G36-Probleme: Wer kann Polnisch?

Gleich zwei Leser haben mich auf einen Artikel auf einer polnischen Seite aufmerksam gemacht, der sich mit den Hitzeproblemen des Sturmgewehrs G36 befasst – und mit Spekulationen, das für Feldjäger und KSK angepeilte neue Gewehr – G26 bzw.  SSG-KR-Programm – diene vielleicht auch dazu, eine neue Standardwaffe für die Bundeswehr zu etablieren…

Leider kann ich kein Polnisch, und die Google-Übersetzung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet…

Wer kann diese Sprache und einen Blick auf die Geschichte G26 dla Feldjäger i KSK werfen? Ich glaube, für alle Leser hier und nicht nur für mich wäre eine Zusammenfassung vor allem im Hinblick auf G36-Probleme recht interessant.

26 Kommentare zu „G36-Probleme: Wer kann Polnisch?“

  • E. H.   |   15. Mai 2012 - 1:42

    Hallo!
    Haben Se schon polnische Sprachepertise gefunden?
    Falls nicht, könnte ich helfen…
    Gruß,
    E.

  • T.Wiegold   |   15. Mai 2012 - 8:09

    Noch hat sich keiner gemeldet…

    @E.H.: Wenn Sie wollen, einfach loslegen und in den Kommentaren posten…

  • UmPp   |   15. Mai 2012 - 8:26

    *hier stand Unfug von mir*
    sry

  • Tom   |   15. Mai 2012 - 9:42

    Ich empfehle http://www.translatica.pl/
    Die Seite übersetzt ins Englische gut lesbar und deutlich besser als Google/Bing/Intertrans/… Deutsch geht zwar auch, ist aber holpriger.

    Wer kann Aussagen zur Qualität ins Russische machen? ;-)

  • leo   |   15. Mai 2012 - 9:50

    Ich sprech die Sprache perfekt, Herr Wiegold. Publiziere schließlich auch in polnischen Printmedien. Schau mir den Text an.
    Leo

  • klabautermann   |   15. Mai 2012 - 9:54

    Mein polnischer Heereskamerad, der auch FueAk Absolvent ist, hat den („sehr langen und sehr technischen“) Artikel gelesen und sagte mir:

    polnische Feldjaeger bauen eine Spezialeinheit auf (eher GSG 9 als KSK Auftragsprofil) und sind auf der Suche nach einem Gewehr.
    Der Artikel ist eine sehr technische Darstellung der G36 Geschichte, mit Schwerpunkt auf Einsatzerfahrung, wehrtechnische Untersuchungen und der als G26 bezeichneten Modifikation des G36, um die Hitze-bedingten Rohr- und Sonneneinstrahlungs-bedingten Visierprobleme in den Griff zu bekommen.
    G26 soll als Bezeichnung gewaeht worden sein auf deutscher Seite, damit es so aussieht als sei es eine Neuentwicklung und nicht eine problembedingte Anpassentwicklung, ausgeloest durch die mittlerweile bekannten konstruktionsbedingten Probleme.
    Langer Rede, wenig Sinn: man wird sich polnischerseits fuer die KSK Modifikation des G36 entscheiden: HK416D/145RS

    Interessant ist aus meiner Sicht besonders die Aussage hinsichtlich der Gruende fuer die Bezeichnung G26 als Ablenkungsmanoever von den G36 Konstruktionsproblemen

