Zum Nachlesen: NATO-Russland-Rat

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Zur Dokumentation: Am Montag kam, zum dritten Mal in diesem Jahr, der NATO-Russland-Rat zusammen. Das Gremium, eigentlich die letzte verbliebene offizielle Gesprächsmöglichkeit zwischen der Allianz und Russland, befasste sich dabei nicht zuletzt mit der Lage an der Nahtstelle der beiden Blöcke – an der auf beiden Seiten zunehmend militärische Aktivitäten stattfinden.

Die Aussagen beider Seiten dazu:

Das Statement von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg:

I have just chaired a meeting of the NATO-Russia Council.

We had a frank and substantial discussion on issues of importance to our common security.

In times of tension, dialogue is more important than ever. So we remain committed to dialogue. And we will continue to keep channels of communication open.

******

The first topic we discussed was the crisis in and around Ukraine.

Allies and Russia have profound disagreements on the crisis.

Today, Allies reiterated their strong support for Ukraine’s sovereignty and territorial integrity.

Allies do not, and will not, recognise Russia’s illegal and illegitimate annexation of Crimea.

The situation in eastern Ukraine also remains of deep concern.  

Ceasefire violations have reached record levels in recent months. Heavy weapons have not been withdrawn. And OSCE monitors have repeatedly become targets.

The Minsk Agreements provide a plan for the settlement of the conflict in eastern Ukraine. All signatories should fully comply with their commitments. And Allies called on Russia to use its considerable influence on the militants to meet their commitments in full.

******

We also discussed the security situation in Afghanistan, including the regional terrorist threat.

Supporting Afghan forces to provide for their country’s security remains crucial. That is what NATO and our partners are doing. With training and funding.  

Because a stable Afghanistan is in everyone’s interest. So all outside actors need to play a constructive role in supporting the National Unity Government to stabilise Afghanistan.

***

Finally, we turned to military activities, transparency and risk reduction.

Behaving responsibly and predictably reduces the risk of misunderstanding, miscalculation, and unintended escalation.

As a result of our discussion at the NATO-Russia Council in July, we had briefings by representatives of the Baltic Sea Project Team and the International Civil Aviation Organization. Their work has made an important contribution towards improving air safety over the Baltic Sea.   

I welcome Finland’s initiative to host a technical-level meeting to take this work forward in the new year, supported by the International Civil Aviation Organization.

The meeting will review the implementation of the recommendations made by the Baltic Sea Project Team. And it will assess whether any further work needs to be done.

It is important that we all follow the rules that are already there. Behave responsibly and safely. And engage in good airmanship at all times.

Russia also gave us a briefing on the recent KAVKAZ-2016 exercise. And NATO gave a presentation on Exercise Trident Juncture 2016.

Transparency on military exercises is essential. In the OSCE, 57 nations – including all NATO Allies and Russia – have agreed on rules governing military activities in Europe. Including the observation and notification of exercises.

Today, Allies raised particular concern over the excessive use of snap exercises. These are destabilising, and do not improve the overall climate of our relations.Many around the table called for the members of the NATO-Russia Council to contribute at the OSCE to updating the Vienna Document on military exercises and activities.

******

So this was the third time the NATO-Russia Council has met this year.

Allies and Russia hold different views. And our meeting does not indicate a return to business as usual.

But without talking, we cannot solve our differences and improve mutual understanding.

NATO does not seek confrontation and poses no threat. Everything we do – including strengthening our presence in the east of the Alliance – is defensive, proportionate and in line with our international commitments.

NATO’s goal is, and remains, to protect our allies, prevent conflict and preserve the peace.

Die Aussagen der russischen Seite, auf Englisch in Tweets des russischen Außenministeriums mit Aussagen des NATO-Botschafters Alexander Gruschko:

 

(Foto: Screenshot aus dem Video mit Stoltenbergs Statement)

33 Kommentare zu „Zum Nachlesen: NATO-Russland-Rat“

  • Hohenstaufen   |   20. Dezember 2016 - 7:29

    Situation in European security degrades. Deployment of US &Allied forces & equipment near our borders is main negative factor.

