Syrien-Sammler: Nach der Einigung von München

Treffen der Syrien-Kontaktgruppe

Die internationale Syrien-Kontaktgruppe hat sich in der Nacht zum heutigen Freitag in München auf eine Feuerpause im Bürgerkrieg in einer Woche und auf humanitären Zugang zu belagerten Gebieten verständigt. Die Bedeutung dieser Vereinbarung und die Chancen, damit ein Ende des syrischen Bürgerkriegs einzuleiten, werden ohnehin in allen Medien durchbuchstabiert. Deshalb hier nur als Sammler und für die (bereits auch hier laufende ) Debatte der Hinweis auf den Wortlaut der Einigung:

Meeting in Munich on February 11 & 12, 2016, as the International Syria Support Group (ISSG), the Arab League, China, Egypt, the EU, France, Germany, Iran, Iraq, Italy, Jordan, Lebanon, the Organization of Islamic Cooperation, Oman, Qatar, Russia, Saudi Arabia, Turkey, United Arab Emirates, the United Kingdom, the United Nations, and the United States decided that humanitarian access will commence this week to besieged areas, and an ISSG task force will within one week elaborate modalities for a nationwide cessation of hostilities. (…)

In order to accelerate the urgent delivery of humanitarian aid, sustained delivery of assistance shall begin this week by air to Deir Ez Zour and simultaneously to Fouah, Kafrayah, the besieged areas of Rural Damascus, Madaya, Mouadhimiyeh, and Kafr Batna by land, and continue as long as humanitarian needs persist. Humanitarian access to these most urgent areas will be a first step toward full, sustained, and unimpeded access throughout the country. (…)
The ISSG members agreed that a nationwide cessation of hostilities must be urgently implemented, and should apply to any party currently engaged in military or paramilitary hostilities against any other parties other than Daesh, Jabhat al-Nusra, or other groups designated as terrorist organizations by the United Nations Security Council. The ISSG members commit to exercise influence for an immediate and significant reduction in violence leading to the nationwide cessation of hostilities.

Der vollständige Wortlaut hier beim Auswärtigen Amt.

(Bereits aufgelaufene Kommentare dazu in anderen Threads verschiebe ich hierher.)

Nachtrag – von tagesschau.de: Gefechte um Aleppo gehen unvermindert weiter

(Foto: Treffen der Syrien-Kontaktgruppe ( ISSG ) am 11. Februar 2016 in München – v.l.n.r.:  Sergej Wiktorowitsch Lawrow, Aussenminister von Russland, John Kerry, Aussenminister der Vereinigten Staaten von Amerika, Staffan Domingo de Mistura, Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga fuer Syrien, Jan Eliason, stellvertretender Generalsekretaer der UN – Thomas Trutschel/photothek.net)

110 Gedanken zu „Syrien-Sammler: Nach der Einigung von München

  1. Russische Kampfjets verfolgen deutsche „Tornados“ via rponline

    Die deutschen „Tornado“-Aufklärer werden nach Informationen unserer Redaktion bei ihren Einsätzen über Syrien regelmäßig von russischen Jagdflugzeugen beschattet.

  2. @AoR … pivoting towards Russia …
    Eigentlich wäre alles gesagt mit „der Feind meines Feindes ist mein Freund“, ein Zitat, dass Napoléon Bonaparte u.a. zugeordnet wird.
    Im Zuge der nachhaltigen Zerschlagung gemäßigter syrischer Oppositionsgruppen durch SAA sowie der RUS Lw nutzen Kurden das Momentum und realisieren bedeutende Geländegewinne hart südlich der SYR Nordgrenze, in ROJAVA. Ein Raum der unter Assad-Vater massiv arabisiert wurde, historisch allerdings Teil kurdisches Siedlungsgebietes war. Kurden der YPG muss zugute gehalten werden, dass sie solche Araber in ihre Reihen aufnimmt, die mit Assad gebrochen haben.
    Die Türkei wünscht den Kurden die Pestilenz an den Hals. Davutoglu wurde dazu heute sehr deutlich, indem er anlässlich des Besuches seines UKR counterparts ausführte, „werden nicht tatenlos zusehen, die YPG AZAZ einnimmt …“. Der Artilleriebeschuss vorrückender YPG-Kämpfer mit PzHaub M 109 über die Grenze hinweg, dauert dazu seit Tagen an. Ließe TUR Davotoglus Worten Taten folgen, wäre dies eine zusätzliche Eskalationsstufe, die 2. TUR Armee steht nördlich der Grenze in Stellung.
    In dieser Gesamtlage suchen die Kurden Verbündete, die mehr als Lippenbekenntnisse anbieten. Absolut naheliegend also, dass Moskau seine – militärisch – starke Schulter anbietet. Es ergibt sich eine „win-win-situation“:
    – Kurden erhalten zunächst moralischen/politischen, in Kürze lageabhängig, auch militärischen Beistand,
    – Russland ergreift die Gelegenheit der Türkei es für den Abschuss der SU-34 vom 24.11.15 heimzuzahlen und bindet die Kurden grenzübergreifend (TUR, SYR, IRK) an sich. Wie nebenbei wird dabei auch das traditionell gute Verhältnis der Kurden zu den USA und DEU belastet. Wird Putin freuen.
    Unterm Strich: Aus kurdischer Sicht ein schlüssiger und cleverer Zug!

