US-Flugzeugträger weicht Strahlungswolke aus

Die Katastrophe in Japan, nach Erdbeben und Tsunami vor allem die Ereignisse in den Atomkraftwerken, sind (noch?) kein Thema der Verteidigungspolitik; deshalb habe ich dieses Thema hier auch nicht aufgegriffen. Aber auch wenn ich nur als Interessierter die Entwicklung verfolge, an einer Stelle erlaube ich mir einen kurzen Hinweis:Meldungen, die USA zögen aufgrund der Strahlen-Bedrohung ihren Flugzeugträger von der Küste Japans ab, ist, nun, ein wenig übertrieben. Und bei aller Besorgnis (die ich teile), würde ich schon mal auf die Fakten schauen:

Nach einer offiziellen Mitteilung der 7. US-Flotte (die auch die Grundlage der Berichte in Medien wie der New York Times zu sein scheint), wiesen drei Hubschrauber mit 17 Besatzungsmitgliedern bei der Rückkehr von Unterstützungsflügen über Japan erhöhte Strahlungswerte auf. Die Soldaten hätten leicht mit Wasser und Seife dekontaminiert werden können, der Flugzeugträger Ronald Reagan und andere Schiffe der 7. Flotte vor Japan hätten ihren Kurs geändert, um nicht in Windrichtung möglicher Strahlung aus den defekten Atomkraftwerken zu liegen. Die Hilfsaktionen der Marine für Japan würden aber fortgesetzt.

SENDAI, Japan (March 12, 2011) An SH-60B helicopter assigned to the Chargers of Helicopter Antisubmarine Squadron (HS) 14 from Naval Air Facility Atsugi flies over the city of Sendai to deliver more than 1,500 pounds of food to survivors of an 8.9 magnitude earthquake and a tsunami. The citizens of Ebina City, Japan, donated the food, and HS-14 is supporting earthquake and tsunami relief operations in Japan as directed. (U.S. Navy photo/Released)

38 Gedanken zu „US-Flugzeugträger weicht Strahlungswolke aus

  1. Ist das wirklich kein Thema der Verteidigungspolitik? Ich denke doch. Zum einen sind viele militärische Kräfte in der Katastrophenbewältigung gebunden. Nicht nur Japanische Selbstverteidigungskräfte, sondern auch der Amerikaner.
    Zum anderen ist bereits jetzt erkennbar, dass diese Kräfte nicht nur kurzfristig gebunden sein werden. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Operationsführung. Damit stehen durchaus Fragen im Raum, was dies für die angespannte Situation im Raum Korea bedeutet.
    In dem Zusammenhang gewinnt auch die Frage nach der Sicherheit des Nordkoreanischen Atomprogramms an Brisanz, zivil wie auch militärisch. Gleichzeitig ist es Nordkorea durchaus zu zu trauen, dass sie die Schwächung der amerikanischen Präsenz im Moment versuchen könnten um ihre Situation zu verbessern. Bei Verhandlungen, aber auch durch gezielte weitere Nadelstiche im Rahmen militärischer Nadelstiche.
    Die Region ist aktuell nicht gerade stabiler geworden. Ein guter Überblick, was momentan in Japan militärisch gebunden ist findet sich (auf englisch) hier:
    http://www.warisboring.com/2011/03/11/miyagi-prefecture-earthquake-military-movements/

    Randnotiz:
    Die Japanischen Selbstverteidigungskräfte haben im übrigen ein dem Spürfuchs sehr ähnliches Fahrzeug bei der eingesetzten Central Readiness Force.
    Informationen dazu sind im Netz recht spärlich zu finden. Wer bezahlten Zugang zu Janes hat, findet Informationen hier:
    http://www.janes.com/articles/Janes-Nuclear,-Biological-and-Chemical-Defence/Type-82-and-Type-87-based-NBC-reconnaissance-vehicle-Japan.html

    Fotos von dem Fahrzeugtyp: http://www.militaryphotos.net/forums/showthread.php?130586-JGSDF-Type-82-NBC-(CRV-Chemical-Recon-Vehicle)

  2. In dem Zusammenhang ist aber dann doch erstaunlich, dass DER SPIEGEL soeben seinen Korrespondenten aus Tokio abzieht, da aufgrund der aktuellen meteorologischen Situation befürchtet werden muss, dass die Millionenmetropole in den nächsten Stunden von einer radioaktiven Wolke betroffen werden könnte.

