Nord-Mali: „Nothing to do but to wait for war“

Eine der Gegenden, die sicherheitspolitisch in absehbarer Zeit für heftige Kopfschmerzen sorgen dürfte, ist der Norden Malis – mit seiner Rivalität zwischen militanten Islamisten und (säkularen) Kämpfern der Tuareg, die gegen die malische Regierung wie auch Gegeneinander kämpfen. Wahrgenommen wird das in Europa bislang kaum. Deshalb der Hinweis auf einen Bericht und beeindruckende Fotos bei Al Jazeera:

Northern Mali: A dying land

(Und wenn die Kenner mal einen Blick auf die Waffe auf Bild Nr. 5 in der Serie werfen könnten?)

34 Gedanken zu „Nord-Mali: „Nothing to do but to wait for war“

  1. Eindeutig eine AK-Variante, vielleicht eine AK-74M.
    Für eine Waffe in der Hand eines Drittwelt-Rebellen ist diese in außergewöhnlich gutem und gepflegtem Zustand. Möglicherweise hat er sie erst vor kurzer Zeit erhalten. Eventuell wurde sie aus einem libyschen Depot geplündert.

  2. Das sind die typischen Konsequenzen von „westlichem“ Eingreifen in innere Staatskonflikte anderer Länder – hier Libyen. Die derzeitige „westliche“ Unterstüzung von islamistischen Kräften in Syrien wird, falls Assad stürzt, wohl noch erheblich schlimmere und für uns unmittelbarere Konsequenzen haben.

    Wirklich säkulär sind die Tuareg nicht aber als Sufi weit toleranter als die von Saudi Arabien geförderten Wahabbisten und Salafisten. Erstere werden in Mali im Zweifel die Letzteren vertreiben.

    Weil es passt noch etwas moderne Tuareg Musik: Tiraniwen

  3. Mein Tipp wäre eher AKM gewesen, aber das dürfte sich anhand des Bildes kaum unterscheiden lassen.

  4. @b
    Was gerade in Mali passiert, ist tatsächlich eine direkte Folge der Ereignisse in Libyen:
    http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-15334088
    Das ist nur eine der zahlreichen aus der Perspektive deutscher Interessen strategisch schädlichen Folgen der westlichen Intervention von 2011. Im Fall Syriens kann man von ähnlichen indirekten Folgen ausgehen, falls dort ebenso „erfolgreich“ interveniert wird.

  5. Noch interessanter als die Waffe finde ich das Funkgerät, bei dem es sich um ein Gerät für den professionellen Einsatz des Herstellers Motorola handelt, mit dem auch der andere Kämpfer auf dem Bild ausgestattet ist. Die beiden Personen sind vermutlich keine Amateure, sondern professionell ausgerüstet. Es handelt sich offensichtlich nicht um einfache Nomaden die sich spontan gegen die Regierung erhoben haben. Möglicherweise haben diese Kämpfer früher für Gaddafi gekämpft, oder sie erhalten Unterstützung durch andere, möglicherweise staatliche externe Akteure.

  6. @B

    Ich vermute mit derselben Argumentation hätten Sie 1941 einen USPraesidenten beraten, nicht gegen Deutschland vorzugehen, um die Ausbreitung des Kommunismus von 1945 bis Mitte der 90 Jahre in Europa zu verhindern, oder?

    Wer nichts tut, macht Dinge auch nicht besser…. Und bleibt vor allen Dingen nicht schuldlos…… (höchstens vor Gericht…), aber nicht moralisch vor den Menschen…

