Für die Spezialisten: Joint Targeting

MQ-9 Reaper UAV

Für die Spezialisten, die was mit dem Begriff Joint Publication 3-60: Joint Targeting anfangen können: Der US Council on Foreign Relations hat dieses Dokument, Version vom Januar 2013, über einen Freedom of Information Act (FOIA)-Antrag erhalten und veröffentlicht. Hier das Dokument zum Herunterladen, hier die Geschichte dazu.

(Ich werde jetzt nicht mitten in der Nacht eine Bewertung oder auch nur eine Erklärung versuchen – die CFR-Kollegen setzen das Thema in Bezug zu Targeted Killing und Einsätzen von Kampfdrohnen.)

(Foto: MQ-9 Reaper UAV – U.S. Air Force Photo / Lt. Col. Leslie Pratt via Wikimedia Commons)

39 Kommentare zu „Für die Spezialisten: Joint Targeting“

  • Someone   |   06. August 2013 - 3:12

    Keine wirkliche Überraschung und auch kaum etwas Anderes, als sich aus Befehlen, Aufträgen, Zielansprachen usw. ergeben.
    Wer aus dem Militär kommt bzw. sich damit eingehend beschäftigt, dürfte kaum verwundert sein.
    Und da ja vor allem der „Drohnenkrieg der CIA“ immer in der Schlagzeile und als Vergleich für deutsche UAV herhalten muss, bringt das Dokument einen hier auch nicht weiter, da es die CIA nicht betrifft.

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 10:04

    „(1) Facility: a geographically located, defined physical structure, group of structures, or area that provides a function that contributes to a target system’s capability.
    (2) Individual(s): a person or persons who provide a function that contributes to a target system’s capability.
    (3) Virtual: an entity in cyberspace that provides a function that contributes to a target system’s capability.
    (4) Equipment: a device that provides a function that contributes to a target system’s capability.“
    …und dann bitte noch Appendix D (assessment) lesen und dann wird klar, dass letztendlich durch dieses Dokument so ziemlich alles und jeder als target definiert und mit allen national verfügbaren Mitteln (von STUXNET bis Reaper) bekämpft werden kann.
    Da dies ein US staatliches Dokument ist, ist es als Legitimierungs-Norm zu verstehen und mangels völkerrechtlich bindender Regeln für den Einsatz von Drohnen oder den Einsatz von Cyberwaffen ist es geradezu „chinesisch“ (Reich der Mitte zwischen Himmel und Erde): Zero accountability.
    Dumm nur, dass es anderen Staaten als Legitimierungsbasis dienen kann sich gegen diese Strategie zu wehren, zu verteidigen……

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 10:09

    …..oder sie zu kopieren……

  • Voodoo   |   06. August 2013 - 10:47

    Something is rotten in the state of Lincoln…

  • KeLaBe   |   06. August 2013 - 11:02

    @ klabautermann

    … was wieder einmal beweist: Es ist dumm, mit der Dummheit anderer zu rechnen. Auch wenn es (kurzfristig) noch so sehr verlockt. Wann kapieren die Amerikaner eigentlich endlich mal, wie militär- und rüstungstechnisch verengt (und damit sicherheitspolitisch riskant) ihr Denkansatz ist?

  • JR   |   06. August 2013 - 11:09

    @ T. Wiegold
    Gut, dass Sie sich dafuer nicht die Nacht um die Ohren geschlagen haben.

    Ich unterstreiche someone’s Auffassung:
    Das ist eines von vielen Doktrindokumenten, mit denen insbesondere im angelsaechsischen Bereich versucht wird, aktuelle Handlungsempfehlungen zu einem bestimmten Bereich zusammen zu fassen, um dem damit Befassten eine Idee vom „how to do it best“ zu geben.

    Traditionell sind wir in DEU mehr auf Vorschriften (erlaubt versus verboten) ausgerichtet, wollen jetzt unsere (Einsatz-) Erfahrungen aber auch schneller und handhabbarer an den Mann / die Frau bringen.

