Kabul attack

Seit gut einer Stunde – und offensichtlich immer noch – passieren in der afghanischen Hauptstadt schwere Angriffe von Aufständischen; kombinierte Selbstmordattentate und Gefechte. Zu den Zielen sollen unter anderem die schwer geschützte US-Botschaft und das ISAF-Hauptquartier gehören.

Die Situation ändert sich permanent; in meiner Twitter-Timeline hier rechts auf der Seite und unter twitter.com/thomas_wiegold versuche ich die Ereignisse nachzuzeichnen; vor allem unter Berufung auf Journalisten in Kabul, die mehr oder weniger live via Twitter berichten.

Nachtrag: ISAF hat heute recht schnell ein Video dazu veröffentlicht, das – als Rohfassung, ohne Kommentar – die Lage aus Sicht des ISAF-Hauptquartiers zeigt. Wie die Kollegen von Danger Room titeln: Troops Fend Off Kabul Attack, Launch P.R. Counterstrike

Ein weiteres Video,die Fortsetzung:

Und noch eine Analyse beim Afghanistan Analysts Network.

Natürlich, um die Diskussion in den Kommentaren auch hier im Eintrag noch mal aufzugreifen, war es nicht die Tet-Offensive, natürlich steht Kabul nicht vor dem Fall von Saigon. Es war keine militärische Attacke, sondern ein klassischer Terrorangriff. Aber um solche – und ihre demoralisierende Wirkung – scheint es ja derzeit in Afghanistan in erster Linie zu gehen.

44 Gedanken zu „Kabul attack

  1. Das hört sich an wie eine lokale Miniausgabe der Tet Offensive. Wenn die Taliban gut organisiert sind das in Kabul nur ein Teil einer größeren Operation.

  2. @b „Wenn die Taliban gut organisiert sind das in Kabul nur ein Teil einer größeren Operation.“

    Ist da der Wunsch Vater des Gedankens ?

  3. Hört sich fast so an als würden SIe sich das wünschen :-(

    /*edit Da hatte wohl noch einer den selben Gedanken ;-)

  4. Gerade zeitlich passend; lese ich die Tweets zum Thema Kabul und der ‚Aktionen‘, die dort gerade stattfinden. Ich muss gestehen, so richtig klasse finde ich diese Tweets nicht. Ein Lagebild kann ich mir nicht mal annähernd bilden, ist die Qualität (sic!) einzelner dortiger Einträge hundsmiserabel…um einmal höflich zu bleiben.

  5. So wie es aussieht sind u.a. ein paar Aufständischemit RPGs auf eine Bauruine in der südwestlichen Ecke des Abdul-Haq-Kreisverkehrs geklettert und haben die RPGs dann in die grobe Richtung des HQ ISAF (ca. 500 m) und der US-Botschaft (ca. 700 m) abgefeuert. „Schwere Angriffe“ sind das nun wirklich nicht. Möglicherweise haben die Aufständischen es nicht einmal geschafft, das Gelände von HQ ISAF und Botschaft zu treffen. Es handelt sich um einen Vorfall, der nirgendwo auf der Welt auszuschließen ist und der sich auch unter wesentlich besseren Bedingungen in in Kabul jederzeit wiederholen könnte.

  6. @MD
    Es sind keine militärischen Lagemeldungen…

    @Orontes
    Bisschen mehr ist da schon los als ein paar Leute, die irgendwohin schießen.

  7. For the record: Nein, ich wünsche mir sicherlich keine Tet Offensive in Afghanistan.

    Eine derartige Offensive ist aber aus der Sicht der Taliban erstrebenswert. Ob sie dazu den notwendigen zentralen Organisationsgrad haben ist noch zweifelhaft. Man muss aber feststellen das deren Angriffe häufiger, intensiver und komplexer werden. Eine Tet-Offensive wäre nur die logische Folge einer solchen Entwicklung.

