„Damit der Staat den Menschen dient“ – Vorstellung des Buchs von de Maizière

Nach meiner (gestrigen) Besprechung des Buches Damit der Staat den Menschen dient von Verteidigungsminister Thomas de Maizière hier die offizielle Buchvorstellung am 11. März in Berlin zum Nachhören:

Vorstellung des Buches durch Franz Müntefering, ehemaliger SPD-Vorsitzender

deMaiziere-Buch_Muentefering_11feb2013.mp3     

 

 

Replik von de Maizière:

deMaiziere-Buch_Replik_11feb2013.mp3     

 

 

Fragen und Antworten zum Buch (die Fragen sind wg. des fehlenden Mikrofons für die Fragesteller leider meist unverständlich). Interessant für die Leser hier dürften seine Aussagen bei Minute 07:30 zur notwendigen Mentalitätsveränderung in der Bundeswehr sein:

deMaiziere-Buch_Q+A_11feb2013.mp3     

 

 

 

 

31 Gedanken zu „„Damit der Staat den Menschen dient“ – Vorstellung des Buchs von de Maizière

  1. bzgl der 7:30er Stelle verstehe ich da irgendetwas nicht…

    Die Soldaten wurden in der Vergangenheit bewusst zivil kontrolliert und diese Zivile Übersteuerung ist heutzutage obsolet… er will eher ein miteinander… warum dann das Extra an Politischen Beamten an der Spitze diverser Behördern und warum dann die Nachordnung des GI unter den StS? Entweder kann ich dem Minister nicht folgen oder gewisse Aussage hier stehen im Widerspruch zu gewissen Handlungen andernorts

    Ähnliche Probleme habe ich da mit der Stärkung der Auftragstaktik, die ich prinzipiell ja als guten Ansatz Empfinde (also die Stärkung ;) ), aber mangels ‚Tiefe‘ die Zwischenebenen, die man da stärken möchte noch suche…

  2. Ich weiß ja nicht, was ich eitler finde: echte Eitelkeit a la zu Guttenberg oder inszenierte Uneitelkeit a la de Maiziere.

    Darüber hinaus halte ich die These von der Wehrverwaltung als Einhegung des Militärs für gewagt. Primat der Politik heißt, dass die Politik das Militär führt und nicht die Verwaltung. Andererseits kann sich nun jedes Charakterschwein in der Kleiderkammer und auf der Standortschießanlage retrospektiv eines zivilisatorischen Aktes rühmen, wenn er mal wieder den Dienstbetrieb behinderte. Eine Traditionslinie, die derzeit die Teile der Wehrverwaltung nahtlos fortsetzen, die über die Versorgung traumatisierter Soldaten zu befinden haben.

  3. @Sascha Stoltenow
    „….. inszenierte Uneitelkeit a la de Maiziere.“

    Oder ist es un-/heimliche Gier?

    „Er hat den verständlichen, aber oft übertriebenen Wunsch nach Wertschätzung. Er ist vielleicht geradezu süchtig danach“ sagte Mister x. Er forderte den Minister auf: „Hör einfach auf, dauernd nach Anerkennung zu gieren.“

    Seine Gier ist Begehren und wurzelt im seelischen Antrieb zur Behebung eines subjektiven Mangelerlebens (sein Vater hat nachhaltig etwas geschaffen, er noch nicht) mit einem damit verbundenen Wunsch durch scheinbar selbstloses Dienen (inszenierte Uneitelkeit), den empfundenen Mangel durch die große Reform der Bundeswehr zu beheben.

    Das alte Lied unbedeutender Sohn will aus dem Schatten seines bedeutenden Vaters treten!

    Selbstlos und ganz ohne Eitelkeit und Gier!

    Erwischt :-)

  4. Manchmal kommt es mir vor als ist die Anzahl der geschriebenen Bücher umgekehrt proportional zur Anzahl der gelesenen Bücher ;)

  5. Elahan | 11. März 2013 – 15:17
    „Das alte Lied unbedeutender Sohn will aus dem Schatten seines bedeutenden Vaters treten! “
    Also, geehrter Elahan, wenn Sie sich die Zeit nehmen und einfach mal die Vita von TdM lesen, bemerken Sie selbst wie falsch ihr Satz ist.
    Sein Vater war lediglich Soldat und Buchhändlerlehrling, mehr nicht; soviel Schatten ist da nicht (oder? wer weiß…).

  6. @Heiko Kamann

    Aus ihrer Sicht! Es geht nicht darum was er war, sondern was er geschaffen hat und wie dies TdM empfand! Da geht es nicht um Ratio!