    Ich kann keinen Grund zur Aufregung erkennen. Vergleichbare „Verfahrensregelungen“ gibt es in der Bw natuerlich auch (schon lange).

  • Keveros   |   06. August 2013 - 11:11

    @Klabautermann:

    Ich sehe da eher ein grundlegendes Verständnisproblem in Bezug auf dieses Dokument.

    Die 3-60 erklärt niemandem zum Ziel… sie evrmittelt eine Systematik für Ziele, ihre Auswahl, Priorisierung und den Prozess drumherum.

    Die Beschränkungen der Zielauswahl ergeben sich aus den jeweiligen Einsatzregeln, die Entscheidungsbefugnisse anhand der Regeln und des zu erwartenden Kollateralschadens… da kann die Befugnis für einen entsprechenden Angriff auch mal schnell beim Präsidenten liegen. Insofern liegt hier nur eine Systematik vor, ein legitimierendes Dokument.

    Wenn man denn mal nicht nur die für einen #aufschrei wirksamen Textstellen Kontextfrei zitiert wird man darin lesen
    „Understanding the military end state and the
    commander’s intent, centers of gravity, objectives,
    desired effects, and required tasks developed during
    operational planning provides the initial impetus for
    the targeting process.“

    Der ‚Intend‘ des Auftrages ergibt sich aber ganz klar aus dem Ziel mit dem der Joint Forces Commander durch seine Regierung eingesetzt wird – die richtigen Dokumente die Grenzen der Zieldefinitionen einzugrenzen sind ergo die entsprechenden sicherheitspolitischen Doktrinen und keine JPs.

    Die Diskussion hier hat in meinem Augen gerade etwas surreales…

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 11:13

    @KeLaBe

    Nun ja, diese Debatte fängt in den USA so langsam an : „Detroit dead, but Al Quaida alive ?“ Das Beharrungsvermögen der US total war maschine ist natürlich irre groß, denn sie läuft seit ca 1943 erfolgreich aus US nationaler Sicht. Letztendlich wird die volkswirtschaftliche Entwicklung zu einer Strategiebereinigung führen oder nicht…..my 5 cents ;-)

  • Keveros   |   06. August 2013 - 11:18

    ich sehe grade da ist ein entscheidendes ‚k‘ entfleucht… richtig sollte es oben heissen ‚_k_ein legitimierendes Dokument‘ ;)

  • KeLaBe   |   06. August 2013 - 11:22

    @ Kerveros

    Das Dokument sollte man in der Tat für sich allein genommen nicht überbewerten. Da stimme ich Ihnen zu. Es reiht sich aber nun mal als Mosaikstein in einen strategischen Denkansatz ein, der eine (derzeitige) technologische Überlegenheit extensiv auszuschöpfen versucht, ohne die längerfristigen außen- und globalpolitischen Folgen zu berücksichtigen. Und das geht auf Dauer eher nicht gut. In diesem Kontext muss man es auch betrachten.

  • f28   |   06. August 2013 - 11:22

    @KeLaBe
    „Wann kapieren die Amerikaner eigentlich endlich mal, wie militär- und rüstungstechnisch verengt (und damit sicherheitspolitisch riskant) ihr Denkansatz ist?“

    Und wann kapieren sie, wie unfaßbar viel Vertrauen sie in den letzten Jahren auch (und grade) bei Leuten verspielt haben, die eigentlich eher konservativ (und damit pro-atlantisch) orientiert sind (bzw. waren…)?

  • Keveros   |   06. August 2013 - 11:27

    @KeLaBe:

    immer noch falsche Baustelle.

    Dieses Dokument ist ein Handbuch für einen militärischen Plaungsprozess und auch nicht wirklich neu… im Prinzip nur eine ZDv.

