RUSI-Papier: Russische Kräfte in der Ukraine

Noch ein Merkposten zum Nachlesen: Ein Briefing-Papier des britischen Think Tanks RUSI (Royal United Services Institute) zu russischen Aktivitäten in der Ukraine, geschrieben von einem Exil-Russen und recht detailliert

Briefing Paper: Russian Forces in Ukraine

Mit der interessanten Schlussfolgerung:

The Russian military operation against Ukraine has revealed some of the constraints on Russia’s exercise of military power; primarily, its limited capacity to sustain an operation of this size.

32 Gedanken zu „RUSI-Papier: Russische Kräfte in der Ukraine

  1. Wenn man der Schlussfolgerung des Papiers glauben schenkt wären Waffenlieferungen an die Ukraine zwecks Verhinderung weiterer russischer Eroberungen (Mariupol, ev. Brücke zur Krim) sinnvoll. Russlands militärische Kapazitäten scheinen nicht unerschöpflich zu sein.

    Die „Kyiv-Post“ berichtet über Szenarien weiterer Analysten (Stratfor, British Royal United Services Institute, Felgenhauer) zum weiteren Vorgehen Putins unter der Überschrift „Ukraine’s Donbas is not enough for Putin“

    http://www.kyivpost.com/content/ukraine/ukraines-donbas-is-not-enough-for-putin-383310.html

  2. @Hohenstaufen: Moralisch müssten wir Waffen liefern, auch Deutschland, weil ich keinen Unterschied erkennen kann zwischen Kurden und der Ukraine. Aber ist der Westen wirklich bereit mehr Waffen zu liefern als die Russen? Oder müsste man es dann nicht so machen, wie Ex-Militärs in den USA fordern, daß wir möglichst viele russische Soldaten in der Ukraine töten sollen, damit der Krieg für Putin unpopolär wird, wenn viele Zinnsärge zurück kommen nach Russland?

    Ich glaube Putin wird keine Niederlage hinnehmen in der Ukraine oder der Separatisten. Über eine militärische Niederlage würde er stürzen, da wird eher mit mehr Truppen einen richtigen Krieg mit der Ukraine beginnen.

    Da würde ich es für deutlich besser halten, entweder eine Nato-Eingreiftruppe nach Mariupol entsenden oder noch besser, die Ukraine sofort in die Nato aufzunehmen, um den Konflikt wenigstens einzufrieren. Putin wird keinen direkten Krieg mit der Nato riskieren, solange er die Krim oder die Ostukraine nicht gefährdet sieht.

  3. Auch interessant in diesem Zusammenhang sind die Schlußfolgerungen aus verschiedenen Szenarien, die von Stratfor simuliert und veröffentlicht wurden: http://www.realcleardefense.com/articles/2015/03/10/explained_russias_military_options_in_ukraine_.html

    Unter Einbeziehung geographischer Faktoren, insb. die Kontrolle von Flußübergängen als Engstellen, werden im wesentlichen drei Szenarien besprochen:
    1. Die Herstellung einer Landverbindung zur Krim, erforderlich für die Eroberung und dauerhafte Besetzung / Verteidigung sind zwischen 25.000 und 36.000 Soldaten, Zeitdauer 6 bis 14 Tage
    2. Die Herstellung einer Landverbindung nach Transnistrien, erforderlich wären 40.000 bis 60.000 Soldaten für die Eroberung, für die dauerhafte Besetzung und Verteidigung, inkl. Aufstandsbekämpfung, u.U. die doppelte Zahl, Zeitdauer 23 bis 28 Tage
    3. Die komplette Besetzung der Ostukraine bis zum Dniepr, dessen wenige Flußübergänge sich hervorragend verteidigen lassen, würde bis zu 135.000 Soldaten erfordern und die doppelte Anzahl zur dauerhaften Kontrolle, Zeitdauer aufgrund der vergleichsweise guten Infrastruktur allerdings nur 11 bis 14 Tage

  4. @ Closius: Eine Entsendung von Truppen der NATO oder wenigstens der USA auf Bitte der ukrainischen Regierung nach Charkiw , Kiew und Dnjepropetrovsk unter der klaren Prämisse der Verteidigung der Ukraine würde wahrscheinlich am ehesten einen dauerhaften Waffenstillstand herbeiführen, da stimme ich zu.

