Piraten vor Somalia: Erstmals seit Monaten wieder aktiv

Somalia_Piraten_20141016

Erstmals seit einem Dreivierteljahr sind die Piraten vor Somalia wieder aktiv geworden: Am Donnerstag wurde ein Handelsschiff angegriffen, das dicht vor der somalischen Ostküste vor Anker lag (siehe Karte oben). Der Angriff scheiterte jedoch; den Seeräuber gelang es nicht, über die Ankerkette das Schiff zu erklimmen, wie die NATO meldete:

While at anchor in a merchant vessel was reported to be approached by two skiffs with 15 POB who attempted to board the vessel climbind up the anchor chain without success. VESSEL IS SAFE

Es war der erste Versuch seit Januar dieses Jahres, ein Schiff zu kapern – und erst der zweite registrierte Angriff vor Somalia in diesem Jahr.. Allerdings war bereits am Vortag weiter nördlich, im Golf von Aden, verdächtige Aktvität eines möglichen Piratenbootes beobachtet worden.

(Karte: OpenStreetMap)

4 Gedanken zu „Piraten vor Somalia: Erstmals seit Monaten wieder aktiv

  1. Ich bin schon schon etwas verwundert, wieso ein Handelsschiff dicht vor der somalischen Küste ankert? Normalerweiße gilt es doch dieses Gebiet so schnell wie möglich zu durchqueren. Technische Probleme als möglicher Grund wurden hier jedenfalls nicht genannt.

  2. Leider liegen die Dinge hier etwas anders. Es ist nicht der erste Versuch! Es gibt derzeit in Somalia 3 Clans, die sich die Piraterie als effektives „Geschäftsmodell“ auf die Agenda geschrieben haben. Diese verfügen über eine „Mannstärke“ von bis zu 3000 Piraten, die alle bewaffnet sind. Regelmäßig werden Ausfahrten gemacht, um die Lücken in der Überwachung zu finden. Zur Zeit versuchen sie an der Nordküste Somalias in den Golf von Aden vorzudringen. Ein massives Überwachungs-Aufgebot(Luft-See) stellt diese Boote zu 80 %. Die restlichen 20% kommen durch, fahren aber oft unverrichteter Dinge zurück, wenn sie merken, dass ein Ziel bewaffnete Guards an Bord hat. Die propagierte trügerische Sicherheit ist sehr gefährlich. Die Piraten haben Zeit und warten darauf, dass die Präventiv-Maßnahmen zurückgefahren werden. Die Gefahr ist also nicht gebannt sondern lediglich ausgeblendet.

  3. Gut, es ist eine Meldung wert, aber ich finde in anderer Sicht:
    Das es „seit Monaten“ keinen Angriff mehr gegeben hat, zeugt doch eigentlich von dem grundsätzlichen Erfolg der Anti-Piraten Mission….und dem geänderten Verhalten der Crews; evtl. auch geänderter Routen.

  4. Ich glaube, der Hauptgrund für die äußerst geringe Erfolgsquote liegt in der Existenz bewaffneter Sicherungsteams an Bord der Schiffe.

    Man könnte natürlich auch einmal überlegen, ob ein Zurückfahren der Marinepräsenz vor Ort (nicht nur Deutsche Marine, sondern alle beteiligten Seestreitkräfte) so zwingend etwas an dem aktuellen Erfolgskonzept „bewaffnete Sicherheitsteams“ ändern würde.

    Spontan würde mir nur einfallen, dass es den Piraten dann möglich wäre, in einem riesigen Schwarm ein Schiff zu attackieren. Quasi die Verteidigungscrew zu überrennen und deren Massnahmen zu saturieren. Könnte klappen, wird aber für die Angreifer ganz sicher mit Verlusten verbunden sein. Und Selbstmord-Attacken sind eher untypisch für Somalis. Die wollen schließlich Profit. Und das wäre der nächste Punkt: Wenn man mit über 100 Mann in einem dutzend Booten angreift – wieviel bliebe dann pro Kopf von der Beute noch übrig…?

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