  • Hohenstaufen   |   20. Dezember 2016 - 7:36

    Der russische Standpunkt:
    „Situation in European security degrades. Deployment of US &Allied forces & equipment near our borders is main negative factor.“
    ist fragwürdig. Die rotierende Stationierung weniger tausend Soldaten im Baltikum verschlechtert die Sicherheitslage Russlands nicht. Anscheinend versucht Moskau diese kleinen Einheiten propagandistisch als Bedrohung („main negative factor“) hochzuspielen. Das klingt nicht nach dem ernsthaften Wunsch nach Entspannung.

  • Fussgaenger   |   20. Dezember 2016 - 7:48

    Russisches Neusprech. Verteidigung ist Angriff, Angriff ist Verteidigung.

  • Edgar Lefgrün   |   20. Dezember 2016 - 8:38

    Russland nutzt den Rat als Forum für Propaganda und Desinformation; im Kreml residiert ein Tcherkisti.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   20. Dezember 2016 - 9:20

    @Edgar Lefgrün

    So ist es.
    Nicht jeder hat das noch drauf, Putin schon, er lebt es.

    Aus dem „DDR-Lexikon“, dass wahrscheinlich auch einer Verlagsseite gleichkommt.
    „Der innerhalb des Ministeriums für Staatssicherheit und darüber hinaus in SED-parteiamtlichen Publikationen gebräuchliche Begriff Tschekist bzw. Tschekisten für (hauptamtliche) Stasi-Mitarbeiter ist eine direkte Übertragung eines russischen Kunstworts.
    Die in den Jahren nach der Oktoberrevolution 1917 besonders durch ihren „roten Terror“ aufgefallene Tscheka war die Vorläuferorganisation der sowjetischen Geheimdienste NKWD und KGB (Komitee für Staatssicherheit, im MfS als KfS bezeichnet) [(Ergänzung: und des RUS FSB (Föderaler Dienst für Sicherheit der Russischen Föderation)].
    Der Name dieses auch „Schild und Schwert“ – der KPdSU (Bolschewiki) – genannten Dienstes lautete übersetzt Außerordentliche Kommission. Die Anfangsbuchstaben der russischen Wörter (Tsch und K) bildeten das Kunstwort Tscheka. Daraus leitete sich wiederum die Bezeichnung Tschekisten (russ. Tschekisty) für die Mitarbeiter der Organisation ab“.
    Die erfolgreiche Tradition der Dienste setzt sich fort, in Russland.

  • T.Wiegold   |   20. Dezember 2016 - 10:17

    Super Debatte auf Stammtischniveau. „Russland nutzt den Rat als Forum für Propaganda“… und ihr nutzt dieses Blog als Resonanzboden für dumme Sprüche.Habt ihr alle nur Langeweile?

  • Felix   |   20. Dezember 2016 - 11:15

    Mensch Herr Wiegold, Sie haben aber schlechte Laune. Ich bin regelmäßiger, eher passiver Leser und Mikro-Finanzier und finde das jetzt alles nicht so schrecklich. Die Frage, ob Russland/Putin den Nato-Russland-Rat für Desinformation nutzt, ist schon wichtig, wenngleich ich nicht glaube, dass die Nato-Seite sich da so einfach verkohlen lässt. Ich denke auf der militärischen Arbeitsebene wird die russische Seite sehr genau wissen, dass die Nato weiß, dass das russische Gezeter eher Performance-Charakter hat. Und dass die russische Seite sehr genau die begrenzten Fähigkeiten (geschweigedenn Angriffsfähigkeiten) der Nato kennt. Wie man hört können sie ja die Befehle während Übungen auf gmail mitlesen.

  • Andreas Wolf   |   20. Dezember 2016 - 11:26

    Momentan ist m.E. eine abwartende Haltung unter Wiederholung altbekannter Stereotypen auf beiden Seiten zu beobachten, der Neuigkeitswert geht gegen Null. Alle warten auf Impulse der neuen US-Administration ab Ende Januar…

  • Sascha Vohwinkel   |   20. Dezember 2016 - 12:10

    Ein rein politischer Threat wird eröffnet und entsprechend kommentiert. Da man nicht hinter die verschlossenen Türen blicken kann, wird das kommentiert, was man erfährt und das sind zunächst die bekannten Standpunkte. Im Fall von Russland ist es eben die empfundene…oder produzierte…Bedrohung durch kleine Nato Einheiten. Was die ersten vier Kommentare betrifft, dürften sie duch die freie Meinungsäußerung gedeckt sein, oder ist es eine falsche Meinung?

