Zivile Opfer im Kampf gegen ISIS: Misstrauen gegen die USA – und gegen die Anti-ISIS-Koalition?

Die Luftangriffe der US-geführten internationalen Koalition gegen die islamistischen ISIS-Milizen im Irak und in Syrien haben in den vergangenen Tagen, nach allen bisher bekannt gewordenen Informationen, zu zahlreichen zivilen Opfern geführt. Vor allem die USA stehen in der Kritik und müssen sich die Frage gefallen lassen, ob seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und seinem angekündigten härteren Kurs gegen ISIS weniger Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen wird.

Und in den betroffenen Regionen wächst das Misstrauen gegen diese Koalition, wie die US-Soldatenzeitung Stars&Stripes analysiert:

A sharp rise in the number of civilians reported killed in U.S.-led airstrikes in Iraq and Syria is spreading panic, deepening mistrust and triggering accusations that the United States and its partners may be acting with an unprecedented disregard for lives of noncombatants.

The escalation comes as local ground forces backed by air support from a U.S.-led coalition close in on the Islamic State’s two main urban bastions — Raqqa in Syria and Mosul in Iraq.
(…)
In both countries, local politicians and activists say the high numbers of deaths are spreading alarm among civilians and sowing distrust of the U.S.-backed campaign advancing toward their homes.

Die Antwort auf die Frage, ob tatsächlich rücksichtsloser gebombt wird, steht noch aus – und diese Frage wird auch die Bundesregierung als Teil der Anti-ISIS-Koalition beantworten müssen, ebenso die Frage nach Konsequenzen. Bislang sieht das so aus (ein Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz vom vergangenen Montag):


(Direktlink: https://youtu.be/ABjWSs7Ekjw)

(Archivbild Oktober 2014: ARABIAN GULF – Sailors prepare F/A-18 Hornets for take off on the flight deck of the aircraft carrier USS George H.W. Bush (CVN 77). George H.W. Bush is supporting maritime security operations, strike operations in Iraq and Syria as directed, and theater security cooperation efforts in the U.S. 5th Fleet area of responsibility – U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 3rd Class Brian Stephens)

18 Gedanken zu „Zivile Opfer im Kampf gegen ISIS: Misstrauen gegen die USA – und gegen die Anti-ISIS-Koalition?

  1. Donald Trump hat zig mal gesagt das er auch die Familien von Terroristen ins Visier nehmen würde, da diese genau wüssten was vor sich geht.
    Das gleiche gilt wohl auch für Zivilisten in besetzten Städten?!

    Außerdem hat der orangfarbende Clown groß rumgetönt er hätte einen super geheimen Plan, den IS binnen 30 Tagen zu besiegen, so geheim das er nicht darüber sprechen kann.

    2 Monate später gibt es den IS immer noch, für jemanden der eine Obzession mit Quoten und Umfragewerten hat, ist das sicher Grund genug Druck zu machen.

    Die vermasselte Aktion im Yemen wurde ja auch ohne groß drüber nachzudenken oder gar sich darüber zu beraten durchgewunken und die Schuld dafür auf Obama abgeschoben.

  2. Ein wesentlicher Faktor für zivile Opfer ist die Kampfweise des IS, der außergewöhnlich rücksichtslos gegen Zivilisten und sogar die eigenen Kämpfer agiert.
    Allein in Mossul soll es seit Beginn der Offensive der Koalitionskräfte über 800 Selbstmord-Bombenattentate gegeben haben.
    Dies Zahl wird zum Vergleich in ganz Afghanistan durch die Taliban nicht annähernd erreicht.
    Selbst die Taliban kämpfen in Afghanistan nicht bis zur Selbstaufopferung sondern ziehen sich bei einer gegnerischen Übermacht oft schnell zurück. Das ist bei den IS-Kämpfern anders. Diese ziehen sich meist nicht zurück sondern kämpfen oft auch in aussichtsloser Lage bis zur eigenen Vernichtung – mit entsprechend grausamen Folgen für die Zivilbevölkerung.

