DroneWatch – Der Sammler, Dezember 2016/II

dronewatch

Der neue Sammelthread zum Thema unbemannte Systeme – zu und unter Wasser, zu Lande und in der Luft.

Und zu den Unter-Wasser-Systemen gibt’s eine aktuelle Meldung: im ohnehin sicherheitspolitisch problematischen Südchinesischen Meer wurde eine Unterwasserdrohne der USA von den chinesischen Streitkräften abgefangen:

The US has issued a formal request to China to deliver an unmanned underwater drone that was seized in international waters, US officials say.
The Chinese navy seized the US underwater research vessel in the South China Sea on Thursday, the US alleges.

The incident took place just as the USNS Bowditch, an oceanographic survey ship, was about to retrieve it. The device, dubbed an „ocean glider“, was used to test water salinity and temperature, officials say.

berichtet die BBC. Fox News formuliert das, erwartungsgemäß, ein bisschen härter: China steals US underwater drone in South China Sea . Eine chinesische Darstellung habe ich noch nicht finden können. Jedenfalls zeigt es, dass schon eine offensichtlich nicht-militärische Drohne auch in einem spannungsreichen Gebiet zu möglicher Eskalation beitragen kann.

Nachtrag 17. Dezember: Alles wird gut, berichtet die New York Times:

China Agrees to Return Seized Drone, Ending Standoff, Pentagon Says

The Pentagon on Saturday said that Beijing had agreed to return an underwater drone seized by China in international waters, an indication that the two countries were moving to resolve an unusual incident that risked sharpening tensions in the run-up to the inauguration of President-elect Donald J. Trump.
“Through direct engagement with Chinese authorities, we have secured an understanding that the Chinese will return the U.U.V. to the United States,” said Peter Cook, the Pentagon press secretary, using initials to refer to the Navy’s unmanned underwater vehicle.
Mr. Cook said the deal had been reached after the United States “registered our objection to China’s unlawful seizure of a U.S. unmanned underwater vehicle operating in international waters in the South China Sea.”

DroneWatch,Off Topic · 19:02h ·  

12 Kommentare zu „DroneWatch – Der Sammler, Dezember 2016/II“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   16. Dezember 2016 - 19:17

    Es soll sich um eine Unterwasser-Drohne der USNS Bowditch handeln, die zu ozeanografischen Untersuchungen im Südchinesischen Meer unterwegs ist.
    „@Reuters: Chinese Navy warship seizes American underwater drone in South China Sea, triggering formal diplomatic protest… https://t.co/yijTKKkPV2

  • Fussgaenger   |   16. Dezember 2016 - 22:17

    Ich las was von „vor Subic Bay“ als Ort des Geschehens. Das ist im Prinzip direkt vor Manila und damit den Philippinen – da überschreitet China nicht nur Grenzen des Eigentumrechts, sondern auch der geographischen Zuständigkeit….

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   16. Dezember 2016 - 22:32

    @Fußgänger
    Stimmt.
    (Aus nu.nl: Dat gebeurde vijftig mijl ten noordwesten van de Subic-baai in de Filipijnen).
    50 Meilen nordwestlich von Subic-Bay/Phillipinen.
    Allerdings sprechen auch U.S.-Medien vom Südchinesischen Meer. In der einigermaßen aufgeregten Stimmung nach Trumps TelCom mit Taipeh, passt das Ganze aber ggf. durchaus ins politische Kalkül.
    Die Drohne gehört zum Typ „ocean glider“.

  • para   |   17. Dezember 2016 - 4:07

    Das Suedchinesische Meer ist vor Subic Bay. Die ganze Geschichte hat sich fuenfzig Meilen vor der phil Kueste abgespielt. Internationale Gewaesser. Bowditch ist ein zivil bemanntes US Schiff, das Vermessungen fuer die USN, vor allem zu ASW Zwecken unternimmt. Das chinesische Schiff ist ein Bergungsschiff der PLAN. Die Chinesen haben die Bowditch beobachtet und deren zweite Drohne abgefangen, bevor sie geborgen werden konnte. Tit for tat fuer Trumps juengste Eskapaden.

  • Fussgaenger   |   17. Dezember 2016 - 10:41

    Naja, tit for tat?

    Ich klaue mal eben Regierungseigentum? Die Retourkutsche wird dann die Entführung eines Staatsbürgers der anderen Seite?

    Ich finde, es hat schon eine ganz eigene Qualität, wenn man quasi ein Fahrzeug eines anderen Staates „einsackt“ – auch wenn keine Besatzung an Bord ist. Worauf beruft man sich? Fundstück? Zugelaufen? Versehentlicher Beifang beim Fischen nach Mittagessen?

    In dem Kontext von unbemannten Systemen ein vllt. auch grundsätzlich nicht uninteressanter Vorgang, der ggf. Massstäbe für die Zukunft setzen kann.

  • T.Wiegold   |   17. Dezember 2016 - 20:11

    @all

    Siehe Nachtrag oben – es scheint eine Einigung zwischen China und den USA zu geben.

