Probleme mit dem Hubschrauber NH90 – Großteil der Bundeswehr-Flotte betroffen (Update)

Ein Großteil der Hubschrauber vom Typ NH90, die die Bundeswehr als Transporthelikopter betreibt, sind von technischen Problemen am Heckrotor betroffen und können derzeit nur eingeschränkt genutzt werden. Nach Angaben des Heeres müssen alle Maschinen, die vor 2018 geliefert wurden, zunächst überprüft und gegebenenfalls Teile ausgetauscht werden.

Wie das Deutsche Heer (bereits am gestrigen Mittwoch)  auf seiner Webseite* mitteilte, hatte die Herstellerfirma Airbus Helicopters die Nutzer zur Untersuchung ihrer Hubschrauber aufgefordert:

Die Industrie hat kürzlich darauf hingewiesen, dass es bei dem Mehrzweckhubschrauber NH-90 zu Problemen im Bereich des Heckrotors kommen kann. Bundeswehr und Industrie arbeiten gemeinsam an der Lösung. Es werden nun alle Heckrotorblätter von den NH-90 überprüft, die vor 2018 ausgeliefert wurden.
Alle betroffenen Hubschrauber werden überprüft. Nach beanstandungsfreier Prüfung durch luftfahrzeugtechnische Experten ist ein Weiterbeitrieb zunächst noch möglich. Die betroffenen Komponenten müssen dann jedoch zeitnah ausgetauscht werden. Nur mit dem neuen Modifikationsstand ist der weitere Dauerbetrieb zulässig. Durch den Vorfall ist die materielle Einsatzbereitschaft des NH-90 in den nächsten Wochen eingeschränkt.
Die nach 2018 ausgelieferten Hubschrauber müssen nicht untersucht und modifiziert werden, da hier bereits eine neue Komponente verbaut ist.

Insgesamt hat die Bundeswehr etwas mehr als 70 Hubschrauber dieses Typs (im Rüstungsbericht vom Juni 2019 wurde die aktuelle Zahl mit 71 angegeben; inzwischen sind einige hinzugekommen). Die Zahl der betroffenen Maschinen macht nach Informationen von Augen geradeaus! weit mehr als die Hälfte der vorhandenen Helikopter aus – allerdings nur rechnerisch: Da zahlreiche Maschinen derzeit zu Wartungs- oder Nachrüstarbeiten ohnehin bei der Industrie stehen, ist es am Ende wohl etwas weniger als die Hälfte der einsatzfähigen Maschinen bei der Truppe, die betroffen sind.

Das Heer verwies darauf, dass die technischen Probleme keinen Einfluss auf die derzeitige Einsatzbereitschaft hätten, da der NH-90 aktuell in keinem Auslandseinsatz eingesetzt und eingeplant ist.

Update: Von Airbus Helicopters gab es dazu diese Stellungnahme:

Airbus Helicopters bestätigt, dass NHIndustries ein Airworthiness Follow up Sheet (AFS) herausgegeben hat, das die Nutzer über technische Probleme mit Befestigungsschellen am Heckrotorblatt informiert. Diese Aussendung erfolgte nach Vorfällen im Flug, bei denen eine abnormale Vibration der Heckrotorblätter auftrat. Dem AFS folgte ein Emergency Alert Service Bulletin, welches die Nutzer zu Inspektionen und zur Durchführung von Modifikationen aufruft, um die Sicherheit im Flug zu gewährleisten: Die Ursache ist identifiziert, die diesbezüglichen Erkenntnisse wurden den Behörden und Nutzern mitgeteilt. Airbus Helicopters arbeitet gemeinsam mit den Nutzern daran, die Auswirkungen auf den Betrieb möglichst gering zu halten.

Dem entnehme ich, dass die Bundeswehr nicht der einzige NH90-Nutzer ist, bei dem dieses Problem auftritt bzw. auftreten kann.

*Angesichts des absehbaren Relaunchs der Bundeswehr-Webseiten hier die Seite als pdf-Datei:
Mehrzweckhubschrauber NH-90: Befestigungselement wird ausgetauscht

(Foto: NH90 auf der ILÜ Landstreitkräfte im Oktober 2019 in Munster)

3 Gedanken zu „Probleme mit dem Hubschrauber NH90 – Großteil der Bundeswehr-Flotte betroffen (Update)

  1. Wenn Airbus ein „Emergency Alert Service Bulletin“ herausgegeben hat, dann ist dies schon etwas mehr Dringlichkeit als ein Routinevorfall, wie ihn die Bw Webseite darstellt. In Bw-Internen Flugmeldevorgängen wäre dies eine sofortige Flottensperrung für alle betroffenen Lfz gewesen.
    Außerdem Vibrationen am Heckrotor weil die Befestigungsschellen für die Heckrotorblätter nicht richtig funktionieren hört sich für mich nicht nach einem kleineren Routinevorfall an.

    Welcome beim Industriesprech im „Downsizing“ !

  2. Die Bundeswehr ist nicht der einzige NH90-Nutzer , bei dem dieses Problem den Flugdienst einschränkt. Von dem EASB sind alle Nutzernation NH-90 betroffen, die vor 2018 NH-90 in Dienst gestellt haben. Während einige Nationen die Modifikation der Heckrotorblätter bereits abgeschlossen haben (oder kurz davor sind), sind von den Einschränkungen derzeit am meisten betroffen Griechenland, Niederlande, Italien und Deutschland.

  3. Ein guter Grund, ein gewisses Maß an Diversifizierung in der Flotte zu haben. Sonst brechen bei so einem Vorfall gern mal ganze Fähigkeitsbereiche weg.

    Ansonsten scheint mir das Problem zwar durchaus flugsicherheitsrelevant und daher störend zu sein, jedoch ist mit einer absehbaren Behebung zu rechnen.

Kommentare sind geschlossen.