    Quelle: Guardian

    „12.36pm: My colleague Luke Harding is live blogging from the Hamburg offices of Der Spiegel as part of the Guardian’s New Europe season, and reports that the German news magazine has decided to pull its reporter out of Tokyo because of the risk of a Chernobyl-style radiation cloud reaching the Japanese capital.

    Thilo Thielke, Spiegel’s veteran war correspondent, is leaving Japan today. Spiegel is now covering the story from Bangkok and the south of Japan. Mathias Müller von Blumencron says the latest information is ominous: the wind is blowing to the north – in the direction of Tokyo. „Perhaps this is a piece of German angst. But no country is more against nuclear power than Germany,“ he says. He adds: „The wind is shifting to the north and could blow a cloud directly to Tokyo. This is really horrible. I think this is a big, big crisis and a wake-up call for nuclear energy.“ The German embassy is also making preparations to evacuate some staff, apparently.“

    Hingegen liest man davon in SPON nichts – Evakuierungsvorbereitungen der deutschen Botschaft sind aber auch ein Hinweis auf eine bedrohliche Entwicklung.

  3. @ Etienne:

    Der Post des Guardian ist ein wenig merkwüdig… wenn die Windrichtung tatsächlich nach Norden geht ist Tokyo eben nicht bedroht, denn die Krisenregion liegt ja bereits nördlich.
    Ich denke das bezieht sich darauf, dass manche Wetterdienste derzeit Wettervarianten in den Vorhersagen haben, die davon ausgehen, dass untere Luftschichten in den nächsten 2-3 Tagen auf nach Süden gehende Winde abstellen. Sollte es im Kraftwerk 120km nördlich Tokyo dann weiterhin Probleme geben und Radioaktivität freigesetzt werden, gäbe es schnell grosse Probleme.

    Gibt es zu der Meldung vom Guardian ein link? Würde das gerne im vollen Kontext lesen…

  4. @T.W., Etienne:

    Gefunden…Danke. Mittlerweile hat der Guardian die Stelle korrigiert. Im Artikel http://www.guardian.co.uk/world/2011/mar/14/japan-tsunami-nuclear-alert-live-coverage steht nun:
    „…He adds: „The wind is shifting from the north and could blow a cloud south directly to Tokyo…:“

    Hier noch ein link zu den möglichen Zugpfaden, der Autor ist leicht über Xing und andere verifizierbar, auch wenn er hier die Webpräsenz seines Unternehmens mitnutzt und daher auf den ersten Blick das Ganze etwas merkwürdig scheinen mag.
    http://inqbus-hosting.de/support/dokumentation/docs/ausbreitung-einer-radioaktiven-wolke-aus-japan

  5. T.W.
    „kein Thema der Verteidigungspolitik“ kurzfristig ja :-)

    Bei einer derart umfassenden Reform ist das was dort passiert, lanfristig wohl schon ein Thema und auf jeden Fall ist es ein Thema für die Sicherheitspolitik der EU.

    Katastrophen passieren und treffen die Bevölkerung zumeist unvorbereitet, sonst ist es für die Betroffenen meist keine. Wer auf eine Überschwemmung, Waldbrand, Reaktorunfall, Erdbeben, Stromausfall uvm vorbereitet ist ,kann sie nicht verhindern aber für die betroffene Bevölkerung mildern und Hilfe bieten.

    Zu was führt die geplante Reform? Reduzierung der Transportkapazitäten (Hubschrauber, Flächenflugzeuge, Geländegängige LKW uvm) und Personal.
    Welche Auswirkungen die Situation der Bw schon jetzt hat, konnte man sehen wenn im Norden mal etwas mehr Schnee fällt.

