NATO-Generalsekretär: Truppenaufstockung in Afghanistan möglich

An so einem langen Wochenende geht schon mal was unter, was nicht zu den aktuellen Top-Meldungen gehört. Deshalb hier als Merkposten; es wird sicherlich noch mal bedeutsam werden: Die NATO könnte, so sagt ihr Generalsekretär, die Zahl ihrer Truppen in der Mission Resolute Support in Afghanistan in absehbarer Zeit wieder aufstocken.

Die Aussage machte Jens Stoltenberg in einem Interview der Welt am Sonntag vom (gestrigen) 30. April. Da das Interview ohnehin hinter einer Paywall steht, hier der Verweis auf eine Zusammenfassung bei der Deutschen Welle:

Die Sicherheitslage in Afghanistan sei eine „Herausforderung“, sagte Stoltenberg der „Welt am Sonntag“ (WamS). Daher beschäftige sich das Militärbündnis mit der Frage, „ob wir die Ausbildungsmission ‚Resolute Support‘ mit derzeit rund 13.000 Mann personell weiter aufstocken werden“.

Zudem werde erwogen, die Trainingsmission nicht mehr wie bisher von Jahr zu Jahr zu verlängern, „sondern um einen größeren Zeitraum“, sagte der ehemalige norwegische Ministerpräsident dem Blatt.  (…) Eine Entscheidung darüber werde voraussichtlich im Juni fallen.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder heftige Angriffe der Taliban auf die afghanischen Sicherheitskräfte gegeben; bei dem Angriff auf ein großes Armeecamp in Masar-i-Scharif im Norden des Landes waren vor gut einer Woche weit mehr als 100 afghanische Soldaten ums Leben gekommen. Die NATO-geführte Resolute Support Mission ist nur für die Beratung und teilweise Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zuständig; die US-Truppen im Land unterstützen dagegen auch mit Kampfeinsätzen die Regierung in Kabul.

Im Zusammenhang mit dem Besuch von US-Verteidigungsminister Jim Mattis in Afghanistan in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die USA über eine deutliche Erhöhung ihrer Truppen nachdenken – nach Medienberichten um bis zu 5.000 Soldaten. Bei einer Pressekonferenz in Kabul hatte Mattis angekündigt, dass er Vorschläge für das weitere Vorgehen nicht nur dem US-Präsidenten Donald Trump machen werde, sondern auch dem NATO-Generalsekretär und allen Nationen, die derzeit Truppen am Hindukusch haben.

Die Bundeswehr ist derzeit mit knapp 950 Soldaten in Afghanistan präsent, davon mehr als 800 im Ausbildungskommando im Norden mit Sitz in Masar-i-Scharif. Damit hat die Bundeswehr auch die Personalobergrenze von 980 Soldaten praktisch ausgereizt; eine Aufstockung müsste dann in einem neuen Mandat beschlossen werden. Das aktuelle Mandat für die deutschen Soldaten am Hindukusch läuft bis zum Jahresende.

(Foto: Soldiers of C Troop, 1st Squadron, 14th Cavalry Regiment, 1-2 Stryker Brigade Combat Team, conduct training and missions at Bagram Airfield, Afghanistan, April 1, 2017 – U.S. Army photo by Capt. Brian H. Harris)

33 Kommentare zu „NATO-Generalsekretär: Truppenaufstockung in Afghanistan möglich“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   01. Mai 2017 - 18:53