  • leo   |   15. Mai 2012 - 10:30

    Interessant, was da steht. Ich weiß zwar nicht, was bei uns darüber publiziert wurde, somit kann ich nicht beurteilen, in wie weit es „neu“ ist.
    Es geht jedenfalls um massive Probleme mit dem G36, dessen Zielgenauigkeit alleine nach einem Dauerfeuer (vier Magazine hintereinander) um 1200mm/100m verschoben werde. Angeblich gab es auch Fälle, in denen Soldaten ihre Waffen stehen ließen, so dass sich diese einerseits stark im Sonnenlicht aufgeheizt haben. Auch dies führte zum Verlust der Treffergenauigkeit (Verbiegen von Kunststoffteilen des Karabiners).
    Soldaten der KSK scheinen von Anfang an darauf hingewiesen zu haben, dass die Waffe nur taugt, wenn sie „überschaubar“ eingesetzt werde. Sprich, bei uns (wenig Schießübungen) und in unseren klimatischen Breiten. Manche der fragwürdigsten Teile haben KSK-Soldaten bei Knight’s Aramament Co. (KAC) nachbauen lassen, auf Aluminiumbasis, was die Probleme einschränkte.
    Weiterhin steht es – was ich mir durchaus vorstellen kann – dass man die Suche nach einem neuen Karabiner vor der deutschen Öffentlichkeit abschirmen will, da es schlicht eine Blamage ist, den G36 als Standardkarabiner etabliert zu haben. Offiziell heißt es also, man suche nicht nach einem Ersatz für G36, sondern nach einer „neuen Präzisionswaffe in nahem Bereich für Munition 5,56 mm x 45 NATO“. Getestet werden jedoch nur Waffen, deren Lauflänge 368 mm (14,5 Zoll) beträgt, was klar zeige, dass es sich hier nicht um nahen Bereich handle.
    Alle modifizierten Versionen des G36 sollen im Afghanistan getestet werden, doch zeigen sie nicht wirklich bessere Eigenschaften (im Text heißt es „die Tests dauern seit Langem, doch ihr Ende ist nicht in Sicht).
    Bezeichnung G26 scheint damit in Wirklichkeit die Suche nach einem neuen Standardkarabiner für die Bundeswehr zu sein.

  • leo   |   15. Mai 2012 - 10:35

    @ klabautermann: also von „polnischen Feldjägern“ ist im Text keine Rede.

  • klabautermann   |   15. Mai 2012 - 10:49

    @leo

    stimmt, das war die Information von meinem polnischen Kameraden, warum die polnischen Streitkraefte sich so fuer dieses Thema interessieren.

  • leo   |   15. Mai 2012 - 11:11

    verstehe… ;))
    wobei, soviel ich weiß, wird das polnische Äquivalent des KSK, GROM, ungern das Metier an eine andere Spezialeinheit abgeben. Die polnische Armee leidet ziemlich unter den Sparmaßnahmen der eigenen Regierung und die terroristische Gefahr im Lande ist ziemlich begrenzt, wenn nicht äußerst gering (abgesehen davon, was manche Kreise in Polen über die Flugzeugkatastrophe bei Smolensk verbreiten ;)
    Kann mir schlecht vorstellen, dass man dafür Geld bereitstellt. GROM hat es zumindest auch verstanden, polnische Formoza (Kampfschwimmer) ab und zu auszutricksen. Es gab grade am Anfang des Irak-Krieges Ziele, die Polen übernehmen sollten und selbst, wenn sie „zu Wasser“ lagen, bekam GROM das grüne Licht, nicht Formoza.

  • klabautermann   |   15. Mai 2012 - 11:20

    @leo

    Mein Kamerad meint: die polnische Militaerpolizei will eher eine GSG 9-artige(Bundespolizei) Faehigkeit aufbauen, nicht in Konkurrenz zu GROM, sondern als Ergaenzung. Wie die Carabinieri in Italien koennte dieses Element unter OPCOM des Innenministers im Inneren und unter OPCOM Verteidigungsminister im Ausseren eingesetzt werden bei allen Lagen, wo robuste und zertifizierte Polizei gefragt ist.

  • Jack Bristow   |   15. Mai 2012 - 12:01

    Im aktuellen Focus ist eine Reportage über die Fremdenlegion der Aufmacher. Dort wird ein Mitglied einer Elite-Einheit (… freie Waffenwahl) dahingehend zitiert, dass er auf das G36 vertraut, da es ihn unter den unterschiedlichsten Umständen nie im Stich gelassen hätte (Dschungel und Wüste drüften genannt worden sein).

