Sicherheitshalber, der Podcast – Folge 22 LIVE : USA vs. Iran und Kampfflugzeug der Zukunft

Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 22 sprechen Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich – erstmals live und vor großem Publikum im Humboldt-Saal in der Urania Berlin – über die Tötung Qasem Soleimanis per US-Drohnenschlag und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran, das Kriegsbild der Zukunft, das Völkerrecht und die iranischen Nuklearambitionen.

Als zweites diskutieren wir über das Future Combat Air System (FCAS), eine, um einen Anglizismus zu vermeiden, fliegende Kampfwolke, die Deutschland, Frankreich und Spanien bis 2040 gemeinsam entwickeln wollen – und die am Ende um die 100 Milliarden Euro kosten soll.

Am Ende steht wie immer der “Sicherheitshinweis”, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal zur Libyenkonferenz in Berlin, den Gefahren der automatischen Gesichtserkennung, KI-Exportkontrollen und den unklaren Cyberproblemen zahlreicher deutscher Verwaltungen.

Diese Folge kommt ein bisschen später als geplant – in einer Vorbemerkung erläutern wir, warum.

Sicherheitshalber ist für den deutschen Podcastpreis nominiert!
www.deutscher-podcastpreis.de/podcasts/s…itshalber/

Unser Shop: shop.spreadshirt.de/sicherheitshalbershop/

Thema #1: USA vs Iran: 4:36
Thema #2: FCAS: 46:37
Sicherheitshinweise: 1:07:37

Erwähnte und weiterführende Literatur:

Thema 1 – USA vs. Iran=3. Weltkrieg?

David Barno and Nora Bensahel, The drone beats of war: The US vulnerability to targeted killings, War on the rocks, 21 January 2020, warontherocks.com/2020/01/the-dron…rgeted-killings/

„Das Völkerrecht wird zurechtgebogen“, Jurist Talmon im Interview, tagesschau.de,
www.tagesschau.de/ausland/voelkerr…terview-101.html

Augengeradeaus, Bundesregierung vermeidet Bewertung von tödlichem US-Angriff auf iranischen General, 3.1.2020
augengeradeaus.net/2020/01/bundesr…ischen-general/

Thema 2 – Deutsch-französisches 100-Milliardenprojekt Future Combat Air System (FCAS)

FAZ, Ein Kampfflugzeug für 100 Milliarden Euro, 21.1.2020 www.faz.net/aktuell/politik/inl…-euro-16593549.html

FAZ, Europas künftiges Kampfflugzeug nimmt Formen an, 17.6.2019 www.faz.net/aktuell/wirtschaft/…en-an-16241407.html

Sicherheitshinweise

Carlo: Libyen-Konferenz
Views from the capitals: The Libya conference in Berlin, ECFR, 23 January 2020,
www.ecfr.eu/article/commentary_…onference_in_berlin

Frank: Automatische Gesichtserkennung
The Secretive Company That Might End Privacy as We Know It, New York Times, 18 January 2020
www.nytimes.com/2020/01/18/techno…-recognition.html.

Seehofer verzichtet auf Software zur Gesichtserkennung, Der Spiegel, 24. Januar 2020
www.spiegel.de/politik/deutschla…80ce-2642b420bd55

Rike: KI-Exportkontrollen
US announces AI software export restrictions, The Verge, 5 January 2020 www.theverge.com/2020/1/5/2105050…spatial-analysis

Thomas: “Cyberattack” oder “Cybercrime”?
„Ungereimtheiten“ im Netzwerk, Stadt Potsdam schaltet ihre Server ab, Der Spiegel, 23. Januar 2020, www.spiegel.de/netzwelt/web/stad…8a32-cff6ad593da7

Podcast-Tipps von Rike und Frank (aus der Frage-Antwort-Runde mit dem Publikum)

Rike:
Bombshell
Future Limited
Conversations with Tyler
Le Collimateur

Frank:
Lage der Nation
Arms Control Wonk Podcast
NDR Info Streitkräfte und Strategien (kein Podcast im eigentlichen Sinne)

(Foto: Bernhard Ludewig)

8 Gedanken zu „Sicherheitshalber, der Podcast – Folge 22 LIVE : USA vs. Iran und Kampfflugzeug der Zukunft

  1. Hallo Herr Wiegold,

    irgendwie ist die Nummerierung in der Überschrift durcheinander geraten. Es müsste auch dort „Folge 22“ heißen.

