Afghanen übernehmen Kundus, Taliban sehen keine Möglichkeit für militärischen Sieg

In weiten Teilen der Provinz Kundus in Nordafghanistan haben am (heutigen) Dienstag die afghanischen Sicherheitskräfte die Verantwortung für die Sicherheit der Region übernommen. Und in einem aufsehenerregenden – obwohl bislang nur in Teilen veröffentlichten – Interview räumt ein Taliban-Führer ein, dass die Aufständischen nicht mit einem militärischen Sieg am Hindukusch rechnen.

In Kundus bleiben die ISAF-Truppen, dort vor allem die Bundeswehr mit ihrem Provincial Reconstruction Team (PRT), zwar in der Provinz präsent, haben aber – zumindest formal – nur noch eine unterstützende Rolle für die afghanische Armee (ANA) und Polizei. Übergeben wurde die Sicherheitsverantwortung für die Stadt Kundus und alle Distrikte bis auf Khanabad.

„Today we saw another historic moment here in Kunduz as Afghan army and police officially took full control of security in Kunduz province from international forces,“ Afghan Interior Minister Bismullah Mohammadi told a ceremony in provincial capital Kunduz city.“Afghan government’s goal to assume leading security duties across Afghanistan by the end of 2014 has been proceeding smoothly and is on track,“ Mohammadi added.

berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Die ARD zitiert den ISAF-Kommandeur in Nordafghanistan, den deutschen Generalmajor Erich Pfeffer, mit den Worten: Die afghanischen Sicherheitskräfte sind jetzt in der Lage, eigenständig die Sicherheit in der Provinz Kundus zu garantieren.

Meldung zur Paradeaufstellung für Innenminister Bismullah Mohammadi (Foto: Bundeswehr)

 

Die deutsche Flagge wird zurückgegeben (Foto: niederländisches Ministerie van Defensie)

ISAF-Regionalkommandeur Pfeffer (r.) mit dem Kommandeur des 209. ANA-Korps, General Wesa (Foto: Bundeswehr)

Pfeffer hatte bereits vor einigen Tagen eine positive Bilanz der Sicherheitslage im Norden gezogen: Es gibt weniger Sprengfallen und auch keine koordinierten Angriffe mehr. Die sicherheitsrelevanten Zwischenfälle haben abgenommen. sagte der deutsche General in einem N-TV-Interview. (Allerdings wurde dieses Interview wohl vor dem Angriff auf eine deutsche Patrouille am 4. Juli geführt; die Umstände dieses nächtlichen Hinterhalts deuten auf einen koordinierten Angriff hin – unklar ist bislang, ob das eine Ausnahme war und bleibt.)

Für eine gewisse Aufregung sorgt unterdessen ein Interview, dass das britische Magazin New Statesman mit einem hochrangigen Taliban-Vertreter geführt hat. Der Mann, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt wird, sagte nach Angaben des Blattes unter anderem:

It is in the nature of war that both sides dream of victory. But the balance of power in the Afghan conflict is obvious. It would take some kind of divine intervention for the Taliban to win this war. The Taliban capturing Kabul is a very distant prospect. Any Taliban leader expecting to be able to capture Kabul is making a grave mistake. Nevertheless, the leadership also knows that it cannot afford to acknowledge this weakness. To do so would undermine the morale of Taliban personnel. The leadership knows the truth – that they cannot prevail over the power they confront.

Ob angesichts dieser Informationslage Schlagzeilen wie Taliban: ‚We cannot win war in Afghanistan gerechtfertigt ist, vermag ich (noch?) nicht zu bewerten. Andererseits werden sich auch Aufständische, egal welcher Gruppierung, nicht den Weg zu einer politischen Lösung mit zu harten Ansagen von vornherein verbauen wollen. Interessant ist deshalb auch die deutliche Ablehnung des Terror-Netzwerks al-Qaida:

At least 70 per cent of the Taliban are angry at al-Qaeda. Our people consider al-Qaeda to be a plague that was sent down to us by the heavens. Some even concluded that al-Qaeda are actually the spies of America. Originally, the Taliban were naive and ignorant of politics and welcomed al-Qaeda into their homes. But al-Qaeda abused our hospitality. It was in Guantanamo that I realised how disloyal the al-Qaeda people were… To tell the truth, I was  relieved at the death of Osama. Through his policies, he destroyed Afghanistan. If he really believed in jihad he should have gone to Saudi Arabia and done jihad there, rather than wrecking our country.

