39 Gedanken zu „Flashback: Somalia 1993

  1. Die vielen Analogien am Anfang – klasse.
    Obwohl der Spiegel das heute so nicht mehr bringen würde / könnte und sich bestimmt auch dafür schämt.

  2. Und der Kommandeur mit dem Hut in Schutztruppenoptik war OTL Haupt. Lange her… Und die ersten Schritte einer reinen Heimatverteidigungsarmee in Richtung Auslandseinsätze.

  3. Interessant was man 1993 noch alles sagen durfte ohne dass gleich die Obermoralisten sturm gelaufen sind :)

    Zeigt mal wieder, dass wir nicht immer weltmeißter im „korinthenkacken“ waren.

  4. Ist das der O-Ton von Spiegel Tv oder von Extra 3??? :D Wahnsinn

    Aber der Frangge aus Ebärn der a mal sei Freindin grüßn möchad is der Hamma!

  5. @ Hans | 25. Juni 2013 – 17:51
    Die vielen Analogien am Anfang – klasse.
    Obwohl der Spiegel das heute so nicht mehr bringen würde / könnte und sich bestimmt auch dafür schämt.

    Mittlerweile hat genau dieser polemisch diffamierende, gern auch offen beleidigende, Oberlehrer-Sprachduktus auch im SPIEGEL-Heft Einzug gehalten.

    Wenn Sie das „Klasse“ finden, bitte. Ich hingegen finde es bedauerlich, wie sich das einst wichtigste Nachrichtenmagazin Deutschlands (und mithin eines der wichtigsten Europas) zu gunsten offenen Klientelpopulismusses selbst demontiert(e)-ganz gleich ob nun bei Print, Online oder TV.

    Mittlerweile geerdet obgrund der reinen ökonomischen Kennzahlen steuerte man nun wohl etwas gegen. Wie dem auch sei, wünsche ich dem neuen Chefredakteur, Wolfgang Büchner, ohne Ironie und Häme viel Erfolg. Es wäre wünschenswert, dass der SPIEGEL wieder ein relevantes Nachrichtenmagazin werde.

  6. Wow – einfach Wow! Das Video kannte ich nicht.

    Der Herr Militärpfarrer mit seinen Aussagen – abgefahren, dass man sowas mal gesagt hat im TV.

    Aber der Knaller ist: ‚ Gott schütze uns vor Sturm und Wind und Deutsche die im Ausland sind‘

  7. Willkommen in Konformistan,

    Dieses Video zeigt den Wahnsinn einer Partei, welche dieses Land vollkommen umgekrempelt hat, hin zu einem vollkommen verängstigten und identitätslosen Jammerlappen.

    Aber was Anderes fällt mir dazu einfach nicht mehr ein.

    Und wer sich über die Wortwahl wundert, wird sich wohl in ein paar Jahren noch einmal wundern, mein Cousin zumindest wird seit kurzem vom Herrn Professorin unterrichtet.

  8. Und damals begann die innige Liebe zu den heimischen Journalisten im Auslandseinsatz :-)

  9. @NMWC
    Stimmt.
    Was man hier übrigens gut sehen kann, ist das Dilemma einer Truppe, die man völlig ohne das notwendige Mandat und ohne klaren Auftrag in ein Krisengebiet schickt.
    Keine politische Führung und schon gar kein politischer Willen, ein Ziel zu definieren und die dazu notwendigen Entscheidungen zu treffen.
    Manchmal frage ich mich, was die heutige politische Führung tun würde, wenn sie Entscheidungen wie Schmidt zu treffen hätte – Stichwort Landshut. Aber eigentlich ist es eine rhetorische Frage.

  10. Was mir sofort auffällt ist das die Diplomaten vor Ort im Jahr 1993 deutlich besser spontan-schwallen konnten als unsere höheren Offiziere. Ich darf behaupten: Der Vorsprung ist dahingeschmolzen.

  11. @ Ted

    da bekleckert sich niemand mit Ruhm im Video. Und der BT-Abgeordneten-Tourismus war damals schon fleissig am Laufen.