  7. @Sönke Marahrens
    Mit „Schuld“ oder „Moral“ hat Realpolitik nichts zu tun. Die Amerikaner haben doch nicht aus moralischen Gründen in den Zweiten Weltkrieg eingegriffen, sondern im Rahmen ihrer seit dem Ersten Weltkrieg vertretenen Weltmachtpolitk. Die jeweilige zur Motivierung der eigenen Bevölkerung erzeugte moralische Begleitmusik tritt stets in den Hintergrund, wenn sie der Verfolgung eigener Interessen im Wege steht. Solange es strategisch nützlich war, koopierte man z.B. im Namen von „Freiheit“ und „Demokratie“ auch mit jemandem wie Stalin und lieferte ihm ganz Osteuropa aus. In der aktuellen Situation z.B. in den Fällen Libyen und Syrien arbeitete man sowohl mit Gaddafi als auch mit Assad gut zusammen, solange es als strategisch nützlich erschien und entdeckte Menschenrechtsprobleme erst, nachdem man die Strategie gewechselt hatte. Vor kurzem noch erklärte man diese Herrscher z.B. noch zu „Reformern“ und „moderaten Kräften“. Nun erklärt man ihre militant-salafistischen Gegner zu „Freiheitsbewegungen“, und die jeweiligen Medien zeigen auffallend wenig Interesse darüber zu berichten, wie diese sich in den von ihnen beherrschten Räumen verhalten.
    Ich kritisiere dabei nicht die USA dafür, dass sie tun was sie für strategisch richtig halten, sondern die Bundesregierung dafür dass sie ohne Not bei einer Politik mitmacht, die deutschen Interessen schadet und wie der aktuelle Verteidigungsminister aktiv deutsche Beteiligung an militärischen Interventionen auch ohne Bezug zu eigenen nationalen Interessen (und somit für die Interessen anderer) fordert.

  8. @Soenke

    die moralische Keule kenn ich ja gar nicht bei Ihnen ;-)

    However, der Punkt ist doch, dass letztendlich jede strategische Intervention von Akteuren außerhalb eines offenen, komplexen Systems (Regimechange = Systemchange) – egal aus welchen Gründen – ohne nachhaltiges consequence management zu unüberschaubaren, fernen und nahen Folgewirkungen führt („Logik des Misslingens“ kennen wir beide ja wohl ganz gut ;-)). Und das ist der Punkt: wenn man strategisch interveniert, dann sollte man auch die Durchhaltefähigkeit, Legitimität und Kompetenz mitbringen, den system change auch konsequent umzusetzen. Und genau da beißt sich die moralisierende Katze in den Schwanz. Staaten, Nationen, Länder sind keine größtenteils geschlossenen Systeme mehr wie noch vor 60+ Jahren.
    Das mag sich jetzt zwar sehr zynisch anhören, aber mittlerweile bin ich persönlich zu der Auffassung gelangt, dass any governance besser ist als no governance. Und wenn ein Bürgerkrieg ausgebrochen ist, dann soll man die Epedemie sich austoben lassen und nicht mit chirurgischen oder medikamentösen Eingriffen, deren Folgewirkungen in keinem Beipackzettel zu finden sind, die Epedemie u.U. weiter verbreiten.

  9. @TW:
    Endlich wird dieses Thema hier aufgegriffen!
    Die (gesamte Groß-) Region ist geradezu traditionell äußerst instabil.
    Speziell Mali fungiert seit Jahren inzwischen als Drehscheibe für erhebliche Teile des Imports einschlägiger Ware aus Südamerika. Dessen logistische Dimensionen erreichen fast SALIS-Qualität, wenn man das benützte Flugmaterial als Maßstab nimmt. Leider wird das (und weitere, teils damit zusamenhängende, Probleme) in Deutschland bisher nicht wahrgenommen. Angesichts der geografischen Nähe (Bamako ist von Europa aus in 5 Flugstunden erreichbar, Azawad schneller) finde ich das erschreckend.

  10. @klabautermann

    Mein moralischer Imperativ ist Bestandteil meines Offiziersseins, und ab und zu kommt der halt mal hoch, sowie beim Klabautermann, elahan, b, orontes und koffer, nur dass wir halt etwas unterschiedliche Koordinatensysteme habe, aber das ist gut so ;-)

    Da wir nicht in der Lage sind, komplexe Systeme zu beherrschen (wir tun uns ja schon schwer beim beschreiben derselben), kann man m.E. aber trotzdem nicht die Schwachen auf dem Altar von „any governance“ opfern….. und sich damit herausreden, dass man spaeter die Verbrecher nach Den Hague ausliefert….