Und, überraschend (und dann vielleicht auch wieder nicht): The one thing I dare not talk about is the relationship with Pakistan.

28 Gedanken zu „Afghanen übernehmen Kundus, Taliban sehen keine Möglichkeit für militärischen Sieg

  1. „Die afghanischen Sicherheitskräfte sind jetzt in der Lage, eigenständig die Sicherheit in der Provinz Kundus zu garantieren.“

    eigenständig … zu garantieren. Ein wirklicher Erfolg.

    Na dann kann man ja beruhigt abziehen. Und die Übergabe an und in Verantwortung ist ja irreversibel.

  2. Naja teile wo die Amis schon übergeben haben soll angeblich die lage überhaupt nicht mehr klar sein ok das ist auch der Süden , aber China und saudis werden die schon noch mit Waffen bestücken das die gleich gut sind wie die ANA
    China will die besondere erden und Saudis wollen eine exil regierung der Taliban
    weil ohne geld aus Saudi Arabien hätten Taliban und Al Kaida kein geld mehr

  3. Taliban: ‘We cannot win war in Afghanistan“

    We fought a military war; our opponents fought a political one. We sought physical attrition; our opponents aimed for our psychological exhaustion. In the process we lost sight of one of the cardinal maxims of guerrilla war: the guerrilla wins if he does not lose. The conventional army loses if it does not win. The North Vietnamese used their armed forces the way a bull-fighter uses his cape — to keep us lunging in areas of marginal political importance.

    Henry Kissenger

  4. „In Kundus bleiben die ISAF-Truppen, dort vor allem die Bundeswehr mit ihrem Provincial Reconstruction Team (PRT), zwar in der Provinz präsent, haben aber – zumindest formal – nur noch eine unterstützende Rolle für die afghanische Armee (ANA) und Polizei.“

    Ich denke ein kritischer Blog wie dieser, in dem sich vor allem Fachleute tummeln, sollte hierbei die Frage aufwerfen, was daran neu sein sollte? Wir hatten angeblich immer nur eine „unterstützende Rolle für die afghanische Armee (ANA) und Polizei“! So wurde es insbesondere in der Ära Jung immer wieder rauf und runter gebetet.

  5. @Punchball

    Nicht ganz richtig: eine unterstützende Rolle für die afghanische Regierung; aber nicht die unterstützende Rolle für die eigenständig und selbstverantwortlich agierenden afghanischen Sicherheitskräfte … da ist – formal – schon ein kleiner Unterschied.

  6. @ T.W.:
    Das habe ich nicht ganz verstanden. Was meinen Sie, wäre neu: Dass ISAF jetzt auch die ANSF und nicht nur die Regierung unterstützt?

    Um in der formalen Welt der Juristen zu bleiben: Die afghanische Regierung konnte seit Auflösung der AMF in Sicherheitsfragen ja stets nur durch die ANSF wirken. Daher muss die Unterstützung der ANSF auch vorher schon gemeint gewesen sein. Diese Auffassung findet sich, soweit ich auf die Schnelle sehe, auch in den einschlägigen VN-Sicherheitsratsresolutionen, z.B. von 2008:
    „[…] encourages ISAF and other partners to sustain their efforts, as resources permit, to
    train, mentor and empower the Afghan national security forces, in order to
    accelerate progress towards the goal of self-sufficient and ethnically balanced
    Afghan security forces providing security and ensuring the rule of law throughout
    the country […].“
    http://www.nato.int/isaf/topics/mandate/unscr/resolution_1833.pdf

    Es handelt sich also m.E. auch formal nicht um eine Änderung, sondern v.a. um Abzugsrhetorik vor dem Hintergrund der bevorstehenden US-Wahlen: Dem Wähler muss gezeigt werden, dass sich etwas zum Positiven verändert…

  7. Damit dürften wir ja dann – eigentlich – keinerlei selbständigen Operationen oder auch nur Patrouillen mehr durchführen. Die Raumverantwortung liegt dann voll bei den ANSF. Die PATFen bilden aus, beraten und unterstützen (in extremis) – also wie nach 2014.
    In der Realität sieht es wahrscheinlich etwas anders aus.
    Nur warum brauch ich dann trotzdem noch nen riesen Stab in MeS??

