50 Gedanken zu „Schon mal anschauen: Kundus-Dokufiction

  1. … bin ich der Einzige, der eine Augenbraue hochzieht bei dem Titel „Der tödliche Befehl“ ?

  2. „… bin ich der Einzige, der eine Augenbraue hochzieht bei dem Titel “Der tödliche Befehl”?“

    Nö, aber „Der lagegerechte Befehl“ verkauft sich so schlecht. „Oberst K. und die öffentliche Vorverurteilung“ wäre auch nett. Zum Glück wurde aber der Vorschlag des Abgeordneten Ströbele „Panzerschütze K. und die lebenslängliche Haftstrafe“ abgelehnt.

  3. So schlecht finde ich das Filmchen gar nicht. Habe es mir schlimmer vorgestellt…
    Wobei ich ja der Auffassung bin, dass die in dem Film zu Wort kommenden Politiker sich mit irgendeiner Kritik zurückhalten sollten – sind es doch sie, die der Bundeswehr die nötigen Fähigkeiten und Waffensysteme jahrelang vorenthalten haben. Wenn ich für ein Kunduz-Szenario nur auf einen Kampfjet zurückgreifen kann, und eben nicht auf Truppen oder z.B. eine Panzerhaubitze, dann sind die Politiker bei der ganzen Sache eben auch nicht ganz unschuldig.

  4. Naja, der Spiegel titelte ja „Ein deutsches Verbrechen“ – da ist „Der tödliche Befehl“ schon regelrecht neutral und unaufgeregt.

  5. Nun ja ich werde mich mal mit einer Schüssel Popcorn hinsetzen und mir den Film anschauen. Die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Vielleicht ist es ja doch eine Perle der Filmkunst. Ich habe mich eben nur ein wenig am Titel gestört, aber irgendwie muss man ja auch auf Einschaltquoten kommen und „Der Fall Kunduz“ hätte wohl nicht so die Publikumswirkung …

    PS: Ein deutsches Verbrechen.. Wäre es den herrschaften lieber gewesen einen Film drehen zu müssen, der „Ein deutsche Tragödie“ heißt und davon Berichtet, die KEINE Entscheidung getroffen wurde und welche FOlgen daraus resultierten?

    Zuhaus vom Schreibtisch lässt es sich immer so leicht den moralischen Zeigefinger heben

  6. Garnicht so schlecht der Film. Da wird, denke ich, auch Zivilisten klar werden wie schwierig die militärische Entscheidungsfindung sein kann.

    Warum das ZDF (unter wessen Einfluss?) den Film zurückhält verstehe ich nicht. Das scheint mir der größere Skandal.

  7. Offen gestanden verstehe ich dieses Gejammer hier nicht so recht. Dem Oberst Klein und allen anderen Beteiligten war doch von vornherein klar, dass der Befehl zum Bomben aller Wahrscheinlichkeit nach Tote zur Folge haben würde. Insofern liefert der Titel doch nur eine nüchterne Tatsachenfeststellung, deren Inhalt unumstritten ist. Es kann doch nur nach zwei Punkten gefragt werden:
    War die Entscheidung militärisch sinnvoll und richtig? Antwort (soweit ich die fachkundigen Diskutanten hier verstanden habe): Klares Ja. Unter den gegebenen Umständen (fehlende boots on ground) war kaum anderes sinnvoll machbar.
    Wurde dabei gegen geltendes Recht verstoßen? Nach der offenbar sauber begründeten (das erklärten mir einschlägig bewanderte Juristen) Verfahrenseinstellung gegen Oberst Klein heißt die Antwort ebenso klar: Nein, rechtlich alles korrekt.
    Bleibt angesichts der vorstehende Kommentare nur eine Frage (bitte nicht persönlich nehmen): Woher stammt diese geradezu mädchenhafte Empfindlichkeit der starken Männer? Werden am ende ausgerechnet in diesen Punkten gut entwickelte weibliche Anteile ausgelebt?

  8. Nochmal ohne Zeilendreher (Korrekturfunktion sei Dank):
    Als fiktionalen Beitrag finde ich den Film erstaunlich gut gemacht. Alles wirkt gut recherchiert, es gibt kaum Klischees, und sogar die Sprache und selbst Details des Anzugs passen. Sonst sieht man selten so authentisch wirkende Soldatenfiguren im deutschen Fernsehen. Sehr angenehm finde ich auch, dass man der Versuchung widerstanden hat, klare Gut-Böse-Rollen zuzuweisen oder Dinge auf den Vorfall zu projizieren („deutsches Verbrechen“), die mit ihm nichts zu tun haben.

