Im Afghanistan-Einsatz: Die Westentaschen-Drohne

Die Debatte über Drohnen, vor allem in Deutschland, konzentriert sich derzeit auf bewaffnete unbemannte Flugsysteme – aber es gibt auch zunehmend Beispiele für Drohnen-Einsätze am anderen Ende des Spektrums: Die britischen Streitkräfte haben mit dem Einsatz von Mini-Drohnen in Afghanistan begonnen.

Die Black Hornet, wie die Briten das System nennen, ist ein ferngesteuerter Mini-Hubschrauber mit Kamera, hergestellt von der norwegischen Firma Prox Dynamics. Die Drohne selbst wiegt gerade mal 16 Gramm, die Steuereinheit knapp ein Kilogramm. Für die Systeme mit insgesamt 160 dieser schwarzen Hornissen gibt das britische Verteidigungsministerium etwa 20 Millionen Pfund aus (umgerechnet rund 23 Millionen Euro).

Den Einsatzzweck der Mini-Drohne lässt das britische Verteidigungsministerium den Soldaten einer Aufklärungseinheit so erläutern:

We used it to look for insurgent firing points and check out exposed areas of the ground before crossing which is a real asset. It is very easy to operate and offers amazing capability to the guys on the ground.

(Foto: Crown Copyright 2013 unter MoD News Licence)

38 Gedanken zu „Im Afghanistan-Einsatz: Die Westentaschen-Drohne

  1. Also die Westentaschen-Drohne dürfte doch wohl in Deutschland sogar vor den gestrengen Augen Jürgen Trittins Gnade finden.

  2. mich wüde ja brennend interessieren wie lange die Minis in der Luft bleiben können. Selbst bei den hochpreisigen Spielzeugcoptern in der Größe ist nach 10 Minuten der Akku leer. Und die müssen nicht noch Videos oder Bilder aufnehmen und funken.

  3. die 30 min endurance möchte ich gerne mal sehen. draußen im gelände mit etwas wind. nach meinen erfahrungen mit (modell-)hubschraubern dieser größe: etwas zu klein, um unter den meinsten vorherrschenden wetterbedingungen 100% einsetzbar zu sein, um wirklich ein verlässliches ausrüstungsteil zu sein.

    eines stimmt aber doch. wenn man von so einem ding getroffen wird trägt man nicht mal wirklich kratzer davon ;)

  4. ….wobei ein Schnäppchen ist das mit 23 Mio nicht! Kostet ja fast so viel wie die LUNA und die kann was!

  5. Wer’s billiger haben will kann ja einfach mal nach FPV und Quattrocopter googeln, sich informieren und selbst bauen…

    Wobei auch interessant wäre wieviele Systeme beschafft werden, mit wievielen Fluggeräten und was sonst noch dazugehört. Ersatzteile, Sensoren, Wartung, Ausbildung, Weiterentwicklung,…?

  6. @Elahan die 23 Mio waren wenn ich den Text richtig verstanden habe auf 160 Stück bezogen – damit zwar immer noch kein Schnäppchen…

  7. Rund 140.000 EUR für ein einzelnes System? Da kommen mir gerade ein paar Worte in den Sinn…. z.B. Lizenz, Geld und drucken ;-)

    Angenommen die verbauen dort wirklich State-of-the-Art Technologie, dann kommt man bei der Herstellung auf keine 10.000EUR pro Stück… (Nicht, dass irgendein Unternehmen in der Rüstungsindustrie jemals die Bauteile des günstigsten Anbieters nehmen würde… *g*) Und mit „Entwicklungskosten“ muss man auch nicht herumfuchteln – Die haben einfach bereits bestehende Technologien verwendet und evtl. etwas aneinander angepasst. Auch die Software, welche dort zum Einsatz kommt war bereits zuvor entwickelt worden… Man hat also nicht etwas „völlig Neues“ gemacht.

    Ich persönlich denke, dass so ein teil in der Herstellung (Materialwert !!) deutlich unter 1000EUR liegt… Aber seit wann muss man auch nur Ansatzweise wissen, was man tut, wenn man im mil. Beschaffungswesen arbeitet… ;-)

  8. Dann würde ich mal annehmen, dass im Rahmen der Fliegerabwehr aller Truppen künftig eine Fliegenklatsche zur Standardausrüstung gehört…

  9. Vielleicht eine Art „Flatrate-Betrieb“ incl Wartung, Upgrade und kostenfreier Ersatz verlorengegangener (und das kann man bei so Winzlingen wörtlich nehmen!) Systeme?
    Andererseits haben sich die Briten auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert was Beschaffungen in jüngster Zeit angeht…

  10. @JaN
    “ die 23 Mio waren wenn ich den Text richtig verstanden habe auf 160 Stück bezogen“

    Stimmt und Stückpreis der Luna ist ca. 200 000 €

  11. Was macht das ding bei einem richtigen Wind? Soll in Afghanistan mal vorkommen, dass da ein Lüftchen weht daß man nicht simulieren kann indem man mit der Pappe davor herumwedelt.
    Oder bei Regen oder Schnee?

