfeinsatz. Denke nicht, dass sich Evan Wight das ausgedacht hat…

  10. @ Memoria

    Der Btl-Kdr lässt sich nicht nur einspannen.
    Er hat doch im vergangenen Jahr den Gefechtsverband als 100% Einsatzbereit gemeldet.

    http://www.deutschesheer.de/portal/a/heer/!ut/p/c4/NYzNCsIwEITfaDcViz83S0E8eBFB621NQ7M1Tcqy1YsPb3JwBoaBbxh8YHakNw-knCIFvGNnef_8gHdOgF66uBAgkvXC1quLMJKXlanWMC6BS8Fbeekd2BSdlswz5ZyDkCaBOYmGQhaRTIB77EzVNqY2f1Xf3XnbHK-b2rSn5oLzNB1-ZKNXZw!!/

    Bei all den materiellen Mängeln die dadurch behoben werden, dass nicht nur für die PzGren sondern auch für Führungs- und Einsatzunterstützer andere Einheiten und Verbände kannibalisiert werden?

    @ T.W.
    Vielen Dank für diesen offenen Beitrag. Hoffentlich verlieren Sie nicht Ihre Akkreditierung.

  11. Die Bundeswehr wird kaputtgeredet:Herr Kasdorf (Bruno)
    Nein :Unsere Armee wird schon seit langem kaputtgespart und kaputtgeführt u.a. von Herrn Kasdorf.
    Schändliche Antworten des Klasse-(Weltklasse)Heerführers.
    „Mit dem A7 haben wir Panzer die ihresgleichen suchen in der Welt“.
    Ja,vieleicht bald ganze 20!!!
    Andere Nationen haben tausende und z.T. schon a7+,an die Deutschland sich nicht herantraut.
    Welche Lügen und Phrasen dürfen sich diese ganzen Schönredner noch erlauben?
    Außer T.W. scheint es keine kompetenten Journalisten im Bereich SIPO zu geben, die auch mal an den richtigen Schwachpunkten nachhaken:.z.B. beim Thema wo das zusammengesammelte Gerät herkommt und welche Einheiten deswegen nicht einsatzfähig sind.
    Kein Wort von der Abkehr von 70% vom Gerät.
    Weiterhin Augenwischerei,auch von einem der bald in den Ruhestand geht, und nichts mehr zu verlieren hat.
    Einfach nur taurig und weitere Volksverarsch…

  12. Ryan | 10. März 2015 – 18:59

    „Ein militärischer Führer ohne Reserve(n) ist nur ein Beobachter des Geschehens.“

  13. So, so- bei einem Gefechtsfahrzeug kommt es nicht auf die Waffen an, sondern auf Funkmittel…ich sag bloß „VASE“. Sichert dann die BWI den GefStd?

  14. Meine erste Frage wäre an Herrn Wiegold, ob die Boxer, welche da standen mit vollständiger Waffenstation waren oder ohne?

    Und meinte 2. Frage wäre, wieso sprechen Sie von nur 30 Mardern, die noch zulaufen sollen oben? Da ein Panzergrenadierbataillon doch 44 Marder haben müsste, frage ich mich gerade, ob die nur mit 30 Schützenpanzer in den Einsatz sollen oder müssen die bisher mit nur 14 vorhandenen Schützenpanzern üben?

    Meine 3. Frage wäre, wie es denn um die MG 3 bestellt ist, ob dazu was gesagt wurde oder gezeigt wurde?

    Den Besenstil als Scherz der Soldaten hinzustellen ist schon peinlich, statt gleich zu sagen, daß die Waffenstationen bzw. deren Vollständigkeit gefehlt haben.

    Das hochgeladene Statement scheint mir auch unvollständig zu sein, da war wohl die Bahn schuld:)!