    Deutschland hat auch konkrete Vorstellungen davon wie Panzerschlachten zu führen sind und wie wir dieses im Verteidigungsfalle täten… und trotzdem ein klarer Fall von ’so what?‘

    So wie der JOPP äquivalent in Deutschland gebraucht wird wird das prinzipiell im Bereich Targeting nicht anders sein. Aus einer (wir haben mal für jeden Fall vorgedacht) Systematik des Militärs dann konkrete Rückschlüsse auf die politischen Richtlinien zu ziehen ist aber immer gefährlich.

    Wenn im Handbuch eines schwimmfähigen Panzers auch Prozeduren zur Überquerung des Kanals zur angelsächsischen Insel stünden hiesse das auch noch nicht, dass wir mal wieder eine Invasion planen…

    Ich kann mich nur wiederholen – hier wird grade das Pferd vom falschen Ende her aufgezäumt…

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 11:34

    @KeLaBe

    wieder mal völlig d’accord.

    @Kerveros

    aktuell bastelt das white house die nationale chain of command in Sachen national joint targeting capabilities um, wenn man mal genau hinschaut ;-) Der Bengazi Zwischenfall hat den Präsidenten ganz schön innenpolitisch in Schwierigkeiten gebracht, vermutlich weil DoD, CIA und NSA fröhlich ihr eigenes targeting gemacht haben und dann hats geknallt in Bengazi….und an anderen Stelln, die nicht in die Medien kamen.

  • Schorsch   |   06. August 2013 - 11:35

    Auch laut AJP 3.9 könnten Personen als „Ziel“ definiert werden und unterschiedliche Personengruppen können in der Zieldatenbank auftauschen. Und ja, die AJP 3.9 gilt auch für die Bundeswehr.
    Einige hier sollten vielleicht erstmal alle eigenen Vorschriften lesen, bevor sie mit dem Finger über den Teich zeigen….

  • KeLaBe   |   06. August 2013 - 11:35

    @ f28

    Sehe ich ähnlich – was keine gute Nachricht ist. Die Frage ist: Wie gehen wir mit dieser misslichen Erkenntnis um? Meine (sehr grobe) Antwort: Wir müssen unseren Einfluss auf die amerikanische Politik deutlich steigern, was aber unter anderem nur funktioniert, wenn wir uns als Europäer stärker und vor allem geschlossener in globalen Fragen der Sicherheitspolitik engagieren. Oder anders ausgedrückt: Es liegt auch an uns, ob die Amis wieder mehr auf uns hören wollen. In beiderseitigem Interesse wäre es jedenfalls.

    Aber vielleicht sind wir hier in diesem Thread tatsächlich auf der falschen Baustelle, wie Kerveros nicht ohne Grund sagt.

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 11:40

    @Klabautermann:

    wäre ja auch gut so wenn man da etwas dran täte. Ändert aber nichts daran, dass die Schlüsse, die hier aufgrund der 3-60 getätigt weerden in der Masse Luftnummern sind…

    Genau wie der Planungsprozess gemäß JP3-60 genau der Grund sein dafür sein kann, dass ein HVT/HPT trotz entsprechender Priorität (vorerst) nicht bekämpft wird, weil die zu erwartenden Nebeneffekte den Nutzeffekt überwiegen… nur wird diese Berechnung ja ohne den Planungsprozess erst garnicht angestellt.

    Und wenn der Präsident festlegt, dass bis zu zehn (erwarteten) toten Zivilisten für ihn akzeptabel sind, dann ist das auch kein Problem der 3-60 oder der Militärdoktrin, sondern eines der Amerikansichen Politik und Sicherheitsstrategie… hier wird lediglich ein Prozess formalisiert und Zuständigkeiten klar geregelt, was per se immer zu begrüssen ist, denn nur so kann man den Schuldigen klar bestimmen, wenn mal wieder was in die Hose geht…

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 11:40

    @Schorsch

    guter Hinweis auf die AJP….und jetzt wird aus meinem Legitimierungsnormargument ein Schuh, finden Sie nicht ???