    Wenn die Begründung für Atalanta die Sicherung der Handelswege ist, dann bin ich mal gespannt was der Handel demnächst so in Süd-Ost-Asien macht und wie wir ihn dann ggf sichern.

    Aber wenn Japan keine Autos produziert, können wir ja mehr verkaufen, man macht im Sommer wieder öfters Urlaub Zuhause und der Ölpreis fällt auch. Dann hat es am Ende für uns noch Vorteile.
    Sicherheitspolitisch eine evtl gute Meldung (mal was anderes).

    Katastophenschutz war laut KTFzG Kernauftrag der Bw und sollte es auch bleiben.
    Auftrag => Ausstattung+Personal(mit Fähigkeit) = Handlungsfähigkeit.

    Aber wenns beim eigendlichen Kernauftrag (Verteidigung) schon nicht klappt, warum dann da.

  6. Etwas grundsätzliches zur Information über die aktuelle Lage in Japan:

    Ich habe seit Samstag aufgehört, mich über deutsche Medien zu informieren. Was sich im Augenblick abspielt ist nicht mehr und nicht weniger als eine Massenhysterie. Die Leute kaufen Jod-Tabletten und Geigerzähler, eine Tartaren-Meldung jagt die nächste.

    Diese besondere deutsche Befindlichkeit wird übrigens auch schon im Ausland registriert, heute morgen kam dazu ein Bericht beim BBC World Service.

  7. Kein Volk ist so häufig beschämt, betroffen oder in Ängsten wie das Unsrige… Schon traurig

  8. Hm, ich gebe zu: wenn bei drei Reaktoren in wenigen hundert Kilometern Entfernung eine Kernschmelze „sehr wahrscheinlich“ ist (so inzwischen die offizielle Angabe), dann hätte ich einfach Angst. Und das ist glaube ich keine Frage der Nationalität.

  9. @chickenhawk

    Ich bin da ganz Ihrer Meinung. Wie schon seit Wochen, mit der G.F. nahm alles seinen Lauf, verbreitet der SPON eine reißerische Mail nach der Anderen. Es ist erschreckend wie durch diffuse und oftmals völlig oberflächliche und durch keine Quellen begründete Meldungen im Minutentakt Online sind und durch andere renommierte Onlineableger übernommen werden, um bloß am Ball zu bleiben. #1 Beispiel ist der Versuch einen gestiegenen Umsatz bei Fahrradläden in Tokyo als Massenpanikvorbereitung zu sehen, dabei wollen die pflichtbewussten Japaner nur weiterhin, ohne Massentransportmittel, zur Arbeit und zurück kommen….dachten wir….Der bereits genannte Journalist ließ sich nicht täuschen! Schließlich erwartet der Deutsche Massenhysterie!

    Aber die Panikmacher in Hamburg mal beiseite. Ist derzeit ein Einsatz Bundeswehrkräfte in Japan geplant? ABCTr, PiTr, Heeresflieger und die ein oder anderen Sanitäter würden mir da schlagartig einfallen. Klar, dass wir gegen die hochgerüsteten THW-Kräfte im Umgang mit Radioaktivität keine Ahnung haben und uns vielleicht in solchen Fällen lieber in good old German barracks verstecken sollten.

    Des Weiteren, ist seit den letzten Vorfällen eine Reduzierung bzw. radikale Systemstreichung einzelner Waffensysteme / Truppengattungen zu überdenken. Wer oder was (Eid?) zwingt denn, z.B., die Angestellten einer zivile Bertreiberfirma nach solch einer immensen Katastrophe dazu ihr Leben zu opfern, um ggf. eine weitere nationale Katastrophe abzuwenden?! Wer stellt regional übergreifend die innere Sicherheit und ist flächendeckend mit ABC-Schutz etc. ausgestattet und kann diese Hilfe weltweit (ohne größere Einschränkungen im öffentlichen Dienst in Deutschland) gewährleisten. Eine Vernachlässigung des noch vorhandenen Fähigkeitsdispostiv, welche die Bundeswehr in solchen „worst case“ Szenarien besitzt, kann aufgrund des global players „Mutter Natur“ tödliche Folgen haben.

