Exercise Watch: Russen bei ‚Joint Warrior‘!, AWACS und anderes

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Vor der schottischen Küste hat das Manöver Joint Warrior begonnen, eine von der britischen Marine geführte NATO-Übung, dieses Mal wohl so groß wie nie. Und die Kollegen vom britischen Telegraph werden nervös, denn… es haben sich Russen angesagt:

Russian military inspectors are attending massive naval war games off the coast of Scotland it has been disclosed.
The Ministry of Defence has been forced to accept a four day visit of military experts from Moscow under a European arms control treaty. (…)
The Russian team will be escorted at all times and will only be given unclassified information, the MoD in London said.
Defence sources said it was “routine” and Russian officers had last made similar official visits last year. British officers have not made similar inspections in Russia since 2010 though.

Nun ja. Von Seiten der NATO gab und gibt es auch immer wieder Militärbeobachter bei russischen Übungen, die müssen sich auch anmelden, haben das russische Verteidigungsministerium gezwungen, das zu akzeptieren und bekommen ganz bestimmt auch keine geheimen Informationen.

An Joint Warrior nehmen nach britischen Angaben Einheiten aus 14 (nach US-Angaben 15) Nationen teil, darunter auch Boote und Schiffe der Deutschen Marine. Die berichtet auf ihrer Webseite zwar nur von den sechs Schnellbooten, die zu der Übung ausgelaufen sind, aber man kann ja auch bei der NATO nachgucken: Neben den Schnellboten ist der Tanker Spessart als Teile der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) dabei, außerdem der Tender Donau sowie die Minensucher Auerbach und die Bad Bevensen als Teile der beiden ständigen Minenabwehrverbände (Standing NATO Mine Countermeasures Group, SNMCMG). (Sollte ich noch deutsche Einheiten/Verbände bei der Übung vergessen haben, bitte ich um Hinweise.)

Trennung.

Wer schon immer mal in ein AWACS-Flugzeug über dem Baltikum gucken wollte… die NATO hat davon ein Video gedreht:


(Direktlink: https://youtu.be/j_6oWRcE6co)

Trennung.

Ein interessantes Interview: Dmitry Gorenburg vom Davis Center for Russian and Eurasian Studies der Universität Harvard zur Bedeutung der großen russischen Militärmanöver.

(Foto: FASLANE, Scotland, April 9, 2015: The guided-missile cruiser USS Anzio (CG 68) arrives at Her Majesty’s Naval Base, Clyde, for a scheduled port visit. Anzio is in Scotland to participate in Joint Warrior – U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Abe McNatt)

 

29 Gedanken zu „Exercise Watch: Russen bei ‚Joint Warrior‘!, AWACS und anderes

  1. Danke. Warum hat eigentlich die Deutsche Marine keine Übersicht über ihre Beteiligung an JW 2015 veröffentlicht?

  2. Sehr hübsch.

    Spannend finde ich das Kapitel „Denial of GPS Service“. Ist das eigentlich heutzutage bei Übungen Standard?

  3. AUERBACH ist ein Hohlstablenkboot ( 5. MSG ). Neben diesem und dem Minenjagdboot BAD BEVENSEN beteiligt sich noch das MjB HOMBURG ( beide 3. MSG ).

    Die Marine hat ( vermutl. aus Personalmangel ) keine/n PIZ- Mitarbeiter/-in eingeschifft und ist auf Mithilfe durch die teilnehmenden Einheiten angewiesen. Da kam aber bislang noch nichts zustande.

  4. Hm ja. Aber ’ne Liste der teilnehmenden Einheiten wird’s in Rostock doch wohl geben?

    Höre inzwischen, dass auch der Tender Werra dabei ist.

  5. Die Liste der teilnehmenden Einheiten ist im JUEP vorhanden, leider nicht zur veröffentlichung freigegeben. Aber mit dem Tender Werra haben sie jetzt hier alle teilnehmenden Einheiten aufgelistet.