    Gruß, Pio-Fritz

    [Ups, ja, danke für den Hinweis, ist korrigiert. T.W.]

  2. @T.W.: Die Tonqualität ist gut, kein Grund, sich zu entschuldigen.
    Herzlichen Glückwunsch zur ersten Livesendung! Dass in Berlin nix funktioniert (Aufzeichnung) ist ja nichts neues :)
    Ein Grund mehr, die nächste Livesendung im Südwesten zu machen :)

  3. Vorweg: Ich hatte mir keine vorherige Folge des Podcasts angehört, sondern kam aufgrund der Live-Ausgabe (und musste leider vor der Diskussion mit dem Publikum gehen).
    Von dem, was ich gehört habe, war ich allerdings enttäuscht.

    Anfangs die vollmundige Ankündigung, dass Sicherheitspolitik in dem etablierten Medien ziemlich kurz käme und nur oberflächlich behandelt würde, in diesem Podcast aber „mehr rumkäme“. Nicht nur angesichts dieser Ankündigung war die Diskussion inhaltlich sehr flach, NZZ, FAZ, SZ usw. bringen deutlich bessere Hintergrundberichte u.ä.

    Das betrifft allerdings nicht Sie persönlich, die Sie aus meiner Sicht und für meinen Geschmack zu wenig gesagt haben. Und auch nicht Carlo Masala, der sehr erfrischend (!) darauf hingewiesen hat, dass „nur die Schwachen über die Völkerrechtswidrigkeit von Drohnenangriffen diskutieren“ und der im weiteren Verlauf auf die iranischen Möglichkeiten einer asymmetrischen Reaktion hingewiesen hat. Sondern das betrifft vor allem Frank Sauer und Ulrike Franke, die sich- insbesondere zum ersten Thema – auf einer politischen / Meta-Ebene bewegten, die mit der Realität „on the Ground“ wenig bis gar nichts zu tun hat und auch für die Entscheidungsträger nahezu sicherlich keine Rolle spielt, aber vermutlich den akademischen Elfenbein und die Think Tank-Blase widerspiegelt. Das hängt eventuell auch mit fehlenden Fachkenntnissen zusammen, denn wie Personen, die sich bisher primär mit Drohnen und künstlicher Intelligenz beschäftigt haben, sich plötzlich und kompetent zur Lage im Nahen und Mittleren Osten äußern soll, erschließt sich mir nicht.

    Nur um ein Beispiel zu nennen: Soleimani kann nicht *einfach so* durch seinen Stellvertreter oder einen anderen General ersetzt werden, denn bei den iranischen Revolutionswächtern handelt es sich so wie bei allen anderen regionalen Streitkräften mit Ausnahme Israels nur auf dem Papier um Streitkräfte nach westlichem Vorbild. In der Realität sind persönliche und politische Beziehungen ebenso ausschlaggebend für Führungs- und Entscheidungsfähigkeit wie formale Hierarchien.

  4. Wie schade, schon wieder vorbei! Das war auf jeden Fall noch einmal etwas besonderes!
    Vielen Dank dafür! Hoffentlich seid Ihr bald im ÖRR. Ich freue mich für Euch, und wünsche uns noch ganz viele Sendungen!
    Das ich nun nie erfahren werde, was es mit dem „Bärenfell“ auf sich hatte, lässt mir gar keine Ruhe.
    Neid für alle, die dabei sein konnten.

  5. @Boots on the Ground
    Also ich finde das mit der Tötung Soleimanis durch die Amerikaner eben doch eine neue rechtliche Grenze (da Angehöriger einer regulären Armee) durchbrochen wurde und die Bagateliesierung von Kriegsrecht eben doch Diskussionswürdig ist. Denn die Befugnisse deutscher Soldaten im Einsatz müssen an die Kriegsrealitäten angepasst werden. Z.B: Wie müssen deutsche Generäle geschützt werden, wenn das gezielte Ausschalten normal wird.
    Und rein Operativ gesehen wurde Soleimani schon ersetzt, denn der Schattenkrieg geht einfach weiter. Siehe „ANALYSE: Was wird aus Soleimanis Nahost-Agenda?“ auf Israelheute.com. Und die iranische Armee als unprofessionell/unorganisiert zu bezeichnen zeugt halt auch nicht gerade von Nahostkompetenz.