  10. Geschenkt, da geht es uns allen glaube ich ähnlich. Aber:

    Wenn in einem Land, was tausende Kilometer weit weg ist, Geigerzähler, Jodtabletten, Kerzen und die Bibel ausgehen, weil die Leute panisch vorm Ende der Welt noch einkaufen müssen, um sich anschließend in Lichterketten gegen Atomenergie einzureihen, während in Japan noch gegen die Katastrophe gekämpft wird, dann läuft irgendetwas gehörig falsch, meiner Meinung nach…

  11. @ Elahan:
    Katastrophenschutz ist für die Bundeswehr kein Kernauftrag. Nach Art. 35 Grundgesetz kann die Bundeswehr subsidiär zur Bewältigung von Katastrophen herangezogen werden. http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_35.html
    Dazu hält die Bundeswehr zwar im Rahmen der Zivilmiliärischen Zusammenarbeit in Form von Landeskommandos und Verbindungskommandos auf Kreis- und Regierungsbezirkebene (letzte beide ausschliesslich mit Reservisten besetzt) Personal bereit, die sich um die Koordination und Führung von Unterstützungsleistungen kümmern. Darüberhinausgehend wird jedoch keine eigene Kapazität vorgehalten sondern auf Truppe und Gerät zurückgegriffen, die dafür aus anderen Aufträgen herausgelöst werden müssen. Dass es für die Bundeswehr auch nciht um eine Kernaufgabe geht sieht man im übrigen auch daran, dass die Einsatzführugn insgesamt immer bei den zivilen Krisenstäben bleibt. Die Aufträge kommen von der zivilen Seite und werden von der Truppe umgesetzt, eine eigene unabhängige Operationsführung erfolgt nicht und ist auch nicht zulässig.
    Auftrag, ja, Kernauftrag? Nein.

  12. (Ich bin kein Nuklearmediziner und hoffe, dass ich mich kolossal irre!)

    Bezug NYT-Artikel über Helikopter der USS Ronald Reagan:

    Hubschrauberbesatzungen akkumulierten innerhalb einer Stunde eine Monatsdosis und waren 60 Meilen (ca.110 km) nördlich vom Unglücksreaktor entfernt. Damit ist die Strahlung über 700 mal stärker als Normalwert.

    Folgend grobe Annahmen:

    Der Normalwert der Strahlung in Deutschland beträgt 4 mSv (mili Sievert) = 0,4 REM. (Quelle: BMU, Jahresbericht 2009)

    Eine Monatsdosis beläuft sich somit auf 0,033 REM (entspricht 0,33 mSV).
    Das bedeutet die Hubschrauberbesatzungen der USS Ronald Reagan haben ungefähr 0,033 REM innerhalb einer Stunde aufgenommen.

    Werden diese Werte wieder hochgerechnet (ich weiß nicht ob dies zulässig ist), würde dies zu einer Jahresdosis alle 12 Stunden führen. (Entspräche einem Röntgenbild alle 3 h!)

    2 Jahresdosen alle 24 Stunden.

    100 REM (1 Sievert) wären innerhalb von knapp 126 Tagen erreicht.

    Innerhalb eines Jahres wären über 280 REM erreicht.

    Diese Werte wurden am Samstag (12.März 2011) gemessen. Zu diesem Zeitpunkt war erst der erste und kleinste Reaktor explodiert!

    Wenn tatsächlich drei Reaktoren von einer Kernschmelze betroffen sind, morgen der Wind in Richtung Tokio weht und tatsächlich (wie vorhergesagt) Niederschlag auftritt, könnten Millionen von Menschen erheblich verstrahlt werden.

    Das wäre eine Katastrophe wie sie die Menschheit bisher noch nicht erlebt hat.

    Die Auswirkungen wären deutlich über denen von 911 und Tschernobyl zusammen.

    Ich gehe davon aus, dass den Regierungen all dies bekannt ist. Dies würde auch das überstürzte Moratorium der Laufzeitverlängerung in Deutschland erklären.