    @Orontes

    Das Real Politik Jetzt Politik beinhaltet ist uns beiden klar
    Wenn aber „deutsche Interessen“ nach Ihrer Definition „ein ohne mich‘ mit gleichzeitiger Forderung nach freiem Zugang zu allen Maerkten ergeben … dann stimmt aber auch was nicht!

  11. Mit dem Blick auf Mali drängt sich – einmal mehr – die Frage auf:
    Brauchen wir wirklich ein „6-Brigaden-Stabilisierungs-Heer“?

    Die DSK ist eben nicht der Schwerpunkt der Neuausrichtung.

    … und wieder auf dem falschen Fuß erwischt….

  12. Nebenbei zeigt sich in Mali ein Aspekt, der bei der westlichen Betrachtung sicherheitspolitischer Brennpunkte in der Dritten Welt oftmals kaum Beachtung findet, weil er als inkorrekt gilt: Die Parallelität des Politischen und Religiösen mit den biologischen Kategorien des Ethnischen. An den oben verlinkten Bildern erkennt man sehr gut die unterschiedliche Physiognomie in den Gesichtern der Tuareg-Kämpfer und der „Islam Polizei“. Ein wichtiger Teil nicht nur dieses Konflikts ist der Kampf um Ressourcen aller Art zwischen mehreren Populationen.

  13. @Soenke

    Danke für die Antwort. Sie führen ‚die Schwachen‘ als Argument ins Feld. Andere (ver)führen ‚die Schwachen‘ als usefull idiots/Bauernopfer ins Feld……im wahrsten Sinne des Wortes ‚Feld’…..Schlachthof 5.
    Ich maße mir keine Urteile mehr an in Sachen schwach, stark, schuldig, unschuldig, richtig, falsch….. denn die ground truth und die perceived truth in unserer (des)informatistischen Zeit sind in der Regel Lichtjahre auseinander.
    Der moralische Imperativ, den Sie ansprechen, ist vielleicht etwas out of time im Sinne von history. ‚Ohne mich‘ ist natürlich nicht mein Ersatz-Imperativ als Offizier, allerdings müssen nationale Interessen – neben ihrer formalen Legitimierungsfrage – auch irgendwo politisch und gesellschaftlich nachvollziehbar sein. Das Spannungsfeld zwischen Verantwortungs- und Handlungs-Ethik ist seit Kant größer und komplizierter geworden.

  14. @klabautermann

    Größer und komplizierter ist aber kein Grund aufzugeben im Streben nach Vollkommenheit ;-)

  15. @Memoria

    Die von Ihnen gewuenschte Ausrichtung der SK hätte auch die Popularität eines KTzG nicht ausgehalten…
    @Klabautermann

    Können Nationale Interessen und politische Legitimität in Wechselwirkung mit gesellschaftlicher Zustimmung in einer komplexen Welt statisch oder oder in Stein gehauen sein…?

  16. @Sönke

    „…..statisch oder oder in Stein gehauen sein…?“ ..natürlich nicht im biblischen Sinne, so wie wir mittlerweile in unserem Rechtsstaatlichkeitsfundamentalismus das Grundgesetz in Sachen bewaffneter Auslandseinsatz strapazieren. Allerdings sollte eine neue Definition von „Nationale Interessen und politische Legitimität in Wechselwirkung mit gesellschaftlicher Zustimmung“ schon irgendwo durch meinen Souverän klar definiert werden, entweder durch eine GG-Änderung oder ein BW-Einsatzgesetz…..

  17. Man bedenke bitte, dass die Tuareg von Gaddafi ausgebildet und ausgerüstet wurden. Die teils umfangreichen Waffenbestände, die sie aus Libyen mitbrachten, wurden teilweise an die islamistischen Kämpfer im Austausch für Fahrzeuge gegeben.
    Es ist davon auszugehen, dass da ein unglaubliches Potential an Waffen, vor allem auch an mittelschwerem Kriegsgerät unterwegs ist.