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 11:42

    @Schorsch:

    was daran liegen mag, dass die meissten AJPs mehr oder weniger umgeschriebene (plagiierte) JPs sind… ;)

  • Schorsch   |   06. August 2013 - 11:43

    @Klabautermann
    Eben nicht. Weil die AJP ebenso JP keine Abschussfreigabe enthält. Diese ist in den ROE enthalten….
    @Kerveros Die 3.9 ist aber schon 5 Jahre als. Aber warum auch nicht. es sind nur Grundlagendokumente, keine Rechtfertigungsdokumente. Ich arbeite auch mit dem JFIRE, weils in der Bundeswehr nichts vergleichbares gibt.

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 11:45

    @Klabautermann:

    „und jetzt wird aus meinem Legitimierungsnormargument ein Schuh, finden Sie nicht ???“

    Nö, eigentlich nicht.

    Die Legitimation ergibt sich aus dem Auftrag, e.g. ‚Zerschlagt el Qaida‘. Selbige besteht aus n Personen, ergo ergibt sich daraus die Legimiation der bennenung der Personen als Ziel… die AJP 3.9 oder 3-60 liefern nur die Systematik jenseits dieser Grundlegitimation und zwar für den Einsatz lethaler und nicht-lethaler Mittel. Mann kann ja auch jemanden Führungsunfähig machen, der als Ziel benannt ist, indem man im sämtliche Kommunikationskanäle sperrt… die 3-60 gibt das her…

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 11:46

    @Kerveros

    rein technisch haben Sie natürlich Recht. However, aus strategisch-politischer Sicht – wie ja auch @KeLaBe zum Ausdruck bringt – ist dieses nun öffentlich gemachte Dokument schon ein Indiz in Sachen US amerikanischer Selbstlegitimierung im „Kriegsfall“.

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 11:46

    @Schorsch, die 3-60 und ihre Vorgängerdokumente, die sich sich so sehr nicht unterscheiden gibt es auch schon länger als 5 Jahre ;)

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 11:51

    @Klabautermann:

    negativ Ghostrider

    Nochmals: Legitimation und legalität bestimmen sich aus den politischen Rahmenbedingungen der Einsatzregeln/ROEs. Hier wird das ‚Wer und was‘ bestimmt… die 3-60 regelt nur das fomale ‚wie‘ und legt die Kompetenzen innerhalb der Planung und ROE Befolgung fest… wie gesagt… der Prozess kann formal dazu führen, dass man trotz HVT eben nicht agiert weil man eben nicht machen kann was man will… wenn der Präsident pauschal 10/20 oder auch 100 Zivilisten zum Abschuss frei gibt, dann hat das wiederum genau garnichts mit der 3-60 zu tun… die bennent maximal die Stellen im Planungsprozess, die dann die Zahlen bestimmen müssen und ‚kleiner‘, ‚größer‘, ‚gleich‘ vermelden…

    Ein Sturm im Wasserglas…

    Da hat so ein wenig was von: „Und weil die 37/10 das Tragen der Uniform im Inland regelt kann man daraus schliessen, dass die Regierung die Armee gegen das Volk einsetzen will…“ … wenn ich meinen Kopf hier noch heftiger schüttle bekomme ich ein Schleudertrauma.

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 11:52

    lol, lieber Himmel, warum ist wohl die politisch kontrollierte STANAG Pflege (Ratifizierungsprozess) in der NATO seit mehr als 10 Jahren praktisch eingestellt worden ? Stattdessen immer mehr handbooks, planning guides etc aus der Doktrinenschmiede ACT….wo die wohl abschreiben ??

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 11:56

    @Kerveros

    das Thema ROE Auslegung im targeting process lassen wir lieber ;-) Kunduz, Lybien etc….