  3. @ Hohenstaufen 1+

    Dazu kommt das die Altstadt von Mosul einen gemischten Ansatz nicht zulässt.
    KFZ Bewegungen innerhalb dieses Bereichs sind aufgrund der Enge der Straßen / Gassen nicht oder kaum möglich.
    Somit muss Haus für Haus genommen und geklärt werden…
    Das kostet viel Zeit und Verluste
    Die Irakischen Bodentruppen sind nicht zimperlich mit dem CAS Ansatz
    Die eingesetzten JTACS auf Irakischer Seite Requesten und CF liefern sofern es vertretbar ist…..
    Hier kann man nur verlieren, das weiß der IS und nutzt dies …

  4. Macht sich hier irgendjemand, der jemals ernsthaft mit der Natur von „urban operations“ beschäftigt war, Illusionen über deren Charakter?
    Und dass ein Angriff auf eine 2,5 Mio Metropole, deren Besatzung Monate zur Vorbereitung der Verteidigung hatte, eine der anspruchsvollsten Operationen der letzten Jahrzehnte darstellt, ist unbestritten.
    Das vergangene 20. Jahrhundert sowie die ersten 17 Jahre im neu begonnenen bieten Anschauungsunterricht zu Hauf: Stalingrad, Sewastopol, Warschau, Berlin, Dien Bien Phu, Grosny, Falludscha, Aleppo. In allen diesen Fällen erlebten wir Massenanfall von Verwundeten und Verletzten, dramatisch zerstörte Infrastruktur, heillose und oft überhastete Fluchtbewegungen. Kennzeichen der Kämpfe sind rigoroser Einsatz von Artillerie und Luftkriegsmitteln, Infanterie- und Pionierkämpfe auf nahe und nächste Kampfentfernung ohne Gegnerschonung.
    Die berechtigte Forderung zur Vermeidung von „collateral damage“ erfordert die Fähigkeit „chirurgische Schläge“ und „smart targeting“ handzuhaben und ist letztlich am Erfolg zu orientieren. Russen und Syrer haben das in Aleppo gar nicht erst versucht, sondern Artillerie und Fassbomben sprechen lassen.
    Vor Aleppo ging die irakische Armee ostwärts des TIGRIS zu Beginn noch abwartend vor, eigene Kräfte und damit auch Zivilbevölkerung schonend.
    Im Westen der Stadt, in der Medina, mit Kasbah und Zentralmoschee, verwinkelt dass kaum Personen aneinander vorbeigehen können sowie künstlichen Tunnelsystemen, bleibt nur der infanteristische Kampf. In dem Maße, wie dabei Verluste steigen, nimmt der Wille großkalibrig vorzustoßen zu.
    General Dunford, chairman of the Joint Chiefs of Staff bereitet seine Kräfte (CJTF OIR/irakische Armee) seit einem Monat darauf vor: We can’t be paralyzed by tough choices … full range of options on the table … in ISIS review. ( http://www.defensenews.com February 27, 2017)
    Es passiert, was zur Vernichtung Daesh notwendig ist. Die Kampfweise des Gegners erschwert die Schonung der Bevölkerung, auch weil zwischen (rechtmäßigen) Kombattanten und Zivilbevölkerung kaum unterschieden werden kann.
    Frage an Herrn Seibert: … ob rücksichtsloser gebombt wird?
    Antwort, nicht von Herrn Seibert: Ja, sicher, die Iraker wollen ihre Infanterie entlasten und schonen.

  5. Zusatz zur Lage um Mossul, die für den Bereich Irak als Endkampf bezeichnet werden darf. Am 22.03.17 gab es eine Koordinierungskonferenz von der, zumindest ich, bisher nichts vernommen hatte. – Meeting of the Ministers of the Global Coalition — Working to Defeat ISIS. Anbei die Teilnehmerliste. https://www.state.gov/r/pa/prs/ps/2017/03/269036.htm
    Deutscher Teilnehmer: His Excellency Andreas Michaelis, Political Director, Foreign Affairs Office of the Federal Republic of Germany.
    Masse der weiteren Beteiligten wurden durch Außen- oder VtgMin repräsentiert.

    Etwa zeitgleich, am 11.03. 17 erhielten U.S.-Kräfte zbv CENTCOM deutliche Verstärkung in Kuwait.
    https://maps.southfront.org/us-deploys-2500-troopers-to-kuwait-for-conducting-missions-in-syria-iraq-report/
    „Some 2,500 soldiers from the 2nd Brigade Combat Team of the 82nd Airborne Division is being dispatched to Kuwait by Pentagon in order to be sent to Syrian and Iraq to fight against the Islamic State terrorist group. …“
    Diese Verstärkung passt exakt in das Dunford-Bild von „all options on table“.