  5. @Hohenstaufen
    Strategisch bezeichnet man das, was Sie da vorschlagen, als „Brinkmanship“:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Brinkmanship
    Die Risiken wären enorm, v.a. angesichts der offenbar nur eingeschränkten direkten russischen Kontrolle über einige Separatistenführer, die in so einer Situationen eine direkte militärische Konfrontation zwischen den USA und Russland provozieren könnten. Angesichts bereits wirkender Sanktionen wäre so ein Schritt auch gar nicht erforderlich, um die russische Seite zu Konzessionen zu bringen.

  6. @ Max lBl: Ohne russische Unterstützung und russische Truppen sind die „Separatisten“ zu keiner relevanten militärischen Aktion fähig. Örtliche Befehlshaber werden mittlerweile durch Russland nach Belieben ausgetauscht ( Girkin, Bezler, Borodaj) .Russland hat die Kontrolle über jegliches militärische Vorgehen. Das jüngst veröffentlichte und vieldiskutierte Interview eines russischen Soldaten in der Novaja Gazeta veranschaulicht dies recht gut.
    http://euromaidanpress.com/2015/03/02/the-story-of-a-russian-soldiers-war-in-ukraine-we-all-knew-what-we-had-to-do-and-what-could-happen/

  7. Es gab auch schon 2014 eine sehr gute Studie der Schweden zu den Fähigkeiten der russischen Streikräfte:

    Russian Military Capability 2013

    Es wurde sehr gut auf grundsätzliche Limitierungen (Personal, Wirtschaft) eingegeangen und abgeschätzt, was kurz und mittelfristig mobilisiert werden kann, und wo es langfristig massiv kneift.

    Offensichtliches Problem ist, dass solche Studien einfach nicht gelesen oder zumindest verstanden werden, und deshalb weiterhin mit Szenarien argumentiert werden, die noch aus dem klaten Krieg stammen.

  8. RUSI ist ein „think tank“ der Britischen Armee. Der Autor des RUSI Papiers ist ein Mann der in Russland wegen Spionage für die USA angeklagt ist. Der hat sein eigen Motivation Russland in ein negatives Licht zu rücken.

    Er verwendet für seine Zahlen Quellen (Ukrainische Pravda, Ukrainischer Generalsstab, NATO etc.) die ein großes Interesse haben die Russlen als die Pösen darzustellen. Die Bundesregierung hat solche Zahlen (der NATO) zu recht als „gefährliche Propaganda“ bezeichnet. Dadurch das RUSI die verbreitet ändert sich daran nichts.

    Andere Quellen sind in dem RUSI Papier nicht zu finden. Der Mann hat seine Angaben anscheinend aus der Luft gegriffen.

    StratFor (und andere) gehen davon aus das Russland vorhat weitere Gebiete zu nehmen. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen und es wäre politisch wie strategisch für Russland auch zum Nachteil. Das ganze Pamphlet ist daher reine Spekulation. Das ist aber gut für Schlagzeilen und verkaufsfördernder Erwähnung in der Presse. Als Strategiepapier ist es ungeeignet.

  9. Was bitte hat die NATO mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu tun?
    Hat die NATO Sicherheitsgarantien gegenüber der Ukraine gegeben?
    Was würde die Türkei zu einer Intervention der NATO sagen?
    An den Grenzen der NATO herrscht Krieg, Türkei, Mittelmeer und im Kosovo brennt die Zündschnur (es ist nur nicht bekannt, wie lange sie ist).

    Ein Eingreifen der NATO in die Ukraine würde die NATO u.U. zerstören.

  10. @ b 13. März 2015 – 6:43
    ‚…die ein großes Interesse haben die Russen als die Pösen darzustellen‘

    ‚Auf den Poden mit dem pösen Purchen‘ Monty Phyton

    Sorry, ich konnte nicht anders!

  11. @Elahan:Warum sollte ein „Eingreifen“ der Nato in der Ukraine diese zerstören? Die Ostukraine zurück erobern zu wollen würde ich auch für zu gefährlich halten.