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 12:02

    @Klabautermann:

    „warum ist wohl die politisch kontrollierte STANAG Pflege (Ratifizierungsprozess) in der NATO seit mehr als 10 Jahren praktisch eingestellt worden “

    Ganz einfach – wenn man selbst kaum was ins Gefecht führen kann spielt man nach den Regeln derer, die die Kekse bringen… deswegen kann man ja mal einfach den JOPP und die entsprechenden Strukturen US neben ISAF und NATO Ansatz legen und man wird erkennen woran sich ISAF orientiert… wird auch einfach klar wenn man die dual hatted positions und die 4/5-eyes Führungsstrukturen betrachtet… aber auch das ist nicht wirklich neu und auch das ist in Bezug auf 3-60 eigentlich O.T.

    Ich finde die Grunddebatte zur US-Strategie ja auch nicht verkehrt… NUR: die an der 3-60 aufzuhängen ist wie gesagt die grundsätzlich falsche Stelle.

    Es gibt ja die entsprechenden Dokumente zur Sicherheitsstrategie der USA – ggf. sollte T.W. nochmals einen extra Beitrag dazu aufmachen, wenn man die jetzt (weil auch da überrascht nicht wirklich was) auf einmal nochmals in Gänze diskutieren will.

    Gerade die Auszüge der 3-60 jedenfalls, die hier zitiert werden sind nicht wirklich neu… waren sie auch vor 5 Jahren nicht. (und verfügbar war das Dokument im Internet im übrigen auch schon – in der damals gültigen, nicht unbedingt großartig anderen Fassung, was wesentliche Elemente angeht…)

  • Schorsch   |   06. August 2013 - 12:55

    @Kerveros
    OT Zuviel Top Gun gesehen? ;-)

  • Schorsch   |   06. August 2013 - 13:03

    Aus der AJP 1 (STANAG 2437 Ed.7) vom 21.12.2010, für die Bw in Kraft gesetzt am 07.03.2012:
    „Doctrine is defined as ‘fundamental principles by which military forces guide their actions in support of objectives. It is authoritative, but requires judgement in application’.1 The
    principal purpose of doctrine is to provide Alliance Armed Forces with a framework of
    guidance for the conduct of operations. It is about how those operations should be directed, mounted, commanded, conducted, sustained and recovered. It captures that which is enduring in best practice whilst incorporating contemporary insights and how these principles are applied today and the immediate future. It is dynamic and constantly reviewed for relevance.

    It describes how Alliance Armed Forces operate but not about why they do what they do, which is the realm of policy.“

    Es gibt aus den letzten 10 Jahren durchaus eine Menge STANAGs die geändert und in Kraft gesetzt wurden.

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 13:19

    @Schorsch:

    (O.T.): da reicht auch so manche Parlamentsdebatte auf Phoenix…

    Nein, aber mal ernsthaft… die Debatte hier auf der Grundlage der 3-60 zu führen ist lächerlich.

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 13:52

    @Kerveros und @Schorsch

    Die Debatte nur und ausschließlich auf der Grundlage einer Exegese der 3-60 zu führen ist in der Tat lächerlich ;-) Also lösen Sie sich doch mal von der 3-60 und sehen die politische, für uns insbesondere bündnispolitische, Dimension dieser „Debatte“ um Joint Targeting and U.S. Targeted Killings am Fallbeispiel 3-60. Und vielleicht sollten einige Experten hier auch nicht so arrogant sein anzunehmen, dass mitlesende nicht-militärische Primaten nicht interessiert oder kundig genug sind…….;-)

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 14:20

    @Klabautermann:

    Mit Arroganz hat das nichts zu tun (ohnehin sieht Niveau nur von unten aus wie Arroganz, aber dann sind wir wieder O.T. ;) ).

