Patriot: Weltweit

Ein Patriot-PAC3-System der japanischen Streitkräfte (Foto: Flickr-User ARTS_fox1fire unter CC-BY-NC-ND-Lizenz)

Die Meldung hat mit dem geplanten Einsatz von deutschen Einheiten mit dem Patriot-Flugabwehrsystem an der türkisch-syrischen Grenze nicht direkt zu tun. Aber im Hinblick auf dieses Waffensystem ist es dennoch interessant:

Japan stationiert auf drei seiner südlichen Inseln Patriot-Systeme mit PAC3-Raketen, die zur Raketenabwehr in der Lage sind. Damit will Tokio gegebenenfalls eine nordkoreanische Rakete abschießen, die das Regime in Pjöngjang in den nächsten Tagen starten will – offiziell für einen Satelliten, faktisch aber vermutlich als Test seines ballistischen Raketenarsenals.

Parallel, so berichtet die japanische Zeitung Asahi Shimbun, werden allerdings auch Aegis-Zerstörer mit den SM(Standard Missile)-3 Raketen in die Region verlegt. Aus rein technischer Sicht wird das eine interessante Frage: Wenn Japan tatsächlich beabsichtigt, die nordkoreanische Rakete abzuschießen – werden dafür eher die Patriot oder eher die SM3 eingesetzt?

Und als Nachtrag noch eine Frage an die Experten: Ishigaki, südlich von Okinawa gelegen, ist eine sehr hübsche Insel (ich war schon mal dort). Aber außer Tourismus gibt es da eigentlich nichts. Wenn dort Patriot-Systeme stationiert werden, kann das wenig damit zu tun haben, dass ein begrenztes Areal geschützt werden soll – es geht offensichtlich darum, den besten geographischen Ort für einen Raketenabschuss zu nutzen. Widerspricht das nicht ein wenig der oft gehörten Erklärung, mit den Patriot könnten nur Punktziele bzw. eng umgrenzte Räume geschützt werden?

11 Kommentare zu „Patriot: Weltweit“

  • Roman   |   03. Dezember 2012 - 9:56

    Also ich würde mein Geld auf die SM 3 setzen. Das System ist meines dafürhaltens leistungsfähiger, außerdem sind die Aegis-Zerstörer in perfekt auf einander abgestimmtes System und gut in Schuss gehalten. Vermutlich wird der Schuss der Patriot wohl günstiger sein. Da Japan aber seine militärischen Fähigkeiten demonstrieren will, macht es Sinn, unterschiedliche System zum Einsatz zu bringen. Irgend eins wird schon treffen. Zudem ist es eine gute und kostengünstige Übung für alle TSK unter realistischen Bedingungen.

    Zum Nachtrag: Die geplante Flugbahn der Rakete geht an der Südspitze Japans vorbei bis knapp an die Philippinen. Da die Flugbahn einigermaßen bekannt ist, kann ich auch mit einer Punktwaffe das Ziel bekämpfen. Sollte die Rakete aber ins Trudeln geraten und seinen Kurs geplant/ungeplant verlassen, dann muss Japan möglichst viele Waffensysteme einsatzbereit auf breiter Front haben.

  • markus, d.Ä.   |   03. Dezember 2012 - 10:05

    ein kluger schiss am morgen,

    das bild zeigt vermutlich sowohl als auch. nen pac3 im hintergrund und irgendwas pre-pac3 im vordergrund

    https://maps.google.com/maps?f=q&source=embed&hl=en&geocode=&q=http:%2F%2Fwww.northkoreatech.org%2Fwp-content%2Fuploads%2F2012%2F03%2FKwangmyongsong-3%2520launch-imo.kmz&aq=&sll=37.450478,-122.14428&sspn=0.014786,0.033023&ie=UTF8&ll=27.400572,124.315278&spn=24.523922,1.115555&t=m

    wenn man sich die erwartete flugbahn für da vorgängerraketenprojekt anschaut, ist die positionierung der raketen schonmal keine völlige schnapsidee.

    ob sich der „gefechtskopf“, aeh Satellit irgndwo um die inselgruppe in Abfangreichweite befindet ist aber immer noch ne andere frage.

    http://www.northkoreatech.org/2012/03/21/exclusive-north-koreas-expected-rocket-trajectory/

    das ist die quelle für die flugbahn. in wie weit man der quelle trauen kann vermag ich nicht zu beurteilen. die japaner scheinen da jedenfalls mitzulesen ;)

  • markus, d.Ä.   |   03. Dezember 2012 - 10:11

    nachtrag: in anbetracht der spannungen bezüglich irgendwelcher felseilande in der nähe von taiwan ist man in tokio vermutlich auch nicht zu traurig über die möglichkeit die südflanke militärisch etwas aufrüsten zu können

  • geheim   |   03. Dezember 2012 - 10:13

    Gegenfrage: Spricht außer den Kosten, die bei einer nordkoreanischen Rakete dann wohl auch egal sind, irgendwas dagegen, mit zwei verschiedenen Waffensystemen zu versuchen sie abzuschießen? Immerhin dürften sich die Chancen dann doch erhöhen.

  • MFG   |   03. Dezember 2012 - 11:12

    Wahrscheinlich zuerst SM-3 (die kann ja auch midcourse) und dann PAC-3 als Punktzielverteidigung.

  • Kerveros   |   03. Dezember 2012 - 12:31

    wenn das Ziel nicht Japan direkt ist, dann fällt PAC-3 wohl eh flach und damit bleibt ja nur die SM3… so dumm, die Rakete nach Japan reinfallen zu lassen sollten selbst die Koreaner nicht sein…

  • markus, d.Ä.   |   03. Dezember 2012 - 12:40

    habens mal auf die karte geschaut ?

  • Kneifzange   |   03. Dezember 2012 - 13:51

    Vielleicht wollen die Pearl Harbor angreifen?

  • para   |   03. Dezember 2012 - 17:52

    Versteh nicht so ganz das Problem, da PAC-3 und SM-3 komplementaere Systeme sind, also kein „Entweder…oder“. Entsprechend werden sich die Kongo DDG wohl an einem Midcourse Intercept versuchen.

    Die projizierte Flugbahn der Rakete fuehrt, wie schon erwaehnt wurde, direkt ueber diese Inseln und Richtung Australien und wird in Fachkreisen scheinbar als glaubwuerdig angesehen, daher duerften auch die Japaner das ernst nehmen. Ich wuerde mal vermuten, PAC-3 ist in dem Kontext dafuer da, bereitzustehen, falls die Rakete nicht so ganz fliegt wie geplant, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt, dh. wenn sie auf ihrer geplanten Bahn doch wieder Richtung Erdoberflaeche zielt, sind das die Fleckchen an japanischem Territorium, wo man eben abfangen koennte, wenn das Sturzgut in Reichweite ist.

    Wenn die Unha-3 fliegt wie geplant, eruebrigt sich PAC-3. Nur die Kongos duerften dann eine Chance haben (Japan hatte vor dem fehlgeschlagenen Versuch im April verlautbaren lassen, in jedem Fall einen Abfangversuch zu unternehmen).

  • Trabantfahrer   |   03. Dezember 2012 - 18:16

    …und wir brauchen ein halbes Jahr, um Patriots in den Grenzen des NATO-Bündnisses zu verlegen…..

  • Interessierter   |   03. Dezember 2012 - 19:43

    @trabantfahrer:
    DIESES Problem ist politisch, nicht Militärisch… Militärisch stehen die Dinger so schnell in der Türkei wie sie die SALIS-Shuttles herpfeifen können…