    Interessant auch die Spitze gegen dt. Fallschirmjäger und ihr Eindruck auf die Franzosen: „Ring im Ohr, Gel in den Haaren…“ (spöttisch)

  • klabautermann   |   15. Mai 2012 - 12:21

    @all

    In Ergaenzung zu meinem o.a. Kommentar, mit „im Inneren“ meinte ich die EU.
    Stichwort Frontex, Rapid Border Intervention Teams, Uebung Poseidon Land.
    Die Zusammenarbeit der Spezialpolizeien in der EU ist sehr weit entwickelt und mit Blick auf die tuerkisch-griechische Grenzsicherung ziemlich robust.
    Das RABIT Koordinierungszentrum ist uebrigens in Warschau.

  • Bang50   |   15. Mai 2012 - 12:43

    @Jack Bristow – Dazu sollte man vielleicht bemerken das die Franzosen ganz enrome Probleme mit ihrer FAL hatten/haben und Entstörungsdrill bei den Franzosen zur Ausbildung gehört. Man ist also was ganz anderes gewohnt ;-)
    Das G36 mit seinem indirekten Gassystem ist sehr zuverlässig. Ich bezweifle halt nur, das viele Soldaten im Streß eines Gefechtes überhaupt erkennen können das sich die Trefferpunktlage ihrer Waffe verschiebt.

    Dazu kommt, das Offiziere und viele Legionäre fast komplett frei in der Wahl der Waffen sind. Es gab in Afg. auch französische Offiziere die mit amerikanischen M4 herumgerannt sind. Dabei spielt halt dann oft auch der coolness Faktor eine Rolle. Aber auch dort ist der Trend ganz klar in Richtung HK416/417, welches man inzwischen in großen Stückzahlen bei der Legion sieht.

  • para   |   15. Mai 2012 - 14:19

    Die Neubezeichnung G 26 ist nicht nur Augenwischerei, wie teils suggeriert. Und das G 36 als Blamage oder Desaster darzustellen ist ebenfalls ein „wenig“ uebertrieben. So wie es ausschaut, interessiert sich die BW fuer das HK 416/417 (letztere wohl als Ersatz fuer G 3 ZF/DMR), wie so ziemlich viele Streitkraefte in den letzten Jahren. Diese Waffen hat HK basierend aus dem Einfluss vieler Waffensysteme u Ausschreibungen entwickelt, darunter G 36, amerikanischem XM-8 Programm u der Modifikation amerikanischer M4 mit neuen Bauelementen, die praktisch in einer neuen Waffe resultieren, eben dem HK 416, das dann auch als kompletter Satz von HK produziert wurde, ua. fuer die SCAR-Ausschreibung, die an FN ging.

    Das G 36 ist nicht gerade letzter Stand der Waffentechnik, zudem habe ich bisher in den ganzen eindimensionalen Pressemeldungen u manchen Kommentaren zu dem Thema gelesen, wo das G 36 nun genau so ein Leistungsdefizit im Vergleich zu anderen Standard-Sturmgewehren im aktuellen NATO Standardkaliber hat. Gerade der Diskussionspunkt „oh Schreck, kontinuierliches Dauerfeuer fuehrt zu Verschlechterung in Zielgenauigkeit“ loest da Kopfschuetteln aus. Ja, jetzt wird eben unter Bedingungen gekaempft, die man so sicher fuer den V-Fall nicht im Sinn hatte. Muss man eben sehen, wie man sich anpasst (oder ob das ueberhaupt Sinn macht, halbgare Langzeitbesatzungen im COIN-Stil mitzumachen).

    Scheint eben so, als ob gerade diese Ueberlegungen praktische Auswirkungen haben, wie bei GFF u anderswo.

  • Bang50   |   15. Mai 2012 - 15:56

    @ para – verzeihen Sie aber einige Dinge kann ich nicht stehen lassen, weil sie sachlich schlicht falsch sind.