    @Punchball + T.W.:
    Bei all dem Zinober um die Übergabe der Sicherheitsverantwortung klingt auch mir immer Herr Jung im Ohr “ wir sind hier unterstützend tätig“… „Wir unterstützen die afghanischen Sicherheitskräfte“. Deswegen wollte man ja nicht einmal eigenständig Hintermänner von Anschlägen festsetzen – weil wir eben „unterstützend tätig sind“.
    Wortklauberei um jeweils zu begründen warum man nichts macht.

  8. „Nur warum brauch ich dann trotzdem noch nen riesen Stab in MeS??“

    Damit keine „unreinen“ Nahrungsmittel nach dem Abzug übrigbleiben.

  9. Ich verstehe nicht ganz, warum einige auf solche Meldungen immer gleich mit Zynismus und Spott reagieren müssen. Wenn man die strukturellen Hindernisse in Afghanistan ernst nimmt, dann ist eine einigermaßen stabile Situation m.E. als Erfolg zu werten. Dass dort kein demokratischer Rechtsstaat entstanden ist, kann man doch nicht ernsthaft als ISAF-Niederlage werten. Wir sind nicht mehr im Jahr 2002..

    Wichtiger ist, dass der afghanische Staat stark genug ist, in den nächsten Jahren ein Gewaltmonopol aufzubauen und dieses zu konsolidieren. Klingt banal, ist aber in weiten Teilen der Welt ein Problem moderner Staatlichkeit. Ein stabiler afghanischer Staat ist gut für die meisten Afghanen und auch in unserem (nationalen, europäischen, NATO-) Interesse. Solange die NATO-Hilfe bleibt und nur stetig, aber nicht abrupt heruntergefahren wird, dürfte die Zeit für das Karzai Regime arbeiten. (Der Mann wird sowieso notorisch unterschätzt.)

    Also, Glückwunsch und Dank an die Bundeswehr und ihre Alliierten für die geleistete Arbeit in Kunduz!

  10. Warum wir diesen Stab brauchen?
    Weiol es weiterhin, egal wie viele Boot son the ground wir haben, durch TSK und Orgbereich-Gekämpfe weiterhin unbedingt einen hauptamtlichen Umweltschutzbeauftragten geben muss, Brandschutzbeauftragten, etc. Und nicht vergessen wollen wir sowas wie §78 BHO Prüfteams, die meistens genau 31 Tage lang im Einsatz prüfen, Wir brauchen Besucherführer etc. Und nicht zu vergessen muss das feldlager in MeS durchaus ja auch betrieben werden (Wache), Sicherheit, Feldlagerkommandantur, Einsatzwehrverwaltung etc. Da kommt immer was zusammen.
    Und der sehr stark bestückte Stab, der ja auch theoretisch 24/7 arbeiten können sollte, wir sich ja irgendweann schon bisschen reduzieren und dann zum Auflösungsstab „überwechseln“. Auch bei der letzten Reduzierung bei KFOR 2008/2009 wurden für die Rückverlegung mehr Kräfte eingeflogen.

    Und meiner Meinung nach wollen die Taliban aktuell auch ein „Save and secure Environment“ herbeiführen, damit die Truppen abziehen. In einer Kultur, die in Generationen denkt, sind 1-3 Jahre Waffenruhe doch kein Problem, bis der Westen abgezogen ist. Und dann werden die Chinesen wie oben angesprochen, schön Ihre arrangements machen, während wir denen am besten die ganzen Feldlager im Norden verschenken.

  11. @ Politologe

    “ … als Erfolg zu werten.“

    Welche Kriterien können genannt werden, um sich über „Erfolg“ halbswegs intersubjektiv nachprüfbar austauschen zu können?

    Gelten die ursprünglichen Ziele, die mit Beginn des ISAF Mandates (zumindest für die deutschen Anteile) öffentlich vorgetragen worden sind, nicht mehr?

