Nationale Schlüsseltechnologien in der Rüstung: Jetzt auch Panzer und U-Boote

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Das Bundeskabinett verabschiedet am (heutigen) Mittwoch ein Strategiepapier der Bundesregierung zur Stärkung der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in Deutschland. Während wir noch auf die Abschlussmeldung aus dem Kabinett (und die Veröffentlichung dieses Papiers) warten, schon mal ein interessantes Detail daraus: Der Streit zwischen dem Verteidigungs- und dem Bundeswirtschaftsministerium über die Frage, was als nationale Schlüsseltechnologie in der Rüstung betrachtet (und deshalb auch gezielt gefördert oder unterstützt) werden soll, ist beigelegt: Panzer und U-Boote sollen künftig auch dazu gehören.

Zur Erinnerung: Im Oktober vergangenen Jahres hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen einen Diskussionsentwurf dazu vorgelegt (siehe Grafik oben; ein bisschen größer hier). Darin waren die Bereiche Führung und Aufklärung sowie Schutztechnologien als nationale Schlüsseltechnologien vorgeschlagen worden, die Bereiche Wirkung mit Panzern und U-Booten eben nicht.

Jetzt sieht das neue Strategiepapier vor:

Wie in der nachfolgenden Übersicht dargestellt, wurden nationale Schlüsseltechnologiefelder schwerpunktmäßig entlang folgender Bereiche (Fähigkeitsdomänen) identifiziert:

Führung (vor allem Kryptotechnologie)

Aufklärung (vor allem Sensorik)

Wirkung (vor allem Technologien im Bereich gepanzerte Plattformen sowie Unterwasser)

Unterstützung (vor allem Schutztechnologien)

Diese Liste wehrtechnischer Schlüsseltechnologien muss regelmäßig überprüft werden. Zu deren Erhalt bzw. ihrer Förderung verfügt die Bundesregierung über folgende Instrumente: ressortübergreifende Abstimmung und Priorisierung von Forschungs- und Technologie (F&T)-Maßnahmen, gezielte Industriepolitik, Exportunterstützung (im Rahmen der Einzelfallentscheidung auf Grundlage der Politischen Grundsätze der Bundesregierung) sowie die Auftragsvergabe durch das Bundesministerium der Verteidigung im Rahmen der Möglichkeiten des Vergaberechts.

Da ist es bestimmt kein Zufall, dass sich am gleichen Tag der SPD-Obmann im Verteidigungsausschuss, Rainer Arnold, vehement gegen eine Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegman mit dem französischen Konkurrenten Nexter ausspricht…

Mehr dazu, sowohl zu dem Kabinettsbeschluss als auch zu Arnolds Äußerungen, bisschen später.

Nachtrag: Jetzt ist das Papier veröffentlicht; die Grafik zu den Schlüsseltechnologien sieht jetzt so aus:

schluesseltechnologien_20150708

17 Gedanken zu „Nationale Schlüsseltechnologien in der Rüstung: Jetzt auch Panzer und U-Boote

  1. Behalten die bisher grau eingefärbten Handfeuerwaffen ihren Farbton oder verschwinden sie (bis zur nächsten regelmäßigen Überprüfung) ganz aus dieser Diskussion? Und was ist mit den übrigen Komponenten des Systems Handfeuerwaffe?

  2. „Stärkung des europäischen Mittelstandes“ kann ich da lesen…..jetzt verstehe ich auch diese ganze G36/HK-Saga-ohne-Ende…..das ist eine nicht-technische (Fall)Studie in Sachen Stärkung des europäischen Mittelstandes, denn der wird ja relativ gestärkt, wenn der deutsche etwas platter gemacht wird…..echt clever ;-)

    OK, wieder ein Passus aus dem Koalitionsvertrag politisch operationalisiert, die Ampel geht von Gelb auf Grün……..

  3. Aber jetzt mal im Ernst: das Papier ist imho erschreckend „platt“ im Sinne von Plattitüde.
    Selbst die Graphik gibt so gut wie „nix“ her…….bei „Wirkung“ fällt wohl selbst einem Laien auf, dass u.a. „Munition“ fehlt…..es ist schon wirklich erstaunlich, dass man die große, weite Welt der relevanten Rüstungstechnologien in einem Erbringungs-Fähigkeits-Dimensionogramm so „erschöpfend“ abhandeln kann…………

  4. Warum gibt es überhaupt noch die Unterscheidung von „europäisch“ und „global“? Damit man das Layout der Grafik beibehalten konnte? Oder übersehe ich etwas?

  5. Im gesamten Papier taucht übrigens der Begriff „Waffe“ genau zwei mal auf. Einmal bei den „politischen Grundsätzen der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern“, und einmal in der Grafik bei „Handfeuerwaffen“.

  6. @J-P-W
    So wie gefärbt haben Handwaffen nicht den Status der nationalen Schlüsseltechnologie.

  7. Viel um Nichts
    den schon bei der Grafik lest man erkennen das man an Ernsthaftigkeit keinen Bock hat

    den die sagt gar nicht wie man das Plant
    es sind nur Striche die Dünner werden und nicht

    Wenn man an die Schweiz denkt da werden nach Dringlichkeit die Grafik aufgestellt
    Nach Schwerpunkte und so weiter und welche Einheiten welchen bedarf hat

    daraus folgt der Beschaffungsplan

  8. Im Bereich der U-Boote wird der Markt zunehmend umkämpfter und man hat sich mit Saab (Kockum A26) einen neuen Konkurrenten gezüchtet. Es wird also nach der Klasse 212A ein Folgeprogramm nötig sein, wenn man diese „Schlüsseltechnologie“ erhalten will. Ich sehe aber nicht wo das Geld dafür herkommen soll, zumal man schon bei den Fregatten mit den Ersatzbauten für auszumusternde Schiffe kaum hinterherkommt.

  9. Eine grüne Färbung der Handfeuerwaffen hätte mich nicht nur angesichts der Ereignisse in den letzten Monaten auch schwer gewundert. Maximal beim Damenbiathlon erscheinen Schusswaffen hierzulande noch einigermaßen en vogue ;-)

  10. @xyz

    Das Geld ist da. Aber ob man mal bewährtes beschafft oder bei den Fregatten immer kleine Klassen baut (3 Schiffe), jeweils das Rad neu erfindet und die Schiffe dann einen sehr schlechten Kosten-Nutzen-Effekt aufweisen… da kann man sich das Leben auch selbst schwer machen.

  11. Ich denke, dass das Schaubild für die meisten Menschen vollkommen unverständlich bleibt.

    Die Ableitung konkreter Maßnahmen ist das spannende. Wenn Unterwasser z.b. Schlüsseltechnologie wird, warum soll dann die WTD71 und hier insbesondere der Forschungsbereich weiter geschröpft werden?

    Interessant ist der Begriff Systemfähigkeit. Das erhält man am besten bei Systemhäusern im Rahmen von Entwicklungs-/Beschaffungsprogrammen. Alternativ müsste man Versuchsträger in den relevanten Bereichen zulassen.

  12. @all

    Ich hab‘ mal einen neuen, zusammenfassenden Thread zu diesem Thema aufgemacht – bitte die Debatte dort weiterführen.

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