Ausgeflogen.

Heute bin ich evakuiert worden. Aus einem, wenn auch fiktiven, Krisengebiet, aber von echten Soldaten. (Ehe die Sprachpuristen kommen: ich weiß, eigentlich werden nur Gebiete und Gebäude evakuiert, aber der andere Gebrauch hat sich so eingebürgert, dass ich ihn hier benutze.) Und wurde ausgeflogen, in Sicherheit.

Das Ganze war Teil der Evakuierungsübung Schneller Adler der Division Spezielle Operationen (DSO), die ich mir heute angeschaut habe und mich, erstmals, in die Reihe der zu Evakuierenden eingefügt habe. Vor meinen Beobachtungen und Impressionen kurz die Lage, wie die DSO sie schildert:

Ein Bürgerkrieg droht im fiktiven Land Atrea. Der Flugverkehr wurde eingestellt. Die Grenzen zum Nachbarland Sware wurden aufgrund der hohen Zahl an Flüchtlingen geschlossen. Mittendrin rund 450 deutsche Staatsbürger die aus eigener Kraft das Land nicht mehr verlassen können.

Ohne eine Möglichkeit den Unruhen zu entkommen, beabsichtigt die Bundesregierung in Deutschland, gegebenenfalls auch unter Einsatz militärischer Mittel, die Evakuierung der deutschen Staatsbürger in Atrea. Das Bundesministerium der Verteidigung wurde deshalb beauftragt, sich auf eine mögliche Militärische Evakuierungsoperation (MilEvakOp) vorzubereiten.

Darunter werden Operationen verstanden, bei denen deutsche Staatsbürger im Ausland, gegebenenfalls auch Bürger anderer Nationen, aus einer drohenden Lebensgefahr, zum Beispiel aus Krisen- und Bürgerkriegsgebieten, gerettet werden. Um die schnelle Durchführung einer Militärischen Evakuierungsoperation gewährleisten zu können, hat die Division Spezielle Operationen den Auftrag, hierfür ständig Kräfte mit einer Reaktionszeit zwischen 24 und 96 Stunden bereitzuhalten.

Also stand ich heute mittag, zusammen mit zwei Reporterkollegen aus dem Hessischen und einer Reihe von Rollenspielern, brav zur Evakuierung im Sammelpunkt Freizeitressort Havel an. Zwei Angehörige des Auswärtigen Amtes (auch sie Soldaten als Rollenspieler) organisierten das, und dann rollte ein Konvoi von Fallschirmjägern und Feldjägern auf den Hof, baute die Sicherung auf und machte sich an Registrierung, vorläufigen Sicherheitscheck zu Abtransport der deutschen Staatsbürger (und, als Bonustrack, einiger fiktiver Einheimischer), die das Land so schnell wie möglich unter dem Schutz der Bundeswehr verlassen wollten.

Beobachtet habe ich solche Übungen schon mehrfach, als zu Evakuierender ist mir einiges anders aufgefallen.

Die Anwesenheit von uns drei echten Zivilisten – nämlich den Reportern – veränderte die Spielsituation. Wir stehen nämlich nicht auf Anordnung so brav, in der linken Hand den Ausweis, die Rechte zur Sicherheit ausgestreckt und mit der Handfläche nach oben gedreht da wie die rollenspielenden Soldaten. Wir treten nicht so flugs und jawoll-mäßig einen Schritt zur Seite, wenn uns ein Oberfeldwebel der Feldjäger dazu auffordert. Mit anderen Worten: Wir sind ja kooperativ – aber wir sind nicht auf dieses Befehl-und-Gehorsam-Schema gedrillt wie die Soldaten.

Und das, behaupte ich, hat die Evakuierungseinheit ein bisschen verunsichert. Etwas war anders als sonst (und das haben mir hinterher auch profesionelle Beobachter in Uniform bestätigt). Dann allerdings müssen dringend mehr echte Zivilisten unter die Rollenspieler – das bringt die Friktion rein, die auch in einem realen Einsatz immer dabei ist. Denn da stehen dann wirklich Zivilisten, deren Nerven in dieser Krisensituation angespannt sind, die nicht so rasch auf Anweisungen reagieren, die mal nach links statt nach rechts treten. Und die unter Umständen dann anders reagieren, als es ein Feldwebel gewohnt ist.

(Übrigens, das mit den echten Zivilisten macht auch der kommandierende General der Evakuierungstruppe: der traf sich, erzählte er mir später, zum Key Leader Engagement – ein Begriff, der zum Beispiel in Afghanistan für Treffen mit Stammesältesten und Dorfvorstehern gebraucht wird – mit… echten Bürgermeistern und Gemeindevertretern aus der Altmark.)

Wir drei Journalisten wurden dann ziemlich schnell abtransportiert, auch wieder mit einer kleinen Friktion: Zum Hubschrauberlandeplatz ging’s im Mungo. Nun gilt für Soldaten: Im Mungo nur mit Helm. Aber der Zivilist, der ausgeflogen werden soll, hat natürlich keinen Helm dabei. Klare Sache, so ist das – aber es gab einen Moment des Zögerns: Dürfen diese Zivilisten denn dann da mitfahren? Gab ja keine andere Wahl.


Die andere Beobachtung: Ich würde die Teilnahme an einer solchen fiktiven Evakuierungsoperation mal dringend den Politikern in Berlin empfehlen, die meinen, eine solche Operation sei deshalb kein Einsatz militärischer Kräfte, weil kein Schuss fällt. Natürlich ist das Ziel des massiv auftretenden militärischen Verbandes ja genau das – dass kein Schuss fällt. Es geht ja darum, Zivilisten herauszuholen und nicht darum, ein Gefecht zu führen. Wer sich mal hat ausfliegen lassen, kommt dann vielleicht zu einer etwas anderen Einschätzung. Aber vielleicht wird das ja Teil der Sachverhaltsklärung – das wäre mal was Neues.

 

37 Gedanken zu „Ausgeflogen.

  1. Oje, fiktives Land Atrea! Muss grad mal auf der Karte von Azoria nachschauen, ob dass da verzeichnet ist.

  2. Sehr interessante Beobachtungen. Selbes Verhalten habe ich auch schon erlebt. Interne Übungen laufen immer anders ab, wenn Zivilisten dazu kommen, die doch unberechenbarer sind, als Soldaten. Auf Zivilisten einzugehen ist wichtig und muss geübt werden. Man darf gespannt sein, ob sich da entwicklungstechnisch etwas tut. Theoretisch sollte es ja machbar sein.

    Aber ist doch witzig, was drei Zivilisten an Unruhe stiften können. ^^

  3. Interessant. Ich haette gedacht dass die Nutzung von zivilen Rollenspielern sehr viel verbreiteter waere als es scheint. Ist auf jedenfall eine gute Sache dass jetzt in diese Richtung verbessert wird – die Soldaten koennen dadurch nur gewinnen.
    Waere auch nett zu wissen ob die Evakuierungenen hin und wieder auch mal tatsaechlich angegriffen werden, z.B. das Rollfeld angegriffen wird oder die Mungos in einen Hinterhalt fahren – nur um die Soldaten nicht in eine Routine kommen zu lassen. Schliesslich sollten die Soldaten auch ueben, die Zivilisten im Notfall auch effektiv zu verteidigen.

    Was mich irritiert ist ihre Schilderung der Verwirrung mit den Mungos zwecks Helmpflicht. Ziehen denn die soldatischen Rollenspieler normalerweise dann brav ihren selbst mitgebrachten Helm an? Werden solche Vorschriften denn tatsaechlich so ueber die Realitaetsnaehe priorisiert?

  4. Es fehlt dann noch ein Schuss Irrationalität und Verzweiflung! „Ohne meinen Hund will ich nicht ausgeflogen werden“

  5. Brötchen, ich schrei gerade Brötchen! Danke für den ausgesprochen lustigen Tagesanfang. (Ich ignoriere deshalb mal ganz großmütig, dass die das ernst meinen. Steht übrigens schon irgendwo in „De bello Gallico“, dass Zivilisten anders reagieren, aber schnuppe.)

  6. *g
    Ich bin vermessen genug, zu behaupten, dass Journalisten i.d.F. nicht mit Zivilisten gleichgesetzt werden sollten.