    Vielen Dank für den Video Link. Ich muss gestehen, wie oben ausgeführt wurde, gehort SPON schon seit Jahren nicht mehr zum gelesen Papier – daher nochmals Danke an TW für dieses kultur-gesellschaftliche Highlight.

  12. @Jack Bristow

    Gut erkannt; das ganze ist schon recht ambivalent, und die „guten alten Zeiten“ heraufbeschwören ist meines Erachtens auch keine Lösung, nur der Journalismus von heute hat einfach keinen biss mehr, jedenfalls nicht mehr aus den Ecken von wo man das früher gewohnt war. Und falls einer auf die Idee kommen sollte, unter „Biss“ verstehe ich garantiert nicht den heutigen „Correctness Wutbürger“.

  13. Also mit „Biss“ haben die Anwandlungen des Sprechers wenig zu tun. Ich finde seine Sprüche einfach nur dämlich. Einerseits versucht er immer zwanghaft mit Weltkriegsrethorik einen wiedererwachenden Imperialismus zu projezieren, andererseits merkt man ja, dass die Soldaten in keinster Weise die (rechtlichen und materiellen) Mittel dazu hätten. Als Blauhelme konnten sie ja froh sein, dass sie sich wehren dürfen… Da zielt die Kritik einfach in keine wirkliche Richtung, deshalb ist sie auch in keinster Weise konstruktiv sondern nur peinlich.
    Übertroffen wird das nur noch von dem evangelischen Herrenmenschen, der sich schon zwischen „Negerfrauen“ mit Palmwedeln sieht, um den Wilden die Kultur zu bringen.
    Ja, es ist schon erstaunlich, wie viel 20 Jahre ausmachen.

  14. @T.W. Meine Wenigkeit war auch dabei. 20 Jahre, wo ist die Zeit geblieben? Haben Sie auch den Stolperschritt von Volker Rüpel in Lackschuhen mitgemacht?

  15. dieses Video ist klasse, löste bei mir denkbar breites Grinsen aus. Klar ist der Unterton des Sprechers eher ironisch, was bei der Angelegenheit aber auch weitgehend angemessen ist (vor allem der Teil, wo als „Verstärkung“ der evangelische Militärpfarrer einschwebt – köstlich). Aber habe ich da gegen Anfang das Wort „Negerkinder“ gehört?? Da sind wir 20 Jahre später wirklich deutlich weiter: dieses Wort ist heute strikt verboten – erklärten mir kürzlich unabhängig voneinander 2 Jungs (15 und 19 Jahre alt). Man dürfe nur noch „Nig***“ sagen, daß sei die politisch korrekte Bezeichnung für Schwarze. Ich glaube, ich werde alt….

    Ich hoffe, es wird noch eine Fortsetzung des Videos geben! Da gab es doch noch einiges, was erwähnenwert war, oder? Das Warten auf die indische Einheit, die man versorgen sollte (die nie kam). Der Witz über das Verhalten bei Bedrohung: (Waffe sichern, in den Himmel halten und rufen: „Halt, oder ich rufe einen Italiener!“). Der erschossene Hirtenjunge, der in das Lager eingedrungen war. Und zuletzt der glorreiche Rückzug mit der Marine…

  16. Selten so was Dämliches gesehen. Einbildung und Arroganz der Macht gibt’s auch bei den Medien. Ich erinnere mich, dass der Spiegel ein mieses Stück über die nicht flugtauglichen Hueys im Blatt hatte (Sandfilter etc), ein paar Tage später lassen sie sich dann in der durch die Gegend fliegen.

