Kein Hubschrauber namens ‚Murphy‘: Bundeswehr ändert Rufzeichen am Hindukusch

Ende August hatte ich leicht amüsiert die Selbstironie der Hubschraubertruppe aufgegriffen: Der NH90, in Afghanistan als Rettungshubschrauber (Forward Air MedEvac) eingesetzt, fliegt dort mit dem Funk-Rufzeichen (Callsign) Murphy – darauf gestoßen war ich durch einen Bericht der Bundeswehr auf Youtube. Angesichts der Probleme, die der Helikopter in den vergangenen Jahren und auch am Hindukusch  hat, in der Tat ein bemerkenswerter ironischer Zungenschlag; außerdem, so habe ich gelernt, ein schon länger in der Heimat für die NH90 verwendetes Rufzeichen.

Damit ist jetzt Schluss. Das Einsatzgeschwader in Masar-i-Scharif hat entschieden, dass das Callsign geändert werden soll. In einem internationalen Umfeld könne der Name Murphy aufgrund der allgemeinen Assoziationen nicht weiter akzeptiert werden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr auf Anfrage von Augen geradeaus!. Was mit allgemeinen Assoziationen gemeint ist, ist recht klar – natürlich denkt jeder da gleich an Murphy’s Law.

Wie das künftige Callsign lautet, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. Klar ist mir auch noch nicht, warum das für ein Luftfahrzeug ja schon schräge Rufzeichen zuvor in Deutschland offensichtlich akzeptiert war, jetzt aber in einem internationalen Einsatz nicht. Denn auch die US-Rettungshubschrauber haben, seit dem Vietnamkrieg, ein zumindest zweideutiges Callsign: Dustoff. Und diesen Abstauber-Namen über die Jahrzehnte und viele internationale Missionen durchgehalten.

Nachtrag: Das hatte ich ja ganz vergessen – die CH-53-Hubschrauber im Afghanistaneinsatz hatten sich auch ein Rufzeichen zugelegt, das, nun ja, eine bestimmte Aussage hat. Wer erinnert sich an die Ringreiter im Herr der Ringe? Das Callsign Nazgul stand (und steht?) aber ganz offiziell selbst auf den Flugplänen…

Noch ein Nachtrag: Die Abflugtafel in MeS, August 2008 – mit dem offiziellen (?) Rufzeichen Nazgul...

Nazgul_Flight_MeSA

(Foto oben: NH90 in Deutschland – Bundeswehr/Kazda via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz; Foto unten T.W.)

37 Gedanken zu „Kein Hubschrauber namens ‚Murphy‘: Bundeswehr ändert Rufzeichen am Hindukusch

  1. Das hat vermutlich für etliche Leute im EFK und in Berlin 2 Nächte Arbeit gekostet und incl. Sprechzettel einen Umfang von 30 A4-Seiten mit 15 Unterschriften/Häkchen A16 aufwärts.

  2. Man sollt die Vögel „Florence“ oder „Henry“ nennen, da bleiben nicht mehr viel Assoziationen übrig und eine Hommage wäre es auch noch.
    Florian und Thomas sind ja schon belegt.

  3. Sich mit der gleichen causa gleich zwei mal lächerlich zu machen schafft wohl nur die BW.

    Zuerst durch chronische Defekte beim Wehrgerät und dann durch mangelnden Souveränität zur Selbstironie.

    Vielleicht sollte man die PR einfach an die skandinavischen Kameraden outsourcen. Die hier demonstrierte bodenlose inkompetenz ist einfach nur noch peinlich

  4. @wacaffe: Ich arbeite gerade an der Kommentierung diverser Anfragen und Antworten zum Thema HC der Bw. Entsprechend kommt neben einem dicken Hals auch Galgenhumour auf.

    Da fällt mir doch glatt noch das Callsign „Änglar“ ein (frei nach IKEA und in Anlehnung an den Beemelman’schen SEA ANGEL, als dann SEA LION benannt ):

    Det saknas bara små änglar som flyger förbi och klipper med vingarna för att bilden skall vara komplett.
    (= The only thing missing was little angels floating by chirping and it would be perfect.)

  5. Das erinnert mich irgendwie an das mittlerweile nicht mehr ganz so neue Divisionsabzeichen der 1. PzDiv: „Die 1ste“. Der erste Amerikaner der das sah erkannte das sofort auf „Die first“.