  7. @Gaudist: „Ziehen denn die soldatischen Rollenspieler normalerweise dann brav ihren selbst mitgebrachten Helm an? Werden solche Vorschriften denn tatsaechlich so ueber die Realitaetsnaehe priorisiert?“

    Ähm, ja!?! Auf Grundlage welcher gesetzlichen Bestimmung soll bei einer ÜBUNG denn Leib und Leben deutscher Staatsbürger (in Uniform oder ohne) gefährdet werden? Nur weil es sinnvoll, weil realitätsnah, wäre? Der gesunde Menschenverstand kommt selten gegen Gesetze, Erlasse, Bürokratie an.
    Wundert mich ehrlich, dass Hr. Wiegold dann doch ohne Helm mitfahren durfte. Ich hätte erwartet, dass von irgendwoher drei Helme für die „schlecht vorbereiteten“ Zivilisten organisiert werden. Wer soll denn erklären, warum bei einer ÜBUNG jemand verletzt wurde, nur weil Sicherheitsbestimmungen vermeidbar missachtet wurden?

  8. Interessante Beobachtungen von Herrn Wiegold, aber auch nicht verwunderlich.
    Zivilisten gehören in jeden Fall als zu Evakuierende in so ein Szenario,
    aber dann bitte wirklich realitätsnah.
    a) die Mama mit Ihrem Säugling
    b) die Familie mit den zwei quängelnden Kleinkindern
    c) die ältere Frau mit ihrem Hund
    d) der ältere Herr, der leider auf den Rollstuhl angewiesen ist
    e) ein Pflegebedürftigter, liegend zu transportieren
    f) ein Haufen „locals“, bewaffnet natürlich, kommt auch noch vorbei, um den Wirren eines Bürgerkrieges (berechtigt) zu entkommen.
    Wenn der Übungstruppe dann diese Einlage vorab auch wirklich vorenthalten wird, dann wird es erstens spaßig und zweitens lehrreich.
    Dann kann man aber anschließend auch wirklich behaupten:
    „Übungsziel erreicht!“

  9. hatte zu zivilzeiten mehrfach die möglichkeit an ähnlichen übungen (wenn auch mit deutlich weniger mat. einsatz) teilzunehmen und die größte hürde sind idt die vorschriften. einiges ist explizit verboten, für den weitaus größeren Teil existieren einfach keine vorschriften und jeder gute soldat klammert man sich natürlich fester an die ZdV als die Dienstwaffe …
    an jedem Standort sollte es genügend hartzies ohne pazifistische vorbehalte geben, die man mit ner aufwandsentschädigung und der berühmten erbsensuppe ausreichen motivieren könnte.

  10. @McKenzie:
    a) ist immer etwas schwierig
    b) erfüllt
    c) durch Truppe mit K9 erfüllt
    d) Rollstuhl ja, aber nur Sidaf im Altersband 3
    e) erfüllt
    f) die Frage stellt sich nicht, ansonsten wären unsere FschJg ein wenig enttäuscht und das Szenario unrealistisch
    Auch die letzte Forderung wurde erfüllt … ob es Spaß gemacht hat wird die Auswertung zeigen. Die SidaF’s hatten ihren ….

  11. @Zweifler:

    „Wer soll denn erklären, warum bei einer ÜBUNG jemand verletzt wurde, nur weil Sicherheitsbestimmungen vermeidbar missachtet wurden?“

    Tja, eine gruselige Frage, die bestimmt von der Rechtsabteilung gestellt würde.. :)
    Vielleicht muss man es so sehen: Bei einer ÜBUNG ist es unvermeidbar, dass bestimmte Sicherheitsbestimmungen nicht beachtet werden, eben weil das der Sinn einer solchen Übung ist.

  12. Wichtige Beobachtungen durch Herrn Wiegold!
    Zeigen m.E., dass der Bedarf an handlungsleitender Doktrin in der Bundeswehr groß ist.
    Die NATO hat in diesem Umfeld immerhin etwas mit ihrer Allied Joint Publication 3.4.2 „Non-combatant evacuation“. Dort werden all die in den Kommentaren erwähnten „Kleinigkeiten“ auf der Basis von best pratices angerissen.
    Aber man hört ja bereits von Arbeiten an einer Einsatzdoktrin der Bundeswehr (EDBw)…

  13. @thias

    Das kann man auf keinen Fall so sehen, und sollte eine Uebung so angelegt sein laeuft was richtig falsch!

    Wenn ich sowas lese, graut es mir…. das fuehrt dann u.a. zu Folterungen von Soldaten, weil man es mal eben einsatznah UEBEN wollte…… Belege s. Bericht des Wehrbeauftragten…..

    Und dann erklaeren Sie mal einer Mutter, dass ihr Kind ums Leben gekommen ist, weil Sie etwas UEBEN wollten und dabei gegen Sicherheitsbestimmungen verstossen haben.

    Klingt dann wohl in etwa so:

    ICH WOLLTE DOCH NUR SPIELEN, denn ueben war es nicht!Bei Uebungen wird Gelerntes ueberprueft und zusammengefuehrt! Full Stopp!….
    Alles andere fuehrt ins Chaos, ist nicht ueberpruefbar und damit als UEBUNG wert- und sinnlos!

    Kein Plan ueberlebt den ersten Schuss, aber man sollte besser einen haben, wenn man auf dem Gefechtsfeld ankommt…..

  14. @ thias | 22. November 2011 – 11:12: […]Tja, eine gruselige Frage, die bestimmt von der Rechtsabteilung gestellt würde.. :)[…]

    Nein, wohl eher der gesunde Menschenverstand. Eine Verletzung/ ein Tod gar in folge einer billigen Inkaufnahme von Verstößen gegen Sicherheitsbestimmungen ist im Friedensdienst stets durch nichts gerechtfertigt, auch wenn es immer wieder trotz Beachtung von Sicherheitsbestimmungen dazu kommen kann, weil eben Menschen Menschen sind.

    Auch die sehr richtigen Lehrsätze: Übe so, wie Du kämpfst und Übe das extremste, dann bist du auf alles vorbereitet, dürfen nicht dazu verleiten Sicherheitsbestimmungen außer Acht zu lassen.

    Noch dazu sehr viele davon auch unter Feuer ihre Berechtigung besitzen dürften.

    Aber Hr Wiegold-toller Bericht übrigens!- war eben in der Altmark und nicht z.B. in Libyen. Und während er in der Altmark maximal mit einer Erkältung zu rechnen hat, fährt er ohne Kopfbedeckung im offenem Mungo umher, so könnte das z.B. in Libyen etwas anderes sein, als der kalte Herbstwind, was sein Haupt streift.

    Für mich liest es sich aber so: lesson learned für die, hier den Einsatz übende Truppe: Helme in ausreichender Zahl vorrätig halten, auf Zivilisten mehr eingehen, usw….damit ist doch schonmal ein Effekt da.

    Und wenn an der nächsten Übung-wohlgemerkt nicht Lehrvorführung!- dann tatsächlich noch mehr „unbedarfte“ oder ganz allgemein: Menschen, die McKenzie | 22. November 2011 – 10:09 beschrieb, daran teilnehmen -evtl. auch eine lesson learned des Divisionskommandeurs- dann ist sogar noch mehr erreicht.

    Die Beantwortung, ob das trotz oder wegen der Beachtung von Sicherheitsbestimmungen erreicht wurde/ wird, darf dann von mir aus getrost im Auge des Betrachters bleiben.

    @ markus | 22. November 2011 – 11:04
    […]einiges ist explizit verboten, für den weitaus größeren Teil existieren einfach keine vorschriften und jeder gute soldat klammert man sich natürlich fester an die ZdV als die Dienstwaffe …[…]
    Die Kenntnis der ZDv ist in meinen Augen deshalb unerlässlich, weil sie einem die Möglichkeiten bzw: das „was geht?“ aufzeigen hilft. Wenn man weiß, was da drin steht ist man handlungssicher-auch gegenüber dem Rechtsberater/ Wehrdisziplinaranwalt.

    Ich gebe Ihnen aber Recht insofern, als dass es eine Sache des Standortes bzw. Betrachtungswinkels ist.

    Bestes Beispiel: Rückwärtsfahren ohne Einweiser. Weil es verboten ist, wird es nicht/ kaum geübt, wie zu lesen war, in AFG und dem Kosovo fehlt dann mitunter diese Fähigkeit, wie wir leider schon zu oft lesen durften.

    Nur bezieht sich die ZDv auch auf abgesperrte Sicherheits- bzw. Übungsbereiche?