    Das ist dann mal ein realpolitisches Thema, dass mit offenen Briefen nicht lösbar wird.
    Die U.S. Entscheidung zur Aufstockung steht quasi, siehe obigen Link zu „Military Times“. Bei REUTERS kann Ähnliches nachverfolgt werden.
    Mit der Stoltenberg-Ankündigung, die lediglich in der Öffentlichkeit neu sein dürfte, erhöht sich der politische Druck im Vorfeld des 25. Mai 17, NATO Gipfel in Brüssel in Anwesenheit von Trump. Das 2%, bei uns im Zuge des Schreibens offener Briefe verdrängt, kommt sicher auf der Agenda zu stehen. Deutsche Kampftruppe wird aus U.S.-Sicht Teil einer FAIREN (Trumps Lieblingsbegriff) finanziellen Aufgabenteilung sein können. Die Frau Ministerin muss schleunigst ihr HALTUNGSPROBLEM auf profane Operationsführung umdirigieren.
    Schwerpunkt der U.S. Verstärkungen wird bei SOF und Marines liegen, die allerdings nicht in erster Linie als Kampftruppe Verwendung finden sollen. Vielmehr wird die Zahl AFG SOF sowie deren Befähigung eigenständiger Feindbekämpfung verbessert werden. Die zusätzlichen Truppen werden also primär in der TAA-Rolle, auch für Polizeikräfte, zum Einsatz kommen.
    Ob diese Rolle „nicht direkter Betroffenheit“ eine DEU Entscheidung in Zeiten des Wahlkampfes und angesichts der „Beliebtheit“ eines POTUS45 erleichtert, eher nicht.
    Als sicher muss gelten, mit Briefen im öffentlichen Raum kommt in Berlin niemand mehr (auf und) davon.

  • Koffer   |   01. Mai 2017 - 19:07

    Ich halte das für durchaus nachvollziehbar. So ärgerlich sich der Einsatz in den letzten 15 Jahren entwickelt hat, so kann man doch nicht jetzt auf halber Strecke aufhören und die aktuelle Truppenstärke ist ja nun wirklich nichts halbes und nichts ganzes…

  • KeLaBe   |   01. Mai 2017 - 19:20

    Die Halbherzigkeit des AFG-Engagements zieht sich in der Tat durch die letzten 15 Jahre. Vielleicht sollte man sich mal offen und selbstkritisch die schmerzhafte Erkenntnis eingestehen: Wir haben uns leider verspekuliert mit unseren verfehlten Konzepten und hohen Erwartungen. An der Börse (ich weiß, das ist in keiner Weise vergleichbar!) würde man in einem solchen Fall sagen: Dem schlechten Geld kein gutes hinterherwerfen. Also wie lange noch ein „Weiter so“, trotz des ernüchternden Trends? Der Gedanke Stoltenbergs überzeugt nicht wirklich – obwohl vielleicht wenig anderes übrig bleibt.

  • Memoria   |   01. Mai 2017 - 20:07

    Neben der quantitativen Dimension frage ich mich, ob das verstärkte beraten von ANDSF auf taktischer Ebene erfolgen soll (so kann man den Military Times Artikel lesen).

    Warum es aber nun auf einmal besser werden soll, ist mir auch nicht klar.

    Aber im BMVg

  • Memoria   |   01. Mai 2017 - 20:08

    Und AA hat man sicher schon einen guten Plan.
    Wie die letzten 15 Jahre.

  • Fux   |   01. Mai 2017 - 20:19

    Dazu fällt mir nur ein: „Wie man tote Pferde reitet“ ..

  • AoR   |   01. Mai 2017 - 20:25

    @KPK: Also nimmt man den AFG Soldaten erst ihre Waffen weg, wegen Innentätern, und jetzt kriegen die sie wieder? Ich hoffe sie hören den Sarkasmus heraus.

    M.E stecken die strukturellen Problem AFG in den Köpfen der Menschen vor Ort in einem Continuum zwischen Duldung Taleban bis zu Flüchten in den gelobten Westen. Der Schlächter von Kabul, Hekmatyar, tritt wieder öffentlich auf und will Frieden für ein in Seinen Augen „isl.“ AFG. Nachdem er eine ganze Basis unbewaffneter AFG Soldaten hat metzeln lassen.

    Sagen sie es?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   01. Mai 2017 - 20:35

    @Memoria
    Weder BMVg noch AA ist zum Thema – abgestimmt – irgendetwas klar.
    Deren gegenwärtige Schwerpunkte liegen in offenen Briefen samt Haltungsfragen sowie am Horn von Afrika. Bleiben dabei noch zu strategischem Denken befähigte Köpfe frei, zu so Alltäglichem wie politischen Absichten und operativer Vorgehensweise in AFG entscheidungsreif vorzutragen?