  • T.Wiegold   |   20. Dezember 2016 - 12:46

    @Sascha Vowhwinkel

    Sie verwechseln (absichtlich?) das Recht auf freie Meinungsäußerung mit meiner Pflicht (!), hier alles und jedes als Kommentar zu akzeptieren. Ich habe darauf hingewiesen, dass die recht simplen Aussagen auf Stammtischniveau nicht das sind, was hier zur Debatte beiträgt.

  • AoR   |   20. Dezember 2016 - 12:52

    Ich denke man kann die Wahnehmung der NATO-Stationierung durchaus als gefärbt bezeichnen. Die kleinen EInheiten beherbergen multilatherale Kontingente, warum? Es geht um den Tripwire Effekt. Sollte Russland über einen NATO-Mitgliedsstaat herfallen, so wären die NATO-Partner nicht nur per Vertrag gebunden, sondern mit hoher W’keit auch betroffen per Opfer in den eigenen Reihen.

    Daher auch viel Show, denn wie bereits herausgearbeitet stellen die miltilatheralen Kontingente keine offensive Bedrohung aber einen maximalen defensiven Auslöser dar.

  • Ottone   |   20. Dezember 2016 - 12:57

    Mich interessiert folgendes Zitat:
    „European security would benefit, if NATO stops its military activities near our borders & returns to situation as of end of 2013.“
    Ist das womöglich ein Verhandlungsansatz, sind da erste Angebote und Forderungen unterwegs?

  • JayBee   |   20. Dezember 2016 - 13:51

    @Ottone: danach sieht es für mich gerade nicht aus. Das klingt für mich wie eine Forderung nach einseitigem „Rückzug“ (vereinfachend für Zurückfahren aller Maßnahmen, die nach der Annexion der Krim eingeleitet wurden). Ein Angebot kann ich da nicht erkennen. Leider.

  • AoR   |   20. Dezember 2016 - 14:43

    @Ottone: Sehe ich ähnlich. Nicht nur der Krieg in der Ukraine / rechtswiedrige Annexion der Krim haben zu robusterem Nato-Auftreten geführt, sondern gerade das Wühlen auf allen Ebenen um die Eintscheidung in und um Syrien.

    Sollte sich dort tendentiell ein „Sieger“ (tatsächlich der größte Verlierer) abzeichnen beruhigt sich die Gemengelage womöglich recht zügig.

  • Mitleser   |   20. Dezember 2016 - 14:55

    Man begreift nicht, über welche Kleinigkeiten sich die russische Führung dergestalt aufregt und ständig mit der dicken Keule wedelt. Es sind doch nur wenige tausend Soldaten rotierend im Baltikum, osteuropäische Landmärsche mobiler US-Verbände, ein Raketenabwehrsystem in Polen, ein nicht INF-kompatibles Aegis ashore in Rumänien, drei benachbarte NATO-Staaten, die sich dem KSE-Beitritt verweigern, die Nichterfüllung des KSE-1999 durch die NATO als solche und die Einsetzung der Regierung eines Nachbarlandes durch das US Außenministerium…

    Alles nur russische Propaganda?
    Jeder Vorgang für sich mag eine Kleinigkeit sein. Zusammen haben sie aber ein erhebliches sicherheitspolitisches Gewicht. Würden wir andersherum über eine derartige Ansammlung von Aktivitäten in unseren Nachbarländern großzügig als „Kleinigkeiten“ hinweggehen wollen?