    Zitat:“Die Neubezeichnung G 26 ist nicht nur Augenwischerei, wie teils suggeriert.“

    Das Gewehr welches aus dem SSG-KR-Programm hervorgehen wird, wird wahrscheinlich die Bezeichnung G26 erhalten. Das Programm ist ein gemeinschaftliches Projekt der Feldjäger und des KSK – Interessant an diesem Programm ist, das man eine sehr kryptische Projektbezeichnung verwendet hat um anscheinend wissentlich zu verschleiern das man für diese Truppengattungen einen Ersatz für das G36 sucht (offensichtlich hat man eine öffentliche Diskussion darüber gefürchtet). Die Waffen welche im Verlauf dieses Programmes getestet werden, zeigen ganz klar das es Sturmgewehre im eigentlichen Sinn sind und keine speziellen Nischenlösungen mit besonderen Spezifikationen.
    Nun könnte ich mir vorstellen, das manche (konventionelleren) Kreise in der BW auch eine neue Waffe haben wollen und man deshalb die Probleme mit dem G36 durchgestoßen hat um öffentlichen Druck aufzubauen. Das passiert zu einer geschickten Zeit. Das SSG-KR-Programm wird Ende 2012 einen Sieger benennen. Etwa im selben Zeitraum kommen die ersten IDZ 2 Systeme in den Truppenversuch mit einem modifizierten G36.

    Zitat:“So wie es ausschaut, interessiert sich die BW fuer das HK 416/417 (letztere wohl als Ersatz fuer G 3 ZF/DMR), wie so ziemlich viele Streitkraefte in den letzten Jahren.“

    Die Bundeswehr braucht sich für diese Waffe nicht mehr nur zu interessieren. In der Rolle DMR hat die BW gerade mehre hundert G28 ( eine remilitarisierte Version der MR308, deren militärischer Bruder das HK417 ist) eingeführt.

    Im KSK wird in der Rolle des „battle rifle“ das HK417 geführt (BW Bezeichnung G27).

    G27 und G28 sind Waffen im Kaliber 7,62mm und füllen damit die Nische des G3.

    Es ist also kein Zufall wenn das neue Sturmgewehr für KSK und Feldjäger die Bezeichnung G26 erhällt. Welches Waffe jedoch dabei raus kommt , wird sich noch zeigen. HK hat mit dem FN SCAR einen starken Konkurenten. Auch die kleinen deutschen Schmieden wie Schmeisser sollte man nicht unterschätzen. Der Punkt ist: Hier wird ein Sturmgewehr beschafft und keine DMR Waffe oder ein battle rifle.

    Zitat:“Diese Waffen hat HK basierend aus dem Einfluss vieler Waffensysteme u Ausschreibungen entwickelt, darunter G 36, amerikanischem XM-8 Programm u der Modifikation amerikanischer M4 mit neuen Bauelementen, die praktisch in einer neuen Waffe resultieren, eben dem HK 416, das dann auch als kompletter Satz von HK produziert wurde, ua. fuer die SCAR-Ausschreibung, die an FN ging.“

    Das HK416 wurde in Zusammenarbeit mit der Deltaforce entwickelt, welche ein indirektes Gassystem (wie imG36) in ihre AR15 Systeme integriert haben wollten. Es gibt noch andere Details, jedoch ist das HK416 schlicht eine AR15 mit Piston System – Fertig!

    Das XM8 ist ein G36 mit etwas anderem Gehäuse, welches für ein amerikanisches Beschaffungsprogramm entworfen wurde = schon lange Tot.

    Die Amerikaner haben nie ihre M4 durch HK umbauen lassen. Es ist möglich den HK416 Upper (welcher das Piston System enhällt) auf einen M4 Lower zu setzen. In der Praxis macht das niemand und die DELTA Force hat komplette HK416 gekauft.

