Live aus Homs.

Was die Bilder bedeuten (können) und was sie wirklich zeigen, ist aus der Distanz schwer einzuordnen. Aber dennoch wohl für meine Leser interessant: Seit dem frühen Nachmittag gibt es einen Internet-Livestream aus der syrischen Stadt Homs, der immer wieder Einschläge und brennende Gebäude zeigt und in dem Schüsse zu hören sind.

Ohne jetzt schon eine Einordnung oder gar Bewertung versuchen zu wollen, hier die Bilder:

 

Nachtrag: Nach knapp drei Stunden stoppt die Übertragung immer wieder. Auch dafür sind die Gründe unklar. Was jetzt zu sehen ist, scheint zudem ist nur eine Aufzeichnung/Wiederholung des zuvor Gesendeten.

12 Gedanken zu „Live aus Homs.

  1. Der Stream läuft bei mir seit 1,5 Stunden. Ich mir aber nicht sicher ob das alles real ist.
    – Der Ton scheint zumindestens teilweise nicht live zu sein sondern von einer Quelle nahebei zu kommen. So sind „Gewehrschüsse“ teilweise extrem laut und nah zu hören obwohl die Aufnahme aus einem Hochhaus und aus der Entfernung gemacht wird.
    – Das Feuer auf dem Dach auf das sich der Strem eine Weile konzentriert hat könnte auch ein brennender Autoreifen sein. Solche wurden von der Medientruppe der Rebellen in Homs bereits öfter genutzt um Gefechte vorzutäuschen.

    Anderseits twitterte heute ein BBC Korrespondent aus Homs. Das Leben in den meisten Stadtteilen sei normal aber zwei Stadtteile seinen abgeriegelt und von dort seinen Mörsereinschläge zu hören.

  2. Die Quelle, bzw. der Standort der Kamera könnte von Regierungstruppen ja relativ leicht ausfindig gemacht werden.

  3. @T.Wiegold – Paul Danahar ist richtig.

    Die Bilder die im BBC laufen sind aber nicht seine Bilder. Wie die BBC im Kleingedruckten ausweist: „This report features unverified library footage.“

    Aber solche „unverfied library footage“ sind wir ja inzwischen in der Syrien Berichterstattung gewohnt.

    Wer an dem militärischen Hintergund dieses Aufstandes der Muslim Brüder in Syrien interessiert ist sollte sich mit dem U.S. Training Circular No. 18-01 – Special Forces Unconventional Warfare (pdf, November 2010) vertraut machen. Das ist das Drehbuch des Filmes den wir da sehen.

  4. @b

    Es gibt allerdings auch – u.a. auf der BBC-Webseite – seinen Augenzeugenbericht; er verlässt sich also nicht nur auf „unverified library footage“ …

  5. @T.Wiegold – Ich schrieb ja das Paul Danahar in Homs war. Aber was nutzt mir die filmische Berichterstattung wenn die mit „unverified library footage“ vermischt ist. Wie soll der Zuschauer das unterscheiden? Vielleicht ist das ja auch aus dem Irak-Archive so wie neulich das BBC Foto vom „Massaker in Houla“ und Andeutungen das die Regierunge dafür verantwortlich sei. Ein Massaker das, wie die FAZ berichtet, von den sunnitischen Fanatisten durchgeführt wurde.

    Der oberste Dienstherr der Bundeswehr hat sich heute in einer deutschen Zeitung zu Forderungen nach einem militärischen Eingreifen in den Konflikt in Syrien geäußert.

    „Ich finde es schwer erträglich, dass irgendwelche Kaffeehausintellektuellen in der Welt den Einsatz von Soldaten fordern, ohne je darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, was das bedeutet.“

    „Dieses Dampfgeplauder von Leuten, die keine Verantwortung tragen, weckt in Regionen wie Syrien Erwartungen und verursacht eben dadurch auch furchtbare Enttäuschung. „

  6. „Kaffeehausintellektuelle“ ist ja offensichtlich auf Bernard-Henri Levy gemünzt. Gut, dass TdM eine so deutliche Aussprache pflegt.

    Libyen hält übrigens zur Zeit – und wohl bis auf weiteres – Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs gefangen. In Bengasi wurde heute ein Fahrzeug der britischen Botschaft mit RPGs angegriffen.

    Das neue libysche Regime wandelt auf den Spuren von Gaddafi.

  7. Nach Angabe syrischer Medien scheint die Sache in Homs scheint vorläufig geregelt zu sein:

    Al Ikhbariya breaking: Al Khalidiya & Bab Sbaa have been cleared from the remnants of the terrorists. #Homs #Syria

    Da haben die Mörser anscheinend genutzt und ja, Aufstandsbekämfung in bebauten Gebieten ist dreckige Arbeit.