  6. Ein sachliche Diskussion würde sich um die Frage drehen, wie man zivile Opfer minimieren kann. Ich befürchte aber in den Medien eine eher oberflächliche Diskussion, in der jedes Vorgehen , bei dem zivile Opfer nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden können, pauschal abgelehnt und gebrandmarkt wird.
    Der Obmann der Linken im Verteidigungsausschuss, Alexander Neu, sagte: „Die Linke lehnt den Einsatz ohnehin ab, vor dem Hintergrund, dass in der Regel bei Luftschlägen keine Trennung von Zivilisten und Kombattanten möglich ist.“(FAZ 29.3.17 „Bundeswehr lieferte vor tödlichem Luftschlag Fotos von Ziel“)
    Wie eine Bekämpfung des IS völlig ohne Einsatz der Luftstreitkräfte zu bewerkstelligen sein soll kann die Linkspartei natürlich nicht erklären. Aber auch bei ausschließlichem Einsatz von Mitteln des Heeres wird es nie möglich sein, Zivilisten und Kombattanten von der Art des IS immer sicher zu trennen. Scheinbar „unschuldig“ kann nur der bleiben, der den IS gar nicht bekämpft.

  7. @Memoria | 29. März 2017 – 21:34
    Die mediale und politische Aufregung fängt wohl erst an…
    Ja. Die mediale Aufregung ist auch durch die häufig genutzte Wortwahl: „Die Bundeswehr lieferte Bilder zum Schulangriff auf Mossul“ ablesbar.

    Und dabei wissen wir noch keine Antworten auf die Fragen:

    War es überhaupt ein Verstoß gegen Regeln? Wenn ja:

    Wer wertete die Luftbilder aus? Bewertete der Luftbildauswerter die Schule als völkerrechtlich legitimes Angriffsziel? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum hat das dann der zuständige Operationsoffizier übersteuert? Hat er es überhaupt übersteuert oder war es ein Pilotenfehler bzw. war es ein anderer Fehler, z. B. ein technischer? Usw., usw. Das juristische Prüfschema dazu, ist noch um einiges diffiziler und umfangreicher.

    Auf die Debatte bin ich ehrlicherweise nicht gespannt, obgrund des zu erwartenden Inhalts. Das es eine gibt, empfinde ich als normal.

  8. [Vorbemerkung: Die für diese übersetzte Liste grundlegende Quelle airwars.com führt einleitend aus: Listed below are all known reports for March to April 2017 – via generally credible sources unless otherwise indicated – of non-combatant and ‘friendly fire’ deaths allegedly caused by the US-led Coalition in Iraq and Syria. Bei einzelnen Vorfällen steht zudem: Quality of reporting: Contested – unclear whether Coalition or Iraq conducted airstrike. Das ist leider in dieser Übersetzung weggefallen. T.W.]