    Zitat:“Das G 36 ist nicht gerade letzter Stand der Waffentechnik, zudem habe ich bisher in den ganzen eindimensionalen Pressemeldungen u manchen Kommentaren zu dem Thema gelesen, wo das G 36 nun genau so ein Leistungsdefizit im Vergleich zu anderen Standard-Sturmgewehren im aktuellen NATO Standardkaliber hat. Gerade der Diskussionspunkt “oh Schreck, kontinuierliches Dauerfeuer fuehrt zu Verschlechterung in Zielgenauigkeit” loest da Kopfschuetteln aus. Ja, jetzt wird eben unter Bedingungen gekaempft, die man so sicher fuer den V-Fall nicht im Sinn hatte. Muss man eben sehen, wie man sich anpasst (oder ob das ueberhaupt Sinn macht, halbgare Langzeitbesatzungen im COIN-Stil mitzumachen). “

    Ich habe keine Lust das alles wieder aufzurollen. Lesen Sie sich die Kommentare in den alten Threads bitte nochmal genauer durch und Sie werden verstehen wo jetzt genau das Problem liegt und warum das G36 davon besonders betroffen ist.
    Stichpunkte: Polymergehäuse, Laufbettung, Unterschied zwischen direktem und indirektem Gassystem, Anforderungen in den 90er Jahren und Anforderungen im 21Jh.

    Danke

    P.s Vielleicht wollen Sie ja mit dem Soldaten tauschen, der schlicht zu „blöd“ ist ZDV gerechtes AGA Schießen in Afg. zu praktizieren.

  • Sun Tzu   |   15. Mai 2012 - 18:36

    @ Bang50 | 15. Mai 2012 – 15:56

    Der Ehrlichkeit halber muss man aber auch erwähnen, dass sich die Prämissen geändert haben.
    Man brauchte in den 1990igern ein neues Sturmgewehr, die Politik wollte aber möglichst wenig Geld ausgeben. Das Ergebnis war die „Plastikbüchse“ G36. Die bekannten Mängel wurden von Anfang an in Kauf genommen, weil man bei Ausrüstung eben primär das Großgerät im geistigen Fokus hatte und Handwaffen eher als Beiwerk gesehen wurden. Erst mit den Auslandseinsätzen, hier insbesondere Afghanistan, verstand man wieder die Bedeutung des Infanteriekampfes und es entwickelte sich eine Bereitschaft, dafür auch Geld auszugeben.
    Hier komme ich zu folgender Überlegung: Es gab mal ein G11 Programm, wo sich deutsche Ingenieurskunst 20 Jahre lang austoben konnte und so innovative Konzepte wie hülsenlose Munition etc. hervorbrachte (siehe http://www.bwb.org/portal/a/bwb/!ut/p/c4/LYzBCsIwEET_aLfpoYI3g0i92IMHrbekWdtAm5R1Yz348SbgDAwMbxh8YHYwbz8a8TGYGe_YD35vN7CbhUSWOAVw5lXqRhMLDUCfNW8FJhPckxIx3sqPIxhiICkpFMTnHNlIZFgjy1xIYs4EvMO-Ukdd1XX1l_o2bav1ddeo8-XU4boshx-5yc9w/)

    Jetzt stellt sich mir die Frage: Will man, wenn man jetzt wieder Geld für Infanteriebewaffnung ausgeben will, mal wieder über innovative Technologien nachdenken? Nicht mal der Leopard 2 schleppt für seine Hauptwaffe Messing in Form von Patronenhülsen rum, aber der Infanterie packt man wie vor 200 Jahren weiter kiloweise Messinghülsen in den Rucksack. Da war man selbst beim BWB schon mal weiter …

  • Oxtorne   |   15. Mai 2012 - 19:14

    @Sun Tzu

    – zur Leo 2 Munition: Der Patronenboden ist aus Stahl (zwengs Abdichtung), ausserdem schiesst ein Leo kein Dauerfeuer. Ein Aufheizen der Waffe passiert da nicht so leicht.
    und wenn doch, gibt es einen Feldjustierspiegel (oder so ähnlich ) an der Rohrmündung. Sowas hab ich beim G36 noch nie gesehen.

    – zum G11: Das Kaliber des G11-Geschosses (4,73mm) ist noch kleiner, als das NATO-Standardkaliber (5,56mm). Da man die Physik eher selten bescheissen kann, wird man mit diesem Geschoss die gleichen Probleme haben, wie mit dem NATO-Geschoss.
    Von den thermischen Problemen mit hülsenloser Munition will ich erst gar nicht anfangen.

