BDI-Geschäftsführer wird neuer Chef des Thinktanks SWP

Der künftige Chef des einflußreichen Berliner Thinktanks Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) steht fest: Zum 1. Oktober soll der Politikwissenschaftler Stefan Mair, derzeit Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), dieses Amt übernehmen. Nach Informationen von Augen geradeaus! bestimmte der Stiftungsrat der SWP Mair  zum neuen geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden und damit zugleich zum Direktor ihres Forschungsinstituts Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit.

Der 1963 geborene Mair war bereits mehrere Jahre für die SWP tätig, ehe er zum BDI wechselte. Aus seiner Biographie auf der BDI-Webseite:

Mair absolvierte ein Studium der Politischen Wissenschaften, der Volkswirt­schaftslehre und der Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1989 bis 1991 war er Stipendiat des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Im Anschluss promo­vierte er im Jahr 1992 zum Dr. rer. pol. an der LMU München. In den folgenden Jahren war er als Afrikareferent der Stiftung Wissenschaft und Politik tätig, bis er 1997 Forschungsgrup­penleiter in der SWP wurde.
Von 2002 bis 2010 war er Mitglied der Institutsleitung der SWP. Von 2007 bis 2009 bekleidete er zudem das Amt des Forschungsdirektors. Im Jahr 2010 wechselte Dr. Stefan Mair von der Stiftung Wissenschaft und Politik zum BDI.

Mair löst Volker Perthes ab, der die SWP seit 2005 führt. Der scheidende Direktor war nicht nur als Wissenschaftler und Institutsleiter öffentlich bekannt geworden, sondern auch durch internationales Engagement zum Beispiel als Leiter der Ceasefire Task Force (CTF) der International Syria Support Group. Die Stiftung Wissenschaft und Politik mit ihren rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gilt als eines der wichtigsten Politkberatungsinstitute von Bundesregierung und Parlament.

(Foto: Stefan Mair – BDI-Pressefoto, Datierung unklar, 2014 oder 2016)

4 Gedanken zu „BDI-Geschäftsführer wird neuer Chef des Thinktanks SWP

  1. „Die Stiftung Wissenschaft und Politik mit ihren rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gilt als eines der wichtigsten Politkberatungsinstitute von Bundesregierung und Parlament“. Ist dem so? Ich hoffe, dass diese Aussage sich maximal auf die Sicherheits- und die Außenpolitik beschränkt. Dies ist ja auch das – selbstbenannte – Kerngeschäft der Stiftung SWP. Mir ist SWP bisher nicht bekannt gewesen – aber ich verkehre ja auch nicht in diesen Kreisen.
    Bei einer Sichtung des Profils der SWP und der Forschungsthemen samt Forschenden scheinen mir da doch die Politikwissenschaftler den Kern zu bilden.
    Wenn man schon die eigene Forschung als Qualitätsmerkmal so sehr herausstreicht – wo sind denn da die Naturwissenschaftler? Es gibt durchaus andere große deutsche Wissenschaftseinrichtungen, deren Expertise sich die Politik zu Rate holen sollte und hoffentlich auch tut. Und die sind nicht primär davon getrieben, möglichst großen Einfluss auf die Politik auszuüben – was sie aus meiner Sicht glaubwürdiger macht.
    Und jetzt wird der BDI-Geschäftsführer Leiter dieses Institutes. In welche Beratungsrichtung das Ganze wohl gehen wird?

  2. @Nachhaltig
    Sie wollen das Profil gesichtet haben? Oberflächlich, denn die Stoßrichtung von SWP ist absolut eindeutig:
    „Die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) berät politische Entscheidungsträger/innen zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik bzw. der internationalen Politik. Dabei richten sich ihre Angebote in erster Linie an Bundestag und Bundesregierung sowie für Deutschland wichtige internationale Organisationen wie EU, NATO und Vereinte Nationen“.
    Das „maximal … beschränkt“ lässt vermuten, Sie haben den Kern der Aussage „berät … zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik [SiPo] bzw. der internationalen Politik“ nicht begriffen.
    Die SWP betreibt ausschließlich SiPo. Logischerweise häufen sich in der Mitarbeitergilde Politikwissenschaftler samt verwandter Disziplinen.

  3. @Nachhaltig
    Ein Unterschied zu herkömmlichen Wissenschaftlern ist sicherlich PR. Think Tanks zeigen mediale Präsenz und vertreten offensiv ihre (teils kontroversen und subjektiven) Ansichten. Außerdem sind sie Netzwerker, die Politik, Lobbygruppen, Analysten und Militär/Geheimdienste verbinden. Dadurch hat sich z.T. im Ausland ein Drehtüreffekt eingestellt.
    Man hat hierzulande zwar auch versucht, eine Art Austausch zwischen Forschung und Militär einzurichten, dies ist allerdings nicht gelungen.

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