  8. Herr Wiegold, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Aber es nennt sich da ja so mancher Journalist und da erwarte ich einfach ein bisschen mehr valide Informationen oder gleich einen kurzeilligen Artikel oder den Hinweis auf eben jenen, als fitzelige und unpräzise Teilstinformationen (wobei der Begriff es wohl nicht mal trifft)

    Richtig, Twitter ist mit Sicherheit nicht das richtige Medium und um die Diskussion mit FB in Einklang zu bringen, auch im direkten Vergleich, in meinen Augen auch total Überbewertet.

    Aber sinngemäß ‚ Verkehrspolizisten berichten über mögliche Explosionen im Bereich xyz‘ hat einfach null inhaltlichen Wert, auch im Gesamtkontext bringt diese Information herzlich wenig.
    Überspitzt; es ist wie bei den Leser-Reportern einiger Zeitungen, wo jeder für eine vermeindliche Neuigkeit im Tausch ein bisschen Aufmerksamkeit und kurzen Ruhm erhält.

    Aber vlt. sollte ich meine Anmerkungen beim bendlerblog besprechen…anyway, ich lese gerne dazu Nachrichten (Artikel, Meldungen) und freue mich, dass Sie die Infos filtern und uns präsentieren.

  9. ISAF versucht jetzt den Angriff als gescheitert darzustellen.

    Das mag sein wenn man den Angriff aus rein taktischer Sicht sieht. Keines der angegriffene Hauptquatiere ist eingenommen worden. Das ist aber natürlich der falsche Blickwinkel. Es geht hier um die Propagandahoheit.

    Parallele Angriffe auf US Botschaft, ISAF HQ, NDS HQ und ein halbes Dutzend anderer Einrichtungen zeigen die Kapazität der Aufständigen. Der Aktion zeigt das es in Kabul keine Sicherheit gibt. Der „ring of steal“ um Kabul ist keiner.

    Vor einigen Tagen hat U.S. Botschafter Crocker erklärt der Verkehr sei Kabuls größtes Problem. Sieht er das heute auch noch so?

  10. @b
    „Parallele Angriffe auf US Botschaft, ISAF HQ, NDS HQ und ein halbes Dutzend anderer Einrichtungen zeigen die Kapazität der Aufständigen. Der Aktion zeigt das es in Kabul keine Sicherheit gibt. “

    Waren das „parallele Angriffe“, oder ein einzelner (weitgehend wirkungsloser) Angriff gegen mehrere Einrichtungen, die in Sichtweite des genutzten Gebäudes lagen?
    Und wenn die vorliegenden Meldungen zutrefffen, dann haben es ca. fünf Attentäter geschafft, zusammen einen Polizisten zu töten. Zwischen diesen Fakten und der Aussage „es gibt in der Stadt keine Sicherheit“ liegt m.E. noch einige Distanz.

  11. Eine Tet-Offensive wäre durchaus wünschenswert. Dann wäre die ISAF zumindest viele Probleme los.

  12. „Eine Tet-Offensive wäre durchaus wünschenswert“. Roman, könnten Sie das näher erläutern?

  13. Vielleicht meint er damit, dass die Tet-Offensive dem Vietcong kräftemäßig sehr stark geschädigt hatte und ihn an weiteren größeren Offensivaktionen für einige Zeit gehindert hat. Der Propagandaerfolg der Tet-Offensive dürfte mit der Aktion von heute aber kaum vergleichbar sein.
    Es sei denn, wir reden denn nunmehr herbei. :-P

  14. Al-Jazeera meldet, dass fünf Taliban angriffen, davon wurden drei getötet, zwei befinden sich jetzt in einem verlassenen Hochhaus und kämpfen dort weiter.

  15. @ jugendoffizier

    Richtig geschlussfolgert. Sowohl taktisch als auch durchaus strategisch betrachtet war die Tet-Offensive ein Reinfall. Der Propagandaerfolg war nicht das Hauptziel der Offensive, wurde aber später gern als solcher hingestellt. In den Monaten nach den Attacken war es so ruhig und stabil wie lange nicht mehr in Südvietnam, der Viet Cong (=Nationalisten) hatte praktisch alles an brauchbaren Einheiten verloren, kaum was gewonnen (abgesehen von Hue für einige Zeit). Danach war die NVA die dominierende Kraft im Kampf gegen die Allierten. Aber rein praktisch gesehen hatte Südvietnam nach der Tet-Offensive den Krieg gewonnen. Nur der Erfolg konnte nicht mit einem Einmarsch nach Nordvietnam ausgenutzt werden, da ja bekanntermaßen bei den Amis innenpolitsch alles drunter und drüber ging.

