Nur leichte Steigerung der Rüstungsausgaben weltweit – aber Zunahme in Europa und Asien

Die weltweiten Rüstungsausgaben sind nach einer Übersicht des schwedischen Friedensforschungsinstitut SIPRI im vergangenen Jahr insgesamt nur leicht um 0,4 Prozent gestiegen – was aber an immer auffälligeren Verschiebungen liegt: Während vor allem Ölförderländer aufgrund des Preisverfalls ihre Ausgaben reduziert haben, sind sie in Asien – wie bisher schon – und vor allem in Europa deutlicher erhöht worden. Die höchsten Ausgaben für Militär und Rüstung verzeichnete SIPRI erneut in den USA, gefolgt von China (allerdings auf Basis geschätzter Zahlen) und Rußland an dritter Stelle. Der deutsche Verteidigungshaushalt liegt in der weltweiten Rangfolge auf Platz neun, hinter Frankreich, Großbritannien und Japan.

Der Link zum Fact Sheet von SIPRI folgt später; ein genauerer Blick auf einige Zahlen, in erster Linie für Europa:

Westeuropäische Länder, also vor allem Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien, gaben im vergangenen Jahr zehn Prozent der weltweiten Militärhaushalte aus. Die höchste Steigerungsrate im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete Italien mit elf Prozent, was nach Einschätzung von SIPRI allerdings zu einem Teil auf gezielte Beschaffungsvorhaben zur Stützung der heimischen Rüstungsindustrie zurückzuführen sein dürfte. Insgesamt betrug die Steigerung in Westeuropa 2,6 Prozent im Vergleich zu 2015.

In Mitteleuropa, darunter fallen vor allem ehemalige Ostblockstaaten, die jetzt in der NATO sind, wurden die höchsten Steigerungsraten registriert. So erhöhte  Lettland seine Ausgaben um 44 Prozent, die stärkste Anhebung in Europa; in Litauen betrug die Steigerung der Rüstungsausgaben 35 Prozent. Das deute darauf hin, dass sich die empfundene Bedrohung durch Russland als Folge der Ukraine-Krise weiter auf die Ausgaben auswirke, erklärte das Stockholmer Institut.

Die russischen Rüstungsausgaben machten mit 69,2 Milliarden US-Dollar weniger aus als die addierten Verteidigungshaushalte der großen europäischen NATO-Länder (siehe Tabelle oben), sie stiegen aber im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent und im Vergleich zu 2007 sogar um 87 Prozent – hinter China mit 118 Prozent in der vergangenen Dekade und Indien mit 54 Prozent. Dagegen betrug für ganz Europa die Steigerung der vergangenen zehn Jahre 5,7 Prozent. Der Anteil der Ausgaben für das Militär am russischen Bruttoinlandsprodukt beträgt nach SIPRI-Angaben damit 5,3 Prozent, der höchste Prozentsatz seit dem Ende der Sowjetunion.

Unverändert sind die USA die Nation mit den höchsten Militärausgaben: 611 Milliarden US-Dollar und damit 36 Prozent aller Ausgaben weltweit. Von 2015 auf 2016 stiegen sie prozentual erstmals seit für Jahren wieder, um 1,7 Prozent – liegen allerdings noch 20 Prozent unter der Spitze im Jahr 2010.

Angesichts der Debatte über das in der NATO vereinbarte Ziel, bis 2024 zu einem Anteil von zwei Prozent der Verteidigungshaushalte am Bruttoinlandsprodukt zu kommen, hat SIPRI diese zwei Prozent für alle Mitgliedsländer der Allianz mal ausgerechnet. Im Wesentlichen ist das nicht überraschend; für Deutschland würden zwei Prozent auf Basis der Zahlen für 2016 einen rechnerischen Einzelplan 14 von 69 Milliarden US-Dollar bedeuten und damit im Bündnis den zweithöchsten Haushalt hinter den USA.