    Ich hoffe sehr, zum NATO-Gipfel am 25. Mai in Brüssel besteht wenigstens irgendetwas, das die Bezeichnung Plan erfüllt, innerhalb der Kernministerien. Alle werden gefordert sein, auf jeden Fall in puncto Finanzierung.

    Trump wir dort mit Sicherheit samt klarer Vorstellungen lautstark auftreten.
    Übliche DEU Angebote zur Förderung der Zivilgesellschaft samt NGO-Untersützung werden nicht mehr verfangen, so hilfreich und notwendig sie auch sein mögen.
    Mit dem neuen inner AFG-Plan https://www.dawn.com/news/1323570 zur Aufstockung eigener SOF-Befähigung (Afghanistan to double special forces from 17,000 as Taliban threats grow) könnten konkrete Forderungen der Beteiligung des KSK, zu Ausbildungszwecken, einhergehen.
    Wenn es letztlich tatsächlich „nur“ um Ausbildungshilfe ginge, hätte BMVg noch eine Chance, sich wortreich vor der Öffentlichkeit alles schön zu reden. Schwierig wird es angesichts des Wahlkampfes mit dem dann erforderlichen neuen Mandat, – der GroKo-Partner distanziert sich -, bestimmt.

  • Alarich   |   02. Mai 2017 - 0:18

    Die sollen es Bleiben lassen
    die haben jetzt schon kein Gerät für Mali das zum teil noch geht

    und für Osteuropa sind die immer noch zu Schwach

    und macht das noch Sinn nein
    Nach dem Taliban und Russland zusammen arbeioten gegen IS macht das kein Sinn

    und Russland fängt an Serbien zu Enstabilsieren das es Abnützung Krieg im Balkan wieder kommen soll

  • Alex   |   02. Mai 2017 - 0:50

    Jetzt hat fast jeder afgh. Soldate ein M16, aber wie sieht es denn sonst so mit der Ausrüstung aus? 3-6 Mi-24 und 30 MD 500? mobile Artillerie? Funktionierende Logistik?
    Das reicht nicht einmal um den Status quo aufrechtzuerhalten.

  • Ini   |   02. Mai 2017 - 7:45

    Afghanistan ist verloren. Schade um die guten Menschen vor Ort. Der Kern des Übels ist Saudi Arabien, die an der pakistanischen Grenze tausende Madressen errichtet haben und dort für ständigen Taliban Nachwuchs sorgen. Dazu kommt die afghanische Mentalität jeden Ausländer entweder als Gast oder Invasor zu betrachten. Da können wir nichts gewinnen. Also raus.

  • klabautermann   |   02. Mai 2017 - 11:58

    Ohne Strategie, Plan, Sinn und Verstand schlägt die Regierung Trump immer nur auf die „Mehrmehrmehr“-Pauke: mehr Geld, mehr Material, mehr Personal der Partner in den US-lead-global-MIK. Und der kleine Trommelbub der NATO-Militär-Musik-Kapelle begleitet diese Pauke im Takt mit kleinen Trommelwirbeln. Der große Paukenschläger darf ja nicht verärgert werden, sonst kommt er vielleicht doch nicht nach Brüssel.

  • uli   |   02. Mai 2017 - 12:30

    @AOR
    Die Einigung mit G. Hekmatyar, und damit der Hezb-e Islami (eine der, wenn nicht die kampfkräftigste Fraktion der afghanischen Insurgency), war wohl einer der größten Erfolge der letzten 10 Jahre. Einen gesprächsbereiten Warlord auf Seiten des Widerstandes zu finden ist an sich schon nicht leicht, aber einen mit reiner Weste zu finden ist nun mal unmöglich. Darüber hinaus genießt G.H. in weiten Teilen Afghanistans hohes Ansehen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   02. Mai 2017 - 14:09