    Nach diesem anstrengenden Text muß ich jetzt erst mal die „Nicht-mehr-als 15%-Alkohol-Regel“ in Anspruch nehmen :)

  6. Von „DustOff“ sollte sich die Bundeswehr weit frei halten.
    Dem geneigten Leser seien die Bücher „Chickenhawk“ und „Dead Man Flying“ zur Lektüre empfohlen.
    Besonders das letztgenannte, geschrieben von einem, der bei der Schöpfung nicht nur des Namens sondern der gesamten militärischen Luftrettung der US Army (damals geführt vom Medical Corps) maßgeblichen Anteil hatte.

    DustOff ist etwas völlig anders, als das was die Bundeswehr vorgibt tun zu wollen wenn es um MedEvac geht.
    Selbst innerhalb der US Army gibt es Unterschiede, so tragen nur bestimmte Einheiten das Call Sign „DustOff“, die anderen fliegen unter „MedEvac“.

  7. Zum Thema Nazgul aus den Tiefen des www:

    „Am empfindlichsten waren sie [Nazgul] gegen Willensstörungen, die von Sauron selbst ausgingen und sich auf sie übertrugen, denn sie wurden von ihm gelenkt, und ohne ihn waren sie nichts. Als Ar-Pharazôns Heer Sauron einschüchterte, versagte auch ihnen der Mut; und als ihr Gebieter nach dem Krieg des Letzten Bündnisses für tausend Jahre untertauchen musste, ließen auch sie sich nicht mehr blicken.“

    Wenn die CH-53 die Nazgul sind, wer ist dann Sauron?….das BMVg? ;o)

    Seit ihrer Stationierung 2007 in MeS ist m.W. das Rufzeichen Nazgul. Ob das vorher schon so war und wenn ja, wie lange, weiß bestimmt das Forum.

    Übrigens: Es ist einfacher eine Audienz beim Papst zu bekommen, als ein Nazgul-Patch.

  8. Eine Audienz beim Papst ist auch ungefährlicher :-)
    Die Bedeutungsschwere von Call Signs wird gern überschätzt. So wie auch die TSK Aufschrift auf Waffensystemen :-)
    Vielleicht sollte die Geschwaderführung über Call Signs wie :“Thomas“ oder „Angela“ nachdenken. Die sind völlig unverfänglich. Ich halte aber einen Workshop dazu für unumgänglich.

  9. @CR-Moderator

    Ab wie vielen (Mit)Flügen gibt’s denn ein Patch? ;-)

    (Ich hab‘ leider nicht gezählt, wie viele es waren; aber nach meiner Erinnerung hießen die schon lange vor 2007 so.)

  10. @Schleppi: Sie sind ein Genie! Hätte der Presse- und Info-Stab des BMVg einen Wettbewerb für neue Rufnamen ausgeschrieben, Sie könnten sich des ersten Preises samt einer Zusatzprämie sicher sein!. „Angela“ in Anlegung an schwergewichtiger Engel (ich meine das politisch) und „Thomas“ (im Sinne von „der Zweifler“ bzw. des NH90-Navigationssystems). Man könnte natürlich diese Callsigns auf den reinen FAM-HC beschränken und den Escort- bzw. Gun-HC „Gabriel“ oder „Stone-Miller“ bzw. „Stone-Breaker“ benennen?

    Fast O.T.: Was mich ziemlich ärgert, ist, daß bei der ganzen Koalitionsdiskutiererei die Themen Sicherheit und Verteidigung offenbar absolut keine Rolle mehr spielen, obwohl man noch vor kurzem den Rücktritt von TdM samt StS AIN SB gefordert hat!?
    Sind denn gewisse Herren der Opposition nur noch „ministergeil“ oder auch noch Realpolitiker?

  11. Ohne mich mit der Thematik intensiv beschäftigt zu haben könnte das Callsign „Murphy“ auch auf den Namen des Piloten des Fliegenden Auges (Film mit Roger Scheider aus 1983) zurückgehen.

  12. @vtg.amtmann: der verteidigungsetat wird schon eine rolle spielen: als spielmasse, um die ach so wichtigen sozialen wohltaten zahlen zu können.

  13. „Nazgul“ wurde geboren, als die CH-53 in Nord-Afghanistan eingeführt wurde. Lange vor EG MeS, noch zu Zeiten der „HFlgStff ISAF PRT Kunduz“. Fast schon ein Fall für Militärhistoriker. Nur wenige im Dienst ergraute Kameraden werden sich daran noch erinnern können, und vermutlich werden noch weniger immer noch dabei sein.