    Ich hoffe, dass ich sachkundig korrigiert werde!

  13. Naja, „Achse des Guten“…

    Nicht dass die Ausführungen per se schlecht wären, aber teils sind sie schon etwas optimistisch.

    Zum einen wird ja bereits in zwei Reaktoren Meerwasser in die Druckbehälter eingeleitet um ein Trockenliegen der Brennstäbe zu vermeiden. Das bedeutet aber auch, dass teilgeschmolzene Brennstäbe in Kontakt mit dem Wasser in Berührung kommen, und eben auch Partikel der Brennstäbe mit dem abgelassenen Wasserdampf ins Freie gelangen können. Auf dieses Vermischen von angeschmolzenen Brennstäben und Kühlwasser geht der Artikel gar nicht ein.

    Die zweite Annahme ist, dass der Sicherheitsbehälter um den Druckbehälter auch im Falle einer Kernschmelze halten wird. Das bleibt zu hoffen, weil dann die Zahl der freiwerdenden auf jene mit dem Dampf entweichenden beschränkt bliebe (aber auch das wäre im Falle einer Kernschmelze nicht so rein wie im Artikel dargestellt). Ob dem so ist wäre aber die andere Frage.
    Den Aussagen nach scheint auch der Sicherheitsbehälter mit Wasser geflutet. Auch hier besteht die Gefahr, dass es zu Überdruck oder einer Wasserstoffexplosion kommt.

    In dem Zusammehang ein Verweis auf die Welt: Entscheidendes Ventil in Fukushima-Reaktor klemmt

    Die Wiki-Seite zum Sicherheitsbehälter: Containment (Nukleartechnik)

  14. Es ist schon beschämend, wie mancher Deutsche um sich selbst kreist. Laut SPIEGEL haben heute zehntausende auf Mahnwachen für den Atomausstieg demonstriert.

    Wenn schon Mahnwachen, bitte dann erst mal für die Opfer des Erdbebens in Japan oder, noch besser, statt Mahnwachen aktives Spendensammeln für die Opfer .
    Alles andere hat noch ein wenig Zeit.

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,750817,00.html

  15. @Hohenstaufen

    ganz meiner Meinung! Diese „Ich“-bezogene Gesellschaft! Völlig unbrauchbareJodtabletten werden knapp und Japanische Flugzeuge mit Japanern sollen bloß nicht mehr auf den eigenen Flughäfen landen, man könnte ja beim versehentlichen Händeschütteln verstrahlt werden… Erschreckend!
    Völlig ohne Sinn und Verstand wird der Grüne Atomstammtisch eröffnet und Japan ist eigentlich nebensächlich! Hat eigentlich jemand den Einschlag eines Meteors bedacht – kann die Bundeswehr den Abschießen, sollte ich lieber heute schon als morgen die Jodtabletten einnehmen und wie baue ich einen Atomschutzbunker in antijapanischer Windrichtung…!

    Frage (vielleicht kann mir die ja jemand beantworten): Warum kutschieren THW-Mitarbeiter Deutsche aus Erdbebengebiet nach Tokyo? War die Ortsgruppe des THW das letzte Aufgebot der Bundesregierung?

  16. Vielleicht noch der Hinweis, dass die USS Ronald Reagan, welche gerade der Strahlenwolke ausweicht, atombetrieben ist…

  17. „Spiegel Online“ sollte (zumindest was Japan angeht, gilt aber auch für Afghanistan und andere Themen) nicht als seriöses Informationsangebot wahrgenommen werden.

    Beispiel: Gerade kommt die Meldung über „sehr hohe Strahlenwerte“ bei Tokyo. Hintergrund ist ein „neunfacher Anstieg“ der Strahlung. Diese Angabe bezieht sich aber auf den sehr niedrigen Normalwert. Die Strahlungswerte sind nun also nicht „sehr hoch“, sondern insgesamt niedrig (statt sehr niedrig).