  6. Sechs (!) Schnellboote nehmen teil…meines Wissens sind nur noch genau 6 Schnellboote im Dienst. Wenn also 6 Schnellboote an den Übungen vor Schottland teilnehmen, dann sind die vermutlich alle auch seeklar und einsatzfähig – hey, das bedeutet ja eine Klarstandsrate von – hm, mal kurz rechnen, 6*100/6=100% ….also 100 (in Worten: „einhundert“) Prozent !!! Bemerkenswert bei diesen Booten, die ja jetzt auch seit rund 30 Jahren im Dienst stehen.

  7. Gute Pflege durch alle Beteiligten der Materialerhaltungsstufen. Vor allem aber durch die Besatzung! Einfach gute Boote, wenn in den richtigen Händen. Hat aber auch etwas von einer „Goldenen Übung“ im internationalen Rahmen und mit diesem Potential an Krachmachern der Ostsee…

  8. NMWC | 14. April 2015 – 9:43
    „…. und mit diesem Potential an Krachmachern der Ostsee…“

    gibt es eigentlich offizielle Termine, wann die Ostsee-Rocker endgültig aus dem Verkehr gezogen werden sollen? Die Begründung für den Umstieg auf die Korvetten zielte doch darauf, dass künftig nur noch Einsätze vor exotischen Küsten anstehen, und die Ostsee kein Thema mehr ist. Da hat sich ja nun einiges geändert…mit Auswirkungen auf die Schnellboot-Fraktion?

  9. @T.Wiegold bzgl GPS Jamming:
    Wenn auch der Aufwand für GPS Jamming vergleichsweise gering ist, wird meistens das Noplay-Risiko gescheut. Andererseits kann man nur so den Navis an Bord Beine machen, denn ECDIS + GPS machen nun mal unglaublich bequem. Plötzlich sind die alten Skills à la AstroNav etc. gefragt, da kommen doch die meisten 26er ganz schön ins Schwitzen.
    Statt dieser Goldlösung wird wesentlich häufiger, reichlich übungskünstlich, über die EmCon-Policy die Nutzung von GPS ausgeschlossen – was aber von den meisten Kommandanten, Stichwort nav. Sicherheit, ignoriert wird.

  10. Bestimmt ein gutes und forderndes Manöver, in dem mal wieder die „analogen“ taktischen skills geübt werden können. Jeder Kommandant/Kommandeur, der diese Chance hat, sollte froh darüber sein, dass er mal nicht nur sailing und hailing, sondern brown water warfare unter electronic warfare conditions üben kann. Den verbliebenen Krachmachern wünsche ich viel Spaß beim „silent movie“…….F-H-G

    ;-)

  11. F-H-G werden nur wenige hier verstehen, war aber immer schon ein ausgesprochen hübsches Motto – passte nur irgendwie nicht zur Berlichingen-Faust :-)

  12. FDP Blatt schreibt ( FOCUS)

    Das Estland fordert von Deutschland das wir Truppen Stationieren

  13. @T.W.

    Denail of GPS Service ist leider nicht Standard bei solchen Übungen. Es wird aber versucht dies immer öfter zu implementieren. Dabei werden dann meist aber nur kleine Handjammer eingesetzt um gezielt nur eine Einheit zu stören um die Auswirkungen auch für die zivile Welt so gering wie möglich zu halten.
    Das Problem beim GPS stören ist nicht unbedingt das der 26er wieder anfangen muss auf herkömmliche weise zu navigieren sondern das mittlerweile viele Waffensystemen, Software usw… das Zeitsignal vom GPS zur Synchronisation benutzen. Das führte bei manchen Systemen schon dazu das sie quasi nutzlos sind wenn nicht manuell vorgesehen ist eine Zeit einzugeben.

  14. klabautermann | 14. April 2015 – 13:43
    „afail soll Ende 2016 der letzte Gepard a.D. gehen“

    o weh, da da werden sicher noch mehr Leute trauern als beim Abgang der 206er. Letztes Jahr kam noch ein „Gepard“ in der Kieler Bucht an uns vorbei gedonnert (seltsamerweise ohne die Startbehälter auf dem Achterschiff, sah ziemlich nackt aus). Was für ein göttlicher Sound….und war noch weit entfernt von AK…

    Aber mal zum GPS (bzw. dem Denial): wird die klassische (Astro)-Navigation in der Marine eigentlich noch gelehrt? Haben die überhaupt noch Sextanten und Tafeln an Bord? Habe vor Jahren mal die Info (allerdings nicht aus erster Hand) bekommen, dass die US-Navy mittlerweile die Ausbildung in Astro-Navigation eingestellt hat.

