Mali: Kurzes Update

Zwei Meldungen vom heutigen Tage zum Thema Mali. Finde beide noch ein bisschen schwer einzuordnen:

Ein Plan für eine Interventionsstreitmacht mit 4.000 Soldaten scheint Gestalt anzunehmen, meldet Reuters:

Military experts from Africa, the United Nations and Europe have drawn up preliminary plans to recapture northern Mali from al Qaeda-linked rebels, African officials said on Tuesday.
A source with knowledge of the plan said it will involve a force of more than 4,000 personnel, mostly from West African countries.
„Every military option will be used – ground and air,“ the source said, asking not to be named.

Unterdessen geben sich die militanten Islamisten, die den Norden Mails kontrollieren, gesprächsbereit, meldet AP:

An Islamist group carrying out public executions and amputations in northern Mali said Tuesday that it rejects ‘‘all forms of extremism and terrorism’’ and is now ready to talk with the Malian government.
The turnabout was announced by a representative of an Ansar Dine delegation that has been holding talks for the last several days with mediators in the capital of neighboring Burkina Faso.

Da scheint noch sehr viel im Fluss zu sein.

24 Kommentare zu „Mali: Kurzes Update“

  • Memoria   |   06. November 2012 - 19:45

    Luft/Boden-Koordination durch ECOWAS?!
    Super, dann können die ja mehr als die ANA nach fast 10 Jahren Ausbildung durch ISAF bzwwm USA.
    Oder übernehmen das dann in Nord-Mali französische „Ausbilder“?

    Realität ist nur ein Störfaktor…

  • Soenke Marahrens   |   06. November 2012 - 20:45

    @Memoria

    Die Kritik an der USA ist zu harsch :

    http://defensetech.org/2011/12/31/embraer-wins-usafs-light-attack-contest/

    Das ist die afghanische air to Ground Komponente…

  • Memoria   |   06. November 2012 - 20:49

    @Soenke Marahrens:
    Meine Kritik bezog sich weniger auf den Luft-Anteil (die Beschaffung verzögert sich ja auch erheblich (s.u.), aber wenigstens ein pragmatischer Ansatz von SOCOM), sondern auf den Bodenanteil:
    Wieviele FACs (Status: combat ready) hat die ANA???

    Derlei ist selbst für nach 2014 nicht geklärt… Details…

    Details zur Beschaffung des LAS:
    http://www.flightglobal.com/news/articles/usaf-issues-new-rfp-for-afghan-las-programme-371483/

  • Hans   |   06. November 2012 - 23:44

    „A source with knowledge of the plan said it will involve a force of more than 4,000 personnel, mostly from West African countries.“

    Ist doch klar, ECOWAS-Kampftruppen und FRA CAS inkl. FACs etc ;)

  • Martin Böcker   |   07. November 2012 - 0:52

    So weit ich mir das aus diversen Nachrichten zusammenreimen konnte, vor allem aus dieser hier:

    http://www.theglobalobservatory.org/analysis/349-northern-mali-key-is-strengthening-bamako-ecowas-plan-harbors-risks.html

    ist es irreführend, Ansar Dine einfach nur als “militante Terroristen“ zu bezeichnen, die Ihre Wurzeln in Mali haben.

    Demnach wären sie, ebenso wie die Nationalisten von MNLA, Angehörige eines Tuareg-Stamms, verfolgten also andere Interessen als die “Fanatiker “ der nordafrikanischen (AQIM) und westafrikanischen (MUJAO) Islamistengruppen, man könnte ihnen evtl. mehr Pragmatismus unterstellen, wodurch sie als Verhandlungspartner tatsächlich in Betracht kämen.

    Diese Differenzierung ergäbe für den Leser ein völlig anderes “Lagebild“.

  • Martin Böcker   |   07. November 2012 - 1:03

    Zumal der Krieger-Ethos, den man den Tuareg nachsagt (gefährliches Halbwissen), nicht zu diesem Schariastil passt.

    Hat da jemand vielleicht mehr Infos zu?

  • zog   |   07. November 2012 - 1:09

    „Zumal der Krieger-Ethos, den man den Tuareg nachsagt (gefährliches Halbwissen), nicht zu diesem Schariastil passt.“

    Inwiefern?

  • matt   |   07. November 2012 - 7:11

    Mali – interessantes thema. vielschichtige probleme:
    1. hmm 4000 kämpfer heisst 8.000 logistiker oder ? und tdm will 200 rausrücken ???
    2. es sind zwei missionen: retake and hold. also die 4000 wofür ???
    3. die mali armee: wer kennt die zahl? wer kennt die fähigkeiten? ecowas dto.!?
    4. nord mali ist so groß wie frankreich – das alles mit 4000 mann? und 2 franz dronen?
    5. die islamisten warten schon (video Omar Amarha 17.10.)
    was meint ihr dazu?

  • klabautermann   |   07. November 2012 - 7:44

    @Martin Boeker

    Wolfram Lacher (SWP) macht in seinem Beitrag einen imho richtigen und wichtigen Punkt: falls Algerien nicht aktiver Teil einer politischen Lösung für Mali wird, dann wird es sicherheitspolitischer Teil des Problems – genau wie Pakistan in Sachen Afghanistan.

  • klabautermann   |   07. November 2012 - 9:40

    @matt

    Nach der Systempunkttheorie würde ich mal über Sahel und Wasserversorgung nachdenken ;-)

  • Elahan   |   07. November 2012 - 12:49

    @zog
    Die islamistischen/nationalistischen Araber sind keine Freunde der Tuareg, die bis heute weit verbreitete arabische Volksetymologie: Tawariq (Einzahl: Tarqi), übersetzt „von Gott Verstoßene“ dient dazu, eine arabische Überlegenheit über die Tuareg auszudrücken. Grund dafür sind die liberalen religiösen Auffassungen der Tuareg, die von Vertretern einer strengen muslimischen Doktrin als verwerflich angesehen wird. (auch Halbwissen und wiki).

