Lagebeobachtung Ukraine 15. April: Der Osten

Kramatorsk_fighterjet_20140415

Da sich am heutigen Nachmittag die Lage im Osten der Ukraine zu einer militärischen (?) Auseinandersetzung zu entwickeln scheint… hier noch ein gesonderter Thread dazu.

Die einzelnen Meldungen sind mit großer Vorsicht zu betrachten – so gibt es im Zusammenhang mit dem Einsatz ukrainischer Kampfflugzeuge über der Stadt Kramatowsk (siehe Video-Screenshot oben) auch schon Meldungen, in denen von CAS (Close Air Support, Luftnahunterstützung) die Rede ist – offensichtlich handelt es sich allerdings bislang maximal um Show of Force, nicht um einen Waffeneinsatz. Beunruhigend ist dagegen, dass nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg die ukrainische Regierung angibt, eine russische Spetznaz-Einheit sei in der Region im Einsatz.

(Weder für die Aussage zur russischen Spezialkräften in der Ukraine noch zum angeblichen Abschuss eines ukrainischen Flugzeugs gibt es bislang eine Bestätigung.)

Ein Storify-Sammler mit verschiedenen Infos zur Lage, allerdings: bestätigt ist davon das Wenigste.

16 Gedanken zu „Lagebeobachtung Ukraine 15. April: Der Osten

  1. itar tass meldet unter berufung auf augenzeugen einr der jäger sei abgeschossen worden/bzw. abgestürzt.

    http://en.itar-tass.com/world/728011

    angblich sollen die russophilen eine ladung igla-s erbeutet haben. wäre ntürlich bitter für die ukrainer sollte sich das bewahrheiten

  2. Danke. Füge solche Infos noch in das Storify ein (allerdings nur bis ca. 18.30, danach muss ich weg – bin dann für Ergänzungen in den Kommentaren dankbar).

  3. Finnischer Geheimdienst: Kein russisches Militär in Ost-Ukraine

    In der Region gebe es weder aktive Kampfhandlungen noch russische Präsenz, sagte Admiral Georgij Alafuzoff, Chef des militärischen Nachrichtendienstes Finnlands, in einem Interview der Fernseh- und Radiogesellschaft Yle. „Meines Erachtens sind das hauptsächlich Einwohner der Region, die mit dem jetzigen Stand der Dinge unzufrieden sind.“

    http://de.ria.ru/politics/20140415/268279980.html

  4. Was läßt sich überhaupt bestätigen?
    Eigentlich nur daß ukrainische Truppen welcher art auch immer in Kramatorskaja gelandet sind.
    Alles andere sind wüste Spekulationen und Propaganda.

  5. @wacaffe
    Danke für den Link. Allerdings muss ich sagen, dass der Inhalt der Analyse ernsthaft Potential hat die Stimmung zu versauen. Insbesondere zwei Sachen finde ich sehr unerfreulich. Zum einen die starke Präsenz von Unterstützungseinheiten. Jeder Ehemalige oder Aktive oder sonstwie involvierte dürfte einschätzen können, wie wenig die Sache damit als Manöver durchgehen kann. Zum anderen die Änderung der Befehlsstruktur im russischen Verteidigungsbereich. In Friedenszeiten die Struktur auf Kriegszustand umzuschalten ist kein sonderlich entspannendes Zeichen und läßt nicht unbedingt hoffen. Dass die Analysen in Zahlen und Zuordnungen massiv an der Realität vorbeigehen, halte ich für wenig wahrscheinlich, auch wenn es sicher schön wäre, sollte sich die Einschätzung als zu pessimistisch herausstellen.
    Wie viel Rüstungsimporte Russland aus der Ukraine bezieht war mir in der Tiefe noch gar nicht bewußt.

  6. Auch wenn ihn die meisten hier eh schon gelesen haben dürften, so sei doch nochmal kurz auf den Zeit-Artikel “Russlands Aggression ist belegbar” verwiesen.

  7. Bis jetzt läßt sich für die „Erstürmung“ des Flughafens überhaupt kein Gefecht nachweisen. Nur Warnschüsse und Show of Force. Keine Toten, auch keine abgeschossenen Luftfahrzeuge. Nix.

  8. Was wohl auch die meisten mitbekommen haben (etwa durch die Tagesschau): Der mittlerweile von Gasprom von der Ukraine geforderte Gaspreis liegt deutlich über dem europäischen Niveau. RWE hat mit Gas-Lieferungen an die Ukraine begonnen, wobei der Vertrag eine Option bis zu 10 Mrd. m³ vorsieht. Dies entspräche einem Drittel des aus Russland in die Ukraine exportierten Volumens.

  9. @ J.R.

    Mit anderen Worten RWE importiert russisches erdgas via nordstream um es dann gewinnbringend in die Ukraine zu reexportieren?

    Das nenne ich mal gelungene Arbitrage.

  10. Lustig, wie die putinhörige deutsche Presse von einem „erbitterten Gefecht“ und „heftigem Geschützfeuer“ um den Flughafen Kramatorsk faselt. Ausnahmsweise einmal Lob dem Spiegel, dessen Reporterin vor Ort ist und mit Bild und Text bewiesen hat, was wirklich los war: gar nichts! Ein eingeschüchertes Häuflein von 30 Ukrainern ist mit Hubschraubern gelandet und wird nun von alten Matroschkas belagert. Schüsse: null, Opfer: null. Aber Hauptsache, das deutsche Qualitätsfernsehen hat etwas zum Aufgeilen (dazu Akif Pirincci: „Mit dem *****loch sieht man besser!“)

  11. Ich hätt‘ da mal eine Bitte: Beim Thema Ukraine gibt’s eine erbitterte rein deutsche Debatte, die sich auch in ziemlich unpassenden Tönen hier niederschlägt.

    Der eine beklagt die putinhörige deutsche Presse, der andere spricht von
    undurchsichtigen Machenschaften von US- Diensten mit noch undurchsichtigeren teilweise faschistischen Oppositionskräften in der Ukraine und einer gesteuerten Berichterstattung im deutschen Staatsrundfunk .

    Wenn das Bedürfnis besteht, sich in gegenseitigen Beschimpfungen pro/gegen Putin zu ergehen, gibt’s dafür passendere Foren im Netz. Für die Diskussion, ob die deutschen Medien sich US-gesteuert gegen Putin aufgeilen oder putinhörig sind, finden sich auch bessere Webseiten.

    Und für den teilweise unterirdischen Ton möchte ich dieses Blog auch nicht hergeben.

    Danke.

  12. @ T.Wiegold: +1
    Erlauben Sie mir in diesem Zusammenhang den (erneuten) Verweis auf den Zeit-Artikel vom 14.04. (bekanntermassen kein Link) „Eine Debatte zum Gruseln“.
    Mir zeigt der Verlauf der Debatte (auch hier) aus pol.-mil. Sicht die enorme Bedeutung von Info-Ops.

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