    Beispiel: Schlagzeile „Regierung warnt vor gesundheitsgefährdender Strahlung“. Das stimmt, bezieht sich aber nur auf die unmittelbare Nähe zum Reaktor.

    Beispiel: Der typische Spiegel-Online-Stil. „Wer glaubt, mehr Pech könne niemand haben, sieht sich getäuscht“…“Viel schlimmer geht es eigentlich nicht mehr“…“Prypjat hatte einst rund 50.000 Einwohner und ist heute eine Geisterstadt…“ Es geht, wohlgemerkt, um niedrige Strahlungswerte und ihre möglichen Folgen für Tokyo.

    Bei Spiegel Online findet wieder einmal unseriöse Panikmache und an Desinformation grenzende Verzerrung von Fakten statt. Das Hauptproblem der Japaner ist im Übrigen das Risiko neuer Beben und Tsunamis, die im Gegensatz zu den Problemen in den AKWs tatsächlich Todesopfer in großer Zahl fordern und ganze Städte zerstören können.

  18. Und laut Spiegel hat der SuperGAU übrigens schon statt gefunden. Nachzulesen in der aktuellen Ausgabe.

  19. Wenn wir einen GAU erleben, dann ist das der des deutschen Journalismus:

    Der Kommentator in der Westdeutschen Zeitung heute schießt den Vogel ab. Er schreibt, die Deutschen seien den anderen Völkern der Welt überlegen, was die Bewertung der Risiken von Atomkraft angehe.

    Und Angela Merkel fordert er auf, den Chinesen die Atomkraft auszureden.

  20. Vielleicht interessierts ja wen: In Fukushima I, Reaktor 2 wurde der äußere Sicherheitsbehälter beschädigt. Zusammen mit einer Kernschmelze wäre das in der Tat wohl das, was man umgangssprachlich als Super-GAU bezeichnet wenn man an Tschernobyl denkt. Dass bereits ein auslegungsüberschreitender Störfall vorliegt (also ein Super-GAU im technischen Sinne), ist glaub ist nicht mehr zu bestreiten.

    Die Strahlenmenge liegt mittlerweile bei 11,9 Sv die Stunde, das ist pi mal Daumen das 80.000-fache der natürlichen Strahlendosis. In Relation gesetzt: Gestern lag die Strahlung noch bei 0,02 Sv die Stunde; etwa 4 Sv in „kurzer“ Zeit führen zu schwerer Strahlenkrankheit (50% sterben innerhalb 30 Tagen).

    Da die Brennstäbe in Reakter 2 zweimal komplett trocken lagen scheint eine Kernschmelze nicht unwahrscheinlich. Einen Core Catcher, der versuchen soll die radiaktive Schlacke vom Einbrennen in den Boden abzuhalten, gibt es in den Fukushima-Kraftwerken wohl nicht.
    Leider wird es vermutlich noch schlimmer.

    Belastbare Prognosen welche Strahlenmengen dabei anfielen, und welche Auswirkungen er aufs Land hätte, gibt es glaub noch keine. Anders als in Tschernobyl gbit es keinen Brand im Reaktor, der die Partikel zusätzlich verbreiten könnte. Dafür ist Japan vergleichsweise klein und dicht besiedelt…

    Eher am Rande kommt noch ein Brand in einem Brennstofflager (angeblich nach 2 Stunden wieder gelöscht) und das Rückleiten von Kühlwasser ins Meer als Strahlungsquellen hinzu.

    Auf wikipedia hat es mittlerweile eine gute Übersichtsseite über die Ereignisse: Timeline of the Fukushima nuclear accidents

  21. @J.R.
    Danke für das Einstellen des Updates.
    Die Dinge entwicklen sich ja nicht zum Guten – ich sehe mal, ob ich einen neuen Thread eröffne (Diskussionsbedürfnis gibt es ja?).

  22. Klarstellung, Fehler bei der Einheit: Die Belastung liegt bei 11,9 milli-Sievert die Stunde (mSv/h), gestern lag sie bei 0,02 mSv/h. Das ist zwar immer noch das 80,000-fache der normalen Strahlenbelastung, macht aber hinsichtlich der Gefährdung durch akute Strahlenkrankheit einen deutlichen Unterschied.

