Für 68 Mio Euro: Boxer-Transportpanzer wird fit für den Straßenverkehr

Die Boxer-Transportpanzer der Bundeswehr sollen dauerhaft für den Straßenverkehr fit gemacht werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab dafür rund 68 Millionen Euro frei, für die ein Fahrersichtsystem in die gut 400 gepanzerten Radfahrzeuge eingerüstet werden soll.

Die Notwendigkeit der Nachrüstung erläuterte das Verteidigungsministerium in der Beschaffungsvorlage, die die Parlamentarier am (gestrigen) Mittwoch billigten:

Im Jahr 2009 hat der Leiter Zentrales Militärisches Kraftfahrwesen festgestellt, dass das Sichtfeld des Kraftfahrers beim GTK Boxer nicht den Vorgaben des §35b Absatz 2 Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entspricht. Die hohe Sitzposition des Kraftfahrers führt dazu, dass inbesondere Personen, welche unmittelbar neben dem Fahrzeug stehen, durch den Kraftfahrer nicht gesehen werden können. Daher resultiert eine Befristung der Betriebserlaubnis für alle Varianten des GTK Boxer und entsprechende Auflagen für die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr.
Um eine unbefristete Betriebserlaubnis zur Nutzung der GTK Boxer im öffentlichen Straßenverkehr zu erwirken, wurde 2017 ein Entwicklungsvertrag geschlossen, um ein StVZO-konformes Fahrersichtsystem zur Sichtunterstützung des Kraftfahrers am Tag und bei der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr zu realisieren. Dieses Kamera-Monitor-System steht nur als Einrüstlösung zur Verfügung. (…)
Die Größe des Fahrzeugs, insbesondere die Abmessungen in Länge und Breite, erfordern jedoch eine umsichtige Fahrkunst, um das Fahrzeug in allen Geländearten, in eng bebautem Gebiet und insbesondere neben in teilweise unmittelbarer Nähe zum Fahrzeug operierenden eigenen Kräfte zielsicher steuern und manövrieren zu können. Die Integration eines Fahrersichtsystems ist hauptsächlich zur Gefahrenreduzierung bei Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr unter Tagessichtbedingungen notwendig.

Für die 68,5 Millionen Euro bekommen die gut 400 Boxer in verschiedenen Varianten, darunter 72 Sanitätsfahrzeuge, das Kamerasystem und entspiegelte Seitenscheiben. Außerdem werden die Ausbildungssimulatoren entsprechend ausgerüstet.

Das neue System, warnte das Ministerium, ist allerdings nicht auf allzu langfristige Nutzung ausgelegt; weitere Kosten seien absehbar:

Mit Blick auf kurze Innovationszyklen bei nur kurzen Herstellungszeiträumen der verwendeten elektronischen Spezialkomponenten und einer Nutzungsdauer des GTK Boxer bis 2050 und darüber hinaus ist von regelmäßiger Obsoleszenz beim Fahrersichtsystem auszugehen.

Interessant ist bei der Begründung, dass ausdrücklich die Genehmigung zur Teilnahme am Straßenverkehr genannt wird – und nicht etwa in teilweise unmittelbarer Nähe zum Fahrzeug operierende eigenen Kräfte in bebautem Gebiet. Was ja für so ein Fahrzeug vielleicht der etwas wahrscheinlichere Einsatzzweck ist.

(Archivbild Juni 2016: Boxer-Transportpanzer der Sanitätsstaffel Einsatz Torgelow bei einer Veranstaltung in Rostock – Jonas Weber/Bundeswehr)

36 Gedanken zu „Für 68 Mio Euro: Boxer-Transportpanzer wird fit für den Straßenverkehr

  1. 68 mio durch 400=170000€. Dafür kriege ich locker ein Eigenheim. Sind Sie sich sicher sich nicht in einer Kommastelle vertan zu haben?

    [Zitat aus der Vorlage: Der Vertrag hat ein Volumen von rund 68,5 Mio € (einschließlich Umsatzsteuer). T.W.]

  2. @Dante sagt: 02.07.2020 um 14:02 Uhr

    Entwicklungskosten und Kleinserie, und schon kommen solche Preise heraus. Bis zu einem gewissen Grad völlig normal.