    Unterschiede zu heute im Detail:

    -Namensschilder, Namensnennung
    -Ein Oberst als Kdr, wäre heute ein 2Sterner
    -Ein Oberleutnant sagt korekt was in die Kamera, müsste heute ein Presse-Stabsoffizier mit viertausend Leergängen und Sprachregelungen mit 15 Haken dran sein
    -Etc…

    Und damals durfte das Arroganz-Medium Negerkinder sagen

  17. Ich habe mich gestern zunächst über diesen Beitrag amüsiert, und ich fühlte mich auch streckenweise an extra3 und Küppersbusch erinnert, und ich denke auch, dass die Kommentare mit provokativer Absicht politisch unkorrekt, bis zur Schmerzgrenze zugespitzt und satirisch angehaucht waren (und es gar nichts mit den 20 Jahren Zeitunterschied zu tun hat). Mit dem Unterschied zu heute, dass alle Beteiligten noch so reden, wie sie es gerade in dem Moment gefühlt haben. Nach dem Schmunzeln kam dann die Ernüchterung, wenn man bedenkt, was in der langen Zwischenzeit in Somalia passiert ist, nicht (nur) bez. der BW, sondern überhaupt in diesem Land, einschl. des kürzlichen Angriffes auf die UN-Anlage. Ist dieses Fiasko irgendwann eigentlich analysiert worden, um Schlussfolgerungen für spätere UN- und BW-Einsätze zu ziehen? Sieht mir nicht danach aus.

  18. @autostaedterin:

    Sie wissen schon, dass man im Journalismus zwischen Nachricht, Reportage und Kommentar trennt und das Polit-Kabarett-Satire nochmal ein anderes Genre ist? Wenn der Spiegel diese ganzen üblen Vorwürfe am Ende des Beitrags als Kommentar gekennzeichnet hätte, wäre es ok gewesen, so ist das Stück Unseriösität pur!

    Lehren? Wozu :-)?

  19. @LTC007
    Warum sollte man, angesichts der im Beitrag (ich hoffe mal korrekt ) genannten Fakten (Abzug der Kanadier, unzureichendes Mandat, unklare Eingriffsmöglichkeiten etc.), nicht zuspitzend formulieren? Wenn man dann noch bedenkt, was draus geworden ist (das konnte man damals noch nicht ahnen – man sieht die eigentlich gute Absicht der BW schon durch).
    Lehren aus gescheiterten Unternehmungen sollte man eigentlich immer ziehen, schon um es nicht zu wiederholen…

  20. irgendwo auf der Hardthöhe (oder im Bendlerblock) wird es einen Schrank geben, wo eine dicke Schwarte liegt, in der ein fleißiger Stabsoffizier die „Lehren“ aus diesem „Afrikafeldzug“ festgehalten hat. Diese Schwarte ist aber sicher so geheim, daß keiner der Politiker sie je zu Gesicht bekommen hat, die anschließend über die weiteren Einsätze entschieden haben.

  21. @autostaedterin

    Die Lehren aus UN-Peacekeeping-Missionen füllen inzwischen ganz Bibliotheken. Von Somalia über Ruanda hin zum Balkan…

    Allein eine akademische Aufarbeitung bringt sehr wenig. Am Schluss wird bei Peacekeeping meist zu lange gewartet, dann schnell und unüberlegt gehandelt und schließlich kein stabiler Endzustand gefunden.

    Ein politisches Problem der UN, dass auch nach vielen Jahren der Reformbemühungen (Wann wurde nochmal der Brahimi-Report veröffentlicht?) nicht gelöst ist.

    Der große Unterschied zwischen 1992 und heute ist, dass damals noch europäische und kanadische Soldaten die Kontingente in UN-Peacekeeping-Missionen gestellt haben. Heute sind dass mit überwältigender Masse Inder, Pakistani, Malaien und Staaten der OAS.

    Der Westen macht nur noch mit wenigen Beobachtern mit und bezahlt lieber die Auxiliare aus der 2. und 3. Welt.

  22. @ autostaedterin | 26. Juni 2013 – 15:48

    Natürlich wurden Lehren gezogen. 5 absolute Mini-Beispiele (St.Michael | 26. Juni 2013 – 19:05 wies auf die Bibliotheken im akademischen Bereich hin) unterschiedlicher Ebenen/ Bereiche:
    1. strategisch: Die USA und mit ihr so ziemlich alle NATO-Verbündeten gehen in solch gelagerte Einsätze nur noch mit robusten Mandat und niemals nie wieder unter Führung eines UN-HQ, bzw. stellen es als HQ selbst.