    Aber wenn die Nato oder die USA Truppen in die Ukraine schicken würden und die Minsk II Linie zur roten Linie erklären würden, unter Berufung auf das Budapester Memorandum, so vermute ich, das Putin dieses deutliche Signal verstehen würde und der Konflikt einfrieren würde. Das Risiko einzelner Granaten würde bleiben, aber ich glaube nicht, das Putin einen echten Kampf/Schlacht zwischen den Separatisten und Nato oder US-Eingreifskräften riskieren würde.

    Das Risiko weiterer Angriffe auf Charkiv oder Mariupol könnte damit gebannt werden. Die bisher eroberten Gebiete würde Putin irgendwann Russland zuschlagen und damit wäre durch ein Eingreifen der Nato die Osturkaine ganz verloren für die Ukraine.

    Aber ich habe nicht den Eindruck, das Putin oder die Separatisten daran denken, die Ostukraine jemals wieder einen Teil der Ukrine werden zu lassen, bei einer Förderalisierung. Denn wenn Putin dies wollte, so hätte er einen solchen Frieden doch schon längst mit Frau Merkel und der Ukraine aushandeln können und nicht nur einen Waffenstillstand.

  12. @b: „Andere Quellen sind in dem RUSI Papier nicht zu finden. Der Mann hat seine Angaben anscheinend aus der Luft gegriffen.“

    In der Tat ist die Belegdichte des RUSI-Berichts, sagen wir mal, akademisch problematisch. Insbesondere die spannenden Informationen – also etwa die zur konkreten Teilnahme spezifischer russischer Einheiten (inkl. Sperrverbände), werden in der Tat gar nicht mit Quellen unterfüttert.

    Man kann das also glauben, muss man aber nicht. Man kann es auch – mit guten – Gründen, so wie Sie – als Propaganda abtun.

    Allerdings hatte ich Gelegenheit, 2006/2007 sowohl den derzeitigen Direktor des RUSI, Michael Clarke, als Dozenten, als auch die Institution RUSI, etwas direkter kennenzulernen.

    Auf Grund der Erfahrungen aus dieser Zeit, sowohl was den erlebten Anspruch, die Professionalität und die Kontakte zu Regierungs-, NGO- und ND-Quellen des RUSI und seines derzeitigen Direktors – und die Praxis des Umgangs damit – angeht, würde ich vermuten, dass der Autor seine Informationen nicht einfach nur „aus der Luft“ gegriffen, sondern aus vielen Gesprächen mit Leuten, die qua beruflicher Befassung ein detaillierteres Lagebild haben, die aber nicht öffentlich zitiert werden wollen.

    Sollen Sie nun, auf Grund – meiner – Erfahrungen nun dem RUSI-Paper glauben? Nö, nicht zwangsläufig. Ich möchte Sie nur auf die Möglichkeit hinweisen, dass in der Rückschau der Historiker_Innen in 30+ Jahren die hier präsentierten Informationen vermutlich relativ nah an der Realität sein werden.

  13. @Boots on the Ground: Jaja, STRATFOR…

    Die STRATFOR-Szenarien sind alle – zurückhaltend formuliert – intellektuell sportlich konsstruiert. Allein die Prämissen – sie beziehen die NATO explizit oder implizit als aktiven Konfliktgegner ein – sind schon schwierig. Das einzig wahrscheinliche Szenario ist das 4., welches auf 7 Zeilen und ohne schicke bunte Kästchenkarte auskommt.

    Teil 2 zu Luftkriegsszenarien scheint ähnlich „fundiert“ zu sein.

    @Ulenspiegel: „Offensichtliches Problem ist, dass solche Studien einfach nicht gelesen oder zumindest verstanden werden, und deshalb weiterhin mit Szenarien argumentiert werden, die noch aus dem kalten Krieg stammen.“

    Sorry, aber die Steilvorlage muss ich einfach zu schamloser Werbung nutzen: Die (gute) Studie war eine der Grundlagen für meine Analyse der RUS Streitkräfte im ADLAS 01/2014 („Putins potemkinsche Panzer“) und das Heft war 2014 das deutlich am meisten gelesene (auch insgesamt über die Jahre eine vergleichsweise überduchschnittlich erfolgreiche Ausgabe… :)

    https://adlasmagazin.files.wordpress.com/2014/06/adlas-01-2014.pdf

  14. @Closius

    Warum sollte die NATO überhaupt wegen der Ukraine militärisch aktiv werden?