  • para   |   18. Dezember 2016 - 1:45

    Fussgaenger:

    „Worauf beruft man sich? Fundstück? Zugelaufen? Versehentlicher Beifang beim Fischen nach Mittagessen?“

    Nine Dash line? Den Fakt, dass die USA UNCLOS nicht ratifiziert haben und daher auf dessen Regelungen kein Recht beanspruchen koennen? Der chinesische Schritt ist ohne Zweifel gewagt, aber aus deren Sicht zumindest logisch. Ausserdem kann man auf die Art und Weise gleichzeitig auch Duterte zu weiteren unklugen Aeusserungen bringen („Damn Yanks, spying on our Chinese friends“ etc). Wie gesagt, gewagt, aber mein Detektiv-Instinkt sagt mir, China hat bei alledem viel weniger zu verlieren als die USA. Und Trump hat eine gute Steilvorlage abgegeben.

  • Fussgaenger   |   18. Dezember 2016 - 12:04

    Auch die Nine-Dash-Line ist nirgendwo international ratifiziert.

    Aber es zeigt sich in diesem konkreten Fall, dass man eine grundsätzliche gesetzliche Regelung für den Umgang mit unbemannten Systemen diesbezüglich braucht. Ich glaube kaum, dass die Chinesen ein bemanntes Boot an der Stelle aufgebracht hätten…

    Sie taten es, weil sie es konnten (kein „Widerstand“ an Bord) und weil es keine Regelungen gab (man möge mich bitte korrigieren, wenn ich falsch liege).

  • para   |   18. Dezember 2016 - 22:37

    Natuerlich ist sie das nicht. Spielt aber doch fuer die Chinesen keine Rolle, und UNCLOS ist nun mal ein Eigentor fuer die US, falls sie sich darauf berufen (wie in der Presse bereits geschehen). Es geht nicht um legale Fakten, es geht darum, die Narrative zu beherrschen und das Machen die Chinesen eben nicht schlecht. Die Drohne ist ein „raising the stakes slightly“ als retour fuer Trumps Taiwan-Telefonat und Twitter-Diplomatie, natuerlich haetten die ein bemanntes Boot nicht so leichtfertig gekapert, das ist ja das bequeme an dieser Aktion. Begruendung Chinas uebrigens „unknown object retrieved for safety reasons, much ado about nothing“ (de facto Uebersetzung meinerseits).

  • Langnase   |   20. Dezember 2016 - 10:37

    Das französische Blog „Secret Défense“ (siehe Blogroll) berichtet in einem Beitrag vom 13.12. über die in Niamey (Niger) stationierten französischen „Reaper“.
    Demnach erfolgt die Steuerung im Flug und die Bildauswertung schon länger durch französisches Personal, während Wartung sowie Start und Landung bisher durch Amerikaner erfolgte, anscheinend Personal des Herstellers General Atomics.
    Seit einigen Tagen erfolgen auch Starts und Landungen durch französisches Luftwaffenpersonal.
    Bei der Wartung ist man noch auf Techniker von General Atomics abgewiesen, weil Schulungsplätze für französische Techniker in den USA knapp sind

    In den nächsten Tagen werden zwei weitere Reaper in Niamey zulaufen, so daß dort in Kürze fünf Reaper stationiert sein werden.

    Die neuen Drohnen sind weiter entwickelt als die bisher verwendete Block-1-Version, welche nur im Bereich Sahel-Sahara eingesetzt werden kann.
    Die dritte Drohne der aktuellen Lieferung, eine Bodenstation und ein Simulator werden nach Frankreich geliefert, wo der Luftwaffenstützpunkt Cognac als Basis der französischen Drohnenaktivitäten dient. Die Luftwaffe will von der zivilen Luftfahrtbehörde DGAC die Zertifizierung der Drohnen für den französischen Luftraum erhalten, am liebsten bis zum Luftfahrsalon in Le Bourget im Juni 2017.
    Insgesamt sollen vier Systeme beschafft werden, bestehend aus je drei Drohnen und einer Bodenstation.

    Die Vorgängerdrohnen vom Typ „Harfang“ (IAI Heron) wurden im Lauf des September unauffällig aus dem Sahel abgezogen. Sie sind jetzt wieder in Cognac stationiert und werden für Missionen der Inneren Sicherheit eingesetzt, zum Beispiel mit drei Flügen zur Überwachung der „Fête des Lumières“ in Lyon.

  • Cirrus   |   21. Dezember 2016 - 13:27

    Demnächst fliegen dann also Harfang (französische Variante des Heron1) und Predator B im französischen Luftraum, Certifiable Predator B im britischen Luftraum und Predator A und B in Italien. Unsere europaischen NATO Partner machen uns mal wieder vor wie es geht …. Nach dem Eurohawk Desaster und dem Theater um die Heron 1 Nachfolge (Umgehung des Zulassungsproblems Heron TP durch Stationierung in Israel) sind das keine guten Vorzeichen fur eine vielversprechende Entwicklung der Eurodrohne, bei der Deutschland ja ausdrücklich die Führungsrolle beansprucht. Wenn dann neben Großbritannien auch noch die anderen europäischen Predator B Nutzer (einschl. Spanien und demnächst vielleicht auch Niederlande) auf den Certifiable Predator B umsteigen wird es richtig eng fur die Eurodrohne.