    Ich habe ja nicht umsonst darauf verwiesen, dass man ggf einen eigenen Thread aufmachen sollte.
    Ungeachtet dessen ist die Diskussion hier auf der Basis des Ursprungsbeitrages aufgestellt und dieses wiederum hat mit der diskutierten Thematik insbesondere in ihrer Argumentationsrichtung eher nichts zu tun. Insofern sehe ich eine Diskussion auf dieser Basis nicht nur als unlauter, sondern auch auf Sand gebaut.

    Richtiger: das passende Fundament wählen (die bereits mehrfach angesprochenen höherwertigen Papiere) und darauf herumdiskutieren…

    Wenn man den im verlinkten Artikel benannten Apendix D mal liest, dann ist der Bezug
    „For what this might entail, see specifically Appendix D of JP 3-60.“
    reichlich ohne Substanz…

    (ironiemodus)
    Ihr Auto kann als Mordwaffe benutzt werden… for what that might entails see the handbook…
    (/ironiemodus)

    Die ZDv 3/136 befasst sich mit dem Umgang und Verfahrensweise für das G36… trotzdem sagt sie mir nicht auf wen ich schiessen soll, bzw. welches die akzeptierten Kollateralschäden im Umgang mit der Waffe sind.
    Ergo werde ich auch nicht die 3/136 als Grundlage einer Diskussion zum sicherheitspolitischen Selbstverständnis von Deutschland heranziehen (jetzt mal übertrieben). Stattdessen greife ich mir Weissbuch und VPR.

    Die Befugnisse, die CIA und Co nutzen, kommen nicht aus adaptierten verfahrensabläufen des Militärs, sondern von der politischen Führung, oder um es mal für den „mitlesenden nicht-militärischen Primaten“ zu erklären:

    es ist doch total egal ob jemand nach dem alten Schießkonzept oder nach dem neuen Schiessausbildungskonzept erschossen wird – die Frage ist immernoch: Wer hat warum das Schiessen angeordnet?

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 14:53

    @Kerveros

    der Satz mit dem „handbook“ war gut ;-) Wer hat das noch mal im Drohnen-UA benutzt ??
    TdM oder Sts B. ????

  • Crass Spektakel   |   06. August 2013 - 15:18

    klabautermann | 06. August 2013 – 11:13
    > “Detroit dead, but Al Quaida alive ?”

    Das Problem: Detroit wäre so oder so pleite weil dort einfach mißgewirtschaftet wurde entgegen jedem gutem Rat und das seit 50 Jahren. In einem föderalem Staat hat jede Verwaltungseinheit das Recht sich selbst um seine Zukunft zu bringen.

    > Das Beharrungsvermögen der US total war maschine ist natürlich irre groß, denn sie
    > läuft seit ca 1943 erfolgreich aus US nationaler Sicht.

    Welche „Total War Machine“? Die Verteidigungsausgaben der USA sind seit 1945 genau ein einziges Jahr über 10% des BNPs gestiegen und seit 1945 gemittelt bei etwa 3,6%, selbst auf dem Höhepunkt des Irak-Einsatzes waren es nie mehr als 4,5%. Das ist so weit weg von Total War wie ne Backpfeife von einem Nuklearschlag. Noch niedrigere Verteidigungsausgaben hat nichtmal die Rot-Grüne-Schröder-Regierung erreicht. Nichtwestliche Staaten sind üblicherweise bei 10-20%.

    > Letztendlich wird die volkswirtschaftliche Entwicklung zu einer Strategiebereinigung
    > führen oder nicht…..my 5 cents ;-)

    Amibasher rechnen sowieso seit der Boston Teaparty mit dem baldigem Untergang des Vorhofs zur Hölle.