    Liste der Militäroperationen der „Koalition“ in Syrien und im Irak, bei denen es im März mehr als zehn zivile Opfer zu beklagen gab
    1. März – Al Tabaqa/Syrien – 12 Zivilisten, darunter 4 Kinder, sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“.
    1. März – Mosul/Irak – 50-80 oder mehr Zivilisten sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“ auf eine Moschee.
    2. März – Mosul/Irak – 20 Zivilisten (hauptsächlich Kinder und Frauen) sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“ auf ein Wohngebäude.
    2. März – Mosul/Irak – 14 Zivilisten (drei komplette Familien) sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“, der gegen IS-Einheiten gerichtet war.
    3. März – Rakka/Syrien – bis zu 12 Zivilisten sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“.
    4. März – Mosul/Irak – 36 bis 40 Zivilisten (hauptsächlich Kinder und Frauen) sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“ auf einen Bahnhof.
    5. März – Mosul/Irak – 64 bis 130 Zivilisten sterben beim Angriff auf ein Regierungsgebäude.
    6. März – Mosul/Irak – 16 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    6. März – Mosul/Irak – 18 bis 33 Zivilisten sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“ auf einen Bahnhof.
    6. März – Mosul/Irak – 41 bis 42 Zivilisten (darunter 23 Kinder) sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    6. März – Mosul/Irak – 11 bis 55 Zivilisten (darunter 23 Kinder) sterben bei einem Luftangriff der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    6. März – Rakka/Syrien – bis zu 12 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    8. März – Rakka/Syrien – 14 bis 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    9. März – Mosul/Irak – bis zu 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    9. März – Rakka/Syrien – 7 bis 14 Zivilisten (darunter 6 Kinder) sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Dorf nahe Rakka.
    9. März – Mosul/Irak – 12 bis 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    10. März – Mosul/Irak – 19 bis 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    11. März – Rakka/Syrien – 12 bis 22 Zivilisten (darunter 6 Kinder und 7 Frauen) sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    11. März – Aleppo/Syrien – 8 bis 10 Zivilisten (darunter 6 Kinder und 7 Frauen) sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    11. März – Mosul/Irak – 12 bis 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf das Stadtzentrum von Mosul.
    13. März – Mosul/Irak – 25 bis 30 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf das Stadtzentrum von Mosul.
    13. März – Mosul/Irak – 29 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    14. März – Mosul/Irak – 12 bis 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Krankenhaus.
    14. März – Mosul/Irak – 26 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohngebäude. Bombardiert wurde das Haus, weil ein IS-Kämpfer auf dem Dach saß.
    15. März – Mosul/Irak – 4 bis 24 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohngebäude.
    16. März – Mosul/Irak – 21 bis 34 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    16. März – Aleppo/Syrien – 37 bis 62 Zivilisten sterben bei einem US-Drohnenangriff auf eine voll besetzte Moschee.
    17. März – Mosul/Irak – 61 bis 520 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel, in dem besonders viele Flüchtlinge untergebracht waren.
    17. März – Mosul/Irak – 40 bis 80 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    18. März – Mosul/Irak – 13 bis 50 Zivilisten sterben bei Artillerie- und Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    19. März – Rakka/Syrien – 9 bis 66 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf einen Bauernhof-Komplex.
    19. März – Rakka/Syrien – 10 bis 15 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    19. März – Mosul/Irak – 46 bis 47 Zivilisten (darunter 28 Kinder) sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    20. März – Mosul/Irak – mehr als 43 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    20. März – Mosul/Irak – 55 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    20. März – Mosul/Irak – 11 bis 17 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    20. März – Mosul/Irak – 49 bis 50 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    21. März – Rakka/Syrien – 33 bis 420 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Schulgebäude, in dem Flüchtlinge untergebracht waren.
    21. März – Rakka/Syrien – 15 bis 20 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    20. März – Mosul/Irak – 20 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    22. März – Mosul/Irak – 12 bis 24 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    22. März – Mosul/Irak – 12 bis 24 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    22. März – Mosul/Irak – 15 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    22. März – Rakka/Syrien – 40 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf eine Großbäckerei.
    22. März – Mosul/Irak – 12 Zivilisten sterben bei Angriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    24. März – Mosul/Irak – 15 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    26. März – Mosul/Irak – mehr als 20 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    24. März – Mosul/Irak – 23 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.
    26. März – Mosul/Irak – 85 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Krankenhaus.
    28. März – Mosul/Irak – 19 bis 53 Zivilisten sterben bei Luftangriffen der „Koalition“ auf ein Wohnviertel.

    Airways https://airwars.org/coalitioncivcas2017mar-apr/

  9. Oh Mann…….als gereifter Zyniker kann ich nur anmerken, dass die journalistische Mainstream-Echokammer sich natürlich nicht die Gelegenheit entgehen läßt, Trump und Putin in den gleichen Sack zu stecken und mit der politisch korrekten Fliegenklatsche drauf zu hauen. Nun sind aber Putin und Trump keine Fliegen und der ISIS schon gar nicht, sondern das sind eine Mischung aus bösartiger Hornisse und Kuckucks-Grabwespe, deren Nest man zu Leibe rücken muß. Und Mossul, Rakka sind exorbitant große Nester.und je näher man dem Kern des Nestes kommt, desto „enger“ und brutaler wird es, selbst mit mikrochirurgischen Taktiken und Techniken. Blutlose, minimal-invasive Chirurgie ist bei diesen Operationen einfach nicht möglich. Das Dilemma zwischen Ende mit Schrecken und Schrecken ohne Ende ist nicht auflösbar im Falle des ISIS und auch Al Kaida.