    Einen Grund muss es ja geben, dass er so ist wie er ist :-))

  7. Elahan | 11. März 2013 – 17:23
    Na nehmen Sie es mal als „neutrale Sicht“. Der eine hatt(e) mehrere Ministerposten verschiedener Ressorts inne, der andere hat außer Soldat, nichts gemacht … außer der kurzen Zeit bei Schmorl & Seefeld. So what. Geschaffen? Kommen Sie jetzt nicht mit der „inneren Führung“ …
    Das ich mal TdM verteidige …

  8. Vielleicht bekommen ja alle (Soldaten und zivile Beschäftigte der Bundeswehr) zu Ostern eine Gratisausgabe zum Lesen geschenkt … damit wir dann sehen, daß wir alle ihn doch nur falsch verstanden haben …

  9. @Heiko Kamann

    „Innere Führung“ ist ein guter Stichpunkt! Auch daran wird er gemessen siehe CRM :-D

    Sie verwechseln evtl. Realität mit Wahrnehmung von TdM (gerade in der Kindheit) und der daraus resultierenden Denk- und Gefühlsmuster. TdM ist doch nicht erst seit er Erfolg hat, so wie er ist! Ursache und Wirkung!

    Doch nun bin ich an der Grenze meiner Kompetenz bez.. Psychologie!

    War ja auch nur so ne Idee :-)

  10. Wie so oft intellektuell interessant – nur eben wenig mit der Lage an der Basis zu vereinbaren.
    Freude an Verantwortung haben eben leider immer weniger, da sich das System Bw allzu oft selbst blockiert.

    Auch interessant, dass er einen Wechsel in ein anderes Ministerium nach der Wahl nicht kommentieren will.

  11. Herr @Heiko Kamann,

    Ulrich de Maizière „nur“ Soldat…

    Aha.

    Im Zweiten Weltkrieg Ia (=G3) einer Panzergrenadierdivision – an der Front gedient. Nicht gegen die Taliban.

    Anfang Februar 1945 gegen Kriegsende wieder im Generalstab des Heeres als Erster Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung.

    Seine Karriere in der Bundeswehr ist bekannt.

    Ob sein Ruf als einer der Väter der „Inneren Führung“ ihm tatsächlich zur Ehre gereicht, sei dahingestellt.

    Aber schließlich Inspekteur des Heeres, dann Generalinspekteur.

    Als junger Offizier erlebte ich ihn persönlich den Sechzigern. Zwiespältiger Eindruck – sicher kein von Manstein, erst recht kein Guderian.

    Ihn jedoch als „Nur“-Soldaten zu diskriminieren, ist anmaßend.

  12. Zeitzeuge | 11. März 2013 – 22:09
    Ja, sie unterstreichen es doch: er war nur Soldat, mehr nicht. Ich sehe darin keine Diskreminierung … schließlich war ich selbst Soldat. Sein Sohn hat ein paar mehr Stationen erreicht …

  13. Elahan | 11. März 2013 – 18:11

    „Doch nun bin ich an der Grenze meiner Kompetenz bez.. Psychologie!“

    Yep! Gute Nacht.

  14. Ich bin verwundert, dass TdM neben der Reform und diversen Auslandseinsätzen seiner Truppe noch Zeit findet ein Buch zu schreiben.

  15. @Hoot
    Das finde ich auch sehr interessant, dass dann doch noch soviel Zeit bleibt die tugendhafte Selbstdarstellung zu betreiben.

    Auch würde mich interessieren, ob TdM meint, dass seine Ansicht des Dienens auf seine Untergeben auch auf den untersten Stufen übertragbar ist.
    Siehe das Beispiel als Frau Merkel ihn aus Sachsen ins Kanzleramt holte; er hätte zwar anders gewollt aber er ist quasi seiner Pflicht gefolgt.
    Nun lässt sich aber die Versetzung und Berufung von TdM zum Kanzleramtschef nicht mit der Versetzung von bpsw. einem einfachen Uffz vergleichen – alleine schon wegen der Gehaltsstufe – meiner Meinung nach in keinster Weise übertragbar.
    Da ist es dann ziemlich billig über Dienen zu philosophieren, wenn man für die Strecke Berlin-Dresden den schönen Dienstwagen samt Fahrer in Anspruch nehmen darf, während der erwähnte Uffz am Freitag stundenlang im Zug der Deutschen Bahn sitzt, um am Wochenende doch noch ein bisschen Zeit mit Frau und Kind zu verbringen…

  16. @ Heiko Kamann
    Sie haben Recht, der Vater von TdM war nur Soldat.
    Was aber hat TdM erreicht?
    Er war bisher nur Staatsdiener!
    Eine typische Karriere in Deutschland in der öffentlichen Verwaltung auf der politisch/administrativen Ebene. Parteibuch>Hochschulstudium>höherer Dienst in der öffentlichen Verwaltung>Referent bei politischen Entscheidungsträgern>Referatsleiter>Staatssektetär Ebene Bundesland>Landesminister>Bundesminister.
    Ein typischer Verwendungsaufbau in der politisch/administrativen Ebene und nicht mehr. In der deutschen Politik alltäglich und auch nicht höher oder niedriger zu bewerten wie die Karriere seines Vaters.

  17. McKenzie | 12. März 2013 – 9:04

    „Er war bisher nur Staatsdiener!“
    Stimmt. Und sein Vater, diente erst mit freude Hitler und wurde dann treuer Staatsdiener.