    Bisher hat sich unsere militärische Lage nicht verschlechtert. Ganz im Gegenteil, Russland hat einen Verbündeten weniger und einen Gegner mehr.

    Es ist doch wesentlich ungefährlicher unser Unbehagen über russiches Vorgehen durch wirtschaftliche Sanktionen zum Ausdruck zu bringen, damit reduzieren wir Putins propangandistische Möglichkeiten und weisen ganz nebenbei darauf hin, dass auch andere asymmetrisch kämpfen können.

    Da russische militärische Optionen mittelfristig ganz entscheidend an Wirtschaftswachstum gekoppelt sind, tun 5% weniger GDP richtig weh.

  15. @Ulenspiegel
    Deutschland zahlt allerdings auch für die Sanktionspolitik seiner Verbündeten einen hohen Preis in Form eines sinkenden Bruttoinlandsprodukts und dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/sanktionen-gegen-russland-deutsche-wirtschaft-warnt-vor-schaden-a-991528.html
    Dieser Schaden ist immerhin noch gering gegenüber dem, den eine militärische Eskalation des Konflikts über die Grenzen der Ukraine hinaus für Deutschland erzeugen könnte. Dies wäre ja eine mögliche Folge einer NATO-Präsenz in der Ukraine. Wie rasch so etwas geschehen kann, sah man 1999 im Kosovo, als russische und NATO-Kräfte nur knapp an einer direkten Konfrontation vorbeigingen, die so von keiner Seite beabsichtigt war, aber durch die Umstände dennoch beinahe geschah.

  16. @Max Ibl: „Sanktionspolitik seiner Verbündeten“? Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, war Deutschland beim Verhandeln der Sanktionen nicht nur passiver Zuschauer und Erdulder von dem, was sich „die Verbündeten“ da ausklamüsert haben, sondern relativ aktiv an der Ausgestaltung beteiligt. Ebenso gibts hierzulande auch eine breite, parteienübergreifende Zustimmung zu dem Kurs. Sogar der BDI hat sich dahintergestellt.

    Oder habe ich was zentrales verpasst?

  17. @ADLAS-Doe
    Die Bundesregierung gehört nicht zu den treibenden Kräften bei Sanktionen gegen Russland, gegen die es aufgrund der Deutschland stärker als andere NATO-Staaten treffenden negativen Wirkungen vor allem aus der deutschen Wirtschaft einigen Widerstand gab und gibt.
    Allerdings gab die Kanzlerin amerikanischem Druck dann entgegen dieser Warnungen und unterstützender Stimmen sowohl in CDU als auch SPD doch nach. Ob dies mit einer möglichen Erpressbarkeit der Kanzlerin als Folge der belegten Überwachung ihrer Kommunikation durch US-Nachrichtendienste zu tun hat, ist allerdings Spekulation.

  18. @Max Ibl: „Allerdings gab die Kanzlerin amerikanischem Druck dann entgegen dieser Warnungen und unterstützender Stimmen sowohl in CDU als auch SPD doch nach. Ob dies mit einer möglichen Erpressbarkeit der Kanzlerin als Folge der belegten Überwachung ihrer Kommunikation durch US-Nachrichtendienste zu tun hat, ist allerdings Spekulation.“

    Dass die deutsche Bereitschaft zu (auch harten und langen) Sanktionen vielleicht damit zu tun haben könnte, dass die anfänglichen und vergeblichen Versuche, die Russen in der Ukraine-Krise zunächst verbal zu einer deeskalierenden Rolle zu bewegen, an der Intransigenz Russlands (samt völkerrechtlich – vorsichtig formuliert – problematischer Annexion der Krim) scheiterten, ist demnach vermutlich weit hergeholt und irreal?

    Aber wir schweifen ab. Thema ist ja eigentlich die RUSI-Studie…

  19. b | 13. März 2015 – 6:43

    StratFor (und andere) gehen davon aus das Russland vorhat weitere Gebiete zu nehmen. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen und es wäre politisch wie strategisch für Russland auch zum Nachteil. Das ganze Pamphlet ist daher reine Spekulation.