    Was den dokumentarischen Anspruch angeht, wird der Zuschauer m.E. aber zu sehr alleine gelassen, denn die im nachgestellten Teil angedeuteten offenen Fragen und Unklarheiten werden von den O-Tönen nicht weiter ausgeführt oder angesprochen. Gerade hier hätte m.E. die Chance bestanden, etwas kontroverser zu werden zu einige alternative Deutungen des Geschehens vorzustellen.

    Die Nachstellung suggeriert zudem, dass der Ablauf im Wesentlichen geklärt ist. Auch wenn man sich Mühe gegeben hat, Raum für Interpretation zu lassen, so könnte es doch alles bei entscheidenden Details auch ein bißchen anders abgelaufen sein.

  9. Ach Jung, als ehemaliger Verteidigungsminister sollte man die Eliteeinheit der Bundeswehr mit Namen kennen.

    „äähhh,,,Kommando…ähhhh…das Kommando KSK“

  10. @Zivi aD
    Das „Gejammer“ wie Sie es nennen, kennzeichnet den Umgang von (Stabs-)Offizieren mit Kritik von ziviler Seite seit Beginn der Republik.

    Theodor Heuss fand dafür den schönen Ausdruck. „Soldaten wollen geliebt werden“

    Ob der Beruf die Menschen so prägt oder nur so geprägte Menschen diesen Beruf ergreifen ist offen.

  11. @Jeff
    Ich seh es eher aus der Richtung; „Soldaten wollen nicht gehasst werden!“
    Eine Mediale Hexenjagd auf einen Soldaten zu veranstelten, der seine Pflicht nach bestem Wissen und gewissen erfüllt hat und eine unangenehme Entscheidung getroffen hat, hat es wohl nicht verdient so behandelt zu werden.

  12. @JeffCostello
    Den Soldaten, die ich kenne, reicht es schon, wenn sie nicht beleidigt werden. Im Fall des Luftangriffs vom 04.09.2009 mit eindeutiger Konnotation von einem „deutschen Verbrechen“etc. zu sprechen ist zumindest unsachlich, polemisch und auch unzutreffend. Aber da deutsche Gerichte Sätze wie „Soldaten sind Mörder“ nicht für beleidigend halten, sind die diesbezüglichen Erwartungen an die deutsche Gesellschaft bzw. Hamburger Nachrichtenmagazine wohl übertrieben. Gegen Oberst Klein wurde von dort eine regelrechte Kampagne betrieben, die immer noch nicht ganz ausgestanden ist.

    Und da Sie ja offenbar selbst so über den Dingen stehen und in soldatischer Kritik beleidigenden Verhaltens nur den unangemessenen Wunsch danach sehen, „geliebt zu werden“, macht Ihnen mein Verweis auf Gottfried von Berlichingen als Antwort auf Ihren (wieder mal) unqualifizierten Einwurf bestimmt nichts aus.

  13. Der Film hat den Hergang des Luftschlags anschaulich runtergebrochen und die schwierige Situation in der sich Klein befand nachvollziehbarer gemacht.

    Auch wenn am Anfang gesagt wird, dass er sich auf die Aussage von Klein bezieht, fehlt jedoch eine Verortung im größeren Rahmen. Die Arbeit des Ausschusses wurde zu stark verkürzt. Viele kritische Punkte und Gründe für Nachfragen haben sich ja gerade aus den anderen Vernehmungen (u.a. der weiteren Anwesenden in der TOC) ergeben. Der Hergang der Entscheidungsfindung und zahlreiche (nach wie vor ungeklärte) Widersprüche wurden nicht angemessen dargestellt. Wir wissen immer noch nicht und werden nie genau wissen was eigentlich passiert ist. Das hätte noch deutlicher gemacht werden können.

    Was die Kritik der zu Wort kommenden Politiker betrifft (@Kurt), muss man doch auch darauf hinweisen, dass die Bundeswehrführung lange selber strikt gegen den Einsatz von bspw. PzH 2000 war. Das BMVg hat selbst einen großen Teil dazu getan die Situation in Afghanistan zu beschönigen. Den schwarzen Peter sollte man nicht ausschließlich versuchen den Abgeordneten zuzuschieben. Da mangelt es viel mehr an einem offenen Umgang aller Seiten miteinander.

