Straße von Hormuz: USA warnen vor Störung des GPS-Signals und falschem Funkkontakt

Die Debatte über eine Schutzmission für Tanker im Persischen Golf und in der Straße von Hormuz ist in Deutschland – vorerst – in den Hintergrund gerückt. Die USA bemühen sich unterdessen unverändert um internationale Beteiligung an einer solchen US-geführten Schutzmission – und vor dem Hintergrund ist die Warnung interessant, die die U.S. Maritime Administration aktuell für Handelsschiffe in der Region ausgesprochen hat.

Die Behörde, eine Einrichtung des US-Transportministeriums, aber in enger Abstimmung mit der U.S. Navy und der Coast Guard aktiv, veröffentlichte am (gestrigen) Mittwochabend eine aktualisierte Warnmeldung für den Persischen Golf, den Golf von Oman und die Straße von Hormuz. Wichtigste Aussage darin: Bei den Vorfällen in den vergangenen Wochen und insbesondere bei der Festsetzung von Tankern durch iranische Behörden und Streitkräfte soll mindestens zwei Mal das GPS-Signal gestört worden sein. Zudem hätten sich – unbekannte – Schiffe über Funk gegenüber den Handelsschiffen als Einheiten der U.S. Navy und anderer, nicht näher benannter Koalitionsstreitkräfte ausgegeben.

Aus dem Maritime Advisory vom 7. August:

Heightened military activity and increased political tensions in this region continue to pose serious threats to commercial vessels. Associated with these threats is a potential for miscalculation or misidentification that could lead to aggressive actions. Vessels operating in the Persian Gulf, Strait of Hormuz, and Gulf of Oman may also encounter GPS interference, bridge-to-bridge communications spoofing, and/or other communications jamming with little to no warning.
Since May 2019, the following maritime incidents have occurred in this region:
– Six attacks against commercial vessels (see U.S. Maritime Alerts 2019-002A and 2019-003A);
– Shoot-down of U.S. Navy remotely piloted aircraft over international waters;
– Attempted at-sea interdiction of Isle of Man-flagged M/V BRITISH HERITAGE;
– Seizure of ex-Panama-flagged M/V RIAH;
– Seizure of U.K.-flagged M/V STENA IMPERO (see U.S. Maritime Alert 2019-004A); and
– Detention and subsequent release of Liberian-flagged M/V MESDAR (see U.S. Maritime Alert 2019-004A).
In at least two of these incidents, vessels reported GPS interference. One vessel reportedly shut off its Automatic Identification System (AIS) before it was seized, complicating response efforts. Vessels have also reported spoofed bridge-to-bridge communications from unknown entities falsely claiming to be U.S. or coalition warships.

In welchen Fällen es solche Störungen der Satellitennavigation oder falsche Kontaktaufnahmen über Funk gab, teilte die Behörde nicht im Detail mit. Damit bleibt auch vorerst unklar, ob und wie ein solches Vorgehen zur Festsetzung zum Beispiel des britisch geflaggten Tankers Stena Impero beigetragen haben könnte.

Weiter vermutlich nach Entwicklung.

(Foto: Image of HMS Montrose, accompanying the Stena Important and the Sea Ploeg vessels in the Gulf 25 July 2019 – UK MOD/Crown Copyright/MOD News License)

10 Gedanken zu „Straße von Hormuz: USA warnen vor Störung des GPS-Signals und falschem Funkkontakt

  1. Der friedliebende Iran in Achtung, in Wertschätzung internationalen Freihandels?
    A US official told @barbarastarrcnn
    that Iran has placed GPS jammers on Iran-controlled Abu Musa (1) Island, which lies close to the entrance of the Strait of Hormuz, hoping the jammers will cause ships to mistakenly wander into Iranian waters, giving Iran a pretext to seize them.
    Andererseits
    @hdevreij
    Sounds like BS. Many ships use the Iranian territorial waters after passing/going to the Strait of Hormuz as it is. They don’t neeed to be lured by spoofed GPS/AIS data. For clarity sake only tankers are shown in the first pic; all vessels in the second.
    https://mobile.twitter.com/hdevreij/status/1159481612071055360/photo/1
    (1) Zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht ein Gebietsdisput über Abu Musa. (Wiki)
    Es gibt keine allgemeine völkerrechtliche Übereinkunft, zu welchem Staat Abu Musa gehört. Wegen der erwarteter Erdölvorkommen und der strategisch vorteilhaften Lage in Bezug auf den westlichen Eingang zur Seestraße erheben sowohl der Iran als auch die Vereinigten Arabischen Emirate Anspruch auf Abu Musa.
    Seit 1980 liegt der Besitzstreit vor den UN, Entscheidung offen. Die iranische Besetzung blieb erhalten. Ca 5.000 Personen leben auf der Insel, die Anzahl an Militärs ist nicht bekannt.