  • Edgar Lefgrün   |   20. Dezember 2016 - 15:00

    T.Wiegold | 20. Dezember 2016 – 10:17

    Ich nehme solchen „Anschiss“ ernst, ich werde in mich gehen, versprochen. Ich bin ein eher einfach denkender ehemaliger Oberfeldwebel, ich schreibe und sage wie ich denke und sehe. Aber ich besuche keine Stammtische. :)

  • Ungedienter   |   20. Dezember 2016 - 16:20

    Was ist an KPK’s Zitat Stammtischniveau?
    Um es noch nachzuschärfen: in der SU wurde sehr viel Wert auf das Studium von „Die Kunst des Krieges“ gelegt. Da es beim „Großen Bruder“ Pflichtlektüre für angehende Tschekisten war, war es das auch beim MfS (das stand irgendwann mal in der FAZ ). Putins Politik folgt deutlich den darin angelegten Ansätzen.
    Es sei nur einer zitiert: „Wenn du etwas vorhast, tue, als ob du es nicht vor hättest. Wenn du etwas willst, tue, als ob du es nicht benutzen wolltest.“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   20. Dezember 2016 - 19:28

    Einstieg in beiderseitige Beruhigung?
    Jedenfalls bringt Finnland NATO und Russland zu Gesprächen zur Luftraumsicherheit im Baltikum zusammen.
    http://www.wsj.com/articles/nato-approves-talks-with-russia-on-baltic-air-security-1482172348
    BRUSSELS—
    „North Atlantic Treaty Organization ambassadors welcomed a Finnish proposal for a meeting with Russian experts to develop new air-safety measures in the Baltic Sea region, diplomats said Monday, a potential sign of improving cooperation with Moscow. …“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   20. Dezember 2016 - 20:39

    Tagesschau: Russland kündigt „Moskauer Erklärung“ für Feuerpause in Syrien an.
    Moskau – (Reuters) – Russland hat einen neuen Anlauf für eine Waffenruhe in Syrien angekündigt.
    In der „Moskauer Erklärung“ macht die selbst ernannte „Friedenstroika“ deutlich, die Ordnung im Nachkriegssyrien, nur MIT uns.
    Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte am Dienstag bei Treffen mit seinen Kollegen aus der Türkei und dem Iran in der russischen Hauptstadt, russische Experten hätten diese „Moskauer Erklärung“ erarbeitet.
    Kasachstan hat sich als Gastgeber einer diesbezüglichen Friedenskonferenz angeboten.
    Moskau nutzt die U.S.-Lähmung aus, nachhaltig? Wird sich rasch zeigen. Auf jeden Fall hat Lawrow „alle in der Region mit Einfluss“ eingeladen, sich zu beteiligen. Moskau dürfte so geschickt handeln, dass unter Ausnutzung der Weihnachtszeit und Jahreswende sowie des Vakuums bis Trumps Amtsantritt, russische Diplomatie Fakten schafft. (Orthodoxe Weihnachten 14 Tage später).
    „Der Westen“ muss heftig Obacht geben, dass in den anstehenden vier Wochen russischerseits nicht unumstößliche diplomatische Tatsachen erreicht und umgesetzt werden, Aleppo-Evakuierungen als Blaupause.

    Der Begriff „Moskauer Deklaration (Erklärung)“ hat Tradition. https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Moskauer_Deklaration 1943 zur Stellung Österreichs nach dem Krieg.

  • BAS   |   20. Dezember 2016 - 22:19

    Ich verstehe, dass hier vor allem aktive und nicht-aktive BW-ler schreiben. Trotzdem bin ich ehrlich erschrocken über die Einseitigkeit hier. Nicht ein einziger Kommentator, so mein Eindruck, nimmt schlicht und einfach mal ernst, was die Russen sagen.

    Dabei ist das doch Voraussetzung jeden Zusammenlebens: Im Beruf, in der Ehe und eben auch unter Staaten.

    Die Position Russlands folgt ganz natürlich aus deren nationalen Interessen sowie der agressiven Expansion der Nato (aus russischer Sicht) in den letzten 25 Jahren.

    Wie sonst, als bedroht, sollen die Russen sich denn fühlen? 142 Mio. Russen stehen 800 Mio. Nato-Bürgern, und die noch dazu mit viel höheren BIP pro Kopf, gegenüber. Es ist so was von absurd, angesichts dieser Verhältnisse – und der Geschichte der letzten Jahrzehnte – da eine „Bedrohung des Westens“ durch Russland zu suggerieren, dass mir als Wirtschaftswissenschaftler fast die Worte fehlen.