    Bereits Fakten schaffend ist das Marine Corps zurück in HELMAND, einer Provinz, die für Taliban und Zentralregierung von ökonomischer Bedeutung ist.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Helmand_(Provinz)
    Taliban genießen innerhalb von Helmand aber auch den Vorteil der unübersichtlichen Grenzlage über KANDAHAR nach PAKISTAN mit entsprechenden Ausweichmöglichkeiten.
    https://www.marinecorpstimes.com/articles/marines-will-help-afghans-retake-strategic-helmand-province-ambassador-says
    Ob die kürzlich in HELMAND eingetroffenen ca. 300 Marines zur weiteren Ausb des Afghan National Army’s 215th Corps und der der 505th Zone National Police auf das Gesamtkontingent der 5.000 Verstärkungskräfte anrechnen, bleibt unklar.
    @Alex
    Wesentliches wird die Embraer EMB 314 Super Tucano als CAS – Mittel erreichen können. Piloten- und Einsatzausbildung läuft in den USA.

  • AoR   |   02. Mai 2017 - 18:14

    @uli: Zustimmung, einer der größten – den tatsächlichen Rahmenbedingungen vor Ort – geschuldeten – Erfolge. Ich hab nur auch immer das Echo der Erwartungen, welche an die Lageentwicklung gestellt wurden, im Hinterkopf.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   02. Mai 2017 - 19:57

    Resolute Support bekommt, so der Eindruck bei http://www.longwarjournal.org/archives/2017/05/taliban-and-islamic-state-clash-in-eastern-afghanistan.php
    unerwartet Unterstützung gegen die Taliban von ungewohnter Seite.
    In der ostafghanischen Provinz Nangarhar (gegenüber der westpakistanischen Terrorhochburg Waziristan gelegen) hat sich eine Daesh-Truppe von bis zu 3.000 Kämpfern etabliert, die drauf und dran sind, die Taliban zu schlagen.
    In dem Maße, wie Daesh sich in Mittleren Osten der Vernichtung ausgesetzt sieht, parallel im Magreb nicht Fuß fassen kann, fasert das „Kalifat“ Richtung Zentralasien aus.
    Das muss RSM nun nicht beruhigen. Allerdings, Talibs die gegen Daesh vernichtet werden und vice versa, stellen für ANA und RSM keine Gefährdung dar.
    Zum Thema auch: https://www.tagesschau.de/ausland/is-taliban-101.html mit dem Hinweis auf Diadochenkämpfe innerhalb der Taliban nach dem Tod von Taliban-Gründer Mullah Omar.
    Nicht wenige stellen sich offenbar die Frage, „wer hat die stärkeren Bataillone“ und wechseln die Seiten.

  • 2ct.   |   03. Mai 2017 - 8:19

    Heute Morgen in Kabul. NATO Konvoi in der Nähe der U.S. Botschaft.

    http://www.aljazeera.com/news/2017/05/blast-rocks-central-kabul-embassy-170503034511018.html

  • Wunduk   |   03. Mai 2017 - 12:35

    @uli – volle Zustimmung!

    Die Rueckkehr Hekmatyars nach Afghanistan ist ein grosser politischer Schritt. Demonstriert die prinzipielle Faehigkeit von Team Ghani einen Verhandlungsweg einzuschlagen. Taliban und andere muessen jetzt fuerchten, dass andere warlords einen Separatfrieden mit der Regierung nicht nur suchen sondern nun auch finden werden. Solche Separatfrieden waren von Mitgleidern im Team Karzai regelmaessig torpediert worden. Es wird Zeit brauchen, aber langfristig ist die Verlegung der Afghanen mit Hauptwohnsitz Schamschato (Peschawar) nach Afghanistan eine strategische Verringerung des Rekrutierungspools in Pakistan. Taliban und IS Chorasan fischen ja in derselben Suppe.