    Dass man nicht gleich auf einem Hochgebirgspass mit der „Rückwärtsfahrausbildung“ beginnt, bedingt der gesunde Menschenverstand bzw. der didaktische Lehrsatz aus der ZDv: „vom einfachen zum Schweren“. Nur braucht es dazu a) einen Vorgesetzten, der dies kreativ, aber dennoch so sicher wie möglich, umsetzt und dafür einsteht und b) einen Vorgesetzten, der bei der Präsentation der Schadensmeldung sein Votum bei: Nichthaftung/ im Ausbildungsbetrieb kaputt gegangen und dies gegenüber seinen Vorgesetzten verteidigt.

    Neben dem Allgemeiplatz, dass Vorgesetzte unter anderem aus diesen Gründen mehr Gehalt bekommen als Mannschaften, sei bemerkt: kennt man die Vorschriften, dann kennt man auch den Weg, wie es geht und wenn es gar nicht geht, es aber dennoch gehen muss (vom Einsatz her denken) dann muss eben etwas geändert werden-meine ich zumindest.

  15. Aus anderem Bereich weiß ich, dass die Arbeit mit „potentiellen Kunden“ unglaublich wichtig ist. So sind die SAR-Bergeübungen der Marine in Neustadt für die Segler nicht nur wichtig um dem Sportbootskipper eine gewisse Vorbereitung angedeihen zu lassen, sondern auch damit die im Zweifel im Seaking sitzenden Soldaten wissen, wie der Skipper unten in rauer See tickt. Die Engländer gehen sogar so weit, dass für gewisse zivile Segelpatente eine echte Hubschrauberbergung zur Prüfungs gehört.
    Es erstaunt daher zu lesen, dass es solche Übungen nicht regelmäßig mit Botschaftspersonal, THW, Rotkreuz’lern etc. gibt! Ich hatte angenommen, soetwas sei der Normalfall.

  16. Mich durchzuckt beim Lesen gerade folgende Idee:

    Kann man nicht für solche Dinge echte Zivilisten auf freiwilliger Basis anfragen?
    Bei THW, Rotkreuzlern oder Feuwerwehr könnte ich mir Synergien vorstellen.

    Oder vielleicht Schüler. Vielleicht würde es sogar dadurch bei der Anwerbung neuer Rekruten helfen.

    Keine Ahnung ob sowas rechtlich und versicherungstechnisch möglich ist.

    Aber wahrscheinlich ne Schnapsidee, da dann die Gefahr besteht, daß das ganze keine Übung mehr ist, sondern in ein PR Event abgleitet.

  17. Wirklich nett anzusehen. Aber es wird bald Geschichte sein, wie auch die ILÜ etc. Nach der nächsten Reduzierung wird uns vermutlich die Armee des Kongo bei solchen Evakuierungen ersetzen, weil wir es dann nicht mehr können. Da wir noch so ein großes Volk sind, sind ja auch immer ein paar mehr Deutsche in Hochrisikoländern unterwegs. Bin mal gespannt, was passiert, wenn unsere Jungs französischen oder anderen armen Tröpfen in Not sagen müssen, dass sie leider nicht mitfliegen dürfen, weil es keine weiteren deutschen Hubis mehr gibt.

  18. @JR:
    Gibt es schon Genaueres zur „Einsatzdoktrin der Bundeswehr“.
    Läßt nicht wirklich Gutes vermuten…

  19. @ TW: Ja, gut beobachtet. Zumal davon auszugehen ist, dass in einem echten MilEvakOp-Szenario eventuell anwesende und zu evakuierende Reporter natürlich währenddessen fotografieren bzw. filmen wollen (oder als „echte“ Journo-Haudegen beim Verlegen vom Sammelpunkt zu den Fahrzeugen im Laufen ’nen Aufsager in den Kasten kriegen wollen…^^).

    @ Sachlicher: Sie haben Recht, wenn die Berücksichtigung von „train as you fight“ keinesfalls bestehende Dienstvorschriften außer Kraft setzt. Diese Vorschriften sollten nicht nur vor dem Hintergrund der versicherungsrechtlichen Absicherung der Soldaten wie auch des Dienstherrn entwickelt, formuliert und erlassen worden sein. Sondern sowohl zum Wirken mit maximaler Effizienz als auch zur Sicherheit und damit der Erhaltung der Gesundheit – sprich: der Erhaltung von Einsatzfähigkeit und Kampfwert – des Soldaten bzw. der Funktionserhaltung des Geräts.

    Das ist die Grundlage für jegliche Form der Ausbildung.

    Gehen wir aber d’accord in der Erkenntnis, dass die Berücksichtigung jedweder denkbaren (oder auch in Einzelfällen bereits dokumentierten) Situation mit ihren jeweiligen variablen Konstellationen im Rahmen der bestehenden Dienstvorschriften schier unmöglich ist ?

    Situationen und Konstellationen, die gerade in asymmetrischen und somit unkonventionellen Bedrohungs-, Konflikt- und Einsatz-Szenarien jeglichen bisher definierten Rahmen überschreiten.

    Natürlich wäre es hilfreich, wenn sowohl konkrete Einsatzsituationen und -konstellationen und ihre spezifischen Herausforderungen an Mensch und Material, die taktische Führung, an logistische, zivil-militärische wie strategiepolitische Strukturen dokumentiert, analysiert und zu „best practice“-Empfehlungen ausgearbeitet werden würden. Das setzt aber zB eine Form gezielter Einsatzdokumentation voraus – und zwar deutlich jenseits der punktuell aus der Entscheiderebene angeforderten EinsDok durch EKTs. Das setzt sich in einer möglichst zeitnahen Analyse einschliesslich daraus hervorgehender Empfehlungen für künftiges Verhalten und taktisches Agieren in vergleichbaren Szenarien fort. Die ebenso zeitnah einem nach pragmatischen Kriterien (vorrangig aktuelle und künftige Einsatzkräfte u. -stäbe, AGAs, Schulen, AusbStützpunkte) erstellten Verteiler zur Verfügung gestellt werden. Als parallel sich entwickelnder „Nebeneffekt“ würde dies auch zu dem seit zig Kontigenten geforderten „Kontingent-Gedächtnis“ führen, dessen Inhalt in die einsatzvorbereitende Ausbildung ebenso wie in die konkreten Befehlsplanungen der aktuellen Kräfte im Einsatzland einfliessen würde.

    Es folgt der Ratio der Evolution hochflexibel wie maximal effizient agierender Organisationen, dass derartige von einsatzerfahrenen und militärfachlich korresponiderenden Experten analysierte Erkenntnisse als Grundlagen für „best practice“-Vorgaben oder -Empfehlungen permanent in die Vorschriftenaktualisierung einfliessen. Und dies unter verantwortungsbewusster Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses vor dem Hintergrund, dass eine gründliche technisch-wissenschaftliche bzw. empirische Aufarbeitung Monate, wenn nicht Jahre dauern kann. Das Warten auf mehrfach akademisch (ab-)gesicherte Studien müsste im Zweifel mit Leben oder Gesundheit eingesetzter Kräfte bezahlt werden.

    Sofern ich auf dem TW-Foto richtig erkenne, rumpeln die Mungos übrigens nicht abgeplant über den Klietzer Waldweg in Richtung „Feldflugplatz“ (?). ‚Ne Erkältung hätte er sich eh nicht geholt. Im Übrigen würde ich als Führer der Fahrzeugkolonne ohnedies befehlen, dass die Zivilisten an Bord während des Kfz-Marschs die Köpfe runter zu nehmen haben. Die „Absturzhaltung“ wäre zwar nicht sonderlich bequem – aber in jedem Fall sicher – auch ohne im Einsatzfall eventuell nicht ausreichend mitgeführte Helme. Und lieber Evakuierte „mit Rücken“ als ’nem Loch im Kopf.

    @ Marahrens: „Kein Plan ueberlebt den ersten Schuss, aber man sollte besser einen haben, wenn man auf dem Gefechtsfeld ankommt…..“
    Richtig, Herr OTL. Aber man sollte nicht nur den mitgeführten Plan realistisch geübt haben – sondern auch den (hoffentlich ebenso abrufbaren) Plan B u n d auch den lagebedingt improvisiert entwickelten Plan C.

    You fight as you train. The OF’s power is to fight us ways we didn’t train.