    Das allgemeine Strahlenrisiko ist schwerer abzuschätzen, hier geht man davon aus, dass bei einer Strahlenbelastung mit 1 Sievert 5% der Bestrahlten im Laufe ihres Lebens an strahlenbedingtem Krebs erkranken.

    Der deutsche Grenzwert für die jährliche Strahlenbelastung bei Arbeitern im Kernkraftwerk liegt bei 20 mSv. Und auch vom Reaktore 2 in Fukushima wurden die meisten Arbeiter abgezogen, es sind jetzt noch weniger als 50 vor Ort.

  23. Die Darstellung in Massenmedien sind meistens leider von technischen Fehlern durchzogen. Korrekte deutsche Zusammenstellungen gibt es kaum, eine der besten (=verlässlichsten, faktenbasierten und zahlenbelegten) und aktuellsten findet sich hier:

    http://www.grs.de/informationen-zur-lage-den-japanischen-kernkraftwerken-fukushima-onagawa-und-tokai

    Dort sind auch Plots der automatischen Strahlungsleistungsmessgeräte um das KW dargestellt. Dort kann man die erreichten Werte gut erkennen. Man sieht, daß die gemeldeten Werte lokale Spitzenwerte sind, die nur an wenigen Sensoren vorliegen und auch, daß scheinbar noch kein kontinuierlicher Verlust radioaktiven Materials aus dem Containment vorliegt – die Werte gehen jeweils schnell wieder zurück.

    Auch wenn es beruhigend ist, daß damit anscheinend noch nirgendwo gesundheitsgefährdende Belastungswerte erreicht sind – schlimm genug ist das allemal.

  24. @RauscheBART
    Den eigentliche Horror kennen Sie vermutlich noch gar nicht: Die Sonne ist ein gigantischer unabschaltbarer FUSIONSREAKTOR, und jedes Mal wenn Sie sich der STRAHLUNG der Sonne aussetzen, trifft Sie eine Dosis von krebserregender RADIOAKTIVÄT!
    Und es kommt noch schlimmer: Das Erdbeben in Japan ist nämlich auch die Folge von KERNENERGIE. Es ist nämlich der Zerfall RADIOAKTIVER Elemente, der die Wärme erzeugt, welche die Plattentektonik antreibt. Ein Killer, der jederzeit zuschlagen kann und schon Millionen Menschen auf dem Gewissen hat. Die Geothermieindustrie schlägt dennoch hemmungslos Profit daraus.
    Und jetzt das übelste: Kosmische STRAHLUNG, die unablässig auf die Erde trifft, hat durch MUTAGENE Wirkung den Evolutionsprozess so beschleunigt, dass Sie und ich am Ende dabei herausgekommen sind. Wir sind also alle miteinander HORRORSTRAHLUNGSMUTANTEN!!!
    Und jetzt gebe ich Ihnen vermutlich den Rest: Die sog. „regenerativen Energien“ sind in Wahrheit nur die sekundäre Nutzung der KERNENERGIE des erwähnten FUSIONSREAKTORs, ebenso wie fossile Energieträger. Und jetzt viel Erfolg beim Ausstieg.

  25. Mittlerweile wurden laut BBC auch Spitzenmesswerte bis 400 mSv/h an einem und 100 mSv/h an einem anderen Reaktor gemessen.

    Auf Global Post gibt es auch ein interessantes Interview zum Thema: Nuclear expert: “50-50 chance of a catastrophic radiation” from Japan. (Anmerkung: Das Interview wurde vor der Explosion in Reaktor 2 durchgeführt. Aber gerade der Hinweis, dass die Integrität des Sicherheitsbehälters nur eingeschränkt Bedeutung hat, wenn man ihn sowieso täglich zum Dampfablassen öffnen muss, verdient glaub Beachtung.)