  3. Nachbrenner zum post von 20:09.
    Diszlozierung – grenznah – der dort von mir angesprochenen 2. (TUR) Armee.
    https://t.co/osQFG4zuUV
    Die Türkei hat mehr als ausreichend Truppe verfügbar, um sofort zuschlagen zu können.

  4. @KPK: Wie schaffen es dann die Kurden, und so wie ich es beobachte, zumindest Merkels schlimmsten Feinden zu signalisieren, dass man langfristig an starken Beziehungen zum „Westen“ zu den „Demokraten“ gelegen ist? Sowohl stategischer wie auch natürlicher Form und Farbe.

    Zu Erklärung: Frau Merkel fordert binnen Stunden eine Flugverbotszone über Syrien aufgrund des russischen Bombardements, sagt aber kein Wort zu den schweren systematischen Krigsverbrechen der Türkei gegen seine eigene kurdischstämmige Bevölkerung. Es kommt in Europa auch zunehmend zu Mordattentaten auf Kurden seitens „Türken“… Ich vermute Edogan will den totalen völkischen Krieg… Merkel sieht zunehmend aus wie Erdogans Matruschka …. (die Holzpuppe die hohle eben.

    Ich sage es nur ungern, aber in dem Szenario wäre Barzani Geschichte. Ich hoffe zumindest unsere Dienste wissen das.

  5. Die Kurden nehmen zur Erreichung ihres Ziels was sich ihnen bietet, U.S. air dropping, DEU MILAN, RUS was-auch-immer, Hauptsache „free Kurdistan“, absolut nachvollziehbar!

    Die Forderung der Kanzlerin – sechs Monate zu spät – nach einer Flugverbotszone ist ein Witz, geschuldet heftig steigender Nervosität vor dem Hintergrund der ausfransenden Flüchtlingslage, siehe Vîsegrad und Mazedonien. Es handelt sich um erste Anzeichen beginnender Hilflosigkeit, Vorstufe von Panik, ein Menetekel. (Wird bekanntlich dem Perserkönig Belšazar, Sohn des Nebukadnezar II. in den Mund gelegt, stammt also fast aus ost-kurdischer Sphäre).
    Der anstehende Brüsseler Gipfel wird die Wende bringen, nicht in Merkels Sinn.
    Frau Dr. Angela Merkel äußert sich zu militärischen Verfahrensfragen, mir fällt nichts mehr ein! Wer hat ihr das bloß aufgeschrieben? Wer sollte die Russen hindern zu fliegen?

  6. @KPK:

    Jein, also gerade Süd- wie auch Westkurdistan, haben nen leicht pro-Westlichen drift. Klar, in der Türkei sind Hopfen und Malz verloren mit der Türkei als Nato-Mitglied v.a auch in den 80er und 90er Jahren.

    Und jetzt wo Artillerie auch im wunderschönen dichtbesiedelten Afrin-Stadt einschlägt? Wir wissen von der osmanischen Belagerung Wiens, wen Kanonen auf Pflasterstein trefen, fliegen die Schrappnells. https://twitter.com/mutludc

    Wer hatte das Thema mit dummen Geschossen auf Zivilisten … der letzt Gaza-Krieg: Die stehen beide angeklagt in Den Haag. Tja @AKP, dat wars … die Osmanen waren vergleichsweise intelligent … aber da waren auch Kurden in der Generalität /SCNR

    MNA MNA SHKL U-PERS (Menetekel, man vermuted das anglikanische Verb „to perish“ stammt davon ab)

  7. @all

    Habe zu Syrien einen neuen Sammelthread aufgemacht (und schaue mal, ob sinnvollerweise einige Kommentare schon aus diesem Thread da rüber gehören…).

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