  14. Was ist aus dem Credo geworden, welches offenbar in der Zeit des deutschen Generalstabs von den Einigungskriegen bis zum zweiten Weltkrieg etabliert wurde, lieber eine schlechte Entscheidung zu treffen als überhaupt keine?
    (ohne jetzt eine Aussage darüber treffen zu wollen ob bei dem hier zur Debatte stehenden Vorfall eine gute oder schlechte Entscheidung getroffen wurde)

  15. Dazu zwei provokante Anmerkungen:

    1.) Damals wurden die betreffenden Armeen geführt und nicht wie die Bw verwaltet.
    2.) Damals hatten in den betreffenden Armeen Soldaten und nicht Juristen das sagen.

  16. Was für eine Aufarbeitung eines einzigen Bombenangriffes. Wochenlange Medienhetze, Untersuchungsausschuss und jetzt dieser Film. Alles begleitet, hier im Blog, durch viele Kommentare, wie unter anderem auch von mir. Ist das angemessen?

  17. @ Orontes
    Jawohl, von den Charakteren und der Ausdrucksweise sind die dargestellten Soldaten tatsächlich sehr authentisch. Das Silberne Springerabzeichen, dass der KSK-Hptm am Tropenhemd trägt ist da ein witziger Schnitzer. :-)
    Die Positionierung der Kamera, des Oberst und des Hauptmanns unterstreicht aber doch so ein bisschen, was einer der Abgeordneten vermutet, dass der Hptm auf einen Angriff gedrängt habe.
    Und während Jung wirklich ein klägliche Figur abgibt, ist es gut, dass dem General Ramms endlich mal jemand zuhört. Leider Jahre zu spät und leider nicht Frau Merkel.

  18. @JeffCostello & Orontes
    Diese Spiegel-Sprüche a la „Ein deutsches Verbrechen“ will ich nicht nur nicht verteidigen, dagegen sollte man vorgehen. Denn wer so etwas nach Abschluss der Ermittlungen mit ihrem eindeutigen Ergebnis weiterhin behauptet (und das tut der Spiegel ja wohl bei Licht besehen, wenn der betreffende Artikel unverändert im Archiv steht), dann werden nicht nur den beteiligten Soldaten sondern auch den beteiligten Richtern und Staatsanwälten Straftaten unterstellt, vorneweg wohl Strafvereitelung im Amt. Das ist eine klare Verleumdung, gegen die man sich wehren sollte. Schließlich hat sich der Oberts Klein ja nicht als Söldner nach AFG anheuern lassen sondern ist auf Grundlage eines mit großer Mehrheit erteilten Bundestagsmandats dorthin geschickt worden.
    Was mich stört, ist diese Überempfindlichkeit, die immer gleich „eine Kampagne“ wittert wenn mal drei gute Witze hintereinander erzählt werden.

  19. „Westphal ist ein Hauptmann, ich bin ein Oberst. DER kann mich garnicht drängen, er kann mich lediglich beraten.“ Schlagkräftig ist der Herr Klein ja, falls man den Ausführungen dieser Doku Glauben schenken kann. Alles in allem sehr interessant und professionell ausgearbeitet, wobei wir wohl nie erfahren werden, wie der Angriff in allen Einzelheiten geschehen ist. Lediglich bei den Interviews mit den Politikern bekomme ich Brechreiz. Im Nachhinein anhand der aufgrund der gegebenen Umstände damals eben nicht vorhandenen Fakten die Aktion anders beurteilen und Soldaten als leichtgläubig hinzustellen ist einfach nur armselig… nicht wahr, Herr Nouripour?

  20. Neben wenigen Kommentaren von Ex-VertgMin Jung und Gen a.D. Ramms sind, im Gegensatz dazu, die sehr zahlreichen Kommentare von Herrn Nouripour sehr auffällig. Diese Unausgewogenheit ist nicht nachvollziehbar. Wenn der Film schon von Politikern des Verteidigungsausschusses (VA) kommentiert wird, dann ist völlig unklar, warum nur ein Politiker der Grünen zu Wort kommt. Haben sich Ausschussmitglieder anderer Parteien nicht vor die Kamera getraut oder sind sie im Zusammenhang mit diesem Film nicht gefragt worden? Insgesamt handelt es sich damit um einen sehr einseitigen Film, der in den kommentierenden Bewertungen nur die Sicht der Grünen Partei wiedergibt. Das ist sehr ungewöhnlich und, wie ich finde, überhaupt nicht in Ordnung. Möglich ist aber auch, dass dem „grün gefärbtem Journalismus“ gar nicht mehr auffällt, wie sehr er der Öffentlichkeit eine „grüne Sichtweise“ aufdrängt.

