Deutschland bittet USA um zugesagte Gelder für MEADS

Man sollte wohl etwas öfter in die US-Wirtschaftsmedien schauen: Die Kollegen vom Washington Business Journal haben schon vor einer Woche einen Brief ausgegraben, den der deutsche Rüstungsdirektor im BMVg, Detlef Selhausen, an seinen Kollegen im Pentagon geschickt hat. Kernaussage: wenn ihr die weiteren Entwicklungsgelder für das Medium Extended Air Defense System (MEADS) stoppt, haben wir in Deutschland ein Problem.

(Den kompletten Brief in Englisch und Deutsch hat das WBJ hier zum download bereitgestellt.)

Nun wird MEADS als System nicht kommen, so viel ist klar – aber die Forschungsergebnisse sind für Deutschland eine mögliche Grundlage für eine mögliche (man muss das so vorsichtig formulieren) deutsche Beteiligung am geplanten Raketenabwehrschirm der NATO. Ein gemeinsamer Ausstieg der MEADS-Partnerländer – USA, Deutschland, Italien – ist deshalb aus deutscher Sicht keine Handlungsoption.

Für die USA hat gerade in Zeiten eines auch dort schrumpfenden Verteidigungshaushalts das System eine weitaus geringere Bedeutung. Der zuständige Ausschuss des Senats hatte bereits im Juni die entsprechenden Mittel für das US-Rüstungsunternehmen Lockheed Martin zur Streichung empfohlen.

29 Kommentare zu „Deutschland bittet USA um zugesagte Gelder für MEADS“

  • Mitwisser   |   21. Juli 2011 - 13:49

    Das ganze Thema Flug- und Raketenabwehr lohnt mal eine nähere Betrachtung. Denn neben viel Wildwuchs und industriellem (vor allem aber ministeriellem) Wunschdenken gibt es schon noch Aspekte, die man verfolgen sollte.
    Territoriale Integrität auch eines „von Freunden umzingelten“ Landes braucht ein gewisses Maß an Luftraumüberwachung und entsprechende Wirkmittel. Von der Alarmrotte bis zum Flugkörper. Dass man solche Dinge nicht mehr ganz alleine nationalstaatlich schaffen kann, hat sich rumgesprochen, ist aber noch nicht verinnerlicht. Schön anzusehen ist beispielsweise der Niedergang fast der gesamten Heeresflugabwehr und das Setzen auf imaginäre Programmerfolge etwa bei MEADS oder SYSFLA. Und dann kommen die Spezialisten in den Ämtern und hören sich die Wunderlösungen von den großen Brüdern auf der anderen Seite des Atlantik an und denken schon wieder „noch einige nationale Anpassungen, dann ist das was für uns“. So wie beim Starfighter.
    Unverständlich. Wenn eine Standard Missile 3 auf Fregatten zur Raketenabwehr geeignet ist, dann soll man sich halt entscheiden ob man die will. Und nicht anders. Aber auch sich im Klaren sein, dass man damit kaum bis nach Hessen oder Bayern reicht. Ganz traurig wird es, wenn MANTIS, also das wenige Kilometer reichende Kanonensystem für ängstiche Feldlagerstabscontainerbewohner, als neues Mittel der Flugabwehr gefeiert wird.
    Und nun wundert man sich, dass die US-Seite den transatlantischen Pfeiler aus diesem aufgeblasenen Projekt rausreißt? Man möge nur einmal bedenken, welch strategisch unentschlossenen Eindruck Deutschland in jeglicher Flug- oder Raketenabwehrthematik macht. Und zwar seit Jahren. Ich persönlich kann verstehen, warum in klammen Geldnotzeiten die Amis hier nur zu gerne sparen wollen.

  • b   |   21. Juli 2011 - 14:21

    „die Forschungsergebnisse sind für Deutschland eine mögliche Grundlage für eine mögliche (man muss das so vorsichtig formulieren) deutsche Beteiligung am geplanten Raketenabwehrschirm der NATO. Ein gemeinsamer Ausstieg der MEADS-Partnerländer – USA, Deutschland, Italien – ist deshalb aus deutscher Sicht keine Handlungsoption.“

    Wie soll ich das verstehen? Strebt Deutschland denn eine Beteiligung an diesem „Raketenabwehrschirm“ an?