    Warum wurden diese dann so vehement vertreten? Dienten diese vorrangig dazu, Akeptanz (auch außerhalb des Deutschen Bundestages) zu erzielen?

  12. Wenn das ein Taliban sagt ist es Taktik/ Ablenkung, sagt sowas ein Ex US Offizier anders herum, ist es die Wahrheit! Es gibt einfach zuviele unterschiedliche Aussagen und keiner weiß wirklich wie stark die Taliban noch sind. Wenn man sich die Berichte durchließt, haben die Aufständische eindeutig ihren Schwerpunkt auf „weiche“ Ziele verlagert und vermeiden bzw. nur noch kurze direkte Angriffe auf NATO Truppen. Es gibt noch eine Menge Angriffe auf die ANA und Polizei, aber selbst diese sind weniger geworden. In den Berichten fällt doch eins auf, die letzten größeren Angriffe waren militärisch völlig sinnlos, aber sind groß in der Presse gewesen. Und es fällt auch auf, das diese Aktionen nur noch ein paar Stunden von den Aufständischen durchgehalten werden können. Ich vermute eher, das die Lage sich nach einer Truppenreduzierung 2014, auf den Niveau von Parkistan/ Irak stabilisieren wird. Und ich glaube auch, das man dort nicht mehr erreichen wird.

  13. @Politologe
    „Wenn man die strukturellen Hindernisse in Afghanistan ernst nimmt, dann ist eine einigermaßen stabile Situation m.E. als Erfolg zu werten.“

    Die letzten offen verfügbaren Daten der NATO bewerten die Entwicklung gerade im nichtkinetischen Bereich mit Worten wie „decline in district governance“ (S. 68), „best case is still very weak GIRoA control“ (S. 69) und „little or no progress in development in many areas“ (S. 75). Viele Indikatoren wie wahrgenommene Korruption und Zufriedenheit mit der Lage zeigten zuletzt negative Trends. Kernaussage ist: Trotz vereinzelter taktischer Erfolge im Zuge des Aufwuchses seit 2009 (Kunduz ist einer davon) wurden die politischen Ziele nicht annähernd erreicht.
    http://csis.org/files/publication/120209_Afghanistan_Failed_Metrics.pdf

    Hier ein aktuelles Dokument zum Thema „Transition“, das auf Grundlage dieser Adaten noch pessimistischer argumentiert:
    http://csis.org/files/publication/120111_Afghanistan_Aspen_Paper.pdf

  14. Erfolg sollte sich daran messen, ob man es schafft in Afghanistan einen Staat aufzubauen. Sprich, das Land sollte nicht (wieder) eine permanente Bürgerkriegszone sein. Zudem sollte ‚der Feind‘ nicht die alleinige Herrschaft an sich reißen. Damit wird das Land weder wieder zu einer al-Qaida-Festung noch zu einem Instabilitätsfaktor in der Region. Diese immer noch ambitionierten Ziele kann man als Erfolg werten. Ich sehe keinen guten Grund, warum die vor 10 Jahren postulierten Ziele der Maßstab sein sollen. Und, ja, natürlich war vieles einfach nur politische Rhetorik für das deutsche Publikum.

    Die Cordesman-Slides lassen sehr viel Spielraum für Interpretationen. Viele der Gewaltindikatoren gehen seit 2011 deutlich zurück. Zudem bin ich sehr skeptisch, was diese ganzen Governance- und Korruptions-Indikatoren angeht. Wenn Rentenverteilung eine Säule der Herrschaft in gering entwickelten Gesellschaften ist, dann wird Korruptionsbekämpfung zur Destablisierung der Herrschaft führen. Desweiteren habe ich ja meine geringen Ansprüche oben schon formuliert: Die Regierung soll in die Lage versetzt werden, ein Gewaltmonopol aufzubauen. Das dauert lange, und das wird weder völlig gewaltfrei noch korruptionsfrei von statten gehen.

    Aber das erscheint mir der einzig vernünftige Weg. Was ist denn die Alternative? 30 Jahre ISAF? AFG fallen lassen und schauen, wer den Bürgerkrieg gewinnt?