  21. @Politikverdruss
    Herr Nouripour äußert sich dennoch relativ zurückhaltend. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Er hat nämlich eins gemein mit allen anderen Ausschussmitgliedern, KEINE AHNUNG. Da werden diese Mitglieder gerne mal als VerteidigungsEXPERTEN der ein oder anderen Partei untertitelt. Der einzige Experte in der Runde, war Oberst Klein. Wie muss sich so ein gestandener Stabsoffizier vorkommen, wenn er sich gegenüber einer Religionspädagogin und ähnlich gebildeten Insidern erklären muss? Oberst Klein hat dennoch den Respekt gegenüber dieser Institution aufgebracht, für die ihn sein Eid verpflichtet hat. Obwohl auch er sicherlich wußte, dass Parteiengeplänkel weitestgehend der Grund für diese Veranstaltung war. Wenn man nur die Vorfälle nimmt die in diesem Blog geposted werden und das sind bei weitem nicht alle, dann könnte der Verteidigungsausschuss durchgehend tagen. Als wenn es nicht genug ist, täglich Entscheidungen über Leben und Tod zu fällen, stellte er sich auch noch diesem unwürdigen Spektakel. Wie sieht das Ausland eigentlich diesen Umgang mit den eigenen Soldaten?

  22. @Politikverdruss

    Vermutlich ist Nouripour der einzige zu Wort kommende weil die anderen MdB schlicht nicht mitmachen wollten.

    Und: Was ist eigentlich eine „grüngefärbte Sichtweise“? Das was Nouripour sagt? Das was Roth sagt? Das was der Landesverband Berlin sagt? Was Ströbele sagt? Was die Grüne Jugend pinkelt?

  23. @Chris, Politikverdruss
    So gesehen hätte es schlimmer kommen können. Ströbele taucht nicht auf, und auch kein „Experte“ wie Rose. Nouripour bemüht sich m:E. zudem um Sachlichkeit, und im Vergleich z.B. zu Jung wirkt er auf mich (für einen Politiker) relativ kompetent.
    Aber insgesamt halte ich die auftauchenden Experten auch für den Schwachpunkt des Beitrags. Sie sagen eigentlich nichts Substantielles. Warum nicht einen Hauptmann oder Hauptfeldwebel mit Kunduz-Erfahrung zu Wort kommen lassen, der mit Sicherheit mehr zur Lage sagen kann als ein akademischer Experte, der nie vor Ort war und nicht mehr weiß als das, was in den Medien berichtet wird und das kaum einordnen kann? Und gerade bei diesem Thema fehle mir eine unaufgeregte Diskussion der verschiedenen Erklärungen dessen, was am 04.09.09 vorgefallen ist. Man hätte einige Aspekte des Geschehens diskutieren können, die durch den Vorfall berührt wurden, und zu denen es noch keine Antworten gibt.
    Nur ein paar Beispiele:
    – Wie sind deutsche Stellen in den Targeting-Prozess eingebunden?
    – Welchen Spielraum haben deutsche Stellen innerhalb und außerhalb von ISAF zum Vorgehen gegen Aufständische/deren Anführer, bzw. wie können sie solches Vorgehen unterstützen? Welche Anknüpfungspunkte gab es ggf. zwischen diesem Vorgehen/dieser Unterstützung und dem Vorfall?
    – Wie wirkte sich der Luftangriff auf die Aufständischen und die Bevölkerung aus?
    Auch ein Interview mit einem nicht-aktivistischen Völkerrechtler wäre interessant gewesen. Dieser hätte mit einigen populären Mythen aufräumen können, die bei der Diskussion solcher Vorfälle immer wieder zu unangemessener Aufregung beitragen können.