  2. @Klaus-Peter Kaikowsky
    „Der friedliebende Iran in Achtung, in Wertschätzung internationalen Freihandels?“

    Mit dem Ergebnis der Prüfung der Tanker-Aufbringung in der Straße von Gibraltar durch den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages (WD 2 – 3000 – 091/19 vom 2. August 2019) ist nach meinem Urteil erwiesen: Dem Iran ist, was den Grace 1 Vorgang angeht, eindeutig, unter Verstoß der seerechtlichen Normen, gewaltsam Unrecht gegen ein Handelsschiff angetan worden und dieser Zustand besteht fort.

    Sie könnten, und sollten, somit AUCH formulieren:
    „Das friedliebende UK in Achtung, in Wertschätzung internationalen Freihandels?“

    Wenn wir, die DEU & FRA, nicht realisieren, dass das Recht – in diesem Falle – auf der Seite des Iran und nicht unseres Verbündeten liegt, verlieren wir Legitimität und Glaubwürdigkeit. Recht ist doch dazu da, dass man es zur Kenntnis nimmt.

    Doch nicht nur das. Wir sind Zeuge einer Spaltung der E3 zu JCPOA – UK ist E3-fahnenflüchtig, hat die Allianz gewechselt. Das hat eine erhebliche Bedeutung. Das erkennt man auch am eisernen Schweigen aus Brüssel dazu. Reden ist Blech, Schweigen ist Gold ist dort die Maxime – nicht aber hier, in diesem Forum.

  3. Na zum Glück haben wir ja noch GALILEO!
    Ach, das funktioniert gerade nicht? Schade.
    Mal die Russen fragen, ob ihr GLONASS auch gestört wird?
    GPS Störungen soll es ja im Schwarzen Meer dauernd geben… und in Moskau. Und überall wo Putin gerade rumfährt…

    Cyber. Cybert. Seibert?

    Was macht eigentlich unser Cyberkommando? Trojaner kaufen und zero-days?
    Und was macht das amerikanische und israelische Cyberkommando? Ach ja: Siemens-Industrie-Steuersoftware hacken, damit den Iranern ihre Urananreicherungs-Zentrifugen um die Ohren fliegen. Aber das war ja alles Schnee von Gestern. Genauso wie das Abhören unter Freunden – “geht gar nicht!”.
    Zum Glück hat unsere “Neuland”-Kanzlerin kein Amazon-Echo… und spricht nicht mit Siri.

    Ich schlage ja ein Lotsensystem vor! Da kommt dann ein iranischer Lotse an Bord, um die ortsunkundigen Schiffe sicher durch die gefährlichen Engstellen zu lotsen. Wegen mir auch mit deutscher Beteiligung. Ach ne: deutsche Lotsen kennen sich da ja nicht aus. Außerdem sind unsere Lotsen ja schon lange von Bord gegangen.

  4. @Stadtpark sagt:10.08.2019 um 1:02 Uhr

    Ihre Gehässigkeiten gegen deutsche Bundeswehrkommandos, Behörden und die Kanzlerin sind an der völlig falschen Stelle und unangebracht. GALILEO funktioniert übrigens schon seit Wochen wieder, ein Blick in die Nachrichten genügt.
    GPS ist eine reine US-Veranstaltung unter der Federführung des US-Verteidigungsministeriums. Und die Sendeleistung der dazugehörigen Satelliten ist so schwach, das sogar Grundschüler einen Störsender dafür bauen könnten. Hier ein Hinweis zu entsprechenden Quellen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/GPS-Jammer

  5. @Ökonom sagt: 09.08.2019 um 14:38 Uhr
    „Mit dem Ergebnis der Prüfung der Tanker-Aufbringung in der Straße von Gibraltar durch den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages (WD 2 – 3000 – 091/19 vom 2. August 2019) ist nach meinem Urteil erwiesen“

    Wie so häufig: der wissenschaftliche Dienst erstellt Gutachten nach besten Wissen und Gewissen. Es ist eine Rechtsposition. Es gibt andere. Erwiesen wird dadurch daher gar nichts.

    GBR ist ein Rechtsstaat von daher steht dem SGP Reder und dem SGP Eigner der Rechtsweg offen. In DIESEM wird dann rechtlich verbindlich festgestellt ob Recht durchgesetzt oder Unrecht begangen wurde.

