Wie einst die Sowjets

Zwei sehr lesenswerte Berichte von US-Kollegen in diesen Tagen, die angesichts des geplanten Abzugs der internationalen Truppen vom Hindukusch den – naheliegenden? – Vergleich mit dem Abzug der Sowjetunion vom Hindukusch ziehen:

The regime, sustained by a flow of food and ammunition from the Soviet Union, held firm. The Afghan Army fought well, routing the mujahideen in a decisive battle for the city of Jalalabad. But in late 1991 the Soviet Union fell apart, leaving Najibullah and his fellow-Communists to fend for themselves. With their supplies running out, soldiers began to desert the Afghan Army.

erinnert Dexter Filkins in seinem (Warnung: sehr langen) Stück  im New Yorker: After America – Will Civil War hit Afghanistan when the U.S. leaves? 

(Dieser Artikel ist gerade für Deutsche interessant zu lesen – wegen der Schilderung der aktuellen Situation rund um Kundus …)

Und für  TIME hat sich John Wendle auf die Suche nach ehemaligen russischen Soldaten in Afghanistan gemacht: Hidden in Afghanistan: Soviet Veterans of a Previous War Compare and Tremble

After the Soviets left, he says, “the Afghan National Army was completely destroyed, but now we have an army and police. However, those people get their salary from America. If America leaves, they will also be destroyed. There will be nothing of them left. There will be nothing here to control them and pay them.”

Ich bin sicher: Wir werden in nächster Zeit noch viel über den Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan lesen. Und viele Vergleiche.

6 Gedanken zu „Wie einst die Sowjets

  1. vergleiche können auch weiter hergeholt sein, wenn man bedenkt, dass sogar die nördliche abzugsroute erschreckende parallelen aufweist …

  2. Einige Beobachter vor Ort haben die sowjetische Intervention in Afghanistan sogar als positiven Vergleich herangezogen und meinten, dass die Sowjets erfolgreich gewesen wären, wenn ihre Gegner nicht massive Unterstützung von Außen erhalten hätten. Der von den Sowjets zurückgelassene Staat und dessen Streitkräfte seien zudem in wesentlich besserer Verfassung gewesen als deren aktuelle Version. Für die Zeit nach der Rückverlegung erwarteten viele daher einen raschen Zusammenbruch der Zentralregierung und eine Fortsetzung des Bürgerkriegs, in dem die Nordethnien den Großteil der Reste der ANA kontrollieren würden und damit in einer günstigeren Position wären als in den 90ern.

  3. @ markus | 11. Juli 2012 – 9:58: Ich empfinde die geplanten „Abzugsrouten“ als logisch, nicht als erschreckend parallel.

    Orontes schreibt eine mögliche Interpretation. Ich sehe die Parameter noch deutlicher zu gunsten einer fatalistischen Sichtweise verschoben: Teile der Anrainer wollen ISAF nicht. Dann sollen sie auch die Verantwortung übernehmen für ihre unterminierenden Handlungsweisen. Der „Westen“ solle sich halt auf Drohneneinsätze beschränken, um die bedrohlichen Spitzen strategischen Chrarakters zu bekämpfen.

    Nur solle bitte niemand mehr behaupten ISAF wäre gescheitert oder gar obsolet (gewesen). Wer daran dennoch festhält: WIr sprechen uns in 5-10 Jahren wieder und versuchen dies dann aus der Sicht der Menschen in und um AFG zu erörtern.

  4. @ sachlicher

    ja man steht auch vor den gleichen problemen wie die russen und flieht auch in die gleiche richtung.

    unabhängig vom offiziellen gemaule der nachbarn war man durchaus froh die ISAF dort zu haben. besonders die chinesen und russen haben an ihrer peripherie genug probleme mit eigenen islamistischen strömungen. solange sich der „globale“ jihad an der ISAF abreagieren konnte, war luft die ZA republiken zu stabilisieren und eigene regionalorganisationen aufzubauen. Wenn man sich die Manöverszenarien der SCO Mitglieder so anschaut, wird kalr woher der wind weht. Gegenwärtig scheint man aber in 1. Linie auf ein Containment zu setzen.

  5. Niemand floh, niemand flieht und niemand wird aus AFG fliehen. Das Wort ist mE nicht optimal gewählt und mE einer klaren Debatte nicht dienlich.

    Den Rest bestritt und bestreite ich nicht.

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