  24. Na ja,
    was natuerlich alle „Experten“ etwas ratlos werden laesst ist die schlichte Tatsache, dass ein deutscher Kommandeur im Einsatz tatsaechlich die uneingeschraenkte taktische Befehls-und Kommandogewalt hat, die sogar so weit reicht, dass er Grundprinzipien deutscher Rechtsstaatlichkeit (Im Zweifel fuer den Angeklagten, Verhaeltnismaessigkeit der Mittel) bei seinen Fuehrungsentscheidungen geringer einstuft als seine Verantwortung in Sachen erweiterte Verteidung, Schutz seiner Soldaten und Durchsetzung seiner Auftrages. Und deshalb haben wahrscheinlich viele Politiker die Aussage vor der Kamera vermieden, denn die Reichweite des parlamentarischen Primaten hoert eben an der Grenze zum Einsatzgebiet auf……was einige parlamentarische „Verteidigungsexperten“ natuerlich nicht gerne oeffentlich zugeben wuerden, denn dann waere auch dem letzten DAU klar, dass dieser Untersuchungsausschuss 1. ueber den Zaun der Gewaltenteilung versucht hat zu grasen und 2. das Parlament letztendlich die Konsequenzen seiner Mandatserteilung entweder nicht versteht oder nicht bereit ist, die moeglichen operativ- politischen Konsequenzen mit der Regierung verantwortungsvoll zu teilen.

  25. Wenn es um kompetente Völkerrechtler gegangen wäre, dann würden mir hier so einige einfallen.
    Herr Prof. Kress aus der Universität zu Köln oder Herr Prof. Ambross aus der Universität Göttingen wären für diese Doku-Fiction interessante Gesprächspartner gewesen.

    Sei es wie es ist. Das ZDF hat ja bewußt keine Dokumentation versucht zu erstellen sondern eine Doku-Fiction erstellt. An diese stelle ich persönlich weniger Ansprüche, als an eine Dokumentation, die eine sachlichere Herangehensweise erfordert.

    Dennoch finde ich das Ergebnis nicht schlecht für das gewählte Format. Auch wenn es uns am Ende vermutlich mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt.

  26. @Klabautermann:
    “ die Reichweite des parlamentarischen Primaten hoert eben an der Grenze zum Einsatzgebiet auf……was einige parlamentarische “Verteidigungsexperten” natuerlich nicht gerne oeffentlich zugeben wuerden, denn dann waere auch dem letzten DAU klar, dass dieser Untersuchungsausschuss 1. ueber den Zaun der Gewaltenteilung versucht hat zu grasen“

    Das ist ja mal ne interessante Interpretation…
    Was sind denn die Rechtsquellen dieser Meinung?
    Ist das Inhalt der pol. Bil. bei der Bundeswehr?

  27. @Klabautermann
    Wenn es rechtlich tatsächlich so wäre, wie sie es sich zurecht biegen, gäbe es nur eine Konsequenz: Sofortiger Abzug der Bundeswehr aus AFG.

  28. @memoria und HK

    ein Kommandeur im Einsatz ohne rechtlichen Ermessensspielraum ist natürlich die ideologisch verblendete Wunschvorstellung aller fundamentalistischen Pazifisten.
    Die normative Kraft des Faktischen ist aber durch retrospektive, selektiv- und pseudo-rechtliche Aufarbeitung nicht mehr veränderbar.
    Mit anderen Worten: falls die deutsche Legislative mehrheitlich nicht mehr will, dass ich als deutscher Soldat das Recht und die Freiheit tapfer, rpt tapfer verteidige, dann sollte die deutsche Legislative in der Tat einige Gesetzes-Initiativen einbringen und nicht in Form eines Untersuchungsausschusses versuchen, sich politisch vom ‚tapfer‘ zu distanzieren.

  29. @klabautermann:
    Tut mir leid: Ich verstehe sie immernoch nicht.
    Was konkretverhindert denn die Legislative aus Ihrer Sicht?

    Nach meinem Verständnis sind die formalen Möglichkeiten der Legislative sehr begrenzt:
    – Ein Mandat (einschl. der Mandatsobergrenze) wird von der Regierung geschrieben, der Bundestag kan nur zustimmern oder ablehnen. Änderungsmöglichkeiten gibt es – im Gegensatz zu Gesetzen – nicht.
    – Die ROE werden vom BMVg erlassen.
    – Angebliche gesetzliche Auflagen auf euopäischer und nationaler Ebene haben Ausnahmeregelungen für Verteidigungszwecke. Das BMVg nutzt diese Ausnahmen jedoch nicht
    – Der Bundestag bestimmt nicht über die Verfügbarkeit von Waffensystemen im Einsatzland. Paradebeispiel: Der größte Gegner der PzH2000 war General Schneiderhan.