    Das ist doch ein reines U.S. Geldwegwerfindustrieprojekt das die Russen ärgern soll.

    Für uns sollte das keine Bedeutung haben und keinen Pfennig wert sein.

    (Die Ausrede mit den nicht-existen Raketen des Iran die Europa „bedrohen“ kann ja wohl keiner ernst nehmen.)

  • T.Wiegold   |   21. Juli 2011 - 14:24

    @b

    Es gab da so eine Vereinbarung eines Vereins namens NATO in Lissabon…

  • chickenhawk   |   21. Juli 2011 - 14:47

    Mal eine Zwischenfrage: Ist es normal, dass so eine Korrespondenz öffentlich bekannt wird (von Anomalien wie Wikileaks mal abgesehen)?

  • Student   |   21. Juli 2011 - 15:13

    Der Niedergang der Heeresflugabwehr bei zeitgleichen zusammenkürzen der Flugabwehrfähigkeiten der Luftwaffe ist nur Ausdruck eines Trends, dessen Ausgang mir Kopfschmerzen bereitet. NATÜRLICH brauche ich AKTUELL keine Flugabwehrkapazitäten im Umfang des Kalten Krieges, doch muss man immer bedenken: Eine einmal verlorene Fähigkeit lässt sich nicht mit einem Sack voll Geld reanimieren, wenn Bedarf entsteht d.h. ich kann nicht die Schublade aufmachen und fertige Flugabwehrsoldaten hervorzaubern und ich kann auch keine Strukturen, die eine Flugabwehr koordinieren herzaubern, wenn ein Bedarf entstehen könnte. Man möge mich einen alten Schwarzmaler nennen, aber mir persönlich gefällt der Gedanke nicht von Freunden umgeben zu sein, die aber auch nur das selbe Fähigkeitenspektrum wie ich selber bedienen können. Infanterie kann jedes Land der Welt auf die Beine stellen. Sollten wir uns da nicht evtl. auf Fähigkeiten spezialisieren, die Andere nicht zu bieten haben?

    In einer geopolitisch so dynamischen Periode würde ich jedenfalls keine Wetten darauf eingehen, wie sich Krisenherde entwickeln und wo neue entstehen und solang sage ich: Der Verlust eines Fähigkeitsspektrum öffnet auch immer eine Flanke

  • Tom   |   21. Juli 2011 - 15:17

    „Rüstungsdirektor“ ;-)

    Die Übersetzung vom Deutschen ins Englische (und zurück) ist echt gut.

  • J.R.   |   21. Juli 2011 - 16:02

    @ Student
    Eine einmal verlorene Fähigkeit lässt sich nicht mit einem Sack voll Geld reanimieren, wenn Bedarf entsteht

    Gerade was den Rüstungs-Aspekt angeht bin ich mir da nicht so sicher.

    Wie lange hat es gebraucht die afghanischen Mujahideen 1986 mit Luftabwehr-Fähigkeiten auszustatten?

    Aber auch was die NATO-Armeen angeht gab es einige rasante Entwicklungen:

    Entwicklung und Einsatz des CRAMs hat 2 Jahre gedauert.

    Die Umstellung der Amerikaner auf MRAPs begann vor 4 Jahren.

    Die erste bewaffnete Drohne kam 2001 zum Einsatz.

    Umgekehrt hat gerade die Bundeswehr derzeit bereits recht offensichtliche Fähigkeitenlücken. Die meiste Aufmerksamkeit bekommt dabei wohl der der Mangel an Hubschraubern und Ärzten.
    Aber auch sonst ist nicht alles rosig: Zum Militärausbilder reicht bei der Bundeswehr derzeit anscheinend ein einwöchiger OMLT-Kurs. Für die Medienarbeit im Einsatzland greift man auf Zeitarbeitskräfte ohne Landeserfahrung zurück.