    @KPK

    IS Chorasan ist sehr nahe mit Zentralasien verknuepft. Der Kern sind Araber, arabisierte Afghanen und Pakistaner, aber auch Tadschiken und Turksprachige Zentralasiaten. Gulmurod Chalimov, ehemaliger Oberst der OMON und Kdr Praesidentengarde Tadschikistan hatte viele ehemalige Mitglieder seiner Einheit erst nach Syrien/Iraq, und nun in Afghanistan geparkt. Gerade in NAfg sind diese IS-Anhaenger sehr gut aufgestellt, siehe rezente Kaempfe in Dschawsdschan und Badachschan. Starker pakistanischer Arm der IS Chorasan Leute hat schon den dritten Schattengouverneur der Taliban fuer Nangarhar in Folge ermordet (hat ISAF/OEF nie geschafft). Langfristig viel gefaehrlicher als Taliban.

    Ein Aufwuchs deutscher Praesenz in Camp Marmol wird wahrscheinlich kommen. Genau wie oben ausgefuehrt.

    Terrorangriffe, insider attacks und green on Blue wird es weiterhin geben, auch in Kabul, und auch auf deutsche Ziele, unabhaengig davon ob es vermehrtes Engagement gibt oder nicht.

    Natuerlich werden weiterhin viele Afghanen nicht die Helden spielen und sich mit den Taliban arrangieren wollen, oder im Falle der geldigeren Schichten ans Auswandern denken (ubi bene ibi patria), vor allem wenn siesich eingeladen fuehlen. Aber die extremen Gewaltorgien der lezten Angriffe haben auch einen Gegentrend ausgeloest. Und es geht bei der ANDSF Rekrutierung ja um die Mittelschicht. Zu reich um mittellos nach Iran oder Pakistan zu fliehen. Zu arm, um sich die Passage nach Europa zu erkaufen oder – wie oft – auf Kredit finanzieren zu lassen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   04. Mai 2017 - 20:23

    Gulbuddin Hekmatyar zurück auf großer afghanischer Bühne in Kabul, nachdem er 1996 von den Taliban vertrieben worden war.
    Sei aktueller Ansatz ist es, Fredens- zumindest Verständigungsgespräche mit den Taliban zu eröffnen. Sein Appell an die Taliban: „Let’s end the war, live together as brothers and then ask foreigners to leave our country.“
    Fraglich, bringt er noch eigen Kämpfer zusammen, ihm treu ergeben?
    http://www.bbc.com/news/world-asia-39802833

  • Memoria   |   09. Mai 2017 - 7:22

    Bevor erneut über mehr Soldaten nachgedacht wird, wäre es notwendig über die grundlegenden Probleme nachzudenken.

    Es fehlt weiter ein positi

  • Memoria   |   09. Mai 2017 - 7:26

    Positiver Zweck. Also wofür gekämpft wird.

    Die Bedeutung der Korruption wurde hier viel zu lange unterschätzt.

    Einige Einblicke in die Probleme hier:
    http://breakingdefense.com/2017/05/why-we-lost-the-afghan-war/

    Dem Fazit ist kaum etwas hinzuzufügen:
    „Insurgencies are centripetal, moving from the countryside into the government centers. The Special Forces’ dictum has long been that if an insurgency isn’t shrinking, it’s succeeding. The Taliban don’t need to come to the negotiating table. Thanks in part to the failed counter-corruption campaign, the insurgents are winning.“

  • klabautermann   |   09. Mai 2017 - 10:43

    @Memoria

    Im Prinzip ist es doch ganz simple: wir können noch so viel Gelbd und „Berater“ nach Afghanistan pumpen, eine von einer korrupten Zentralregierung und ihren regionalen Außenstellen im Stich gelassene Söldnertruppe (denn genau das ist die ANA) in den Provinzen Afghanistans wird auch unter professioneller nicht-afghanischer „Beratung“ (aka Führung von hinten) auf Dauer keine Chance haben. Und die Heilsarmee……äh die Stabilisierungsarmee Bundeswehr wird bestimmt nicht ihre paar Kampftruppen und Spezialkräfte an diesen lost case verschwenden, insbesondere auch deshalb nicht weil die Politik sich ja seit Jahren darum herumdrückt der Gesellschaft und deren „Staatsbürgern in Uniform“ eine ganz konkrete und nicht abstrakte („Werte“) Antwort schuldig bleibt auf die Frage, warum es sich lohnt für irgendwas, irgendwo außerhalb Deutschlands zu kämpfen und u.U. sogar zu sterben. Das durchsetzen von Frauen- udn Kinderrechten mit Waffengewlt in einer durch und durch archaisch-islamischen Gesellschaft reicht da bestimmt als Antwort nicht aus.