  • klabautermann   |   06. August 2013 - 15:21

    http://www.reuters.com/article/2013/08/05/us-dea-sod-idUSBRE97409R20130805

    hab ich bei SPON gefunden……..und schon wieder ein Indiz mehr in Sachen EH/ISIS, BW, BND, NSA…..etc. ;-)
    Man muß schon mehrere handbooks nebeneinander lesen, und natürlich das master handbook in Sachen targeting um den gesamten Kontext zu erfassen: Die Frage ist nämlich: wer oder was kommt auf eine soft- oder hardkill target list auf der Basis welcher Informationen und wie sind die validiert bzw. konstruiert worden ??? Insofern ist die 3-60 mehr als nur ein handbook, es ist eine mastertemplate zur Umgehung von accountability……finde ich jedenfalls ;-)

  • Kerveros   |   06. August 2013 - 15:59

    @Klabautermann:

    „es ist eine mastertemplate zur Umgehung von accountability“

    eben das glatte Gegenteil. Eben weil die 3-60 den Prozess und die Zuständigkeiten definiert, kann man anhand dieses Dokumentes relativ genau bestimmen, an welchem Punkt des Prozesses Mist gebaut wurde.

    „wer oder was kommt auf eine soft- oder hardkill target list auf der Basis welcher Informationen und wie sind die validiert bzw. konstruiert worden ??? “

    Das hängt an den Vorgaben der jeweiligen Operation die der JFC vom Präsidenten oder seinen Verantwortlichen bekommt. Auf der Schiene werden je nach Wert auch Ziele validiert und je nach erwartetem Kollateralschaden ggf. auch bewilligt…

    Wie gesagt, wenn der Präsident sagt ‚alles bis zu 10 toten Zivilisten ist okay‘ dann ist das eine Planungsgröße… 3-60 und co beschreiben dann, wie man damit umgeht, aber das ist ja nicht das Problem.

    Wer kommt warum drauf: da haben wir wieder den Spaßfaktor ‚intel drives operations’… und da mischen die Aufklärer und Geheimdienste mit ihrer Bewertung von Zielen gut mit. Dann gibt es normal für alles ‚Boards’… also sicher auch eines, dass den JFC in Sachen JPITL Vorschläge macht und dann wird das auf der Schiene jemand abnicken…

    Letzten Endes geht es hier (und ich kann es nicht oft genug sagen) im Ausgangsartikel nur um den wagen Hinweis, dass die CIA einen verwandten Targeting Prozess verwendet (oh wunder). Es sagt aber nichts darüber aus, ob die CIA dazu verpflichtet ist, oder sich das so ergeben hat. Ebensowenig über die Verantwortungsträger im Prozess der CIA wie auch wer dort Entscheidungsträger ist… und so wirft man einmal mehr Dinge in einen Topf die nur bedingt miteinander zu tun haben, liest dann eine Runde im Kaffeesatz und erzeugt ein wenig künstliche Aufregung, die für ein Sommerloch gut ist, aber sonst keine Substanz hat.

  • Cynic2   |   07. August 2013 - 17:33

    @klabautermann
    „Insofern ist die 3-60 mehr als nur ein handbook, es ist eine mastertemplate zur Umgehung von accountability“

    Dem kann ich so nicht folgen. Die JP 3-60 beschreibt explizit die formalen Anfordernisse an den Prozess und die Aufbereitung eines target, um mit diesem Prozess bekämpft zu werden. Wer schon einmal einen target folder gesehen hat, weiß, dass das alles mögliche aber nicht un-accountable ist. Wird dieser Prozess in einem theatre command angewandt und mit den gültigen ROE befüllt, weisen allein die Dokumente und Genehmigungen an verschiedenen Stellen jede Menge accountability aus. Wer hat das target nominiert, welche Informationen lagen dazu vor, welcher Rechtsberater war beteiligt, wer war im targeting board, dass zugestimmt hat, welcher Kommandeur war verantwortlich, welcher targeteer hat die Waffenladung berechnet, wer hat die letztendliche Ausführung angeordnet… Noch mehr accountability ist in einer militärischen Organisation wohl kaum zu haben.
    Im Gegensatz dazu, wie würde die Bw so einen Vorgang handhaben? Der Kdr würde mit vier StOffz im stillen Kämmerlein verschwinden und anschließend wüsste keiner mehr, wer eigentlich was gesagt hat. Prozess? – Keiner, weil die Bw keinen Prozess hat und drei von fünf Anwesenden die NATO-Prozesse und ROE nicht mehr im Kopf haben. Niedergelegte Dokumente? – keine, der Kdr trifft einen einsamen Entschluss und sagt Feuer.
    Weiterhin weise ich darauf hin, dass diese JP den joint targeting Prozess der Streitkräfte beschreibt und in der Diskussion zu den covered operations der CIA zu differenzieren ist.