    Ich hab noch irgendwo ein Paper, dass sich mit der Bewaffnung der Tuareg beschäftigt. Ich suche das später mal raus und stelle es hier zur Verfügung.

  18. @klabautermann
    Im grossen und ganzen Stimme ich Ihrer (allerdings auf linguistische Verwirrung deutenden) Aussage zu: Wenn schon, denn schon (Sie duerfen gerne schauen, ob Sie dafuer nicht auch ein passendes englischsprachiges Modewort finden ;) ).

    Gleichzeitig ist es aber vor allem im Hinblick auf Lybien, den zweifellosen Ausloeser dieses Debakels, alles andere als schwarzweiss. Die Revolution fing schliesslich von selber an (bzw durch einen Dominoeffekt) – nun ist Lybien allerdings nicht nur ein Land dass ueber respektable Oelreserven verfuegt, es ist auch eines der Hauptbollwerke gegenueber dem Menschenschmuggel/illegaler Immigration nach Europa, etc tt.

    Als solches war der Buergerkrieg nicht nur von einem Humanistischen sondern auch gerade von einem geostrategischem Standpunkt zu sehen. Was, wenn die Rebellen gewonnen haetten, und der Westen ihnen nicht geholfen haette? Was waere deren Einstellung zu Europa, und dessen Beduerfnissen/Forderungen? Ganz davon abgesehen dass es vor der Revolution ganz so aussah als ob Gazprom(?) grosse Teile der lybischen Oelindustrie aufkaufen wuerde, wodurch sich Europa de facto energiepolitisch von Russland eingekesselt gefunden haette. Was ist daraus geworden? Insofern waere es auch in Deutschland’s Interesse gewesen, mitzuintervenieren.

    Hat der Lybienkrieg die Region weiter destabilisert? Selbstverstaendlich. Die Frage ist nur, war das ueberhaupt zu verhindern? Waere die Tatsache dass diese Revolutionen ueberhaupt in diesem Ausmass stattgefunden hatten nicht schon Ausloeser genug gewesen? Die Region ist ja nicht erst seit letztem Fruehjahr ein einziges Pulverfass (nicht zuletzt eben gerade wegen Ghaddafi!)

    Ihre Aussage, dass jegliche Art von Regierung immer noch besser ist als keine Regierung ignoriert dabei uebrigens ein schlichtes Naturgesetz: Die Natur verabscheut das Vakkum. Es gibt keine wahrhaftigen Anarchien, nur unterschiedliche Arten von Regierung, selbst in solchen gescheiterten Staaten wie Somalia – die Landesregierung ist aus unserer Sicht vielleicht gescheitert, das heisst allerdings noch lange nicht dass die Leute nicht irgendeine Art von Regierung finden – meistens in der Form von irgendwelchen Kriegsherren oder anderen Machthabern – und ist das nicht letztens auch eine Art der Regierung, wenn auch eine (mit Verlaub) recht beschissene?

  19. @Schuultz Gleichzeitig ist es aber vor allem im Hinblick auf Lybien, den zweifellosen Ausloeser dieses Debakels, alles andere als schwarzweiss. Die Revolution fing schliesslich von selber an

    Es gibt glaubhaftere Märchen …

    Im November 2010 schlossen Frankreich und Groß Britanien einen militärischen Pakt. Im Rahmen dieses Paktes wurde für das Frühjahr 2011 ein gemeinsames Manöver abgesprochen, Southern Mistral, welchem folgendes Lagebild zugrunde lag:

    An adapted scenario was developed for the exercise.

    Based on Western geography, France mostly, an imaginary country was created: SOUTHLAND. An artificial border was drawn inside France to simulate this country.

    SOUTHLAND : Dictatorship responsible for an attack against France’s national interests.

    FRANCE : Makes the decision to show its determination to SOUTHLAND (under United Nations Security council resolution n°3003).