    2. juristisch: Es wurde im Nachgang, man kann durchaus sagen als Lehre des Somalia-Einsatzes (Er endete März/2013) vom BVerfG am 12. Juni 1994 ziemlich durchschlagend und manifest geklärt wofür, in welchen Grenzen, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Aufträgen die Bw in die Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands eingepflegt werden kann.

    Noch im April 1994 mussten Belgische Fallschirmjäger Mitarbeiter der Deutschen Welle befreien, weil man seitens der Dt. Politik die sicherlich verfügbaren Fallschirmjägerkompanien B1 nicht einsetzen konnte, wollte, durfte (?).

    Nach der rechtlichen Einordnung musste „nur“ noch der Rest folgen. Nur in Anführungsstrichen, weil sich deutsche Öffentlichkeit und Politik bis heute damit schwer tun-ich meine das als wertfreie Feststellung.

    3. operativ: Man erkannte, dass man sich eine vollständig relativ schnell verlegbare Einsatz-Bundeswehr nicht leisten kann, Heldenklau aber auch nicht die Goldrandlösung ist. Also teilte man in KRK und HVK – Kräfte, wobei mMn erstere heute eher mit Eingreifkräfte/ Tle Unterstützungskräfte und letztere mit Stabilisierungskräfte/Tle Unterstützungskräfte bezeichnen sind. Folglich wurden die Hochwertressourcen, die man (noch) unterhalten konnte, (personell und materiell) im ersteren Bereich gebündelt. In wie weit dies funktionierte, sei dahin gestellt und hier nicht Thema für mich.

    Und wenngleich man über diese Themen ebenfalls vortrefflich debattieren könnte, sind NRF und European Headline Goals zumindest als Idee auch Konsequenz.

    4. Fähigkeiten: Man entwickelte u.a. die Fähigkeit, Feldlager selbst einrichten zu können.

    5. Ausbildung: Man implementierte z.B. eine Einsatzvorausbildung, zumindest für Folgekontingente,bis hin zur Schaffung der anerkannten Einrichtung VN AusbZentr Bw

    Der Somaliaeinsatz stand am Anfang, wenngleich nicht an erster Stelle. Viele Erkenntnisse aus diesem Einsatz konnten und wurden erst sehr viel später implementiert (werden). Aber wie langwierig dieser hoch-komplexe Vorgang letztlich bis heute ist, sehen Sie auch an solchen Nebenbaustellen wie zentrale Ermittlungsbehörde bei der StA Kempten-denn der hier bereits erwähnte tote Somali sorgte für einiges an Nachwehen und Konsequenzen.

    Sie halten lamoryant fest, dass die „Unternehmung“ gescheitert sei. Ohne den großen Bogen zu spannen und ins Detail zu gehen, erinnern wir uns mal an den Auftrag der beiden Unterstützungsverbände: Es sollten im AOR Beledweyne die logistische Unterstützung von 4000 Soldaten anderer Nationen sichergestellt werden.

    Kampfhandlungen waren explizit auf Notwehr/Nothilfe beschränkt. Träger der Gefechte in diesem AOR waren Italienische Soldaten und diese waren (dann) auch dafür vorgesehen.

    Sind die dt. Verbände wirklich daran gescheitert? Oder haben sie nicht doch Wasser aufbereitet, Verpflegung und Betriebsstoffe vorgehalten-diese und andere Versorgungsgüter transportiert, etc., etc., wie es ihr Auftrag war?

    Ob man das Veränderungsmanagement der Bw in folge des Somalia-Einsatzes nun als geglückt oder nicht geglückt bezeichnet. Aber es gab Veränderungen und Entwicklungen und folglich waren auch Lehren gezogen worden.