    Ein Callsign das man sich gibt, soll etwas ausdrücken oder ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. Letzteres hat bei „Nazgul“ hervorragend funktioniert, und scheint ja immer noch anzuhalten. Man muß schon dazugehören, um das Badge tragen zu dürfen.

    Viele Grüße an ALLE Drehflügler in MeS.

  14. @T.W. (Zitat) „@ulle455: Da könnte man sich ja auch was zu denken (http://de.wikipedia.org/wiki/Ikarus)“, passt auch bestens.

    TdM und StS AIN SB kamen nie aus der Sonne, sondern fielen aus der Sonne! Die Beiden sind eben wachsweich und deren Halbwertszeit ist zumindest innerhalb der Bw längst abgelaufen! Was will die Bw mit einem IBUK samt dessen willfährigem Vasallen, die beide als Authokraten m.M.n. nur noch über Amtsauthorität verfügen. Deren Sach-, Fach- und Persönlichkeits-Authorität – wie von diesen selber stetig bewiesen -, ist längst jenseits der „Null“ und ufert immer weiter ins Negative aus. Egal, wie die Koalitionsverhandlungen ausgehen und egal wo der Einzelne parteipolitisch steht, will man dem „fraktionsüber- greifenden, weil charakterlichem Problem TdM & SB“ allen Ernstes für die nächsten vier Jahre weiteren Vorschub leisten???

  15. Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken, mein Vorschlag wäre der eines alten Kameraden:
    Callsign „EMU“.
    Ist auch ein Vogel und kann nicht fliegen!

  16. Als wenn sich jemand was bei den Callsigns denken würde.
    Die regelmäßig gewechselte Sprechtafel des RC N enthielt auch Arielle, Sebastian, Poseidon und Mermaid…
    Da saß im Stab wohl eher ein Disney-Fan oder ein kleines Mädchen.

  17. Ja ja, die liebe Politik und ihre Lakaien. Nun wenn man sich schon über solche belanglosen Sachen Gedanken macht, sollte man sich vielleicht auch mal überlegen was ein Bundeswehrangehöriger an seinem dienstapparat wählt wenn er die Vermittlung möchte.
    Hihihihi, aber vielleicht ist es noch KEINEM aufgefallen?
    Oder vielleicht ist es zu banal? Oder, oder, oder?
    Nun so belassen wir es doch, dass das MedEvac callsign demnächst „Thomas 58“ heißt.

  18. Psalm – Kapitel 88. Gebet in großer Verlassenheit und Todesnähe.

    Telekommunikationsgesetz § 88 Fernmeldegeheimnis

  19. Lächlerlich, absolut lächerlich!

    Das stand schon zur Diskussion als ich noch dort unten war. Da sieht man mal wieder das wir keine anderen Probleme in ISAF und Deutschland haben. Das Callsign wird auch immer noch in Deutschland geflogen und hat mittlerweile Tradition. Wie man mit Tradition in der Bundeswehr und in Deutschland umgeht wissen und kennen die meisten seit der VerUnstrukturierung und dem Verblödungstransfer Hubschrauber. Ich könnte echt k…….! It’s a shame würde der Amerikaner sagen, und so schlecht hat sich Murphy in ISAF bisher nicht verkauft. Wenndas so weiter geht, dann gute Nacht! Aber was soll auch werden wenn schon über so einen Schwachsinn diskutiert wird. Armes Armes Deutschland! Dann werden ja die aktuellen Patche richtig was wert…..wenigstens etwas……..

  20. @NH90Isaf:
    Gibt es denn mittlerweile verlässliche Aussagen zu den angeblichen Funkproblemen?
    Die Presseberichten suggerierten ja – neben der Nav.-Anlage – erhebliche Reichweitenprobleme beim Funk.

    Ist das so oder alles ne Zuspitzung durch die Presse?

  21. @ memoria! Ich werde mich hier dazu und zu anderen Problemen,erstens auf Grund der Verschwiegenheit und auch in Bezug auf die Loyalität meines Dienstherrens und Landes absolut nicht äußern. Aus diesem Grund habe ich auch in dem anderen Threat nicht geantwortet. Ich gebe gern ein Zitat meines „alten“ Kommodore wieder…. Seelig seien die Dummen….. Ein Klassiker! Oder?