    Damit möchte ich nicht sagen dass im parlamentarischen Bereich alles super läuft. Aber die Interpretation: Hier gute Armee, da böse/ unfähige Politik kann ich nicht nachvollziehen.
    Die meisten Probleme im Einsatz werden vom BMVg ggü. der Legislative schöngeredet.
    Da fängt das Problem aus meiner Sicht an.

  30. @Memoria

    ;-) alles d’accord mit was Sie schreiben…..und ich bin alles andere als ein schwarz/weiß-Maler („Hier gute Armee, da böse/ unfähige Politik“)….und ich hab auch goar nix dagegen, dass das Parlament die strategisch-politische und operative Einsatzführung des BMVg und des EFüKdo hinterfragt. Die Grenze ziehe ich bei der parlamentarischen Hinterfragung der Gefechtsführung im Einsatz. Das ist nicht Aufgabe des Parlamentes…dafürhaben wir Staatsanwaltschaften und Gerichte.

  31. @Klabautermann,
    Zustimmung! Parlamentarier sollten sich auf der politisch-strategischen Ebene bewegen. Stattdessen mischen sie sich zunehmend in operative Fragen ein. Aber bei der „Strategieunfähigkeit“ deutscher Politiker (K.Nauman)ist es verständlich, dass man lieber Mikro-Management betreibt oder glaubt, an der Führung eines hochintensiven Gefechts könne man mit den Moralvorstellungen einer Religionslehrerin herangehen. Der ganze Afghanistan-Einsatz ist zum Musterfall strukturellen Politikversagens geworden. Eine schrecklich politisierte Bw-Generalität hat daran leider einen nicht geringen Anteil .

  32. Zum Problem der „Strategieunfähigkeit“ wäre vielleicht noch anzumerken, daß sich dieses wie ein roter Faden durch unsere jüngste Geschichte zieht und sowohl die politische als auch die militärische Seite betrifft.
    Operativ waren bspw. Schlieffens Gedanken durchaus folgerichtig, hatten aber strategisch weitreichende Auswirkungen, weil sie im August `14 der Politik kaum Spielraum liessen (der sog. Mobilmachungsautomatismus). Andereseits hat es sich später bitter gerächt, daß die Politik den Spitzenmilitärs gegenüber wenig eigene Initiative aufbot, so daß die OHL dieses Vakuum (notgedrungen?) nutzte, um „Politk zu machen“. Ein echtes Ringen im strategischen Bereich, wie zwischen Bismarck und dem älteren Moltke 1871 gab es nicht. Hauptgrund dieser fatalen Entwicklung war, wenn ich die Einschätzung der Historiker richtig verstanden habe, die Sonderstellung der Streitkräfte im kaiserlichen Deutschland. Die Armee war königlich, die Flotte kaiserlich, d. h. beide unterstanden eben nicht dem Parlament.

    Heute haben wir eine Parlamentsarmee, aber beide Seiten tun sich offensichtlich immer noch schwer damit, aus dieser Neuordnung den beabsichtigten fruchtbaren Nutzen zu ziehen. Berührungsängste scheinen zu dominieren. Die Schelte für die „politisierte Generalität“ trifft insofern nicht richtig.
    Hätten wir eine politisierte Generalität, d. h. würden unsere Generäle/Admiräle tatsächlich den engen Kontakt zur Politik suchen und in stetem Dialog ihren Sachverstand mit Überzeugungskraft als Berater dem Souverän gegenüber zum Ausdruck bringen, sähe die Situation m. E. anders aus. Die Reaktionen hier im blog auf die Wortmeldung des COMKFOR erläutern vielleicht ganz gut, was ich meine.
    Auf der anderen Seite (genau so wird es ja bedauerlicherweise gesehen, obwohl es gerade nicht so sein sollte) stehen Politiker, die fürchten müssen, daß sie für miltärfreundlich oder gar militaristisch gehalten werden, wenn sie (außer dem geschäftsmäßig Nötigsten) in engem Kontakt zu Spitzenmilitärs stehen -und deswegen auf Distanz zur Generalität halten.
    Die öffentliche und veröffentlichte Meinung erleichtert den nötigen Dialog nicht gerade.