    UNITED-KINGDOM : Allied country as determined in the bilateral agreement. The United Kingdom supports France through the deployment of its air assets.

    Das Manöver fand nicht statt da zu dem geplanten Zeitpunkt der Angriff auf Lybien mit exakt dem gleichen Szenario bereits began.

    Wenn das für 1+1=2 noch nicht reicht dann addieren sie die britischen SpecOps Truppen die breits vor dem UN Beschluss in Ostlybien gestellt wurden dazu und sie erhalten 3.

    Der Aufstand in Lybien war genauso inszeniert wie der jetzige in Syrien.
    – Man bringe ein paar Demonstranten auf die Strasse
    – man lasse irgendwelche Söldner verdeckt auf die Demonstranten schiessen
    – man mache den grossen Medienrausch und stachele die Denmonstranten weiter an
    – Infiltration eigener Spec Ops
    – Ausbildung/Bewaffnung/Versorgung von Proxykräften
    – Guerillakampf unter dem Deckmantel der „friedlichen Demonstranten“
    – Forderung nach „R2P“ Einsatz

    – Beseitigung der unliebsamen Regierung.

    Das wurde doch nun schon so oft praktiziert das man sich wundert wie da noch jemand drauf hereinfällt.

  20. @Sönke Marahrens
    „Wer nichts tut, macht Dinge auch nicht besser…. Und bleibt vor allen Dingen nicht schuldlos…… (höchstens vor Gericht…), aber nicht moralisch vor den Menschen…“

    Denn wer die Ungerechtigkeit nicht verhindert, obwohl es in seiner Macht gestanden hätte, der wird genauso schuldig, als hätte er es selbst getan!

    Grundpfeiler christlich-abendländischen Denkens.

    Augustinus oder Ambrosius denke ich…

    „Brauchen wir wirklich ein “6-Brigaden-Stabilisierungs-Heer”?
    Die DSK ist eben nicht der Schwerpunkt der Neuausrichtung.“

    Volltreffer! Auch wenn es immer und immer wieder betont wird: die neue Struktur geht halt doch in die AFG-Falle :(

    @b
    noch mehr Verschwörungstheorie geht wohl nicht?!?!

  21. @Koffer –noch mehr Verschwörungstheorie geht wohl nicht?!?!

    Wenn Frankreich und England sich zu einem Manöver gegen eine südlichen Mittelmeerstaat verabreden und zeitgleich mit dem geplanten Startdatum des Manövers ein realer Angriff Frankreichs und Englands auf einen südlichen Mittelmeerstaat stattfindet dann ist das nicht auffällig?

    Wenn in den Dienstvorschriften dieser Länder „Unconventional Warfare“ offiziell als Variante militärischer Operationen genannt wird dann ist ein Konflikt der genau dem Planungsverlauf von „Unconventional Warfare“ entspricht unverdächtig?

    Wenn der Einsatz solcher Methoden: Manöver als verdeckte Kriegsvorbereitung, fremdgesteuerte „Volksaufstände“ als „Regime Change“ Operationen, historisch seit langem belegte typische Vorgehensweisen westlicher Mächte sind dann ist das Beobachten und Analysieren solcher Vorgänge „Verschwörungstheorie“?

    Was behaupten sie als nächstes? Das es keine Verschwörungen gibt?

  22. Das beweist vermutlich, dass man keine Manöver machen darf, die sich an realen Gegebenheiten orientieren ;-)

    Dass Frankreich und England das ganze Libyen-Szenario komplettinszeniert und gesteuert hätten, einschließlich der Volksaufstände, tut den Fähigkeiten beider Länder doch bisschen arg viel Ehre an …

  23. Außerdem sehen die meisten aktuellen Übungsszenarien momentan so oder sehr ähnlich aus.

  24. @Koffer

    „Denn wer die Ungerechtigkeit nicht verhindert, obwohl es in seiner Macht gestanden hätte, der wird genauso schuldig, als hätte er es selbst getan!“

    Da wird ihnen keiner widersprechen!

