(Bislang) ein Zeichen der Hoffnung: Wahlen in Afghanistan

In Afghanistan haben am (heutigen) Samstagmorgen die Präsidentschaftswahlen begonnen, bei denen ein Nachfolger für Hamid Karzai (Video unten, bei der Stimmabgabe) gefunden werden soll. Und trotz der Gewalt, die den Wahlkampf zuvor begleitet hat, und einzelnen Auseinandersetzungen in den Provinzen scheint sich eines abzuzeichnen: Die Afghanen wollen einen demokratischen Übergang zu einem neuen Staatschef, das erste Mal, und sie lassen sich auch von Gewaltdrohungen Aufständischer nicht davon abhalten.

Die Ereignisse im Land lassen sich sehr schön im Liveticker der Kollegen vom Wall Street Journal verfolgen, oder beim afghanischen Sender TOLONews.

Nachtrag: Am Nachmittag gab es immer mehr Meldungen, dass in vielen Wahllokalen keine Stimmzettel mehr vorhanden seien – ob das auf eine unerwartet hohe Wahlbeteiligung oder aber auf Versuche der Wahlfälschung zurückzuführen ist, blieb vorerst unklar. Dieses (technische) Problem scheint die Legitimität der Wahlen mehr zu bedrohen als vereinzelte Gewaltakte gegen Wahllokale und Wähler.

(Foto oben: In einem Wahllokal in Kabul – Fardin Waezi/UNAMA)

Aus dem endlosen Twitter-Bilderstrom vom Hindukusch, in dem immer wieder Wählerinnen (!) und Wähler ihren zum Beweis der Stimmabgabe mit Tinte markierten Finger vorzeigen, blende ich hier unten einige Beispiele ein.

11 Gedanken zu „(Bislang) ein Zeichen der Hoffnung: Wahlen in Afghanistan

  1. Ich weiss zu wenig ueber Afghanistan.
    Sind denn die Bewerber/Kandidaten besser/ mehr integer als der derzeitige ‚Machthaber‘?
    Was sagen unsere Insider?

  2. da bei der allgemeinen euphorie ja einer den miesepeter spielen muss.

    was wir in afghanistan heute beobachten können ist ein paradebeispiel für den scholl-latourschen „stimmzettelfetischismus“ bei dem formal korrekte Wahlen in einem zutiefst undemokratischen system abgehalten werden (kandidatenselektion,geldflüsse,karzai einfluss usw. usw.)

    letzlich ist es also vollkommen egal wer bei den wahlen als sieger hervorgeht, da die staatssstrukturen derart dysfunktional sind, dass selbst bei gutem Willen (von dem man nicht ausgehen kann) halbwegs funktionierende institutionen nicht zu erwarten sind.

    Nur als Beispiel running mate des laut Medien „integren“ Ashraf Ghani ist der gute alte Dostum. Dessen einfluss bei einem etwaigen Sieg kann man ja schon geographisch recht gut vorhersagen.

    bei allem verständnis für „only positive news sell newspapers“ sollte man vielleicht den makro kontext nicht völlig aus dem bild verlieren.

    sonst folgt in naher zukunft wieder die große desillusionierung.
    „wie konnte DAS denn passieren“?

  3. @ t.wiegold
    http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan-korruption100.html

    so langsam scheint man sich auch hierzulande zu fragen wieviel „hilfs“ effekt unsere „hilfs“milliarden eigentlich gehabt haben. das die blockparteien wieder mauern war natürlich klar. da könnte man ja auf den gedanken kommen sich mal grundsätzlich mit den resultaten von entwicklungshilfe auseinanderzusetzen.

    hört sich nach einem interessanten recherche thema an.

    [Passt thematisch eher zu den Wahlen in Afghanistan, deshalb verschiebe ich das mal dorthin. T.W.]

  4. @wacaffe

    Tja, die Frage habe ich auch schon mehrfach gestellt, zum Beispiel hier – jetzt mal nicht ingesamt für alle deutschen Gelder incl. Entwicklungshilfe, sondern erst nur – was ja schon interessant genug wäre – für die militärischen Investitionen/Ausgaben im Auslandseinsatz.

    Eigentlich wäre das ja eine Aufgabe für den Bundesrechnungshof?

  5. das problem für den bundesrechnungshof dürfte der auslandsbezug sein.

    keine vor ort visitierungen, kein dokumentenzugang in afghanistan etc.

    grundsätzlich haben Sie natürlich recht. bevor man eine neue bürokratie etabliert könnte man ein Departement Ausland im Rechnungshof ansiedeln, das sich mit der Thematik befasst

    Aber; können Sie das Kompetenzgeschrei aus dem Entwicklungshilfeministerium schon hören?
    „wir evaluieren uns immer noch selbst“ ;)

  6. Ich denke, bei den Fragen der Wirksamkeit gilt ähnliches wie für Rüstungsgeschäfte:

    Das will doch niemand mehr so genau überprüft wissen in der Politik.

    Es sind politische Entscheidungen, die all zu oft den Weg für Gelder weisen… da geht es nicht immer um das Wohl der Menschen. Es steckt hier wie da eine ganze Industrie dahinter… dort die Rüstungsindustrie, hier die Entwicklungshilfe.

  7. Wollen wir hoffen, dass sie bei dieser Wahl nicht die Islamisten wieder zurückwählen.
    Das wäre bitter für das Auswärtige Amt und die Bundeswehr.

  8. > was wir in afghanistan heute beobachten können ist ein paradebeispiel für den
    > scholl-latourschen “stimmzettelfetischismus” bei dem formal korrekte Wahlen in
    > einem zutiefst undemokratischen system abgehalten werden
    > (kandidatenselektion,geldflüsse,karzai einfluss usw. usw.)

    Gerade das kaufen von Stimmen mittels einmaligen Geschenken klappt praktisch nicht. Klassisches Beispiel aus einem anderem Stan-Land: Da werden von jeder Wahl grosszügig Geschenke verteilt mit der Aufforderung doch eine bestimmte Person zu wählen. Diese Geschenke werden auch dankbar angenommen aber wenn die Wahl geheim ist wählt trotzdem jeder was er will. Ich schliesse langfristige Geldgeschenke über Subventionen und Steuererlasse von dieser These aus weil das eher unter Politik als Geschenk einzuordnen ist.

    Oder mal praktisch formuliert: Wenn bei der nächsten Landtagswahl ein Mann vor dem Wahllokal steht und 1000 Euro an jeden gibt mit der Bitte „wählen sie bitte Türkis-Ockergelb“, dann nimmt sicher jeder gerne die 1000 Euro und macht dann trotzdem sein Kreuzen am üblichem Platz. Warum sollte das in einem zutiefst korrupten Land wie Afghanistan anders laufen?

    Sehr viel realistischer ist die Bedrohung durch Medien-Monopole und ganz klassische Wahlfälschungen, d.h. Austausch der Urnen usw. Da passen dann Wahlgeschenke als ausreichende Erklärung für Ergebnisse ins Bild, nicht als solides Alibi.

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