Eine NATO-Division an die Ostgrenze?

Folgt man der Vorabmeldung des aktuellen Spiegels, denkt die Bundesregierung darüber nach, möglicherweise für ein NATO-Manöver an der Ostgrenze des Bündnisses zu plädieren, bei dem in Stärke einer kompletten Division mit Unterstützung von Soldaten aus Georgien geübt wird. Aus der Meldung:

Die Bundesregierung will bis Mitte April weitere, auch militärische Unterstützung für die osteuropäischen Nato-Staaten anbieten. (…) Im Verteidigungsministerium wird derzeit im engsten Führungskreis eine entsprechende Vorschlagsliste erstellt. (…) Auch wird erwogen, ein für 2015 in Südeuropa geplantes Nato-Manöver vorzuziehen und nach Osten zu verlegen.

Das für 2015 geplante Manöver soll in Portugal stattfinden und war im Januar 2013 von den NATO-Mitgliedsstaten beschlossen worden. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte damals deutlich gemacht, dass es ein Manöver alter NATO-Größe werden solle:

The challenge we will face over the coming decade is to preserve and pass on those skills, as our biggest operation comes closer to completion.
We will answer that challenge with what we call the Connected Forces Initiative: expanding our education and training, and enhancing our exercises.
Today we took an important step forward in that initiative. We agreed on its goals, and asked our military experts to come up with concrete proposals on how to put them into practice.
Our vision is this: more ambitious exercises, with a broader range of scenarios, more often.
The initiative will include a comprehensive training plan out to 2020, to make sure that our exercises are coherent, comprehensive, and cover the full range of Alliance missions.
It will include, in 2015, a major live exercise – that is, one involving significant numbers of deployed forces, not just command and staff units.
At the same time, it is clear that we cannot afford to duplicate our efforts. We already have a highly-capable force which rotates yearly, and which brings troops from across the Alliance together. It is the NATO Response Force.
So today, we also agreed that the NATO Response Force will be at the core of our Connected Forces Initiative.

[Hervorhebung von mir, T.W.]

Deutlicher wurde der (inzwischen ausgeschiedene) stellvertretende NATO-Oberbefehlshaber, der britische General Sir Richard Shireff, im Januar dieses Jahres:

It is also important to note that with the enduring commitment to Afghanistan and other NATO operations, it has been some time since the NATO Response Force (NRF) was able to train with troops on the ground. This exercise is a signal that NATO will be doing more of such training in future. Indeed, the North Atlantic Council (NAC) has directed that the NRF live exercise in 2015 be at up to divisional strength or equivalent and you can expect to see a large troop deployment then.

[Hervorhebung von mir, T.W.]

Und die NATO Response Force soll durch georgische Soldaten verstärkt werden – auch das hatte die NATO bereits im vergangenen Jahr angekündigt, vor der damaligen NRF-Übung Steadfast Jazz:

Moreover, another partner, Georgia, has offered to join the Response Force in the future, and been accepted. I would therefore anticipate that Georgian troops would be made available for the force as of 2015.

Kampfjets aus dem Nicht-NATO-Land Schweden dürften ohnehin dabei sein.

Die NATO hatte zuletzt im November 2013 bei Steadfast Jazz in Litauen und damit direkt an der russischen Grenze geübt – allerdings mit gerade mal 6.000 Soldaten. Da ist das ursprünglich für 2015 in Portugal vorgesehene Manöver schon eine andere Größenordnung.

Diese Übung an die NATO-Ostgrenze zu verlegen, wäre in der Tat ein starkes Signal des Bündnisses. Dass sich aber gerade Berlin dafür stark machen soll – das wundert mich ein wenig.

(Foto: Lithuanian troops from Grand Duke Algirdas Mechanized Infantry Battalion marching in Exercise Steadfast Jazz closing ceremony parade on Friday 8 November, 2013 – Steadfast Jazz via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

 

 

 

62 Gedanken zu „Eine NATO-Division an die Ostgrenze?

  1. Wollen wir wirklich Krieg,
    mir wird Angst wenn ich hier einige Kommentare lese.
    Ich denke, dass die USA und wir zu einen großen Teil an der gegenwärtigen Lage Schuld sind.

  2. Und woran genau? Das Russland sich dem unbedingten „Schutz seiner Staatsbürger“ verschrieben hat, deshalb in souveränen Staaten ein- bzw. in diesen herummarschiert und nebenbei das halbe Baltikum / Osteuropa aufscheucht ?