  15. @Politologe
    „AFG fallen lassen und schauen, wer den Bürgerkrieg gewinnt?“

    Warum nicht? Die potentiellen negativen Folgen für Deutschland wäre geringfügig im Vergleich zu denen der Fortsetzung des utopischen Projekts „Nation Building“. Selbst wenn es in Afghanistan irgendwann wieder Ausbildungslager und Rückzugsräume für militante Islamisten in dem Umfang geben würde, wie es sie heute bereits z.B. in Pakistan gibt, wären die Folgen für Deutschland vermutlich marginal, und sollten sich solche Einrichtungen dennoch zu einem strategischen Problem entwickeln, wären sie ideale Ziele für amerikanische Luftangriffe. Man braucht zur Lösung dieses Problems keine Endloseinsätze mit utopischen Zielen, die dreistellige Milliardenbeträge verschlingen und einen großen Teil der eigenen militärischen Fähigkeiten auf Jahrzehnte binden.
    Selbst auf amerikanischer Seite erklärt man mittlerweile recht offen, dass die Entscheidung zur Intervention 2001 weniger durch saubere strategische Analyse motiviert war als durch den damals auf deren Regierung lastenden Druck, irgendwie Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, was zusammen mit dem damals noch stärker vorhandenen „End of History“-Denken und der Annahme, dass alle Menschen gleich seien und so eigentlich so leben wollen wie man selbst zum heute sichtbaren Ergebnis führte. Afghanistan ist eine weitere praktische Widerlegung westlicher Hybris.

  16. @Orontes.
    Wenn man die Logik ihrer Argumente folgt, sollte man nirgends eingreifen wo der Erfolg zweifelhaft sein könnte oder es zu einem sehr langen Einsatz kommen würde. Das halte ich für völlig falsch. Gerade der Jugoslawien Konflikt sollte uns doch ein Beispiel sein, das man mit Luftangriffen und etwas „Blauhelm“ Soldaten eigentlich nichts erreicht.
    Ich stimme ihnen zu, das man in AFG ohne Strategie und Konzept rein gegengen ist und das bis heute Nachwirkungen hat. Aber auch das hätte man aus dem YUG Konflikt lernen können. Weil die Balkan Staaten bis heute ohne Militär Presentz nicht lebenfähig sind und der Einsatz dauert schon länger.

    Einen gefallen Staat stabilisiert man nicht in 10 Jahren, das hat noch nirgends geklappt. Man ist nun mal in das Land gegangen und hat es versucht. Dann wurde diese falsche Annahme ja von allen erkannt. Sich aber jetzt zu verdrücken und sagen macht mal alleine, ist genauso falsch. Ich finde das es in Ordnung ist, zu sagen unser Ziel wurde nicht erreicht, wir schrauben es runter und ändern die Strategie.

    Was man aus meiner Sicht aus AFG lernen sollte ist gerade das was unser Verteidigungsminister sagte, mit was will ich wie lange erreichen. Sich einfach aus Konflikten raus zuhalten und zu sagen, geht uns nichts an, ist für mich genauso feige. Wie bei Gewalt und Hilfsbedürftigen auf der Strasse einfach wegzuschauen.
    Natürlich kann man nicht in allen Konflikten eingreifen, das können wir nicht leisten Aber dort wo die Organisationen wie UNO oder NATO/EU es wollen und möglich ist, sollten wir es tun.

  17. @M. Grünewald
    „Wenn man die Logik ihrer Argumente folgt, sollte man nirgends eingreifen wo der Erfolg zweifelhaft sein könnte oder es zu einem sehr langen Einsatz kommen würde“

    Ich bezweifele vor allem, dass der für einen Erfolg erforderliche Aufwand in vernünftigem Verhältnis zu deutschen Interessen stehen würde. Ich behaupte, dass es für die Sicherheit Deutschlands keinen großen Unterschied bedeutet, ob die Taliban oder Karzai in Kabul herrschen oder ob in Afghanistan Bürgerkrieg herrscht. Die Bundesregierung begründet solche Einsätze daher m.E. solche Einsätze nicht mit nationalen Interessen, sondern mit „Bündnisverpflichtungen“ etc.