  • SER   |   09. Mai 2017 - 14:44

    @ Klabauter

    Zustimmung 100% !!!
    Es wäre ja mal ein Anfang den Hinterbliebenen und aktuell auch in Afrika im Einsatz stehenden Soldaten zu erläutern was denn der Sinn des Ganzen sein solle !!!

    Das scheut die politische Führung: entweder weil zu sehr ökonomisch und somit nationalistisch wäre, oder weil man es schlicht selber nicht weiß und sich aber traurige Kinderaugen gut medial verkaufen lassen als Illusion etwas zu bewegen !

  • Dran.Drauf.Drüber   |   09. Mai 2017 - 15:18

    klabautermann | 09. Mai 2017 – 10:43

    1+

    Und wer nicht „klotzen“ will (oder kann!) sollte sich überlegen vielleicht auch das „Kleckern“ einzustellen.

  • klabautermann   |   09. Mai 2017 - 17:29

    @Memoria et @ll

    „Also, nicht Afghanistan wiederholen und anderen aufpflanzen wollen, was wir für richtig empfunden haben, sondern sie ihren Weg suchen lassen, aber ihnen dann Hilfe anbieten, wenn sie unsere Hilfe haben wollen“
    http://www.deutschlandfunk.de/dass-soldaten-auf-einsatz-draengen-das-ist-ein-zerrbild.1295.de.html?dram:article_id=193342

    Dieses Interview wirft auch ein anderes Licht auf die Diskussionen in anderen Fäden.

  • Georg   |   09. Mai 2017 - 17:29

    Die 5 Thesen von Conrad Schetter aus seiner „kleinen Geschichte zu Afghanistan“ sind immer noch gültig.

    siehe auch: http://www.chbeck.de/Schetter-Kleine-Geschichte-Afghanistans/productview.aspx?product=8550509

    Eine davon ist, das die afghanische Gesellschaft durch einen extremen Partikularismus gekennzeichnet ist (Zugehörigkeit nach Dörfern, Tälern, Clans, Stammesgruppen oder religiöse Gemeinschaften aber nicht zu einem Zentralstaat).
    Es gibt keine Nation Afghanistan !

    Dies wird auch durch eine Aufstockung von Truppen und noch mehr Geld sich nicht ändern. Afghanistan funktioniert nicht als Zentralstaat !

    Bevor diese Tatsache von den westlichen Mächten nicht akzeptiert wird, braucht man das Engagement dort nicht weiterführen.
    Verschwendete Ressourcen aufgrund einer falschen Beurteilung der Lage ! Von Anfang an !

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. Mai 2017 - 19:10

    Alles keine neuen Erkenntnisse, @Georg. Vorschläge zur Güte?
    Aufteilung nach Stämmen, Ethnien, Konfessionen, gar nichts machen außer zu verschwinden?
    Nebenbei, staatliche Souveränität 1919(!), im Kampf gegen Briten.
    100 Jahre wegwischen?

  • Memoria   |   09. Mai 2017 - 19:42

    @klabautermann:
    Danke. Zustimmung.

    Ich hatte versucht genau diese Sichtweise darzulegen.

    Legitimität ist eben wesentliches Element des positiven Zwecks.

    What we are fighting for…?

    Bin mal gespannt, ob man nun den Ausgang findet.

  • Georg   |   09. Mai 2017 - 19:50

    @ KPK

    Zitat: „Alles keine neuen Erkenntnisse, @Georg. Vorschläge zur Güte?
    Aufteilung nach Stämmen, Ethnien, Konfessionen, gar nichts machen außer zu verschwinden?“

    Stimmt, alles keine neuen Erkenntnisse. Trotzdem sind die Erkenntnisse richtig und wichtig zur Beurteilung der Lage (wem schreibe ich das !).