    Der „Fall Kunduz“ wirft, denke ich ein scharfes Licht auf diese „Strategieunfähigkeit“, wenngleich ich sie eher als Weigerung, strategisch zu denken, bezeichnen möchte.
    Auch hier hilft eine Aussage von Gen Maj Bühler weiter, nämlich jene über die taktischen Erfolge, die zu langfristigen strategischen Niederlagen werden können, um zu erläutern, worum es im Kern geht. Taktische Kritik an OT Klein („militärisch unangemessen“) kann eigentlich nur der sich erlauben, der in vergleichbarer Lage Entscheidungen treffen mußte. Strategisch kritisieren soll, ja muß der Politiker, der die Auswirkungen der taktischen Entscheidung im Hinblick auf ihre weiteren Folgen im strategischen Kontext bewerten muß -um daraus weitere Schritte und Maßnahmen/Anweisungen abzuleiten.
    Die juristische Aufarbeitung ist hierbei nur einer von vielen Gesichtspunkten-und im strategischen Raum nicht der hervorragendste.

    Ein offener Dialog zwischen Politik und Armeeführung, ohne Rücksichtnahme auf falsche Empfindlichkeiten auf BEIDEN Seiten hilft aus dieser Krise. Und jeder Dialog, das sei hier angemerkt, beginnt mit aufmerksamem ZUHÖREN.

  33. @ TW [Orontes | 04. August 2011 – 15:13]
    Haben Sie das überlesen?
    „…Und da Sie ja offenbar selbst so über den Dingen stehen und in soldatischer Kritik beleidigenden Verhaltens nur den unangemessenen Wunsch danach sehen, “geliebt zu werden”, macht Ihnen mein Verweis auf Gottfried von Berlichingen als Antwort auf Ihren (wieder mal) unqualifizierten Einwurf bestimmt nichts aus.“
    @orontes
    Sie überschreiten jedes Mass. Keine Angst, Sie können mich nicht beleidigen. Und Götz v. Berlichingen war ungehorsam gegen seinen Kaiser, cholerisch und ein ausgesprochener Trunken- und Raufbold. Dass Sie sich seine Äußerung zu eigen machen, um auf ein von mir angeführtes ironisches Bonmot des ersten Bundespräsidenten zu antworten, richtet Sie selbst.

  34. @ Steiner
    Ich stimme Ihnen zu!

    Allerdings ging es im angeführten UA nur scheinbar um die Entscheidung von O K.
    Der überwiegende Teil der Anstrengungen der Opp richtete sich auf den Versuch teile der Regierung (KTvG, Jung) zu beschädigen. Die Regierungsfraktion versuchte das zu verhindern. Der Luftschlag war nur Anlass, nicht Schwerpunkt des UA.
    Insofern haben die Abgeordneten schon politisch-strategisch gedacht.

  35. @Steiner

    doller sermon….mit der conclusio: „Ein offener Dialog zwischen Politik und Armeeführung, ohne Rücksichtnahme auf falsche Empfindlichkeiten auf BEIDEN Seiten hilft aus dieser Krise. Und jeder Dialog, das sei hier angemerkt, beginnt mit aufmerksamem ZUHÖREN.“

    Tja, die normative Kraft des Faktischen ist eben stärker als die virtuelle Kraft der unvollständigen Fakten-Aufbereitung und Darstellung…..oder auch: zwei Monologe kann ich zwar als Dialog verkaufen, kognitiv- funktional ist das aber eine Lüge….und ein taktisches politisches Ziel (Jung stürzen/schützen) als “ politisch-strategisch “ -e Abgeordneten-Denke zu bezeichnen finde ich ganz schön dreist….

  36. Fällt hier nur mir auf, dass der Einzige der OK in die Pfanne haut General Ramms ist?
    Zuerst spricht er von der Pflicht zur Beratung mit dem Stab und anschließend spricht er von ungerechtfertigt getöteten Zivilisten. Das erste ist nicht deutsche Führungstradition das zweite eine Verkennung des Völkerrechts.

    Falls das so wäre, müßte doch die Staatsanwaltschaft nochmals tätig werden.

    Und warum wird die Entlassung des Generalinspekteurs und eines Staatssekretärs im Abspann nicht erwähnt?
    Insgesamt eine ausgesprochen bundeswehrfreundliche Doku-Fiktion.