  20. @Etienne Rheindahlen

    „Aber man sollte nicht nur den mitgeführten Plan realistisch geübt haben – sondern auch den (hoffentlich ebenso abrufbaren) Plan B u n d auch den lagebedingt improvisiert entwickelten Plan C.“

    Wir sind ganz einer Meinung, aber um einen Plan B und/oder einen Plab C haben zu koennen, muss man auch das Planen beherrschen….und das dann auch ueben! Und dabei auch mal sehen, wie der eigene Plan den Bach runter geht oder aber auch einfach mal geniessen, dass er funktioniert. (Wobei ich jetzt nicht geskriptete Ablaeufe meine!!!!!)

    Ihr Plan/Vorschlag zum evolutionaeren Ueben / Kontingentgedaechtnis in allen Ehren….. aber hier wird Ihnen dann spaetestens der Mensch einen Strich durch die Rechnung machen, …. die Besten in die Ausbildung, die Besten im Einsatz, die Besten in die Verwaltung, die Besten in die Vorschriftenerstellung…… wo bleiben dann die „Nicht-so-guten“, und nicht jeder, der sich im Einsatz bewaehrt, kann dies auch in „gute“ Ausbildung umsetzen….und umgekehrt!

    „Das Warten auf mehrfach akademisch (ab-)gesicherte Studien müsste im Zweifel mit Leben oder Gesundheit eingesetzter Kräfte bezahlt werden. “

    Pure Emperie kann auch toeten……und eine bekannte Fehlergroesse in Planungsprozessen ist die Annahme eines Experten, dass es beim naechsten Mal genauso sein wird:
    Koennen wir davon ausgehen, dass das was sich in AFG bewaehrt hat, sich auch fuer Afrika eignet?

    „Situationen und Konstellationen, die gerade in asymmetrischen und somit unkonventionellen Bedrohungs-, Konflikt- und Einsatz-Szenarien jeglichen bisher definierten Rahmen überschreiten. “

    Ich denke, Sie werden auch nicht alles, was einen konventionellen Krieg ausmacht, in Papier gegossen finden.

    Ergo muessen wir ein Maximum an Flexibilitaet ausbilden, dass liegt aber nun auch nicht jedem! (Ausbilder und Auszubildenden gleichermassen)

    Wenn Sie Zeit haben, lesen Sie doch bitte mal: Auftragstaktik im preußisch-deutschen Heer 1871 bis 1914, vom leider zu frueh verstorbenen Stefan Leistenschneider….., der Weg zur Auftragstaktik ist hart und steinig und danach muessen Sie sich auch noch streiten, ob es nicht besser Fuehren mit Auftrag heissen muesste ;-), obwohl es doch „nur“ um pro aktives Fuehrungshandeln geht…

  21. @ memoria:
    Ehrlich?
    Dann: Ja, es gibt die lobenswerte Einsicht, dass das nationale Delta in Bezug auf die Doktrinwelt der NATO (= im wesentlichen die rund 45 pubs der joint doctrine) mit einer selbständigen Dokumentengruppe (Einsatzdoktrin der Bundeswehr = EDBw) ausgefüllt werden sollte / könnte / müsste.
    Ganz einfach auch deshalb, weil wir Einsatzerfahrungen nicht schnell genug für alle betroffenen OrgBereiche umgesetzt bekommen und der TSK-Brustton „Aber wir haben doch schon seit immer die Heeresdienst VORSCHRIFT 100/100 oder die LDV 100/1 oder einen Leitfaden….“ eben nicht für streitkräftegemeinsames Handeln in den Szenarien dieser Welt überzeugt – oder gar den Kameraden dort hilft.

    Das erfahrungsgemäß berechtigte Nicht-Gutes-Vermuten hat leider viel mit fehlendem Willen zur Umsetzung, mangelnder Alimentierung und nicht zuletzt mit einer Gemeinsamen Geschäftsordnung zu tun…..

    (Nachtrag: Was die Briten mit dem DCDC prima vorgemacht haben, haben derweil die Franzosen, Polen oder Ungarn nachgemacht. Im Sinne von: sind fertig damit….!)

  22. @ Etienne Rheindahlen | 22. November 2011 – 19:40–Zu Ihrer Frage: Ja, darin stimmen wir absolut überein.

    Mehr noch auch darin, dass wir weg kommen müssen von der „Nullfehlertoleranz“, denn Übung ist keine Lehrvorführung und Übung ist auch kein Einsatz/ scharfes Gefecht, was auch immer. Diese „Fehlertoleranz“ darf dann natürlich kein Freibrief dafür werden, alles außer Kraft zu setzen.

    Aber, und das erscheint mir wichtig-darum auch das triviale Bsp mit dem Rückwärtsfahren: Die generelle Bestimmung dazu zwingt ja den Ausbilder/ Vorgesetzten sich Gedanken zu machen-und das ist es doch dann.

    Sie sehen, wir stimmen also tasächlich überein in diesem Punkt, und nicht nur in diesem:

    [….]Sofern ich auf dem TW-Foto richtig erkenne, rumpeln die Mungos übrigens nicht abgeplant über den Klietzer Waldweg in Richtung “Feldflugplatz” (?). ‘Ne Erkältung hätte er sich eh nicht geholt. […]

    …und der anwesende Truppenarzt war beruhigt…nein im Ernst:
    Seien Sie bitte diesem Passus, auf den Sie antworteten, gegenüber nicht allzu kritisch. Ich wollte mich mal im amusanten Schreiben versuchen. Ich sehe ein: ich bin gescheitert.

    Aber einen möchte ich noch loswerden: Kennen Sie den bedeutendsten Gegner vom Jurist? Der Pragmatist. –die schlechte Grammatik ist dem Reimeffekt geschuldet.

    @ Sönke Marahrens: Sollten Sie der Autor sein von: „CD&E im Einsatz“ in: Honekamp, Wilfried: „Concept Development & Experimentation- Erfahrungen aus der praktischen
    Anwendung der Methode zur Transformation von Streitkräften“, Re Di Roma-Verlag, Remscheid 2008 (S.143-159), so kann ich Ihnen mitteilen, dass ich den Beitrag kenne und ich so recht gut Ihr geschriebenes Wort hier nachvollziehen konnte. Sehr interessant fand ich auch: Christian Rüther: „Die ministerielle Steuerung des CD&E-Prozesses“, in: ders., S.168-176, aber das würde zu weit weg führen.

    Zu Ihrem geschriebenen Wort: […]Ihr Plan/Vorschlag zum evolutionaeren Ueben / Kontingentgedaechtnis in allen Ehren….. aber hier wird Ihnen dann spaetestens der Mensch einen Strich durch die Rechnung machen,…[…]

    Ich meine, das war damit gar nicht gemeint. Es ging eher darum, dass Erfahrungsberichte, etc. nur allzu oft wie ein Weltkriegsgeheimnis gehütet werden, der Austausch der FüKdo`s an die Ämter jahrelang nicht klappte (siehe Bericht des WB), und so die Ämter dies nicht in die Ausbildungsvorschriften einfließen lassen konnten, obwohl sie explizit neben der „Standard“-Fach und Führerausbildungslehrgänge auch explizit auslandseinsatzvorbereitende Ausbildungsvorhaben sicherzustellen haben/ hatten.

    Dazu, und hier dürfen Sie mich gern verbessern, ist es vornehmste und ehrenvollste Aufgabe eines JEDEN Vorgesetzten seine Erfahrungen und Kenntnisse im Rahmen der Ausbildung weiterzugeben. Ein „Abschieben“ des UmP, der die geringste Leistungsfähigkeit zeigt, in die AGA bzw. Ausbildungseinheit, darf es in meinen Augen nicht geben. Hier gehört der Beste hin! Der „zweitbeste“ geht in den Einsatz, weil er sich vom „Besten“ darin unterscheidet, dass er noch nicht im Einsatz war. Anschließend, wenn der „Beste“ mit Einsatzerfahrung ausgebildet hat, geht er ins Amt, wird vom „Zweitbesten“ ersetzt, und schreibt Vorschriften, kehrt wieder zurück auf einer anderen Position zwar, aber in einen Bereich der ausbildet/ Einsätze stellt.

    So meine ich, ist das auch konzeptionell mal gedacht gewesen-auch wenn man sich die dt Armeen vor der Bundeswehr anschaut. Aber wie seinerzeit klappt das natürlich auch heute nicht immer, eher selten, aus den unterschiedlichsten Gründen.