    Und aus russischer Sicht und jenseits aller Ideologie auch natur- und m.E. völkerrechtlich richtig ist, dass die Krim erst aus der Ukraine ausgetreten ist, dann Russland um Aufnahme gebeten hat, was diese angenommen hat. Dass wir, der Westen, das nicht wollen und es deshalb ablehnen, ist ja ok, aber warum muss man da den elementaren Grundsatz, dass es einen naturrechtlichen (demokratischen!) Anspruch auf politische Selbstbestimmung gibt, aufgeben?

    Mir erschließt sich das nicht. So geradlinig auf mich die Haltung Russlands wirkt, so verlogen wirkt auf mich die Haltung des Westens.

    Jedenfalls möchte ich hier appellieren, so ähnlich wie in einer Eheberatung, die Worte der Gegenseite ernst zu nehmen – auch wenn man dann anderer Meinung ist.

  • Wait&C   |   21. Dezember 2016 - 1:44

    Werter Herr Wiegold, die wirren Wege einer Diskussion sind Hauptverursacher kopfschüttelbedingter Genickprobleme. So wie es ist ist es Immer noch besser als Rechtschreibdiskussionen.

    @BAS

    Die Wahrnehmung des russischen Normalverbrauchers dass die NATO „aggressiv expandiert“ ist so weil sie seit Jahren von den dortigen Staatsmedien zum Ziele Grossrusslands entsprechend indoktriniert wurden.

    Was ist denn Faktum?
    Der korrupte und ineffiziente Ostblock ist implodiert.
    Putin hat den Wiederaufbau dieses Systems über eine Integration in den Westen gestellt.
    Diese Politik schreckt viele Nachbarn ab die das Modell NATO, EU, Deutschland, Norwegen, USA besser finden.

    Wo soll man da Verständnis heucheln?

    Eine ältere Stuttmann-Karikatur bringt mich auf folgendes Bild: Ein Putin-Bär steht in einem Schafspferch, die EU-Schafe drängen sich ängstlich in die Ecken. Der Putin-Bär fragt „warum unzingelt ihr mich aggressiv?“

  • klabautermann   |   21. Dezember 2016 - 8:31

    @BAS

    Na ja, die Pax Americana Strategen sind halt sauer, dass trotz der makro-ökonomischen Verhältnisse (NATO/EU versus RF) die politisch-militärische Eskalationsdominanz in Sachen Georgien, Ukraine und nun auch Syrien auf Seiten Rußlands liegt – nun muß man möglichst gesichtswahrend einen Weg vom „Entweder -oder“ zum „Sowohl – als auch“ finden. Die NATO befindet sich also in der Entweder-sowohl-als- auch-oder-Phase und somit ist das Ergebnis dieses NRR-Treffens „we agree to disagree but to continue the dialogue“ schon einmal ein erster Schritt in Richtung De-Eskalation. Hilfreich wäre natürlich auch eine sprachliche Entemotionalisuerung der Public Diplomacy in Form von verbalen Säbelrasseleien wie „barbarisch“ etc.. Den Moral Highground wird „der Westen“ natürlich weiterhin tapfer verteidigen, realpolitisch ist das aber bedeutungslos.

  • KlausK   |   21. Dezember 2016 - 13:36

    @BAS
    Korrektur, die Krim ist nicht, sie WURDE ausgetreten. Durch die grünen Männchen.

    Kleiner aber feiner Unterschied.

  • Stefan Büttner   |   21. Dezember 2016 - 17:13

    Ich weiß nicht ob die Argumentation mit der Personenanzahl in Russland und deren BIP-Vergleich überhaupt so funktioniert. Dann man auch Grenzlängen von europäischen NATO-Staaten im Vergleich zur russischen Grenzlänge als Gegenargumentation benutzen. Das führt doch zu nichts.

  • Felix   |   21. Dezember 2016 - 17:22

    Interessant finde ich, dass die Dinge, die die Nato / der Westen wirklich vergeigt haben (Irak, Libyen), und deren Konsequenzen wir heute sehen, in der Debatte wenig präsent sind, obwohl man sich dafür deutlich mehr selbst hinterfragen müsste als für den Versuch im Baltikum Stärke zu zeigen.