  3. Schon eine etwas kuriose Begründung:

    Bei Tag (und offenbar nur dann), darf der Boxer mit dem neuen Sichtsystem am normalen Verkehr teilnehmen. Im Feld soll der Fahrer dann halt aufpassen.

    Und das deutlich über z.B. dem Neupreis einer kompletten Actros-Zugmaschine, die Kameraspiegel gleich an Bord hat. Würde mich schon sehr interessieren, welche ominösen Spezialkomponenten hier eine regelmäßige Nachrüstung erfordern sollen. Die heutigen deutschen Premiumfahrzeuge, die mit entsprechenden Systemen das Band verlassen, werden auch Jahrzehnte halten. Der Boxer ist jetzt vielleicht länger und breiter (zivile Nutzfahrzeuge ausgenommen, siehe Lkw), aber das ändert ja nichts an der grundlegenden Technik. Die Kabelwege sind z.B. im Vergleich zu handelsüblichen Videoproduktionen lächerlich klein.

  4. @Dante: Genau die gleiche Kalkulation ist mir auch als erstes ins Auge gesprungen.
    Stolzer Preis für ne Kamera, nen Monitor und ne entspiegelte Scheibe (plus Einbau, Service, Support, Zulassungsprüfung etc)

  5. Ja Wahnsinn.
    Sagen wir mal durch den Ausbildungssimulator sind es „nur“ 150.000 Euro pro Boxer.

    „Mit Blick auf kurze Innovationszyklen bei nur kurzen Herstellungszeiträumen der verwendeten elektronischen Spezialkomponenten und einer Nutzungsdauer des GTK Boxer bis 2050 und darüber hinaus ist von regelmäßiger Obsoleszenz beim Fahrersichtsystem auszugehen.“

    – regelmäßiger Obsoleszenz –
    man geht also schon jetzt von mehrmaliger Umrüstung/Erneuerung aus und das innerhalb von 30-40 Jahren. Also mindestens 2 Erneuerungen plus die Erstbeschaffung macht 3 mal mindestens.
    Ehrlich, dafür sind 150.000 Euro viel zu viel.
    Im nächsten Leben gründe ich eine Zulieferbetrieb für Rüstungsgüter oder gleich ein Rüstungsunternehmen.

    Genau deshalb kann man dem Großteil der Steuerzahler/Wähler höhere Wehretats einfach nicht verkaufen.
    Diese Beispiele sind das Salz in der Wunde.

  6. Geil…. 170.000€ pro Boxer! Dafür hätte man auch 400 Zugmaschinen mit Anhänger bekommen….

  7. @pio fritz Was heisst Kleinserie und Entwicklungskosten. Solche Fahrassistenten kann ich für jeden besseren Lkw von der Stange kaufen. Muss man halt nur anpassen.

  8. Das wird ja sicherlich in ein kleines gepanzertes Gehäuse aufgeschweisst, damit man es nicht in jedem Wald gleich wieder abfährt – schon mal teuer als am LKW. Die Seitenscheiben sind sicher auch Panzerglas – auch vermutlich kein Schnapper. Und mit den Kameras außen ist es ja nicht getan: Man muss dann ja noch durch das Panzerfahrzeug mit dem Kabel (sicherlich trotz zeritifiziertem Panzerschutz, Gasdichtheit, was weiss ich noch) und es drinnen an ein Mil-Grade Monitor anklemmen – vermutlich sogar mehrere, da mehrere Spiegelkameras. Diese Monitore müssen auch irgendwo hin und dazu muss ganz sicher reihenweise am Armaturenbrett umgearbeitet werden.
    Ungefähr so wird es doch laufen.

  9. @klaus Nachts darf ich auch nicht allein auf die Strasse. Sagt Mutti. Es geht darum niemanden beim abbiegen zu überfahren. Macht einen schlechten Eindruck. Oder irre ich mich? Dass ist der Hintergrund.

  10. @Dante:
    400 Fahrzeuge ist weniger als die Tagesproduktion von Daimler im LKW Werk in Wörth. Deshalb ist Kleinserie richtig und eine Nachrüstung teuer.