    Warum man angesichts dieser gegenwärtig relevanten Mängel in Rüstungsprojekte investieren sollte, für die es nichtmal ein Bedrohungsszenario gibt, das erschließt sich mir nicht ganz.

  • Nico   |   21. Juli 2011 - 16:22

    „Wie lange hat es gebraucht die afghanischen Mujahideen 1986 mit Luftabwehr-Fähigkeiten auszustatten?“

    Absolut nicht vergleichbar. Es sei denn, sie wollen noch auf den letzten Drücker einen Volkssturm aufstellen, aber dann ist sowieso schon alle Hoffnung dahin…

    „Die Umstellung der Amerikaner auf MRAPs begann vor 4 Jahren.“

    Meines Wissens schon 2006. Nachdem jahrelang so etwas gefordert wurde, aber nicht kam. Zudem sind MRAPs COIN-Fahrzeuge und in einem konventionellen Konflikt eher nachteilig.

    Vergessen Sie nicht, dass die Amerikaner ein etwas größeres Finanzpolster haben und auch mehr Willen aufbringen, ihr Militär auf Vordermann zu halten.

  • henner   |   21. Juli 2011 - 16:29

    @JR

    „Wie lange hat es gebraucht die afghanischen Mujahideen 1986 mit Luftabwehr-Fähigkeiten auszustatten?“

    Entschuldige, aber es ist eine Sache, ein paar Krieger in die Benutzung eines MANPADS einzuweisen, wenn klar ist, dass alles was fliegen kann ein Feind oder ein Sonntagsbraten ist. Ein bisschen komplexer ist eine professionelle Flugabwehr schon. Zum einen geht es um komplexere Waffensysteme höherer Reichweite, die nicht bloß auf Sicht operieren, sondern die Luftverteidigung eines riesigen Gebiets koordinieren können. Dazu gehört auch das Zusammenwirken mit Luftraumüberwachungsradaren (ich bin u.a. gelernter FlaRadarkanonier, das ist kein Job für Analphabeten), IFF, Flugkorridore, Abstimmung mit der eigenen Luftwaffe, Identifikation, Platzierung der verschiedenen Waffensysteme nach strategischen und taktischen Anforderungen, Kenntnisse zur effektiven Platzierung der Waffensysteme, zur Reichweite, zur Aufklärbarkeit… und und und.

  • Student   |   21. Juli 2011 - 16:30

    @ J.R.

    Es ist KEINE Flugabwehr, wenn ein Wüstenkrieger mit einer STINGER auf alles schießt, was da fliegt! Flugabwehr heißt nicht nur bekämpfen von Gegnern, sondern auch IDENTIFIZIEREN von Gegnern, saubere Freund/Feind-Erkennung, und effektive Feuerleitung. Das ist dem Wüstenkämpfer völlig egal, denn der muss auf nichts achten. Ich sage ja: Mit dem Kauf/der Entwicklung ist es ja nicht getan. Der Amerikaner kann sicher in 4 Jahren ein neues Waffensystem einführen, aber da hat er auch Flugabwehrsoldaten, die wissen wie ihr Geschäft läuft und dann nur das neue System erlernen müssen und nicht das gesamte geschäft der FLugabwehr neu erfinden müssen. Da dauert ja allein das schreiben neuer Dienstvorschriften 4 Jahre ..

  • J.R.   |   21. Juli 2011 - 19:39

    @ Nico
    Absolut nicht vergleichbar. Es sei denn, sie wollen noch auf den letzten Drücker einen Volkssturm aufstellen, aber dann ist sowieso schon alle Hoffnung dahin…

    Stimmt. Wehrpflichtiger und Volksstürmler unterschieden sich ja durch 9 Monate hochwertige Ausbildung. ;)

    Aber ich stimme Ihnen insofern zu, dass die Verteidigung der deutschen Landesgrenzen sicherlich nicht das zu erwartende Einsatzszenario ist. Inwiefern sich das aber in der Bundeswehrstruktur widerspiegelt bleibt fraglich.