    Spekulation: Zu schützende Menschen in Nothilfe lässt man gemeinhin nicht im Stich, und dafür gibt es auch keine rechtliche Grenze. Ungefähr das scheint der im Video zum Thema Nothilfe befragte Oberst zu denken, wohl wissend es lieber nicht zu sagen.

    @NMWC | 25. Juni 2013 – 18:38
    Und das ganze mit 35% Grundwehrdienstleistenden im Personalkörper!

  23. @St.Michael | 26. Juni 2013 – 19:05
    Das ist ja in Somalia auch so, Soldaten aus Uganda und Burundi kämpfen, PMSCs beraten und bilden aus, USA und Europäer bezahlen, und jetzt schauen alle, ob das eine Methode ist, die für weniger Geld mehr Erfolg generiert als der direkte Einsatz der Streitkräfte à la ISAF.

    @Sachlicher | 26. Juni 2013 – 19:54
    Danke für die umfangreiche Darstellung. Offensichtlich ist da im Nachgang einiges an Analyse und Anpassung gelaufen. Gescheitert habe ich vor allem in Kenntnis der 20 folgenden Jahre gemeint, die Entwicklung des „failed state“ Somalia, sein Zerfall in mehrere Teile (Somaliland/Puntland), den Kampf um die „Villa Somalia“, schwere Hungersnöte etc. Dass das Leisten von Nothilfe ethisch geboten ist, ist unstrittig und dass diese humanitären Einsätze von denjenigen, die sie erbracht haben, als wichtig, positiv und befriedigend erlebt wurden, ist nachvollziehbar, an der nachfolgenden negativen Entwicklung haben sie aber wohl leider nichts geändert.

  24. @autostaedterin

    Ich glaube nicht, dass es bei den Einsätzen darum geht „Erfolg“ zu generieren. Erfolg ist schwer messbar – siehe Benchmarking bei ISAF – und wird in einer Demokratie auch immer Gegenstand politischer Abwägung sein, d.h. Erfolg für Regierung und Opposition sehen (vor allem vor Wahlen) unterschiedlich aus.

    Ich glaube, dass die aktuelle Entwicklung die Reaktion des Westens auf zwei Dinge ist:

    1.) Die bedingte militärische Kompetenz des DPKO (Department of Peacekeeping Operations – sozusagen die Militärzentrale der Vereinten Nationen) und die besonders starke Einflussnahme der Primaten der Politik auf VN-Missionen. Als Beispiele für die sehr unterschiedlichen Interessen von Nation und die daraus resultierende Schwäche der Peacekeeping-Mission können Ruanda und Sebrenica dienen.

    2.) Der „Westen“ besteht inzwischen mit Masse (Ausnahme USA) aus risikoaversen Ein- bis Zwei-Kind Gesellschaften. Es wird politisch zunehmend schwieriger zu erklären, warum jetzt ein politischer Wille zu „mourir pour Kondouz“ oder „mourir pour l’Afrique“ führt. Der Tod für das Vaterland wird in einer Gesellschaft die von Verlustängsten bestimmt wird weder als süß noch ehrenvoll wahrgenommen (Dulce et decorum est…).

    Ich meine es ist schlicht und einfach dem Wähler besser zu verkaufen, dass wir den Vereinten Nationen jedes Jahr ein paar Millionen überweisen, als ständig bei einem zentralen Gedenkgottesdienst zu stehen.

    Zusammengefasst – es kostet uns zwar mehr Geld, aber dafür keine eigenes Blut.

  25. @St.Michael | 26. Juni 2013 – 21:04
    Da stimme ich jetzt nicht zu, Erfolg ist, wenn man das erreicht, was man sich vorgenommen hat, vielleicht nicht in jedem Detail, aber wenigstens im großen und ganzen. Wenn man ein angepeiltes Ziel auch nicht annähernd erreicht, sollte man das auch so benennen und nicht versuchen, sich durch Relativieren zu drücken. Das sollte auch für militärische Einsätze gelten.
    Die Geburtenrate der USA ist 2012 übrigens auch nur auf Erhaltungsniveau http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887323751104578150951482146158.html
    Wenn es da also Zusammenhänge gibt, werden sich auch die USA bald keine größeren Einsätze/Kriege mehr leisten können.