  18. @Orontes
    Das ist jetzt auch so ein fragwürdiges Argument für mich. Man kann doch nicht jeden Konflikt darauf reduzieren ob man ein eigenes Sicherheitsinteresse hat. Dann kann man auch die Hand in den Schoss legen und warten bis die Leichen an den Strand gespült werden.
    Deutschland hat sich nun mal in einer Sicherheitsstruktur begeben mit NATO/EU bzw. UNO. Wenn diese Organisationen ein militärisches Eingreifen für notwendig halten, kann man sich doch nicht mit dem Argument raushalten, da habe ich nichts von oder berührt meine Interessen nicht direkt. Gerade wir haben von diesen Strukturen lange profitiert.
    Solche Sprüche wie „unsere Sicherheit wird am Hindukusch verteidigt“, halte ich auch für Blödsinn. Aber Länder oder Regionen zu stabilisieren und Menschen zu helfen finde ich sehr wichtig. Leider geht es nicht immer und manche Konflikte sind auch zu kompleziert um dort eingreifen zu können.
    Und ich finde jeder Aufwand ist gerechtfertigt um Menschen zu helfen. Da gibt es für mich keine Kosten/Nutzen Rechnung. Als Beispiel nenne ich Slowenien und Kroatien, beide Länder haben sich nach dem beenden des Konfliktes prima entwickelt. Viele Staaten haben Jahrzehnte gebraucht um sich einigermassen zu Enwickeln.

  19. @M. Grünewald
    „Man kann doch nicht jeden Konflikt darauf reduzieren ob man ein eigenes Sicherheitsinteresse hat….Und ich finde jeder Aufwand ist gerechtfertigt um Menschen zu helfen. Da gibt es für mich keine Kosten/Nutzen Rechnung.“

    Ein solches Verständnis von Sicherheitspolitik würde in diesem Umfang wohl jeden Staat der Welt überfordern. Selbst wenn man außenpolitischen Altruismus befürwortet, müsste man Schwerpunkte setzen und im Rahmen vorhandener Fähigkeiten handeln. Darüberhinaus verbargen sich hinter altruistisch begründeten Einsätzen erfahrungsgemäß stets unaugesprochene Interessen verbergen, die von den Akteuren vor Ort, die andere Interessen haben, in der Regel sofort erkannt und bekämpft werden.

  20. @ Orontes

    Natürlich ist es immer problematisch, dass „sunk cost“-Argument zu bringen. Aber: Nach den bislang getätigten Investitionen einfach das Chaos ausbrechen zu lassen, wäre wirklich eine unnütze Verschwendung. Mal abgesehen vom menschlichen Leid, der destabilisierenden Wirkung auf die Region und (wenn auch geringen) potentiellen Sicherheitsrisiken für Deutschland.

    Es ist meines Erachtens finanziell erträglich, das Karzai-Regime auf lange Zeit zu stützen. Der wirkliche Kostentreiber sind ja die eigenen Truppen. Für einen stabilen, neopatrimoniellen Staat dürfte ein Bruchteil an externem Investment genügen. Wenn man das langsam zurückfährt, wird die GIRoA gewzungen sein, langsam eigene Finanzierungsmöglichkeiten (i.e. Steuern, Zölle, etc..) aufzutun und die eigene Verwaltung zu stärken.

    5-10 Jahre Bürgerkrieg und dann wieder ein totalitäres anti-westliches Regime? Das wäre doch noch unsinniger als die Aufrechterhaltung des Karzai-Regimes.

  21. @Politologe
    „Es ist meines Erachtens finanziell erträglich, das Karzai-Regime auf lange Zeit zu stützen.“

    Über lange Zeiträume alleine für Deutschland anfallende Kosten von rund einer halben Milliarde Euro pro Jahr stehen real minimalem sicherheitspolitischem Nutzen gegenüber. Angesichts den gigantischen Summen, die an anderer Stelle ohne Bezug zu deutschen Interessen ausgegeben werden, fällt das natürlich kaum ins Gewicht. Ich als Reaktionär meine aber, dass Staaten langfristig nur erfolgreich sein können, wenn sie preussische Tugend auch beim Umgang mit dem öffentlichen Haushalt walten lassen.

