Ausländer in der Truppe? Deutscher U.S.-Soldat wird Amerikaner

Das mal als Kontrapunkt zu der hier zu Lande teils erbittert geführten (wenn auch inzwischen weitgehend erledigten) Debatte, ob Ausländer in der Truppe dienen können sollten: Ein Deutscher aus Fulda, derzeit mit den U.S.-Truppen im Afghanistan-Einsatz, wird Amerikaner: TF Phoenix crew chief earns US citizenship

KANDAHAR PROVINCE, Afghanistan – U.S. Army Sgt. Andreas Buttner (right), a 34-year-old crew chief with Company C, “Dustoff”, Task Force Phoenix, 10th Combat Aviation Brigade, 10th Mountain Division, Task Force Falcon, proudly displays his certificate of citizenship as he stands next to his escort, U.S. Army Chief Warrant Officer 3 Allan Mace, also with Co. C, TF Phoenix, at Kandahar Airfield Jan. 29.  Buttner is originally from Fulda, Germany. Mace is a native of Sacramento, Calif. (Courtesy photo)

6 Gedanken zu „Ausländer in der Truppe? Deutscher U.S.-Soldat wird Amerikaner

  1. Der Spiegel brachte vor einigen Jahren einen Artikel über Deutsche in den US-Streitkräften. Die Zahl wurde, wenn ich mich recht entsinne, mit gut 100 angegeben.

    Es gibt (gab) ein Blog einer jungen Deutschen in der US Army, welches allerdings nicht mehr aktualisiert wird:

    http://strangearmyworld.blog.de

  2. Das ist jetzt keine Besonderheit, dass Deutsche zu den Amis wechseln.

    Insbesondere im Zeitraum 2002-2005 gab es da mutmaßlich zahlreiche Fälle, bei denen man sogar davon ausgehen kann, dass diese Form der „Zusammenarbeit“ sogar in der politischen/militärischen Führung gern gesehen wurde, weil so Fähigkeiten „übergeben“ werden konnten, die die Amis gerade dringend brauchten, die Deutschen zwar hatten, aber politisch bedingt nicht offiziell einbringen wollten/durften.

    Wäre sicherlich interessant, wenn Wikileaks dazu einige Verschlusssachen veröffentlichen würde… es würde in der Öffentlichkeit ein ganz neues Bild der damaligen Regierung entstehen.

  3. @Sun Tzu
    Genau deshalb hat mich die heftige Ablehnung der Überlegung (!), ähnliches bei der Bundeswehr als Regelfall zuzulassen, doch etwas überrascht.

  4. In den USA hat es eine lange Tradition, dass Einwanderer sich von den Streitkräften anwerben lassen. Immigranten stellten im 19. Jahrhundert oft die große Mehrheit der Soldaten.

    Unter den Gefallenen der Siebenten US-Kavallerie in der Schlacht am Little Big Horn 1876 befand sich eine beträchtliche Anzahl Deutscher.

    Heute ist es für Nicht-Staatsbürger Voraussetzung für den Wehrdienst in den US-Streitkräften, dass sie bereits ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht („green card“) haben. Dieser Personenkreis unterliegt übrigens in den USA der Wehrerfassung (vgl. http://www.sss.gov ), die es in den USA nach wie vor gibt (das dürfte hierzulande einige überraschen).

    Zuletzt wurden z. B. im Vietnamkrieg Männer ohne amerikanische Staatsangehörigkeit, aber mit green card, zum Wehrdienst eingezogen.

    Auch in deutschen Medien wurde in der Vergangenheit über Ausländer in den US-Streitkräften berichtet; oft wurde dabei der Eindruck erweckt, als würde man arme Schlucker mit der Aussicht auf Erwerb der amerikanischen Staatsangehörigkeit für den Krieg im Irak oder Afghanistan anlocken.

    Das trifft aber nicht zu, denn jeder Einwanderer mit green card verfügt bereits über einen gesicherten Aufenthaltsstatus, der früher oder später auch zur US-Staatsangehörigkeit führt.

  5. Ja, jetzt poste ich :)

    Warum ist das so erstaunlich? Ich versuch mal.

    Die USA sind von Grund auf ein absolutes Einwandererland. Diese Nation begründet sich auf starken Werten, die es ermöglichen, einen Konsens unter verschiedensten Menschen herzustellen. Ist eventuell schonmal jemandem aufgefallen (oke, das wird frech), dass es in den USA im wesentlichen nur zwei Parteien gibt? Zwei Parteien, die sich in den meisten Punkten überhaupt nicht unterscheiden. Zumindest teilen sie ein unerschütterliches Fundament an Werten, die bereits mehrere hundert Jahre alt sind. Die Stärke der USA begründet sich darin, „hungrige“ Menschen aus aller Welt angezogen zu haben.

    Unser liebes Schland gründet auf etwas, zu dem man sich nicht entscheiden, entschließen oder erziehen kann, nämlich der Abstammung. Es gibt praktisch gar kein echtes Geistesfundament. In gleichen Traditionssystemen in einigen Nachbarländern wird das deutlicher. Nehmen wir mal Dänemark. Wie viele Parteien gibt es in Dänemark, die im Folketing sitzen (und dabei zum Teil extrem variieren)? 9! Wenn auch einige mit wenigen Sitzen. Im norwegischen Storting sitzen 7 Parteien.

    Dies erscheint mir erstmal als eine grundlegende Erklärung, warum viele (ich war da ja auch recht kompromisslos und fast extrem) das so in Deutschland nicht haben wollen.

  6. Die Diskussion über den Militärdienst von Menschen mit ausländischen Wurzeln trägt teilweise absurde Züge und geht an der deutschen Lebenswirklichkeit oft Lichtjahre vorbei. In den meisten deutschen Polizeien dienen in allen Laufbahnen schon seit Jahren Männer und Frauen als Polizeivollzugsbeamte, die die deutsche Staatsangehörigkeit (noch) nicht besitzen. Beamtenrechtlich brauchen sie das auch gar nicht. Ob in Uniform oder Zivil, sie sind ganz normale vollwertige Polizisten und werfen wie viele Kollegen gelegentlich ihre Gesundheit und ihr Leben für die Sicherheit von Bevölkerung und Staat in die Waagschale. Hat das noch niemand gemerkt? Komisch, es sind nämlich nicht gerade wenige. Warum sollte das bei der Bundeswehr anders sein?

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