    Falsch. Eine ganze Reihe von Anzeichen spricht dafür:
    1. Seit Tagen dauern Scharmützel und Artilleriebeschuss trotz des Waffenstillstands unvermindert an, zudem konnte der Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine durch die OSZE nicht bestätigt werden, lediglich ihr Abzug von einzelnen Frontabschnitten.
    2. Eine Landbrücke zur Krim würde eine Versorgung über den Landweg ermöglichen, was derzeit nur sehr kostspielig auf dem Seeweg möglich ist.
    3. Die russische Propaganda und die Separatisten propagieren die Eroberung / Verteidigung von Novorossiya und den Schutz der russischen Minderheit gegen das faschistische Regime in Kiew. Das wurde bisher nicht erreicht, kann innenpolitisch als Schwäche interpretiert werden und was wiederum Putins Herrschaft gefährdet. Zudem lenkt es von innenpolitischen Problemen ab.
    4. Ohne weitere territoriale Veränderungen verliert Russland die Kontrolle über die wichtigen Industriegebiete in der Ostukraine.
    5. Es ist militärisch möglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass die ukrainischen Streitkräfte den russischen Vormarsch aufhalten können ist gering, insb. wenn die russischen Streitkräfte kurzfristig verstärkt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die NATO eingreift, ist äußerst gering, und Waffenlieferungen werden den russischen Vormarsch wahrscheinlich nicht verhindern, sondern nur verzögern können.
    6. Würde danach gehen, was aus rationaler Sicht „politisch und strategisch“ (langfristig) nachteilig wäre, würde es die gesamte russische Intervention in der Ukraine nicht geben.

  20. ADLAS-Doe | 13. März 2015 – 12:24

    Die STRATFOR-Szenarien sind alle – zurückhaltend formuliert – intellektuell sportlich konsstruiert. Allein die Prämissen – sie beziehen die NATO explizit oder implizit als aktiven Konfliktgegner ein – sind schon schwierig. Das einzig wahrscheinliche Szenario ist das 4., welches auf 7 Zeilen und ohne schicke bunte Kästchenkarte auskommt.

    Stratfor bezieht die NATO nicht notwendiger ein:

    Taking this territory against the current opposition in Ukraine would require a force of around 24,000-36,000 personnel over six to 14 days. For defensive purposes, Russian planners would have to recognize the risk of NATO coming to Kiev’s assistance. Were that to happen, Russia would have to expand the defensive force to 40,000-55,000 troops to hold the territory.

    Insbesondere das erste Szenario (die Landbrücke zur Krim) ist mit den derzeit verfügbaren Kräfte ohne weiteres durchführbar, um so mehr, wenn diese kurzfristig verstärkt werden und die russischen Kräfte auf der Krim ausbrechen und sich mit aus den derzeitigen Separatistengebieten vorrückenden Angriffspitzen vereinigen.

    Zu der Einschätzung der russischen Streitkräfte:
    1. Der (derzeitige) Gegner ist nicht die NATO, sondern die Ukraine, und die russischen Streitkräfte sind – obwohl sie ihre ohnehin nur beschränkt vorhandenen Fähigkeiten nicht voll auspielen können – den ukrainischen Streitkräften deutlich überlegen, die unter jahrelanger Mißwirtschaft und Unterfinanzierung leiden.
    2. Der politische Wille ist vorhanden: Die russische Führung und die russische Bevölkerung sind bereit, ihre Soldaten über Wochen im Manöver und in Bereitstellungsräumen zu belassen. Mißhandlungen wie im Rahmen der „Dedowschtschina“ sind zwar nicht mehr so akzeptiert wie früher, werden aber toliert, genauso wie vergleichsweise schlechte Unterbringung, Ausbildung und Ausrüstung. Zudem ist die russische Bevölkerung aufgrund der russischen Propaganda von der Notwendigkeit des russischen Vorgehens überzeugt und dementsprechend bereit, die aus ihrer Sicht dazu notwendigen Verluste hinzunehmen. Das hat sie bereits im Fall Afghanistans, Tschetscheniens und Georgiens gezeigt.

    Dementsprechend sind die russischen Streitkräfte für einen begrenzten Krieg wie in der Ukraine mehr als geeignet und zur Not wird fehlende Klasse mit Masse ersetzt, wie der massive Einsatz russischer Artillerie in vergangenen Konflikten gezeigt hat.

    Insgesamt aber ein recht interessantes Heft, ich werde da mal weiter lesen.