  15. Ich kann es kaum fassen…nach den letzten Wochen und Monaten schafft es die Generalität imer noch nicht die Realität zu erfassen, bzw die Realität auch in der Öffentlichkeit zu vertreten.
    In Afghanistan werden Lucies verbrannt weil sich das zurück liefern angeblich nicht lohnt…SK4 Westen werden zu den Kurden geliefert, aber der „Super schnelle Einsatzverband“ ist nicht ausgestattet.Die „Gefechtsfahrzeuge“ aus Afghanistan werden zurück nach Deutschland geliefert (in einer sehr teuren Logistischen Leistung) und stehen sich dann in den Depos zu hunderten die Reifen platt.
    Andere NRF (gilt auch analog für MilEvacOp)geplanten Einheiten bekommen keinerlei Ausrüstung, obwohl sie ebenfalls in Bereitschaft stehen…die LHBw gibt keine Field-Shirts (dient nur als Beispiel) für RSM-Soldaten aus weil sie nicht wissen wer das Zeug bezahlt (Aussage des örtlichen Mitarbeiters).
    Einheiten die in Deutschland einen Realauftrag haben müssen wichtige Ausrüstungsgegenstände abgeben (Lucies) damit ein Pool im Btl/Rgt gebildet werden kann.Wenn diese Einheiten die Ausrüstung dann benötigen, dann bitte mit wochenlanger Voranforderung…wie gesagt-Realauftrag.
    Das die Generalität nicht versteht dss eine gute, und vor allem, verfügbare Ausrüstung auch zur Attraktivität (und erst recht zur Motivation) gehört…damit hat sich die „Schlammzone“ schon abgefunden. Denn wann hat ein deutscher General, ach was sag ich, ein deutscher OTL denn das letzte mal tatsächlich die komplette Ausrüstung getragen, geschweige denn das er auch damit umgehen kann….ich persönlich habe dieses in unser Bw noch nicht erlebt, in immerhin 18 Jahren Dienstzeit und mehreren Einsätzen.
    Fazit:Es geht weiter bergab.
    Bundeswehr
    Wir.ziehen.blank

  16. Das ist ja hochinteressant. Wie ist das eigentlich heutzutage, eine persönliche Waffe hat aber schon noch jeder Militärangehörige? Oder gibts die nur während der Ausbildung?

  17. Wir durchbrechen gerade die Kruste des großen Missthaufens.
    In fünf Jahren sind wir dann ganz unten angekommen, bzw, jeder weis wie es da unten aussieht, denn das wissen wir doch schon lange.

    Ich möchte ja nur zum Gang in unsere Waffenkammer einladen. Da sieht man, was übrig ist, nachdem wir das Wenige was wir hatten, auch noch abgeben mussten!

    Der Grundbetrieb ist nicht mehr aufrecht zu erhalten, Ausbildungen nicht mehr durchführbar geschweige denn von größeren Vorhaben!!!!

    Ich freu mich drauf, was die nächsten Monate so bringen ;-)

    Horrido ……….joho

  18. Deutschland ist also nicht verteidigungsfähig – und dieser Zustand entstand nicht durch feindliche Sabotage. sondern durch die Politik der letzten Regierungen. Die sonst so kritische Presse schien dies – Ausnahmen bestätigen die Regel – auch nicht zu stören.
    Auf allen möglichen Politikfeldern wird agiert oder zumindest Aktionismus verbreitet – die Landesverteidigung scheint vernachlässigbar.

  19. @wacaffe | 10. März 2015 – 18:31
    „Vielleicht können mitlesende Kameraden aus den kannibalisierten Bataillonen ja Herrn Wiegold mal mit Sach- und Lachgeschichten aus den Aderlasseinheiten versorgen.“

    Aua! Fällt das nicht unter Defätismus und Geheimnisverrat?
    Mehr noch: sofern die Bw-Mangelbewirtschaftung bereits den Status
    eines religiösen Dogmas erlangt hat, hätten solche „Sach- und Lachgeschichten“ etwas blasphemisches.

  20. Wie sagte ein nicht näher genannter deutscher Vier-Sterne-General jüngst im VtgA: „… Seit Ende Januar sind die betreffenden Verbände für die VJTF zu 100% ausgerüstet und dies querschnittlich…“

    Frau BM’in saß daneben und nahm es erfreut zur Kenntnis- noch Fragen?

  21. Weiß einer der Anwesenden wie sich die 296 Lucies im Verband verteilen? Sonderlich viele sind das ja nicht…
    Und kennt jemand die Gliederung des Gefechtsverbands? Handelt es sich wieder um ein verkrüpeltes vermindertes Infanteriebataillon, in dem trotz Operation Heldenklau gerade mal zwei Infanteriekompanien à drei Zügen zusammenbekam (so wie in einem QRF-Verband geschehen) oder verfügt das Bataillon tatsächlich über drei Panzergrenadierkompanien mit drei Zügen?

  22. Wie siehts da mit den Arbeitszeiten aus… staendige Bereitschaft gibt doch sicher ne Menge Ueberstunden?

  23. @all

    Ich versuche mal, ein paar aufgeworfene Fragen zu beantworten:

    Das Audio ist vollständig – habe gerade noch mal in meine Originaldatei reingehört. Wo scheint was zu fehlen?

