Bundeswehr in Afghanistan: Naive Fragen an die Soldaten

Nach dem General hat Kollege Tilo Jung in Masar-i-Scharif auch Soldaten interviewt. Die naiven Fragen oben im Video.

11 Kommentare zu „Bundeswehr in Afghanistan: Naive Fragen an die Soldaten“

  • Memoria   |   01. Dezember 2017 - 7:56

    Sehr interessant, aufgrund der authentischen Interviewpartner.
    Zudem stellte Herr Jung faire Fragen, anderer Interviewstil als mit Politprofis.

    Als beispielhaftes Erklärstück für den deutschen Beitrag von RS sehr sehenswert.
    Im PIZ EinsFüKdo hatte jemand dankenswerterweise offenbar Mut – und dieser Wurde belohnt.

  • STO   |   01. Dezember 2017 - 11:48

    Moin,
    naja Hr. Memoria, ihren dritter Satz ist auch eine Möglichkeit und es war billiger als die sonstige off the shelf. Werbung da über den NAIVLING die Kosten wahrscheinlich outgesourct wurden.
    Vorab, ich finde den NAIVLING Jung einen Knaller, gerade was er im Kabinett der Grauens, aka BPK, so treibt oder auch vor sich hin treibt, entlarvt einfach wunderbar.
    Aber man könnte ja auch noch folgende Theorien aufstellen:
    1. Die Junx & Mädels waren super gebrieft.
    2. Die Junx & Mädels konnten den Subtext der Fragen nicht verstehen.
    3. Die Junx & Mädels wollten den Subtext der Fragen nicht beantworten.
    Theorie 2 wäre eine Katastrophe, aber aus meiner eigenen Beobachtung heraus nicht ungewöhnlich, soviel zum Thema mündiger Staats-Bürger. Obwohl zur Ehrenrettung, draußen sieht es ja nicht anders aus.
    Dann stimmt dat Dingen mit die Spiegelbild wohl doch:))

  • Frank   |   01. Dezember 2017 - 12:57

    Ich finde derartige Interviews sollte es öfters geben. Und eigentlich „erwarte“ ich das auch von Journalisten.

    Die übliche Berichterstattung über die Einsätze verläuft ja eher nach einem Prozedere gleich einem Zeremoniell. Jedenfalls weis ich nicht was gegen die in diesem Interview stattfindende kritische Selbstreflektion einzuwenden ist.

    Unabhängig davon war den Soldaten schon anzumerken das Sie nur sehr selten Interviews mit eben genannten Subtext konfrontiert waren. Das hangeln am altbekannten Phrasenkatalog war bei einigen doch ziemlich deutlich.

    @Tilo

    Warum bleiben offensichtliche Wiedersprüche einfach stehen?

    General Stahl erklärt das Taliban eben nicht einfach zu finden Sind, da sie in der Zivilgesellschaft abtauchen.

    Der RPA Pilot wird in deinem Video dargestellt wie er behauptet das die Taliban ganz einfach an Fahnen zu erkennen sind.

    Der normale Zuschauer kommt sich hier verascht vor, entweder redet der Kommandeur Blödsinn oder der Pilot.
    Ein wenig mehr Kontext wäre hier sinnvoll. Oder hast du hier einen „Subtext“ ?

    Taliban als Individuen können versuchen sich zu verstecken in dem sie sich einfach nicht zu erkennen geben, wenn es ihre Lage erfordert. Dies ist aber ein grundlegendes Problem der Aufstandsbekämpfung.

    Taliban drücken ihre Dominanz aber auch aus . Sie markieren das von Ihnen kontrollierte Gebiet z.B. mit weißen Fahren (Mit schwarzem Schriftzeichen). Ein Stilmittel welches der IS wohl übernommen hat. Nur dann eben mit schwarzen Fahnen.

    Diese Fahnen an dominanten Punkten , z.B. auf Häusern kann der RPA Pilot tatsächlich sehen und zuordnen. Er weiß in welchen Gebieten Taliban aktiv sind.

    Dadurch bleibt aber die Aussage des Kommandanten unberührt. Nur weil in einem Dorf die Taliban Flagge gehisst ist, heist dass noch Lange nicht das Bauer Mohammed auch ein Taliban ist.

    Somit sind beide Aussagen für sich alleine zwar widersprüchlich, aber sie beschreiben zusammengenommen eher das Problem uns sind keineswegs Falsch.

  • politisch inkorrekt   |   01. Dezember 2017 - 19:10

    Ich nehme mir nach diesem Beitrag für meinem nächsten Einsatz vor jeden mir unterstellten Soldaten mit exakt diesen Fragen zu konfrontieren:

    Warum sind wir hier?
    Was ist dein Auftrag?

    Wenn die das nicht auf Deutsch, verständlich und auch noch richtig rüberzubringen in der Lage sind, dann setze ich PolBil mit Rollenspiel an. Die Jungs mögen ja fachlich ihren Dienst leisten aber nicht in der Lage zu sein ihren Auftrag und den Deutschlands in einen Satz zu packen ist beschämend.

    pi

  • Anonymer_Typ   |   01. Dezember 2017 - 20:50

    @politisch inkorrekt

    Warum genau Deutschland in Afghanistan ist konnte mir aber auch von der Politk selbst in den letzten 16 Jahren nicht schlüssig erklärt werden.
    Irgendwas mit 9/11.
    Und Freiheit, ganz wichtig.