    Wenn man keinen Zentralstaat bilden kann, weil die Menschen in AFG es nicht wollen, dann muss man daraus seine Konsequenzen ziehen und seine „Friedensziele“ anpassen. Also aufteilen nach Stämmen, keine Vorherrschaft der Paschtunen, akzeptieren, dass Pakistan die Hegemonie über einen Teil der Stämme ausüben will (die Durand-Linie war eh künstlich und nicht ethnien-gerecht) und ansonsten eben kein Failing State sonden autonome Provinzen bilden.

    Zitat: „Nebenbei, staatliche Souveränität 1919(!), im Kampf gegen Briten.
    100 Jahre wegwischen?“

    AFG hat doch die letzten 100 Jahre als Zentralstaat nicht funktioniert mit Ausnahme der paar Jahre als Königreich mit akzeptieren Herrscher. Man kann doch nicht sagen, der Westen hat 100 Jahre in AFG investiert, Blutzoll bezahlt, wir haben gesehen, dass es so wie es bisher praktiziert wurde nicht funktioniert aber wir machen trotzdem einfach mit dem gleichen Schema weiter.

    Hellmut Schmidt hat 2010 in einer Diskussion mit Karl Theodor zu Guttenberg an der Bw-Uni in Hamburg gesagt, der klügste AFG-Eroberer war Alexander der Große vor 2300 Jahren, der ist nämlich im Jahr nach dem Einmarsch über den Kyber-Pass wird abgezogen !

    Der ehemalige deutsche Botschafter in AFG, Dr. Rainald Steck zitierte in einer Vortragsveranstaltung Thomas Ruttig (AAN, ehemals Botschafter der DDR in AFG während der sowjetischen Invasion) mit den Worten:

    „Auch ein afghanischer Regierungschef in einer Mischung aus Jesus und dem Dalai Lama, könnte sich in AFG nicht durchsetzen“

    Und wir, die Nato, empfiehlt eine Truppenverstärkung – ernsthaft ?

  • Sachlicher   |   09. Mai 2017 - 23:30

    @klabautermann | 09. Mai 2017 – 17:29
    http://www.deutschlandfunk.de/dass-soldaten-auf-einsatz-draengen-das-ist-ein-zerrbild.1295.de.html?dram:article_id=193342

    Dieses Interview wirft auch ein anderes Licht auf die Diskussionen in anderen Fäden.
    Ja.

    Es ist ein herausragendes Interview. Interviewer und Interviewter in Höchstform. Gern würde ich die Rubrik „Thomas Wiegold interviewt Generalsdienstgrad xy zu den deutschen strategischen Fragen unserer Zeit“, gerade auch in heutiger Zeit. Okay, genug geträumt.

    Erinnern Sie sich bitte an die Diskussion zum „Gefechtsverband“.
    Also wir brauchen mit Sicherheit da nicht mehr Großverbände, die zu weiträumigen Operationen mechanisierter Truppen im sogenannten Gefecht der verbundenen Waffen befähigt werden. Das ist ein Kriegsbild, das meiner Ansicht nach überholt ist, …
    Hier gibt er Ihnen Recht. Und in der Tat gerät man im Heer zu schnell in diese Denkfalle, die Sie kritisierten und vielleicht wurde dies (auch) in AFG zum Verhängnis in dem eben nicht in jeder Dimension und eingebettet in die parallel (besserenfalls zivil) zu steuernden Politikfelder aufeinander abgestimmt gewirkt wurde.

    Und wenn man verteidigt, dann ist es ja das Gesetz Nummer eins, dass man die Initiative zurückgewinnt,…

    Das ist also Dimensions- und Politikfeldunabhängig. Ach ja: Und wohl immer noch gültig :)

    …und die gewinnen Sie nicht durch ständige Parade, dann begeben Sie sich in ein Gefecht der Abnutzung. Das geht zulasten der eigenen Kräfte, und deswegen meine ich, muss man das Element Stoß beibehalten, aber man muss es so beibehalten, dass man in der Wahrnehmung des denkbaren Gegners nicht aggressiv erscheint.