Interessant ist bei diesem theoretischen Überblick zweierlei: Wenn die USA ihre Ausgaben für das Militär auf zwei Prozent beschränken würden, folgte daraus eine Reduzierung von 611 auf 371 Milliarden  US-Dollar  – also eine faktische Reduzierung der Militärausgaben der NATO, die allerdings unwahrscheinlich ist. Und: Für Frankreich würden die zwei Prozent, gerechnet auf Basis der Haushaltszahlenvon 2016, eine Verringerung seiner Militärausgaben von 55,7 auf 49,1 Milliarden US-Dollar bedeuten.

Dazu auf der SIPRI-Webseite:

Die Pressemitteilung

CURRENT MILITARY SPENDING VERSUS NATO 2 PER CENT

SIPRI Fact Sheet: Trends in world military expenditure, 2016

(Foto: CH-53E Super Stallions assigned to Marine Heavy Helicopter Squadron (HMH) 466 fly in formation while transporting Marines during an exercise in part of Weapons and Tactics Instructors course (WTI) 2-17 near Yuma, Ariz., April 20, 2017 – U.S. Marine Corps photo by Cpl. Trever A. Statz)

18 Gedanken zu „Nur leichte Steigerung der Rüstungsausgaben weltweit – aber Zunahme in Europa und Asien

  1. Es wurde ja nicht vereinbart, war ja nicht beabsichtigt, Rüstungsausgaben zu reduzieren,

  2. Italien Hat 2016 kein neues Schiff gekauft ?

    Russland ist halt schön wenn man die das baut selbst auch Staatlich ist
    und gerade zum UK Preis bekommt

    und nicht mit den Gewinne die KMW und Rheinm im Jahr machen

  3. „Der Anteil der Ausgaben für das Militär am russischen Bruttoinlandsprodukt beträgt nach SIPRI-Angaben damit 5,3 Prozent, der höchste Prozentsatz seit dem Ende der Sowjetunion.“

    2017 fallen die Ausgaben wieder deutlich (-25% schrieb Janes).

    Dazu nationalinterest.org: Did Russia Just Cut Its Defense Budget by a Whopping 25 Percent?

    One of the problems that Moscow faced, Kofman notes, is that the Russian defense industrial complex was weighted down by commercial debt and interest payments.
    […]
    “Eventually the ministry of finance had to pay them down, so in December 2016 they made a onetime payment of 700 billion RUB to clear this debt (though some sources average it up to 800 billion). Added to 3.07 budgeted, this brought the overall amount to ~3.9 trillion RUB for 2016. Statistically, that resulted in a spike of 4.7% of GDP, but in reality an important chunk was this debt payment.”

  4. Sehr verwunderlich sind die französischen Zahlen, daß Frankreich angeblich mehr als 2 Prozent für Verteidigung ausgeben soll. Hier ist die Frage der Berechnung, denn in den letzten Jahren waren es nur ca 1,7 Prozent, die in den letzten Jahren gemeldet wurden. Deshalb glaube ich die französischen Zahlen von 2,3 % nicht! Die Franzosen erhöhen seit den Anschlägen und Mali sicher wieder ihre Verteidigungsausgaben, aber nicht in dieser Größenordnung.

  5. Die Liste kann man ökonomisch gesehen eh nicht sonderlich ernst nehmen, da Äpfel mit Birnen verglichen werden.

    Eine Aussagekräftige Liste muss bei der Erhebung der Zahlen die Inflation und die insbesondere die Währungsschwankungen genau abbilden.

    Denn solange bspw. Russland hauptsächlich russische Technik kauft und in Rubel bezahlt und der Rubel im gleichen Jahr 10% zum Dollar abwertet/aufwertet dann spuckt die Liste eine Erhöhung/Minderung der russischen Ausgaben aus, obwohl die Ausgaben sich nicht verändert haben.

    Wenn man dann noch vor Augen führt, dass Personalkosten einen großen Teil der Vtdg-Budgets ausmachen und diese überall in der Landeswährung bezahlt werden, wird einem die „Problematik“ dieser Liste sehr schnell ersichtlich.

