Was kommt (nicht) zurück aus Afghanistan?

Die Frage, welches Material aus dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan zurück transportiert wird, was verkauft und was vernichtet wird, hat hier schon mal eine große Rolle gespielt. Die Bundeswehr selbst sieht da offensichtlich noch weiteren Erklärungsbedarf und erläutert den Umgang mit den verschiedenen Materialkategorien noch mal ausführlich:

Rückverlegung aus Afghanistan: „Manchmal ist der Rücktransport zu teuer“

(Da sich die Links zu Bundeswehr-Webseiten gerne mal ändern… stelle ich hier den ganzen Text zum Nachlesen ein, ich hoffe das Ministerium toleriert das.)

Rückverlegung aus Afghanistan: „Manchmal ist der Rücktransport zu teuer“

Masar-i Scharif, Afghanistan, 14.11.2013.

In der zurückliegenden Woche gab es eine Vielzahl von Anfragen zu der Verwertung von Ausrüstung und Material im Zuge der Rückverlegung aus Afghanistan. Die Hintergründe dieser Verwertungen wurden hier bereits beleuchtet. Nun sprachen wir mit dem sogenannten Director Redeployment, Oberst Volker Oppermann, über die getroffenen Maßnahmen. Er ist der Verantwortliche im Regionalkommando Nord für die Rückverlegung nach Deutschland.

Herr Oberst, welche Kategorien von Materialverwertung gibt es?

Wir unterscheiden drei Arten von Materialverwertung: Verkauf im Einsatzland, unentgeltliche Abgabe nach ministerieller Billigung und Vernichtung.

Wie sehen die Vorgaben zur Materialverwertung aus?

Auf der Grundlage einer generalisierten Aussonderungsliste wurde entschieden, ob ein Artikel im Einsatzland verwertet oder nach Deutschland zurückgeführt wird. Die Aussonderungsliste ist ein gemeinsames Produkt von mehreren Dienststellen in Deutschland. Ihr liegen unterschiedliche Kriterien wie technischer Entwicklungsstand, Wiederbeschaffungskosten, Transportkosten und gesetzliche Vorgaben zugrunde.

Welches Material ist vernichtet oder nach Hause transportiert worden?

Grundsätzlich werden alle Artikel nach Hause transportiert, die laut generalisierter Aussonderungsliste für die Rückführung nach Deutschland vorgesehen sind. Davon ausgenommen ist das Material, das so verschlissen ist, dass sich ein Rücktransport und eine anschließende Aufarbeitung nicht mehr lohnen.

Zurückgeführt haben wir beispielsweise alle Kettenfahrzeuge und einen Großteil der geschützten Fahrzeuge. Hier liegen wir momentan bei rund 400 Fahrzeugen, die auf dem Weg nach Deutschland oder bereits dort sind. Aber auch alle Waffen und die meisten Werkzeugsätze werden zurückgeführt.

Dagegen sind zum Beispiel die ungeschützten Fahrzeuge vom Typ Wolf im Einsatzland zerschnitten und im Anschluss als Schrott verkauft worden, da sie verschlissen waren und deshalb auch in Deutschland nicht mehr nutzbar wären.

Was ist mit den Feuerwehrfahrzeugen geschehen, die im Feldlager in Kundus im Einsatz waren?

Entgegen anders lautender Aussagen ist während unseres Kontingents kein Feuerwehrfahrzeug gesprengt worden. Im August ist in Kundus ein Feuerwehranhänger verkauft worden. Zusätzlich ist im September ein sogenanntes Rüstfahrzeug der Feuerwehr veräußert worden. Zwei weitere Feuerwehrfahrzeuge sind nach Masar-i Scharif ins Camp Marmal gebracht worden. Eines von diesen wird im Feldlager genutzt, das zweite Fahrzeug dient als Ersatzteillager.

Wie sah die Verfahrensweise für GPS-Geräte aus?

Ab März 2013 sind GPS-Geräte in Kundus zerstört worden, weil sie technisch veraltet waren oder sich der Rücktransport nicht mehr gelohnt hätte. Außerdem sind andere Geräte aus US-Produktion unbrauchbar gemacht worden, da sich die Bundeswehr aufgrund einer sogenannten Endverbleibsbestimmung verpflichtet hat, diese Geräte nach der Nutzung zu zerstören.

Wenn auch Digitaluhren und Digitalkameras vernichtet worden sind, welche Gründe gab es dafür?

Gebrauchte Digitaluhren sind ausgesondert worden, wenn sie defekt oder abgenutzt waren. Damit wären auch der Rücktransport und die Aufarbeitung unwirtschaftlich gewesen. Auch genutzte Digitalkameras sind ausgesondert und dann aus den bereits genannten Gründen vernichtet worden.

Sind auch Winterbekleidung, Schlafsäcke, Einsatzkampfhosen und Berghausrucksäcke vernichtet worden? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Die genannten Artikel sind ausgesondert und vernichtet worden, wenn sie abgenutzt oder beschädigt waren. Eine Aufarbeitung wäre aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll gewesen. Dienstliche Bekleidung kann generell nicht weitergegeben werden, um die Gefahr der Nutzung gegen ISAF-Kräfte auszuschließen. Zu keinem Zeitpunkt ist nach meinem Kenntnisstand verpackte Woolpowerwäsche in unserem Kontingent vernichtet worden.

Was ist mit den in Kundus genutzten Möbeln geschehen?

Der Großteil der in Kundus genutzten Möbel wurde an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Dieses Material ist durch die afghanischen Kräfte weiter nutzbar. Lediglich defekte Möbel wurden als Schrott verkauft.

Das Interview führte Oberstleutnant Markus Herholt, Presseoffizier des Regionalkommandos Nord der ISAF. Insgesamt ist die Rückverlegung des deutschen Einsatzkontingentes eine komplexe und logistisch anspruchsvolle Herausforderung. Dass das Ganze bisher so gut klappt, ist dem Engagement aller Mitarbeiter auf allen Ebenen der Bundeswehr zu verdanken.

5 Kommentare zu „Was kommt (nicht) zurück aus Afghanistan?“

  • BundeswehrBW   |   15. November 2013 - 0:57

    Wird denn an die afghanische Polizei bzw. an das dortige Militär gar nichts übergeben (außer den rückgebauten, für die Landessitte angepassten Immobilien?). Wenn ja, was? Wenn nein, warum nicht?

  • diba   |   15. November 2013 - 7:51

    Das Interview liest sich wie ein Vernehmungsprotokoll.

  • chickenhawk   |   15. November 2013 - 9:53

    diba | 15. November 2013 – 7:51
    Das Interview liest sich wie ein Vernehmungsprotokoll.

    … was ja im Prinzip ein Indiz für kritischen, investigativen Journalismus wäre ;-)

  • Tiberius   |   15. November 2013 - 9:54

    @ diba
    Als ich das Interview gelesen habel, habe ich mich auch gefragt, wer von beiden dabei im „Achtung“ stand, oder etwa beide….? aber was blieb dem Oberst auch anders übrig, als immer das selbe zu antworten…
    Die Pressearbeit ist schon was besonderes…schade, dass es so an Kompetenz in diesem Bereich mangelt.

  • Interessierter   |   15. November 2013 - 11:52

    Das interview liest sich wie ein vorher bis ins detail besprochene, auswendig gelernte, „ich äußere mich nur zu bereits bekannten Tatsachen“, Ministeriumssprech.

    Aber so unterschiedlich kann die Rezeption sein…