  • Sun Tzu   |   15. Mai 2012 - 19:37

    @ Oxtorne | 15. Mai 2012 – 19:14

    Ist mir bekannt, trotzdem danke.

    Beim G11 wird aber nach wie vor behauptet, dass man diese Probleme in den Griff bekommen hat, im wesentlichen durch das Treibmittel. Das Argument für die Nichteinführung war: Zu teuer, was wohl auch an Patentinhabern lag, die sehr fürstlich bezahlt werden wollten. Nun, die Patente dürften ausgelaufen sein, der Bedarf an hochwertiger Infanteriebewaffnung ist (leider) wieder da. Die fehlende Mannstoppwirkung der 5,56 x 45 mm NATO wurde bei der G 11 recht überzeugend mit dem Drei-Schuss-Feuerstoß gelöst, der die Projektile so schnell raushaut, dass auch Kugel zwei und drei die Waffe verlassen haben, bevor man sie verreißen kann. Das geht nur mit hülsenloser Munition …
    Bei hypothetischen aktuellen Entwicklungen könnte man allerdings tatsächlich über eine etwas stärkere Patrone nachdenken.

  • Bang50   |   15. Mai 2012 - 19:39

    Och meno! Jetzt ist mein Kommentar flöten gegangen! Schreibe morgen was dazu. Jetzt hab ich keine Lust mehr :(

  • Wladimir   |   15. Mai 2012 - 19:45

    G11 ist / wird ein Holzweg: Das G11 Programm litt am Ende nicht mehr an Überhitzungsproblemen. Diese wurden durch Tausch des Treibladungsmittels gelöst. Verpuffungsprobleme milderte man durch das elastische Plastikgehäuse. Problematisch war vielmehr die Abdichtung zwischen der „Walze“ (Verschluss) und dem Rohr. Die Einwegdichtung konventioneller Waffen einschließlich Leopard gibts hier halt nicht. Insgesamt betrug die Lebensdauer dieser kritischen Dichtstelle um die 5000 Schuß. Schlicht zu wenig. Im Übrigen war der Antrieb für die Walze mechanisch recht aufwendig, also auch in der Herstellung zu teuer. Die Herstellungstechnologie (Plastik) und die Optik sind im Prinzip „Abfallprodukte“, die sich dann beim G36 wiederfinden. Wer es genauer wissen will: SEEL, Wolfgang: Die G11 Story – Die Entwicklungsgeschichte einer High-Tech-Waffe. Achtung sehr H&K – lastig.

  • para   |   16. Mai 2012 - 11:32

    „Vielleicht wollen Sie ja mit dem Soldaten tauschen, der schlichtzu“blöd” ist ZDV gerechtes AGA SchießeninAfg.zupraktizieren.“

    Erhitztes Gemuet (get it?) ist fehl am Platz. Das G 36 war nie fuer Kolonialkriege, die zu 90 % vom abgesessenen Infanteristen gefuehrt werden, mit fehlender Strategie, fehlendem taktischem Unterbau und keinem Geld fuer fristgerechte operative Anpassungen gedacht. Es ist das falsche Gewehr fuer das was damit derzeit gemacht wird. Ich hab die Kommentare anderswo gelesen. Die grosse Blamage ist das G 36 nicht mehr als ein M4, ein SA 80 oder ein Famas. Dein letzter Satz ist einfach nur sinnfreie politisch korrekte Polemik. Wenn ich dann noch lese „Konzept der 90er vs Konzept fuers 21 Jhd“…da draengt sich der historische Vergleich mit den Briten Anfang 20. Jhd auf…die haben auch ihre Praemissen aus ihren Buschkriegen nach Frankreich mitgebracht. Wenn die jetzigen Anforderungen, die ihre Grundlagen komplett in Launen von Politikern haben und in keinster Weise Realpolitik darstellen, so verklaert werden, hat die BW groessere Probleme als nur ein suboptimales Gewehr.