    Wenn man die Einsätze in Ex-Jugoslawien immer noch unter „Auslandseinsatz“ mit Afghanistan in einen Topf wirft, obwohl es sich lediglich um einen „innereuropäischen Einsatz“ handelt, dann hat man schon den Eindruck, dass der Fokus der deutschen Streitkräfte kaum über die Landesgrenzen hinaus gewandert ist.

    Da paßt dann auch wieder MEADS in Bild: Die Unterstützung der deutschen Rüstungsindustrie als eigentliche Aufgabe der Bundeswehr.

  • Bang50   |   21. Juli 2011 - 19:59

    Ich weis nicht ob ich der einzigste bin der das so sieht…aber es gibt absolut kein Einsatzgebiet für MEADS. Das Konzept ist alleine auf Jets, Hubschrauber und Marschflugkörper ausgelegt bei einer 360° Erkennung (das blöde ist nur wenn Jets, Hubschrauber und Marschflugörper kommen, weis man normalerweise die Richtung). Die Reichweite hat mit der Entwicklung von abstandsfähigen Lenkwaffen nicht Schritt gehalten. MEADS als Raketenabwehr verwenden zu wollen, ist Realitätsverweigerung pur. Man könnte ja mal hochrechnen wieviele Systeme man bräuchte um alleine Berlin zu schützen. Davon abgesehen, das bei einer ballistischen Bedrohung MEADS wieso nicht mehr funktioniert. Die Luftüberlegenheit wird die Luftwaffe erkämpfen müssen mit ihren 180 Eurofightern (für was haben wir die super teuren Maschinen den sonst angeschafft?) Mir drängt sich der Verdacht auf, im Verteidigungsministerium will jemand sein Spielzeug haben. Die Geldverschwendung geht also munter weiter.

  • WB   |   21. Juli 2011 - 21:21

    MEADS ist die typisch deutsche „wir-wollen-alles-auf-einmal“-Mentalität, da gebe ich Bang50 völlig recht. Und was den taktischen Einsatz anbelangt, auch (Anflugsektor von TBM i.d.R. bekannt). Mein Liebling ist der deutsche Zweit-Lfk…

    Relevant war bei MEADS allerdings die verbesserte Radarleistung, genau wie der neue Flugkörper.

    Und nicht vergessen sollte man auch, dass MEADS als Neuentwicklung die eine oder andere veraltete (Rechner)Technik bei PATRIOT hätte ablösen können.

    War das jetzt ein Abgesang?

  • Oxtorne   |   21. Juli 2011 - 22:17

    Zwei Dinge:

    1. Es wird unterschieden zwischen Fliegerabwehr und Flugabwehr. Fliegerabwehr ist alles, was sich im Nah- und Nächsbereich abspielt und mit Kannone oder MANPADS erledigt wird. Flugabwehr ist weiträumig, also auf mittlere bis grosse Entfernung und Höhe ausgelegt. Man sollte also diese beiden Dinge nicht dureinander bringen oder vergleichen.
    2. Auch der zuständige italienische Staatssekretär (den Namen hab ich gerade nicht zur Hand, weil ich zu hause keinen Zugriff auf Jane´ s habe) hat einen Brief zum gleichen Thema geschrieben und hat dabei darauf hin gewiesen, dass die europäischen Partner laut Vertrag Regressforderungen an die USA stellen können (werden) wenn diese vorzeitig die Gelder streichen.

  • K.B.   |   21. Juli 2011 - 22:22

    1. Nur weil wir MEADS nicht beschaffen, heißt das ja noch lange nicht, dass wir Fähigkeiten zur bodengebundenen Luftverteidigung aufgeben. Die Patriot-Geschwader existieren noch, so dass hier eine Grundbefähigung erhalten bleibt – vergleichbar zu vielen anderen Bereichen der BW nach Ende des Kalten Krieges. Es dürfte auch sonst keinen Bereich innerhalb der Bundeswehr geben, der nicht an Fähigkeiten zur Führung des großen, vaterländischen Krieges eingebüßt hat.