    Das Problem des christlich-abendländischen Denkens in der Neuzeit ist, dass es wir sind die Gerechtigkeit (und somit auch auch Ungerechtigkeit) nach unserer Kultur definieren.
    Da Gerechtigkeit nie absolut ist und wir diese in unserem Sinn, Interesse und kurzfristigen Vorteil auslegen, ist es schwer ein allgemeingültiges Imperativ für unser militärisches Handeln abzuleiten.

    In diesem Wissen ist Notwehr auch für Staaten ein möglicher Weg.

  25. @Elahan
    Natürlich definieren wir Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit nach unserer Kultur.

    In meinen o.a. Zitat stütze ich mich ja auf Augustinus und Ambrosius und beiden ist sicherlich eigen, dass sie ihren Wertekanon als allgemeinverbindlich ansahen.

    Und auch ich bin der Meinung, daß es gewisse Werte und ethis-moralische Standards gibt, die jedem Menschen eigen sind. Ganz egal in welcher Kultur er lebt.

    Sicherlich darf sich das nicht auf alles beziehen, denn Menschenrechte (oder Gott gegebene Rechte – je nach dem wo man glaubenstechnisch steht) bilden ja nur ein Fundament und jede Kultur hat das Recht auf der Basis dieses Fundamentes ihren eigenen Weg zu finden…

    Und in Bezug auf die eigenen (nationalen) Interessen: auch dies ist mEn eine gültige Grundlage für den Einsatz von Streitkräften.

    Und das es nicht einfach ist das eine gegen das andere abzuwägen (wenn diese im Konflikt stehen): DAFÜR gibt es eine gewählte Regierung und hohe Offiziere, damit sie diese Frage nach bestem Wissen und Gewissen vor Gott und den Menschen beantworten können!

  26. @b

    Ich muß hier mal leise gegen die dauernde Bezeichnung „Islamisten“ in Bezug auf die tunesische, ägyptische und libysche Regierung protestieren.

    Die Bezeichnung ist schlicht verkehrt denn als Islamisten im Wörterbuchsinn gehen nur Salafisten und erzkonservative Moslems durch. Die üblichen Konservativen, liberal-konservativen und Mystiker (Sufis, Sherws) sind mitnichten Islamisten sondern im besten Fall Gegner, im schlimmsten Fall Feinde der echten Islamisten.

    Wer sich mal mit den Protagonisten befaßt hat sieht in Libyen eine liberale islamische Partei mit einem konsersativen islamischen Koalitionspartner. Würde man in Deutschland eine Regierung unter Führung von FDP und Union als katholizistisch bezeichnen?

    In Tunesien sind konservative Moslems an der Macht. Methodische Unterschiede zu einer typischen bayrischen CSU sind da kaum auszumachen.

    In Ägypten wurde ein wirtschaftliberal-konservativer an die Macht gewählt. Auch da sehe ich kaum Diskussionsbedarf.

    Auch das Thema „Sharia“ macht aus dem Mund moderner arabischer Gelehter mehr Sinn, so hat z.B. der libysche Justizminister Mustafa Abdel-Jalil in mehreren Büchern analysiert daß viele Staatsformen Shariakonform sind auch ohne sich auf die Sharia zu berufen. Darunter zahlreiche antike Grieche Gesetzestexte und das antike römische Staatswesen, aber auch die meisten modernen westlichen Verfassungen.

    Kurz, die Verwendung des stigmatischen Wortes „Islamistisch“ gegenüber liberal-konservativen Moslems ist eine moslemfeindlicherer Handlung als sie viele bekanntere Moslemhasser je wagen würden.

  27. @Crass Spektakel – ich stimme ihnen zu und bitte meine zu verkürzte Darstellung zu ignorieren.

    Zu Mali noch zwei ungeklärte Fragen:

    Der Coup Anführer in Süd-Mali ist mehrfach in den USA ausgebildet worden:

    Sanogo himself benefited from six training missions in the U.S., the State Department confirmed, starting in 1998 when he was sent to an infantry training course at Fort Benning, Ga.

