RC N Watch: Jetzt fährt die Eisenbahn

Es hat ja eine Weile gedauert, und es gab immer wieder – unerklärte – Verzögerungen. Aber jetzt scheint es wirklich so weit zu sein: Die Eisenbahnlinie von Hairatan an der afghanisch-usbekischen Grenze nach Masar-i-Scharif hat den Verkehr aufgenommen, berichtet heute Associated Press: Afghanistan opening first major train service

Zuletzt hatte es im August Meldungen gegeben, die Linie sei nun endlich fertig… Aber dann wusste niemand so recht etwas davon. Immerhin ist in der heutigen Nachricht von der Ankunft eines Testzugs die Rede. Wenn auch noch ohne Fracht.

Wenn die Linie tatsächlich in Betrieb geht… dürfte das ja dem für die Versorgung von ISAF wichtigen Northern Distribution Network Auftrieb geben, der Alternative zur problematischen Nachschubroute über Pakistan. Derzeit, so die letzten Zahlen, die ich in Erinnerung habe, kommen bereits 40 Prozent des Nachschubs über den Nordroute, also über die zentralasiatischen Republiken, gut 30 Prozent per Luftfracht und der Rest via Pakistan. Allerdings würde ich gerne mal eine Statistik sehen – es gibt sie bestimmt, ich hab sie nur noch nicht gefunden – wie diese Anteile für die Versorgung mit Kraftstoff aussehen. Konkret: wie viel Sprit für Fahrzeuge, Hubschrauber und Flugzeuge kommt noch via Pakistan, sofern der Weg offen ist?

Allerdings: Die Eisenbahnlinie wird von einer staatlichen usbekischen Gesellschaft betrieben. Die Abhängigkeit der NATO von Usbekistan und seiner, vorsichtig ausgedrückt, problematischen Regierung wird damit nicht geringer.

9 Gedanken zu „RC N Watch: Jetzt fährt die Eisenbahn

  1. Ist es nicht einfacher eine Bahnstrecke zu sabotieren, anstatt den Nachschub per LKW zu sabotieren?

    Einfach die Gleise blockieren/zerstören und schon steht der Zug, wie früher in einem Western Film

  2. Da kann die U.S. Cavallery ja ihre Forts jetzt wie früher per Schiene mit Nachschub versorgen. Und die Ureinwohner stecken wir dann in Reservate. Kann man den Gerbel als Ersatz für die Bisonherden nehmen?

  3. Logistisch wird es wohl eine Erleichterung für die Truppen bringen, auch wenn ich wie Philip das Problem der Sabotage sehe.
    Wenn auch nicht wie im wilden Westen, sondern ehr so wie in Russland oder Jugsolawien im WW2. Da hatte sich schon die Wehrmacht mächtig mit zu beschäftigen

  4. Das erste Mal wurde die Linie im September 2010 für eröffnet erklärt. Da warten wir mal doch lieber ab ob die heutige Meldung sich tatsächlich bestätigt.

    Das Problem der NDN sind doppelt so hohe Kosten (und erheblich längere Transportzeiten) als auf der Pakistan Route. Zudem ist die NDN (noch) eine Einbahnstrasse, d..h. man kann über den Weg nicht abziehen. Waffen- und Munitionstransporte sich auf der NDN auch nicht zugelassen.

    Die Schließung der Pakistan Route wird sich deutlich im U.S. Budget bemerkbar machen. Und Luftfracht mit $14,000 pro U.S. Tonne ist auf Dauer auch nicht finanzierbar.

    Es gilt immer noch was der Duke of Wellington (1769-1852) vor 200 Jahren bereits gesagt hat:

    „[In Afghanistan] a small army would be annihilated and a large one starved.“

  5. Ich verstehe nicht so ganz, warum man bei dieser Bahnlinie immer nur auf den Aspekt des militärischen Nachschubs focussiert. Das ist ein Teilaspekt, ja. Aber das war es dann auch.

    Es ist für Afghanistan, insbesondere für den Norden, hoch wichtig, einen Anschluss an den Welthandel zu bekommen, ohne vom Wohlwollen irgendwelcher Fundamentalisten abhängig zu sein. Diese sitzen nun mal in Pakistan, Süd-Afghanistan und dem Iran und können ggf. den Weg zum Meer versperren.

    Verpasst man Nord-Afghanistan einen Zugang zu zentralasiatischen Eisenbahn- Hauptrouten, so nimmt man Fundamentalisten Macht. Für kontinentale Gebiete ist die Eisenbahn nun mal das einzig brauchbare Massentransportsystem.

    Ich tippe mal, dass einige Warlords aus Pakistan das verstanden haben und schon ihre Söldner (auch in deutschen Blogs) zwecks Sabotage losgeschickt haben. Treten die Sicherheitskräfte nun knallhart auf, werden Schäden durch Anschläge unverzüglich repariert etc., dann werden entsprechende Geldgeber der Sabotageakte schnell aufgeben. Das muss man nun halt durchfechten, will man strukturell eine zivilwirtschaftliche Entwicklung.
    Wer Wandel durch Handel ernst meint, muss das auch ermöglichen. Dafür muss diese neue Eisenbahnlinie halt einige Jahre verteidigt werden, bis die Angreifer ihre Chancenlosigkeit erkennen und aufgeben. Für diese Zeit darf man die Kosten von Sicherheit nicht den Transportgebühren auferlegen, da auch dies von den Angreifern gewollt ist. Nicht zuletzt geht es hier einigen falsch spielenden Pakistanern um die Aufrechterhaltung eines Transportmonopols, um das mit harten Bandagen gekämpft wird.

    Setzen sich jedoch die Weicheier bei ISAF durch, lässt man Zweifel an der eigenen Willenskraft zu, wenn es darum geht, diese Handelsroute zu ermöglichen, dann sollte man es besser gleich lassen.

    Die Argumentation, wie b sie hier wieder vertritt, ist so in etwa die Linie, wie sich das einige pakistanische Warlords in der westlichen Öffentlichkeit wünschen.
    So nach dem Motto: Ist doch alles zu teuer, Waffennachschub für unsere Truppen geht nicht… hat zwar mit der Realität nichts zu tun, ist aber hilfreich, um Willenskraft bei der Durchsetzung sinnvoller Maßnahmen zu beschädigen. b macht hier mal wieder einen „guten“ Job, wenn es um die Zerstörung der Willenskraft an der deutschen Heimatfront geht. So kann man mit taktischen Argumenten eine sinnvolle Strategie madig machen. Dummerweise funktioniert so was tatsächlich bei den kurzfristorientierten Naivlingen im deutschen Bundestag.

    Aber auch hier gilt: Strategie ohne Taktik ist der langsame Weg zum Sieg – Taktik ohne Strategie ist nur Lärm vor der Niederlage.

  6. @Sun Tzu

    Danke für die Überlegungen – ich finde allerdings, dass wir hier gut ohne persönliche Anwürfe auskommen.

  7. Ist das eigentlich die von den Chinesen neu gebaute Eisenbahnlinie um die riesigen Kupfervorkommen in der von China gekauften Miene heim ins Reich zu holen ?

  8. Treibstoff via Luftfracht:
    The sheer volume of air-dropped cargo is swiftly rising. In 2005, Air Force planes dropped around two million pounds of supplies to troops in Afghanistan. Last year, they delivered around 60 million pounds by airdrop. By the end of this year, officials say, they expect to drop around 90 million pounds of food, water, ammunition and fuel to bases in the country.
    aus
    http://online.wsj.com/article/SB10001424052970204903804577080613427403928.html

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