    Dafür droht anderer Ärger. Wie die Agentur der päpstlichen Missionsgesellschaften berichtet ist die Christenverfolgung in vollem Gange:

    Qusayr (Agenzia Fides) – Exodus of Christians in the west of Syria: the Christian population has left the town of Qusayr, near Homs, following an ultimatum from the military chief of the armed opposition, Abdel Salam Harba. This is what local sources of Fides report, indicating that, following the outbreak of the conflict, out of the ten thousand faithful who lived in the town, only a thousand have remained, who have now been forced to flee in haste to fury. Some mosques in the city have re-launched the message, announcing from the minarets: „Christians must leave Qusayr within six days, which expires this Friday.“

    The reasons for this ultimatum remain unclear. According to some, it serves to avoid more suffering to the faithful; other sources reveal „a continuity focused on discrimination and repression.“
    Still others argue that Christians have openly expressed their loyalty to the state and for this reason the opposition army drives them away. Now Christian families from Qusayr have begun their exodus of refugees in the valleys and the surrounding countryside.

    Ich bin gespannt wann die Tagesschau das berichtet statt weiter von „friedlichen Demonstranten“ und dem „brutalen Regime“ zu faseln.

  8. @b

    Hm. Im Fall von Homs reden Sie ja auch von Terroristen und Aufstandsbekämpfung, für die anscheinend Mörsereinsatz in bebauten – und bewohnten – Gebieten ok ist?

    (Ich würde gerne einer Polarisierung hier vorbeugen.)

  9. @T.Wiegold – in meinem ersten Kommentar in diesem Faden hier schreibe ich: „und von dort seinen Mörsereinschläge zu hören.“

    Ich bezweifele überhaupt nicht das in Homs schwere Mörser eingesetzt werden. Ich bezweifele nicht was Paul Danahar berichtet.. Ich bezweifele aber was die BBC Produzenten aus seinem Bericht machen. Zu welchem Zweck benutzen die „unverified library footage“? Ist das jetzt der neue BBC Standard?

    Von Terroristen habe ich oben nichts geschrieben. Der Begriff taucht oben lediglich in einem Zitat auf das ich beigesteuert habe. Tatsächlich ist Definition Aufständischer vs. Terrorist vom Blickwinkel abhängig. Die USA nennen ja auch die Taliban gerne Terroristen. Das syrische Loyale die Aufständischen dort Terroristen nennen ist daher nicht verwunderlich.

    Die syrischen Aufständischen haben dem Annan Plan und damit dem Waffenstillstand nicht zugestimmt und dieses mehrfach öffentlich verkündet. Sie haben ihre Offensivoperationen fortgesetzt. Das die syrische Regierung, die ja Verantwortung für die Sicherheit ihrer Bürger hat, dagegen vorgeht ist normal.

    Wenn man sich die diversen bekannten Militäreinsätze gegen militärische gerüstete Aufständische innerhalb von Städten – wie in Syrien jetzt – anschaut dann stellt man schnell fest das alle Militärs dieser Welt in solchen Fällen den Einsatz schwerer Waffen erforderlich und gerechtfertigt finden. Hue, Falluja, Grozny sind da nur jüngere von dutzenden Beispielen. Ich sehe deshalb nicht wieso der Einsatz von schweren Mörsern in Homs besonders bemerkenswert oder verurteilenswert sein sollte.

    Das der angeblich Livefeed aus Homs aber das tatsächlich Geschehen wiedergibt finde ich aus zwei Gründen zweifelhaft:
    – der Ton zu dem Livefeed ist ziemlich eindeutig nicht autentisch sondern „zugespielt“
    – die Historie der „Aktivisten-“ Berichte aus Homs ist eine Ansammlung von propagandistischen und manipulative Fälschungen.

    Das viele Medien hier diese aufgreifen *und* als Wahrheit darstellen (was Sie nicht gemacht haben!) ist erschreckend.

  10. @b:

    Ich muss Ihnen einfach mal Danke sagen für die fundierte, andere Sichtweise, die Sie hier in den Blog einbringen.

    Danke. :-)

  11. @K.B. danke – das liest man gern.

    Noch zum Thema Syrien:

    Das strategische Konzept das hinter dem Angriff auf Syrien durch von aussen gesteuerte/bezahlte Aufständische steht wurde bereits 2007 von Seymour Hersh im New Yorker beschrieben: The Redirection

    To undermine Iran, which is predominantly Shiite, the Bush Administration has decided, in effect, to reconfigure its priorities in the Middle East. In Lebanon, the Administration has coöperated with Saudi Arabia’s government, which is Sunni, in clandestine operations that are intended to weaken Hezbollah, the Shiite organization that is backed by Iran. The U.S. has also taken part in clandestine operations aimed at Iran and its ally Syria. A by-product of these activities has been the bolstering of Sunni extremist groups that espouse a militant vision of Islam and are hostile to America and sympathetic to Al Qaeda.

    Das operative Konzept ist in dem „Drehbuch“ U.S. Training Circular No. 18-01 – Special Forces Unconventional Warfare (pdf, November 2010) beschrieben und wurde in Libyen ja bereits erfogreich angewandt.

    Die nächste Phase der Operation in Syrien wird hier beschrieben: Fire in Syria (I): Preparations on the Turkish and Lebanese Borders

    Die ganze Idee ist aus USA Sicht vielleicht gut – sie sind weit weg – aber aus europäischer Sicht ziemlich katastrophal da sie afghanisierung wesentlicher Länder an der Südflanke Europas beinhaltet.

    Man kann nur hoffen das die Russen es schaffen die derzeitige Saudisch/Amerkanische/Türkische Operation aufzuhalten und den Zusammenbruch des Staates Syrien verhindern können.

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