    [Das ist der dritte Nick, unter dem Sie hier kommentieren. Kommt nicht so gut. T.W.]

  • EdgarJ   |   01. Dezember 2017 - 22:02

    @ politisch inkorrekt

    Finde ich grundsätzlich gut und fair dem Soldaten gegenüber der so vorbereitet wird. Die Ironie in dem ganzem ist aber weniger schön. Wie oft sind Sie genau nochmal interviewt wurden von einem Medium mit fast 300.000 viewern?
    Jeder Presseoffizier wird Ihnen sagen können das dies unter anderen Umständen anders wäre. Ich erinnere an den OFw bei Stefan Raab mit „den Männern und Frauen und naja wegen dem ähm“. Er war danach in der Sendung und hat einen absolut soliden und cleveren Eindruck gemacht.

    Fair bleiben!

  • justanick   |   01. Dezember 2017 - 23:07

    interessanntes Video, interessante Fragen und Gesprächspartner.

    @Frank stimme ich zu, dass der Aufklärer und der General sich da widersprechen.

    Allerdings stellt sich doch die Frage: wer kann da lesen was auf den Flaggen steht? Ist es eher – hier heute Hochzeit oder – Taliban-Vollversammlung? Durch das Bilderverbot im Islam ist Schrift deutlich wichtiger als anderswo – und wer lesen kann, ist auch hier klar im Vorteil – nur, wer kann es?

    @Alle — hat irgendjemand Kenntnis, welche Schulung die Einsatzkräfte zu Kultur und Sprachen des „Gastlandes“ durchmachen?

    Aus dem Video sieht es eher so aus, als ginge dies gegen Null. Der erste Interviewpartner behauptet, es gäbe da viele Analphabeten. Mag sein. Aber wie hat er das festgestellt? Da fehlte die Nachfrage des Journalisten, in welcher Sprache sind die Fragebögen und in welche Sprache wird übersetzt (die Tafeln sind teils 2-, teils 3-sprachig, Englisch/Paschto und vermutlich Urdu). Wäre es eine der einheimischen, und davon gibt es zig, so kann man wohl davon ausgehen, dass die meisten deutschen Truppen sich als Analpheten outen würden. Und wenn die Fragen auf Paschto sind, dann kann man davon ausgehen, dass ein Urdu-Sprecher (auch einer der lesen und schreiben kann, und umgedreht) davon nichts versteht. Urdu und Paschto sind zwar eng verwandte Sprachen – also etwa so wie Deutsch und Polnisch – und benutzen auch weitgehend das gleiche Alphabet, aber …

    Könnte es für die Akzeptanz möglicherweise nützlich sein, und den Umständen entsprechend der elementaren Höflichkeit geschuldet, dass man durch Grundkenntnisse der Sprache/Kultur und allmähliche Verbesserung, seinen Respekt zum Ausdruck bringt? Muss ja nicht so albern sein wie Kennedeys „Ick bin än Bärlinä“.

  • Alex   |   02. Dezember 2017 - 0:12

    @justanick
    Ja, allerdings können die bei Bundeswehr Exclusive auch kein Französisch, sondern hatten da einen Belgier als Verbindung. Vielleicht veringert das sogar gefährliche Zwischenfälle. Man überlässt das den Profis.

  • politisch inkorrekt   |   02. Dezember 2017 - 12:31

    @EdgarJ

    Schon klar, dass ich das als Auftrag an mich selbst sehe meine Soldaten darauf vorzubereiten, oder? Mir ist egal ob sie clever sind oder nicht. Die sollen so eine Situation sicher abarbeiten können.

    pi

  • Analphabet   |   02. Dezember 2017 - 17:25

    @justanick:
    Zitat von Wikipedia:
    Die Analphabetenrate ist mit zirka 61,8 % im internationalen Vergleich sehr hoch. Invasion, Bürgerkrieg und die Kulturfeindlichkeit der Taliban ließen große Teile der Bevölkerung ohne jeden Zugang zu Bildung aufwachsen. [Zitat Ende]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   06. Dezember 2017 - 19:36

    Von @TiloJung bei Twitter
    Alltag auf der Straße: (- falls es nicht schon irgendwo präsentiert wurde -)
    Masar-E Scharif, Afghanistan – Jung & Naiv: Street View http://youtu.be/u8yVb6NPfaA pic.twitter.com/T8LKYaQiUF – nicht aufregend.

    @Anonymer_Typ
    Sämtliche Weißbücher seit 9/11 im Schwerpunkt „Sicherheitspolitik“ und ff „Einsatz“ lesen, dann klappt’s auch mit dem Verständnis zu unserer Beteiligung in Afghanistan.
    Wenn es dann noch nicht reicht, sämtliche Mandate und deren Verlängerungen gingen durch das Parlament und wurden von dem/der IBuK eingebracht und begründet.
    Sofern Sie das dann nicht teilen sollten, dann ist’s halt so.