    Aber zumindest einen Workshop, eine Dienstreise, und eben solche Mittel sollten doch drin sein, meine ich, sofern das nicht bereits in geeigneter ARt und Weise geschieht. Nein: Das Kostenargument lasse ich nicht gelten.

    Anmerkung: Damit Sie und andere mich nicht falsch verstehen-Die ersten 3 Monate nach dem Einsatz soll der, der im Einsatz war, seine ATB Volleyballspieler erwerben, die Schnitzelkarte in der Kantine einer Prüfung unterziehen und seine Einsatznachbereitung machen, seinen Einsatz mit den Kameraden reflektieren, aber nicht auf Lehrübungen/ Workshops, etc. herumspringen. Danach aber eben schon.

    […]Koennen wir davon ausgehen, dass das was sich in AFG bewaehrt hat, sich auch fuer Afrika eignet?[…]
    Wenn ich mir erlauben darf: Ich finde es richtig und wichtig, dass Sie auf diese alte Erfahrung hinweisen. Nur war, meine ich, auch das so nicht gemeint. Es gibt allgemeine Erfahrungen, die gelten können und dürfen, und diese zu extrahieren: darauf kommt es an.

    Auch kommt es, in meinen Augen, darauf an, dass alle Kräfte wieder zusammenwirken. Simples Beispiel: Es ist schön, wenn der Bereich NG&A unzählige Ergebnisse/Bewertungen/etc. aus potentiellen Einsatzländern hat. Aber hier benötigt man, nenen Sie es ruhig Studie, ein Papier, welches den Vorschriftenschreibern ermöglicht zu erkennen: was ist gleich? Was ist wo gleich? Was ist warum gleich? und dann kann man das generalisiert ausbilden. Die Spezialisierung gehört dann in die Einsatz-Vor-Ausbildung.

    Ansonsten verlinke ich gern diesen Bericht: http://strategie-technik.blogspot.com/2011/04/fuhrung-im-gefecht-erfahrungen-und.html

    Warum? Nun er zeigt all das auf, was wir als Youngster schon auf der Schießbahn lernten: Auf den Führer kommt es an, Heft des Handelns in den Händen behalten, treffenweises Schlagen, Schwerpunkt bilden, Feind in der Flanke stellen und werfen (wobei hier: aufrollen die geeignetere Beschreibung wäre), usw.-ich beginne Sie zu langweilen…

    …Neu ist doch daran lediglich, dass es keine WK II Erfahrung ist, sondern aus dem Jetzt. Neu ist daran aber eben auch: Feind und Zivilkräfte sind beide zur gleichen Zeit da und vor allem: letztere sind zu schonen. Und genau an diesem Punkt frage ich mich als Außenstehender, und komme da auf Ihren Buchartikel zurück: Ist das nicht ein neuer genereller Standard, den uns die Militärhistorie so aus den WK II Aufarbeitungen, aber auch aus den Vietnam-Kriegen ganz zwangsläufig nicht bieten konnte? Wir aber nicht genau (auch) dieses Wissen nun benötigen? Und: Ist das nicht so ein generelles Merkmal heutiger Gefechtssituationen?

    […]Ich denke, Sie werden auch nicht alles, was einen konventionellen Krieg ausmacht, in Papier gegossen finden.[…]

    Exakt, aber extrahierte generelle Lehrsätze, die Entscheidungshandeln erleichtern.

    […]Ergo muessen wir ein Maximum an Flexibilitaet ausbilden, dass liegt aber nun auch nicht jedem! (Ausbilder und Auszubildenden gleichermassen)[…]

    Ich meine: Es verbietet niemand erstmal den Standard zu lernen. Und kann man den am besten an Hand der Landesverteidigung -ein legitimer, wenngleich zum Glück unwahrscheinlicher Auftrag- lernen, dann soll es so sein. Doch ich will nochmal darauf hinaus, dass Einsatzländer unterschiedlich sind und zu einem anderen Lehrsatz Norman Schwarzkopf`s, den er wahrscheinlich wie seinen „left hook“ aus dem Selbststudium in West Point über den deutschen Generalstab hat: „Die Wahrheit der Sache ist, dass Sie immer wissen, das Richtige zu tun. Der schwierige Teil ist : es zu tun.“ und: „Leadership ist eine starke Kombination aus Strategie und Charakter. Aber wenn es sein muss, ohne eins zu sein, dann ohne die Strategie. “

    Und hier gebe ich Ihnen dann wieder Recht: Der militärische Führer muss befähigt werden zu einem zweckmäßigen Entschluss zu kommen aber er muss auch befähigt sein, ihn durchsetzen zu können und zu wollen, der Untergebene muss dazu befähigt werden ihn zweckmäßig im Sinne des militärischen Führers selbständig umzusetzen, aber eben auch es zu wollen.

    Sie merken: Ich störe mich etwas am Begriff „Flexibilität“. Weil ich meine: jemand der den Standard kennt, der kann auch zweckmäßig abweichen, jemand, der nur Flexibilität kennt, hat keine Orientierung. Auch die BdL im laufenden Gefecht, um Plan B entstehen zu lassen, kennt Standards-ob sie sich bewährten, vermag ich nicht einzuschätzen. Vielleicht interpretierte ich Sie aber auch miß.

    P.S.: Ich wollte Sie nicht langweilen, nur einmal die Sicht eines Außenstehenden mitteilen.

  23. @Sacherlicher, Soenke Marahrens, Etienne Rheindahlen: Weiter so, diese Art zu diskutieren und reflektieren gefaehlt und schafft Mehrwert. Danke Ihnen.

  24. @Etienne Rheindalen

    mit einer solchen ausgewogenen und kritischen Auseinandersetzung des Themas koennen Sie mich niemals langweilen! Sie bekommen auch garantiert noch eine Antwort!

  25. @ Soenke Marahrens:

    Das Kompliment mögen Sie aber bitte an denjenigen adressieren, dem es gebührt: an den (wohltuend) Sachlichen ;-)

    Allerdings: werde ich mir später ebenfalls gestatten, auf Ihre reflektierenden und umfassenden Anmerkungen eine entsprechende Replik zu überlegen und zu formulieren. Danke an dieser Stelle für den Lesetipp zum Werk von Hr. OTL i.G. Leistenschneider (R.I.P.)

  26. @Etienne Rheindahlen, Sie haben recht, man sollte nicht am Fruehstueckstisch bloggen!

    @Sachlicher Me Culpa! Ich Antworte Ihnen unter meiner Frage an Memoria/JR

    @Memoria / JR

    Warum brauchen wir eigentlich Doktrin?

    Mal rein ketzerisch, es verstoesst so ziemlich (zumindestens so wie es in den USA praktiziert wird) gegen alles, was wir unter Auftragstaktik verstehen, Freiheit des Handels usw…..

    Es gibt derzeit nur eine Einsazform, in der wir streitkraeftegemeinsam in den Einsatz ziehen wuerden, und dass ist die nationale EvakOp…. alles andere ist mandatiert und folgt NATO Vorgaben, die ja nun (auch mit deutscher Hilfe) alles beschrieben haben.

    Ein nationaler Doktrin Baum macht doch nur Sinn, wenn wir alles (und damit auch den Einsatz) aus einer Hand ueber Strat – Op – Takt Ebene aus einer Hand fuehren fuehren wuerden.

    Die Englaender und Franzosen behalten sich dies vor, weil sie es ja auch machen. Wir machen das aber nicht, und somit haben wir zwar Offiziere/Unteroffiziere auf allen Ebenen verteilt, aber dennoch ist die EInsatzfuehrung multinational.

    Damit kann, um Einheitlichkeit der Fuehrung zu bewahren, allenfalls eine deutsche Uebersetzung der NATO Papiere sinnvoll sein…. ansonsten schaffen wir Parallelwelten!

    @Sachlicher

    Ich glaube, dass Sie es heute einfach nicht mehr schaffen organisatorisch und strukturell

    „Exakt, aber extrahierte generelle Lehrsätze, die Entscheidungshandeln erleichtern“

    zu definieren, nach der Lektuere von Leistenschneider, war das frueher aber auch nicht einfacher, wenn Sie die Diskussion um die Exerzierordnung lesen, obwohl damals sogar die Zukunft besser war ;-)

    Ich denke aber, dass es aber heute Auswege gibt, CompanyCommand.com war eine solche Initiative junger US Offiziere, die diese Homepage aufgebaut hatten, um genau die von Ihnen beschriebenen Informationen (und das dahinterliegende Wissen) auszutauschen. Sie konnten da nur als werdender oder seiender KpChef Mitglied werden.