  • Bang50   |   16. Mai 2012 - 12:45

    @ para

    Zitat:“Erhitztes Gemuet (get it?) ist fehl am Platz.“

    Nein ich habe eine ganz klare Frage gestellt: Würden Sie mit dem Soldaten tauschen, der Ihrer Meinung nach sich nicht über das Material beschweren soll, sondern sich bitte ZDV gerecht mit der Waffe zu Wehr setzen soll und im Feuergefecht nach 3 verschossenen Magazinen die grüne Flagge zu hissen hat? Vielleicht verstehen die INS dieses Zeichen und legen eine Feuerpause ein *kopfschüttel*

    Das erinnert mich an eine Begebenheit als die Mp7 in die die BW eingeführt wurde. Auf meinen Einwand, das eine Waffe die dafür ausgelegt wurde um im Feuerstoß auftauchende Feinde im Bereich 0-50m zu bekämpfen und dabei über eine Kadenz von 950 Schuß/min verfügt, ein 20 Patronen Magazin sehr schnell leer sein dürfte und es mir unverständlich ist, das die BW nicht gleich die 40 Patronen Magazine geordert hat, baute sich ein Offizier vor mir auf und erklärte mir das die oberste Tugend des Soldaten die Feuerzucht sei! Seit diesem Tag liebe ich das Wort Feuerzucht und ich muss immer wieder lachen wenn ich es bei der BW oder oder sonst wo höre. Das ist ist genau die Trennlinie welche zwischen Verteidigungsbeamten und Einsatzsoldaten in der Bw verläuft.

    Zum Glück ist die BW mit dem neuen Schießkonzept da inzwischen etwas weiter. Ziele werden solange mit Einzelfeuer (im Feuerstoß trifft es sich eben mit 5,56mm recht schlecht) bekämpft bis ALLE Ziele kampfunfähig Geschossen sind. Sollte der Feind zu stark sein, muss ich mich von ihm lösen. Dabei gillt: Keine Bewegung ohne Feuer, kein Feuer ohne Bewegung. Wer schon mal ein überschlagendes Ausweichen versucht hat, der weis wie schnell da 3 oder 4 Magazine durch sind.

    Zitat:“Das G 36 war nie fuer Kolonialkriege, die zu 90 % vom abgesessenen Infanteristen gefuehrt werden“

    meinten Sie etwa damit was ich mit
    Zitat:“Konzept der 90er vs Konzept fuers 21 Jhd“
    ausgedrückt habe? Dann solten Sie sich über ihren eigenen Beitrag aufregen.

    Zitat:“mit fehlender Strategie, fehlendem taktischem Unterbau und keinem Geld fuer fristgerechte operative Anpassungen gedacht.“

    Oh Strategie, fehlender taktischer Unterbau, operative Anpassung – da werden ja ganz schwere Geschütze aufgefahren. Ich weis ja nicht wie es Ihnen dabei geht, aber ein Strumgewehr soll ein Mannziel auf Distanzen bis 200m kampfunfähig machen. Welche Strategie etc.. dabei verfolgt wird, ist dem Sturmgewehr egal, seine Rolle bleibt immer die Gleiche.

    Zitat:“Es ist das falsche Gewehr fuer das was damit derzeit gemacht wird.“

    Es ist ein Gewehr welches man mit bestem Wissen und Gewissen in den 90ern für eine Wehrpflichtarmee beschafft hatte. Damals standen einfache Bedinung, Wartung und kurze Ausbildungszeiten im Vordergrund. 20 Jahre später hat sich der Feuerkampf weiterentwickelt durch Erfahrungen die man gemacht hat. Man hat festgestellt das bestimmte Merkmale besonders wichtig sind. Das nennt man dann „lessons learnd“ oder auch schlicht Weiterentwicklung.