    Das führt dann dazu, dass so eine Liste dann politisch und nicht mathematisch gelesen werden kann, weil im Grunde jeder irgendwelche Gründe hervorbringen kann die für die Ungenauigkeit der Liste sprechen.

  6. @Closius: Nach einem Bericht des DLF heute morgen scheinen auch Ausgaben für „Kriege“ eingerechnet, vielleicht hat das die Zahlen kurzfristig nach oben getrieben?

  7. „Kriege“ erhöhen natürlich die Operations&Maintenance Costs von Streitkräften, verursachen Nachbeschaffungen (z.Bsp. Munition), Infrastrukturkosten für Operationsbasen, plus „versteckte“ Ausgaben aus in keinem Haushalt aufgeführten Reptilienfonds z.Bsp. der Geheimdienste, etc.pp.
    Von daher halte ich den Begriff „Rüstungsausgaben“ in der SIPRI-Statistik für etwas irreführend – sind halt Friedensforscher.
    Genau das macht es aber so schwierig, einigermaßen objektive Vergleiche in Sachen „Rüstung“ statistisch zu ermitteln. Hinzu kommen die „stillen“ Subventionen in die nationalen Rüstungsindustrien, die eben nicht aus den Verteidigungsetats kommen
    Von daher sind Vergleiche – wie z.Bsp. Deutschland versus Frankreich – ziemlich unscharf,
    Trotzdem Ist die SIPRI-Übersicht interessant mit Blick auf die Größenordnungen weltweit in Sachen Kriegs-und Rüstungsausgaben.

  8. Was ich erneut bemerkenswert finde, bis auf Polen und Estland schaffen die ganzen bedrohten Osteuropäischen/baltischen Nato-Staaten keine 2%.
    Scheint aber nicht schlimm zu sein…

  9. klabautermann | 24. April 2017 – 10:44

    Wir haben noch Frieden und Afg sind wir mit Schweren Gerät draussen

    wir haben andere sorgen Mali 50% der Fahrzeuge nicht aus Angeblichen wegen Hitze
    Naja und weil Ersatz teile zu Spät kommen

    Was ist die Wahrheit

    Kann es nicht eher sein das die Fahrzeuge durch Afg Einsatz ihre Km schon überschriten haben und ersetzt werden müssten
    Die Amis haben Großzügig Augemustert wir nicht bei uns sind das Moderne Fahrzeuge ( das schon noch aber Fertig ???? )

    Ich habe den Eindruck wie der EAGLE IV da in Mali restlos noch Zusammen gefahren wird

    Schweiz hat das auch erkannt was Oldis im Jahr Kosten nur in der BW sagt man das die 40 Jahre alte Fahrzeuge noch gut seinen

  10. @Wa-Ge:

    Grundsätzlich Zustimmung. Interessant sind dennoch die Zahlen bezüglich des Anteils am BIP. Wenn man beim Beispiel Russland noch die Entwicklung des BIP dagegenhält, kann man auch nachvollziehen, warum die Russen die Rüstungsausgaben 2017/18 drosseln (müssen):

    http://www.tradingeconomics.com/russia/gdp

    Die Zahlen sind gem. Angaben von SIPRI inflationsbereinigt (bezogen auf den US-Dollar von 2015; erster Link im Artikel oben).

    Beste Grüße,
    Rödelriemen

  11. @Rödelriemen | 24. April 2017 – 11:58

    „Die Zahlen sind gem. Angaben von SIPRI inflationsbereinigt (bezogen auf den US-Dollar von 2015; erster Link im Artikel oben).“

    Ja eben auf den Dollar, das hilft halt aber wenig wenn die Ausgaben und die Inflation in der nationalen Währung einschlägt.

    Wenn ich das vermute wird die jährliche Summe der Ausgaben in Dollar umgerechnet und dann summiert. Nach einer Inflationsbereinigung wird dann der Wert mit dem Vorjahreswert verglichen.

    Dies ist im Endeffekt nur dann zulässig, wenn die nationale Währung in dem gleichen Zeitraum eine ähnliche Entwicklung wie der Dollar hatte.