    „Wenn man das langsam zurückfährt, wird die GIRoA gewzungen sein, langsam eigene Finanzierungsmöglichkeiten (i.e. Steuern, Zölle, etc..) aufzutun und die eigene Verwaltung zu stärken.“

    Dazu gibt es sowohl international als auch in Afghanistan einige Erfahrungen, und die deuten darauf hin, dass die Bestandteile des afghanischen Staates sich viel leichter auf anderem Wege finanzieren können. Ein selbst erlebtes Beispiel aus der afghanischen Polizei: Eine reiche Familie kauft sich den Posten eines Polizeichefs und erwartet, dass dieser die Investition wieder hereinholt. Er tut dies, in dem er u.a. Gehälter zurückhält und zahlreiche illegale Geschäfte betreibt. Die Polizisten finanzieren sich selbst ebenfals durch Korruption und Erpressung oder andere Kriminalität und haben z.T. selbst den Zugang zu ihren Positionen erkauft und haben Schulden, die sie erstmal abbezahlen müssen. Ähnlich funktionieren viele Bereiche des Regierungsapparats. Steuern braucht ein solches System nicht, und westliche finanzielle „Hilfe“ hat dieses durch und durch korrupte System in großem Umfang gefördert.

    Korruption bekommt man aus so einem System ohne Hinrichtungen auch nicht mehr heraus, weil zu viele Leute davon abhängig sind. Die Korrupten können nicht einfach so mit der Korruption aufhören, denn sie haben ja Schulden zu bezahlen. Also hält man zusammen und verhindert jegliche mit westlichen Methoden betriebene Korruptionsbekämpfung bereits im Ansatz. Die afghanischen Kritiker der Korruption sind oft nicht anders und stören sich nur daran, dass sie selbst über keine ähnlich lukrative Position verfügen. Auch wenn viele Afghanen sich nicht mit der Ideologie der Taliban identifizieren, so steht man deren Ansatz der Korruptionsbekämpfung doch häufig aufgeschlossen gegenüber.

  22. @Orontes
    Einsätze in fernen Länder kosten viel. Das kann aber kein Grund sein, deshalb nicht tätig zu werden. Dazu ist AFG auch eine andere Rechnung, da es sich um einen Kampfeinsatz handelt. Ich finde das Geld ist gerechtfertigt wenn man damit die Region stabilisieren kann. Wenn man das Land sich selbst überläst, ist alles umsonst gewesen. Die Perspektive ist bei weitem nicht so schlecht für AFG, damit sowas gerechtfertig währe.

    Das Argument von der Korruption finde ich deshalb verfehlt, weil es in dieser Region Iran,AFG, Parkistan und Indien genauso häufig vorkommt. Wenn man alleine Indien nimmt, wie schwer die mit diesem Problem zu kämpfen haben.
    Solche Fälle wird man nur langfristig und mit wirtschaftlicher Entwicklung begrenzen können. Aber das kann ja nicht der Maßstab des Handels werden, sondern ob es gelingt ein lebenfähige staatliche Struktur zu schaffen. Dann kann man auch an einer Weiterentwicklung arbeiten. Nur das kostet viel Zeit und Geduld.

  23. Gibt es übherhaupt noch Kritische Generäle bei der Bundeswehr

    Alle Sagen am ende das was die Poliker so zurecht Träumen

    Andere wie Peter Scholl meinen das rückehr nur noch eine Zeitfrage ist
    (und der hatte 2002 genau gesagt wie US Irak Feldzug abgeht ) was dann genau so geschah

  24. GenMaj Peffer: „Ich habe zurzeit alles, was ich hier brauche.“
    Jaaa – US CSAR-Blackhawks, US CAS, US SOF…

    Was man allerdings noch gebrauchen könnte wäre ein schönes Urlaubsresort für die Kameraden zum entspannen und genießen, verdient haben sie es sich. Ach halt: Das in Kabul wurde von den Taliban angegriffen. Verdammt :(

  25. Die Echtheit des Interviews wurde übrigens von den Taliban abgestritten, per Statement auf der Website.

Kommentare sind geschlossen.