Anschlag auf den BVB: Mit Remote Controlled IED

Fußball ist hier kein Thema, Terrorismus im Inland in der Regel auch nicht. Beim Anschlag auf den Mannschaftsbus des Fußballvereins Borussia Dortmund am 11. April mache ich eine Ausnahme: Die Bundesanwaltschaft hat einen Tatverdächtigen festgenommen und dazu am (heutigen) Freitag eine ausführliche Pressemitteilung veröffentlicht. Und da ist die Tatwaffe von Interesse – etwas, das Deutsche bislang nur aus Afghanistan (und vielleicht auch Mali) kennen: Eine selbstgebaute Sprengvorrichtung, im internationalen Sprachgebrauch ein Improvised Explosive Device (IED). Mit Funkfernzündung, Remote Controlled (RC). Und mit Metallstiften gefüllt.

Die Schilderung in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft:

Die drei Sprengsätze waren über eine Länge von 12 Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. Die Sprengwirkung der Sprengsätze war auf den Bus ausgerichtet. Die Sprengsätze wurden zeitlich optimal gezündet. Der vordere und der hintere Sprengsatz waren in Bodennähe platziert. Der Mittlere befand sich in einer Höhe von etwa einem Meter. Damit war er zu hoch angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können. Die Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt.

Die Metallstifte sind etwa 70 mm lang, haben einen Durchmesser von 6 mm und ein Gewicht von etwa 15 g. Ein Metallstift wurde noch in einer Entfernung von 250 Meter aufgefunden. Die Zündung erfolgte nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung. Zur Art des verwendeten Sprengstoffs liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Der Mannschaftsbus war nicht mit Panzer-, sondern mit Sicherheitsglas ausgestattet. Zum Anschlagszeitpunkt hatte er etwa eine Geschwindigkeit von etwa 23km/h. Der Bus weist Schäden im vorderen und hinteren Bereich auf. Unter anderem sind mehrere Fensterscheiben zerborsten. In der Kopfstütze des zweiten Sitzes in der hinteren Reihe wurde einer der in den Sprengsätzen verbauten Metallstifte aufgefunden.

Nun war dieser Anschlag nach den bisher bekannten Fakten eine kriminelle Tat, um daraus finanziellen Gewinn zu ziehen. Der Tatverdächtige ist der 28- jährige deutsche und russische Staatsangehörigen Sergej W. – und es wird interessant sein zu erfahren, woher er seine Kenntnisse zum Bau einer Terrorwaffe hat. Und ob eine RC-IED als Waffe von Kriminellen in Deutschland angekommen ist.

54 Kommentare zu „Anschlag auf den BVB: Mit Remote Controlled IED“

  • Klaus Trophobie   |   22. April 2017 - 13:57

    Bezüglich 78k€, Optionsscheine und Millionengewinn ist der Artikel von bildblog.de lesenswert:
    http://www.bildblog.de/89003/ging-es-beim-anschlag-auf-den-bvb-wirklich-um-millionen-euro/

  • Wirtschaftler   |   22. April 2017 - 14:15

    Der kursierende Kaufpreis der Optionen von angeblich 78.000 Euro scheint falsch zu sein. Da konnte wohl jemand Basispreis und Kaufpreis der Option nicht auseinander halten.
    Die ARD beziffert den Preis auf lediglich 5.000 Euro, was schon eher für die Einzeltäterhypothese spricht. Auffällig ist der maximal mögliche Gewinn von nur 276.000 Euro.
    http://boerse.ard.de/aktien/bvb-attentaeter-wollte-an-der-boerse-reich-werden100.html

  • Hans-Joachim Zierke   |   22. April 2017 - 19:15

    @TW
    „Nun war dieser Anschlag nach den bisher bekannten Fakten eine kriminelle Tat, um daraus finanziellen Gewinn zu ziehen.“

    Mein linker großer Zeh juckt.

    Macht er immer, wenn es mir nicht gelingt, die Informationen aus Presseartikeln in Richtung Plausibilität zu verdichten.

    Mit dem, was ich lese, habe ich einerseits Probleme, rechnerisch auf die angeblich erhofften Millionen zu kommen. Andererseits irritiert mich die Gleichzeitigkeit von behaupteter großer krimineller Kreativität mit absolutem Dilettantismus.

    Wenn jemand intelligent genug ist, um einen solchen Plot zu entwerfen, dann hält man ihn eigentlich auch für intelligent genug, um zu wissen, daß er nach der Ausführung die Fahndungsliste anführt. Was heißt: Darauf werden nicht jene Polizisten angesetzt, die den Seyfried-Karikaturen meiner Jugendzeit nach wie vor entsprechen mögen.

    Ich hätte dann erwartet, daß sich jemand wenigstens die Mühe macht, ein paar islamistische Pamphlete zu lesen, bevor er versucht, den Islamisten zu markieren (oder genauer: die klerikalfaschistische Spielart eines Islamisten). Ist ja nicht so schwer: Wofür gibt’s das Internet?

    Aktueller Stand meiner Betrachtungsweise ist, daß das Risiko der Entdeckung in völlig unvernünftigem Verhältnis zum real erzielbaren Gewinn stand, und die Kreativität des Konzepts mit irritierend fehlender Kreativität beim Verwischen der Spuren kontrastiert.

    Wenn dieser Plan dem Ausführer von einer deutlich intelligenteren Person eingeflüstert worden wäre … das zu glauben wäre ich bereit. Aber so?

  • Ein Leser   |   22. April 2017 - 23:40

    @Hans-Joachim Zierke:

    Gesetzt den Fall, das ist ein „Fachidiot“. Wikipedia:

    Als Fachidiot (vor allem in Österreich auch Fachtrottel) wird ein Experte bezeichnet, der eine Problematik nur aus der Perspektive seines Fachgebietes kennt, nur aus seiner Sichtweise (Borniertheit) erfassen kann und nicht alle Möglichkeiten und Richtungen in Betracht zieht, die für die vollständige Verständlichkeit und Erfassbarkeit eines Gegenstandes, einer Sache oder Thematik erforderlich wären. Häufig tut sich der Fachidiot schwer, sich in andere hineinzuversetzen und seine eingeschränkte Sichtweise zu ergänzen und zu erweitern. […]

    Nehen wir an, das ist ein talentierter Bastler, aber die Welt außerhalb seiner Bastlerstube, das „ist einfach nicht seins“.

    Nehmen wir an, der hätte sich bei der Umsetzung einer Schnapsidee auf die interessanten Teile konzentriert (die technischen!) und sich beim Rest unmotiviert durchgewurschtelt.

    Dann könnte das doch ungefähr so enden wie jetzt geschehen, oder?

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