  11. Das die Entwicklung und Integration eines solchen Systems komplex und teuer ist, will ich nicht in Abrede stellen, aber die oben genannten Beträge sind hanebüchen und unverschämt. Diese Kosten sind in der Größenordnung nicht mehr nachvollziehbar.
    Dazu kommt, dass durch die erstmalige Integration ins System Boxer und die künftigen, regelmäßigen Obsoleszenzbeseitigungen die Fahrzeuge bei der Industrie stehen und im verfügbaren Bestand fehlen werden.

  12. @ede144 Ich sprach auch nicht von der Anzahl Boxer pro Tag, sondern von der Anzahl an Fahrsicherheits Rüstkits die bestellbar und mit sicherheit für unter 170t€ anpassbar sind. Siehe Abbiegeassistenten und ähnliches. Es ist im Grunde im zivielen Lkwbau alles da. Oder es wird wieder die Goldrandlösung und das Rad neu erfunden.

  13. Gab ja auch noch 24 Brückenleger für 330 mio. €. Da fragt man sich warum Dänemark und Norwegen weniger als 9 mio. € pro Stück zahlen bei viel kleineren Mengen.

  14. Das war ganz sicher in der Beschaffung nicht absehbar, dass auch nur ein solcher Panzer jemals im öffentlichen Verkehrsraum unterwegs sein würde…

  15. Solche Lösungen gibt es fertig – und auch gepanzert – für schwere Baumaschinen. Mitsubishi, Volvo, Caterpillar bieten hier fertige Lösungen an die sich bei Materialkosten von deutlich unter $10.000 pro Gerät belaufen. Sogar die LKW-Sparte von Daimler bietet derartiges für €3000 an wo ich zumindestens nach Augenschein unterstelle daß das „ausreichend“ ist. Das Ding muß ja keinen Beschuß mit Kaliber 30 aushalten sondern nur mal den einen oder anderen robusten Ast. Wenn so ein Werkzeug in Friedenszeiten ausfällt kommt halt der Sattelschlepper und im Kriegsfall gehts auch so. Ich bin mal großzügig und setze 50 Mannstunden für den Einbau an, dann sollte so ein System von der Stange in Serie keinesfalls über $20.000 kosten.

    Die „Entwicklungskosten“ lasse ich mal gezielt weg, selbst bei einer „Kleinserie“ von 100 Stück dürften 1000 Stunden Anpassung keine Rolle spielen. Hier geht es ja nicht um eine White-Room Neuentwicklung sondern darum ein Kabel ordentlich zu verlegen und ein paar Kästchen mit Schrauben ordentlich zu fixieren.

    Das hat irgendwie ein Geschmäckle.

  16. @Klaus Nachts ist dann ein geeignetes BegleitFhzg mit Funkverbindung als Auflage erforderlich.

    Weiter werden die Kameras an der Panzerung unterhalb der Rampenspiegel angeschraubt.
    Sind mit Zusatztanks für Druckluft und Scheiben-Wisch-Wasch ausgestattet. Im Fhzg werden Bedienenlemente dafür im Cockpit neu verbaut.
    Der Fahrer bekommt 2 Monitore links und rechts Höhe Kopf platziert welche mit der Fahrerlucke versenkt werden können damit weiterhin Panzerschutz hergestellt werden kann.
    Größte Herausforderung war/ist, dass die Bilder der Kameras 1:1 auf den Monitor kommen.
    Sprich das wenn das Kind im rechten toten Winkel ist, ich es nicht erst Sekunden später auf dem Monitor sehe.
    Dazu werden Bilder redundant, ausfallsicher und und und über einen Rechner mit dauernder Rückprüfung eingespielt.
    Die einrüsten der Boxer mit Kabelbäumen erfolgt schon eine Weile im Rahmen von Werksinstantsetzungen bzw Hochrüstung auf A2 in den Werken u.a. in München. Dabei Verlegung der Kabelbäume, Leitungen etc im kplt Boxer bis ins Misionsmudul hin.
    Die Kameras und Monitore sind Kleinserien welche erst in Auftrag gegeben werden mussten.
    Es gab auch im Rahmen der Entwicklung mehrfach Ansätze welche scheiterten und wo nach 2 Jahren kplt von 0 angefangen werden musste.