  6. @Koffer,

    1) dann wäre es doch einerseits geraten, dass man die UK anregt, dieses Gerichtsverfahren doch etwas zu beschleunigen, denn bisher basiert die Festsetzung der GRACE1 auf einstweiligen Verfügungen. Eine Beschlagnahmung ohne ordentliches Gerichtsverfahren in der Hauptsache ist doch in einem Rechtsstaat undenkbar, oder? Wobei ja die Ausweisungen mit der mindestens impliziten Schuldzuweisung in der Skripal-Story auch erfolgten, bevor ein Gericht sich mit der Sache befasst war.
    2) warum empfiehlt man dann nicht UK, den Rechtsweg bezüglich der Impero zu gehen, statt der militärischen Karte von Geleitschutz?
    3) Recht und Gesetz, einschließlich Rechtsprechung, kann durchaus ungerecht sein, als Bsp. die Nürnberger Rassengesetze. Worauf Sie hinauswollen ist lediglich die Durchsetzung der bestehenden Gesetze im Fall der Grace1 im UK als Rechtsstaatlichkeit unter der stillschweigenden Annahme, dass die Gesetze selber OK sind. Wohingegen Sie bei dem Iran entweder die Existenz normaler Gesetze oder der deren Durchsetzbarkeit durch Gerichte (oder beides) stillschweigend verneinen. Kann man dies als erwiesen betrachten?


    bei der Mitteilung unserer nordamerikanischen Freunde fällt auf:
    „- Shoot-down of U.S. Navy remotely piloted aircraft over international waters;“ – die Gegenfrage von Außenminister Sarif auf die vielfache Frage hierzu lautet immer „wie kommt es dann, dass wir, und zwar nur wir, Trümmer dieser Drohne haben?“ zumal es ja in der Gegend offensichtlich keine „international waters“ gibt.
    „– Seizure of ex-Panama-flagged M/V RIAH;“ – das Schiff hatte früher Mal eine Flagge, jetzt aber nicht mehr? Dann ist doch dringendes Eingreifen erforderlich, oder? Die Begeisterung möchte ich sehen, wenn auf deutschen Autobahnen LKW ohne amtlichen Kennzeichen herumfahren. Vermutlich aber wohl nur eine komische Formulierung?

  7. @justanick sagt: 11.08.2019 um 12:25 Uhr
    „1) dann wäre es doch einerseits geraten, dass man die UK anregt, dieses Gerichtsverfahren doch etwas zu beschleunigen“
    Wieso sollte das GBR, die britische Regierung (bzw. die von Gibraltar) hat als Exekutive ihre Entscheidung getroffen? Wenn Reder oder Eigner es wollen, dann müssen sie das Verfahren vor der Judikative anstrengen. Das nennt man Gewaltenteilung.

    Ich habe volles Vertrauen GBR als Rechtsstaat.

    „2) warum empfiehlt man dann nicht UK, den Rechtsweg bezüglich der Impero zu gehen, statt der militärischen Karte von Geleitschutz?“

    Weil IRN kein Rechtsstaat ist.

  8. @ Koffer sagt: 11.08.2019 um 9:57 Uhr

    „der wissenschaftliche Dienst … Es ist eine Rechtsposition. Es gibt andere. “

    i) Was der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages da geleistet hat, ist eine wirkliche Durchprüfung seerechtlicher Begründungen. Ich kenne keine einzige vergleichbare Ausarbeitung. Ich bitte um Nennung, worauf Sie sich beziehen.

    ii) Ich will auch schon einmal vorbauen, um zu verteidigen, was ein Rechtsstaat ist: Falls Sie ernstlich meinen, eine schlichte rechtliche Positionierung ohne Ansehen der Rechtstexte sei satisfaktionsfähig, führe ich die folgende Analogie ein: Als Galileo Galilei die Existenz der Jupiter-Monde den Kardinälen beweisen wollte, bot er ihnen einen Blick auf die Tatsachen via Fernrohr an – die verweigerten. Ihre Reaktion scheint mir ähnlich: Sie verweigern den Blick.

  9. @Ökonom

    Ist das Gutachten online verfügbar? Ich habe leider nichts gefunden. 🙁

    [In der Tat, die jüngsten vom Bundestag veröffentlichten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes sind vom 30. Juli, dieses Dokument vom 2. August (?) scheint es noch nicht online zu geben… Die Suche nach „WD 2 – 3000 – 091/19 vom 2. August 2019“ bleibt jedenfalls ohne Ergebnis. T.W.]

  10. @Ökonom sagt: 11.08.2019 um 17:34 Uhr
    „Ich will auch schon einmal vorbauen, um zu verteidigen, was ein Rechtsstaat ist: Falls Sie ernstlich meinen, eine schlichte rechtliche Positionierung ohne Ansehen der Rechtstexte sei satisfaktionsfähig, führe ich die folgende Analogie ein: Als Galileo Galilei die Existenz der Jupiter-Monde den Kardinälen beweisen wollte, bot er ihnen einen Blick auf die Tatsachen via Fernrohr an – die verweigerten. Ihre Reaktion scheint mir ähnlich: Sie verweigern den Blick.“

    Ich habe keine Ahnung was Sie mir damit sagen wollen.

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