    Der Propagandaerfolg würde sich heute nicht mehr so einstellen. Wer will, kann heute alles bereits jetzt wissen, ein „gerechter“ Krieg ist es zudem schon lange nicht mehr, jeder weiß es, kann es zumindest wissen.

  16. @Reinhard
    „Al-Jazeera meldet, dass fünf Taliban angriffen, davon wurden drei getötet, zwei befinden sich jetzt in einem verlassenen Hochhaus und kämpfen dort weiter.“

    Eine gigantische Großoffensive eben, die mit schweren Kämpfen ISAF ein zweites Stalingrad bereitet hat. Noch ist unbekannt, ob es überhaupt Überlebende in den überrannten Stadtteilen gab. Leider sind die deutschen Medien viel zu nüchtern und zurückhaltend bei der Beschreibung des Geschehens.

  17. Tja. Irgendwie scheine ich hier eine Minderheitsmeinung zu vertreten.

    Aber wenn die Mehrheit hier der Meinung ist, eine afghanische Stadt, in der die Regierung bereits vor Jahren die Sicherheitsverantwortung übernommen hat, die von einem Ring of Steel geschützt wird und Hauptstadt eines Landes ist, dass spätestens in drei Jahren keine ausländischen Kampftruppen mehr sehen will, müsse halt solche Unfälle als normalen Bestandteil des städtischen Lebens hinnehmen, die ggf. mit Kampfhubschraubern behoben werden müssen, dann liege ich wohl falsch.

  18. Wie ist der graduelle Unterschied der Sicherheitslage in Bagdad zu der in Kabul ?
    Meines Wissens sind doch die Kampftruppen der USA alle aus Bagdad draußen, oder ?
    Trotzdem gibt es fast jedes Quartal einen Autobombenanschlag mit jeweils weit mehr als 10 Toten.

  19. Ganz am Rande: Derzeit – etwa um Mitternacht Ortszeit Kabul – scheint es immer noch Schusswechsel mit Aufständischen zu geben.

  20. @T. Wiegold
    „Aber wenn die Mehrheit hier der Meinung ist, eine afghanische Stadt, in der die Regierung bereits vor Jahren die Sicherheitsverantwortung übernommen hat, die von einem Ring of Steel geschützt wird und Hauptstadt eines Landes ist, dass spätestens in drei Jahren keine ausländischen Kampftruppen mehr sehen will, müsse halt solche Unfälle als normalen Bestandteil des städtischen Lebens hinnehmen, die ggf. mit Kampfhubschraubern behoben werden müssen, dann liege ich wohl falsch.“

    Anschläge dieser Art lassen sich auch unter den besten Bedingungen kaum verhindern, siehe z.B. Städte wie Mumbai, Moskau oder Tel Aviv und Jerusalem vor nicht allzulanger Zeit. Diese Städte haben/hatten ein wesentlich größeres Terrorismusproblem als Kabul es derzeit hat, kommen/kamen aber damit zurecht. Es gibt vermutlich so etwas wie ein akzeptables Maß an Terrorismus. Ein Anschlag dieser Art alle paar Wochen lässt keinen Staat zusammenbrechen. Angesichts der Lage im Land ist es möglicherweise tatsächlich Ausdruck eines Erfolges, dass nicht mehr passiert.

    Die Lage in Kabul und das Terrorismusproblem dort sind davon abgesehen ja auch nicht die Dinge, an denen der Einsatz scheitert. Die Anschläge in Kabul werden m.E. jeweils nur stärker wahrgenommen als die anderen, wesentlich gravierenderen Probleme.