  22. @NH90Isaf | 28. September 2013 – 23:56

    Verbesserung: Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr. (Psalm 51.19)

    ansonsten: D’accord, scheint es in allen Einsatzgebieten zu geben… :)

    Sorry, wenn es besoffen klingt, aber wir haben uns gerade mal weggeknallt und ich sitze zu später Stunde bei einem illegalem Whisky in meinem Container….

  23. Callsigns im Flugplan sind ja immer auf maximal 7 Stellen ( Buchstaben oder Zahlen oder Beides) begrenzt.
    Schade – sonst würde ich -BULLSHIT- vorschlagen. Das wäre neutral und könnte auch Muster übergreifend angewendet werden.

  24. Wenn die Bw mit dem traditionellen „Murphy“ beim NH90 nicht weiterleben kann und selber „Klamauk-Kampagnen“ um dieses Callsign provoziert, ist es allein deren Problem. Und als Ursache sehe ich die laufenden Mitteilungen, Stellungnahmen und Gegendarstellungen der Mediendienste des BMVg, allen voran des PrInfoStab BMVg.

    Deren Elaborate sind von derartigen fachlichen Inkompetenzen, bewußten Verdrängungen, Beschönigungen und stetem Ausweichen, bis hin zum ärmlichen Verstecken hinter angeblichen VS, die gar keine sind bzw. solche auf dauer nicht sein können, gekennzeichnet, daß beharrliches weiteres Nachfassen von absolut ernst zunehmenden Medien und auch politischen Mandatsträgern geradezu induziert werden. Eine FAZ / FAS oder ein SPIEGEL oder eine WELT lassen sich nicht auf Dauer von einer journalistischen Laienspielertruppe falsche Berichterstattung vorwerfen oder lassen sich gar medial vorführen!

    Derart begeben sich die Mediendienste des BMVg genau in eine Eskalationsspirale und verstricken sich nur noch solange weiter, bis dann die damit noch peinlicheren Wahrheiten aufschwimmen. Das hatten wir schon beim EORO HAWK, beim SEA ANGEL bwz. SEA LION samt Marinehubschrauberausschreibung, bei den beiden NH90-Zwischenfällen (Fahrwerks- und Hitzeschaden) und beim NH90-Navigationssystem-Ausfall. Hier sitzen die Medien- und Presseprofis schlichtweg auf der längeren Seite des Hebels.

    Erreicht hat das BMVg damit nur Eines, es wird immer sorgfältiger und noch fundierter recherchiert und es ist wie bislang in nahezu allen Fällen gegeben, daß über kurz oder lang beim NH90 FAM auch davon auszugehen sein wird, daß tatsächlich

    • Ein Nav-Sysstemausfall während eines „scharfen“ TacAirMedevac Einsatzes u.a. gegeben war,
    • Mängel in der Soft- und Hardwareausstattung der EUA-Kabinen TechLog festgestellt wurden,
    • Die Führungsfähigkeit durch mangelhafte Funkanbindung der NH90 FAM zur EUA teils in Bereichen von weniger als 40 NM im Umkreis von MES eingeschränkt ist,
    • Die Akreditierung NH90 FAM und EUA für kryptierten Funkverkehr noch nicht komplett gegeben ist, was auf die operationelle Nutzbarkeit und auf das Zusammenwirken des NH90FAM mit dem UHT von Einfluß ist.
    • Die Funkanbindung der medizinischen Besatzung des NH90 FAM erheblich eingeschränkt ist und die „drahtlose Kommunikationsausstattung“ noch über keine Musterzulassung verfügt.
    • usw., usw.

    Ergo könnte eine objektivere , weniger „rumpelstilzchenhafte“ und vor Allem von mehr Diplomatie und Expertise durchdrungene Medienarbeit des BMVg, sehr viel „zerschlagenes Porzellan“ vermeiden! Anderenfalles ist das BMVg auf dem besten Wege beim Medienverkehr im wahrsten Sinne des Wortes sein „blaues Wunder“ zu erfahren und durch dieses Nadelöhr gepresst werden. Und da dürfte beim NH90 samt Marinehubschrauber längst noch nicht das letzte Wort gesprochen worden sein!?

  25. Don’t come between the Nazgul and his prey? *totlach

    Warum dann nicht Orc als neues Kennzeichen? Mordor? Sauron?