    Und noch ein interessanter Blog für diejenigen, die ihn noch nicht kennen: https://russiamil.wordpress.com/

  21. „Sollten die Separatisten Mariupol einnehmen, dann befinden wir uns nicht mehr im Prozess von Minsk“, sagte er und fügte hinzu: „Dann sind wir mit der Normandie-Strategie gescheitert.“………………so Steinmeier gem. ZEIT in Washington.
    Somit scheint man eine gemeinsame US/EU „rote Linie“ gefunden zu haben.

  22. Eine deutlichere Aufforderung an die Russen, Mariupol einzunehmen, kann man kaum formulieren. Immerhin wären dann alle mit dem derzeitigen Truppenaufwand in einer Frühjahrsoffensive erreichbaren Kriegsziele erreicht.

  23. Jede Art von Sanktionen kostet uns weniger als eine militärische Auseinandersetzung, welcher am Ende dennoch diplomatischer Behmühungen bedarf.

    Ggf ist Putin zum äußersten entschlossen, unsere Gesellschaft ist es in jedem Fall nicht.
    Putin kann mit einem konv. Krieg gewinnen, mit einem Sanktionskrieg nicht.

  24. @HenLi:

    Der Angriff auf Mariupol wurde schon angekündigt, als die Russen gerade aus Slowiansk ausgebrochen waren. Seitdem dienen alle Kämpfe der Sicherung von Donetsk, insbesondere des Flughafens zur Einrichtung einer Luftbrücke, der Einnahme von Lysitschansk und Slowiansk sowie der Einnahme von Mariupol.
    Geheimdienstliche Vorbereitungen mit Anschlägen und Subversion richten sich gegen Charkow und Odessa.
    Rußland ist nach wie vor in der Offensive und bremst nur zwischenzeitlich immer mal ab, um den Steinmeiers und Platzeks mehr Wirkung zu verschaffen.

  25. @adlas: „etwa die zur konkreten Teilnahme spezifischer russischer Einheiten (inkl. Sperrverbände), werden in der Tat gar nicht mit Quellen unterfüttert.“
    Hierzu, im Januar frug Nowaja Gaseta im Ukrainischen MoD an wg. Teilnahme Russischer Militärangehöriger im Donbass, Antwort dann Mitte Februar, veröffentlicht zum Monatsbeginn. U. a. werden konkret Russische Verbände, Vereinigungen und Einheiten aufgelistet:
    20. Allgemeine Truppenarmee
    Küstenverteidigungskräfte (der Baltischen Flotte)
    36. Allgemeine Truppenarmee des östlichen MB
    13., 14., u. 56. Garde-Luftsturmbrigade
    98. u. 106. Luftlandedivision
    7. u. 76. Luftsturmdivision
    45. Selbst. „SpezNas“-Brigade GRU
    Hinweise auf Personal FSB und MWD

    Es werden beteiligte Kommandeure mit Namen, Dienstgraden, Dienststellungen, Einheiten und „posywnoj“ der 98. Luftlandedivision WDW und der 16. Selbst. „SpezNas“-Brigade GRU (Tambow) genannt.

    Desweiteren folgt eine umfangreiche Auflistung von festgestellter Ausrüstung (Bewaffnung) Russlands.

  26. Deutsche Kräfte in der Ukraine: Nach Angaben der WELT kämpfen über 100 Deutsche, oft Ex-Bundeswehrsoldaten für die Separatisten in der Ostukraine. Über ein dutzend Kämpfer will die WELT namentlich identifiziert haben.
    In einem Filmbeitrag wird ein russlanddeutscher Kämpfer vorgestellt (ob er bei der Bundeswehr war wird nicht angegeben) der jüngst gefallen ist. Bezeichnend: Er war wegen Totschlags zu 7 Jahren Haft verurteilt gewesen.
    Quelle WELT-online vom 15.3. ,“ Mehr als 100 Deutsche kämpfen in der Ostukraine“