    Und mit dem Gedanken im Hinterkopf, mal ne Frage in die Runde: Welche Rolle spielt das Thema Raketenabwehr im russischen Ärger? Gäbe es da Verhandlungsmasse? Wird es nach wie vor als Bedrohung gesehen? Denn dieses projekt wurde ja in der Bush Ära mit großer Arroganz und Nichtachtung der russischen Interessen vorangetrieben. Dann habe ich den Überblick verloren, und in der heutigen Debatte taucht es nur vereinzelt auf.

  • Hannes   |   21. Dezember 2016 - 18:23

    @BAS

    Zur Ergänzung…

    Der völkerrechtliche Vertrag Budapester Memorandum von 1994
    http://www.cfr.org/nonproliferation-arms-control-and-disarmament/budapest-memorandums-security-assurances-1994/p32484
    Zitat:
    „2. The Russian Federation, the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and the United States of America reaffirm their obligation to refrain from the threat or use of force against the territorial integrity or
    political independence of Ukraine, and that none of their weapons will ever be used against Ukraine except in self-defence or otherwise in accordance with the Charter of the United Nations;“

    Das Strelkov (Girkin) Interview:
    https://www.youtube.com/watch?v=G04tXnvKx8Y
    Für alle, die nicht Russisch können, gibt es eine Zusammenfassung bei der NZZ:
    „Wir haben sie zur Abstimmung getrieben“
    http://www.nzz.ch/international/wir-haben-sie-zur-abstimmung-getrieben-1.18469931

    Die russische „Dokumentation“ zur Krim-Annektion von Andrei Kondrashov:
    https://www.youtube.com/watch?v=t42-71RpRgI
    Eine Zusammenfassung in russischer Sprache findet man hier:
    https://tvrain.ru/articles/film_rossii_1_pro_krym_samoe_interesnoe-383941/
    Bei der NZZ liest sich das so:
    http://www.nzz.ch/international/russlands-krim-coup-1.18504361

  • T.Wiegold   |   21. Dezember 2016 - 18:33

    Wer so große Lust hat, die Debatte über die Krim und die Ukraine in den vergangenen fast drei Jahren nachzulesen, möge das gerne tun. Das hier noch mal auszubreiten, ist kein freundlicher Akt.

  • Stefan Büttner   |   21. Dezember 2016 - 22:01

    Der Gedanke ist übrigens gut: Wenn man aus der Raketenschildnummer mal die angebliche/tatsächliche Fähigkeit von Marschflugkörperverschuss gegen Bodenziele rausnehmen könnte dann hat Russland warum ein Problem damit bzw. warum fühlt es sich davon bedroht? Weshalb kann man sich von einem passiven System bedroht fühlen? Ich sehe keine Belege dafür das man mit dem im Aufbau befindlichen ABM-Schild Bodenziele bekämpfen könnte.

    Früher wurde es so dargestellt das dieses Schild gegen iranische Raketen bestimmt sei.

    An dieser Stelle verstehe ich auch nicht warum der Neustart der SS-24 auf Schiene eine Antwort auf das Raketenschild sein soll. Sputniknews stellt es zumindest so dar.

  • Hans Schommer   |   21. Dezember 2016 - 22:51

    Stefan Büttner | 21. Dezember 2016 – 22:01
    “ … An dieser Stelle verstehe ich auch nicht warum der Neustart der SS-24 auf Schiene eine Antwort auf das Raketenschild sein soll. Sputniknews stellt es zumindest so dar.“
    Na was erwarten Sie denn anderes von Sputniknews? Die gesamte Russenpropaganda stößt doch immer in’s gleiche Horn. Man schau sich nur mal die in letzter Zeit in Foren und bei Facebook sehr häufig von Linken, Kommunisten und AfD-Naivlingen verlinkten RT-Berichte an. Geradezu schauderhaft.
    Hans Schommer

  • Felix   |   21. Dezember 2016 - 23:49

    Also auf die Gefahr hin, dass das als OT gilt…

    Man kann sich natürlich von einem „passiven“ System schon bedroht fühlen, legitimerweise, wenn es das strategische Gleichgewicht stört. Raketenabwehr kann die Zweitschlagsfähigkeit einer Atommacht (so sie eine besitzt, wie RU und USA) potenziell außer Kraft setzen und damit eine indirekte Angriffswaffe darstellen. Sprich: Wir haben Raketenabwehr, ergo können wir angreifen ohne die (vielleicht bereits dezimierte) Antwort fürchten zu müssen. Wie realistisch das ist, steht auf einem anderen Blatt, aus gutem Grund hat man sich in den 70ern gegen das ganze Abwehrschirm-Zeug entschieden: Unökonomisch und strategisch gefährlich gleichermaßen. Da kann man sich schon drüber aufregen.