    2. MANTIS, derzeit als CRAM-System propagiert, bewirkt durchaus den Erhalt von Grundbefähigungen zur Flugabwehr. Seine Stärke ist ja gerade, dass es auch für symmetrische Konflikte geeignet ist. Ein von MANTIS geschützter Flugplatz ist ziemlich immun gegen Angriffe z.B. von Marschflugkörpern. Und da das System über eine offene Struktur verfügt, ist auch die spätere Einbindung von weiterreichenden Fla-Raketen „relativ leicht“ möglich.

    3. Ich muss mir ja selbst mal auf die Schulter klopfen. ;-)

    Vor einem knappen Jahr habe ich auf geopowers.com folgenden Kommentar geschrieben:

    „Der eigentliche Schlüssel zu den Beharrungskräften für MEADS könnte also noch an einer anderen Stelle liegen.
    Da MEADS selbst offensichtlich nicht über die angestrebten Zielfähigkeiten zur Raketenabwehr verfügt, kann es nur als erster Schritt auf dem Weg zu einem echten Missile Defence-System gesehen werden. Somit kann es als Eintrittskarte für die deutsche Rüstungsindustrie dienen, wenn es um die Entwicklung eines großen NATO-Missile-Defence-Systems geht. Das könnte der große Kuchen sein, der hinter MEADS steht und auf seine Aufteilung wartet.“ :-)

    http://www.geopowers.com/denken-alten-mustern.html

  • Stefan   |   22. Juli 2011 - 0:30

    @K.B. | 21. Juli 2011 – 22:22

    Zitat: „1. Nur weil wir MEADS nicht beschaffen, heißt das ja noch lange nicht, dass wir Fähigkeiten zur bodengebundenen Luftverteidigung aufgeben.“

    Richtig. Man könnte auch einfach mal beim Russen nachfragen und S-400 und Co. im Rahmen der Partnerschaft NATO – Russland kaufen. Diese Systeme funktionieren bereits seit Jahren, und müssen nicht erst entwickelt werden. Schon der S-300 ist so gut, dass die Amis und Israel alles daran gesetzt haben, um einen Verkauf an den Iran zu verhindern. Ein geplanter Luftangriff gegen den Iran wäre sonst nahezu undurchführbar geworden. MANTIS ist dagegen nur ein Spielzeug für geringe Entfernungen und zum Schutz kleiner Objekte. Eine bodengestützte Luftverteidigung eines Landes ist es nicht. Nicht einmal ein richtiger Ersatz für den mobilen Gepard.

  • Bang50   |   22. Juli 2011 - 0:56

    Ich habe gewartet bis Stefan mit seiner S-400/300 um die Ecke kommt :D

  • Student   |   22. Juli 2011 - 9:15

    @ K.B.
    „MANTIS, derzeit als CRAM-System propagiert, bewirkt durchaus den Erhalt von Grundbefähigungen zur Flugabwehr.“

    Leider nicht ! Das ist zwar schön, dass die Feldlagerer oder andere Einrichtungen sicherer werden, aber Flugabwehr ist das weiß Gott nicht. Bei 2 beschafften Waffensystemen und der Option auf 2 weitere (solang sich das System MANTIS im EInsatz bewehrt), kann man ja ungefähr… gar nichts (?) schützen.

    Das geschäfft der Flugabwehr ist es NICHT alleinig im Hinterland die Betten zu beschützen, sondern mobilen Schutz mobiler Kräfte zu erreichen. Da haben wir (bis auf den OZELOT) keine Möglichkeiten mehr. Und gegen Kampfhubschrauber haben OZELOT’s reichlich schlechte Karten, da ja nur 1 Detektor in so einem Systemverbund mitfährt. Fällt der aus, .. nun so ein Waffenträger OZELOT ohne Detektor ist auch nur ein motorisiertes MANPAD

  • RauscheBART   |   22. Juli 2011 - 9:59

    @ WB & K.B.

    Wer hat bwehauptet das wir MEADS nicht beschaffen??? EADS will schließlich durchgefüttert werden. Das hat noch immer als Begrünung gereicht.