  18. Heiko Kamann | 12. März 2013 – 12:40

    „Und sein Vater, diente erst mit freude Hitler und wurde dann treuer Staatsdiener.“

    Die heutigen Bundeswehrsoldaten werden sich möglicherweise auch einmal vorhalten lassen, sie hätten mit Freude Kohl resp. Schröder resp. Merkel gedient.

    Aber das kann man ja nicht miteinander vergleichen, um Himmels willen.
    Weil Wehrmacht=böse=ganz schlimm etc. pp.

    Hätte nicht gedacht, auch auf diesem Forum solche Argumente lesen zu müssen.

  19. Zeitzeuge | 12. März 2013 – 16:08
    „Hätte nicht gedacht, auch auf diesem Forum solche Argumente lesen zu müssen.“
    Tatsachen waren hier bislang nicht verboten. Sollte zensiert werden?

  20. ….und wenn man die Zahnpasta nicht in die Tube bekommt, dann muss man sie eben verbrennen, wie weiland die Bücher….

  21. Nun ist das Buch seit Montag raus und wir alle haben noch immer kein Gratisexemplar bekommen. … dabei wollte er uns doch seine Reform erklären und Transparenz zeigen, aber wieder nichts ;(

  22. @klabautermann: Danke für den Link. Vielleicht ist sein glaubhaftes Eintreten für moderne Führungsmethoden und für den Staatsbürger in Uniform seine Einsicht in die Fehler der Wehrmacht bzw. des 3. Reiches. Ich sehe das persönlich als wichtiger für uns heute an, als eine öffentliche Selbstzerfleischung.

    Seinem Sohn hätte er vielleicht seine Denkweise noch näher bringen müssen. Das wäre eine gute Tat mit Zeitzünder gewesen. So blieb er zum Teil unverstanden.

  23. An der Führungsakademie der Bundeswehr hatten wir vor Jahren ein – auch für diesen Minister – sehr passendes Sprichwort: „Hoch vom Dach kotzt der Rabe.“
    Das heisst, bezogen auf TdM, im Klartext, dass es natürlich SEHR einfach ist, aus der familiär angeschobenen und parteipolitisch abgesicherten Deckung mit Ministergehalt ANDEREN Wohlfeile Ratschläge zu erteilen, „sie müssten flexibler und bescheidener sein“.
    Fakt ist, dass die abgehobene und oberlehrerhafte Attitüde, die dieser Minister im eigenen Haus (vor allem im Umgang mit den Soldaten) an den Tag legt, schlicht unerträglich ist. Und mit dieser Meinung stehe ich wahrhaftig nicht alleine.

  24. @ Kommentator

    Genau das finde ich auch – in seiner Position ist es nur recht und billig über das Dienen zu philosophieren. Ich persönlich finde es schon fast lächerlich.

    Wie gesagt, einem Uffz mit Frau, Kind und 1500 netto zu sagen er soll doch flexibler und bescheidener sein, grenzt schon an Zynismus…
    Einfühlungsvermögen ist dabei nicht verhanden!

  25. @klabautermann

    Würd schon reichen, wenn er die ZDv 10/1 liest und verinnerlicht!

    „…..Das Führungsverhalten der Vorgesetzten ist ausschlaggebend für die lebendige Umsetzung der Grundsätze der Inne- ren Führung. Der zwischenmenschliche Umgang darf nicht von funktionaler Kühle und innerer Distanz geprägt sein….“ F.J.J

    607. Grundvoraussetzung für verantwortungsbewusste und auf-
    geschlossene Vorgesetzte ist deren positive Einstellung zu ihren Mitmenschen. Wer Menschen führen will, muss Menschen mögen.

  26. Auf die Frage, wen man mit dem Buch erreichen wolle und warum man es überhaupt geschrieben habe, antwortete de Maizière schlicht: »Das frage ich mich auch.«

    „Wer die Menschen nicht mag, wird kein guter Politiker.“ Mag er Menschen?

    „TdM schreibt von der Notwendigkeit eines Mentalitätswechsels innerhalb der Bundeswehr, um die Rolle Deutschlands in sicherheitspolitischen Fragen auf internationalem Pakett weiter zu festigen.“

    „Mentalitätswechsels innerhalb der Bundeswehr“ und wieder sind wir Soldaten die scheinbare Ursache für angebliche Mißstände!

    Welchen Mentalitätswechsels innerhalb der Bundeswehr soll es geben? Ist es unsere Aufgabe die Rolle Deutschlands in sicherheitspolitischen Fragen auf internationalem Pakett weiter zu festigen? Wolte TdM, dass wir uns zu sicherheitspolitischen Fragen eher zurückhaltend äußern und wenn es nicht seiner Meinung entspricht eher garnicht?

    Was will der Mann?

  27. Langsam bleibt doch wirklich nur zu hoffen, dass es im September einen Wechsel im BMVg gibt.

    „Rolle Deutschlands in sicherheitspolitischen Fragen“

    Diese Rolle hätte ich als Bürger gerne mal vom Minister näher erklärt! Denn das ist bisher nicht geschehen – stattdessen wird reformiert ohne zu wissen was man eigentlich können soll!

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