  37. @klabautermann
    Zweck Mittel Beziehung:
    strategisches Ziel- Regierungswechsel herbeiführen
    strat Mittel – Regierung schwächen
    operativ- stärkstes Regierungsmitglied beschädigen
    operatives Mittel- Widersprüche in Aussagen finden
    Taktik- Untersuchungsausschuss
    taktisches Mittel- viele

    Diese Klassifizierung ist nur ein Versuch. Meine Jahresarbeit zu dem Thema an der FüAk ist schon zu lange her.

  38. @JC

    ….und das auf dem Rücken von OK et alia und der Truppe im Einsatz ? Wie pervers-technokratisch können wir eigentlich noch werden in unserer Denke?

  39. @klabautermann

    Ja das ist das eigentlich Erschreckende an dem Vorfall. Die Toten waren nur Staffage, übrigens auch bei der Aktion der Linken im BT.
    Als Lebende Objekt der Taliban, als Tote Objekt innerdeutscher Politik.

  40. @Steiner,
    Ihre nachfolgende These ist durch die aktuelle Militärgeschichtsschreibung nicht gedeckt: „Schlieffens Gedanken durchaus folgerichtig, hatten aber strategisch weitreichende Auswirkungen, weil sie im August `14 der Politik kaum Spielraum liessen (der sog. Mobilmachungsautomatismus).“

    Das MGFA hat den aktuellen Forschungsstand zu Thema Schlieffen 2006 veröffentlicht: Der Schlieffenplan, Analysen und Dokumente.

    Dort führt Dr. Gerhard Groß auf Seite 159 aus:“ Seit 1905 hatte sich die strategische Lage zu Ungunsten des Kaiserreiches verschoben. Ging Schlieffen in seinen Planungen für 1905 noch von einem Einfrontenkrieg im Westen aus, musste sein Nachfolger (Moltke) am Vorabend des ersten Weltkrieges mit der Gegnerschaft Frankreichs, Russlands und Großbritannien rechnen. Vor diesem Hintergrund und angesichts aktueller Feindlagebeurteilungen des Generalstabes veränderte Moltke d.J. im Laufe der Jahre die deutschen Operationsplanungen. So unterschied sich sein Operationsplan gegen Frankreich in entscheidenden Punkten…von dem seines Vorgängers. 1914 rückten die deutschen Soldaten daher nicht mit einem Schlieffen-, sondern mit einem Moltkeplan ins Feld.“

    Aufgrund dieser Forschungslage ist Ihre Behauptung, Schlieffen sei für den „Mobilmachungsautomatismus (August 1914) verantwortlich und habe damit „strategisch“ gesehen, den Politikern „kaum Spielraum“ gelassen, einfach unzutreffend.

    Und lieber Herr Steiner, auch Ihre These, von der „ hilflosen Abhängigkeit der deutschen politischen Führung von den Plänen der Militärs“(Ritter), ist in der Forschung längst revidiert. ( Hildebrand, Staatskunst und Kriegshandwerk, 2006)

    Die Ursachen, Herr Steiner, liegen meist in der Politik und nicht beim Militär, bei „Spekulanten“, bei der Wirtschaft oder bei sonstigen Sündenböcken. Auch wenn die Politik es geschickt versteht, dies zu verschleiern.

  41. @politikverdruss:

    Das Thema war die Gegenwart (Kunduz) und die These von der Strategieunfähigkeit zeitgenössischer deutscher Politik. Mag sein, daß mein historischer Vergleich hinkt (wie alle Vergleiche) aber ändert das etwas an meiner „conclusio“?

    Im Grundsatz liegen wir übrigens nicht so weit auseinander. Da der Krieg ein Mittel der Poltik ist, liegen die Ursachen immer im politischen Bereich. Wenn das Mittel aber seinen politischen Zweck erfüllen soll, muß eine Kooperation zwischen Politik und Militär stattfinden, damit die Strategie stimmt.

  42. @ klabautermann:
    „bullshit pennant at the dip“ – ..?

    Wenn ich das richtig deute, haben Sie mich gründlich mißverstanden :-). Macht aber nix, wir sind ja nur im Internet.

  43. Hinweis @all

    Die Kommentare zur heutigen (11. August) Entwicklung mit den Ausschuss-Bewertungen von SPD und Grünen habe ich mal in den neuen Thread verschoben.

Kommentare sind geschlossen.