  6. Einige Anmerkungen zu „Das Kriegsbild der Zukunft“.
    Der Singular legt nahe, es gäbe nur ein einziges, eben „das“ Kriegsbild.
    Unter Beobachtung jüngerer Geschichte in gegebener Sicherheitspolitik und des Kriegsgeschehens seit 1945 handelten Konfliktparteien zumindest unter zwei vorliegenden Kriegsbildern.
    Das „klassische“ Kriegsbild betrachtet Gegner in symmetrischer Konstellation wie üblicherweise die bekannte LV/BV. War der Koreakrieg noch in dieser Form geführt, begann etwa zeitgleich in Vietnam mit Vietminh und Vietcong gegen zunächst FRA, später U.S. Truppen ein wesentlich geändertes Kriegsbild Raum zu gewinnen. Sämtliche späteren so genannten Befreiungskriege in Asien, Afrika und Südamerika vollzogen sich unter asymmetrischen Bedingungen der Kriegsgegner, in der Neuzeit gelernt in Vietnam
    Grob gesagt haben wir als Partner im Bündnis es also mit zwei Kriegsbildern zu tun, dem mit symmetrischer und asymmetrischer Gegnerschaft.
    Bewaffnete Konflikte und zugrunde liegende Kriegsbilder haben sich drastisch verändert, ein Prozess, der kaum abgeschlossen scheint. Cyber-Warfare wird erst noch zeigen, welcher Einfluss gegeben ist.
    Das einheitliche Kriegsbild kann es nicht geben. Allerdings werden Erscheinungsformen von Krieg nicht vollständig „neu“ definiert werden müssen.
    Klassische Streitkräfte müssen sich aber auf das Bisherige einstellen, und -„das Asymmetrische denken und in Teilen führen können -; es gilt in Nachrichtengewinnung&Aufklärung auf der Höhe zu sein. Übergänge können eher fließend als abrupt vollzogen werden. So war Golf 2 im Ursprung ein Kampf klassischer Gegner, unabhängig von jeweiliger Kampfkraft, mündete aber spätestens ab Falludscha 2004 in eine asymmetrische Form mit streng variierendem Kriegsbild, – zur Überraschung der U.S. Präsenztruppe, und der U.S. POLITIK(!).
    Lesenswerte Gedanken dazu finden sich in http://www.bundesheer.at/truppendienst/ausgaben/artikel.php?id=190

  7. Ich habe den Podcast eben beim Gassigehen auf 15 Euro Kopfhörern gehört und es war absolut in Ordnung.

  8. @JD: Bei dem Vergleich fallen einige wesentliche Unterschiede unter den Tisch: Soleimani war nicht der Leiter irgendeines Amtes oder einer Kommandobehörde, sondern General eines Großverbands, den die USA als Terrororganisation listen, der seit Jahrzehnten einen unterklärten Krieg gegen den Westen führt und der direkt oder durch die Unterstützung von Proxies für Tod hunderter westlicher Soldaten und Zivilisten verantwortlich ist. Eine der wenigen vergleichbaren Positionen im Westen wäre der Leiter der Special Activities Division der CIA.

    Ich habe weder die iranischen Streitkräfte noch die Revolutionswächter als „unprofessionell/unorganisiert“ bezeichnet, sondern lediglich auf die Besonderheiten nahöstlicher Streitkräfte hingewiesen. Insbesondere die Führung von Proxies erfordert ein hohes Maß an Geschick usw., das Soleimani zweifellos hatte, sein Nachfolger aber noch gar nicht haben kann! Auch die zentrale Rolle in der Soleimanis in der Umsetzung der iranischen Strategie im Nahen Osten ist keine, die aus der offiziellen Position des Kommandeurs der Quds-Kräfte hervorgeht, sondern ist unmittelbar auf Soleimani zurückzuführen.

    Der Artikel auf israelheute.com hat keinerlei Aussagekraft, weil er diese Faktoren nicht beachtet. Soleimanis Bedeutung wird nicht durch Einzel-Ereignisse oder Nicht-Ereignisse widergespiegelt.

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