  26. Den japanischen Nachrichtensender NHK gibt es im englischsprachigen Livestream:
    http://www.ustream.tv/channel/nhk-world-tv
    Sachlich, unaufgeregt und informativ statt Spiegel-Online und Claudia Roth. Interessant auch die Schwerpunktsetzung: Die Japaner sorgen sich auffallend stark über Erdbeben (10.000+ Tote?) und halten das Nuklearthema (0 Tote) für weniger gravierend, wenn auch für wichtig. Man diskutiert interessanterweise auch nicht über Ausstieg, sondern über technische Weiterentwicklung. So wie man nach Einstürzen von Hochhäusern nicht über den Ausstieg aus der Hochhaustechnologie und Schäden an Küstenstädten nicht über Aufgabe der Küsten diskutiert.

  27. Man sollte vielleicht im Hinterkopf behalten, dass NHK ein staatlicher Sender ist.
    Aus einem kurzen BBC-Artikel von 2006: „Japanese law states that the government can tell NHK what to broadcast on its international services.“

  28. Trotzdem wird die Stimmung der Japaner treffend wiedergegeben.Man sorgt sich, will aber an der Atomkraft festhalten, da es keine sinnvolle Alternative für das Land gibt. Und nein Offshore-Windparks und Gezeitenkraftwerke sind dazu nicht in der Lage, auch wenn einige Grüne das immer wieder propagieren wollen…

  29. @J.R.
    Die Herkunft der Quelle sollte man natürlich immer im Hinterkopf behalten. Das gilt für öffentlich-rechtliche Sender in Japan genauso wie für ARD und ZDF in Deutschland. Höher als bei 90% der Darstellungen in deutschen Medien ist die Qualität der Berichterstattung aber allemal. Dort unterlegt man „Nachrichtensendungen“ ja mittlerweile sogar mit düsterer Musik (gerade gesehen auf n-tv) und interviewt Greenpeace-Aktivisten, die als „Atomkraftexperten“ vorgestellt werden. Bei NHK habe ich umgekehrt den TEPCO-Pressesprecher noch nicht in so einer Rolle gesehen.

  30. Den mMn besten Nachrichtenticker -sofern man kein japanisch kann und sich auch nicht auf die kruden automatischen Übersetzungen von http://www.jiji.com verlassen möchte- bietet die Agentur KYODO: http://english.kyodonews.jp/news/japan_quake/

    Nicht nur, dass eigentlich alle internationalen Portal von denen abschreiben. Die Quote der Falschmeldungen lag in den letzten Tagen nahe 0. Sie schreiben auch die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenzen mit. Und haben dabei idR einen Zeitvorsprung von 10-60min gegenüber allen Anderen.
    Die Schwerpunktsetzung ist dabei ok – weder panisch noch regierungstreu.

    Aus dem aktuellen Inhalt: „NEWS ADVISORY: Radiation too high for TEPCO personnel to stay in Fukushima nuke plant control rooms (20:49)“

  31. „16. März, 9:45 Uhr: Grünen-Politiker will Bundeswehr nach Japan schicken:
    Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour plädiert dafür, Japan den Einsatz von Spezialkräften der Bundeswehr zur Bewältigung der Atomkatastrophe anzubieten. Die Bundeswehr verfüge über herausragende Fähigkeiten, nuklear verseuchtes Material aufzuspüren und zu dekontaminieren. „Beides wird jetzt und später noch mehr in Japan gebraucht“, sagte Nouripour der Nachrichtenagentur dpa.
    Der Grünen-Politiker sprach sich für den Einsatz des ABC-Spürpanzers „Fuchs“ und des Truppenentgiftungsplatzes 90 (TEP 90) aus. „Ich finde es ist unsere Pflicht, beides den Japanern zumindest anzubieten.“ Die ABC-Spürpanzer „Fuchs“ der Bundeswehr haben bereits Einsatzerfahrung. Sie waren im Rahmen der Anti-Terror-Mission „Enduring Freedom“ 2002 und 2003 in Kuwait stationiert. Über den TEP 90 verfügt die Bundeswehr seit 2008. Er zählt zu den weltweit modernsten Dekontaminationssystemen.“

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