  17. Andre sagt:

    02.07.2020 um 20:54 Uhr

    Größte Herausforderung war/ist, dass die Bilder der Kameras 1:1 auf den Monitor kommen.
    Sprich das wenn das Kind im rechten toten Winkel ist, ich es nicht erst Sekunden später auf dem Monitor sehe.

    Wo soll denn bitte eine solche Latenz herkommen? Wenn ich ein Multiplayerspiel mit den Zockern in Ozeanien mache, habe ich vielleicht mal eine lahme Verbindung von 2-300 Millisekunden.

    Jedes popelige Kupfer- oder Glasfaserkabel aus der Ramschkiste kriegt bei den „Entfernungen“, von denen wir hier reden, nicht spürbare Latenzen hin.

    Als ob es für den zivilen LKW keine Rolle spielt, wenn er sich auf den Kameraspiegel verlässt, wenn er die Fahrbahn wechselt!

    Kameras, Monitore – das kostet doch heute „nichts“ mehr und wird alles in beliebiger Form und Größe nach Wunsch gefertigt, auch in Kleinserie.

    Eine Kostenaufschlüsselung würde mich sehr interessieren, insbesondere mit einer Ausführung zu den Komponenten, die von einer absehbaren Obsoleszenz bedroht sein sollen.

  18. @Andre: Also meine Rückfahrkamera am Auto benötigt auch nicht mehrere Sekunden, um das Bild auf das Display zu bringen. Sonst wäre das mit dem Ein- und Ausparken (auch Kinder in der Nähe) echt schwierig… Wie kann man denn die Elektronen so verlangsamen, dass sie mehrere Sekunden bis zur Monitoranzeige benötigen? Schließlich reden wir hier ja nicht über eine Satellitenübertragung. Wird da erst noch zentral ein Sicherheitscheck vorgenommen? Diese Latenzzeiten in modernen Kontrollsystemen verwundern mich immer wieder in Anbetracht der dramatischen Fortschritte bei den Rechenleistungen der letzten Jahrzehnte.
    Mal im Ernst: Ich verstehen nicht, wieso da mehrere Sekunden bis zur Anzeige zu vermeiden die „größte Herausforderung“ ist.
    Muss hier alles MIL-Grade sein? Reicht in diesem speziellen Fall nicht eine normale Kfz-Norm aus? Wenn das System im Gelände und unter Kampfbedingungen mal ausfallen könnte, dafür aber nur ein Zehntel der Anschaffungskosten kostet, wäre für mich die Wahl klar. Schließlich ist es ja für den Kampfeinsatz offensichtlich nicht notwendig. Ich verstehe daher auch nicht, warum man nicht auf handelsübliche Kameras und Monitore zurückgreift.
    Ich stimme Tom Cruise zu: Das ist dem Normalbürger nicht zu vermitteln.

  19. Also bei aller Liebe, die Preise kann ich nicht nachvollziehen.
    Die meisten Komponenten sind marktverfügbar für unter 5.000€ pro Satz und wenn ich noch einen Tausender drauflegen, bekomme ich sogar Nachsicht.
    Robustes Gehäuse drum – fertig.
    Dass innerhalb 30 Jahren mal neuere, kleinere, bessere und billigere Komponenten nachgerüstet werden – normal.

    Aber die ganzen Versuche hier den Preis auch nur ansatzweise zu rechtfertigen, kann ich nicht verstehen. Das ist Beutelschneiderei. Mindestens 50 Mio. € sind rausgeschmissenes Geld.

  20. Unfaßbar. Immer raus mit dem Geld. Kommt ja nur vom Steuerzahler…

    /sarc
    Alles ein Mißverständnis: Das hier ist in Wirklichkeit Teil einer genialen Initiative, das versprochen NATO-Soll von 2% BSP zu erreichen, ohne dabei Gefahr zu laufen, sich wegen gesteigerter militärischer Fähigkeiten stärker bei Auslandseinsätzen engagieren zu müssen. Win-win!
    /sarc off

  21. @Pham Nuwen
    Schlechter Vergleich. Sie haben bei jedweder Verbindung über IP keine Garantie dass das Datenpaket auch am Ziel ankommt, daher die Geschwindigkeit. Aber Zuverlässigkeit ist hier ja gerade gefragt.