    Das ist in AFG zu oft nicht gelungen. Wenn Generalsekretär Stoltenberg ein Mehr an militärischen Kräften und Fähigkeiten verlangt (und Mattis ihm das als Vorlage gibt) dann weiß er schon, warum er das tut.

    Aber: Nochmal mit einer internationalen Schutztruppe quer durch das Land fahren um der Rest an Wirkung bleibt zurück oder gar aus, bringt nichts. Das dürfte also auch nicht Kern Stoltenbergs Überlegung sein.

    Aus militärischer Sicht erscheint es zielführender mit der „Come in, come out“ Überlegung der Briten vorzugehen und immer dann, wenn es zu strange wird mit einer internationalen OEF schnell rein und schnell wieder rauszugehen. Nachhaltig ist das freilich nicht, also wohl kaum Gegenstand der Überlegung Stoltenbergs.

    Eine neue Elite, die in ihren politischen Zielen umfangreich militärisch zu unterstützen lohnt, gibt es nach wie vor nicht.

    Die ZAR sind inzwischen sehr ordentlich selbst in der Lage ihre Grenzen zu schützen. Das ist es also auch nicht.

    Donald Trump könnte z. B. us-strategisch sehr viel stimmiger und sehr viel medienpositiver in Afrika „seinen Krieg“ haben. Das also ebenfalls nicht.

    Was könnten die Beweggründe der USA und Stoltenbergs sein? Ihre Sicht?

    P.S.:

    Auf den Wachtürmen des 1000-jährigen Ungarn gehen die Feuer aus. Mit der ganzen Emotionalität eines 17-Jährigen hat mich das auf einen Pfad des Nachdenkens gebracht, der am Ende zu dem Ergebnis führte: Ich muss was tun, damit das unserem Land nicht passieren kann.

    Was ein starkes Wort, um es Extremisten inner- und außerhalb der Bundeswehr als Bekenntnis zum freien und demokratischen Deutschland entgegen zu stellen, wenn sie mit ihren Umtrieben starten.

    …..

  • Memoria   |   10. Mai 2017 - 6:43

    In Washington wird dem Präsidenten laut Washington Post eine Aufstockung um 3.000 US-Soldaten (+ Beiträge von NATO, – Partnern), umfangreiche Möglichkeiten von Luftangriffe gegen Taliban und die Rückkehr zum Mentoring auf taktischer Ebene für konventionelle Kräfte vorgeschlagen.

    Vorausgesetzt Präsident Ghani professionalisiert die Personalauswahl der Generalität und bekämpft konsequenter die Korruption.

    Quelle:
    https://www.washingtonpost.com/world/national-security/us-poised-to-expand-military-effort-against-taliban-in-afghanistan/2017/05/08/356c4930-33fa-11e7-b412-62beef8121f7_story.html

    Zum NATO-Gipfel am 25. Mai braucht die Bundeswehr hierzu auch eine eigene Meinung.

    Die Lage in Kunduz wird den Blick durchaus auch auf den Norden lenken.

  • Memoria   |   10. Mai 2017 - 6:44

    Streiche: Bundeswehr, setze: Bundesregierung

  • klabautermann   |   10. Mai 2017 - 8:17

    @Sachlicher

    Meine Sicht ? Nun, Herr Trump möchte ja wieder Kriege gewinnen. Kriege gewinnt man, in dem man den Feind besiegt oder indem man den Feind zu Friedensverhandlungen zwingt zu den von den USA gestellten Bedingungen. Tja – siehe Naumann-Interview – dazu muß die USA die strategische Initiative und Kontrolle zurück gewinnen. Schafft sie aber nicht mehr aus eigener Kraft – weil global overstretched und overstressed – also brauchen sie a. militärisch die NATO und b. Compliant Host-Nation Governments. Und diese „unilateralen“ Vorgehensweisen von Herrn Trump sollen die ganze Welt in dem Glauben lassen, dass die USA noch immer DIE Superpower auf diesem Planeten sind. Na ja, wer’s glaubt, ist selbst dran schuld. Das Geschäftsmodell eternal wars for eternal profit befindet sich zZt in der Insolvenzverschleppungsphase.