  12. @BausC:
    Als alter Pionier sag ich nur PETN! – Schnell, Effektiv und man sieht auch was hinter der Mauer WAR!

    ;-)

    Der Sinn eines solchen Systems steht ausser Frage. Lediglich der Preis ist ein schlechter Witz. Schlimm ist eigentlich nur, dass es wirklich Menschen zu geben scheint, die einen solchen Preis bezahlen. – Aber ist ja nicht aus der eigenen Tasche…

  13. Gab doch mal diese Granatenkameras, die dann per Fallschirm gebremst dem Boden entgegen sanken und während dieser Zeit Bilder an das Empfangsgerät übertrugen.
    Aus der Erinnerung heraus war der Preis deutlich günstiger.

  14. hm……britischer Humor ??

    Jeder böse Bube, der so ein Ding in der Luft sieht, weiß also jetzt, dass ein britischer Infanterist im Radius 1000 Meter zu finden ist…dolle Wurst….die spinnen, die Limeys

  15. Wenn er es denn sieht ,… und mit der Signatur, die westl. Truppen in Afghanistan haben, sind sie doch in den allermeisten Fällen sowieso längst aufgeklärt.

  16. Die norwegische Firma gehört wahrscheinlich nem Engländer….;-)
    Das kann man doch wirklich nicht mehr ernst nehmen !

    @T.W. ……?

  17. Man darf im übrigen ohne weiteres davon ausgehen, dass die Insurgenten/Terroristen künftig ebenfalls kleine Drohnen einsetzen werden. Mittlerweile gibt es ja auch schon Zeitgenossen, die das das Drohnen-Fliegen als Hobby betreiben.

    Eine Kamera auf einem ferngesteuerten Modellflugzeug zu montieren ist ohnehin keine neue Idee. Und hoffentlich kommt so schnell keiner auf den Gedanken, Sprengstoff auf so einen Flieger zu packen und dann in das Gartenfest des Bundeskanzleramts zu steuern.

  18. Sonderlich große Büms würde das allerdings nicht geben.
    Und Afghanistan ist für irgendwelche Talib hightech schlichtweg zu primitiv.
    In all den Jahren ist da nicht eine einzige Manpads oder ATGM aufgetaucht

  19. @JCR: „In all den Jahren ist da nicht eine einzige Manpads oder ATGM aufgetaucht“

    Beides falsch.

  20. Beispiel ATGM: http://ojihad.wordpress.com/2010/12/13/the-taliban%C2%B4s-latest-toy-european-anti-tank-missiles/
    Sogar von einem dt. Journalisten

    Zu den MANPADS gibt es mehrere Beispiele. So hat im Zeitraum 2004/2005 die Gruppe Abu Laith al-Libi durch Labbaik Media mindestens ein Video veröffentlich, die den Abschuss eines Luftfahrzeugs durch ein MANPADS zeigen. Aus der Erinnerung heraus kann ich allerdings nicht mehr sagen, ob es ein Helikopter oder ein Flugzeug war.
    Es gibt, soweit ich mich erinnern kann, noch andere Videos, die die Nutzung von MANPADS zeigen. Neben weiteren, anscheinend nicht gefilmten Nutzungen, wie bei den ATGMs auch.

    Nächstes Mal bitte vorher informieren, dann kommentieren.

  21. Vor einiger Zeit wurde – mit Bildern – berichtet, wie Insurgenten in Afghanistan(?) kleine Drohnen einsetzen. Den Artikel finde ich aber leider nicht mehr.

    Man kann das eigentlich auch nicht (mehr) als Hightech bezeichnen. Vgl. z. B. diesen Artikel aus 2011 bei CNN:

    Mail-order drones
    By Jennifer Rizzo and Chris Lawrence reporting from San Diego, CA

    Calling all shoppers – drones for sale in aisle ten. Maybe you can’t get your own spy-craft at your local Best Buy yet. But you can get one in the mail.

    One company in California that’s building and selling low cost small drones says the days of unmanned aerial vehicles (UAVs) being a military-only technology is over.

    Out of a small San Diego warehouse, drones are being tested, built, packaged and sold. For under $1,000 this company can give you your very own UAV.

    […]

  22. @Zog
    Ohne den letzten Satz hätte ich „danke“ gesagt.

    Aber trotzdem scheinen dies eher einzelne Vorkommnisse (Einsatz einer Beute-Milan, unbestätigtes Taliban-Video) zu sein.
    Der verbreitete Einsatz von ATGMs würde ISAF ziemlich in Schwierigkeiten bringen.

  23. Hätten Sie in Ihren vorherigen Kommentar ein „mir wäre nicht bekannt“ eingebaut, hätte ich mir meinen Satz gespart. ;)

    Einzelne Vorkommnisse, natürlich, aber häufiger als bekannt wird.
    Das Video ist nicht unbestätigt, der Abschuss wurde damals von ISAF/OEF bestätigt. Ist nur schon lange her, daher sind mir die Einzelheiten nicht mehr so im Gedächtnis.
    Gibt auch ein aktuelleres Video, das anscheinend zeigt, wie ein US-Helikopter von einer ATGM getroffen wird.
    Da tauchen auch andere lustige Sachen auf, von denen nur eine Minderheit überhaupt publik wird. Mitglieder der im Süden und Osten eingesetzten Streitkräfte können da recht illustre Anekdoten beisteuern.