    Verstärktes Bataillon: Die Panzergrenadiere sind um Aufklärer, Logistik, Pioniere, San und Joint Fire Support Team ergänzt. Genauere Details und Gliederung in den nächsten Tagen.

    G36A1 ohne LLM scheint als STAN-Waffe vorgesehen.

    Zu MG3 habe ich nicht gefragt.

    Die Boxer hatten alle Waffenstationen ;-)

    (Bin weiterhin unterwegs, jetzt aus privaten Gründen, deshalb erst mal nur diese kurzen Antworten.)

  24. @ Gustav Struve
    „Aua! Fällt das nicht unter Defätismus und Geheimnisverrat?“

    ich weiß schon wie sie es meinen, trotzdem noch mal expressis verbis

    Verrat begeht hier nur einer:

    Die politmilitärische Führung; an Fürsorgepflicht, amtseidlichem Wahrheitsgebot und dem verfassungsmäßigen Auftrag der Streitkräfte.

    Darauf in aller Öffentlichkeit in allen Foren in unwiderleglicher Art und Weise hinzuweisen ist kein Dienstvergehen sondern Pflicht jedes deutschen Offiziers.

    Der blinde Kadavergehorsam und die bizarren Durchhalteparolen „Soldaten haben sich mit besenstielen nur Spaß erlaubt… wozu überhaupt bewaffnung an GEFECHTSFAHRZEUG!!!“ sind jedenfalls das diametrale Gegenteil des Staatsbürgers in Uniform, gelebter innerer Führung und sonstigen angeblichen Charakterzügen der deutschen Streitkräfte.

    DIe Aushöhlung eines Verfassungsorgans durch aufeinanderfolgende Bundesregierungen unter Beihilfe durch unterlassen seitens der vierten Gewalt ist schlicht ein Armutszeugnis für diese Republik

    Wie wärs denn mal mit einem Untersuchungsausschuss „Einsatzfähigkeit der Bundeswehr“?.. alas an der Demobilisierung haben ja alle mitgewirkt… dann doch lieber schnell ein kommunikatives Einhorn ausgepackt…“EU-Armee“ ..OHHHH wie TOLL…wen interessieren da noch diese garstigen Details von Lucies und fehlendem Kriegsgerät…FRIEDEN UND MENSCHENRECHTE.

    Man muss nur glauben….

  25. noch eine Frage an diejenigen „in the know“ (besonders „erzgebirger“)

    wie sieht es in Marienberg eigentlich bezüglich personeller Vollaustattung aus?

    Sind alle Kampfkompanien bei 100%? Sind alle Marderfonds gefüllt? Mit voll ausgebildetem Soldaten nach Stan?

    Wenn diese Fragen mit ja beantwortet werden sollten. Wo wurde dann Heldenklau betrieben?

    Das wäre doch mal ein schönes Crowdsource Projekt. Jeder informiere Herrn Wiegold über quellen von personal und Material.

    Der kann dann einen schönen Artikel zum Thema „Aussttattung eines einzigen Kampfbataillons legt Rest der Bundeswehr lahm“ machen.

    Der Ballon wurde jetzt weit aufgeblasen. Fehlt nur noch die Nadel…

  26. @T.W.:
    Zum O-Ton:
    Es hörte sich vom Satzbau so an, als wollte Kasdorf noch Beispiele für den Nachholbedarf benennen.
    Das wäre ja mal sinnvoll gewesen, wenn man die Lage mit konkreten Forderungen verbinden würde, dann würde es ja mal was bringen (A-B-F).
    Logisch wäre ja die Folgebeschaffung IdZ-2 hervorzuheben.
    Denn bisher ist nicht gesichert, dass hier noch mehr dazu kommt.

    Wurde auch gesagt, ob die Kampfunterstützer auch nachtsichtfähig werden sollen?

    Denn nachtkampffähig scheint man ja nicht zu werden.

    Die Führung schämt sich noch nicht einmal.

    Die Russen haben seit 2008 eindeutig mehr gelernt.

  27. Die aktuelle Personalsituation kenne ich nicht(und würde sie auch nicht breittreten), aber ich weiß aus meiner Zeit(noch nicht lange her), das die Züge teilweise nicht voll waren. Ich denke, das nur zwei PzGrenKp für die Speerspitze verfügbar sind und die dritte das „Team Hotel“ stellt. Übrigens waren bei der Besenstielsache wohl die Waffen verfügbar, aber das Übungszenar in diesem Fall nur auf den GefStd bezogen(also auf die Arbeit desselben). Sagt auch einiges über die Führung….