    @BAS: Was ich an Ihrer Argumentation schwierig finde ist, dass man selbst bei bestem Willen heute keine Möglichkeit mehr hat, die legitimen russischen Interessen herauszuhören. Eine Führung wie die aktuelle in Moskau, die so selbstverständlich Information und Desinformation als Waffe einsetzt, hat offenbar kein Interesse an Dialog. Ich kann mir den Weg Russlands in die heutige Lage halbwegs vorstellen, eine Mischung aus Enttäuschung über den Westen (teils sehr berechtigt), Schwäche des Westens an entscheidenden Punkten (Georgien) und autoritärer Machtsicherung im Inneren, die Militarismus, Propaganda, Feindbilder und aggressive Präventionspolitik gegen demokratische Ambitionen in der Nachbarschaft erfordern. Soweit meine küchenpsychologische Theorie über die Position des Kremls heute. Aber wen muss man heute anrufen, um wirklich etwas über die Bedürfnisse „der Russen“ zu erfahren? Was ist wirklich das russische Sicherheitsinteresse, dem man entgegenkommen kann? Ich befürchte, dass man aus den Worten Putins zu diesem Thema absolut nichts herauslesen kann. Zu offensichtlich ist vieles Theater, zu weit sind Worte udn Taten voneinander entfernt. Und an ernst gemeinten Dialogangeboten hat es wirklich nicht gemangelt. Nein, ich sehe es wie die anderen hier: Jedes Zugeständnis der Nato wird als Schwäche gewertet, als Sieg über den Gegner, der mehr Aggression triggert.

  • Mitleser   |   22. Dezember 2016 - 1:11

    @ Felix

    Wenn Sie die russischen Intentionen genauer verstehen wollen, dürfen Sie sich auch nicht allzusehr auf die Aussagen des NATO und der westlichen Medien stützen. Sie sind ebenso gefüllt mit Hörensagen und Propaganda wie RT und Co. Sie müssen näher ran an die Originalquellen. Zum Beispiel der jährlichen Moskauer Konferenz für Internationale Sicherheit, auf der die russische Führung ihre Sicht der Dinge darstellt. Nach der Erfahrung der letzten Jahre decken sich die dortigen Sichtweisen sehr gut mit den russischen sicherheitspolitischen Handlungen, was darauf schließen läßt, daß die russische Führung in der Tat an die Sicht der Dinge glaubt, die sie öffentlich darstellt. Falls Sie nachvollziehbarerweise den Aufwand der Konferenzteilnahme scheuen können Sie die Vorträge und Generaldebatten auch auf Englisch in Dr. Gorenbergs Blog verfolgen, zusammen mit anderen Analysen zur Militär- und Sicherheitspolitik Rußlands. Rußland und Eurasien ist das Forschungsgebiet Dr. Gorenburgs in Harvard.
    Die russische Sichtweise der westlichen Politik mag uns in etlichen Punkten befremdlich vorkommen, aber sie ist nun einmal ein sicherheitspolitischer Fakt, den man zur Kenntnis nehmen sollte. Man muß sie nicht teilen oder gar gutheißen, aber man sollte sie kennen. Wenn man die russische Sichtweise außen vor läßt wird man regelmäßig unerfreuliche politische Überraschungen erleben.

  • Felix   |   22. Dezember 2016 - 13:35

    @Mitleser

    Das klingt sehr gut, vielen Dank für den Hinweis.

  • Stefan Büttner   |   22. Dezember 2016 - 15:38

    Aktuelle Aussage von Putin:
    „Man muss das Gefechtspotential der strategischen Atomstreitkräfte festigen, vor allem durch Raketenkomplexe, die fähig sind, garantiert existierende und künftige Raketenabwehrsysteme zu überwinden“
    Quelle:
    https://de.sputniknews.com/politik/20161222313880340-russlands-raketen-abwehr-durchbrechen/