  • J.R.   |   22. Juli 2011 - 10:19

    @ Student
    Da tun sie jetzt aber K.B. etwas unrecht, er verweist ja auch auf die Möglichkeiten von Luftstreikräften, Patriots und Manpads.
    Sein Kommentar unter dem GeoPowers-Artikel ist durchaus lesenswert, auch weil er die Anforderungen und Optionen für konkrete Szenarien durchkaut.

    Gerade vor einer Bedarfsanalyse scheut man ja auf der Pro-MEADS-Seite zurück wie der Teufel vorm Weihwasser. Warum man sich daher auf ein Projekt mit ungewissem Nutzen und nach oben offenen Kosten verpflichten sollte wäre der Bevölkerung (und auch den sicherheitspolitisch interessierten) kaum zu kommunizieren.

    Nicht zuletzt deshalb versucht man das ganze ja jetzt über die NATO und die Masche „bündnispolitisch alternativlos“ durchzudrücken.

    Den Schaden hätte wieder mal Deutschland: Der Bevölkerung wird das Geld aus der Tasche gezogen, die Partnerländer werden mal wieder als Sündenböcke für unpopuläre Politik mißbraucht, und die Bundeswehr steht mal wieder als Hampelmann der Rüstungsindustrie da.

  • TBR   |   22. Juli 2011 - 10:31

    @chickenhawk | 21. Juli 2011 – 14:47

    „Mal eine Zwischenfrage: Ist es normal, dass so eine Korrespondenz öffentlich bekannt wird (von Anomalien wie Wikileaks mal abgesehen)?“

    Zum einen mandatiert in den USA der Fredom of Information Act den Zugang für jeden Staatsbürger zu allen nicht eingestuften Behördendokumenten, zum anderen hat Obama in einer fühen „executive order“ seiner Präsidentschaft mandatiert dass alle als „Lobbykommunikation“ einstufbaren Briefe und e-mails die an DOD-Angehörige oder Dienststellen gesandt werden internetöffentlich gemacht werden müssen. Da dies aber auf der unübersichtlichen DOD Serverlandschaft geschieht braucht man schon einiges Googlefu um diese Dokumente zu finden…

  • J.R.   |   22. Juli 2011 - 11:02

    Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Satz „Hinzu kommt, dass eine gemeinsame Terminierung nur schwer mit deutschem Haushaltsrecht zu vereinbaren wäre“?

  • Stefan   |   22. Juli 2011 - 11:26

    @Bang50 | 22. Juli 2011 – 0:56

    Zitat: „Ich habe gewartet bis Stefan mit seiner S-400/300 um die Ecke kommt :D“

    Dazu:
    „Das S-400-System ist zur Zerstörung von Luftfahrzeugen jedes Typs – Flugzeugen, Drohnen und Marschflugkörpern – bestimmt. Das System kann nicht nur im Luftraum, sondern auch im Weltraum eingesetzt werden und Aufgaben der nichtstrategischen Raketenabwehr wahrnehmen.

    Das Fla-System S-400 ist gegenwärtig weltweit allen analogen Fla-Systemen überlegen. In der Zukunft kann das S-400-System nicht nur als Grundlage für ein einheitliches System der russischen Luftverteidigung, sondern auch für die Bildung einer europäischen nichtstrategischen Raketenabwehr dienen, sollte eine diesbezügliche Entscheidung getroffen werden.“
    http://de.rian.ru/security_and_military/20110722/259843951.html

  • K.B.   |   22. Juli 2011 - 13:43

    @Student:

    Die Außerdienststellung des Gepards ist – da gebe ich Ihnen völlig recht – ein deutlicher Fähigkeitsverlust.
    Allerdings würde ich den Ozelot-Waffenträger nicht nur als mot-MANPAD beschreiben. Immerhin hat der ein paar gute passive Zielsysteme an Bord.

    @Stefan:
    Integrierte Luftverteidigung (LV) ist mehr als die Summe der Systeme und auf alle Fälle mehr als die Fähigkeiten eines Einzelsystems.
    Weder werden die Russen bereitwillig ihre Quellcodes offenlegen, um westlichen Firmen die Integration von S-400-Systemen über Link16 zu ermöglichen, noch werden NATO-Länder ihre Codes zur vernetzten Operationsführung den Russen zugänglich machen.