    @ Nachhaltig
    > Diese Latenzzeiten in modernen Kontrollsystemen verwundern mich immer wieder in Anbetracht der dramatischen Fortschritte bei den Rechenleistungen der letzten Jahrzehnte.
    Mehr Rechenleistung, also mehr FLOPS o.ä, bedeutet in den wenigsten Fällen bessere Latenz. Oftmals tritt sogar das Gegenteil ein. Je höher ich takte um so schlechter wird die Latenz. Das hat u.a. mit den unterschiedlichen Spannungen, der CLK und den Hold- und SetUp-Times der Mikroarchitektur zu tun. Über die genaueren Gründe zu referieren ist zu sehr OT und die Dicke eines Romans hätte es auch noch, also lasse ich das mal.

    @beide
    Im Allgemeinen geht es hier weniger um die 1 Sekunde Latenz, sondern um die Sicherheit der Datenübertragung und -darstellung. Bei der Bahn ist es z.B. üblich, dass jede Komponente der IT in den Stellwerken redundant ausgelegt ist. Ansonsten könnte es passieren dass das Bild einfriert, der Bediener glaubt alles ist i.O. und den Block frei gibt obwohl nicht frei (vereinfacht gesprochen). Die Synchronisation zwischen den beiden Teilen frisst aber auch wieder Zeit (kopieren der Daten, CRC check, etc.). Im normalen Straßenverkehr sind die jetzigen elektronischen Lösungen auch nur erlaubt, weil man dem Fahrer klar aufträgt sich um im Zweifel umzuschauen (damit ist auch die Haftung geregelt), genau das geht aber beim Boxer nicht.

  22. Die Rechenleistung eines €10-Einplatinen-SOC sowie normale Carbus-Systeme sollten für sämtliche Datenmengen locker ausreichen.

    Monitore als Kleinstserien? Denken sie die ungeschnittenen Panels Bildschirme werden einzeln passend für diesen Einsatz geätzt?

    Nein, so funktioniert Technik nicht.

    Die Komponenten für einen Infotainment-Flachbildschirm bekommt man in tausenden Varianten auf dem freien Markt und zwar teilweise einstelligen Eurobeträgen. Ich wäre extrem überrascht wenn in der fertigen Lösung etwas anderes als ein Normpanel mit Normansteuerungselektronik verbaut wäre. Ich mein, man kann zwar ein Panel kaufen das $10.000 pro Stück kostet aber wozu wenn jedes €50-Panel genau so gut und robust ist? Und nein, ich mache keine Scherze, das sind Marktpreise für 100-500 Stück. Und zwar für robuste Outdoor-Panels. Das Gelumpe was in Mobiltelefonen und Notebooks verbaut wird kostet oftmals noch weniger.

    So wir schrauben also ein Panel, eine Ansteuerungselektronik in ein robustes Metal-Chase – gibts beim Conrad einzeln für €200 und ist in der Tat das mit Abstand teuerste am Gerät – und fertig ist die Endanwender-Schnittstelle.

    Daß elektronische Kameras mit integriertem DVB-Wandler roh keine €10 kosten deute ich hier nur mal kurz an.

    Das sind alles von vorne bis hinten normierte Komponenten, die steckt jeder halbwegs begabte Siebtklässler im Wahlfach Elektronik zusammen. An einem Nachmittag ohne Vorkenntisse.

  23. Fun fact bei der Bewegung von gepanzerten Kfz im öffentlichen Raum: Oben schaut mindestens der Kommandant mit aus der Luke und führt dabei den Kraftfahrer, denn er trägt ohnehin die volle Verantwortung für den Betrieb seines Fahrzeuges. Ich kann mich wirklich nur noch wundern, welche Stilblüten sich mittlerweile ausbilden…