  24. Also bei einer grossen deutschen Spielwarenkette hab ich minihelikopter mit kamera für 29,-€ gesehen Bilder können am PC oder Notebook ausgelesen werden. Mal so neben bei anmerk wären also bedeutend billiger. Und die Bildqualität war auch net von schlechten Eltern.
    Herr Verteidigungsminister wäre dat nicht was für die Jungs die Teile kriegen sie auch durch den Bundesrat notfalls. Die Kameraden von der aufklärung fragen ob sie die dinger nicht selber kaufen könnten vom Wehrsold :-D

  25. Ist eigentlich irgendetwas zur Daten/Bildübertragung von diesem System bekannt?
    Standardproblem beim Indoor-Einsatz sind m. W. sehr geringe Reichweiten bei Funkübertragung.

  26. @ christian … einfach mal machen und schauen wie weit man damit kommt. wenn man experimentierfreudige vorgesetzte wäres ja mal nen versuch wert. ich bezweifel aber, dass die zviltechnik lange durchhalten wird. nichtmal im kleinen rahmen im feldlager oder auf nem dt stüpl

  27. Mit der AR Drone 2.0 scheinen sich tolle Sachen anstellen zu lassen. OpenSource Firmware, vier Rotoren für Stabilität und Tragkraft. Preis 300 Euro zuzüglich Steuerung, Kamera und Display (also immer noch unter 10.000 Euro).

  28. 160 Stück bei 20 Mio Pfund? Macht 125k pro Stück??? Bei Wired Dangerroom steht irgendwas von 4 Mio $ für das Gesamtprojekt, selbst das wäre mit 25k pro System noch relativ teuer… Aber ich vermute, für das Geld gibts einen Gameboy und zwei dutzend Wegwerf-Copter…

  29. Hmm – also mein Kamera-Heli von Pearl.de liefert Spitzenbilder, war wesentlich billiger und ist deutlich größer – und sogar der ist Opfer jeder noch so kleinen Windböe. Ich hab so ein bißchen meine Befürchtungen, dass die auch nur annähernd das sehen werden, was sie wollen, außer der Wind bläst das Teil genau drauf… -.-

  30. So ist das bei der Beschaffung von mili Fluggerät immer! Wenn man beim Projektstart an der Goldrandlösung arbeitet ist diese Lösung nach Jahren der Entwicklungszeit bei der Einführung hinter der Entwicklung im ziv Markt!

    Das gilt für Spielzeug, Elektronik, Mechanik, Flugsport uvm. Die enorme Innovationsgeschwindigkeit des Marktes kann von den wenigen, auf geringe Stückzahlen ausgelegte militärischen Entwicklungs- und Produktionsbereiche nicht mehr gehalten werden!

    Was bleibt! Zivile Produkte beschaffen und härten oder/und auf die Goldrandlösung verzichten und dafür robuste und zuverlässige Einheiten beschaffen!

    Eine nicht funktionsfähig Goldrandlösung in geringer Stückzahl (Breite vor Tiefe 1 oder 2 Stück) ist weniger wirkungsvoll als verfügbare, robuste Geräte mit bewährter, evtl modifizierter Technik (Gepard, P-4,Tornado, Breguet Atlantic Aigint, Bo 105, Heron uvm)

  31. @ Elahan

    Sie haben vollkommen Recht. Früher war der militärische Bedarf ein primärer Treiber für technologischen Fortschritt. Heute ist das längst anders. Die zivile Nutzung ist zur Speerspitze geworden – sie braucht, von einigen wenigen Unternehmen abgesehen, den militärischen Anreiz nicht mehr. Nicht jeder Planer im BMVg hat das verstanden.

    Im Klartext bedeutet das: In der Regel drohen Versuche, mittels kompromissloser Spezifizierung den rein militärischen Nutzen zu maximieren, im Ergebnis dazu zu führen, dass man sich über Kurz oder Lang am Ende des Zuges oder gar auf dem Abstellgleis wiederfindet. In der Zwischenzeit haben sich sowohl die Einsatzerfordernisse als auch der Stand der eigentlich verfügbaren Technik längst weiterentwickelt. Damit wird die eigene Lösung nicht nur extrem teuer, sondern viel zu oft auch wirkungsmindernd. Das ist im Sinne einer ökonomischen Denkweise bei begrenzten Haushaltsmitteln der worst case.

  32. @KeLaBe

    Zustimmung

    …und im Moment wird dies gerade bei RPA sehr deutlich!

    http://www.strategicsecurityair.com/optionally-piloted-aircraft/

    Den Grenzschutz und Sicherheitsfirmen werden in Zukunft die Hauptauftraggeber sein, auch für bewaffnete OPVs!

    P.S.: Brasilien kauft unsere modernisierte Gepardpanzer da sie gegen UAV/CAS geeignete und wirksame Systeme sind! Die Firma Stemme welche ein OPV auch bewaffnet produzieren kann ist eine deutsche!

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