  10. Chapeau an den Hausherren. Wie Sie die – meiner unmaßgeblichen Meinung nach -fast schon krampfhaften Versuche des N24 Moderators hier ein „Skandälchen“ für die Bundeswehr herbeizureden ausmanövriert haben … Sehr souverän.

  11. Tja, im Wahlkampf hieß es doch „Bomb the shit out of them!“, nun hat man offenbar die Möglichkeit ergriffen diese Forderung in die Tat umzusetzen …

  12. 15 Jahre nach Beginn des Afghanistan Einsatzes ist diese Nation immer noch nicht erwachsen. Überall mitmachen wollen, große Reden schwingen und wenn es dann ernst wird rumjammern. Zivile Opfer sind schlimm, sicher, aber wir sind noch nicht mal direkt beim Bomben mit bei und alle machen sich ins Hemd. Stuhlkreis in Potsdam?

  13. @Hohenstaufen

    Alles eine Frage der WIrkmittel.

    Es gibt Kleinstbomben, deren Wirkradius gerade mal 2 oder 3 Meter beträgt.
    Die liegen aber 1. nicht zu Hauf im Arsenal, 2. gibt es keine Produktionslinien die schnell genug nachliefern könnten und 3. gibt es dafür keine Trägersysteme für Kampfflugzeuge.
    Primär wird diese Leistungsklasse halt von Drohnen verwendet.

    Eine Möglichkeit wäre 70mm Hydraraketen zu verwenden. Die gibt es lasergelenkt und entsprechende Pods für Kampfflugzeuge haben zumindest die USA im Arsenal.
    Gleiches gilt für 127mm Zunis.

    Irgendwo in den Depots des Pentagon gammeln sicher auch alte Maverick ATGMs vor sich hin.

    Auch die eingesetzten Plattformen sind ein Problem. Mit einem Kampfjet kann man nicht langsam genug über ein Zielgebiet fliegen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Auch fehlt die Panzerung, wodurch man nicht tief genug fliegen kann.

    Probleme die eine A-10 nicht kennt, weshalb sie auch für die wenigsten Kollateralschäden verantwortlich ist und trotzdem der absolute Champion in der wirksamen Bekämpfung von Bodenzielen.

    Um endlich mal zu Testen ob man auch mit etwas kleinerem und günstigeren als einer F-16 oder gar F-15 Luftunterstüzung geben kann (in den Kopfen der USAF ist die A-10 schon gestrichen), wurden 2 olle OV-10 Bronco der Nasa Studiensammlung ausgeliehen, umgebaut und als Schleudern für 70mm Raketen benutzt.

    Im Ergebnis war das Ganze sehr erfolgreich und war eine exzellente Unterstüzung der US Spezialeinheiten am Boden, daher wollen die USA nun endlich ein leichtes Erdkampfflugzeug kaufen, manche Leute denken gar über passende Bewaffnung nach!
    Ich lasse dazu mal folgenden Link hier: http://foxtrotalpha.jalopnik.com/ov-10-broncos-were-sent-to-fight-isis-and-they-kicked-a-1764407068

    Ironischerweise hat Boeing die modernisierte OV-10 Variante im Giftschrank verschwinden lassen, warum auch immer. Auch hat sich Boeing vorerst aus dem Beschaffungsprojekt für ein solsches Flugzeug verabschiedet, die Anforderungen seien ihnen noch zu vage.

    @TomCat

    15 Jahre später sind wir auch immer noch nicht für so einen Kampf gerüstet, genau wie die USA… das ist mehr als peinlich.

    Wer die althergebrachten Bomben auf innerstädtische Stellungen wirft, auf gepanzerte oder ungepanzerte Fahrzeuge, der braucht nicht wundern wenn drum herum alles zu Bruch geht.

    Und die Liste von @Tilo macht es ja auch nochmal deutlich, das ziemlich rabiat gebombt wird.
    Es handelt sich halt um eine Stadt mit Menschen drin.

    Da ist es egal ob man sich einen Dreck um die Zivilisten schert oder diese sogar ins Visier nimmt, was wir den Russen und der Syrischen Armee unterstellen oder ob man sie als notwendige aber tragische Opfer sieht (aka Shit happens).