    In so einer Übersicht darf es nicht um Geld gehen, sondern es müssten im Endeffekt Produkte, Dienstleistungen und Personal verglichen werden.

    Wie z.B. 2016 wurden 100 Flugzeuge gekauft, es wurden, 30000 Flugstunden geflogen, es wurden 100000 Inst-Stunden geleistet, es wurden 4000 Bomben Typ X abgeworfen, während nur 3000 Bomben Typ X nachbeschafft wurden und es wurden Streitkräfte in Stärke 100.000 Soldaten unterhalten. Das ganze natürlich deutlich genauer.

    Dann könnte man einen querschnittlichen Vergleich über alle Streitkräfte hinweg unternehmen und auch sagen ob mehr oder weniger Geld ausgegeben wurde. Ansonsten kann ich das nur national von Jahr zu Jahr vergleichen.

    Ansonsten ist das Model zwar schön, aber halt sehr ungenau. Und mit einem ungenauen Model kann man im Endeffekt in einer Objektiven Diskussion wenig anfangen, da es zu viele Angriffspunkte bietet und einer wissenschaftlichen Ausseinandersetzung nicht standhalten wird.

  12. @Wa-Ge: Die Zahlen von SIPRI sind Inflations- und Wechselkursbereinigt (Market Exchange Rates). Daher liefern sie m.E. eine sehr gute Vergleichsmöglichkeit. Es wird sich hier bewusst gegen die Umrechnung anhand von Kaufkraft (PPP) entschieden, da dies kaum verlässliche Vergleiche zwischen Ländern zulässt.
    Leider wird allzuoft der Anteil am BIP als aussagekräftigste Vergleichsgröße herangezogen. Eine Aussage über den Zustand der Streitkräfte oder des Materials treffen die Zahlen aber leider nicht.

  13. Die Zahlen hinken auch noch, durch den Aspekt, dass Rüstungsunternehmen in diversen Ländern Staatseigentum sind und das Geld somit teilweise wieder reinkommt.

    Wenn ein Land Forschung und Entwicklung bezahlt, ein System einführt und dann den Gewinn durch Exporte einstreichen kann, hat das mehr etwas von einer Investition als von einer reinen Ausgabe.

    China produziert eben bei Staatsunternehmen, zahlt chinesisches Lohnniveau und kann es sich deshalb leisten, Trumps großkotzigen Navy Plan um 100 Schiffe zu übertrumpfen.
    Die USA planen über 20 Jahre auf die 350 Schiffe zu kommen, die Chinesen bis 2020… und dann soll es noch fröhlich weiter gehen.

    In den USA rüstet man vornehmlich mit nationalen Gütern, die von privaten Unternehmen stammen, die sich nicht wirklich um Konkurrenz sorgen müssen.
    Dazu wechseln die Herrschaften zwischen Pentagon, Thinktank/Lobbyistennestern und den Rüstungsunternehmen fröhlich hin und her.
    Da zahlt die Navy auch noch beim 60. Arleigh Burke Zerstörer für die Schlampereien der Werft.
    Der Auftrag geht logischerweise an genau diese Werft.

    Das „political engineering“ ist auch noch ein ziemlicher Budgetfresser.
    Die Produktion der F-22 war und die der F-35 ist über die gesamten USA verteilt um möglichst viele Politiker als Geiseln zu nehmen.
    Ein Programmabbruch kostet dann fast jeden Senator und etliche Dutzend Abgeordnete des Repräsentantenhauses Wählergunst.

    Die Verschwendung innerhalb des Pentagon ist auch weltweit einmalig, genau wie die Zahl der Militärbasen rund um die Welt.

    In Deutschland kommt ein Eurofighter halt mit 19% MwSt daher.

    In anderen Ländern ist die Militärpolizei gleichzeitig eine Art Bundespolizei. GB rechnet auch Hilfsgelder in den Verteigungshaushalt und am Ende haben wir eine so versplitterte Datenlage, das man nichts aber auch garnichts mehr vergleichen kann.

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