  • markus   |   07. November 2012 - 13:58

    @ elahan … wer sind denn die „nationalistischen Araber“ in ihrem Post? wahabiangehauchte bärte von der arabischen halbinsel (hanafistische rechtsschule) oder die Nordafrikaner, die sich eher der malikitischen Schule verpflichtet fühlen ?

  • wacaffe   |   07. November 2012 - 19:05

    La grande nation lagert seine Aufklärungsaktivitäten in Mali offenbar an PMC’s aus.

    http://feraljundi.com/5459/aviation-tracking-jihadists-france-is-using-cae-aviation-for-isr-over-maliniger/

    Firmenauftritt
    http://www.cae-aviation.com/

  • klabautermann   |   07. November 2012 - 19:39

    ach @Soenke

    es gibt einfach Waffensysteme, die so ausgereift, robust, effektiv und billig im Betrieb sind für spezifische taktische Szenarien, dass ‚man‘ sie einfach wegwerfen muß, damit die Industrie verdienen kann mit Neuentwicklungen……A10, Gephard, UH1D, Seahawk, S143A…..(ergänzen bitte)

  • NMWC   |   07. November 2012 - 19:56

    @Klabautermann
    Ja richtig, es ist immer die böse Industrie, diese alten Sausäcke. Der Auftraggeber, der diese Neuentwicklungen bestellt (oder sich von gewissen Vertretern jeden Mist aufschwatzen lässt) ist frei von jeglicher Schuld. Genauso der Landrat, Staatssekretär und andere Wahlkreisvertreter haben absolut keinen Einfluss. Wolgast wird ja nur aus reiner Wohltätigkeit auf Gedeih und Verderb gerettet.
    Oder hat da doch die Nähe zu einem Wahlkreis etwas mit zu tun?

    Aber ich gehöre ja auch zu den üblen Sausäcken und will hier keine Revolution über die etablierte Meinung vom Zaun brechen….

    Differenzieren ist einfach zu langweilig.

  • Memoria   |   07. November 2012 - 20:49

    @Soenke Marahrens & Klabautermann & NMWC
    Wie bereits gesagt, dass LAS ist ein pragmatischer Weg – bezeichnenderweise von SOCOM und nicht von der USAF initiiert.
    Ähnliches hätte man auch in Deutschland machen können – wenn der Bedarfsträger mal WIRKLICH „vom Einsatz her denken würde“.

    Daher vielen Dank an NMWC, denn es ist ja immer sehr einfach auf Industrie, Politik und 87b zu schimpfen. Obwohl das Versagen eindeutig beim Bedarfsträger beginnt.

  • markus   |   07. November 2012 - 21:03

    die SOF hatten vermutlich auch die Chance die Tucanos bei ihren Kaffefahrten in Kolumbien in Action sehen zu können. Sowas eröffnet einem gleich neue Perspektiven, die ein ehemaliger Jet-Pilot so vlt nicht wahrnimmt …

  • Memoria   |   07. November 2012 - 21:16

    @markus:
    Der Flieger ist ja nur ein Beispiel für die Lernfähigkeit der Gesamtorganisation.
    Zumal institutionelle Lernfähigkeit nicht nur auf individuell-empirische Effekte angewiesen sein sollte.

    Ausreden findet man immer. Die Frage ist nur, ob man sich die ungestraft erlauben kann.

  • Soenke Marahrens   |   07. November 2012 - 21:21

    Es kam nicht von SOCOM…. es kam von Navy Irregular Warfare…

    http://defensetech.org/2010/07/29/mattis-still-supports-light-coin-plane-air-force-wants-dead/

  • Elahan   |   07. November 2012 - 21:24

    @markus

    Das ist doch mir wurscht, wer die sind :-)

    Es gibt eben dort genauso bekloppte wie in unseren Gefilden! Die einen überhöhen sich über den Glauben die anderen über ihre angebliche Abstammung. Am Ende findet sich immer ein Grund eine andere Gruppe zu bekämfen und sie als weniger achtenswert zu bezeichnen!

    Unter den Begriffen arabischem Nationalismus oder auch Panarabismus finden sie genügend Einträge. Letztendlich spreche ich natürlich von der Bande, welche im den Touareg in Fehde leben!

  • Elahan   |   07. November 2012 - 21:29

    Und beim Ansatz, Breite vor Tiefe, würden ja zwei Flieger reichen :-)

  • Memoria   |   07. November 2012 - 21:33

    @Soenke Marahrens:

    So oder so war die USAF nicht in der Lage einen solch pragmatischen Lösungsansatz zu entwickeln. Zudem wird die Beschaffung der LAS nun von SOCOM verantwortet.

    Ähnliches ließe sich in Deutschland mit Blick auf die Verzögerungen und Defizite der neuen Hubschrauber aufzeigen. Wenn man als Bedarfsträger nicht wirklich will, dann passiert halt auxch nichts.

    Um jedoch zum Ursprung zurückzukommen:

    Die Planungen für Nord-Mali sehen einen koordinierten Einsatz von Luft-/Boden-Streitkräften vor (keine Überraschung mit Blick auf die mindestens letzten 80 Jahre).
    Gleichzeitig gibt es die Auflage in Nord-Mali lediglich afrikanische Soldaten einzusetzen.

    Schau mer mal.

  • Soenke Marahrens   |   07. November 2012 - 22:19

    @Memoria

    Die Antwort, die ich damals bekommen habe… „Das ist ja kein Jet- kein Interesse“…

    Noch Fragen?