    Zu den anhaltenden Gefechten: „Police are still exchanging fire with at least one gunman holed up in an unfinished high-rise building overlooking the diplomatic quarter. “
    http://www.bbc.co.uk/news/world-south-asia-14897358

    Das scheint doch ein überschaubares Problem zu sein.

  21. Baghdad hat doppelt so viele Einwohner wie Kabul, keinen „ring of steel“ [nette Anspielung übrigens b ;-)] und nebenbei immer noch ethnisch-konfessionelle Spannungen.

    @Orontes: Kabul ist deutlich besser gesichert als der Rest des Landes, und das nicht ohne Grund. Da braucht man sich nicht rühmen, dass da so wenig passiert. Immerhin schafft man es ja auch nicht, das Kabul Network auszuschalten, das sich in der Peripherie und im Umkreis einen Planungs- und Sammlungsraum geschaffen hat.

  22. Naja, was da an Verkehr jeden Tag rein und rausgeht, das kann niemand effektiv kontrollieren, diese Berge drum herum tun ihr übriges. Zumal ja niemand garantieren kann, das es noch alte Waffenlager oder korrupte Beamte gibt. Also eigentlich ist es eher ruhig. Ziemlich beeindruckend finde ich, dass die afg. Special Forces schon seit Jahren ziemlich gut und effektiv sind.

  23. @Roman: Also in dem Video kann ich keine ANA-SOF erkennen. Ich sehe allerdings:
    – amerikanische Soldaten und Marineinfanteristen (UCP, MC, MARPAT),
    – mazedonische Soldaten (die Soldaten in DCU, mit AK und mazedonischer Flagge auf dem Ärmel) und
    – vermutlich PMCs (die bewaffneten Zivilisten, die hin und wieder zu sehen sind)

  24. @Boots

    Das Video wurde ja auch – im Unterschied zu den TV-Bildern – von innerhalb des ISAF-Hauptquartiers aufgenommen.

    (Ob Sie die div. Abkürzungen kurz erläutern könnten?)

  25. @Boots on the Ground
    Das Video zeigt m.E. keine zivilen Mitarbeiter, sondern nur einen Mazedonier, der gegen die Anzugordnung verstößt.
    Der Kommentar von „Roman“ bezieht sich vermutlich auf die Aktionen u.a. des NDS, der in Kabul und Umgebung das „Kabul Attack Network“ abnutzt.

  26. ANA= Afghan National Army
    SOF= Special Operating Forces
    MC= Multicam (Tarnmuster derzeit bei US Army in der Einführung, Hersteller/ Entwickler ist Crye)
    MARPAT= Marine Pattern (= USMC, Adaption des kanadischen CADPAD Digitaltarnmusters)
    UCP= Universal Camo Pattern (=US Army, Nachfolger des Woodland Musters und Adaption des MARPAD/ CADPAT Musters für die US Army, wird in Afg durch MC abgelöst)
    DCU= Desert Combat Uniform (Der Nachfolger des Desert Storm „Choclate Chip“ Tarnmuster)
    AK= Awtomat Kalaschnikowa (= „die Kalashnikov“!)

  27. @T. Wiegold: Die meisten Abkürzungen hat FPW ja schon erläutert (Danke dafür!), es fehlt nur noch PMC = Private Military Contractor

    @Orontes: Ich meinte eher den Zivilisten bei 0:21, der offenbar ein Trageriemen um hat ;)

  28. Warum sieht man in Gefechtsvideos wie diesen nie einen Soldatem mit einem Fernglas?
    Die können doch teilweise gar nicht sehen ob dort wo sie hinschießen ein Feind ist.

  29. @Rado: das fragte ich mich beim Ansehen der Videos auch. Erinnerte mich an den alten Spruch eines Leitenden beim Gefechtsschießen, wonach das ganze erst gut war, wenn genug „Stahl in die Heide“ geballert wurde.