  24. Ohne zu wissen, was genau in welchem Umfang Bestandteil der Lieferung und Integration in das Waffensystem (verschiedenster Konfigurationsständen) ist, lassen sich die genannten Gesamtkosten abseits von Spekulation über Preise von Rückfahrkameras die man beim Elektronikversand oder Autozubehör aufruft, wirklich nicht miteinander vergleichen.
    @Andre gibt ja einen fachlichen Einblick.
    Auch eine schwere Baumaschine ist erstens kein Kriegsgerät und braucht zweitens auch keine vergleichbare Zulassung zur Teilnahme am Straßenverkehr.
    Man kann bei einem Boxer nicht einfach irgendwo Löcher bohren, Kabel ziehen und mit Kabelbindern fixieren. Zusätzliche Monitore hängt man nicht einfach an die Decke. Z.b. ABC Schutzraum für die Besatzung, Integration und Befestigung derart, dass bei Ansprengung, Beschuss keine Gefahr loser/leichter Teile für die Besatzung besteht usw …

  25. Ich kann dieses Gemotze nicht nachvollziehen. @Andre scheint ja tiefere Einblicke in die Materie zu haben, und wird dafür kritisiert – unglaublich.
    @Voodoo sieht das ganze gar als Stilblüte an, obwohl im Artikel ganz klar drinsteht, das die Straßenzulassung des Boxers nur vorläufig war und erlischt, wenn dieses System nicht nachgerüstet wird. Es ist also eine Frage StVZO, lesen hilft.

    Leute, wenn ihr alle so tolle Technikexperten seit und das Material sooo billig zu haben ist, warum geht ihr alle nicht zum BAAINBw und zeigt den dort sitzenden „Unwissenden“ wie man mit „Geiz ist geil“ vernünftige Panzer auf die Straße bringt? Freie Stellen gibt es genug.

  26. @ Andre sagt:
    02.07.2020 um 20:54 Uhr

    Danke für den Einblick. Das erklärt dann auch so Einiges. Wenn man die Übertragung einfach analog machen würde, dann ist es ohne Latenz und ohne Einfrieren von Standbildern möglich die exakt gleiche Sicherheit zu erreichen, wie die von Spiegeln. Eine Reinigungsanlage kann m.E. auch nicht wirklich Vorschrift sein, da ja auch Spiegel beim normalen Fahrzeug per Hand gereinigt werden müssen, falls sie mal verdrecken. Dann auch noch Redundanz? Wie ist denn die von Spiegeln? Klar das System ist das sicherste von allen, aber weit über das Ziel der STVO hinaus, denn mein Privatwagen und auch jeder LKW, den ich kenne, hat nicht ansatzweise so ein Schutzniveau und ist offenbar legal zu betreiben. (Der Leo 2 kommt offenbar auch allein mit seinen Rückspiegeln aus; Die Rückfahrkamera ist ja nicht aus Stvo-Gründen nachgerüstet worden…)
    Das hier scheint mir ein Beispiel von absolutem Over-Engineering zu sein, wie es uns ja oft nachgesagt wird und noch öfter auf die Füße fällt.
    Aber wie schon erkannt: Das hilft den 2% näher zu kommen ohne sich ernsthaft Gedanken machen zu müssen, dafür was ‚Richtiges‘ zu bekommen. Außerdem ist es eine schöne Subvention der eig. Rüstung ohne das diese als solche auffällt. Und immerhin kommen über die Unternehmenssteuern ja auch So Gelder aus dem Haushalt anteilig wieder zurück.

  27. Warum muß der Steuerzahler für eine Selbstverständlichkeit bezahlen, die vermutlich bei handwerklich sauberer Vertragsgestaltung im Grundpreis inkludiert wäre bzw. als Mangelbeseitigungskosten vom Verkäufer zu tragen wären?

  28. @ Pio-Fritz

    Mich stören nicht die technischen Veränderungen am BOXER, möglicherweise ist dies auch einfach ein genialer Schachzug der Systembetreuer BAAINBw Abteilung K(ampf), um ein neues taktisches Assistenzsystem eingebaut zu bekommen… ;-)

    Evtl. sollte man sich aber nochmal vor Augen führen, welche Hauptaufgabe dieses Fahrzeug hat, wie @T.W. oben auch anführte. Außerdem frage ich mich dann ernsthaft, wie andere TPz, SPz oder gar KPz überhaupt am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen – denn dies tun sie t.T. bereits seit Jahrzehnten, ohne dass ein derartiges Assistenzsystem jemals angeschafft werden musste. Und lesen hilft in der Tat:

    [blockquote] (2) Für den Fahrzeugführer muss ein ausreichendes Sichtfeld unter allen Betriebs- und Witterungsverhältnissen gewährleistet sein. [/blockquote]

    Im zivilen Umfeld macht dies Sinn, denn der Fahrzeugfürer ist verantwortlich für den Betrieb des KFz, welches er zumeist auch allein bedient. Dies ist aber in den besagten militärischen und gepanzerten Fahrzeugen nicht der Fall, denn die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr schreibt vor, dass alle (wichtigen) Bedienplätze besetzt sein müssen – mir ist nicht bekannt, dass diese Regelung beim BOXER aufgehoben wurde? Ergo MUSS der Kommandant des Fahrzeuges den Kraftfahrer vollumfänglich beim Betrieb unterstützen und führen und trägt dabei die alleinige Verantwortung und eben NICHT der MKF (in seiner Funktion als Fahrzeugführer).

    Mit Stilblüten meinte ich daher auch nicht die Anweisung des Leiters MFK, sondern dass man es offensichtlich immer noch nicht geschafft hat, für militärisches (Groß-)Gerät eine Sonderregelung innerhalb der StVZO zu schaffen. Diese Debatte tobt im Übrigen seit dem Anbringen von Maschendraht an den Front- und Seitenscheiben von WOLF, 2to und 5to LKW (und dem prompt folgenden Verbot, weil sonst die Betriebserlaubnis des Fz erlischt) – also quasi seit Somalia, mindetens aber KFOR?!

  29. Ruhrpottpatriot sagt:
    02.07.2020 um 23:00 Uhr
    Im normalen Straßenverkehr sind die jetzigen elektronischen Lösungen auch nur erlaubt, weil man dem Fahrer klar aufträgt sich um im Zweifel umzuschauen (damit ist auch die Haftung geregelt), genau das geht aber beim Boxer nicht.

    Das kriegt der LKW-Fahrer vielleicht noch hin, wenn er auf seiner Seite den Kopf aus dem Fenster hängt. Aber wie macht er es auf der Beifahrerseite? Rüberlaufen ja wohl nicht. Dürfen Kameraspiegel bei Lkw also nur mit Beifahrer genutzt werden?

    Auch mit den genannten Begründungen erschließen sich die Kosten dem Laien nicht. ABC-Schutz? Na wie kommt denn die bisherige Steuerelektronik raus (z.B. Licht?), wurde da der vorhandene Kabelkanal wirklich auf Maß zu 100% verfüllt? Herumfliegende Teile/Teile im Weg? Muss ja glücklicherweise keine Röhre mehr verbaut werden. Selbst wenn noch eine Kapselung drum herum kommt, trägt das nicht sonderlich dick auf.

    Und da es sich hier explizit um eine Beschaffung zur Einhaltung der StVZO handelt, stellt sich sowieso die Frage, wieso militärische Härtung hier eine Rolle spielen sollte. Sowas lässt sich auch schnell abmontieren, wenn es in die Einsatz geht.

    @Pio-Fritz: Der Zahler der Zeche darf wohl zur präsentierteten Rechnung nachhaken? Ist ja nicht so, dass sich hier regelmäßig mit Ruhm bekleckert wird.

  30. @ Andre, @ Grashüpfer

    Zitat:
    „Größte Herausforderung war/ist, dass die Bilder der Kameras 1:1 auf den Monitor kommen.
    Sprich das wenn das Kind im rechten toten Winkel ist, ich es nicht erst Sekunden später auf dem Monitor sehe.
    Dazu werden Bilder redundant, ausfallsicher und und und über einen Rechner mit dauernder Rückprüfung eingespielt.
    Die einrüsten der Boxer mit Kabelbäumen erfolgt schon eine Weile im Rahmen von Werksinstantsetzungen bzw Hochrüstung auf A2 in den Werken u.a. in München. Dabei Verlegung der Kabelbäume, Leitungen etc im kplt Boxer bis ins Misionsmudul hin.“

    Wer sagt denn, dass man das Bild von der Seitenkamera digitalisieren, auf den Datenbus zwingen und auf einen Rechner geschickt werden muss ?