  • Memoria   |   10. August 2013 - 10:58

    Targeting, Drohnen, NSA und deutscher Wahlkampf.
    Süddeutsche und Panorama behaupten, dass auf Anweisung von BND-Präsident-Schindler, Handydaten weitergegeben wurden, die für Drohnenangriffe genutzt werden könnten (!).
    Hausintern gab es hiergegen angeblich Bedenken, da das BKA dies nicht mehr tut.

    Siehe:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/spaehaffaere-bnd-soll-handynummern-an-geheimdienste-weitergegeben-haben-a-915819.html

    Da ist natürlich jetzt das schönste Wahlkampfthemensammelsurium beisamen (Böse Amis,böses Targeting, böse Drohnen, böse CIA, böse NSA, böser BND, böse Bundesregierung). Zündet aber noch nicht wirklich (nicht mal auf SPON prominent).

    Nur leider reagiert der BND wieder mal sehr ungeschickt:
    Der BND erklärt, es seien lediglich „Unklarheiten ausgeräumt“ worden und die GSM-Mobilfunkdaten seien für eine genaue Zielerfassung zu ungenau.

    Ähm …. abgesehen davon dass grobe Zielortung und „pattern of life“ sehr wichtige Informationen sind, ist die Aussage es sei keine genaue Zielerfassung schlicht unwahr (vereinfacht gesagt eine Kreuzpeilung).

    Schön erklärt mit Blick auf die Suche nach den Boston-Bombern:
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=ezVR6_1566w&t=1876

    Der Dienst sollte vielleicht bei seiner Informationsarbeit mal verstehen, dass wir nicht mehr im Jahr 1993 leben.
    Wenn selbst ich Behauptungen (PRISM-2 von der NATO, GSM-Ortung) innerhalb von 2 Minuten widerlegen kann….

  • C'est la Vie   |   10. August 2013 - 11:11

    Ein Großteil der Diskussion scheint sich weniger auf das angesprochene Dokument als auf das Humanitäre Völkerrecht bzw. dessen Forderung nach Verhältnismäßigkeit zwischen militärischem Zweck und zivilen Kollateralschäden zu beziehen. Die ist im HVR aber nicht näher definiert. In Hiroshima oder Dresden haben die USA diesbezüglich jedoch Völkergewohnheitsrecht geschaffen, auf das sich freilich auch ihre Gegner einmal berufen könnten.

  • Memoria   |   11. August 2013 - 15:35

    Joint Targeting ohne UAS.
    SOCOM versucht weiter parallel zu den Regional Commands (CENTCOM, EUCOM, SOUTHCOM, PACOM, AFRICOM) zu operieren.
    SOUTHCOM hat dies angeblich nun verhindert:
    http://www.armytimes.com/article/20130810/NEWS05/308100019/Lawmakers-skeptical-global-spec-ops-plan

    In Washington gibt es jedoch nicht nur Freunde dieser neuen Befugnisse von SOCOM.
    Jedoch wurden im Februar die jeweiligen Theater SOC direkt SOCOM unterstellt.

    Obwohl die Regional Commands ja stets einen Alleinvertretungsanspruch geltend machen.

    Mal schauen wie das weiter geht – gerade in Zeiten – relativ – knapperer Kassen.