  28. @Heimatloser

    Das ist ja hochinteressant. Wie ist das eigentlich heutzutage, eine persönliche Waffe hat aber schon noch jeder Militärangehörige? Oder gibts die nur während der Ausbildung?

    Gemessen am aktuellen SAK[Gewehr+Pistole]? Vermutlich eher nein.

  29. @Erzgebirger

    Übungszenar

    Da sagt allein die Wortwahl viel… wieder so eine Worthülse aus Hamburg.
    Da weiss man direkt, woher es kommt ;)

  30. @TW

    Für den Übungskalender aus dem Spiegel:

    „Den ersten großen Test für die „Speerspitze“ will die Bundeswehr bereits im Juni absolvieren. Bei der ersten Übung „Depex“ sollen Tausende Soldaten der Nato-Truppe aus Deutschland und einigen anderen Nationen inklusive Gerät und Gefechtsstand innerhalb von Tagen nach Zagan in Polen gebracht werden und sich dort für ein Manöver aufbauen. Spätestens dann entscheidet sich, ob der Probelauf der deutschen Panzergrenadiere erfolgreich ist und ob sich die Bundeswehr für Missionen wie diese noch einmal grundlegend reformieren muss. “

    pi

  31. Mir fällt eigentlich nur noch eines ein:
    Jedes Volk bekommt nicht nur die Regierung die es verdient…sondern auch die dazugehörige „Armee“.

  32. Mittlerweile ist die ganze Debatte um Ausrüstung kaum noch zu ertragen! Neben der Diskussion um die großen Rüstungsprojekte geraten meiner Meinung nach die „kleineren“ Dinge in den Hintergrund. Nehmen wir zum Beispiel die persönliche Ausrüstung. Ich habe als Angehöriger der Pioniertruppe im Ausbildungsbetrieb in DEU noch nie eine IDZ-Weste gesehen! Stattdessen renne ich wie doof seit fast 17 Jahren mit meiner „Lochkoppel“ über den Gefechtsacker und muss vor der Dienstaufsicht Rede und Antwort stehen, wenn meine afghanistan-erfahrenen Soldaten eigene Plattenträger o.ä. benutzen wollen. Im Einsatzland angekommen fange ich dann erstmals an, mich mit einer mir unbekannten Überwurfweste „anzufreunden“. Hier könnte man mit vergleichsweise geringen Finanzmitteln leicht Abhilfe schaffen.

  33. @LTC007:

    Der KSE-Vertrag war doch seit den Kräfteverschiebungen im Zuge der Nato-Osterweiterung in den 90ern bereits angeschlagen, eigentlich seit 1999 (der – am Westen – gescheiterten Neufassung) so gut wie tot und zuckte spätestens seit 2007 nur noch…

    Dass die Russen bei den Bedingungen so lange drin geblieben sind, ist die eigentliche Überraschung.

  34. Das Verteidigungsministerium bestätigte indirekt den Besenstiel-Vorfall. Ein Sprecher sagte: „Warum die Soldaten da einen Besenstiel angebracht haben, ist für uns fachlich nicht nachvollziehbar, denn der Verband war mit dem „Boxer“ als Gefechtsstandfahrzeug ausgestattet, und dafür ist gar keine Bewaffnung notwendig, weil der mobile Gefechtsstand durch andere Fahrzeuge und Sicherungskräfte geschützt wird.“

  35. Closius | 10. März 2015 – 21:04

    Und meinte 2. Frage wäre, wieso sprechen Sie von nur 30 Mardern, die noch zulaufen sollen oben? Da ein Panzergrenadierbataillon doch 44 Marder haben müsste, frage ich mich gerade, ob die nur mit 30 Schützenpanzer in den Einsatz sollen oder müssen die bisher mit nur 14 vorhandenen Schützenpanzern üben?

    erzgebirger | 11. März 2015 – 8:16

    Die aktuelle Personalsituation kenne ich nicht(und würde sie auch nicht breittreten), aber ich weiß aus meiner Zeit(noch nicht lange her), das die Züge teilweise nicht voll waren. Ich denke, das nur zwei PzGrenKp für die Speerspitze verfügbar sind und die dritte das “Team Hotel” stellt.

    30 Schützenpanzer passen genau für zwei PzGrenKp à 14 SPz und weitere 2 SPz für die St/VersKp. Dann wäre das also auch geklärt: Das weltbeste Heer schafft es gerade mal ein vermindertes PzGrenBtl bereitzustellen…
    Oder wird dem Bataillon noch eine Panzerkompanie oder eine Jägerkompanie mit Boxer unterstellt?