    @henner:
    Sie beschreiben sehr anschaulich die Anforderungen an integrierte LV.
    Um hier die kritische Aufwuchsfähigkeit zu gewährleisten ist in erster Linie die Ausbildungsorganisation gefordert. Wenn wir z.B. nur 4 Systeme MANTIS haben, dann sollte die Ausbildungsplanung vorsehen, das Personal auf einen Fähigkeitsstand zu bringen, dass man damit den Kern für einen Aufwuchs darstellen kann.
    Als Vergleich mag hier das 100.000 Mann Heer dienen.
    Die absehbaren Veränderungen im Laufbahnwesen (z.B. SAZ 12 Mannschaften) dürften dieses Vorgehen eigentlich vereinfachen.

  • Student   |   22. Juli 2011 - 13:48

    @K.B.

    Natürlich hat er noch Zielsysteme an Bord, aber was immerwieder vergessen wird: OHNE Detektor gibt es keine klare Freund/Feind-Erkennung! Das heißt, dass ein OZELOT ohne Anschluss an einen Detektor oder ein Zielzuweisung über eine externe Datenquelle KEINE Feuererlaubnis erhält. Deswegen ist der OZELOT-Waffenträger , sobald der vom Daten- und Aufklärungsverbund gelöst wird nicht mehr als ein motorisiertes MANPAD vom taktischen Wert.

    beim GEPARD hatte jeder Flakpanzer eine eigene IFF-Antenne und war somit in der Lage sich ein eigenes Luftlagebild zu erstellen.

  • henner   |   22. Juli 2011 - 14:31

    @KB: Hinsichtlich Aufwuchs könnten Sie Recht haben. Wir hatten übrigens bei der Fla in der überschaubaren Fraktion der Fla-Aufklärer (seinerzeit 3 Flaaufklärungszüge in den gemischten Fla-Regimentern mit gerade 7 Waffensystemen LÜR und ein paar uralten TPS 1E) bereits die Besonderheit, dass die Mannschaften, die SAZ 12 machen wollten (seinerzeit noch nicht üblich) im Prinzip dieselbe Ausbildung durchlaufen sollten, wie die Uffze. Im Übrigen bekam jeder Soldat jeweils die fachliche Ausbildung für die nächsthöhere Verwendungsebene. Gut ausgebildete Soldaten können im Bedarfsfall eben auch mehr Verantwortung übernehmen.

  • WB   |   22. Juli 2011 - 16:58

    @RauscheBART
    Zur (Nicht)Beschaffung von MEADS:
    http://www.tagesschau.de/inland/meads106.html
    Meiner Ansicht nach deckt sich das mit dem Verlangen, das im Brief geäußert wurde: „This would, in particular, endanger […] the controlled archiving of the resulting development data (Technical Data Package), and the preparation of European industry for national or multinational follow-on activities“. Das weist darauf hin, dass es hier nur noch um eine kontrollierte Abwicklung geht.
    Also ja: Die Industrie wird nicht vergessen. Und schließlich hat DEU ja auch ein commitment zur Raketenabwehr. Da muss ein geeignetes System her und das gilt es dann (wieder neu) zu entwickeln.

  • Privateer   |   22. Juli 2011 - 17:18

    @WB

    Dann wird’s halt Aster Block 2 statt MEADS, im Gegenzug für eine deutsche Finanzspritze lassen uns die Franzosen sicher mitmachen. Wird zwar deshalb nicht billiger, aber auf Gedeih und Verderb auf MEADS festgelegt ist man auch nicht.

  • WB   |   22. Juli 2011 - 21:49

    @Privateer
    Naja, MEADS ist ein Komplettsystem. Aster ist der Lfk (so wie PAC-3 MSE bei MEADS).
    Und wenn ich mich recht erinnere, ist Aster 2 auf Missile Defence optimiert (correct me if I’m wrong).