  30. Auf eine Distanz von 500m so denn die Aussagen der Presse stimmen (Distanz Rohbau HQ), erkennt man auch ohne Optiken in aller Regel ohne Probleme die Abschusssignaturen von RPG´s und das Mündungsfeuer von Sturmgewehren. Davon abgesehen hat die Kamera ja eine andere Perspektive als die Schützen, von daher wäre ich mit Bewertungen generell etwas vorsichtig.
    Stellenweise ist die Feuergeschwindigkeit aber recht hoch für die angegebenen Distanzen. Dabei kann es sich aber auch um eine Feuerverdichtung oder ein simples Niederhalten des Gegners handeln.

    @Boots on the Ground:
    PMC´s steht normalerweise eher für „Private Military Company“. Und für die arbeiten eben die Contractor´s.

  31. Rado, jetzt verrate doch nicht wie man gewinnen kann. Hauptsache es knallt. War schön auf mancher Übung zu sehen, wie unglaublich verrückt manche Einheiten doch durch die Gegend ballern.
    @ Boots

    Wenn die afg. SOF innerhalb des HQ eingesetzt werden, dann läuft was grundsätzlich falsch. Die sollen ja nicht eine Prätorianergarde mimen sondern komplizierte Gefechtssituiationen lösen. Meines Wissens nach sind die wöchentlich mehrmals unterwegs, ist allerdings nun auch schon einige Monate her. Jedenfalls schwingt bei dem NDS einer in Kabul und Umgebung heftig das Schwert(SOF). Und bei mancher Niederschlagung von Angriffen in Kabul waren die auch ganz vorn mit dabei. Zumindest, wenn sie jemand anderes hinfliegt^^.

  32. 1. Video, ca minute 1:00 steht im „bunker“ ein Mg auf dem Tisch, das ein MG3 sein könnte. Wie kommt das da hin ? auch aus Beständen der Macedonier?

  33. @markus | 14. September 2011 – 10:14
    Soweit man erkennen kann, wird mit dem MG nicht geschossen.
    Hätte jetzt einige Vermutungen parat, wie die Kameraden zwar zu dem Ding, aber nicht zur Munition gekommen sind. :-)

  34. Für all die, die diese Angriffe in Kabul aufgrund der taktischen „Niederlage“ bzw. Irrelevanz abtun: http://freerangeinternational.com/blog/?p=4285

    Dazu insbesondere dieser Auszug:

    You get the picture. Regardless of why attacks are going down, measuring progress only by number of security incidents is misleading and completely contrary to COIN doctrine (and trust me, there’s nothing the US Army likes to do more than bludgeon people to death with doctrine, so I’m not sure why they’ve seemingly jettisoned their much ballyhooed new COIN manual), which says that success is not based upon the amount of villains killed or territory held, but by what the public perceives to be the truth. And if we measure our success the way we should, by measuring public perception, then I think we’ve lost Afghanistan.

    Taktisch decken da ganz gewiss nicht die Kosten den Nutzen, strategisch sicherlich ein Erfolg. Wieder mal.
    Die INS müssen die Bevölkerung, die im Moment noch auf dem Zaun sitzt, nicht auf ihre Seite ziehen. Es reicht, wenn sie dafür sorgen, dass die Bevölkerung weiter abwartet. Denn ISAF geht bald, die INS nicht.

  35. Taktisch decken da ganz gewiss nicht die Kosten den Nutzen,

    Wieso nicht? Aus Sicht der INS:

    Wenn nur sechs Infantristen, plus drei Deckungskräfte zur Ablenkung, über 20 Stunden hinweg mitten im bestens gesicherten Feindgebiet soviele Gegner binden können dann ist das militärisch doch ein durchaus zweckmäßiger Einsatz. Was zukünftig dort zur Verstärkungen der Sicherungkräfte in dem Gebiet eingesetzt werden wird – (ein, zwei Batallione?) – steht dem Gegner nicht mehr zu direkten Bekämpfung der eigenen Kräfte zur Verfügung. Das allein war den Einsatz wert.

    Da die solange ausgehalten haben kann man vermuten das Munition schon vorher an den Ort verbracht wurde und die Sicherungen dort erhebliche Lücken haben oder Sicherungskräfte kollaboriert haben.