    Etwas verwirrend finde ich auch die Aussage von J.H. oben, dass viele (Waffen-)Systeme ohne das GPS-Zeitsignal aufgeschmissen sind. Wenn ich das mal zusammenzähle, würde ja ein GPS-Denial so einiges lahmlegen (außer der Navigation natürlich). Hört sich irgendwie so an, als ob Seekrieg ohne GPS nicht mehr stattfinden würde.

    Und was ist überhaupt mit dem leidigen Thema GALILEO? Gibt es da Überlegungen, im Falle eines Falles auch alternative Sat-Systeme nutzen zu können?

  15. @f28
    Oder nehmen Sie Drohnen die mittels GPS arbeiten. Die haben bei einer GPS-Störung auch keinen großen Einsatzwert mehr. Da trifft das Wort „aufgeschmissen“ auch gut.

  16. @f28

    Nun ja, wenn 2016 das letzte deutsche Schnellboot a.D. geht, dann findet eine 100-jährige deutsche Waffensystem-Erfolgsstory ihr Ende.
    Astro-Nav wird afaik in der Marine nicht mehr ausgebildet, in küstennahen Gewässern kann man aber auch ohne Astro-Nav und GPS sehr genau terrestrisch navigieren – mit Kompass und Seekarte…..und dann hat man ja auch noch ein Navigationsradar und Echolot etc.
    GPS-basierte Zeitsynchronisation hat man eigentlich nur im Waffensystemverbund, d.h. wenn man mit mehreren Einheiten ein zeitkritisches collaborative engagement durchfüht, wie z.Bsp. bei der Missile Defence – da kommt es eben auf Mikrosekundengenauigkeit an. Einzelne Waffensystem kommen afaik ohne GPS-Zeitsignal aus…..wäre ja auch megablöd wenn man sich von GPS abhängig machen würde.

  17. ach ja, ein P.S. noch:

    Trägheitsnavigationssysteme kommen auch ohne GPS und Co aus. Und somit muß man auch bei Drohnen nicht auf Einsatzwert verzichten ;-)

  18. @klabautermann
    Hm, da kommt mancher Fachmann mit sorgenvollem Gesicht zu anderen Ergebnissen. Aber ok, wir werden mal sehen, wie es unseren Drohnen ergeht, sollten sie jemals in der Ukraine fliegen.

  19. @Peter Popel

    Natürlich haben sogenannten Fachleute Bauchschmerzen weil eben viele Drohnen ohne INS beschafft wurden, denn so ein GPS-Chip ist ja deutlich billiger als ein INS . Tja, da wird man eben a bisserl umdenken müssen bei den Drohnen-Beschaffern ;-)

  20. Peter Popel | 15. April 2015 – 15:14
    „Aber ok, wir werden mal sehen, wie es unseren Drohnen ergeht, sollten sie jemals in der Ukraine fliegen.“

    na, die müssen dann halt einfach auf GLONASS umschalten ;-)

  21. Beobachter werden in den Planungen vorher beruecksichtigt. Da gibt es eine extra Zelle fuer, die sich darum kuemmert.

  22. @f28 und Klabautermann,
    die Schnellboote werden vielleicht noch ein paar Jahre überleben- Peru möchte wohl weiternutzen – hallte es neulich über einen langen Flur.

  23. Stichwort AstroNav: Ob sie als vollwertiges Navigationsmittel, also alle Gebiete wie Positionsbestimmung, Kurs- und Fahrtberechnungen etc. abdeckend, noch gelehrt wird, kann ich nicht abschätzen – zumindest fristet sie ein Nischendasein als Prüfinstanz für den täglichen Kompasscheck. Die Gerätschaften (Sextanten, Nautische Tafeln etc.) sind aber alle noch STAN-mäßig an Bord. Allerdings wird das eher als Hobby bzw. Tradition aufrecht erhalten, ähnlich wie bei den Signälern mit dem Winkern, das ja auch kein NATO-Kommunikationsmittel mehr darstellt.

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