    Es gab einen Mordskrawall, als die Armyfuehrung die Page (aus verstaendlichen Sicherheitsbedenken) ins NIPR (vgl IntranetBw) ueberfuehren wollte. Die Seite waere fast gestorben, und erst als die Army Fuehrung versprochen hat, dass Beitraege auf dieser Seite nicht zu Konsequenzen im Rahmen der Dienstaufsicht fuehren wuerde, belebte sie sich wieder. (Beim aktuellenSachstand muss ich passen, kann aber bei Bedarf gerne mal nachfragen)

    Aber das bedeutet doch letztendlich nur, dass die Soldaten miteinander reden, und zwar nicht nur ueber das Wetter oder die Freizeit.
    Und beim Militaer hat das auch was mit dem Kasinoleben als informeller Infoaustauschplattform zu tun, aber auch hier gilt, alles ist nur so gut, wie diejenigen, die sich dran beteiligen.

    Was die Vermischung von Zivilisten und Kombattanten anbelangt, glauben Sie wirklich, dass im besetzten Jugoslawien oder Russland im WK II das Leben „leichter“ war?

    Es hat doch einen Grund, warum diese Art der Kriegsfuehrung nach dem Krieg als Bandenbekaempfung verbraemt wurde, um nicht darueber sprechen zu muessen, dass man tatsaechlich Krieg durch die Zivilbevoelkerung hindurch gefuehrt hat.
    Und dass das ganze zu Exzessen und Verrohungen gefuehrt hat, die selbst der deutschen Militaerfuehrung Kopfschmerzen und Alptraeume bereitet hat

  27. @ Soenke Marahrens:

    Nur „ganz kurz“ und spontan zu Ihrer Antwort @Sachlicher bzgl. Erfahrungsaustausch, Diskussionen und Diskurse am Beispiel „companycommand“ (jetzt unter http://cc.army.mil zu finden).

    Ich habe mir – gemeinsam mit Kameraden aus der Ebene TEF / KpFüGrp (einer eher spezialisierter aufgestellten LLBrigEinh) – die Frage gestellt, warum „die Bundeswehr“ nicht interne „Social Communities“-Angebote und -Aktivitäten entwickelt bzw. deren Entstehen motiviert, fördert und unterstützt. Und zwar in einem „off-the-record“-Klima, in dem die betreffenden Teilnehmer (natürlich mit realer Identität) ohne Befürchtungen betreffend etwaiger Laufbahnnachteile in ähnlicher Weise wie zB „hier“ oder in anderen „special interest communities“ informieren, diskutieren und sich austauschen können.

    Und zwar in Form sowohl offener und für alle potentiellen Teilnehmer (Zugangs-Restriction: aktiver Soldat bzw. Reservist ab UmP mit Beorderung, Angehörige Wehrverwaltung, Mitglieder des Verteidigungsausschusses sowie deren wiss. MAs) zugänglichen Foren. TSK-übergreifend. Moderiert und administriert aus dem Kreis der Teilnehmer. Mit themenspezifisch strukturierten Forumsbereichen, innerhalb derer dann sehr wohl „Separées“ reserviert sind, zu denen es Zugang nur aufgrund (ggf. zeitlich begrenzter) Einladung / Freigabe durch die Mods bzw. Admins gibt (zB um zu gewährleisten, dass bestimmte classified topics oder vertrauliche Diskurse geschützt bleiben).

    Das Ganze organisatorisch unter dem Dach des Bw-Intranet. Explizit nicht einem Amt, Stab oder einer Schule unterstellt – sondern eine echte „interne Community“, die lediglich im Rahmen des IT-fachlichen Supports an das IT-ZentrumBw angeflanscht wäre.

    Soooo teuer ist das nun wirklich nicht. Doch wenn das Angebot (ausdrücklich auch den kameradschaftlichen „Casino“-Bereich einschliessend) mit Up-/Download-Kapazitäten, angehängten Chat-Möglichkeiten (wenn der Info-Austausch mal schnell gehen soll) bis hin zur Möglichkeit von Cam-Konferenzen, LiveStreams etc. stimmt – dann wäre das RoI-Potential enorm. Voraussetzung: keine „Bauchhöhlenschwangerschaft“, der Kommunikationsreife und -erfahrung gerade auch der „jüngeren“ Offiziere *hüstel* und UmPs vertrauend, keine „dienstliche Verordnung“ – sondern ganz klar in Form eines intelligent gestalteten Angebots unter dem „Sponsoring“ des Dienstherrn.

    Ach ja … und man könnte ja durchaus auch einen wöchentlichen „Meet your Commander“-Chat andenken, in dem DANN auf Wunsch die (registrierten) Teilnehmer anonymisiert (ja, per individueller Nick-Identity) sich mit dem IBuK zu einem aktuellen Wochenthema (zu dem zwischen polit./mil. Führung und den „grunts“ und ihren Chefs Gesprächsbedarf tatsächlich existiert) auch direkt und ungefiltert austauschen.

    Voraussetzung aber wäre IN JEDEM FALL: nichts, was in diesem Community-Bereich geäussert oder ausgetauscht wird (ausgenommen Verstösse OpSec, geltende Gesetze oder Mobbing) dürfte zu etwaigen Nachteilen für die Teilnehmer, ihre Einheiten oder Dienstbereiche führen. Ein „safe environment“ ermöglicht Kommunikation und kollaboratives Lernen, Entwickeln und Experimentieren.

    Aber…vielleicht sollten wir dazu mal in „kleinerem“ Rahmen kommunizieren. Sonst wird’s zu OT und von TW gibt’s (evtl. sogar zu Recht) Mecker…

  28. @ET

    (NochO meckere ich da nicht. Finde es nur nicht gut, dass Sie restrictions vorschlagen, die mich ausschließen ;-)

  29. @ TW:
    Es sollte ja auf jeden Fall auch die Möglichkeit geben, sehr spezielle Persönlichkeiten ^^ einzuladen … das Einfachste aber wäre: eine Zweit-Karriere als Reserveoffizier (hat zB die Kameradin Birta so gemacht – http://bit.ly/s3DhIY ) und dann gemäß dem alten DSF-Claim gelegentlich „Mittendrin – nicht nur dabei“ sein…

  30. @ soenke marahrens
    Ich fang´ mal hinten an:
    + deutsche Übersetzung der NATO-AJP
    Das wollen wir auf gar keinen Fall, da es heute allen Lesern zugemutet werden kann, ein Papier auf englisch zu lesen; insbesondere im Anwendungsumfeld Einsatz, wo i.d.R. die Arbeitssprache eben diese ist.
    + Offz & Uffz auf allen Ebenen
    Gerade WEIL wir Soldatinnen & Soldaten auf allen Führungsebenen im multinationalen Umfeld einsetzen (können und wollen), wäre es dringend angeraten, diesen deutsche Doktrin zur Lektüre anbieten zu können, damit alle Dienstgradgruppen auf einsatzübergreifenden Einsatzerfahrungen beruhende Handlungsempfehlungen nachlesen und gegenüber den internationalen Partnern vertreten können. Das macht sie sicherer in der eigenen Entscheidungsfindung und schafft Verständnis für Führungsentscheidungen.
    Und diese Transparenz der Führungsgrundsätze und -verfahren machte das Handeln der Bw auch gegenüber den anderen beteiligten Ressortvertretern klarer.
    + NATO-Vorgaben
    Die Allied Joint Doctrine Hierarchy ist sicher kein Aurum Potabile, sondern ein gewachsenes System aus kleinsten und größten gemeinsamen Nennern der Partnernationen.
    Die Lektüre der AJPs hilft mit Sicherheit bei der mn Operationsführung und die deutsche Marine oder Lw praktizieren das ja bereits mit Erfolg.
    Indes hilft es logischerweise allein betrachtet nicht für die nationale Positionierung bzw. Ausprägung des Einsatzes / der Operation.
    + Und schließlich zu „mal rein ketzerisch“:
    neinneinNEIN! Doktrin verstößt nicht gegen Auftragstaktik und die Freiheit des Handelns! Im Gegenteil: sie ist ein Leitfaden, an dem sich ein Soldat entlang hangeln kann. Aber er allein entscheidet aufgrund der akuten Lage, was zu tun ist; weiss sich jedoch bestärkt durch Doktrin, weil sie nur (einsatz-) bewährtes niederschreibt.
    Und anders als die (i.d.R.) sanktionsbewährte Vorschrift, die allgemeine Rechstnormen in den militärischen Zusammenhang stellt und das traditionelle worst-case-training, ist streitkfätegemeinsame Doktrin ein Angebot für all die „normalen“ Entscheidungssituationen und Ungewohntheiten im multinationalen „Alltag“, der eben nicht nur bei MilEvakOp, sondern im Parntering bei UNIFIL oder der Planungsaufgaben im Neapel stattfindet.

