Angemeldet bei der NSA

RoshanSIM

Vermutlich habe ich mich jetzt, sozusagen, bei der NSA angemeldet. Mit meiner afghanischen Handy-Karte.

Vor drei Jahren hatte ich im ISAF-Hauptquartier in Kabul eine Prepaid-SIM-Karte des afghanischen Netzbetreibers Roshan gekauft. Um innerhalb Afghanistans kostengünstig telefonieren zu können und die horrenden Roaming-Kosten bei Anrufen aus Deutschland zu vermeiden. Weil diese Prepaid-Karten ohne Aufstocken des Guthabens nur ein halbes Jahr gültig sind, musste ich immer zusehen, dass ich bei Trips an den Hindukusch möglichst passend das Guthaben – anonym per Scratch-Card –  aufladen und so die Karte am Leben erhalten konnte.

Anfang dieses Monats klappte das nicht mehr: Die Gültigkeit drohte auszulaufen, ich war nicht in Afghanistan – also habe ich, das ist ja inzwischen problemlos möglich, über das Internet mit meiner Kreditkarte neues Guthaben auf diese Prepaid-Karte geladen. Und das dürfte dann gleich ins Raster passen: Afghanische Prepaid-SIM-Karte. Geldtransfer aus Deutschland. Über eine Visa-Kreditkarte, die (wie alle diese Karten) zentral über ein Clearinghouse in den USA abgerechnet wird.

Und nun? Nun habe ich mich bei der NSA angemeldet. Vermutlich hat der BND diese Daten zu meiner afghanischen Rufnummer 079/6193 520 ohnehin. Ach so, dürfte er gar nicht, weil ich ja, so heißt das, deutscher Grundrechtsträger bin.  Und weitergeben dürfte er sie doch auch nicht, oder? Ein komisches Gefühl bleibt.

RC N Watch: Der tote Polizist

Zum Einstieg in die Woche ein, zugegeben etwas grimmiger, Lesetipp:

The Dead Afghan’s Tale: How Afghanistan’s Poorest Are Bearing the Brunt of the War

auf TIME.

Das sagt mehr über die afghanischen Sicherheitskräfte als der Blick auf deren Vorzeigesoldaten.