    Zume strategischen Effekt – der ist ja zweiseitig.

    Die Afghanen werden sich fragen wer denn eigentlich ihre Sicherheit garantieren kann wenn sich nicht einmal die hochgerüsteten ISAF Kräfte mitten in Kabul sichern können.

    Der Vorfall hat es auf die erste Seite oben links der New York Times geschafft. Die Wirkung auf die Bevölkerung und Politik in den USA wird entsprechend negativ sein. „Warum geben wir da Geld aus wenn wir doch nur verlieren?“ Für den schon anlaufenden Wahlkampf hat das sicherlich Konsequenzen.

  36. @b
    „…mitten im bestens gesicherten Feindgebiet …“

    Diesen Eindruck haben die Medien erweckt, damit ihre Story knalliger wirkt. Der Abdul-Haq-Kreisverkehr liegt aber nicht in einem besonders gesicherten Gebiet, sondern an dessen Rand. Um ihn zu erreichen, muss man von außerhalb Kabuls kommend durch einen einzigen Kontrollposten der ANP fahren.

  37. @orontes Diesen Eindruck haben die Medien erweckt,

    Nein – diesen Eindruck erweckte ISAF. Der „Ring of Steel“ um Kabul ist eine Propagandaparole der ISAF. Das der Verkehr das größte Problem in Kabul ist ist eine Aussage des U.S. Botschafters dort. Die Medien geben das nur weiter.

  38. @b | 14. September 2011 – 18:18: Unterm Strich zählt erst mal: Wie viele ISAF KIA/WIA? Wie viele ANSF KIA/WIA? Und da ist das Verhältnis nicht so toll, insbesondere wenn man bedenkt, was der Einsatz und die Verbringung an den Ort des Einsatzes an Kräften und Mitteln bindet.
    Die gleiche Anzahl an gegnerischen Verlusten bekommt man auch mit einer 50$-IED in Kunar oder sonstwo hin. Da sind 6 Schützen und drei BBIEDs schlichtweg Verschwendung. Das meinte ich mit „taktischem Nutzen“.

  39. Ich frag mich ein bisschen, warum man eine so hohe Bauruine in strategisch guenstiger Lage duldet.

    Da hat das ISAF HQ ja glueck, dass die nur mit RPGs rumgeballert haben. 500 m sollte doch durchaus noch machbar fuer Scharfschuetzen sein?

    Wenn eine halbe stunde lang aus allen Rohren geschossen wird, ist das doch durchaus eindrucksvoll. Laesst so etwas nicht den gegnerischen Angriff viel groesser erscheinen als er tatsaechlich ist? Wird bei so etwas manchmal mehr geschossen als unbedingt notwendig, weil es subjektiv besser ist als hinter den sandsaecken angespannt zu warten?

    Bitte entschuldigen sie wenn ich voellig falsch liege, ich kenn die lage, topographie und vorgehensweise nicht. Ich geb bestenfalls eine Aussenansicht eines verwunderten Beobachters hinter dem Medienfilter.

  40. Fünf gut ausgebildete Kämpfer hätten z.B. ein abgelegenes Dorf kontrollieren können. Jetzt sind diese fünf Kämpfer für ein bischen Krawall in der Hauptstadt gestorben und das Dorf wird nicht kontrolliert.

    Oder wie es in einem Film mal lautete: „Making a unfocused ruckus in the capital is like jumping into the meet grinder: You leave in pieces without changing much.“

    > Wenn nur sechs Infantristen, plus drei
    > Deckungskräfte zur Ablenkung, über 20 Stunden
    > hinweg mitten im bestens gesicherten Feindgebiet
    > soviele Gegner binden können dann ist das
    > militärisch doch ein durchaus zweckmäßiger Einsatz.

    Nur wenn man aus den Truppenbewegungen auch einen Vorteil zieht. Aber wo war die grosse Offensive die in die vermeintliche Lücke der Regierungskräfte stieß?