    Zitat:“Die grosse Blamage ist das G 36 nicht mehr als ein M4, ein SA 80 oder ein Famas“

    Hat auch niemand behauptet und wenn Sie die älteren Kommentare in den zwei voran gegangen Threads wirklich gelesen hätten, wüssten sie das ich das auch ganz klar so ausgedrückt habe. Es ist sogar so, dass das G36 einen Fortschritt gegenüber z.b einer SA80 darstellt (indirektes Gassystem).

    Zitat:“Dein letzter Satz ist einfach nur sinnfreie politisch korrekte Polemik“

    Danke das Thema haben wir schon im ersten Absatz geklärt – Sie schulden mir noch eine Antwort.
    Oder wie man es doch gerne in der BW sagt: „Führen von vorne!“

  • Phantasiename   |   17. Mai 2012 - 7:41

    Sehr geehrter Herr Wiegold,

    ich bin im Norden Berlins und unter Anderem auch als Beufssoldat regelmässiger Nutzer der üblichen BW-Handwaffen. Anhand eines SL8, der zivilen, halbautomatischen Variante des G36, kann ich Ihnen gerne die Probleme die es mit dieser Waffe in Bezug auf Präzision und Andere Aspekte gibt demonstrieren. Das SL8 ist technisch gesehen weitgehend baugleich dem G36, die Probleme des G36 sind unmittelbar übertragbar. Auch die Probleme in Bezug auf die Präzision des G3 im Vergleich zum nun eingeführten G28 können gerne am Objekt (ein dem G3 weitgehend baugleicher ziviler Halbautomat steht ebenfalls zur Verfügung).

    Das HK416 / 417 bzw. seine Varianten sind theoretisch geeignet einen Teil der Probleme zu beseitigen. Die Einführung des HK50 / G36 wurde Mitte der 90er beschlossen, ein Kampfeinsatz war damals in weiter Ferne / kaum vorstellbar und das G36 in Bezug auf die Verwendung einer optischen Visierung für alle Soldaten ein Fortschritt. Die Zuverlässigkeit in Bezug auf technische Störungen ist im Vergleich zu anderen marktüblichen Langwaffen im „kleinen“ NATO-Kaliober .223Remington hervorragend – dank des Verzichts der reinigungs- und wartungsintensiven direkten Rückführung von Schmauchgasen auf den Verschluss und dank des Entschlusses an Stelle dieser Lösung eine Stange zur Übertragung des Impulses aus einer kurzen Gasrückführung auf den Verschluss zu wählen – technisch in Bezug auf den Repetiervorgang sehr grob vergleichbar dem System der AK47 / 74. Das G36 ist hierdurch eine durchaus sehr zuverlässige und handhabungssichere Waffe, die Präzision aber ist bedingt durch Materialienwahl und Architektur abhängig von der Temperatur der Einbettung des Patronenlagers / Laufes in das System und eingeschränkt durch die insgesamt suboptimale Visierung und deren Montage / Abhängigkeit von der Position einer Eventuellen Auflage der Waffe am Vorderschaft. Ich kann Ihnen auch anhand eines Präzisionsgewehres zeigen, was für Konstruktionsmerkmale denn fördernd für die Präzision einer Langwaffe wären / wie das HK416/417 diesen Anforderungen näher kommt als die G36- Familie…… .

  • Sun Tzu   |   19. Mai 2012 - 16:21

    @ Bang50

    Mich würde doch noch mal Ihre Meinung zu weiteren Handwaffenentwicklungen interessieren.
    Aktuell scheint man sich da ja sehr für ein evolutionäres Entwicklungskonzept entschieden zu haben. Immer ausgehend vom Status Quo werden Detailverbesserungen vorgenommen, mehr nicht.
    Hat man die Denkschule der 1980ger Jahre also vollkommen über Bord geworfen, die eher bei Null anfing und eben mit dem G11- Programm einen unkonventionellen Weg ging? Gerade die jüngeren Entwicklungen bei technischer Keramik dürften für hülsenlose Munition neue Horizonte öffnen.
    Weil man anfängt, einen Nachfolger für das G 36 zu suchen, wäre doch jetzt der Zeitpunkt, andere Konzepte zu durchdenken.