    Also eine LCD-Kamera liefert einen Datenstream in der ihr eigenen Geschwindigkeit. Ein entsprechend schnelles Kabel, z.b Kat 5 bis 7 mit 100 bis 1000 MBit/s oder ein HDMI-Kabel (wie zwischen Videokamera und Fernseher) wird in den Kabelbaum integriert und direkt an den jeweiligen Monitor angeschlossen.
    Fertig !
    Materialpreis für 2 Kameras und 2 Monitore ca. 1000 Euro, Obzoleszens wird es nicht geben, da handelsübliche Schnittstelle für Monitor und Kamera !

    Also es drängt sich hier wiederum der Verdacht auf, dass man eine Goldrandlösung als Seitensichtkamera wollte, mit digitaler Speicherung auf dem Rechner, damit man im Schadensfall wohl nachweisen kann, dass das Kind im toten Winkel des Fahrers auch nicht auf den Monitoren zu sehen war, oder ?

    Braucht man das, wenn man einen Panzer bewegt ?

  31. @Georg
    Auf dem Gefechtsacker braucht das wahrlich niemand.
    Ein Panzer ist das übrigens nicht, aber egal. Die STVO bestimmt die Spielregeln. Von übel allein, wieder eine Sperrquelle im Grundbetrieb mehr. Kein Bild, kein MotMarsch vom Abstellplatz zum Übungsgelände über 400 m zivil genutzte Straße, …! Keine Ausbildung mit Boxer. Genauso kommt es.
    Ggf gilt das sicher und absolut unzweifelhaft auch für MeS und GAO.

  32. @ Voodoo

    SPz Marder und KPz Leopard 2 wurden in den 70ern bzw. 80ern „zugelassen“ und besitzen daher so etwas wie Bestandsschutz. Solange keine wirklich eklatanten Sicherheitsmängel vorliegen (wie z.B. beim alten MTW mit der Bremsanlage), dürfen die Fahrzeuge weiter am Straßenverkehr teilnehmen. Der Boxer wurde in den 2000ern gelassen und da galten/gelten eben andere/strengere Vorschriften.
    Und ohne ausgewiesener Fachmann zu sein, dürfte es zwischen gepanzerten Kettenfahrzeugen und gepanzerten Radfahrzeugen Unterschiede in den Zulassungskriterien geben, bei letzterem wohl eher an einem Lkw orientiert.

  33. Leider ein deutscher Sonderweg – nur für die StVZO Zulassung. Die NL Boxer sind ohne ein solches Fahrersichtsystem für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen; von signifikanten Unfallzahlen ist Nichts bekannt. Auch GBR, LIT und AUS ziehen ein solches System in ihren Boxer-Projekten nicht in Betracht. Zur Kampfwertsteigerung würde vielmehr ein taktisch nutzbares Sichtsystem beitragen, das die Rundumsicht unter Luke im Gelände/Gefecht auch bei Nacht und schlechter Sicht verbessert – nicht nur für den Fahrer sonden besonders auch für den Kommandanten. Das kann dann nebenbei auch den Aspekt der Verkehrsicherheit mit abdecken. Vielleicht in der Zukunft in einem Boxer A3….

  34. Diese 170.000€ pro Boxer sind eben der Preis, wenn ich aus außenpolitischen Gründen und innenpolitischem Kalkül der eigenen Rüstungsindustrie nahezu jeglichen Export untersage und gleichzeitig trotzdem die besten Goldrand-Panzer in homöopathischen Dosen aus einheimischer Produktion haben will. Die Firmen müssen dann so kalkulieren, dass alle Gemeinkosten (Verwaltung, Entwicklung, Mieten,…) mit den bestellten 400 „Upgrades“ abgedeckt sind, denn sie können sich darauf verlassen, dass sie keine weiteren BOXER mit diesem System ausrüsten werden/dürfen.

    Kostet das Gesamtsystem die beteiligten Firmen in Herstellung und Aufwand deutlich weniger als 170.000€? Mit Sicherheit. Wird das BmVg im Zweifel noch deutlich mehr dafür zahlen? Mit Sicherheit auch – denn man will um jeden Preis eine nationale Rüstungsindustrie am Leben erhalten und gleichzeitig keine deutschen Waffen auf CNN sehen.

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