  27. Beim „ausklamüsern“ der Sanktionen haben Industrie und Regierungen Fehler begangen bzw. Indirekte Folgen nicht beachtet. Die haben z.B. Waffenlieferungen die auf alten Verträgen ausgeklammert, nur um diese dann National zu verbieten. Bei den Gefechtszentrum und den Mistral Geschäft wurden jetzt mit den Nicht Ausliefern die Verträge hinfällig. Selbst wenn man die Verträge mal reparieren kann, dürfte ein hoher Finanzieller Schaden entstanden sein, den die Industrie von den Verbotsländern ersetzt haben will. Bei Konsequenten Handeln gäbe es wohl weniger Angriffspunkte für die Industrie. Die nicht ausgelieferte Mistral kostet die Franzosen pro Monat 2,5 Mio. Sehr bald ist auch die zweite Mistral fertig. Das Gefechtszentrum wird in den Containern auch nicht unerhebliche Kosten verursachen. Putin wird mit seinen Hybriden Angreifen weiter machen, bis Poroschenko und Jazenjuk weg sind. Die Russen werden kaum etwaige Mehrkosten tragen wollen.

    Die Russische Wirtschaft wurde umfassend von Fremdwährungskredite abgeklemmt und das wird sich nach Aufhebung der Sanktionen nicht so schnell wieder ändern. Damit konnten dann die Russischen Firmen nicht mehr bei EU Firmen bestellen. Da ist wohl ein Teil der Industrie von EU Qualitätsware auf Asiatische Billigware umgestiegen, wodurch dann die EU Firmen ihre Preise senken mussten um den Absatzmarkt zu verteidigen. Andere steigen nach und nach aus den Russischen Markt aus. Im Vergleich zum Transatlantischen und Asiatischen Markt ist der nicht so bedeutend.

    Jazenjuks Radikals für die Ukrainische Wirtschaft um sich von Russischen Markt abzuklemmen ist krachend gescheitert, da der Export in die EU nicht mehr wächst. Ein guter Angriffspunkt für den Kreml im Kampf gegen Poroschenko und Jazenjuk. Der Russische Markt ist für die Ukrainer sehr viel bedeutender als andersherum. Bei 30% Leitzinsen wird eine Umorientierung unmöglich sein. In Kiew bekriegen sich Poroschenko und Jazenjuk wieder.
    „Vergangene Woche hielten sich erneut hartnäckig Gerüchte, wonach Jazenjuk mit seinem Rücktritt gedroht habe. Er soll Poroschenko aufgefordert haben, einer gründlichen Umbildung des Kabinetts zuzustimmen. Es hieß, dass bis zu elf Minister gehen sollen.“ Tagesspiegel.de „Poroschenko kämpft an allen Fronten“

    Diese quasi Allparteien Regierung blockiert sich nur selber und regiert nicht. Von Reformen braucht man nicht mehr zu träumen. Die werden so nicht einmal die Wirtschaft wieder stabilisieren können und werden daher nicht lange überleben.

  28. Die Aussichten auf Offensiv Waffenlieferungen für Kiew werden nicht besser:

    “Providing weapons is not a strategy,” U.S. Army Europe Commander Lt. Gen. Ben Hodges said Tuesday during a Defense Writers Group breakfast. “I think the focus on lethal versus non-lethal aid is the wrong argument to have.”
    Instead, Western leaders should be focused on the “desired end state” in the region.“
    http://thehill.com/policy/defense/235998-giving-arms-to-ukraine-isnt-a-strategy-general-says

    Poroschenko, Jazenjuk & Co. sind zu dämlich und unzuverlässig um Waffen zu bekommen. Klitschko redet von 3 Weltkrieg, Das Parlament verabschiedet eine Autonomie für den Donbass, aber nur nach Wahlen wo Kiew allein die Regeln bestimmt. Dazu sollen die Seps noch Gebiete abgeben. Die auf der Krim verbliebenden Ukrainischen Soldaten, die Russland übernommen hat, will die Ukraine jetzt als Deserteure verfolgen.

    Im Pentagon sehen das wohl viele besser, wenn man den Konflikt mit weitreichenden Zugeständnisse einfrieren könnte, um danach die Restlichen Problemgebiete mit Zivilen Mitteln zu beruhigen. Und eine funktionierende Armee aufzubauen.

    Im Donbass schießt man sich wohl für die nächsten schweren Gefechte schon warm. Ein Problem bei der Wiederaufnahme der Gefechte ist, dass sich der IWF zurückziehen könnte. Der Westen ist wohl nicht bereit die Ukraine weiter ungesicherte Kredite zu gewähren. Mit den 17,5 Mrd. Paket des IWF wird Kiew nicht sehr lange durchhalten.

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