  14. @SvD
    Wie oft soll die A-10 eigentlich noch tot gesagt werden? Solange kein adäquater Ersatz auf dem Markt seinen Wert nachweist, bleibt sie das Mittel der Wahl bei CAS. Aktuelle Lesart, retiring frühestens 2021.
    http://www.defensenews.com/a10%20retirement%202021
    Bei Afghan air force fliegt „Leichtes Kampfflugzeuge A29-B Super Tucano“ sehr erfolgreich CAS, steht zumindest verschiedentlich zu lesen. Mit passivem Schutzfaktor?

  15. Wie bei Stars&Stripes zutreffend dargestellt „…’the Islamic State’s two main urban bastions — Raqqa in Syria and Mosul in Iraq“, steht Raqqa in Kürze im Zentrum der Luftkriegsführung.
    Mit Datum bereits vom 24. März:http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-france-idUSKBN16V0S2
    „(…) battle against Islamic State to recapture the Syrian city of Raqqa is likely to start in the coming days, French Defence Minister Jean-Yves Le Drian …“
    Recce von Incirlik aus, SoF mit JTAC vor Ort und danach „wasch mir den Pelz, aber …“, zwischen Rhein und Oder.

  16. @Klaus-Peter Kaikowsky

    Der Congress hält die Hand über die A-10 (bis ~2006 übrigens auch über die Schlachtschiffe!).
    Man hatte sogar versucht mit der Streichung eines kleinen Softwarepatches, der für die Gesamte Flotte wenige Million Euro kostete, die Obsolenz der A-10 zu erklären.

    Die A-10 soll weg und das Personal soll zu F-35 Standorten umziehen.
    Die Piloten wollen davon nichts wissen, genau wie das Bodenpersonal.
    Mechaniker die an einer A-10 schrauben, können mir einer F-35 eh nichts anfangen.
    Das sind zwei völlig verschiedene Welten.

    Das Pentagon weigert sich bisher alle A-10 durch das SLEP zu schicken und ihnen die neuen Flügel zu gönnen, die eh schon bezahlt sind. Neue Waffen, Sensoren oder ähnliches gibt es halt auch schon ewig nicht mehr.
    Auch hat man schon mehrfach erklärt die Flotte entweder in der Wüste stehen zu lassen ODER gar zu verschrotten.

    Verkauf an andere Länder käme nicht in Frage.

    Dieses Theater gäbe es nicht, wenn die US Army die Flieger übernehmen dürfte. Der Army ist es verboten Kampfflugzeuge zu besitzen, ironischerweise haben sie eigene Landungsschiffe, die neben dem USMC existieren…

    Die A-29 gibt es mit leichter Zusatzpanzerung.
    Die Panzerplatten sind in dem Artikelbild bei janes deutlich zu sehen, die sind einfach außen angebracht.

    http://www.janes.com/article/64478/afghanistan-to-get-a-further-four-super-tucanos

    A-29 Super Tucano, AT-6 Wolverine und Iomax Archangel teilen sich ein Defizit, es sind einmotorige Maschinen.
    Eine OV-10g+ käme auch mit einem defekten Triebwerk noch zurück zur Basis.
    Die Missionsbucht ist auch nicht zu verachten.

    Gepanzert, langsam und tieffliegend ist das Optimum für COIN Missionen, das weiß man schon seit Vietnam. Trotzdem ging man zu schnellen, sehr fragilen Jets über. Die A-10 hat man dazwischen positioniert.

    Trivia: Die Genies im Pentagon wollen auch die F-15C/D loswerden und mit geflickten F-16 ersetzen. Damit könnte Boeing nicht nur die A-10 Upgrades in die Tonne kloppen, sondern auch das F-15 2040C Programm. Übrig bliebe dann nur die F-15E als Bombenlaster.
    Man halt halt festgestellt das man sich die F-35 doch nicht leisten kann, weil die Zahlen von Lockheed zu den Betriebskosten aus dem Märchenland stammen.

  17. Trump lockert Gefechtsregeln für den Einsatz in Somalien:

    „WASHINGTON — President Trump has relaxed some of the rules for preventing civilian casualties when the American military carries out counterterrorism strikes in Somalia, laying the groundwork for an escalating campaign against Islamist militants in the Horn of Africa.“

    https://www.nytimes.com/2017/03/30/world/africa/trump-is-said-to-ease-combat-rules-in-somalia-designed-to-protect-civilians.html

    Das zeigt erneut wie wichtig doch die Zivilisten sind – nicht sehr wichtig.

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