  26. @ autostaedterin
    Erfolg ist immer auf verschiedenen Ebenen zu sehen und von den formulierten Zielen der entsprechenden Ebene abhängig. Die Politik sollte ein Ziel für den gesamten Einsatz formulieren und klar darstellen, was der Beitrag des militärischen Teils ist, welche Beiträge andere lines of operation leisten und wie der desired endstate aussieht (und hier sollte auch die politische exit strategy formuliert werden). Die Streitkräfte sollten nun ihren Kräftebedarf für den Einsatz und ihre Strategie bis zur Erreichung des Einsatzziels formulieren. Diese sollte mit den Allierten vor Ort in einen Kampagnenplan umgesetzt werden, der wiederum in taktische Aufgaben und Ziele für die Truppe vor Ort umgesetzt wird. Soweit die Theorie.

    In der Realität des ISAF-Einsatzes als Bsp. stellte die Bundesregierung 2002 luftige idealisitische Ziele auf und als die Streitkräfte die Kräfte und Dauer des Einsatzes bezifferten, wurde deutlich, dass das völlig unrealistisch ist. Die genehmigten 1.100 Mann, die nach Kabul verlegten, wären angesichts der dort befindlichen bewaffneten Kräfte nicht mal zum Eigenschutz ausreichend gewesen und konnten auch nur eine symbolische Präsenz in der Fläche dieser Millionenstadt aufbauen.
    Das politische Einsatzziel war inoffiziell: Zeigen sie international Flagge, geraten sie nicht in Schwierigkeiten und haben sie um Himmelswillen keine Verluste! Dadurch konnte die Regierung Schröder international darstellen, dass sie handlungsfähig ist, konnte den USA gegenüber klar machen, dass sie ihren militärischen Beitrag lesitet – nur halt nicht im Irak- und konnte innenpolitisch die Opposition ruhig stellen, weil man mit ganz wenigen Soldaten an einer guten Sache beteiligt war und nicht am bösen Irakkrieg. Und solange nichts passierte, hat das in Deutschland ja auch keinen interessiert.
    Ergebnis für die Phase Kabul: politische Ziele alle erreicht, taktische Aufgaben der Truppe alle erreicht, strategische und operative Ziele für Afghanistan bei weitem verfehlt, da mangelnde Ressourcen und daraus folgend falscher politischer und militärischer Ansatz.
    Und für den Somalia-Einsatz kann das gleiche Ziel gelten: Flagge zeigen. Politische und taktische Ziele erreicht, strategische und operative Ziele verfehlt. Ein norwegischer Kamerad fasste das mal zusammen mit: „When deployment is the only objective.“

  27. @Sachlicher 19:54
    :))) eines der Beispiele aus der Operation. Aber egal, war Marine, Marine kämpft ja nicht, Marine fährt ja eh nur rum… ;))) Sorry es juckte gerad so in den Fingern…

  28. @Cynic2 | 27. Juni 2013 – 8:34
    Am 23.06., 8.10 Uhr, dlf, wurde ein Interview mit R. Erös ausgestrahlt, in dem die Taliban im Grunde als überbewerteter Papiertiger ohne größeren Einfluss dargestellt werden. Vielleicht war der ISAF-Einsatz doch an bestimmten Punkten erfolgreicher als manche meinen, und wir sehen da zu schwarz. (Ich halte den Einsatz nach wie vor für falsch.)