  31. @JR

    alles d’accord, was Sie ausführen, genau wie auch Soenke’s Einlassungen.
    Das Problem imho liegt einfach in den teilweise doch sehr unterschiedlichen Führungskulturen der nationalen Streitkräfte, die sich – öfter als man glaubt – sogar zwischen den TSK unterscheiden.
    Ein US Marine versteht unter ‚doctrin‘ etwas anderes als ein US Army Offizier (genau diese Diskussion hatte ich letztlich in meiner division ;-)) Und, wenn ich einen deutschen Marine- und einen Herresoffizier nach ihrer Definition von Auftrag frage, dann bekomme ich 2 signifikant unterschiedliche Antworten.
    Und von daher ist Doktrin/Standards nur dann von opertivem Mehr-/Nährwert, wenn sie im joint warfare training and certfication auch konsequent zur Anwendung gebracht wird, und genau davon haben wir uns mit dem Totschlagargument ‚Train as U fight, fight as U train‘ schon vor Jahren verabschiedet bei der NATO.
    Einer meiner SO hat gerade eine Analyse zwischen den AJP (1st/2nd tier) und den im Bereich Joint T&E (z.B.: NRF und ISAF) eingesetzten Konzepten/best practices gefertigt….atemberaubendes Delta.
    Will sagen: das institutionalierte Standardisierungssytem der NATO kommt einfach mit der strukturellen und operativen Veränderungsdynamik der NATO nicht mehr mit, und selbst die organisatorische Standardisierungsebene ist an der Grenze ihrer Durchsetzunsfähigkeit angelangt und konzentriert sich auf Schadensminimierung.
    Im Klartext: ein **** Foint Force Commander läßt sich von einem ** Exercise Director eben nicht sagen, wie man eine Joint Ops plant und führt ;-))

  32. @Etienne Rheindahlen

    Ich waere dabei, bin mir aber nicht sicher, ob das traegt! Social Media funktioniert in der Regel durch Gemeinsamkeit in der Vielfalt…… ob das in der Uniformitaet (Achtung Wortspiel) funktioniert, habe ich meine Bedenken. ich kenne kein einziges Wissensmanagementsystem (und um sowas handelt es sich am Ende), dass es schafft, die Begeisterung von FB in Unternehmen/Behoerden/Streitkraefte hineinzutragen…

    Schauen Sie sich das mal bitte an

    http://www.youtube.com/watch?v=u6XAPnuFjJc
    (fuer T.W. Daniel Pink, What motivates us) ich denke, hier ist einiges drin, was es zu beruecksichtigen gaelte….Vorteil beim Militaer unsere Empfehlungen sind in der Regel „uninterested“ (ohne finanzielle oder sonstige eigene Vorteile), andererseits sind wir massiv hierarchie gebunden, was per se nicht immer einen Nachteil darstellt, insbesondere wenn man sich in symmetrischen Konflikten befindet…

    Wenn Sie das auf einer DIN A 4 Seite zusammenfassen, sage Ich Ihnen die Email Adresse an die Sie das schicken muessen!

    @klabautermann: Wuerden wir es anders machen, wenn wir der **** waeren;-)

    @ JR

    Auf die Vorlage warte ich seit Jahren ;-)

    Zum Inhalt
    Bitte erklaeren Sie mir mal „damit alle Dienstgradgruppen auf einsatzübergreifenden Einsatzerfahrungen beruhende Handlungsempfehlungen nachlesen und gegenüber den internationalen Partnern vertreten können. “

    Wen wollen Sie damit in einem internationalen Stab beeindrucken? Dort zaehlt in der Regel, wer Sie sind, und nicht wo Sie herkommen….. und wenn man Ihnen als Deutscher ans Fell will…..greift schon jemand in die Geschichtsschublade.
    Glauben Sie wirklich, Sie koennen einen US Offizier oder UK Offizier mit einem solchen Dokument ueberzeugen?

    „Die Allied Joint Doctrine Hierarchy ist sicher kein Aurum Potabile, sondern ein gewachsenes System aus kleinsten und größten gemeinsamen Nennern der Partnernationen.“ Und fuer welches deutsche Dokument gilt das nicht?

    Wenn Sie auf der Ebene arbeiten wollen, koennen Sie dass nicht ueber Doktrinen lernen, da hilft nur lesen, lesen, lesen (und zwar nicht nur den Sportteil oder facebook)…..um sich selbst ein Bild machen zu koennen, um sich eine eigene Meinung bilden zu koennen, um zu lernen warum andere versagt oder gewonnen haben und danach darueber im Kameradenkreis diskutieren zu koennen.

    Und genau deswegen gibt es bei den US Streitkraeften Leselisten fuer Generale, Offiziere und Unteroffiziere……

    Und nun zu Deutschland und Doktrin – Doktrin ist nicht deutsch:

    1. Eine nicht-sanktionsbewaehrte Dienstvorschrift, und das soll das von Ihnen angefuehrte Dokument werden, ist ein Paradoxon!

    2. Warum ist „doktrinaer“ im deutschen Sprachgebrauch, so negativ belegt, dass es sogar schon in den Duden reinreicht?

    1.in der Art einer Doktrin, auf einer Doktrin beruhend
    2. (abwertend) theoretisch starr und einseitig

    (Quelle http://www.duden.de/rechtschreibung/doktrinaer)

    und von da aus dauert es dann nur noch 2 Schritte bis irgendjemand im Einsatz sagt, ich habe mich doch an die Doktrin gehalten, wenn was schief geht….anstatt die Verantwortung dafuer zu uebernehmen und die Konsequenzen zu tragen!

    3. Wenn Sie Weisung zu einem bestimmten Einsatzproblem haben wollen/brauchen, wenden Sie sich vertrauensvoll ans Einsatzfuehrungskommando, die kuemmern sich dann darum!

    Und das ist der Spannungsbogen in dem wir uns bewegen

    Kaiser Wilhelm I., als er noch Prinz Wilhelm war, hat einmal einem General gesagt: „Seine Majestät hat Sie nicht deshalb zum Offizier gemacht, damit Sie einfach nur alle
    Befehle ausführen, sondern damit Sie auch wissen, wann Sie Befehle nicht
    ausführen müssen.“ Vom Feldmarschall Graf Moltke stammt das Wort: „Gehorsam ist
    ein Prinzip. Der Mann steht über dem Prinzip.“

    oder etwas literarischer:

    Antoine de St Exupery

    „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

    Happy Thanksgiving

    3.

  33. @ Soenke Marahrens | 23. November 2011 – 16:16 — Danke für die Antwort. Und auch wenn Sie sich klammheimlich mit JR und klabautermann auf die strategische Ebene „verabschiedeten“, möchte ich nochmal kurz ganz runter:

    […]Warum brauchen wir eigentlich Doktrin?
    Mal rein ketzerisch, es verstoesst so ziemlich (zumindestens so wie es in den USA praktiziert wird) gegen alles, was wir unter Auftragstaktik verstehen, Freiheit des Handels usw…[…]

    Ich folge da: JR | 24. November 2011 – 13:11 — ausgeführt hatte ich das ja ebenfalls bereits: Rahmen, Leitlinien ja/ genereller Übergang zur Befehlstaktik: nein.

    […]Ich glaube, dass Sie es heute einfach nicht mehr schaffen organisatorisch und strukturell…zu definieren, […]
    Ich habe nicht gemeint, dass es a) einfach ist und b) alleiniges Allheilmittel.

    Aber ein Beispiel: Es dürfte von Vorteil gewesen sein, als jemand recht zeitnah seitens der Sanitätstruppe darauf hinwies, man möge doch bitte auch beim Sanitätspersonal alle Handfeuerwaffen für ISAF bzw. generell ausbilden, man braucht es heuer immer mal.