    Oder vielleicht was aus anderen Fandoms? Home One? Executor? Liberty? Endor? Yavin? MedStar? Yoda? Khan? Defiant? Stargate Command? Atlantis? Serenity? Infinity? Spartan? Tschuldigung, ich hab nur die ersten Assoziationen runtergerasselt, die mir in den Kopf gekommen sind. Ich hoffe einfach, dass es irgendwelche Geeks im BMVg gibt, die genug Fandom-Erfahrungen haben, um sich was auszusuchen, was niemand außer ihnen checkt oder so…

  26. In Insiderkreisen und damit auch bei einzelnen Mitgliedern des Verteidigungsauschusses, des Haushaltsauschusses und des Rechnungsprüfungsausschusses sollen mittlerweile gesicherte Erkenntnisse darüber vorliegen, daß der StS AIN S.B. auf offizielle Nachfrage schriftlich eingestehen mußte, daß speziell zum Marinehubschrauber derzeit und im Rahmen der Anlage zum MoU, Verhandlungen zwischen Industrie, Beschaffern und Bedarfsträger geführt werden. Bei dieser Anlage soll es sich um die Ausrüstungsliste des im MoU als SEA ANGEL benannten bzw. geplanten SEA KING-Nachfolger handeln.

    Im Klartext, was nicht in dieser Anlage bzw. Streichliste aufgeführt bzw. Bestandteil bisheriger NH90-Verträge ist, jedoch funktional und zulassungsrechtlich erforderlich sein wird, kostet schlichtweg extra. Bei ca. 2,75% Kostensteigerung sind 25 Mio. € erreicht und eine neue BMF-Vorlage ist damit erforderlich. Diese erfordert wiederum ein neues MoU, welches erst einmal von den entsprechenden Ausschüssen des Bundestages mitgetragen sein will. Damit wäre das bisherige MoU – auch zur Stückzahlreduzierung der UH-tiger und der NH90 TTH in Gänze geplatzt, egal ob nun ein neues MoU Billigung des neuen Bundestages finden wird, oder auch nicht!

    Böse Zungen behaupten sogar, daß diese offenbar vom MoU-Verhandlungsführer, dem StS AIN S.B. samt dessen Beraterstab erarbeitete „Streichliste“ derart dilettantisch sei, daß diese auch vom PrInfo-Stab des BMVg stammen könnte. Das mag wohl auch daran gelegen haben, daß TdM laut eigenen Angaben bie den MoU-Verhandlungen „daneben gesessen haben will“. Ergo scheint der informell vom BMVg geschaffene Name SEA LION in seiner Assoziation der „Tollkühnheit und Unvollendung“ ebenso binnen kürzester Zeit seine Berechtigung gefunden zu haben, wie die bislang noch gegebene vertragsmäßige Bezeichnung SEA ANGEL (= Ruderschnecke, bzw. Nacktschnecke).

    Das Ganze erscheint mir nur noch lächerlich und als Vergackeierung der Truppe sowie des Volkssouveräns und genau dieser StS AIN samt dessen Minister wollen allen Ernstes ihre „Erfolgsserie“ fortsetzen!

    „Rivet“ wäre doch auch ein in gegebener Vieldeutigkeit sehr opportunes Callsign?

  27. @Marlene:
    Da scheint cosmo nicht der einzige mit einem Whisky-Glas zu sein… ;-)

    Ich finde, wir brauchen eigentlich noch einen neuen Thread zur Kleinen Anfrage der Grünen zu den Hubschraubergeschäften und der Antwort der BReg.

    Eine schöne Passage aus der Antwort lautet:
    „Das BMVg wird die endverhandelten Vertragsentwürfe dem Parlament zur Kenntnis bringen.“
    Das hört sich nicht nach einer zustimmungspflichtigen Sache an. Nach der Wahl kann man sowas offensichtlich ungestraft schreiben.

    Der ganze Text: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/147/1714783.pdf

  28. @K.B.: “’Das BMVg wird die endverhandelten Vertragsentwürfe dem Parlament zur Kenntnis bringen.’ Das hört sich nicht nach einer zustimmungspflichtigen Sache an.“

    Im MoU zwischen dem BMVg und Eurocopter zum Marinehubschrauber soll u.a. festgeschrieben worden sein:

    • „Under Water Locator Beacon“ (ULB) nicht vorhanden, nicht zur Beschaffung (innerhalb der ausgewiesenen 915 Mio. €) ausgewiesen.