    He returned in 2001, 2002, 2004, 2008 and 2010 to attend some of the most prestigious military institutions in America, including the Defense Language Institute at the Lackland Air Force Base, Texas. He took a basic officer course at Quantico, Virginia, and learned to use a light-armored vehicle at Camp Pendleton, Calif.

    Just a few weeks before the March takeover, Sanogo made a trip to Segou to say goodbye. He’d been accepted into a peacekeeping training course abroad and was due to leave sometime in April, said his cousin, Salif Sanogo.

    What happened next is described by those who know him as an „accidental coup.“

    War der Coup wirklich „accidental“ oder gesteuert?

    U.S. SpecOps sind seit längerem in Mali und sind auch nachdem die Kooperation mit der Putschregierung dort angeblich eingestellt wurde dort aktiv:

    In pre-dawn darkness, a ­Toyota Land Cruiser skidded off a bridge in North Africa in the spring, plunging into the Niger River. When rescuers arrived, they found the bodies of three U.S. Army commandos — alongside three dead women.

    What the men were doing in the impoverished country of Mali, and why they were still there a month after the United States suspended military relations with its government, is at the crux of a mystery that officials have not fully explained even 10 weeks later.

    At the very least, the April 20 accident exposed a team of Special Operations forces that had been working for months in Mali, a Saharan country racked by civil war and a rising Islamist insurgency. More broadly, the crash has provided a rare glimpse of elite U.S. commando units in North Africa, where they have been secretly engaged in counterterrorism actions against al-Qaeda affiliates.

    Abgesehen davon das die drei SpecOps zusammen mit drei marokanischen Huren gestorben sind scheint es da weitere Ungereimtheiten zu geben.

  28. Hallo,

    was die Waffe betrifft: ich würde ebenfalls sagen, dass es sich um eine AK-74M handelt.

    Hatte zuerst eine AN-94 im Verdacht, aber die Schulterstütze lässt sich offensichtlich nicht umklappen, daher fällt die weg.

    AKM fällt auch aufgrund der Schulterstütze weg, ebenso die Typ-56, da lediglich die Version „56“ über einen starren Schaft verfügt, dieser ist allerdings aus Holz. Alle anderen Versionen haben abklappbare Schulterstützen, bzw. sind Zivilversionen

  29. Die hier vorgebrachten moralischen Argumente sind aller Ehren wert, doch Staaten handeln grundsätzlich nicht danach. Man darf getrost annehmen, daß jedwede Aktion von wirtschaftlichen Interessen geleitet wird. Das gilt selbst dann, wenn diese Interessen zufällig in die gleiche Richtung laufen, wie die moralischen Argumente.

    Das mag man Zynismus nennen, es ist aber tatsächlich Realismus. Wobei ich mich ja gerne eines Besseren belehren lassen würde… Also, wo gibt oder gab es je eine Intervention, getrieben von lauterstem Altruismus?

  30. @iltis

    so isses, und das Konzept einer humanitaeren Intervention hatte Prinz Max von Baden fuer den Kaiser nur deshalb erfunden, damit der sich Kolonien von Gottes und nicht Papstes Gnaden zulegen konnte………

  31. @iltis
    Zustimmung, aber man muß aus meiner Sicht zwischen dem was moralisch richtig ist und dem was realpolitisch gewinnbringend ist, einen „vernünftigen“ Mittelweg finden.

    Und genau für diese schwierige Gratwanderung werden ja die politischen Führer in diesem Lande demokratisch beauftragt…

    Wenn es einfach wäre, dann könnte es ja jeder ;)

    @klabautermann
    Bitter erläutern Sie dieses näher, denn ich habe schon vieles über die „humanitäre Intervention“ gehört und auch vieles über „Prinz Max von Baden“, aber beides in einen inhaltlichen Zusammenhang habe ich noch nicht gebracht!

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