  29. @autostaedterin
    Eine Bewertung nach Kategorien von richtig und falsch, obgleich natürlich eine persönliche Angelegenheit, kann bei einem so weitreichenden Einsatz meiner Ansicht nach schwierig werden. Das fängt bei den anzulegenden Kriterien und ihrer Gewichtung an: völkerrechtlich, moralisch, politisch vertretbar, politisch effektiv, militärisch effektiv, kosteneffizient, kurzfristig erzielte Sicherheit, langfristig erzielte Sicherheit, etc. Ebenso sind die weitreichenden unmittelbaren und mittelbaren realen Auswirkungen zu betrachten, die positiv und negativ sind: Lage in AFG, Lage in der Region, internationale Auswirkungen, Auswrikungen auf die NATO, Auswirkungen auf die deutsche Außenpolitik, die Sicht der deutschen Bevölkerung, Veränderungen der Bw als Organisation, Auswirkungen auf den einzelnen Soldaten. Bemerkenswert fand ich in diesem Zusammenhang die Aussage eines Generals, er ‚befürchte‘ durch den Einsatz eine zu starke Professionalisierung der Streitkräfte! Man stelle sich vor, Offiziere in Kommandobehörden und dem BMVg würden aufhören nur Vorlagen und Stellungnahmen zu schreiben und tatsächlich taktisch, operativ und strategisch denken! Unmöglich! ;-)

  30. @Cynic2 | 27. Juni 2013 – 9:37
    Vorlagen und Stellungnahmen an wen? TdM, die Kanzlerin? Ich stelle mir vor, dass die Entscheidungen bezgl. ISAF ohnehin in Washington und Langley getroffen werden, da kann sich die deutsche Seite die Finger wund schreiben.
    Streitkräfte müssen doch sehr professionell aufgestellt sein, wie jeder andere qualifizierte Beruf auch (sonst bräuchte man auch keine duale Ausbildung, kein Studium etc.). Vielleicht war da jemand noch gedanklich im Kalten Krieg.

  31. @autostaedterin
    Das meinte ich mehr im Allgmeinen als speziell auf ISAF bezogen.
    Was die politische und strategische Grundlinie anbelangt haben sie wahrscheinlich recht, wobei man Langleys Einfluss zum einen durch Donald Rumsfelds Aktivitäten im DoD als auch die starke Rolle des US-Militärs in AFG wohl deutlich zurückging. Zum allgemein kolportierten großen Einfluss der CIA auf die US-Politik ist „Ghost Wars“ übrigens sehr instruktiv.
    Die deutsche Rolle und Sichtweise im Einsatz ist ganz praktisch und alltäglich nicht die der USA und da kommt es zu genügend Reibereien, weil das US HQ etwas will und Potsdam und Berlin das anders sehen.
    Jede Organisation professionalisiert sich in den Fähigkeiten, die sie dringend benötigt und die für den Einzelnen ein besseres Forkommen bedeuten. Und Karrieren werden auch heute noch eher im Ministerium als auf der Truppenebene gemacht.

  32. @Cynic2 | 27. Juni 2013 – 10:51
    „Und Karrieren werden auch heute noch eher im Ministerium als auf der Truppenebene gemacht“
    Das ist halt überall so, liegt wohl an der hierarchischen Struktur sowohl in Firmen als auch in Institutionen, die Häuptlinge beglückwünschen und befördern sich gegenseitig (wozu man am Schreibtisch zu Hause vermutlich mehr Zeit hat als in situ), die Indianer strampeln, was das Zeug hält. Auch bescheidene Mitarbeiter in normalen Firmen werden nicht mehr gelobt.

  33. @ NMWC | 27. Juni 2013 – 8:39
    Damit bitte kein falscher Zungenschlag reinkommt: Ich hatte und habe hohen Respekt vor den Grundwehrdienstleistenden, die daran beteiligt waren. Und wenn sie zu diesem Einsatz ausgewählt worden waren, dann werden sie das schon gekonnt haben. Das ist bitte bei mir als unstrittig anzusehen.

    Wenn Sie mich aber ärgern :-) oder herausfordern wollten, dann führe ich den Zeitraum 30. Januar 1991 bis 17. März 1991 an und die Geschichte sozusagen in die Dritte Dimension mit dem Einsatz des Flugabwehrraketengeschwader 2 und einiger sonstiger Truppenteile sonstiger TSK in Diyarbakır im Rahmen der Operation Desert Storm.

    Ich hoffe Sie erlauben mir den kleinen Scherz.

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