    Das ist für mich so ein „Lehrsatz“ auch weil:

    Aus meiner Beobachtung heraus, erscheint es mir ein generelles, weltweites Phänomen zu sein, dass nichtstaatliche, asymmetrische Akteure/ irreguläre Kräfte, usw. -ich will hier keine Diskussion über Begrifflichkeiten anstoßen- mit Teilen des HVR`s nichts bzw. recht wenig anfangen zu können.

    Da wären doch Lehrsätze, wie man darauf reagieren könnte, nicht das schlechteste-ja ich weiß: Sanktionen aufgrund von Verstößen gegen das HVR befiehlt der IBuK, und nur er allein. Aber z.B. das Beseitigen des Roten Kreuztes auf San-KfZ ist doch eben auch so eine „Erkenntnis“. Die gemachte Erfahrung, muss doch bitte nicht nocheinmal gemacht werden, „nur“ weilevtl. das Einsatzkontingent/ -land ein anderes ist.

    Oder: Der Panzereinsatz der U.S.-Armed Forces im urbanen Raum des Iraks, speziell in Bagdad während des III. Golfkrieges. Auch das alles nicht so neu, aber ich meine: dort gab und gibt es bedenkenswerte Lehren, die man auch in der Ausbildung vermitteln sollte. ABER nicht dazu führen dürfen, dem militärischem Führer vor Ort diese Verwedung von Panzern nun als unbedingt anzuwendendes Stilmittel im Gefecht vorzuschreiben. Aber das Wissen um diese Lehren, erleichtert es dem militärischem Führer eine Entscheidung zu treffen, oder anders: negative Erfahrungen nicht nochmal machen zu müssen/ positive Erfahrungen für sich nutzbar zu machen.

    Wie „angedroht“, ich wollte nochmal ganz „runter“.

    […]Ich denke aber, dass es aber heute Auswege gibt, CompanyCommand.com war eine solche Initiative junger US Offiziere, …[…]
    Ich begrüße solche Initiativen sehr, wie ich bereits an anderer Stelle einmal schrieb und wie es Etienne Rheindahlen | 23. November 2011 – 19:03 ausführte.

    „[…]Was die Vermischung von Zivilisten und Kombattanten anbelangt, glauben Sie wirklich, dass im besetzten Jugoslawien oder Russland im WK II das Leben “leichter” war? […]um nicht darueber sprechen zu muessen, dass man tatsaechlich Krieg durch die Zivilbevoelkerung hindurch gefuehrt hat.[…]Und dass das ganze zu Exzessen und Verrohungen gefuehrt hat, die selbst der deutschen Militaerfuehrung Kopfschmerzen und Alptraeume bereitet hat[…]“
    Darum ging es mir nicht: Mir ging es darum, dass die Qualität des Ausklammerns von Zivilisten bei der Operationsplanung bzw. allgemein: Kriegshandlung heutzutage eine andere ist und auch zu sein hat. Sonst gebe ich Ihnen selbstverständlich Recht.

    Vielleicht war das etwas unpräzise ausgedrückt.

    […] klabautermann | 24. November 2011 – 13:55….Im Klartext: ein **** Foint Force Commander läßt sich von einem ** Exercise Director eben nicht sagen, wie man eine Joint Ops plant und führt ;-))[…]

    Lakonisch beantwortet: Warum sollte er auch, schließlich hat er auch die Verantwortung;-)

    Mit etwas mehr Tiefgang: Bei einer Übung, könnte man dem Exercise Director aber zumindest zuhören, meine ich, und dem Exercise Director im Rahmen der „Übungsvorbereitung“ ein Fluticket für ein Briefing in einem FHQ zu besorgen, ist sicher ebenfalls keine Verschwendung von Steuermitteln, und für die Verfasser der doctrins…usw., usw. Kurzum: Das Wissen des JFC ja nicht vom Himmel fiel/ fällt.

    Das führt zwangsläufig auch mich zu der Frage, die Sie, et al. bereits thematisierten, ob und in welchem Umfang doctrins Sinn machen und wie sie bewertet werden sollten. Ich meine dazu haben Sie etwas, für mich sehr interessantes übrigens, gesagt/ kritisiert, ziehe mich aber nochmals auf folgende Allgemeinplätze zurück:

    Standards -welchen Namen sie nun auch immer tragen und in welcher Ebene sie auch immer Geltung erlangen- halte ich nur da für berechtigt, wo sie Entscheidungshandeln im Sinne des Auftrags ermöglichen helfen.

    IMHO es für mich schwierigste, aber auch wichtigste, Aufgabe bleibt: Erfahrungen sind zu übersetzen in Ausbildungsinhalte, Übungsszenarien, Planungsdaten und eben auch „Vorschriften“.

    Was schalgen Sie, bzw. jemand anderes, vor? WIe könnte es -damit meine ich den allgemeinen Kontext, eher nicht meine Allgemeinplätze- gehen bzw. wie muss es sich entwickeln?

  34. @sachlicher

    [Was schalgen Sie, bzw. jemand anderes, vor? WIe könnte es -damit meine ich den allgemeinen Kontext, eher nicht meine Allgemeinplätze- gehen bzw. wie muss es sich entwickeln?]
    Moi ?
    Nun, das Modewort für systematische Fähigkeitsverbesserung in der NATO heißt
    Capability Integration…….ich bevorzuge da den schlichten Feuerzangenbohleansatz, der da lautet: Wat isse ne capability ? Und, wat isse denn integration ?
    Und das ist das Kernproblem: die NATO hat keine systemische und vor allem verbindliche Definition/Standard von capability und auch nicht von integration !
    Will sagen: eine Organisation, die keine systemischen und für ihre Mitglieder verbindliche Standards hat, kann auch schwerlich nachhaltig wirksame operationelle, betriebliche Standards pflegen und weiter entwickeln.
    NATO hat technische, administrative und taktische STANAG, aber keine organisatorische. NATO hat control, die nations haben command, usw.
    Ergo: die formale, institutionelle Standardisierungsebene (AJP, Lesson Learnt, PE, Force Planning….) hinkt immer hilflos hinterher und besitzt keine nachhaltige Anwendungs-, bzw. Umsetzungsverbindlichkeit.
    Und, alle institutionalisierten Standardisierungsprozesse der NATO sind politically biased.
    Beispiel: Was soll dieser ACT Bereich ??? Reines Politikum, der mehr mit Selbsterhalt als mit NATO Fähigkeitsoptimierung beschäftigt ist.
    Wie könnte es besser laufen? Nun, ich hätte da nen paar Ideen ;-)

  35. @ soenke marahrens / @ sachlicher / @ klabautermann (& @TW)
    Eine ansprechende Auseinandersetzung, die ich mir anderen Orts wünschte. Danke!

    In Reflexion der Lese-Empfehlung von SM rate ich zum Army Doctrine Primer der Briten (May 2011):
    „Doctrine is what is taught and believed, assimilated and applied. It is the professional body of knowledge of your trade.
    You would not employ a lawyer to fight for you in court if he professed to be uninterested in keeping up-to-date with changes in the law; you would not put your life in the hands of a surgeon who professed an ignorance of anatomy.
    You should not expect men & women to put their lives in your hands if you are ignorant of either the enduring truths or the current developments of your trade.
    Success in the professions of arms is more often about MINDS than it is about STUFF.
    Doctrine helps you to use your OWN MIND, and it offers you the benefit of those, past and present, who have collectively applied their minds to the business of soldiering.“

    Wenn dann neben historischen Beispielen aus der Preußischen Armee, zum Battle of France und dem Golf-Krieg General Sir Richards und Erwin Rommel („The British write some of the best doctrine in the world; itis fortunate their officers do not read it“) zitiert werden, dann glaube ICH, dass man
    1. damit zwar niemanden beeindrucken (<= muss man ja auch nicht) , aber ihm auf Augenhöhe begegnen (<= wünschenswert, aber dazu müsste man etwas haben…) kann;
    2. die bis dato im deutschen Sprachgefühl / -gebrauch in der Tat vorherrschende negative Konnotation von Doktrin (mittelfristig) neu kodieren kann und
    3. auf diese Weise operativ (mit Strahlkraft nach oben und unten) mehr Nährwert schafft als mit 3GB Tagesbefehlen an die Einsatzkontingente.

    Schnöes Wochenende!

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