Kriegsbilder: Geprägt von Vietnam

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Aus heutigen Kriegen und Konflikten sind Bilder allgegenwärtig – vor allem, weil neben die Fotos professioneller Berichterstatter die Aufnahmen treten, die inzwischen fast jeder – dank Kamera-Handy – machen und – dank Internet – sofort verbreiten kann. Das Lens Blog der New York Times weist auf ein Buch der Kollegen von Associated Press hin, das an eine Zeit erinnert, in der  eine neue Art von (professionellen) Konfliktphotos aufkam: Der Vietnam-Krieg, aus dem die Öffentlichkeit  erstmals in großer Zahl Bilder von Journalisten zu sehen bekam, die nicht von den kriegsführenden Parteien erstellt oder auch nur zensiert waren. (Dass die Fotografen geprägt waren von ihrem kulturellen Hintergrund und auch nur mit den Truppen der USA und Südvietnams unterwegs waren, ist eine etwas andere Frage, die daran aber wenig ändert.)

Die Fotos aus den 1960-er Jahren haben zumindest die Wahrnehmung meiner Generation geprägt – und einige, die im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben sind, gibt es hier zu sehen:

Vietnam War Photos That Made a Difference

(Interessant übrigens, aus heutiger Sicht, dass der damalige AP-Fotochef in Vietnam, Horst Faas, bei seinen schreibenden Kollegen durchsetzte, dass auch sie immer eine Kamera dabei hatten – um auf jeden Moment vorbereitet zu sein.) weiterlesen

Einer der großen Kriegsfotografen: Horst Faas gestorben

Seine Bilder und seine Arbeitsweise haben vermutlich, ohne dass sie sich dessen bewusst sind, die Sicht- und Arbeitsweise vieler Fotografen in heutigen Konflikten geprägt: Horst Faas, der frühere Associated Press-Fotograf, dessen Bilder aus dem Vietnamkrieg berühmt wurden, ist am (gestrigen) Donnerstag im Alter von 79 Jahren in München gestorben.

Der Krieg der USA im Dschungel Südostasiens dürfte der erste gewesen sein, der von unabhängigen Medien in bislang nicht gekanntem Ausmaß beobachtet, fotografiert und beschrieben wurde. Und der gebürtige Berliner Faas hat das Bild von diesem Krieg im Westen entscheidend mit bestimmt – zu einer Zeit, als Fotos noch auf Film aufgenommen, entwickelt und auf heute antiquiert anmutenden technischen Wegen an Zeitungen übermittelt wurden.

Ein ausführlicher Nachruf von Faas‘ Kollegen Richard Pyle ist hier nachzulesen. Den Nachruf eines deutschen Ex-Kollegen gibt es bei agenturjournalismus.de.

In this undated file photo, Associated Press photographer Horst Faas is shown on assignment in South Vietnam. Faas, a prize-winning combat photographer who carved out new standards for covering war with a camera and became one of the world’s legendary photojournalists in nearly half a century with The Associated Press, died Thursday May 10, 2012. He was 79. (AP Photo/File)

(Disclosure: Ich habe von 1986 bis 1999 für Associated Press gearbeitet.)

Vietnam-Veteranen warfen die Piraten über Bord

Nach und nach kommen ein paar Details der Kaperung des taiwanesischen Fischtrawlers Chin Yi Wen an die Öffentlichkeit – und vor allem Einzelheiten der Selbst-Befreiung des von somalischen Piraten gekaperten Schiffes. Der Besatzung war es ja, wie schon bekannt, gelungen, die Seeräuber über Bord zu werfen. Inzwischen ist klar: nicht der eigentlichen Besatzung gelang das, sondern – angeblich eigens angeheuerten – Vietnam-Veteranen. Nicht in dem Sinne, wie wir es meist verstehen, nämlich als ehemalige US-Soldaten, sondern im Wortsinne: ehemalige Soldaten aus Vietnam.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP griffen die fünf – offensichtlich unbewaffneten – Vietnamesen auf dem Fischtrawler die sechs – bewaffneten Piraten an, als sie beim Essen waren. Und kurz danach landeten die Seeräuber im Indischen Ozean. Für sie soll es allerdings glimpflich ausgegangen sein: Sie wurden von ihren Komplizen aufgefischt.