Globale Risiken 2015: (Zwischenstaatlicher) Krieg unter den Top 10

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Das World Economic Forum hat in der vergangenen Woche erneut, zum zehnten Mal, eine Übersicht über die globalen Risiken in diesem Jahr vorgelegt (mit Unterstützung der Zürcher, pardon Zurich Versicherungsgesellschaft, was durchaus Sinn macht, weil Versicherungsgesellschaften sehr genau wissen wollen, welche Probleme auf sie zukommen könnten). Das Interessante, oder eher beunruhigende: Wenn man sich die zehn größten aktuellen Risiken weltweit anguckt (siehe Grafik oben), und zwar gelistet nach Wahrscheinlichkeit, steht der – zwischenstaatliche – Krieg wieder auf der Tagesordnung. Er führt sogar die Liste der wahrscheinlichsten Risiken an, noch vor Naturkatastrophen durch extreme Wetterereignisse, und steht auf der Liste der Risiken mit den gravierendsten Auswirkungen immerhin noch an vierter Stelle.

Auffällig ist das nicht zuletzt deshalb, weil Interstate conflict in den vorangegangenen Ausgaben dieses Berichts, sofern ich nichts übersehen habe, unter den Top Ten gar nicht auftauchte (die Gefahr zusammenbrechender Staaten dagegen schon). Ehe das falsch verstanden wird: auch andere risiken wie Wasserprobleme oder Umgang mit dem Klimawandel dürften schon genug Anstrengungen erfordern. Dass kriegerische Konflikte, die ja zusätzlich Probleme schaffen, so weit nach oben rücken, ist das Beunruhigende.

Wer da tiefer einsteigen möchte: der ganzen Bericht findet sich auf dieser Webseite, zum direkten Herunterladen hier und die Pressemitteilung dazu hier. Als Ideengeber mitgewirkt, so steht es jedenfalls im Vorwort, hat auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

(Danke für den Leserhinweis!)

 

14 Gedanken zu „Globale Risiken 2015: (Zwischenstaatlicher) Krieg unter den Top 10

  1. Guten Tag,

    Ich möchte ja nicht auf der Wortwahl herumhacken, jedoch auf Grund der langjährigen Diskussion über „Krieg“ als Bezeichnung für eine militärische Auseinandersetzung, ist meiner Meinung nach zweckmäßig, die rechtlich- und fachlich korrekten Bezeichnungen zu verwenden und von internationalen bewaffneten Konflikten und nicht-international bewaffneten Konflikten zu sprechen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Jan

  2. Das nennt man wohl „setting the scene“, denn – gem wiki – findet „das 45. Jahrestreffen zwischen dem 21. und 24. Januar 2015 statt und steht unter dem Motto „The New Global Context“ (Der neue globale Kontext). In diesem Zusammenhang werden vier Kernthemen diskutiert: „Crisis & Cooperation“, „Growth & Stability“, „Innovation & Industry“ und „Society & Security“.“

    Das der interstate conflict nunmehr ganz oben auf der Wahrscheinlichkeitsskala steht ist angesichts der Lage in der Ukraine ja nun nicht verwunderlich…..denn letztendlich ist der Konfliktfall ja schon eingetreten, auch wenn „nur“ auf lokaler Ebene gekämpft wird, so ist dieser Konflikt regional und überregional ja durchaus als Wirtschaftskrieg zu verstehen.

  3. @Jan

    Abgelehnt.

    (Dies ist ein journalistisches Blog und keine wissenschaftliche Publikation. Und den Begriff Krieg aus dem Sprachgebrauch zu tilgen und durch die rechtlich- und fachlich korrekten Bezeichnungen wie internationale bewaffnete Konflikten und nicht-internationale bewaffnete Konflikten an deren Stelle zu setzen, ist so ähnlich wie statt von Waffen nur noch von Wirkmitteln zu reden. Das machen wir hier nicht.)

  4. Naja, auch wenn die Wahrscheinlichkeit schon deutlich ist – damit ist ja nicht gesagt, wie häufig das Einzelereignis auftritt. Also, ein zwischenstaatlicher Krieg (den wir ja, wie angemerkt, mit UKR – RUS derzeit schon haben) reicht, um die Prognose zu erfüllen.

    Müssen wir deshalb fürchten, dass es 2015 ein halbes dutzend zwischenstaatlicher Kriege gibt? Ich hoffe, nein….

  5. Passt ja recht gut zum Thema was da gerade über T.W.’s Twitter-Ticker lief: Die Welt Interview mit Wolfgang Ischinger „Wir erleben ein Versagen der Global Governance auf breiter Front“.

  6. Mit Blick auf globale Risiken hinterlassen andere zumindest den Eindruck von Einsatzbereitschaft: https://www.youtube.com/watch?v=hWC8J93prJU

    Wir hingegen beschleunigen in dieser sehr volatilen Welt (siehe Ischinger) noch den Zerfall der eigenen Armee.

    Irgendwann holen uns beide Entwicklungen ein.

    Dafür scheint sich niemand mehr wirklich zu verantwortlich fühlen.

    The show must go on…

  7. @ADLAS-Doe:

    Schon klar mit der Maskirovka (daher schrieb ich ja „den Eindruck…“), aber wir sind ja nicht mal mehr dazu in der Lage.

    Aber auch die Analyse (Danke für den Hinweis) zeigt ja dass es durchaus einen substantiellen Lerneffekt dort gibt:

    „…but will make it a much more effective fighting force in the next 5-10 years…“

    Das kann man von der Bw ja jetzt nicht gerade sagen…

  8. @ADLAS-Doe

    „., die ILÜs klappen doch immer noch ganz gut“

    von jedem eins und ohne Mun „Breite vor Tiefe“ oder „Deckung vor Wirkung“ das war das Ziel von TdM. Die Reform unumkehrbar zu machen, mit dem Ziel einer EU Armee. Leider ohne Abstimmung mit Partnern, dem Volk und der Gesetzgebung.

  9. Ach, selbst die ILÜs sind doch trotz des Engagements der beteiligten Verbände und dem Streben karriereorientierter Vorgesetzter eher eine Vorstellung der Mangelwirtschaft und des Unvermögens seitens der Bundeswehr. Und wer dann mal über Jahre hinweg auf dem Leitungsturm gesessen hat, der weiß was ich meine.

  10. Den kompletten Artikel müßte man ausdrucken und allen auf den Schreibtisch kleistern, die mit Außen- und Sicherheitspolitik zu tun haben:

    Analyst Provides Insider View of Russian Government Think Tank

    SVR Lieutenant General Leonid Reshetnikov reportedly became an ardent Orthodox Christian and an admirer of imperial Russia at the time when he was responsible inside the spy agency for the Balkans. This fondness for religion and the glorious past of imperial Russia informed many of his catastrophic decisions, according to Sytnik (Nomos.by, January 3).

    Reshetnikov’s institute consistently badly advised the Russian presidential administration by telling it that the post-Soviet states were not full-fledged legal entities under international law and that the Russians were the only state-founding people (gosudarstvoobrazuyushchy narod) in the entire post-Soviet space; therefore, the Russian Empire should be restored.

    http://www.jamestown.org/single/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=43421&tx_ttnews%5BbackPid%5D=7&cHash=2d45382e4a3c65874d41c0d814cf6693#.VMFPN98k4U7

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