    Ich hätte nicht gedacht, dass sich die deutsche Alleinschuldthese (ok, die USA war ja dabei) auch auf zukünftige Konflikte anweden lässt. Fritz Fischer wird begeistert sein!

  3. @Walter: Netter Schutzreflex, wenn die Wirklichkeit unbequem wird – dann beschuldigt man erstmal die eigenen Regierungen, damit man weiter in der Illusion leben kann, es gebe keine äußeren Feinde.
    Tatsache ist, daß die Zerschlagung und Okkupation der Ukraine EXAKT einem Drehbuch folgt, das die Russen seit etlichen Jahren bei SÄMTLICHEN Regionen der ehemaligen Sowjetunion anwenden. Tatsache ist, das sie dies nicht einmal geheimhalten. Putin weiß, das viele im Westen einfach nicht glauben wollen, was sie sehen. Tatsache ist auch Putins Blut-und-Boden-Rede, in der er seine Eroberungspläne sehr deutlich gemacht hat.

  4. @Walter
    … und derjenige, der eine funktionierende Feuerwehr haben möchte, ist ein Brandstifter….. ?

  5. soll Putler doch bitte endlich bis zum Dnepr durchmarschieren, einerseits um die Situation endgültig zu bereinigen und andererseits um uns mit dem „circus dilettantissimus“ zu beglücken den unsere politische klasse in der Folge aufführen würde.

    Man lasse nur die reaktionen auf putins vorgehen der letzten wochen revue passieren und frage sich:

    War das Abschreckung oder unfreiwillige Ermunterung?

  6. Das Appeasement 2.0 des Westens funktioniert doch hervorragend… „Heute die Krim, morgen Donezk, übermorgen…“

    Es ist langsam Zeit ein Zeichen zu setzen. Eine diplomatische Note, geschrieben auf Teer gezeichnet mit Blut. Parallel dazu eine substantielle und spürbare Reaktion der NATO/EU durch verstärkte Militärpräsenz im Osten (jenseits von Sanität und Logistik).

    In der Zwischenzeit machen wir (also die BRD) das mit den Fähnchen/Scheckbuch. Und wenn wir DAS wenigstens clever anstellen, kommt über die Bestellungen bei KMW / Rheinmetall auch wieder was davon zurück.

    Verschwörungstheorie: Der Union ist das Säbelrasseln im Osten gar nicht so unrecht um den auf Grund der schwachen „Binnennachfrage“ darbenden deutschen Rüstungssektor zu beleben…

    @Wacaffe
    Weder noch, für mich ist das Beihilfe.

  7. Diese Diskussion um unsere angeblich unfähige Regierung dreht sich im Kreis. Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt, um auf Zuruf unserer Verbündeten (Polen, Balten) auch das gesamte Spektrum der politischen und militärischen Möglichkeiten aufzuzeigen (nein, nicht außerhalb des NATO-Gebiets einzusetzen, wir befinden uns bei den Verbündeten immer noch auf eigenem Territorium). Das Bündnis muss glaubhaft bleiben. Und selbst wenn es militärisch anfangs klemmt und hapert, wenn man Verbündeten nicht glaubhaft beisteht, ist das Bündnis auf Sand gebaut. Und bei der Türkei hat es doch bislang gut funktioniert gegen diese „unglaublich gefährliche syrische Luft- und Raketenmacht“.

  8. Sinngemaesses Zitat des polnischen Aussenministers 2013:
    Ich fuerchte die Zurueckhaltung der Deutschen mehr als eine moegliche Hegemonie.

  9. Russland macht weiter jetzt will er weitere 40 % der Ukraine an sich reisen , extra aus Russland eingereist
    Und was tut Frau Merkel und ihre Freundin , Sie tun wie Russland keine Armee hätten

  10. Wenn man die Zeilen von „Walter“ und „Stefan“ liest fragt man sich von wo aus sie das schreiben und wovon sie leben.

    Fakt ist, Putin hat exakt einen Fliegenschiss Anspruch auf eine Einflusssphäre. Wenn er sie durch vertrauensvolles Handeln aufbaut dann sei sie ihm gegönnt, alles andere liegt in Händen der Staaten die er beeinflussen will.

    Es ist schon komisch, die russisch-seperatistischen Kreise hatten in der Krim nie über 15% bei Wahlen und auf einmal rücken 30.000 Russen ein, kurz darauf patrolieren 30.000 Schwarzuniformierte die Strassen, da kommt bei Abstimmungen eine 96% Mehrheit Pro-Russland heraus.

    Wer mag da noch Zweifel haben?

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