    Davon abgesehen, die genannten drei Battalione an Sicherheitskräften stellen in Kabul ca. 3% des gesamten Sicherheitspersonals da. Dafür zieht man nichts ab, da ruft man einfach die reguläre Einsatzreserve ab.

    > Was zukünftig dort zur Verstärkungen der
    > Sicherungkräfte in dem Gebiet eingesetzt werden
    > wird – (ein, zwei Batallione?) – steht dem Gegner
    > nicht mehr zu direkten Bekämpfung der eigenen
    > Kräfte zur Verfügung. Das allein war den Einsatz wert.

    Wenn die Taliban jetzt jede Woche fünf Freiwillige in den Fleischwolf schicken wäre das trotz zusätzlichem Battalion unterm Strich für die Regierung ein Gewinnspiel.

  41. Crass Spektakel | 15. September 2011 – 15:26: „Gut ausgebildet“ ist wohl relativ.
    Sie vergessen aber, dass Nachschub in Form Freiwilligen eines der geringsten Probleme der INS ist.

    Außerdem machen Sie ebenfalls den Fehler, den Angriff nach taktischen Maßstäben zu beurteilen.

    „American officials Wednesday blamed the bold attack on the U.S. Embassy on a Pakistan-based group allied with the Taliban, acknowledging that the assault brought a propaganda victory for the insurgents even as they played down its military significance.“
    http://www.ctv.ca/CTVNews/World/20110914/kabul-attack-embassy-NATO-110914/

  42. Nach nicht bestätigten Informationen soll es sich bei dem von den Insurgents besetzten Hochhaus um ein im Rohbau befindliches Hotel gehandelt haben. Eigentümer soll Karzai sein. Böse ist, wer jetzt denkt, dass daher nur relativ kleinkalibrige Munition seitens ANSF zum Einsatz kam. Noch böser ist, wer den Faden weiter spinnt und annimmt, dieses hätte zu einer Verlängerung des Gefechts beigetragen und die Verluste auf seiten ANSF erhöht…

  43. Leider haben wir es in AFG mit einem Krieg zu tun. Aber – und da sage ich nichts neues – mit einem asymetrischen. Es wird immer möglich sein, mit ein paar zu allem Entschlossenen in einem unübersichtlichen Gelände einen weit überlegenen Gegner zumindestens eine Zeit lang zu beschäftigen.

    Wesentliches Problem ist doch, daß sich solche Attacken im Vorfeld kaum erkennen lassen. Der Gegner kommt als Zivilist, sieht aus wie ein Zivilist und wenn er als toter Gegner keine Waffe mehr in der Hand hat, sieht er auch wieder aus wie ein Zivilist. Auch auf den Fotos, die dann hinterher gemacht werden, sieht er aus wie ein Zivilist. Ganz schnell heißt es dann, daß bei der Bekämpfung des Gegners wieder Zivilisten zu Schaden kamen. Wenn sich Kombattanten und Nichtkombattanten nicht auseinanderhalten lassen (siehe Tanklastershow bei Kunduz), hat eine reguläre Armee kaum noch geeignete Antworten parat. Je nach Betrachtungswinkel und Interessenlage hat man entweder überreagiert oder war zu zaghaft.

    Wenn kritisiert wird, daß sich ein paar Kerle mit Gewehr, genügend Mun, ein paar Raketen und wenig Angst in dem Hochhaus verschanzen konnten und es Stunden dauerte, bis man sie erledigt hatte, muß man sich mal nach praktikablen Alternativen umsehen.

    Als ehemaliger Artillerist würde ich sagen, die Bude wird ordentlich eingemessen, das Wetter wird zuverlässig bestimmt, und dann legen drei Haubitzen das Haus mit chirurgischer Präzision um. Auch die Luftwaffe könnte das Thema mit einer gut gezielten Ladung erledigen.

    Wenn wir jetzt aber sagen, daß man das in einer stark bevölkerten Großstadt doch nicht tun könne, dann haben wir es vielleicht doch nicht mit Krieg zu tun? Also eher ein Polizeieinsatz?

Kommentare sind geschlossen.