    • „Automatic Identification System“ (AIS = Automatisches Identifikationssystem, vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Automatic_Identification_System) ist damit u.a. nicht vorhanden bzw. nicht zur Beschaffung (innerhalb der 915 Mio. €) ausgewiesen.

    • Beide Systeme sollen mit mit den Einsatz- und Missionsprofilen ASuW-1 & ASuW-2 sowie mit ASW, welche mit dem SEA ANGEL bzw. SEA LION nicht abgebildet werden sollen, zunächst vom BMVg in Verbindung gebracht worden sein.

    • Neben weiteren umfangreichen und zulassungsrechtlich unabdingbaren EQMT-Positionen werden auch ULB und AIS derzeit für teueres Geld nachverhandelt.

    Sorry, so ein StS AIN samt seiner maßgeblichen Berater gehören eigentlich sofort abgelöst und als „Kammerbullen“, d.h. „Mützen- und Socken-Willis“ in die Bekleidungskammern der Heilsarmee versetzt!

    Zudem hätte ein solider Geschäftspartner (HS-Hersteller) bereits in den ursprünglichen MoU-Verhandlungen klar dem BMVg sagen müssen, daß es ohne ULB und AIS sowie ohne viele weitere Ausrüstungsbestandteile, welche keineswegs „Peanuts“ sind, eben nicht geht. Da dies offenbar nicht der Fall war, ist dies m.M.n. schlichtweg ein „über den Tisch ziehendes und höchst treuwidriges Verhalten“ von EC gegenüber dem BMVg!

    Andererseits kann man vielleicht über diese „Dilettanten und deren Lumpereien“ froh sein, denn auch diese sind nur ein weiterer Schritt zu einer neuen zustimmungspflichtigen 25 Mio. BMF-Vorlage an den VA und den HA und damit damit zu einem möglichen „Platzen“ des geamten Hubschrauber-MoU.

  29. Ein langjähriger Fliegerkamerad berichtete, dass nach der Auswertung von FALCOR 2012 , der „Murphy“ hinsichtlcih seiner Einsatztauglichkeit und -Reife im Februar 2013 wie folgt von GenHFlg beurteilt worden sein soll:

    – FwdAirMedEvac-Version = “ bedingt geeignet“,
    – Escort- / Begleitschutz-Version = „nicht geeignet“.

    Laut recherchierten Merkblatt für die Einsatzprüfung bedeuten:

    – „bedingt geeignet“: Es existieren wesentliche Mängel, welche die
    Einsatzreife beeinträchtigen, diese Mängel müssen abgestellt werden, das Risiko zur
    Mängelabstellung ist beherrschbar, das Produkt kann mit [qualitativen, quantitativen und zeitlichen] Bedingungen / Auflagen eingeführt werden. Die Genehmigung zur Nutzung kann (evt.) mit Auflagen / Einschränkungen / Bedingungen) erteilt werden, Nachuntersuchungen sind jedoch erforderlich.

    – „nichtgeeignet“: Es existieren wesentliche Mängel, welche die Einsatzreife
    beeinträchtigen; die Risiken zur Mängelabstellung sind nicht überschaubar / beherrschbar; die Genehmigung zur Nutzung kann _n_i_c_h_t_ erteilt werden; Nachuntersuchungen sind erforderlich!

    Ferner konstatierte der Kamerad, dass die Masse der bei FALCOR 2012 festgestellten Mängel 1:1 auf einen Marinehubschrauber der NH90-Serie übertragbar sei, bzw. sich im Offshore und Schiffsbetrieb noch relevanter darstelle.

    Nachdem zwischen der FALCOR-Auswertung von Ende Feb. 2013 zu den in AFG eingesetzten NH90TTH sich aber entwicklungstechnisch, leistungsmässig und hinsichtlich Störanfälligkeiten sowie massiven technischen Mängeln absolut nichts getan hat, stellt sich die Frage, weshalb , durch wen, warum, zu welchem Gunsten und wie diese Vögel – offenbar nur auf dem Papier – laut PrInfoStab BMVg – für FAM auf FOC bzw. auf einsatzklar geschrieben wurden?

    Oder anders gefragt, in wie weit sind unserer Soldat(inn)en samt Patientengut auf dem NH90TTH (FAM) massiv gefährdet und wer hat dies zu verantworten?

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