  36. Zum „Besenstiel“ werfe ich mal den Gedanken in den Faden, dass man als Kommandeur ganz gut beraten ist, wenn der Gegner die Führungsfahrzeuge nicht von den Gefechtsfahrzeugen ganz einfach optisch unterscheiden kann. ……….

  37. Hinzukommt, dass es erhebliche Defizite im Bereich der Führungsunterstützung gibt. Materiallage einigermaßen in Ordnung aber es fehlt am ausgebildetem Personal an den Führungsmitteln. Wie sagte ein Oberst i.G. “ wenn Sie nicht funken können dann nehmen sie doch Brieftauben!“
    Und ja, die anderen Bataillone werden ausgeschlachtet und es geht soweit das die Einsatzunterstützer die Bataillone (ohne Schaffung einer Reserve) auf den Übungsplätzen nicht unterstützen können.
    Eine herrliche Augenwischerei!

  38. Die Ministerin heute bei der polnischen Generalstagung:
    „Deshalb ist es selbstverständlich und eigentlich gar nicht zu erwähnen, dass wir die 28 Kampfpanzer Leopard an Polen liefern werden. Auch wenn wir unseren eigenen Bestand an Panzern aufstocken.“
    http://tinyurl.com/ntlmd37

    Aufstocken mit welchen Panzern?
    Die verbleibenden 20 KPz nicht für Ersatzteilgewinnung und Erprobung verwenden?
    Oder neue kaufen?
    Wann und mit welchem Geld?

    Schafft man es wenigstens 2 Wochen nach der Ankündigung mal Fakten zu liefern, wenn man sich nun auch international so weit aus dem Fenster lehnt?

    Aber der InspH redet ja auch von 6 PzBtl, die ne Vollaustattung haben sollen (s.o.).
    Wann und wie?

  39. Ich hatte vor längerer Zeit mal das interessante Vergnügen, einer Inspektion des Department of the Army in Fort Bragg (82nd Airborne) beiwohnen zu dürfen. Da waren einfache Inspektoren unterwegs, nicht mal ein Äquivalent zum deutschen Heeresinspekteur. Ein BG mit Gefolge, der Kommandeur der überprüften Einheit hatte mehr Lametta auf der Schulter, als der leitende Inspekteur.

    Gefühlt wurde da jeder Soldat zur Minna gemacht, bei dem auch nur ein Staubkorn auf der Ausrüstung war, kam aber selten vor. Fehlende Ausrüstung gab es nicht. Bei Gebrauchsspuren auf Ausrüstungsgegenständen (z.B. Macke an Waffe) wurde ausgiebigstes durchdekliniert, dass das erfasst war, die Gebrauchsspur hinnehmbar sei und der Gegenstand deswegen nicht getauscht wurde. Im Rahmen dieser Auseinandersetzungen wurde ein Gespür vermittelt, was effizient-ökonomisch rationales Verhalten ist und was Schludrigkeit wäre. In einem fast sportlichen Wettkampf versuchte die Einheit zu beweisen, dass alles prima ist, und die Inspektoren versuchten nachzuweisen, was alles nicht stimmte. Hier und da fanden sie Lächerlichkeiten, die Abstellung des Mangels wurde mit Termin vereinbart. Am Ende des Tages gab‘s BBQ und man war stolz auf sich, weil man bestanden hatte.

    Irgendwie war der Geist dort ein anderer, als das, was Herr Wiegold über diesen Termin von Herrn Kasdorf bei Deutschlands Supi-Dupi-Hyper-Schnell und Einsatzbereit-Soldaten berichtet. Das gilt sowohl für die Truppe, als auch für den Inspekteur.

  40. Ich verstehe diese ganze Diskussion über fehlendes Wehrmaterial nicht. In einem mir näher bekannten Bataillon wurde heute bekannt gemacht, dass rückzulieferndes Material vorerst in Containern gelagert werden muss, da die Depots anscheinend voll bis an die Decke sind. Die Container müssen natürlich noch angefordert werden…

  41. In MAB ging es am 10. März nicht um eine „Inspektion“ durch den Insp H – ob er / sein militärisches Gefolge über diese Fähigkeiten verfügt, muss an anderer Stelle bewertet werden. Es ging um eine – durch diverse Medien unterstützte – Selbstdarstellung B.K. und 371. Ein echter Blick hinter die Kulissen würde eine Lawine auslösen…

  42. @Freiherr vom Stein

    ….und wir machen den Inspekteur zum Befehlshaber…..also den Gärtner zum Bock.

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